Unser Jahrhundert: Ein Gespräch (Helmut Schmidt)

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37 Kommentare zu „Unser Jahrhundert: Ein Gespräch (Helmut Schmidt)“

  1. John sagt:

    ein tiefgreifendes, nahe gehendes, berührendes Gesprächsereignis
    Dieses Buch ist vom Konzept und Inhalt her ein sehr kluges Werk, das in brillanter Weise versteht, einen besonderen Dialog zwischen zwei Persönlichkeiten darzustellen.

    Jenseits von belanglosem “Talk”, ausschweifenden “Diskussionsforen” und vermeintlichen Club-Gesprächen schafft es “Unser Jahrhundert” tatsächlich, ein tiefgreifendes, nahe gehendes, berührendes Gesprächserreignis zu sein.

    Der Altkanzler und ZEIT-Herausgeber Helmut Schmidt taucht mit dem Historiker und Autor Fritz Stern in die unterschiedlichen Themenfelder des Jahrhunderts ein, ohne zu sehr an der Oberfläche zu bleiben oder einen ausufernden Tiefgang zu machen. Vielmehr berühren sie ausreichend die diversen politischen, historischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Themenbereiche, welche in den vergangenen Jahrzehnten von hoher Bedeutung gewesen sind. Dabei ist es besonders auffällig, dass Helmut Schmidt und Fritz Stern trotz ihres hohen Alters noch sehr präsent sind, das tagespolitische, gesellschaftliche Leben aufgreifen und viele zukunftsbezogene Aspekte ins Gespräch einbringen.

    Das Gespräch fand innerhalb von drei Tagen im hause Schmidt in Hamburg statt und ist in sechs Abschnitte eingeteilt, denen jeweils die Themenbereiche stichwortartig zusammenfassend vorangestellt sind.

    Wer nun vielleicht vermutet, dass hier zwei Persönlichkeiten ihre Stellungnahmen kritiklos vorbringen, wird sich über das respektvolle Miteinanderstreiten und -ringen wundern. Tatsächlich schaffen es Helmut Schmidt und Fritz Stern unterschiedliche Wahrnehmungen, Meinungen und Urteile mit Achtung vorzubringen. Man spürt förmlich auch das achtungsvolle Nachfragen und gewinnt den Eindruck, dass hier erfahrene Menschen, die teilweise in recht unterschiedlichen Kulturkreisen ihr Leben verbracht haben, voneinander lernen wollen, Erfahrungen austauschen möchten und gegenseitig ihre Wahrnehmungen mitteilen.

    Dabei kommt auch immer wieder eine gehörige Portion Humor ins Spiel, so z.B. wenn Helmut Schmidt um ein langsameres Sprechtempo bittet und Fritz Stern erwidert:”Bei mir ist es so, dass ich schnell spreche, denn wenn ich langsam spreche, habe ich schon wieder vergessen, was ich am Anfang sagen wollte.”(S. 52)

    Neben den vielen Stellungnahmen, Einschätzungen und Informationen bleiben trotzdem noch Unsicherheiten und Fragen, welche sich die beiden Herren eingestehen; so z.B. Helmut Schmidt, wenn er erklärt “Für mich ist nach wie vor nicht zu erklären, was dieses Volk, dem ich angehöre, unter Hitler an Verbrechen zustande gebracht hat” (S. 73).

    Man ist bei der Lektüre immer wieder erstaunt, wie präzise und disziplinübergreifend das Wissen von Helmut Schmidt und Fritz Stern reicht.

    Dabei ist es von großem Belang, dass die beiden Gesprächspartner immer wieder weite Bögen spannen und sich nicht zu tagespolitischen Schnellurteilen verleiten lassen. So schätzt beispielsweise Schmidt die mögliche Aufnahme der Türkei in die EU so ein, dass dies “der Anfang vom Ende der Europäischen Union werden” (S. 269) könne und gibt hierfür plausible Gründe an.

    Bei der Lektüre selbst bleibt man gefesselt und ist über die kurzweilige und doch gründliche Diskussion der beiden Mitstreitenden sehr erfreut. Ein zehnspaltiges Namensregister gibt noch einmal Aufschluss darüber, wo im Buch welche Personen zur Sprache gekommen sind.

    “Unser Jahrhundert” ist ein grandioses Vermächtnis für alle Bürgerinnen und Bürger, sich in die politischen Auseinandersetzungen und Gestaltungsräume einzubringen, sich gründlich zu bilden, weitreichend zu informieren und über alle kurzfristigen Lösungsvorschlägen hinaus immer die längerandauernden Auswirkungen im Blick zu halten.

    Eine weise Schatzkiste, die man jedem gesellschaftlich und politisch interessierten Menschen in Deutschland zu öffnen wünscht.

  2. Clare sagt:

    ein tiefgreifendes, nahe gehendes, berührendes Gesprächsereignis
    Dieses Buch ist vom Konzept und Inhalt her ein sehr kluges Werk, das in brillanter Weise versteht, einen besonderen Dialog zwischen zwei Persönlichkeiten darzustellen.

    Jenseits von belanglosem “Talk”, ausschweifenden “Diskussionsforen” und vermeintlichen Club-Gesprächen schafft es “Unser Jahrhundert” tatsächlich, ein tiefgreifendes, nahe gehendes, berührendes Gesprächserreignis zu sein.

    Der Altkanzler und ZEIT-Herausgeber Helmut Schmidt taucht mit dem Historiker und Autor Fritz Stern in die unterschiedlichen Themenfelder des Jahrhunderts ein, ohne zu sehr an der Oberfläche zu bleiben oder einen ausufernden Tiefgang zu machen. Vielmehr berühren sie ausreichend die diversen politischen, historischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Themenbereiche, welche in den vergangenen Jahrzehnten von hoher Bedeutung gewesen sind. Dabei ist es besonders auffällig, dass Helmut Schmidt und Fritz Stern trotz ihres hohen Alters noch sehr präsent sind, das tagespolitische, gesellschaftliche Leben aufgreifen und viele zukunftsbezogene Aspekte ins Gespräch einbringen.

    Das Gespräch fand innerhalb von drei Tagen im hause Schmidt in Hamburg statt und ist in sechs Abschnitte eingeteilt, denen jeweils die Themenbereiche stichwortartig zusammenfassend vorangestellt sind.

    Wer nun vielleicht vermutet, dass hier zwei Persönlichkeiten ihre Stellungnahmen kritiklos vorbringen, wird sich über das respektvolle Miteinanderstreiten und -ringen wundern. Tatsächlich schaffen es Helmut Schmidt und Fritz Stern unterschiedliche Wahrnehmungen, Meinungen und Urteile mit Achtung vorzubringen. Man spürt förmlich auch das achtungsvolle Nachfragen und gewinnt den Eindruck, dass hier erfahrene Menschen, die teilweise in recht unterschiedlichen Kulturkreisen ihr Leben verbracht haben, voneinander lernen wollen, Erfahrungen austauschen möchten und gegenseitig ihre Wahrnehmungen mitteilen.

    Dabei kommt auch immer wieder eine gehörige Portion Humor ins Spiel, so z.B. wenn Helmut Schmidt um ein langsameres Sprechtempo bittet und Fritz Stern erwidert:”Bei mir ist es so, dass ich schnell spreche, denn wenn ich langsam spreche, habe ich schon wieder vergessen, was ich am Anfang sagen wollte.”(S. 52)

    Neben den vielen Stellungnahmen, Einschätzungen und Informationen bleiben trotzdem noch Unsicherheiten und Fragen, welche sich die beiden Herren eingestehen; so z.B. Helmut Schmidt, wenn er erklärt “Für mich ist nach wie vor nicht zu erklären, was dieses Volk, dem ich angehöre, unter Hitler an Verbrechen zustande gebracht hat” (S. 73).

    Man ist bei der Lektüre immer wieder erstaunt, wie präzise und disziplinübergreifend das Wissen von Helmut Schmidt und Fritz Stern reicht.

    Dabei ist es von großem Belang, dass die beiden Gesprächspartner immer wieder weite Bögen spannen und sich nicht zu tagespolitischen Schnellurteilen verleiten lassen. So schätzt beispielsweise Schmidt die mögliche Aufnahme der Türkei in die EU so ein, dass dies “der Anfang vom Ende der Europäischen Union werden” (S. 269) könne und gibt hierfür plausible Gründe an.

    Bei der Lektüre selbst bleibt man gefesselt und ist über die kurzweilige und doch gründliche Diskussion der beiden Mitstreitenden sehr erfreut. Ein zehnspaltiges Namensregister gibt noch einmal Aufschluss darüber, wo im Buch welche Personen zur Sprache gekommen sind.

    “Unser Jahrhundert” ist ein grandioses Vermächtnis für alle Bürgerinnen und Bürger, sich in die politischen Auseinandersetzungen und Gestaltungsräume einzubringen, sich gründlich zu bilden, weitreichend zu informieren und über alle kurzfristigen Lösungsvorschlägen hinaus immer die längerandauernden Auswirkungen im Blick zu halten.

    Eine weise Schatzkiste, die man jedem gesellschaftlich und politisch interessierten Menschen in Deutschland zu öffnen wünscht.

  3. Sofie sagt:

    Zwei Zeitzeugen erinnern sich und denken nach
    Anlässlich des 90. Geburtstags von Helmut Schmidt vor knapp zwei Jahren, ist ja eine wahre Flut an Publikationen über den Ausnahmepolitiker und ehemaligen Bundeskanzler veröffentlicht worden. Das Interesse an ihm scheint auch ungebrochen - zu Recht!

    Die Idee, die hinter dem vorliegenden Buch steckt ist ebenso einfach wie genial. Helmut Schmidt (Jahrgang 1918) und der Historiker Fritz Stern (Jahrgang 1926) setzen sich drei Tage lang zusammen, um über das 20. Jahrhundert (und mehr) zu sprechen. Die Atmosphäre ist entspannt. Man sitzt bei Schmidt zu Hause (wohl überwiegend im Garten). Es ist Sommer (22.-24.Juni 2009) und die Gesprächspartner haben sich vorab einige Themen notiert, die sie unbedingt abarbeiten möchten. Ein Tonban zeichnet die Gespräche auf.

    Herausgekommen ist ein sehr persönliches und höchst interessantes Buch. Es ist ein bisschen, als würde man zwei netten Großvätern zuhören, die - das muss gesagt werden - überaus gebildet sind und sich zu vielen Dingen Gedanken machen. Ich fand es auf alle Fälle spannend, dem mäandernden Gesprächsverlauf zu folgen. Die gewählte Form lässt die beiden außergewöhnlichen Männer sehr menschlich wirken - und das ist natürlich sehr sympathisch.

    Zum Inhalt: Die Gespräche kreisen um vielerlei Themen. Es geht um Deutschland und Europa, um die USA und um Israel. Es geht um persönliche Erinnerungen an den Krieg und an die Zeit des Nationalsozialismus, die beide natürlich gänzlich verschieden miterlebt haben. Während Fritz Sterns Familie im Herbst 1938 wegen ihrer jüdischen Abstammung gezwungenermaßen in die USA emigrierte, erlebte Schmidt die Zeit in Hamburg mit - anders als man sich das vielleicht vorstellt. Das fand ich auch so unglaublich. Schmidt erzählt davon, dass er vom Terror gegen jüdische Mitmenschen nicht so viel mitbekommen hat, wie man das vielleicht erwarten würde. Selbst die sog. “Reichskristallnacht” hat er kaum wahrgenommen. Er räumt allerdings ein, dass es auch entscheidend ist, welcher Schicht man angehörte. Während die “Oberen” nämlich sehr wohl mitbekommen haben, was sich zutrug, blieb den Angehörigen der Unter- und der Mittelschicht vieles zunächst verborgen. Das kann man sich kaum vorstellen - scheint aber tatsächlich so gewesen zu sein.

    Es geht aber natürlich nicht nur um die deutsche Geschichte, sondern auch um Europa, die U.S.A. uvm. Besonders beeindruckend ist hier natürlich, dass Schmidt und Stern persönlichen Kontakt zu den “Großen” des 20. Jahrhunderts gehabt haben. Da geht es mal so ganz nebenbei um eine Treffen mit diesem und jenem US-Präsidenten, mit Papst Johannes Paul II usw. Klar - Schmidt und Stern sind ja nicht Hinz und Kunz!

    Die Form des Gesprächs bedingt u.a. auch, dass bisweilen Binsenweisheiten einfließen (z.B. die technisch begabten Chinesen an den US-Unis) - aber gerade das macht das Buch ja so sympathisch.

    Es ist faszinierend festzustellen, über welche Bildung die Gesprächspartner verfügen. Das ist einerseits natürlich ihrem Alter geschuldet, andererseits aber auch den Werten, für die sie sich einsetzen. Überhaupt sind Werte ein wichtiges Thema. Es geht um Geld - die Finanzkrise wird diskutiert, es geht um Geschichtsbewusstsein (oder eben einen Mangel daran) bei vielen Politikern und um vieles mehr.

    Die Gesprächspartner gehen in vielen Dingen konform, haben zu manchen Sachen aber auch unterschiedliche Ansichten. Das macht das Ganze natürlich noch spannender.

    Schmidt und Stern sind in ihren Meinungen und Wünschen sehr viel reifer aber auch sehr viel moderner als so mancher jüngere Zeitgenosse. Hier könnten sich Politiker wirklich eine Scheibe abschneiden!

    Ansonsten auch eine bisweilen amüsante Lektüre, z.B. wenn Schmidt und Stern sich über den Intellekt von Herrn Kohl auslassen, sich über andere Zeitgenossen ereifern oder eben abends vorschlagen, einfach mal in die Bar zu gehen. Sehr schön auch der poetische Schluss. Hier wird Frost zitiert: “The woods are lovely, dark and deep, But I have promises to keep, And miles to go before I sleep.”

    Gerade für junge Menschen: Sehr zu empfehlen!

  4. Aurica sagt:

    Gelungenes Experiment
    Zwei starke Persönlichkeiten in hohem Alter über Themen sprechen zu lassen, die ihnen am Herzen liegen, kommt vielfach nicht gut heraus. Denn groß ist die Versuchung, eigene Erfahrungen als allgemein gültige Lebensweisheiten zu betrachten und Bruchstücke von Erinnerungen in stimmige Bilder zu zwängen. Altkanzler Helmut Schmidt und der bekannte Historiker Fritz Stern haben es glücklicherweise trotzdem gewagt. Wohl auch deshalb, weil sie sich seit ihrem ersten Treffen im April 1976 immer wieder austauschten und im Laufe der Jahre zu Freunden wurden. Den Anlass zu diesem Buch gab dann ein Gespräch, das die beiden in kleiner Runde nach der Vorstellung von Fritz Sterns Erinnerungsbuch “Fünf Deutschland und ein Leben” in Hamburg. Die dabei anwesende Nina Grunenberg fand es so bedauerlich, die interessanten Dialoge nicht aufgezeichnet zu haben, dass sie das Gespräch im folgenden Sommer fortsetzen wollte. Diesmal mit Tonband. Die Abschrift ermunterte schließlich zu einem dreitägigen Treffen, aus dem dieses Buch hervorging. Beibehalten wurde die Einteilung in drei Vormittage und drei Nachmittage, so dass der bereinigte, manchmal zu größeren Themenblöcken zusammengefasste und durch Stichworte ergänzte Text dem tatsächlichen Verlauf des Gesprächs nahekommt.

    Ein Geschichtsbuch im üblichen Sinn sollte “Unser Jahrhundert” nicht werden, was auch deshalb gelang, weil unterschiedliche Meinungen stehen blieben und verschiedene Positionen miteinander verglichen werden können. Und was mir an der Schlussfassung besonders gut gefällt, sind unausgefüllte Lücken. Denn auch wenn Helmut Schmidt und Fritz Stern versuchen, Aufkommen und Wirken der Nationalsozialisten zu erklären, halten sie die begangenen Gräueltaten für unfassbar.

    Von einem verlegerischen Glücksfall kann man bei diesem Buch auch deshalb sprechen, weil die beiden Gesprächspartner einen riesigen Zeitraum überblicken und trotz hohen Altes geistig so fit geblieben sind, dass sie es weit besser als viele jüngere Menschen schaffen, Vergangenes mit Zukünftigem zu verbinden. Zudem vertreten die beiden Persönlichkeiten Werte, deren Vernachlässigung zu historischen Katastrophen beitrug. Und dass es sich dabei nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt, merkt der Leser auch daran, wie respektvoll die beiden Herren miteinander umgehen, worüber sie lachen können und welche gegenwärtigen Ereignisse sie verärgern oder sogar wütend machen.

    Um dem Gespräch mit vollem Genuss folgen zu können, sind gute Geschichtskenntnisse zwar nicht verlangt, aber sicher von Vorteil. Das zeigt allein ein Blick in das fünfseitige Namensregister am Schluss des Buches. Zwingend ist ein enzyklopädisches Wissen allerdings nicht, weil sich weder Helmut Schmidt, noch Fritz Stern so gebärden, als seien sie wandelnde Lexika. Daher fragen sie nach, wenn ein Name erwähnt wird, der ihnen entfallen ist oder wenn sie ein Ereignis nicht einordnen können. Und weiße Flecken auf der eigenen Erinnerungskarte werden oft durch Einschiebsel persönlicher Anekdoten farbig.

    Mein Fazit: In der Regel kein großer Freund solcher Gesprächsmitschnitte war ich umso überraschter, wie sich aus unzähligen Einzelteilen Bilder zusammensetzen, die Geschichtliches, Menschliches und Gesellschaftspolitisches erlebbar machen. Und so hatte ich nach fast 300 Seiten das Gefühl ein Geschichtsbuch von viel größerem Umfang gelesen zu haben. Zudem verstärkte die Lektüre meine Meinung, der überbordende Hang zur politischen Korrektheit schade oft mehr als er nütze. Kurz: Ein Buch, dem ich viele Leser wünsche.

  5. Arianne sagt:

    Spaziergang durch die Weltgeschichte
    Zwei alte Freunde, Helmut Schmidt und Fritz Stern, haben sich zu einem Gespräch über das vergangene Jahrhundert im Sommer 2009 im Haus von Helmut Schmidt in Hamburg zusammengefunden. Helmut Schmidt ist allseits bekannt als Bundeskanzler der BRD von 1974 -1982. Fritz Stern hat als Jude Deutschland in den dreißiger Jahren verlassen müssen und ist Historiker und Professor em. der Columbia University in New York. Beide sind über neunzig - und achtzigjährig und geistig voll auf der Höhe.

    Die Unterhaltung der beiden alten Herren gleicht einem Spaziergang durch das 20. Jahrhundert, in dem die Weltgeschichte aus politischer und philosophischer Sicht bis in die heutige Zeit berührt wird.

    Da sich die Freunde bestimmte Themen für jeden halben Tag von insgesamt drei Tagen vornehmen, ist der Themenkomplex umfangreich, tiefgründig und gehaltvoll. Der Ton ist bedacht und von ruhiger Gelassenheit. Die beiden sind sich in vielen Fragen einig, doch ab und zukommen kontroverse Meinungen auf, die mit großer Freundlichkeit ausgetragen werden. Diese Gegensätze bringen Farbe in das Gespräch, das ansonsten bei allzu großer Einigkeit langweilig werden könnte.

    Dem Leser öffnet sich ein weites Feld an Zusammenhängen. Sie berühren Napoleon, preußische Geschichte, das Nazireich und Fragen nach der Verfolgung der Juden in aller Welt; weiterhin beschäftigt man sich mit Stalin und dem chinesischen Kommunismus, amerikanischer Geschichte von den Anfängen bis heute und nicht zu vergessen Israel,–es gibt kaum ein Thema, das ausgelassen wird. Die historischen Fakten gewinnen durch das Gespräch an Dynamik, zumal beide Gesprächsteilnehmer zahlreiche markante Erscheinungen des öffentlichen und politischen Lebens persönlich kannten und über ein fundiertes Wissen verfügen, mit denen sie ihre Gedanken und Thesen untermauern. So lässt sich Geschichte gut begreifen, da sie mit Erlebnissen und Erfahrungen der beiden Freunde an Lebendigkeit gewinnen! Aus dem Abstand des hohen Alters sehen sie das Jahrhundert nachdenklich und kritisch und können sich Bekenntnisse erlauben, die andere und vielleicht nicht so Erfahrene an Weltsicht sich kaum leisten dürften. Eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet die beiden alten Herren, die alleine schon Bewunderung auslöst. Darüber hinaus aber ist das universelle Wissen der beiden Gesprächspartner von hoher Qualität. Zwei starke Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts melden sich zu Wort und geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen preis.

    Besser und kurzweiliger als durch diesen ausführlichen und regen Gedankenaustausch kann man sich nicht über die Politik, Philosophie und das Zeitgeschehen des letzen Jahrhunderts und die geschichtlichen Vorgänge bis dahin informieren. Man kann das Buch jedem historisch interessierten Bürger, ganz gleich welcher politischen Richtung er angehört, uneingeschränkt empfehlen.

  6. Serhilde sagt:

    Spaziergang durch die Weltgeschichte
    Zwei alte Freunde, Helmut Schmidt und Fritz Stern, haben sich zu einem Gespräch über das vergangene Jahrhundert im Sommer 2009 im Haus von Helmut Schmidt in Hamburg zusammengefunden. Helmut Schmidt ist allseits bekannt als Bundeskanzler der BRD von 1974 -1982. Fritz Stern hat als Jude Deutschland in den dreißiger Jahren verlassen müssen und ist Historiker und Professor em. der Columbia University in New York. Beide sind über neunzig - und achtzigjährig und geistig voll auf der Höhe.

    Die Unterhaltung der beiden alten Herren gleicht einem Spaziergang durch das 20. Jahrhundert, in dem die Weltgeschichte aus politischer und philosophischer Sicht bis in die heutige Zeit berührt wird.

    Da sich die Freunde bestimmte Themen für jeden halben Tag von insgesamt drei Tagen vornehmen, ist der Themenkomplex umfangreich, tiefgründig und gehaltvoll. Der Ton ist bedacht und von ruhiger Gelassenheit. Die beiden sind sich in vielen Fragen einig, doch ab und zukommen kontroverse Meinungen auf, die mit großer Freundlichkeit ausgetragen werden. Diese Gegensätze bringen Farbe in das Gespräch, das ansonsten bei allzu großer Einigkeit langweilig werden könnte.

    Dem Leser öffnet sich ein weites Feld an Zusammenhängen. Sie berühren Napoleon, preußische Geschichte, das Nazireich und Fragen nach der Verfolgung der Juden in aller Welt; weiterhin beschäftigt man sich mit Stalin und dem chinesischen Kommunismus, amerikanischer Geschichte von den Anfängen bis heute und nicht zu vergessen Israel,–es gibt kaum ein Thema, das ausgelassen wird. Die historischen Fakten gewinnen durch das Gespräch an Dynamik, zumal beide Gesprächsteilnehmer zahlreiche markante Erscheinungen des öffentlichen und politischen Lebens persönlich kannten und über ein fundiertes Wissen verfügen, mit denen sie ihre Gedanken und Thesen untermauern. So lässt sich Geschichte gut begreifen, da sie mit Erlebnissen und Erfahrungen der beiden Freunde an Lebendigkeit gewinnen! Aus dem Abstand des hohen Alters sehen sie das Jahrhundert nachdenklich und kritisch und können sich Bekenntnisse erlauben, die andere und vielleicht nicht so Erfahrene an Weltsicht sich kaum leisten dürften. Eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet die beiden alten Herren, die alleine schon Bewunderung auslöst. Darüber hinaus aber ist das universelle Wissen der beiden Gesprächspartner von hoher Qualität. Zwei starke Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts melden sich zu Wort und geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen preis.

    Besser und kurzweiliger als durch diesen ausführlichen und regen Gedankenaustausch kann man sich nicht über die Politik, Philosophie und das Zeitgeschehen des letzen Jahrhunderts und die geschichtlichen Vorgänge bis dahin informieren. Man kann das Buch jedem historisch interessierten Bürger, ganz gleich welcher politischen Richtung er angehört, uneingeschränkt empfehlen.

  7. Aurelie sagt:

    Sternstunde beim Schmidteinander
    Ich bin Jg. ‘88, habe die Kanzlerschaft von Helmut Schmidt also nicht mehr mitgekriegt und muß mich über diese Zeit via YouTube und andern Internetquellen informieren. In alten TV-Ausschnitten präsentiert sich Schmidt als nicht immer wohlerzogener, häufig dagegen launischer und arroganter Besserwisser mit nicht unbedingt geschmackvoller Prinz-Heinrich-Kappe (auch zum Smoking!) Er liebt es, den politischen Gegner zu kräftig auf die Hörner zu nehmen. Über Helmut Kohl sagt er z. B. in norddeutschen Tonfall: »Der Kohl ist brav und bieder und auch sonst nicht viel.« (Kurz darauf löst der »brave und biedere Kohl« Schmidt als Kanzler ab und blieb sechzehn Jahre lang im Amt!) Zwischendurch markierte Schmidt damals auch gern den norddeutsch-protestantischen Staatsmann, statt Bismarckhelm und Pickel allerdings mit eisgrau schimmernder Haartolle. Ich will sein politisches Verdienst nicht schmälen, etwa in der Auseinandersetzung mit dem Terrorismus. Angenehm ist mir der Helmut Schmidt der siebziger Jahre jedoch nicht. Den Spitznamen »Schmidt Schnauze« hatte er sich durchaus verdient. Der anmaßende preußische Unteroffizier, so schien es, lebte in ihm fort.

    Der Helmut Schmidt von heute ist mir da schon sympathischer. Er ist über neunzig, sieht immer noch fabelhaft aus, qualmt wie ein Schlot (er ist der einzige auf der Welt, der das noch darf!), kommentiert als eine Art Über-Bundespräsident das politische Geschehen und genießt die gelassene Perspektive eines Elder Statesman. Viele erwischen vom Bismarckhering nur den Hering. Schmidt aber gibt mit List den Eisernen Kanzler, der, im Ruhestand nicht in Friedrichsruh, sondern in dem nahen Hamburg, seine Commentarii auf die mitlebende Nachwelt losläßt.

    Gleichberechtigter Partner im Symposion zu zweit ist Fritz Stern, in Deutschland geborener Historiker von der Columbia University. Von Demenz ist bei den beiden alten Herren nichts zu spüren, obwohl sie 93 bzw. 81 Jahre alt waren, als sie das Gespräch aufnahmen. Sie servieren ein schlagfertiges teatro parlando, und man staunt isb. über das profunde Wissen des Ex-Kanzlers. Angesichts vieler heutiger Politiker hat man sich an totale historische Ahnungslosigkeit gewöhnt.

    Man muß nicht in jedem Punkt mit ihnen übereinstimmen, zumal sie oft gegensätzliche Einschätzungen historischer Persönlichkeiten wie Bush, Reagan, Kennedy oder Johannes Paul II. bieten. Die gleichberechtigte Gesprächsform erweist sich dabei als ein unterhaltsam und lebendig zu lesender tour d’horizont durch das zwanzigste und einundzwanzigste Jahrhundert, wobei der Schwerpunkt stets auf dem Politischen liegt. Schmidt flicht dabei gern Anekdoten und Porträts aus seiner Politiker-Zeit ein, während Stern immer wieder mit wissenschaftlich-historischen Referenzen punktet.

    Wir erfahren viel Interessantes, viel Anschauliches, etwa daß keine Begeisterung bei Kriegsausbruch 1939 vorherrschte, ganz im Gegensatz zu 1914. Hitler’s Kriegserklärung an die USA ist beiden Herren heute noch unverständlich. Der Leser darf weiterspinnen und sich fragen, ob hier ein Wille zum Untergang im kollektiven Unbewußten lauerte. Solche Tiefendimensionen fehlen hier, aber das muß kein Nachteil sein. Die lockere Form des Gesprächs erweist sich als geeignete Einführung in den großen Themenkreis der zeitgeschichtlichen Betrachtung. Allerdings muß man nicht jedes Wort dieser beiden Weltweisen auf die Goldwaage legen.

    Dieses Buch ist ein ideales Geschenk und sollte besonders von jüngeren Leuten gelesen werden, die erleben wollten, wie man Gedanken im Dialog entwickelt. Es ist die ideale Lektüre auf Flügen oder während längerer Bahnfahrten.

    Im Internet kann man bei der ARD-Mediathek unter »Beckmann« ein Gespräch von Schmidt und Stern sehen. Auch die Parodie »Loki & Smoky« ist sehenswert.

  8. Ana sagt:

    Sternstunde beim Schmidteinander
    Ich bin Jg. ‘88, habe die Kanzlerschaft von Helmut Schmidt also nicht mehr mitgekriegt und muß mich über diese Zeit via YouTube und andern Internetquellen informieren. In alten TV-Ausschnitten präsentiert sich Schmidt als nicht immer wohlerzogener, häufig dagegen launischer und arroganter Besserwisser mit nicht unbedingt geschmackvoller Prinz-Heinrich-Kappe (auch zum Smoking!) Er liebt es, den politischen Gegner zu kräftig auf die Hörner zu nehmen. Über Helmut Kohl sagt er z. B. in norddeutschen Tonfall: »Der Kohl ist brav und bieder und auch sonst nicht viel.« (Kurz darauf löst der »brave und biedere Kohl« Schmidt als Kanzler ab und blieb sechzehn Jahre lang im Amt!) Zwischendurch markierte Schmidt damals auch gern den norddeutsch-protestantischen Staatsmann, statt Bismarckhelm und Pickel allerdings mit eisgrau schimmernder Haartolle. Ich will sein politisches Verdienst nicht schmälen, etwa in der Auseinandersetzung mit dem Terrorismus. Angenehm ist mir der Helmut Schmidt der siebziger Jahre jedoch nicht. Den Spitznamen »Schmidt Schnauze« hatte er sich durchaus verdient. Der anmaßende preußische Unteroffizier, so schien es, lebte in ihm fort.

    Der Helmut Schmidt von heute ist mir da schon sympathischer. Er ist über neunzig, sieht immer noch fabelhaft aus, qualmt wie ein Schlot (er ist der einzige auf der Welt, der das noch darf!), kommentiert als eine Art Über-Bundespräsident das politische Geschehen und genießt die gelassene Perspektive eines Elder Statesman. Viele erwischen vom Bismarckhering nur den Hering. Schmidt aber gibt mit List den Eisernen Kanzler, der, im Ruhestand nicht in Friedrichsruh, sondern in dem nahen Hamburg, seine Commentarii auf die mitlebende Nachwelt losläßt.

    Gleichberechtigter Partner im Symposion zu zweit ist Fritz Stern, in Deutschland geborener Historiker von der Columbia University. Von Demenz ist bei den beiden alten Herren nichts zu spüren, obwohl sie 93 bzw. 81 Jahre alt waren, als sie das Gespräch aufnahmen. Sie servieren ein schlagfertiges teatro parlando, und man staunt isb. über das profunde Wissen des Ex-Kanzlers. Angesichts vieler heutiger Politiker hat man sich an totale historische Ahnungslosigkeit gewöhnt.

    Man muß nicht in jedem Punkt mit ihnen übereinstimmen, zumal sie oft gegensätzliche Einschätzungen historischer Persönlichkeiten wie Bush, Reagan, Kennedy oder Johannes Paul II. bieten. Die gleichberechtigte Gesprächsform erweist sich dabei als ein unterhaltsam und lebendig zu lesender tour d’horizont durch das zwanzigste und einundzwanzigste Jahrhundert, wobei der Schwerpunkt stets auf dem Politischen liegt. Schmidt flicht dabei gern Anekdoten und Porträts aus seiner Politiker-Zeit ein, während Stern immer wieder mit wissenschaftlich-historischen Referenzen punktet.

    Wir erfahren viel Interessantes, viel Anschauliches, etwa daß keine Begeisterung bei Kriegsausbruch 1939 vorherrschte, ganz im Gegensatz zu 1914. Hitler’s Kriegserklärung an die USA ist beiden Herren heute noch unverständlich. Der Leser darf weiterspinnen und sich fragen, ob hier ein Wille zum Untergang im kollektiven Unbewußten lauerte. Solche Tiefendimensionen fehlen hier, aber das muß kein Nachteil sein. Die lockere Form des Gesprächs erweist sich als geeignete Einführung in den großen Themenkreis der zeitgeschichtlichen Betrachtung. Allerdings muß man nicht jedes Wort dieser beiden Weltweisen auf die Goldwaage legen.

    Dieses Buch ist ein ideales Geschenk und sollte besonders von jüngeren Leuten gelesen werden, die erleben wollten, wie man Gedanken im Dialog entwickelt. Es ist die ideale Lektüre auf Flügen oder während längerer Bahnfahrten.

    Im Internet kann man bei der ARD-Mediathek unter »Beckmann« ein Gespräch von Schmidt und Stern sehen. Auch die Parodie »Loki & Smoky« ist sehenswert.

  9. Severus sagt:

    Gelassen durch die Zeit wandern
    Zwei ausgewiesene Kenner und Liebhaber des Lebens unterhalten sich über Gott und die Welt und bitten um Nachsicht, dass zum Beispiel Kultur oder Tradition ihre Bedeutung behalten sollten und zwar weltweit.

    Dass vor allem Tradition in der neuen Welt (USA, Kanada) sozusagen einen anderen Blickwinkel hat, wird herausgeschält, wobei ich aber glaube, dass man dort sogar genauer hinschaut, was zum Beispiel Rom und das römische Reich für eine Bedeutung haben im bezug auf imperiales Gehabe und ein Imperium sind die USA, wer wollte das bestreiten. Und das Emporwachsen anderer Mächte zuzeit, alles wahr.

    Also es schwankt hin und her mit den Bedeutungen.

    Und die Betonung, dass ihre Jahrgänge besonders viel durchgemacht hätten, wer würde das nicht unterschreiben. Obwohl, ein Kind von etwa 6 Jahren im Jahre 1945 z. B. in Hinterpommern, spät evakuiert, dann wieder zurückbefördert in die Heimat und plötzlich heißt es Schluss, aussteigen. Die Konferenz von Potsdam! Das gab es auch.

    Und was sich dann und damals in den 2-3 Monaten östlich der Oder abspielte, das wäre auch einmal eine Unterhaltung wert und die Kinder, die damals 6 Jahre alt waren, sind heute 70 und die Erinnerung wird ab und zu klar.

    Fritz Stern hat also Recht mit der Annahme, dass ein Kind von 6-7 Jahren wohl erahnen, spüren kann, was läuft. Und wer sagt denn, dass ein derartig junger Mensch nicht sogar das ganzen Hin- und Her, den Wechsel zwischen Glück und Wahnsinn spürt und zu beurteilen vermag.

    Helmut Schmidt und Fritz Stern versuchen im Alter das zu erinnern und das aufzubereiten, zu erhalten, was ihnen wichtig war.

    Es ist vieles, ja fast alles richtig, was sie sagen und die Frage nach dem WARUM, nach dem, wie alles geschehen konnte, haben andere auch schon zu beantworten versucht. Da ist Gier zu nennen, Sadismus, Masochismus, Erziehung und der Versuch, durch Religion oder Kultur, etwas zumindest zu retten. Und gerade Religion ist im Moment im Blickfeld von Schuld und Sühne.

    Hochmut wäre noch zu nennen und männlicher Heldenwahn (germanisches Übel), immer wieder bemüht, auch heute noch.

    Aufpassen aber auf das, was zum Schluss dieses hervorragenden Buches gesagt wird! Im Moment sind wir weltweit bedroht von gewollter Unmäßigkeit einiger Vorgänge im Finanzwesen. Ganze Volkswirtschaften könnten vernichtet werden, wenn der gute Geist, das, was diese beiden Männer besitzen und zum Ausdruck bringen, nicht eingreift.

  10. Silka sagt:

    Gelassen durch die Zeit wandern
    Zwei ausgewiesene Kenner und Liebhaber des Lebens unterhalten sich über Gott und die Welt und bitten um Nachsicht, dass zum Beispiel Kultur oder Tradition ihre Bedeutung behalten sollten und zwar weltweit.

    Dass vor allem Tradition in der neuen Welt (USA, Kanada) sozusagen einen anderen Blickwinkel hat, wird herausgeschält, wobei ich aber glaube, dass man dort sogar genauer hinschaut, was zum Beispiel Rom und das römische Reich für eine Bedeutung haben im bezug auf imperiales Gehabe und ein Imperium sind die USA, wer wollte das bestreiten. Und das Emporwachsen anderer Mächte zuzeit, alles wahr.

    Also es schwankt hin und her mit den Bedeutungen.

    Und die Betonung, dass ihre Jahrgänge besonders viel durchgemacht hätten, wer würde das nicht unterschreiben. Obwohl, ein Kind von etwa 6 Jahren im Jahre 1945 z. B. in Hinterpommern, spät evakuiert, dann wieder zurückbefördert in die Heimat und plötzlich heißt es Schluss, aussteigen. Die Konferenz von Potsdam! Das gab es auch.

    Und was sich dann und damals in den 2-3 Monaten östlich der Oder abspielte, das wäre auch einmal eine Unterhaltung wert und die Kinder, die damals 6 Jahre alt waren, sind heute 70 und die Erinnerung wird ab und zu klar.

    Fritz Stern hat also Recht mit der Annahme, dass ein Kind von 6-7 Jahren wohl erahnen, spüren kann, was läuft. Und wer sagt denn, dass ein derartig junger Mensch nicht sogar das ganzen Hin- und Her, den Wechsel zwischen Glück und Wahnsinn spürt und zu beurteilen vermag.

    Helmut Schmidt und Fritz Stern versuchen im Alter das zu erinnern und das aufzubereiten, zu erhalten, was ihnen wichtig war.

    Es ist vieles, ja fast alles richtig, was sie sagen und die Frage nach dem WARUM, nach dem, wie alles geschehen konnte, haben andere auch schon zu beantworten versucht. Da ist Gier zu nennen, Sadismus, Masochismus, Erziehung und der Versuch, durch Religion oder Kultur, etwas zumindest zu retten. Und gerade Religion ist im Moment im Blickfeld von Schuld und Sühne.

    Hochmut wäre noch zu nennen und männlicher Heldenwahn (germanisches Übel), immer wieder bemüht, auch heute noch.

    Aufpassen aber auf das, was zum Schluss dieses hervorragenden Buches gesagt wird! Im Moment sind wir weltweit bedroht von gewollter Unmäßigkeit einiger Vorgänge im Finanzwesen. Ganze Volkswirtschaften könnten vernichtet werden, wenn der gute Geist, das, was diese beiden Männer besitzen und zum Ausdruck bringen, nicht eingreift.

  11. Lazarus sagt:

    Wichtige Zeitzeugen
    Das ist Geschichtsunterricht vom Feinsten. Es sollte Pflichtlektüre für Geschichtslehrer werden, dann müssten Helmut Schmidt und Fritz Stern nicht mit Recht das fehlende Geschichtsbewusstsein unser Jugend beklagen. Den bisherigen Rezensionen ist kaum noch etwas hinzufügen. Die einzigen leichten Zweifel sind m.E. angebracht, wenn Helmut Schmidt anführt, dass er über Auschwitz erst zu Ende des Krieges gehört hat. Er war ja nicht nur, wie er schreibt, einfacher “Muschkote”, sondern immerhin Leutnant und gerade politisch bereits weiter gebildet, als viele andere seiner Kameraden. Dieses Buch werde ich im Laufe des Jahres noch einige Male in die Hand nehmen und darin lesen.

  12. wanja sagt:

    Danke, Herr Schmidt. Danke, Herr Stern.
    3 Tage haben die sich die beiden Herren, Helmut Schmidt - unser Altbundeskanzler als Geschichtspraktiker, und Fritz Stern - Historiker mit großer Eigenerfahrung - über Gott und die Welt unterhalten. Jeder der beiden geistigen Schwergewichte hatte sich seinen Fragenkatalog im Vorfeld zusammengestellt und über diese Fragen, nicht immer einer Meinung, diskutiert. Von Bismarck und dem Kaiserreich; von Hitler und der Nazizeit; von den Anfängen der Sozialdemokratie bis zur Wiedervereinigung; von Georg Washington bis Georg W. Bush; von Isreals Staatengründung bis zur heutigen Situation im Nahen Osten , von Glasnost und dem amerikanischen way of life. Und viele Themen mehr. Wie konnte es zu diesem oder jenem Ereignis kommen, was lernen wir für die Zukunft? Ich habe aus diesen Gesprächen viel persönlichen Nutzen gezogen und manches besser verstanden, als es mir manche Geschichtsbücher vermitteln konnten. Trotzdem hatten die Gespräche nie die Absicht erkennen lassen, dass zwei Oberlehrer um die Wahrheit, die es eh` nicht gibt, streiten. Persönliche Erlebnisse und Erinnerungen der beiden Herren brachten mich zum Schmuzeln und noch mehr zum Nachdenken. Natürlich gab es zwischen den Beiden keinen Sieger und keinen Verlierer; der Gewinner ist eindeutig der Leser.

  13. Christopher sagt:

    Jedem in unserem Land aktiven Politiker möchte man dieses Buch zur selbstfortbildenden Pflichtlektüre machen
    Dieses Gespräch des mittlerweile 91-jährigen ehemaligen Bundeskanzlers und Zeitherausgebers Helmut Schmidt mit dem jüdischen Historikers Fritz Stern ist das beste Stück Geschichtsschreibung und zeitgenössischer Politik- und Weltanalyse, die ich seit langem gelesen habe. Ohne noch irgendjemandem verpflichtet zu sein außer der eigenen Meinung und dem eigenen Gewissen, parlieren die beiden in einem lebendigen Gespräch, in dem sie sich auch immer mal wieder ins Wort fallen, über “Unser Jahrhundert”.

    An manchen Stellen mögen vielleicht jüngere Leser den Gestus insbesondere von Helmut Schmidt für pädagogisch und oberlehrerhaft halten. Das ist er aber nicht. Sondern in diesem Buch, wie auch in vielen Artikeln in der ZEIT in den vergangenen Jahren überwiegt eine ungeheure Neugierde auf die Gegenwart. Er liebt das dauernde Herstellen von Bezügen und vor allem hat er eine große Lust an der Einmischung.

    Seit langem sind sich die beiden freundschaftlich verbunden und man spürt immer wieder ab, wie sehr der Historiker Stern den ehemaligen Politiker und jetzigen Elder Statesman Schmidt bewundert.

    Helmut Schmidt ist die Gnade vergönnt, in seinen hohen Jahren jene moralische Autorität gewonnen zu haben, die man ihm in seiner aktiven politischen Zeit selten entgegenbrachte. Von dieser Autorität und von dem unendlichen Wissen Fritz Sterns, von der absolut ungewöhnlichen und der Erkenntnis förderlichen Gesprächsatmosphäre, kann der Leser dieses Buch nur profitieren, für seine Geschichtskenntnisse und für die Bildung seiner eigenen Meinung zu bestimmten zeitgenössischen politischen und ökonomischen Phänomenen.

    Jedem in unserem Land aktiven Politiker, gleich ob auf Bundes- Landes- oder Kommunalebene möchte man dieses Buch zur selbstfortbildenden Pflichtlektüre machen.

  14. Darlene sagt:

    Spannender Dialog auf Augenhöhe
    Wer kann schon von sich behaupten ,

    über eine ähnliche Lebenserfahrung ,

    wie unser Altkanzler Helmut Schmidt

    (mittlerweile unser oberster ” Philosoph der Nation”)

    zu verfügen?

    Fritz Stern kann das bestimmt!

    Bekannt aus zahlreichen Veröffentlichungen und

    geadelt mit unzähligen Auszeichnungen hat

    der jüdisch stämmige Historiker mit diversen

    Professuren einiges zu erzählen und ist somit der

    ideale Gegenpart zu Helmut Schmidt.

    Auch vom Alter her sind beide nicht weit auseinander!

    So entwickelt sich ein zu jeder Zeit spannender

    Dialog über einen Streifzug durch die Historie

    des letzten Jahrhunderts.

    Das Buch ist nie langweilig , ganz im Gegenteil

    und viele Passagen sind zudem noch ungeheuer witzig ,

    pointiert und spritzig verpackt !

    Ich gebe eine uneingeschränkte Empfehlung für

    ein absolut großartiges , kurzweiliges Buch!!

  15. Galatea sagt:

    Country for old men
    Der Garten von Helmut Schmidts Reihenhaus am Neuberger Weg war Schauplatz zahlreicher Gespräche mit Gästen, von Giscard d’Estaing bis Breschnew. Im Juni 2009 trafen sich dort Fritz Stern und Helmut Schmidt, ebenso angesehen wie altersweise, abgeklärt und zusammen 176 Jahre, zu dreitägigen Gesprächen, die, ergänzt um Inhalte aus einem Gespräch 2008, im vorliegenden Band dokumentiert werden. Die Gespräche sind chronologisch dokumentiert und nur unwesentlich redigiert, ein Personenregister mit etwa 200 Einträgen ist angefügt. Die Spannweite der Themen ist breit, die Debatten ungemein anekdotisch, die Urteile zum Teil rigoros. Im Vordergrund stehen die Ursachen des Nationalsozialismus und die Frage, was man wissen konnte (Schmidt: Im Sommer 1944 habe ich begriffen, dass das Verbrecher sind. So spät. Stern: Helmut, dazu gehört ein gewisser Wille, es nicht zu sehen, was Nietzsche die Feigheit vor der Wahrheit genannt hat) sowie Geschichten und Geschichte v.a. der internationalen Politik. Die Lektüre ist bereichernd und inspirierend, kein Zweifel. Die kursorische Behandlung der Themen ist ein Wermutstropfen, wenn auch in der Natur des Formats liegend.

  16. Kaspar sagt:

    Unser Jahrhundert - diesmal wahrhaft ein Jahrhundertwerk
    Helmut Schmidt, sozialdemokratischer Bundeskanzler außer Dienst der 70er Jahre und mithin großer politischer Sturkopf, Fritz Stern, Kulturgeschichtler und herausragender historischer Fachwissenschaftler, trafen sich im Sommer 2009 in Hamburg und zogen ihre persönliche Bilanz des gemeinsam erlebten 20. Jahrhunderts. Sie trugen Facetten ihrer Erlebnisse und Entscheidungen, ihrer politischen Wahrnehmungen und fachlichen Auseinandersetzungen zusammen und fanden nicht selten einen Konsens, der für den Leser auch neue Aspekte an Einsichten und politischen Hintergründen offenbart.

    Beeindruckt an diesem Buch und seinen Gesprächen beider haben mich die Ausführungen über das Deutsche Kaiserreich, Wilhelm II. und Bismarck, über den Nationalsozialismus und Hitler, über Holocaust und den Zivilisationsbruch des 20. Jahrhunderts - über Momente einer nicht vergehen wollenden Zeitgeschichte, zu der beide manches kenntnisreich und weisheitsvoll noch hinzuzufügen wussten. Aber auch die Geschichte Amerikas von John F. Kennedy über Kissinger und Nixon, Watergate und Vietnamkrieg kommen keineswegs in kritischen Anmerkungen zu kurz. Aber auch Fragen heutiger Realpolitik in Zeiten der Globalisierung, in Fragen zur Zukunft der EU und eines Ja oder Nein zum Beitritt der Türkei werden kenntnisreich gestreift.

    So wird das Buch zu einem klugen Resümee über ein vergangenes Jahrhundert und zu einem Ausblick auf ein kommendes, in dem die Probleme keineswegs kleiner zu werden scheinen. Und am Ende dieses sagenhaften Werkes bleibt fast nur die Frage, ob wir solche Kulturwissenschaftler und Politiker, wie beide es gewesen sind und immer waren, angesichts der Fragen und Probleme, die uns nächstens ins Haus stehen, nicht dringender als jemals zuvor nötig hätten.

    So war das Buch für mich eine ganze Offenbarung, immer aber auch in jener Hinsicht, die mit einem gewissen Pessimismus gemischt bleibt, wenn vielleicht auch nicht mit jenem, den man einem Fritz Stern immer gerne nachgesagt hat. Aber um so mehr ist festzustellen: Dieses Buch muss man unbedingt lesen! Ich hab es genossen, nicht nur der Einsichten wegen, auch der rhetorischen Klarheit und Könnerschaft beider.

    Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.

  17. Gianna sagt:

    relativ gutes Buch
    Relativ deshalb, weil unser Jahrhundert nicht nur aus Amerika besteht!!!

    Es ist mir zu ‘USA`- Lastig. Das letzte Drittel wird dann interessant………

  18. Svana sagt:

    Für den anspruchsvollen Leser
    Wer sich etwas im politischen Geschehen auskennt,auch etwas Interesse dafür aufbringt, Politiker, die keine Schwätzer sind, mag, der sollte diese klugen Gedanken dieser beiden “großen alten Haudegen” der Politik lesen! Welches Wissen sie haben! Absolut glaubwürdig! Solche “Schmidts” bräuchten wir heute!

  19. Nikodemus sagt:

    Ein Stück lebendige Geschichte
    Das Buch ist absolut empfehlenswert. Es ist ein Stück lebendige Geschichte. Wer sich dafür interessiert, sollte an dem Buch nicht vorübergehen.

  20. Giuliano sagt:

    Ein Stück lebendige Geschichte
    Das Buch ist absolut empfehlenswert. Es ist ein Stück lebendige Geschichte. Wer sich dafür interessiert, sollte an dem Buch nicht vorübergehen.

  21. Gereon sagt:

    Übersatt
    Ich muß gestehen : Ich bin übersättigt! Übersättigt von Gesprächen mit Helmut Schmidt, sei es in TV-Formaten mit stets intellektuell unterlegenen Moderatoren, sei es in Buchform oder wo und wie auch immer : Der Altkanzler (intelligent, gebildet, knarzig, eigenwillig, klar) fasziniert und steht kurz vor seiner weltlichen Kanonisierung in der so orientierungslosen, gegenwärtigen Bundesrepublik, die keine wirklichen Eliten mehr hat, weder in politischer, intellektueller noch in kultureller Hinsicht. Diese sterben aus - und Schmidt strahlt rückblickend erlöserisch aus diesem lauen Gemisch heraus.

    Der alte Mann und seine Zigarette - zur Ikone geworden vom Bildungsbürgertum.

    Gut. Das kann man übertrieben finden oder nicht. Es ist so und ich ziehe den Hut vor seinen Fähigkeiten, auch vor dieser : Nicht über irgendwas zu reden, von dem er keine Ahnung hat (siehe Thomas Mann).

    Aber irgendwann reichts mir persönlich doch und deswegen finde ich dieses Buch für mich überflüssig.

    Da war doch noch was… Ach ja : Fritz Stern. Auch er kann gegen den “Übermenschen” Schmidt nicht ankommen, möchte dies vielleicht auch nicht; auf jeden Fall nimmt er eine ehrenvollere Moderatorenrolle ein als dies seine KollegInnen von ARD und ZDF bisher getan haben.

    Was er über Kard. Ratzinger anmerkt, sehr unfundiert nebenbei gesagt, ist schlicht eine Frechheit.

    Aber vielleicht denke ich zu negativ : Die modische Art und Weise, daß Bücher Interviews und Gespräche aufzeichnen, finde ich sehr sinnvoll, denn in der direkten Rede drücken sich die Menschen doch verständlicher aus als wenn sie allein und schriftlich vor sich hinmonologisieren (dieses gilt NICHT für den Altkanzler; er ist auch in seiner Schreibe klar und knapp). Insofern ist dieses Buch wichtig und man kann als Leser eine Menge “aufschnappen”.

    Aber, und das darf man trotz der öffentl. Kaiserkrönung Schmidts nicht vergessen : Auch er ist ein Mensch mit Fehleinschätzungen und Verkürzungen. Insofern hätte ich ein Gespräch mit jemandem spannender gefunden, der evtl. einer anderen polit. Ecke als er selbst angehört - wie wärs mit Arnulf Baring? ;-)

  22. Bernhardt sagt:

    Übersatt
    Ich muß gestehen : Ich bin übersättigt! Übersättigt von Gesprächen mit Helmut Schmidt, sei es in TV-Formaten mit stets intellektuell unterlegenen Moderatoren, sei es in Buchform oder wo und wie auch immer : Der Altkanzler (intelligent, gebildet, knarzig, eigenwillig, klar) fasziniert und steht kurz vor seiner weltlichen Kanonisierung in der so orientierungslosen, gegenwärtigen Bundesrepublik, die keine wirklichen Eliten mehr hat, weder in politischer, intellektueller noch in kultureller Hinsicht. Diese sterben aus - und Schmidt strahlt rückblickend erlöserisch aus diesem lauen Gemisch heraus.

    Der alte Mann und seine Zigarette - zur Ikone geworden vom Bildungsbürgertum.

    Gut. Das kann man übertrieben finden oder nicht. Es ist so und ich ziehe den Hut vor seinen Fähigkeiten, auch vor dieser : Nicht über irgendwas zu reden, von dem er keine Ahnung hat (siehe Thomas Mann).

    Aber irgendwann reichts mir persönlich doch und deswegen finde ich dieses Buch für mich überflüssig.

    Da war doch noch was… Ach ja : Fritz Stern. Auch er kann gegen den “Übermenschen” Schmidt nicht ankommen, möchte dies vielleicht auch nicht; auf jeden Fall nimmt er eine ehrenvollere Moderatorenrolle ein als dies seine KollegInnen von ARD und ZDF bisher getan haben.

    Was er über Kard. Ratzinger anmerkt, sehr unfundiert nebenbei gesagt, ist schlicht eine Frechheit.

    Aber vielleicht denke ich zu negativ : Die modische Art und Weise, daß Bücher Interviews und Gespräche aufzeichnen, finde ich sehr sinnvoll, denn in der direkten Rede drücken sich die Menschen doch verständlicher aus als wenn sie allein und schriftlich vor sich hinmonologisieren (dieses gilt NICHT für den Altkanzler; er ist auch in seiner Schreibe klar und knapp). Insofern ist dieses Buch wichtig und man kann als Leser eine Menge “aufschnappen”.

    Aber, und das darf man trotz der öffentl. Kaiserkrönung Schmidts nicht vergessen : Auch er ist ein Mensch mit Fehleinschätzungen und Verkürzungen. Insofern hätte ich ein Gespräch mit jemandem spannender gefunden, der evtl. einer anderen polit. Ecke als er selbst angehört - wie wärs mit Arnulf Baring? ;-)

  23. Björn sagt:

    Ein historisches Zeitdokument (Höruch)
    Ein amerikanischer Historiker deutscher Herkunft und ein deutscher Politiker außer Dienst kommen im Sommer 2009, genauer vom 22. bis 24. Juni 2009, im Haus der Altkanzlers in Hamburg-Langenhorn zusammen, um Erfahrungen, Erinnerungen und Argumente auszutauschen, die um die großen Fragen des 20. Jahrhunderts kreisen.

    Thomas Karlauf vom C.H. Beck transkribierte die mitgeschnittenen Texte - und Schmidt und Stern haben diese Textgrundlage jeweils noch einmal überarbeitet.

    Der “Bonus-Track” auf der letzten CD macht deutlich, weshalb die Redigierung des Gesprächs sinnvoll war, wenn man die Live-Passage mit dem gedruckten, redigierten Text vergleicht. Auch wird deutlich - obwohl es (nicht nur aus zeitdokumentatorischen Zwecken) sicher reizvoll gewesen wäre - weshalb es sinnvoll war, die Live-Mitschnitte nicht für ein Hörbuch zu verwenden, sondern durch professionelle Sprecher nachsprechen zu lassen.

    Dabei hat der “Der Audio Verlag” bei der Auswahl der Sprecher eine überaus kluge Entscheidung getroffen: Besonders Hanns Zischler hat sich offenbar sehr intensiv mit Sprache und Diktion seines “alter ego” Helmut Schmidt beschäftigt, dass man fast den Helmut Schmidt der 70 und 80 Jahre zu hören glaubt. Doch auch Hans Peter Hallwachs ist eine nicht minder gelungene Besetzung der Rolle Fritz Sterns.

    “Unser Jahrhundert” ist kein Geschichtsbuch. Helmut Schmidt und Fritz Stern diskutieren vielmehr ihre unterschiedlichen Sichten über Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Der Hörer/Leser erfährt wie beide auf Grund ihrer unterschiedlichen Biografien über den Holocaust, das heutige Verhältnis der Deutschen zu Israel, über den Ost-West Konflikt, die Wiedervereinigung, Afghanistan und auch die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise, denken.

    In lockerer Form sprechen und streiten beide über das Bismarcksche Rentensystem, über den Nahost-Konflikt und die Frage, wie viel Ethik die Politik verträgt. Einig sind sie sich in einem grundsätzlichen Punkt: Die Auseinandersetzung mit Geschichte ist für jede demokratische Gesellschaft unverzichtbar.

    Positionen werden verglichen, Argumente ausgetauscht. Der Wechsel von Rede und Widerrede entschädigt für die Stellen, die nicht hinreichend ausdiskutiert werden können. Kein Politiker von Weltrang, den die beiden nicht persönlich gekannt haben. Nicht jeder kommt im Urteil der beiden gut weg und der Leser/Hörer erfährt so manches Detail der Zeitgeschichte, das ihm so sicher nicht geläufig war. Wer genau hinhört, erfährt auch Neues über den Zusammenhang von Staat und Volk - und ist vermutlich ernüchtert, wie pragmatisch ein Helmut Schmidt das Thema “Macht” - auch in einem demokratisch verfassten - Staat beschreibt.

    Tiefer Respekt wird spürbar, auch wenn der immer noch impulsive Helmut Schmidt seinem Gesprächspartner Stern öfters in die Rede fällt. Man merkt beiden an, wie sehr sie bemüht sind, das eigene Urteil noch einmal in der Meinung des Anderen spiegeln zu lassen.

    Fazit: Wer auf unterhaltsame Weise etwas vom 20. Jahrhundert verstehen will, ist mit diesem (Hör-) Buch und seinen 5 CDs und 312 Minuten Laufzeit hervorragend bedient.

  24. Heinz sagt:

    Sternstunden mit Herrn Schmidt
    Hätte ich vorher gewusst, dass das Buch nur aus einem Dialog besteht, hätte ich es mir wahrscheinlich nicht gekauft. Doch ich war von Beginn an fasziniert über den intellektuellen Gedankenaustausch dieser beiden Persönlichkeiten, die den Leser oder besser gesagt Zuhörer an ihren umfassenden politischen und historischen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte teilhaben lassen. Die Dialogform des Buches verhindert zum einen allzu lange Monologe, denn der andere Gesprächspartner fällt immer rechtzeitig ins Wort des anderen, und zum anderen ist es die Tatsache, dass sich hier ein Bundeskanzler a. D. und ein angesehener Historiker über Situationen und Personen unterhalten, die wirklich einst die Welt bewegt und die sie persönlich erfahren und kennengelernt haben. Dabei wird auch so mancher Blickwinkel, den man vorher auf bestimmte Ereignisse hatte, zum Teil etwas korrigiert. Von so einem Gespräch kann man als Angehöriger einer jüngeren Generation nur profitieren.

    Fazit: Hier unterhalten sich zwei wahre Weltbürger! Es macht Freude, diesem Gespräch zu folgen. Man riecht dabei förmlich den aufsteigenden Rauch einer Menthol-Zigarette …

  25. Yelva sagt:

    Schmidt: “Fangen Sie an, Fritz”

    Das Buch stürmte geradezu die Bestsellerlisten: “Unser Jahrhundert”, ein Gesprächsbuch von Helmut Schmidt (91), Altbundeskanzler, und Fritz Stern (84), Historiker, lockt nicht allein mit Altersweisheit, sondern ist erfrischend deftig. Schmidt schimpft Kaiser Wilhelm II. unumwunden einen “Maulhelden” und einen “Scheißkerl”, die Neokonservativen in den USA “Rechtsradikale”. Im Verlauf von drei Tagen besprechen die alten Herren ein ganzes Jahrhundert - schwankend zwischen Witz, Weisheit und einer Prise Vorlesung. Ohnehin ist Schmidt für die Deutschen in seinen späten Jahren zu einem Monument geworden. Da erwartet jeder Großes, wenn der frühere Bundeskanzler den Anstoß gibt: “Fangen Sie an, Fritz.”

    Zwar erinnert gerade Schmidt gerne, manchmal allzu gerne an all die berühmten Leute, mit denen er sich treffen konnte. Aber faszinierend an diesem Buch ist vor allem der weite Horizont der beiden alten Herren, deren Gespräch zwischen Bismarck und Johannes Paul II., zwischen Sozialpolitik und dem Aufstieg Chinas elegant hin- und herlaviert.

    Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen jedoch die Verbrechen der Nazis. Diese trieben Stern als Juden in die Emigration und sind das große Trauma für beide - und für Millionen Menschen. Und so oft sie sich auch einig sind, an einem entscheidenden Punkt sind sie es nicht, und da nimmt das Buch eine Wendung ins Persönliche: Auf die Frage Sterns nach den Ursachen für den Holocaust und die Verfolgung der Juden sagt Schmidt: “Man hat es einfach nicht mitgekriegt.”

    An der Stelle bricht es aus Stern heraus: “Nein, nein. Millionen von Deutschen müssen es gesehen haben, denn sie haben ja gebrannt, die Synagogen - überall im ganzen Land.”

    Das Buch zeichnet einen regen und mitreißenden Austausch nach. “Alles aber, was ein lebendiges Gespräch ausmacht - das Kursorische, Mäandernde, Improvisierte - wurde so weit wie möglich beibehalten”, schreiben die Autoren im Vorwort. Das macht die unmittelbare Wirkung dieses Gesprächs aus. In diesem ist Schmidt der Streitbare, Stern der Ausgleichende.

    Und so bekommt auch die aktuelle Politik in Deutschland ihr Fett weg, wenn der Ex-Kanzler etwa gegen die FDP schießt: Denn zu deren Parteichef und Außenminister Guido Westerwelle fällt ihm nur ein: “Wie heißt er noch?”

  26. Amir sagt:

    Schmidt: “Fangen Sie an, Fritz”

    Das Buch stürmte geradezu die Bestsellerlisten: “Unser Jahrhundert”, ein Gesprächsbuch von Helmut Schmidt (91), Altbundeskanzler, und Fritz Stern (84), Historiker, lockt nicht allein mit Altersweisheit, sondern ist erfrischend deftig. Schmidt schimpft Kaiser Wilhelm II. unumwunden einen “Maulhelden” und einen “Scheißkerl”, die Neokonservativen in den USA “Rechtsradikale”. Im Verlauf von drei Tagen besprechen die alten Herren ein ganzes Jahrhundert - schwankend zwischen Witz, Weisheit und einer Prise Vorlesung. Ohnehin ist Schmidt für die Deutschen in seinen späten Jahren zu einem Monument geworden. Da erwartet jeder Großes, wenn der frühere Bundeskanzler den Anstoß gibt: “Fangen Sie an, Fritz.”

    Zwar erinnert gerade Schmidt gerne, manchmal allzu gerne an all die berühmten Leute, mit denen er sich treffen konnte. Aber faszinierend an diesem Buch ist vor allem der weite Horizont der beiden alten Herren, deren Gespräch zwischen Bismarck und Johannes Paul II., zwischen Sozialpolitik und dem Aufstieg Chinas elegant hin- und herlaviert.

    Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen jedoch die Verbrechen der Nazis. Diese trieben Stern als Juden in die Emigration und sind das große Trauma für beide - und für Millionen Menschen. Und so oft sie sich auch einig sind, an einem entscheidenden Punkt sind sie es nicht, und da nimmt das Buch eine Wendung ins Persönliche: Auf die Frage Sterns nach den Ursachen für den Holocaust und die Verfolgung der Juden sagt Schmidt: “Man hat es einfach nicht mitgekriegt.”

    An der Stelle bricht es aus Stern heraus: “Nein, nein. Millionen von Deutschen müssen es gesehen haben, denn sie haben ja gebrannt, die Synagogen - überall im ganzen Land.”

    Das Buch zeichnet einen regen und mitreißenden Austausch nach. “Alles aber, was ein lebendiges Gespräch ausmacht - das Kursorische, Mäandernde, Improvisierte - wurde so weit wie möglich beibehalten”, schreiben die Autoren im Vorwort. Das macht die unmittelbare Wirkung dieses Gesprächs aus. In diesem ist Schmidt der Streitbare, Stern der Ausgleichende.

    Und so bekommt auch die aktuelle Politik in Deutschland ihr Fett weg, wenn der Ex-Kanzler etwa gegen die FDP schießt: Denn zu deren Parteichef und Außenminister Guido Westerwelle fällt ihm nur ein: “Wie heißt er noch?”

  27. Conny sagt:

    ein informatives und she unterhaltendes Lesevergnügen
    In diesem Buch werden in sechs Halbtagessitzungen das gesamte letzte und in einigen Aspekten auch Probleme und Enwicklungen des 21. Jahrhunderts besprochen.

    Die Unterhaltung ist unstrukturiert und jedem Kaptel sind in der Inhaltsangabe stichpunktartig die Themen aufgelistet, die in diesem Kapitel behandelt werden. Dabei schöpfen beide, Helmut Schmidt wie Friz Stern aus dem schier unerschöpflichen Reservoir ihrer Erfahrungen und Kenntnisse, die in einem aktiven, im Zentrum des historischen Geschehens stehenden Leben erworben wurden.

    Das Ganze fand offenbar in sehr entspannter, von gegenseitiger Sympathie und Freundschaft getragenen Atmosphäre statt und ist wunderbar zu lesen.

    Besonders zu empfehlen sind die Bemerkungen über die Lage und Entwicklung in Israel!

    Das Buch ist jedem historisch und politisch Interessierten sehr zu empfehlen!

  28. Jens sagt:

    ein informatives und she unterhaltendes Lesevergnügen
    In diesem Buch werden in sechs Halbtagessitzungen das gesamte letzte und in einigen Aspekten auch Probleme und Enwicklungen des 21. Jahrhunderts besprochen.

    Die Unterhaltung ist unstrukturiert und jedem Kaptel sind in der Inhaltsangabe stichpunktartig die Themen aufgelistet, die in diesem Kapitel behandelt werden. Dabei schöpfen beide, Helmut Schmidt wie Friz Stern aus dem schier unerschöpflichen Reservoir ihrer Erfahrungen und Kenntnisse, die in einem aktiven, im Zentrum des historischen Geschehens stehenden Leben erworben wurden.

    Das Ganze fand offenbar in sehr entspannter, von gegenseitiger Sympathie und Freundschaft getragenen Atmosphäre statt und ist wunderbar zu lesen.

    Besonders zu empfehlen sind die Bemerkungen über die Lage und Entwicklung in Israel!

    Das Buch ist jedem historisch und politisch Interessierten sehr zu empfehlen!

  29. Maja sagt:

    Lehrer als Vorbild
    was mir als Lehrer wohltat ist das gute Bild, das er von seinen Lehrern zeichnet,besonders seines Geschicht-und Klassenlehrers,der ihn für die Geschichte zu sensibilisieren vermochte und damit Schröders Lehrerschelte von den “faulen Säcken” widerlegt und eine andere Sicht entgegenstellt.

    Ein geschichtsträchtiges,wertvolles Buch für alle Generationen im lockeren,gut verständlichen Dialog geführt,miteinander im Schmidteinander!

    Harald Dupont

  30. Yelva sagt:

    Weisheit pur
    Ein wirklich lesenswerter und ständig abwechslungsreicher Dialog vo Mânnern, die das Leben klug analysieren. Erlaubt viele Dinge ein wenig anders zu betrachten

  31. Arian sagt:

    Infotainment, das bildet!
    Das Konzept dieses Buches geht auf. Der Historiker und der Politiker werfen sich gegenseitig die Bälle zu und lassen den Leser an der untrennbaren Verquickung von Geschichte und Politik - mit dem Fokus 1945 bis heute - teilhaben. Unaufdringlich, in klarer Sprache, ohne syntaktische Verrenkungen; zum Teil auch etwas (zu) speziell, wenn privat-geschäftliche Bindungen ausgelotet werden, immer jedoch mit klarer Stellungnahme, interessanten Fragen und präzisen Konklusionen. Und nicht zuletzt: geistreichen Bonmots.

    Das Werk ersetzt kein Geschichtsbuch. Fragen werden behandelt - ohne dass die der Frage zugrunde liegenden (vorgelagerten) Ereignisse rekapituliert werden. Der Leser sollte also in Politik und Geschichte einigermaßen firm sein und Zusammenhänge der Weltgeschichte kennen.

    Wundern darf sich der Leser trotzdem. Wie die beiden Gesprächspartner, die keine Erklärung für Hitlers Kriegserklärung an die USA finden. “Unverständlich!” - “Absolut”.

    Heikle Fragen, wie die Politik Israels (auch Antisemitismus in Deutschland und Europa vor den beiden Weltkriegen) und die Reaktionen darauf von amerikanischer und deutscher Seite, werden erörtert. Ob Deutschland eine “besondere” Verantwortung gegenüber Polen hat. Wie der bedeutende Historiker Tocqueville prophetisch voraussah, dass es zu einem Zweikampf der Ideologien/Großmächte zwischen Amerika und Russland kommen würde. Was die beiden Bushs unterscheidet.

    Jedenfalls viel Stoff zum Nach- und Überdenken. Auch zum Staunen, weil man die eine oder andere Aussage/Situation/Reaktion so klar bisher noch nicht gesehen hat.

  32. Gaspard sagt:

    Hält nicht, was der Titel verspricht
    Ich hatte mir dieses Buch mit großen Erwartungen gekauft. Einige Passagen sind gut gelungen und man fühlt sich direkt in das Gespräch der beiden großen Männer eingebunden. Es gibt aber auch viele Stellen, an denen die Themen sehr oberflächlich angesprochen werden. Immer dann. wenn es interessant zu werden scheint, wechseln die Gesprächsteilnehmer das Thema oder gleiten ab in das Belanglose. Idee gut, Ausführung mangelhaft.

  33. Gilleasbuig sagt:

    Fesselnder Dialog zur Zeitgeschichte
    Dieses Buch soll und kann kein Abriss der Geschichte des 20. Jahrhunderts sein. Es berührt nicht alle wichtigen Aspekte und geht auch nicht immer allzu sehr in die Tiefe, aber selbst wenn ein Thema nur flüchtig gestreift wird, fesselt es doch, wie der Politiker und der Historiker, beide auch auf dem Berufsfeld des jeweils anderen sehr bewandert, einander elegant Bälle zuwerfen.

    Stern und Schmidt sind aus politischer Sicht keine Gegenpole, sodass es nicht zu einem erbitterten Schlagabtausch kommt, sondern höchstens um Details gefochten wird - mit dem Florett, sehr charmant, wenngleich vor allem Schmidt gern nachdrücklich auftritt. Immer zeigt sich die Wertschätzung zwischen den Dialogpartnern.

    Beide Autoren pflegten über die Jahrzehnte Kontakte zu bedeutenden internationalen Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Kultur und Religion, die nun in den verschiedensten Anekdoten auftreten. Dennoch verlieren Schmidt und Stern nicht den roten Faden, und so entsteht auch keine Langeweile.

    Nicht zuletzt, wenn die Rede auf aktuelle Ereignisse kommt, was bei einer Betrachtung des 20. Jahrhunderts unvermeidlich ist - haben die damaligen Entwicklungen doch die Weichen für das jetzige Jahrhundert gestellt -, zeigt sich, dass die Autoren nicht nur in puncto Geschichte, sondern auch in Bezug auf die Tagespolitik bestens informiert sind. Sie nehmen Stellung zu Themen wie dem Türkeibeitritt zur EU und grundsätzlichen Problemen der EU-Erweiterung, zur derzeitigen Finanzkrise und deren Hintergründen und vielen anderen Aspekten.

    Man mag ein wenig Schmidt-müde geworden sein angesichts der vielen Veröffentlichungen des Altkanzlers und seines häufigen Auftretens als moralische Instanz, aber dieses Buch weckt Interesse an der Zeitgeschichte und begeistert sicher nicht nur Schmidts politische Gesinnungsgenossen, zumal sich Schmidt keineswegs nur kritisch über frühere Gegner oder ausschließlich lobend über die SPD äußert, sondern abwägt. Und Fritz Stern, der keineswegs rein distanzierte Historiker, bildet einen sympathischen Konterpart. Es kommt bei Meinungsverschiedenheiten nicht immer zum Konsens, aber gerade das gefällt an diesem Buch: Widersprüche werden nicht mit Gewalt aufgelöst.

    Die beiden Sprecher vermitteln gut die Atmosphäre, die während des Gesprächs geherrscht haben muss, das gelegentliche eifrige Ins-Wort-Fallen, kurze Denkpausen, Schmidts Ermahnung an Stern, nicht so schnell zu sprechen, spontaner Widerspruch. So wirkt das Gespräch in der Hörbuchfassung besonders lebendig. Der Hörer wird auch den erwähnten Auszug aus dem originalen Mitschnitt zu schätzen wissen.

    Sehr empfehlenswerte, auch von der Aufmachung her attraktive “Audio-Lektüre” für politisch und zeitgeschichtlich Interessierte jeden Alters!

  34. Suleiman sagt:

    Geschichte life
    Geschichte life - Helmut Schmidt garantiert authentisch und offenherzig seine Erfahrungen. Neugierig war ich auf Fritz Stern, den ich noch nicht kannte. Ich bin auf alle Fälle sehr zufrieden.

  35. Titus sagt:

    Geschichte life
    Geschichte life - Helmut Schmidt garantiert authentisch und offenherzig seine Erfahrungen. Neugierig war ich auf Fritz Stern, den ich noch nicht kannte. Ich bin auf alle Fälle sehr zufrieden.

  36. Albertyne sagt:

    Lebensweisheit und gelebte Geschichte
    Drei Tage nahmen sich zwei alte Freunde im Jahre 2009 Zeit, um ein Gespräch zu führen.

    Ein besonderes Gespräch, dessen Besonderheit allein schon in den beiden miteinander sprechenden Personen zu finden ist.

    Fritz Stern, Historiker und Helmut Schmidt, Altbundekanzler und anerkannter Elder Statesman mit hoher internationaler Reputation.

    Drei Vormittag und drei Nachmittage, in denen sie gemeinsam das 20 Jahrhundert Revue passieren lassen. Je ihre Erfahrungen und Interpretationen der Zeitgeschehnisse im Gespräch miteinander teilen, bewerten und mögliche Lehren aus der Geschichte gemeinsam ziehen.

    Vom “Maulhelden” Kaiser Wilhelm II (H.Schmidt) über vertane Chancen der Weimarer Republik, über die Zeit des zweiten Weltkrieges, die junge Bundesrepublik, das transatlantische Bündnis, das zueinander wachsende Europa bis zur Gegenwart.

    Zwei Freunde, die es beide verstehen, pointiert auf den Punkt genau zu argumentieren und die beide aus einem hohen Sachverstand einerseits und einer reichhaltigen Fülle von Lebenserfahrungen andererseits zu schöpfen vermögen.

    Beste Zutaten und Voraussetzungen also für einen weiten und breiten Blick auf festem Fundament.

    Voraussetzungen, die beide nicht .enttäuschen, ganz im Gegenteil.

    Selten öffnete der privat eher wenig zugängliche Helmut Schmidt den Blick in der hier vorliegenden, intensiven Form auf seine Kriegsjahre. Erfahrungen, Erlebnisse, Bewertungen, in denen er sich mit Fritz Stern durchaus einig ist.

    Eine Einigkeit, die natürlich bei zwei solche eigenständige Charakterköpfen sich nicht über alle Themen des Buches hinweg zieht. In der Bewertung des schriftlichen Nachlasses Helmut Schmidts vertreten beide andere Standpunkte, ebenso, und das fundamental, in der Bewertung des Verhältnisses der deutschen Bevölkerung der Nazi Zeit im Blick auf den Holocaust. Stern beharrt, völlig zu Recht, auf einem “Gewusst haben müssen” der Deutschen der damaligen Zeit.

    Gerade die eigenständig und jeweils persönliche Stärke beider Beteiligter ist der besondere Reiz dieses Gespräches. Allzu oft treten Interviewer und Moderatoren Helmut Schmidt äußerst servil gegenüber, kaum mehr als reine Stichwortgeber.

    Sicher hat es immer einen Reiz, Vorträge aus dem Mund des großen Mannes zu hören und natürlich ist auch in diesem Buch allzeit die Persönlichkeit des Altbundeskanzlers präsent, so sehr, dass man fast vermeint, ihn sprechen zu hören, während man liest. Hier aber hört (liest) man ihn in einem Gespräch auf Augenhöhe. Eigenständige Erinnerungen, Argumente, Beiträge, Betrachtungen kommen von beiden Seiten, ein lebhafter Austausch, der zu keiner Zeit langweilig wird.

    Eine Lebhaftigkeit durchzieht das Buch, die allzeit zu spüren ist. Assoziationen treten neben altbekannte und geschliffene Formulierungen, ein gegenseitiges Herantasten an manchen Stellen (das heikle Thema Israel) stehen neben Gesprächsabschnitten fast im Vortragsstil.

    Dass vor allem Helmut Schmidt, letztlich aber beide Gesprächspartner keine sonderliche hohe Meinung von der gegenwärtigen politischen Lage und den handelnden Politikern besitzen, wird zudem äußerst deutlich.

    Ein hervorragendes, zeitgeschichtliches Dokument zweier starker Menschen, die sich auf Augenhöhe in entspannter Form begegnen und eine Fülle informativer und fundierter Betrachtungen ihrer gelebten Lebensgeschichte und der vielen daran Beteiligten Personen in den Raum stellen. Zudem zweier Persönlichkeiten, die klare Standpunkte und begründete Meinungen offensiv vertreten.

  37. Menekse sagt:

    Lebensweisheit und gelebte Geschichte
    Drei Tage nahmen sich zwei alte Freunde im Jahre 2009 Zeit, um ein Gespräch zu führen.

    Ein besonderes Gespräch, dessen Besonderheit allein schon in den beiden miteinander sprechenden Personen zu finden ist.

    Fritz Stern, Historiker und Helmut Schmidt, Altbundekanzler und anerkannter Elder Statesman mit hoher internationaler Reputation.

    Drei Vormittag und drei Nachmittage, in denen sie gemeinsam das 20 Jahrhundert Revue passieren lassen. Je ihre Erfahrungen und Interpretationen der Zeitgeschehnisse im Gespräch miteinander teilen, bewerten und mögliche Lehren aus der Geschichte gemeinsam ziehen.

    Vom “Maulhelden” Kaiser Wilhelm II (H.Schmidt) über vertane Chancen der Weimarer Republik, über die Zeit des zweiten Weltkrieges, die junge Bundesrepublik, das transatlantische Bündnis, das zueinander wachsende Europa bis zur Gegenwart.

    Zwei Freunde, die es beide verstehen, pointiert auf den Punkt genau zu argumentieren und die beide aus einem hohen Sachverstand einerseits und einer reichhaltigen Fülle von Lebenserfahrungen andererseits zu schöpfen vermögen.

    Beste Zutaten und Voraussetzungen also für einen weiten und breiten Blick auf festem Fundament.

    Voraussetzungen, die beide nicht .enttäuschen, ganz im Gegenteil.

    Selten öffnete der privat eher wenig zugängliche Helmut Schmidt den Blick in der hier vorliegenden, intensiven Form auf seine Kriegsjahre. Erfahrungen, Erlebnisse, Bewertungen, in denen er sich mit Fritz Stern durchaus einig ist.

    Eine Einigkeit, die natürlich bei zwei solche eigenständige Charakterköpfen sich nicht über alle Themen des Buches hinweg zieht. In der Bewertung des schriftlichen Nachlasses Helmut Schmidts vertreten beide andere Standpunkte, ebenso, und das fundamental, in der Bewertung des Verhältnisses der deutschen Bevölkerung der Nazi Zeit im Blick auf den Holocaust. Stern beharrt, völlig zu Recht, auf einem “Gewusst haben müssen” der Deutschen der damaligen Zeit.

    Gerade die eigenständig und jeweils persönliche Stärke beider Beteiligter ist der besondere Reiz dieses Gespräches. Allzu oft treten Interviewer und Moderatoren Helmut Schmidt äußerst servil gegenüber, kaum mehr als reine Stichwortgeber.

    Sicher hat es immer einen Reiz, Vorträge aus dem Mund des großen Mannes zu hören und natürlich ist auch in diesem Buch allzeit die Persönlichkeit des Altbundeskanzlers präsent, so sehr, dass man fast vermeint, ihn sprechen zu hören, während man liest. Hier aber hört (liest) man ihn in einem Gespräch auf Augenhöhe. Eigenständige Erinnerungen, Argumente, Beiträge, Betrachtungen kommen von beiden Seiten, ein lebhafter Austausch, der zu keiner Zeit langweilig wird.

    Eine Lebhaftigkeit durchzieht das Buch, die allzeit zu spüren ist. Assoziationen treten neben altbekannte und geschliffene Formulierungen, ein gegenseitiges Herantasten an manchen Stellen (das heikle Thema Israel) stehen neben Gesprächsabschnitten fast im Vortragsstil.

    Dass vor allem Helmut Schmidt, letztlich aber beide Gesprächspartner keine sonderliche hohe Meinung von der gegenwärtigen politischen Lage und den handelnden Politikern besitzen, wird zudem äußerst deutlich.

    Ein hervorragendes, zeitgeschichtliches Dokument zweier starker Menschen, die sich auf Augenhöhe in entspannter Form begegnen und eine Fülle informativer und fundierter Betrachtungen ihrer gelebten Lebensgeschichte und der vielen daran Beteiligten Personen in den Raum stellen. Zudem zweier Persönlichkeiten, die klare Standpunkte und begründete Meinungen offensiv vertreten.

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