Der Knacks (Roger Willemsen)
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Schlagworte: Roger Willemsen
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30. Dezember 2008 um 18:48 Uhr
Willemsens Buch über den Knacks ist in der Gesamtschau leider eine Enttäuschung.
Der Grundgedanke des Essays ist im Prinzip interessant: Willemsen beschreibt den “Knacks” als Gegensatz und in der Abgrenzung zum harten Bruch als eine individuelle wie kollektive Kategorie der Erfahrung, als ein Phänomen, das sich in der eigenen Psychogeschichte wie auch im gesellschaftlichen Alltag nachverfolgen lässt.
Leider ist der Essay aber durchweg geschwätzig und innerhalb der einzelnen Kapitel nur unzureichend strukturiert. Anstatt den interessanten Gedanken halbwegs systematisch zu entfalten und zu entwickeln, fabuliert Willemsen unnötig wortreich herum, schweift ab, überhäuft die meist aussichtsreichen Leitgedanken der einzelnen Kapitel mit viel zu langen, oft nur assoziativ wirkenden Wortreihungen, die mehr ablenken als zu den Gegenständen vorzudringen.
Willemsen hätte das gleiche Buch auf 50 Seiten schreiben sollen und es wäre gut und lesenswert geworden.
30. Dezember 2008 um 18:48 Uhr
In seinem Essay mit dem Titel < Der Knacks > geht es Roger Willemsen um eine lange Reflexion um das Werden und Vergehen, um Leben und Tod, Kindheit, Jugend, Beziehungen zu uns selbst und die uns umgebenden Menschen.
Er ist ein Meister der vielen Worte, mit denen er seine Themen umkreist. Dabei fällt ins Auge, dass er mit sezierendem Blick alles beobachtet, was um ihn herum geschieht. Ob es der frühe Tod des Vaters ist oder die offensichtlich nicht geliebte Mutter: er scheint voller Gefühle in der Darstellung seiner Beobachtungen, dazu wird auch Hölderlin zitiert, zugleich entbehrt seine Schilderung jeglicher Anteilnahme. Es ist ein intellektueller Disput mit sich selbst, in der er sich über die Welt auslässt. Freunde, Geschwister, der sterbende Vater und die gestrenge Mutter: alles erfährt genaueste Wahrnehmung mit frostigem Blick. Einzig die Natur und ein weißes Huhn, das er zur nächsten Bäuerin trägt, als gerade der Vater gestorben ist, gibt ein Gefühl der Zärtlichkeit wieder. So fragt man sich, ob hier einer aus der eigenen Wirklichkeit flieht, sie hypostasiert, um sich den eigenen Gefühlen nicht zu stellen.
Viele Gedanken reihen sich an einander, regen zum Nachdenken an und verlieren sich im Nichts. So bleibt der Eindruck eines Sprachjongleurs, der mit der Begabung von Sprache hinter den Gedanken herläuft.
Die Idee scheint gut: der Knacks als symbolhafte Erscheinung des Krackelee, der Alterung in der Malerei, zeigt uns, dass die Übergänge von Entwicklungsstufen und Alterserscheinungen unmerklich vonstatten gehen. Darüber allerdings ließe sich trefflich streiten. Gibt es doch durchaus dialektische Sprünge in Entwicklungen, wie z. B. das Laufen lernen des Kindes oder plötzliche Einsichten, die als so genannte Aha Erlebnisse passieren. Auch Alterungsprozesse verlaufen nicht immer nur unmerklich und im Rückblick sondern bieten täglich wahrzunehmende schmerzliche Prozesse.
Alles in allem ist die Idee zum Buch gut, doch in der Ausführung verläuft sich die Geschichte auf zu vielen Nebengleisen und ermüdet den Leser.
30. Dezember 2008 um 18:48 Uhr
Vor ca. 3 Wochen auf ca. Seite 50 aufgehört. Sehr verärgert. Wollte eigentlich gleich kritisieren. Keine Zeit gehabt. Nun mit etwas Abstand:
Der Autor erschlägt mich mit seinem bekannt hohen Wissensstand. Warum läßt er seine Keule nicht im Schrank? Im Anhang des Buches sind die ca. 140 Autoren, Werke o.ä. Fundstellen aufgeführt, die er in seinem Buch als Zeugen seiner Thesen aufgeführt hat. Hatte er Angst, ohne diese Zitate oder Bezüge unglaubwürdig zu sein? Hatte der Autor selbst einen Knacks, als er sich zu diesem Buch entschloß? Mir hat sich nicht erschlossen, was er bewirken will. Richtige Psychologie ist es jedenfalls nicht, auch wenn es gerade auf den ersten seiten so klingt, auf denen es um Kinder und kindliches Verhalten geht.
30. Dezember 2008 um 18:48 Uhr
Eine wohlgelungene, aber schwer verdauliche und nachhaltige Kost, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist.
Schon während der ersten Seiten dieses Buches zwingt das Gelesene den Leser, sein eigenes Leben zu überdenken. Man fängt an, den Knacks in sich zu suchen, wann er stattfand und was ihn auslöste.
Ein empfehlenswertes Buch für Menschen, die sich nicht scheuen mit offenen Augen in ihre eigenen innerlichen Abgründe zu sehen.
Leider sind an einigen Stellen im Buch derartig lange Schachtelsätze eingebaut, dass ich am Ende eines solchen Satzes nicht mehr wußte, was am Anfang stand. Aber ansonsten ein wohlgelungenes Werk und jeder, der dieses Buch gelesen hat, wird die Welt mit anderen, sensibilisierten Augen sehen.
30. Dezember 2008 um 18:48 Uhr
Ich kaufte mir dieses Buch, da ist auf der Spiegel-Bestsellerliste steht und der Autor sich schon einmal mit der göttlichen Charlotte Roche über Analverkehr unterhalten durfte.
Der Titel, der Knacks, ist irreführend. Es kommt weder Knacks der Bruchpilot drin vor noch der Professor Knacks aus den Fix und Foxi Heften.
Das Buch ist eine Aneinanderreihung von Worten, stellenweise gut gewählten Worten, die jedoch im Satzgefüge keinen Sinn ergeben. Vielleicht müsste man die Worte irgendwie anders sortieren.
8. Januar 2009 um 19:18 Uhr
Willemsen beobachtet und erklärt den Knacks
Das essayistische Buch Willemsens beginnt autobiographisch, mit dem Tag, als sein Vater starb und er ein verirrtes Huhn zur Bäuerin zurückbrachte, dem Tag, als der Knacks in sein Leben trat, wieder einmal.
Willemsen beobachtet und erklärt den Knacks, bei sich und bei anderen; mit großer Offenheit erzählt er von einer krebskranken Freundin, von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Knacks, aber er zeigt auch Paare, deren Knacks in Cafes und Hotelräumen offenbar wird. Er zeigt Begebenheiten, nimmt Beispiele aus der Kultur, erklärt diese Phasen, die er einfach unter dem Knacks subsumiert.
Und wie er beobachtet und erklärt, das ist schon ziemlich herausragend. Bildstark und stark verdichtet, solche Sprachgewalt ist ungewöhnlich, kostet Konzentration und mehrmaliges Hören, um wenigstens den Hauptteil der Gedanken mitzubekommen. Das ideale Buch für eine Hörbuchversion ist Der Knacks” sicherlich nicht; hat man eine Formulierung gerade erst verdaut, dann hat man sicherlich auch vier weitere verpasst - und manchmal, wenn Willemsen nicht erzählt, sich im Gegenteil in der Philosophie ein wenig verliert, dann ist es wirklich schwer, dabei zu bleiben - da ist ein Hörbuch einfach unerbittlich, während man in einem Buch noch mal zurückblättern kann.
Aber die Gedanken, die man schon beim ersten Mal versteht, sind auch gleich sehr beeindruckend, oft ein bisschen pessimistisch, manchmal nah am Zynismus, aber immer auch gut beobachtet und vorgetragen - man muss mitdenken, im Geiste mitdiskutieren, Argumente abwägen, ja, dieses Buch fordert den Verstand des Hörers heraus. Sicherlich muss man nicht jeden Gedanken teilen, der gleichen Meinung sein, aber verstehen kann man, und sich auseinandersetzen muss man.
Vermutlich ist selber lesen hier wirklich von Vorteil, aber ohne Frage ist auch das Hörbuch eine echte Herausforderung, eine von den Herausforderungen, die der Kopf immer wieder braucht, um nicht einzurosten. Dafür ist Roger Willemsen dringend zu danken.
11. Januar 2009 um 14:17 Uhr
Schade
Ich kenne Roger Willemsen vor allen Dingen durch seine Präsenz im Fernsehen. Dort lernte ich ihn in erster Linie als einen sehr empathischen und intelligenten Interviewer kennen.
Auf seine aktuelle Veröffentlichung stieß ich durch Zufall. Da mich sowohl das Thema, als auch der Autor interessierten kaufte ich das Buch sofort und begann es mit großer Neugierde zu lesen.
Nach kurzer Zeit machte sich Enttäuschung in mir breit. Seine weitschweifigen Gedanken welche er niedergeschrieben hat, gehen in weiten Abschnitten in ein freies Assoziieren über, so dass mitunter der Leser mit der Frage zurückbleibt, was wollte mir der Autor damit sagen? Leider musste ich mir diese Frage immer mal wieder stellen. Roger Willemsen hat seinen Gedanken freien Lauf gelassen und dabei meines Erachtens zu wenig an seine Leser gedacht, oder hatte er nur eine sehr kleine hoch intellektuelle Zielgruppe vor Augen? Das ist in meinen Augen sehr bedauerlich, denn es handelt sich um eine hochinteressante Thematik, welche der Autor vor dem Hintergrund der eigenen Biographie abhandelt, aber auch auf die verschiedensten Bereiche überträgt und diskutiert.
Bei aller Kritik hat dieses Buch aber auch seine Stärken. Dies sind für mich in erster Linie die autobiographischen Anteile und die Abschnitte, in welchen Willemsen sich in seinem Denken und Fühlen dem Leser offenbart. In diesen Passagen wird es ein sehr persönliches Buch. Genau diese Passagen sind es, die mich als Leser angeregt haben, über die eigene Person zu reflektieren über die Brüche und Veränderungen in der eigenen Biographie.
Wenn man mich zuletzt fragt, ob ich dieses Buch empfehle, so kann ich keine eindeutige Antwort geben. Es wäre vermessen, dieses Buch abzulehnen oder als schlecht zu bezeichnen. Es bleibt der Respekt vor dem Autor, der sich in seiner Persönlichkeit dem Leser weit öffnet und damit zur Selbstreflexion anregt, es bleibt aber auch der Hinweis darauf, dass dieses Buch dem Leser sehr viel abverlangt.
26. Januar 2009 um 23:34 Uhr
Freie Assoziationen auf der Couch?
Der Autor erzählt, zusammenhanglos und ohne jeden roten Faden, irgendwelche Episoden aus seinem Leben. Ich würde mich sehr wundern, wenn ihm die Idee, das ganze unter den Titel “Der Knacks” zu stellen, nicht erst ganz am Schluss gekommen wäre. Von einem Essay im Sinne einer systematischen Betrachtung eines Themas unterscheidet sich dieses Buch wie ein Wackelpudding von einem Schraubstock.
Bei der klassischen Psychoanalyse liegt der Patient, der seinen Knacks loswerden will, auf der Couch und soll, frei assoziierend, erzählen, was ihm gerade einfällt. Der Psychiater sitzt dahinter und muss zuhören. Dafür nimmt er dann hundert Euro die Stunde.
Roger Willemsen macht den Leser zu dem Typ am Kopfende seiner Couch. Allerdings gibt er ihm dafür kein Geld, sondern will sogar welches dafür haben. Für diese Chuzpe hat er meine Hochachtung - für sein Geschwurbel nicht.
26. Januar 2009 um 23:34 Uhr
knacks
zuviel des schafelns, eine elegie, die den leser ermuedet. die kapitel sind in abschnitte (absaetze) unterteilt, die kaum zusammenhaengen, grosse gedanken vorgeben, sich auf zitate bedeutender denker und anderer schreiberlinge berufen, dann aber den erwartungen nicht gerecht werden. axel corti schau oba.
2. Februar 2009 um 18:51 Uhr
Ein gelungenes Buch
Roger Willemsen hat ein wirklich intelligentes Buch geschrieben. Zu diesem Thema gibt es ja so einiges auf dem Markt, aber meist ist vieles davon seicht geschrieben oder bleibt an der Öberfläche hängen. Der Knacks ist m.E. ein sehr viel tieferes Werk. Zum Teil ist es recht schwierig geschrieben, aber wenn man sich darauf einlässt, gibt einen dieses Buch sehr viel. Ich habe an vielen Stellen innehalten und nachdenken müssen.
A. Rösler
4. Februar 2009 um 05:51 Uhr
Geschwurbel
Ein verschwurbeltes, langweiliges Dings, dieser “Knacks”. Gar zu sehr versucht Willemsen, sprachlich hochklassig zu schreiben. Das kommt arg bemüht und gedrechselt daher. So über-emsig, fast verkrampft. Hab nach 50 Seiten aufgehört zu lesen. Schade, denn das Thema ist gut.
10. Februar 2009 um 04:17 Uhr
Der knacks
Wahrlich eine schwere Kost, dennoch ein aktuelles Thema auf hohem Niveau geschrieben. Ich fühlte mich elegant unterhalten in wunderbaren Passagen, beim suchen, finden und ERKENNEN! Lehrreich und erkennbar, wie man unter anderm, sich z. B. im Leben ‘verbogen’ hat, und es immer noch tut.
Empfehlendswert, Verschiedenes zweimal lesen, um Tiefe und Sinn verstehen.
Ein wertvolles Buch, für alle, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.
18. Februar 2009 um 04:34 Uhr
Wann kommt der Punkt?
Der Titel, das Cover alles was ein gutes und interessantes Buch ausmachen kann wäre erfüllt. Wenn da nicht der unersättliche Drang des Autors wäre, unter Beweis zu stellen, dass der “normal” denkend und sprechende Leser nicht der richtige für den Intellektuellen Anspruch Roger Willemsens ist. Schade dass er scheinbar seine durchaus tiefgehenden und hilfreichen Ansichten nicht mit jedem teilen will. Es geht nicht darum das man den Gedanken nicht folgen könnte, man verliert aber durch das ständige, fast zwanghafte ausschmücken in jedem Satz ganz einfach die Lust am lesen. Gerade aber ein Thema wie dieses, so zu formulieren, das es jeden ein Stück auf dem eigenen Lebensweg weiterhilft würde für die Qualität und die Bedeutung sowohl für Buch und Autor sprechen.
19. Februar 2009 um 20:34 Uhr
Wann wurde das Buch nicht, was es hätte sein können?
Der Knacks stellte sich ein, beim Lesen des Buches. Wann, wodurch? Anders als das mit dem Leben der Fall zu sein scheint, lassen sich, da man auf das Gelesene als Abgeschlossenes zurückblicken kann, diese Fragen beantworten: In dem Moment, in dem die Ausführung in ihrer übertriebenen Aneinanderreihung redundant schien, hatte ich das Gefühl, ein Buch gekauft zu haben, das nicht meinen Erwartungen enstprach. Die Sprache des Buches hat zu einem Knacks geführt, leider. Die Fragestellungen, die aufgegriffen wurden; die Beispiele, die Willemsen aus seinem eigenen Umfeld wählt und die er aus der Literatur nimmt und die Weigerung, eine eindeutige Anwort auf die Frage: “Wann wurde ein Leben nicht das, was es hätte sein können” zu geben, machen das Buch allerdings thematisch ansprechend und lassen es mich weiterempfehlen. Sehr anregend waren außerdem die nicht expliziten Anspielungen auf literarische Texte in seinen Schilderungen, die mich innehalten ließen - der Essay las sich streckenweise wie ein Literaturrätsel.
19. Februar 2009 um 20:34 Uhr
Psychologie pur
Willemsen hat eine fantstische Sprache. Ein Denker im klassischen Sinn, das Buch hat mich aufmerksam gemacht, mitfühlend, für die Tatsa.che, dass Biografien nie gewertet werden dürfen. Und dass wir selbst von Menschen, die wir meinen gut zu kennen, nur einen kleinen Ausschnitt wahrnehmen. In Roger Willemsen hat Deutschland einen wahren Schriftsteller und Denker. Jörg Engelhardt
21. Februar 2009 um 12:17 Uhr
Beeindruckend
Ein sehr tiefes, verstörendes Werk, was mich in seiner Intensität an Jean Amérys Buch über das Alter erinnert, mit Sätzen, die man manchmal zwei mal lesen muss, um sie wirklich zu verstehen, die dann aber einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Oft gibt es sowas heute nicht mehr zu lesen.
2. März 2009 um 07:00 Uhr
kein Lesespaß!
also, ich lese ja wirklich gerne mit viel Ausdauer, aber das Buch habe ich nicht geschafft, das war mir zu unstrukturiert, zu sprunghaft, zu langweilig, das Meiste hat man schon gelesen oder gehört.
Tut mit leid, Roger, von mir leider keine gute Bewertung!
6. März 2009 um 17:51 Uhr
Quacks
Eigentlich verfolge ich R.Willemsens weitschweifendes Schaffen immer recht
fasziniert-jemand der gut beobachtet,einfühlsame Interpretationen,kritisch…bei diesem Buch habe ich ein Problem:lege selten Bücher weg und versuche mich durchzukämpfen,ich bin gespalten und ambivalent.Das Buch ist ein intellektuelles,hochassoziatives 300 Seiten
Schlafmittel:es beleuchtet den Knacks unendlich,immer wieder,nervtötend von verschiedenen Seiten.Sicher,dass ich der Intelektualität gewachsen bin-ist dieses Buch für mich unergiebig,langweilig,es tritt auf der Stelle.Faszinierend,der Geist,der es schrieb–alleine das reicht aber nicht zum Durchhalten.Hoffe auf ergiebigere Produktionen von Herrn Willemsen.
24. März 2009 um 18:51 Uhr
Selbstverliebt
Roger Willemsen hält sich für den Mittelpunkt der Erde. Dass er einen Knacks hat, weiß jeder, der Ihn selbstverliebt schwafelnd in Talkshows erlebt hat. Jetzt kann sich jeder überzeugen: Roger Willemsen kann nicht schreiben: “… wo mir die Bäuerin freudestrahlend das Tor öffnete und das Huhn mit einem Schwall von Koseworten bedachte. Ich nahm es in beide Hände, legte es an den Busen der Bäuerin und ging heim.”
Brrrr… Schwülstiger gehts nimmer; langweiliger und abschweifender auch nicht.
29. März 2009 um 07:00 Uhr
Buch mit Witz, Charme und Tiefgang
Ich habe das Buch gekauft, weil der Autor eine für mich sehr ansprechende Art des Ausdrucks hat. Er schreibt mit viel Hintergrundwissen und Lebenserfahrung über die banalen Dinge des Lebens.
7. Mai 2009 um 03:00 Uhr
Goldsuche im Schlamm eines gewollten Wortkünstlers
Willemsen lese ich sehr gern und ungern zugleich. Er ist ausgesprochen belesen, gebildet, viel in der Welt herum gekommen und hat einen Blick für Menschen und Situationen. Er macht sich viele Gedanken und regt einen mit seinen Gedankenspielen an. Sein Schreibstil ist allerdings nicht Jedermanns Geschmack. Willemsen wirkt in seiner “Schreibe” eitel und gekünstelt verspielt (vor allem mit seinen fast erzwungen immer wieder verwendeten Wortspielereien).
Auch in diesem Buch über den Knacks (Der Knacks ist der Wendepunkte vom Werden zum Vergehen) ist er für mich am Besten, weil am Anregendsten, in seinen Anekdoten und Beispielen, von denen es sehr viele gibt (!) - am Schlechtesten in seinen überfrachteten, mit Fremdwörtern bespickten, immer wieder Wortspielereien suchenden Sätzen, die eher verwirren denn Klarheit schaffen. “So zu sprechen, dass einen niemand versteht, ist keine Kunst. Intelligenz zeigt sich darin, für jedermann verständlich zu sein.” Diesen Satz von Klüpfel/Kobr sollte Willemsen mehr berinnerlichen.
Der Knacks ist der Wendepunkte vom Werden zum Vergehen. Es ist der Beginn vom Abschiednehmen. Abschiednehmen von den Möglichkeiten, die man nicht mehr wahrnehmen kann. In der Jugend macht man sich nicht allzu viele Gedanken über die Endlichkeit der Möglichkeiten oder des Lebens. In der Mitte des Lebens stellen sich dann aber kleine Erkenntnisse ein, die einem diese Endlichkeit vor Augen führen. Zumeist nicht als ein schockierendes Erlebnis, sondern in vielen kleinen “Niederlagen” wie dem endgültigen Abschied von einem Traum, einer Liebe, der nachlassenden Sehkraft, der Entdeckung der Langsamkeit, weil die Kinder plötzlich schneller laufen können usw. All diese kleinen und großen Haarrisse stellen jeweils einen “Knacks” dar.
Ein sehr empfehlenswertes Buch, das zum Denken anregt. Allerdings mit den beschriebenen “Eigenheiten” von Willemsen’s Schreibstil. Ein Beispiel zum Schluss von S. 208 “Die Gesichter der Menschen gewinnen etwas Bürokratisches in der Furcht vor der Ausbreitung der Untauglichkeit in ihrem Innenleben. Einige kapitulieren gerade mitten in der Blüte oder knospen schon welk.” Wer Sätze wie diese ertragen kann, wird dieses Buch lieben.
9. Mai 2009 um 18:51 Uhr
Pathetisch
“Sind wir überhaupt noch anwesend in unserem Leben, und warum sitzt selbst im Glück der Knacks?” Der Knacks ist ein Prozess, ein Zeichen der Zeit. Thematisch eigentlich ansprechend, versprach der Essay doch mehr als er hielt. Ich habe Schwung vermisst, Leichtigkeit und Ironie. Gerade weil diese zur “Sprechform für den Knacks” wird. Er ereilt uns doch alle.
Sicher sind einige imposante Wort- und Bildschöpfungen zu finden, aber kein wohltuend- sprachliches Ganzes. Zu viele intellektuelle Gebilde schleppen sich träge dahin und anästhesieren. Schade, habe es nur bis zur Hälfte geschafft.
15. Mai 2009 um 06:00 Uhr
darf ich dieses Buch beurteilen?
ich frage mich wirklich ob ich dieses Buch beurteilen kann und darf. Denn ich habe es nicht zu Ende gelesen. Zu verschachtelt sind mir die Sätze. Zu deutungsreich die Bilder. Ich kann nur nicht sagen ob ich einfach keinen interlekuellen Zugang zu dem Buch finde ober ob es einfach nur nicht mein Thema ist?
Mir hat das Lesen auf jeden Fall einen Knacks versetzt. Deshalb nur 2 Sterne
23. Mai 2009 um 15:34 Uhr
Schwülstigen Text, langatmige Erzählung, simple Grundidee
Früher durfte Roger Willemsen moderieren, wobei sich die Themen zumeist nur auf eine Person hinausliefen: Roger Willemsen selbst.
Das war -zumal mit einem intelligenten Publikum und geistreichen Gästen einigermäßend unterhaltend, nicht wirklich grandios aber auch nicht langweilig.
irgendwann wurde das System Willemsen aber vorhersagbar, die Sendungen bei gleicher Laufzeit länger und länger. Es folgte das eindeutige Aus als Gastgeber, fortan durfte -selten- Willemsen nur noch als Gast auftreten. Das dürfte der zumindest finanzielle Knacks bei Willemsen sein, und wohl auch der Versuch derzeit mit jeder noch zu abstrusen Idee wieder um Aufmerksamkeit zu buhlen.
Das Buch Der Knacks ist ein solcher Versuch, die endlos ausgebreitete Geschichte einer Aufarbeitung. Leider (!) ist dabei weder der Text sonderlich witzig geschrieben, noch werden wirklich große Ergebnisse transportiert. Endlos ist das Buch, vergleichbar mit den letzten Sendungen mit Willemsen als Gastgeber.
Für den schwülstigen Text, die langatmige Erzählung und die simple Grundidee gibt es einen verdienten Stern. Mehr ist nicht drin.
10. Juni 2009 um 15:00 Uhr
Buchcheck Willemsen
Dieses Buch ist für Leute, bei denen alles, zumindest der größte Teil ihres Lebens klar gegangen ist - Beruf, Existenz, Sozialeingebundenheit und auch Unterstützung bzw. Anerkennung Dritter wohl schwer zu verstehen.
Eine andauernde Negativ Linie (auch durch das Thema Selbst) stört mich zunehmend. Besonders eine gewisse Festsetzung einer gewissen Negativ Tendenz gerade dieser Knacks-Klientel. Als jemand der 1984 einen Inside-Crash erlebt hat - immer noch habe, 12 Jahre Phobie (Öffentlichkeit) mit BO. Das Potential ist bis Heute 2009 nicht mehr das was ich hatte. Außerdem hat dieses Buch eine gewisse B r i s a n z, was Personen, die den Knacks leben müssen in ihrer Lebensbehauptung gegenüber Personen, die ihr volles Potential noch haben. Was mir in diesem Buch bis jetzt fehlt, ist die Möglichkeit der Kompensation die es sicher gibt. Ich selbst bestehe zu 112% darauf, mit der leidigen Gewissheit, daß eben andere mir für diese “schmale” techno-intellektuelle Leistung noch nicht mal die Brötchen gönnen. (Beste Leistung ca. 20 Jahre voraus.) Ich halte dieses Buch irgendwo für notwendig, wenn gleich es eben diese Leute mit Knacks gleichermaßen erneut gefährden könnte. Nach gewissen Rücksichten anderer muß man schon suchen……. Analytiker G.
3. Juli 2009 um 09:17 Uhr
Zu viel Philosophie - zu viel Langeweile
Das Problem bei diesem Buch sind zum einen die langen verschachtelten Sätze, die oft an Marcel Proust erinnern, jedoch mit weniger Eloquenz. Herr Willemsen war beim Schreiben nicht stets darauf bedacht sein Buch in einem hochwertigen Deutsch zu schreiben, sondern viel mehr darauf möglichst viele ungebräuchliche bzw. philosophische Begriffe zu verwenden. Eine zu starke Ausschweifung in die Philosophie ist nun mal für die meisten Menschen langweilig und überflüssig. Gerade bei einem so gut gewählten Thema, das große Erwartung weckt ist es schade so von einem Buch enttäuscht zu werden. Auch wenn Herr Willemsen ein sehr interessanter und begabter Mensch ist, so ist im dieses Werk leider nicht gelungen. Es gibt zu diesem Buch geteilte Meinungen, jedoch muss ich den Bewunderern dieses Buches leider sagen: Die häufige Anwendung von stilistischen Mitteln macht noch lange keine große Weltliteratur aus einem sonst langweiligem Buch.
28. August 2009 um 00:34 Uhr
Für alle die Roger Willemsen nicht mögen,… ein Erlebnisbericht
Ich mochte Roger Willemsen nicht. Dieser Mensch war mir zutiefst unsympathisch. Mir schien alles so aufgesetzt, affektiert, besserwisserisch, selbstherrlich, ja gar hochnäsig und versnoppt.
Ich erhielt es als Geburtstagsgeschenk und begann dieses Buch auf einer langen Zugfahrt eher aus Langeweile. Und schon nach den ersten 2 Seiten musste mir selbst eingestehen, dass ich ein großes Werk in den Händen hielt. Ein Buch vollgepackt mit großen Themen des Lebens, stilistisch in einer wunderbaren und sensiblen Form.
Ein Namensregister im Anhang das von Theodor Adorno bis hin zu Frank Zappa reicht. Großartige Zitate, Auslagerungen, Querverweise spicken diese großartige Buch, das stets den Finger auf die Wunde legt, erschüttert und den Leser dazu einlädt, selbst Rückschlüsse auf die eigene Biographie zu ziehen.”Der Knacks” streift nicht nur die großen Themen wie Liebe, Glück oder Identität, er durchdringt sie.
Es ist schier unglaublich wie dieses Buch mich auf dieser Bahnfahrt aus der Spur geworfen hat. Es war eine sehr emotionale, teils melancholische und düstere Reise. Mit jedem Kapitel veränderte sich auch der Blick auf den Autor. Man kann von der “Medienfigur” Roger Willemsen halten was man will, dieses Buch ist einfach großartig und überwältigend.
Ich lese ihn seitdem sehr gerne, schalte aber trotzdem weiter, wenn durch die Talkshows geistert.
5. September 2009 um 10:00 Uhr
Wortakrobat
Für mich ein gelungenes Werk.
Wem Willemsens Stil nicht liegt, der sollte etwas anderes lesen.
Mich nervt diese Art von Kritik etwas, da seine Art sich auszudrücken, der Grund ist, warum seine Bücher sich wie von selbst lesen.
18. September 2009 um 05:34 Uhr
Selbstverliebt - geschraubt - verschwurbelt
“Man verzögert sich und ist in diesem Augenblick bei sich, festgehalten von einem Zustand vor der Tat, gebrochen in der Nicht-Identität mit dem eigenen Handeln und doch eingefroren in der Immunität des Moments…”!
Das ist noch ein wenig geschraubter Satz in diesem Buch. Gibt es keine Lektoren mehr? Nullkommanull Leidenschaft in diesem künstlichen, technokratisch-intellektuellen Text; bei dem Thema ein arges Versäumnis! - Ansonsten mag ich Willemsen, in diesem Fall aber: Au weia, Finger von…
Zum Hörbuch: Meistens sind professionelle Sprecher einfach besser!
27. September 2009 um 02:34 Uhr
“Jene werden keine Grenzen setzen ihrer Bosheit…” (Zitat Leonardo da Vinci)
Roger Willemsen ist sympathisch und nett, er redet und redet, will mitteilen, flutet über, ein Sonnenschein der Gedanken. Er schreibt so wie er spricht. Vieles muss man überlesen, schnell lesen, um jene Perlen zu fischen, die sich so ausdrücken: “Wenn Kinder um nichts spielen, spielen sie um ihre Ehre. Wenn Politiker aufs Ganze gehen, geben sie ihr Ehrenwort.” Seine Ableitung des herrischen Ehrenwortes, das in der femininen Logik keinen Platz hat: grandios!
Ich habe dieses Buch immer wieder gelesen, bin auf unterschiedlichsten Seiten eingestiegen und die Satzperlen entdeckt, die er so wortreich umschreibt, in großen Gedankenableitungshinführungssätzen. Und man wird fast auf jeder Seite fündig. Er sollte diese Sätze einfach hervorheben, unterstreichen, gelb markieren, dann könnte man um diese Sätze herum lesen, von ihnen weg, zu ihnen hin, ganz im Stil moderner, lateraler Literatur.
Roger Willemsen bietet keine leichte Kost, zweifellos. Aber er fordert zum Mitdenken auf, zum wirklichen Einlesen. Ein leichter Husch drüber weg, das geht hier nicht. Wenn man sich einlässt, Zeit hat, gewinnt man, zweifellos. Sein welkender Blick auf das Herbstliche, Novembrige, sein lustvolles Verglühen am Schlechten der Welt, das Zitat von Leonardo da Vinci sitzt in der 12: “Wesen auf der Welt werden sein auf Erden, die werden ewig streiten, das eine wider das andere, mit sehr großem Schaden und häufigem Tod auf jeder Seite. Jene werden keine Grenzen setzen ihrer Bosheit; mit ihren rasenden Gliedern wird ein Großteil der Bäume von der Erde unermesslichen Wäldern niedergemacht.”
“Geburt und Tod sind die einzigen Kategorien, unter denen jeder Mensch gewöhnlich schön erscheint.” Roger Willemsen gelingt eine schwierige Gradwanderung zwischen Gefühl und Realität, zwischen optimistischer Melancholie und einem stärkeren Erleben des Augenblicks. So wie Astronauten zuletzt nur noch Naturgeräusche auf ihre Flüge mitnahmen (Regen, Vogelgesang, Wind, Donner) gelingt es Willemsen den Knacks, also die Einbrüche des Lebens, in etwas Natürliches, Schönes und Menschliches umzuwandeln. Ein Astronaut der tieferen Gedanken, vergleichbar den wirklichen Astronauten des Alls, die alle von einer bewahrten Schöpfung träum(t)en.
27. September 2009 um 02:34 Uhr
Unsägliches Blendwerk
Der überflüssigste Satz, den ich jemals in einem Buch gelesen habe: Damit war ein Apercu geboren”. Und das auch noch gleich zu Beginn! Oh Roger…
Bereits zu seiner aktiven Fernsehzeit konnte ich nicht umhin, in Willemsen stets den Lothar Matthäus der ach so Intellektuellen und mit Bildung Vollgepfropften zu sehen: er redet und redet, er formuliert, er drechselt, er fabuliert, er entwirft Bilder und Assoziationen und Querverweise ohne Unterlass - schön klingt das und äußerst elegant -, aber wo bitte ist die Substanz hinter diesem gleißenden, eloquenten Blendwerk? Eine lecker aussehende Nuss ohne Kern. Eine Theaterkulisse. Es erinnerte mich immer unschön an das häufig im Hörsaal anzutreffende Uni-Geschwafel derjenigen, die dringend ihre Luft verpacken müssen - genügend Fremdwörter und ausreichend Zitate hineingepackt, dann ist es fast schon eine eigene Leistung. Man kommt wunderbar damit durch und häufig gereicht es sogar zu höheren Weihen.
Ich werde nie vergessen, wie einst ein von Willemsen interviewter Promi (hab leider den Namen vergessen) irritiert nachfragte: Was wollen Sie eigentlich inhaltlich mit ihrer Frage wissen? Ich habe sie nämlich nicht verstanden.” Darauf Willemsen, wie immer spitzbübisch lächelnd: “Ich auch nicht.” Tja, ertappt.
Und so ist es auch im Buch. Der Autor hat nicht viel zu sagen. Er hat nicht viel zu erzählen. Also wird es hübsch eingepackt und hinter blumigen Geschwafel versteckt.
“Die Beschleunigung verriet sich im Komparativen.”
“Will er ihm vorbeugen, muss er dem Imperativ seiner physischen Strapaze folgen.”
Gekünstelt ist das, eitel und selbstverliebt. Unsäglich.
7. November 2009 um 10:00 Uhr
Laute und leise Knackse
Seit Lektüre der “Deutschlandreise” läßt mir Roger Willemsen keine Ruhe mehr: mit ihm ins Innerste des Landes zu reisen war ein nachhaltiges Erlebnis, horizonterweiternd und auch blickverstellend. Nun dieser “Knacks”! Jeder hat ihn in seinem Leben erleben oder erleiden müssen, sanft oder brutal, vielleicht auch dabei die Orientierung und den Boden unter den Füßen verloren, manchmal ging es auch glimpflich ab und Veränderungen vollzogen sich ganz leise und schleichend und nebenbei. Der Autor beschreibt viele “Knackse” unterschiedlicher Schwere in ihren Auswirkungen auf das Leben und Weiterleben und beweist aufs Neue, dass er außer Dichter und Autor ein kritischer Zeitgenosse und grandioser Philosoph ist. Lesen, lesen, lesen!!!
19. November 2009 um 01:17 Uhr
Der Knacks
Wunderbare deutsche Sprache. Willemsen war sicher der Star seiner Deutschlehrer. Schon alleine wegen der Sprache lohnt sich das Lesen.
Buch wie neu, danke.
22. November 2009 um 23:51 Uhr
Interessantes Thema schlecht verpackt
Willemsen ist vor allem assoziativ in seinem Buch, was ein nicht immer passender Gegensatz zu seiner teilweise sehr akademischen Ausdrucksweise und den hin und wieder theoretisch anmutenden Teilen ist, denn von einer eher theoretischen Herangehensweise erwartet man dann auch eine gewisse durchdachte und hilfreiche Struktur. Die aber ist nicht wirklich zu entdecken. Auch erwartet man in diesem Fall eine gewissen Kürze, den Blick auf das Wesentliche und eine Reduktion im Sinne des roten Fadens. Aber auch dies ist nicht gegeben.
Im eher literarischen Ansatz darf der Autor mehr durchscheinen. Allerdings ist auch hier das Maß entscheidend. Leider gelangt man beim Lesen dieses Essays immer wieder zu dem Eindruck, dass Willemsen sich beim Schreiben selbst auf die Schulter geklopft, mit purem Entzücken einzelne Passagen gelesen und sich im Anschluss zu seiner Genialität beglückwünscht hat. Als Leser fühlt man sich dabei so manches Mal zum stillen Bewunderer degradiert.
Von jemandem, der sehr offensichtlich schreiben kann - denn es sind durchaus gelungene Passagen enthalten - erwartet man als Leser mehr als diese hochstilisierte, verklausulierte und pathethische Sprache, die das Lesen zu allem anderen als einem Genuss macht. Dass die Erwartungen nicht erfüllt werden, ist sehr schade, denn als reflektierter und mitdenkender Leser hätte man sich gerne zusammen mit dem Autor auf die Suche gemacht nach diesen haarkleinen Rissen im eigenen Leben, dem Leben anderer und der Welt.
Für alle, die an dieser Stelle noch nicht genau wissen, was sie im Buch sprachlich erwartet, hier eine kleine Passage - wer die mag, greife beherzt und beruhigt zu: Der Knacks wirft sein Licht über die Rede wie ein Stroboskop: er ist nicht das Licht, er ist das Prinzip seiner Brechung, und ihn ihm splittert alles. Es entsteht eine gescheiterte Rede. Nicht, weil der Rede über das Scheitern das eigene Scheitern gut stünde, nicht, weil sie so kokett wäre, sich der geschlossenen Form zu verweigern, nicht um dieses linkische Gesicht von Geistesgegenwart zu zeigen, sondern weil sie nicht anders kann, scheitert sie und nimmt nur in diesem stillen Moment, das sie sich ihrem Misslingen ausliefert, die Pose einer Rede an, die nicht ausschließlich scheitern muss.
12. Januar 2010 um 13:51 Uhr
Mitschwimmer im Zeitgeist: Die Welt wäre schön, wäre da nicht der Mensch
Knacks meint die Brüche im Leben, die oft genug schon beizeiten auftreten, sei es durch Bewußtwerdung oder durch ein Ereignis, das dem Leben eine Änderung gibt. Aber auch einen Knacks, der allmählich das Leben verändert, sich unmerklich heranschleicht, durch Altern, Einsamkeit, Enttäuschung. Hierfür findet der äußerst sensible Willemsen in zahlreichen Kapiteln vom Kinderleben über unser Zeitempfinden bis zum Sterben oft recht originelle Beispiele. So vermutet er, die Kindheit erscheine als Paradies, weil sich der Kummer im Rückblick als kindlich erweist. Mit dem krebskranken Vater lernt er, die Stimmungen nach dem neuesten Befund auszurichten. Der Autor entdeckt in uns den negativen Konjunktiv: Etwas ist schön, wäre da nicht…Er spricht von der Einsamkeit der Großmutter in ihrem sinnlos spezialisierten Greisenalter. Daß seine Mutter ihre Mutterliebe wie ein Amt verwaltete; ihre Währung war Schuld und Liebesentzug. Alter, erklärt er, beginne an dem Tag, an dem man ein Medikament verschrieben bekommt, das man bis an sein Lebensende einnehmen muß. Leider gehen dem Autor schon bald so originelle Sätze aus, er verzettelt sich und langweilt über weite Teile hinweg. Dazu mag sein Konzept beitragen, das darin besteht, Aussagen von bekannten Persönlichkeiten der Kulturgeschichte oder auch gänzlich Unbekannte (Frau L.) zu zitieren und sie als eine Art Beweisführung für seine Thesen zu nutzen. Man wird also andauernd mit Äußerungen von Augustinus bis Picasso und Frau L. konfrontiert, die sich selbst gar nicht durch Sachkenntnis über den Knacks auszeichnen, in der Regel auch nur einmal genannt werden, und entsprechend ihrem Bekanntheitsgrad eher ablenken. Demzufolge hat das Buch ein mehrseitiges Personenregister, das vermerkt, auf welcher Seite Amy Winehouse (einmal) erwähnt wird, aber nichts zu ihrer Person. So ein pseudowissenschaftliches Vorgehen ist mir unverständlich. Der Knacks bei W. besteht natürlich auch in unserem Umgang mit der Natur: Die Krankheit der Welt mit Namen Homo Sapiens”. Auch wenn Willemsen keiner Religion anhängt, läßt er den Kosmonauten von der Schöpfung sprechen. Wie kann er die Natur über den Menschen stellen? Hat sie denn einen Wert”? Das Buch hinterläßt einen deprimierenden Eindruck, weil das mit dem Knacks stimmt, und unser Leben endgültig entzaubert. Lesen sollte man es deshalb.
8. Juni 2010 um 17:34 Uhr
Unverständlich
Das Thema ist sehr interessant, der Knacks, ein Ereignis oder eine Entwicklung, die die Lebenslinie ineine andere Richtung unwiderruflich laufen läßt. Stephen King schreibt im Turm, die Welt hätter sich weitergedreht. Aber dieses Buch habe ich schlicht nicht verstanden. Der Autor konnte mir jedenfalls über weite Passagen nichts nahebringen. Wer sich für sowas interessiert sollte es mal mit Anselm Grün versuchen, der schreibt über ganz ähnliche Themen und ich verstehe jedes Wort. Bei Grün erstaunt es mich immer wieder wie der mit einfachen Wort den Nagel auf den Kopf trifft. Hier hatte ich den Eindruck dass der Autor vor lauter Bildung den Nagel umkreist aber nicht trifft. Grück schreibt von der Lebenslinie die man suchen soll und dass man die Wunden zu Perlen verwandeln soll, da ist mir viel eher klar um was es geht und ich denke mir dass der Autor jhier dass wohl auch ausdrücken wollte.
26. Juni 2010 um 09:00 Uhr
nicht einmal geschenkt!
wie es eine urlaubsbekanntschaft so treffend ausdrückte, dieses buch will man nicht einmal geschenkt.
nachdem ich von roger willemsen “kleine lichter” gelesen und geliebt habe war ich immer auf der suche nach neuen kostbarkeiten von ihm. bisher vergeblich: der knacks ist für mich ein unlesbares, hochgestochenes buch, das mit schachtelsätzen und fremdworten nur so um sich wirft und den eindruck erwachen lässt, man hat es mit einem pseudointellektuellen angeber zu tun. die essays wiederholen sich inhaltlich und kreisen um den ominösen knacks durch worthülsen und unglaublicher leeeeeeereeeeee.
26. Juni 2010 um 09:00 Uhr
nicht einmal geschenkt!
wie es eine urlaubsbekanntschaft so treffend ausdrückte, dieses buch will man nicht einmal geschenkt.
nachdem ich von roger willemsen “kleine lichter” gelesen und geliebt habe war ich immer auf der suche nach neuen kostbarkeiten von ihm. bisher vergeblich: der knacks ist für mich ein unlesbares, hochgestochenes buch, das mit schachtelsätzen und fremdworten nur so um sich wirft und den eindruck erwachen lässt, man hat es mit einem pseudointellektuellen angeber zu tun. die essays wiederholen sich inhaltlich und kreisen um den ominösen knacks durch worthülsen und unglaublicher leeeeeeereeeeee.