Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra (Roberto Saviano)

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55 Kommentare zu „Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra (Roberto Saviano)“

  1. David sagt:

    Namenwirrwarr ohne Roten Faden
    Hab mir das Buch gekauft nachdem ich eine Reportage im Fernsehen darüber gesehen habe. Doch je mehr ich von dem Buch gelesen habe, desto enttäuschter wurde ich.

    Die ersten 2 Seiten sind noch ziemlich spannend, er schildert in dramatischer Art und Weise wie beim Löschen eines Containers Laichen von Billigarbeitern aus diesem Container herausfallen. Danach nimmt die Qualität des Buches jedoch stark ab. Pro Seite tauchen gefühlte 10 neue Namen von Mafiabossen auf, die völlig aus dem Zusammenhang gerissen in den Text geklatscht werden, irgendwann gibt man einfach auf sich das alles zu merken. Was vollkommen fehlt ist so was wie eine Auflistung der größten Familien mit zugehörigen Hierarchien.

    Auf die erste Szene wird im weiteren Verlauf auch überhaupt nicht mehr eingegangen, woher kommen all diese Menschen genau, wer hat Sie aus welchen Motiven umgebracht und in den Container gesteckt? Daher drängt sich mir der Verdacht auf, dass Sie nur dort am Anfang steht um Käufer zu werben und um über den schlechten Stil des restlichen Buches hinwegzutäuschen.

    Dau kommen dann noch Seitenlange Aufzählungen beispielsweise von Bossen und Ihren Spitznamen oder von Comorra-bezogenen Mordfällen.

    Alles in allem hab ich das Buch nach ungefähr der Hälfte verärgert in die Ecke gepfeffert und werde es wohl auch nicht mehr anrühren. Glaube es gibt bessere Bücher über die Mafia, selbst wenn darin nicht unbedingt Namen genannt werden. Für Leute die nicht aus der Umgebung von Neapel stammen und sich bisher auch noch nicht besonders mit der Camorra beschäftigt haben sind diese Namen sowieso nichts als Schall und Rauch.

  2. Christopher sagt:

    non-fiction roman feat. glaubwürdigkeitsproblem
    “Das Buch hat es in sich: Der Autor stammt aus Neapel. Saviano liefert Hintergründe - und er nennt Namen.” ARD

    Ich habe Gomorrha noch nicht durchgelesen. Ich muss aber jetzt schon lachen, sobald meine Augen über die Inhaltsbeschreibung auf dem Buchcover streifen.

    Er nennt Namen- und wie! Roberto Saviano scheint sich nicht zu schämen, über zwei Seiten (!!!) die Spitznamen der “Bosse” aufzuzählen und hier und da persönliche Interpretationen auf das Äußere oder den Charakter des Inhabers niederzuschreiben. Und wem das als Leser nicht reicht, dem verspreche ich auf jeder Seite mindestens zwei neue Namen, manchmal total aus dem Zusammenhang gerissen.

    Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich mehr über die moderne Mafia erfahren wollte.

    “Das Resultat ist eine Mischung aus Reportage, Dokumentation und investigativem Journalismus.” (Buchbeschreibung)

    Das habe ich erwartet- und es gibt diese spannenden, erschreckenden Passagen des Buches:

    Eingefrorene Billigarbeiter aus dem Ausland, Strukturen der Textilindustrie, Drogengeschäfte, die “Schwarzindustrie” im Süden Italiens.

    Der Käufer wird jedoch entgegen der Beschreibung einen “Non-Fiction” Roman, wie Saviano sein Buch selber nennt, in den Händen halten.

    Und damit bricht in meinen Augen das Fundament..

    Roberto Saviano spielt an vielen Stellen mit seiner Glaubwürdigkeit. Er montiert Szenen (s. Interview: Roberto Savianos mit Fiona Ehlers), die aber nicht zum besseren Verständnis führen. In dem genannten Interview widerspricht er sich sogar selbst:

    Im Buch berichtet er von Pasquale, einem begabten aber unterbezahlten Schneider für die untergrabene Modeindustrie, der den Auftrag erhält einen maßgeschneiderten Anzug zu fertigen und diesen später auf der Oscarverleihung an Angelina Jolie wiedererkennt. Aus verletztem Stolz stellt er seine guten Fähigkeiten nicht mehr zu Verfügung, liefert nur noch Waren aus und begegnet im weiteren Verlauf dem Autor hier und da rein zufällig auf offener Straße. Im Interview sagt Saviano, dass Pasquale von der Mafia strafversetzt wurde. Nur ein kleines Beispiel- aber was stimmt und was nicht?

    Der Schreibstil gleicht auch eher der Beschreibung Savianos als der des Verlegers. Wer Sätze wie “Es riecht nach Fabrikschloten, aber es gibt keine Fabriken” mag, wird dieses Buch lieben.

  3. Ailsa sagt:

    Wird dem Hype nicht gerecht: Leider mit der Dauer äußerst ermüdend
    Das Buch ist mittlerweile schon so lange in den Medien, dass es einen irgendwann in Form eines Geschenkes einholt. Das Thema ist interessant, die (professionellen) Rezensionen im Hinterkopf und die Erwartungshaltung entsprechend. Zunächst enttäuscht Saviano diese auch nicht. Der Einstieg ist packend, die Schilderungen detailliert und drastisch. Seine Wut springt bald auf den Leser über. Das Problem: Saviano hat eigentlich recht schnell alles gesagt. Deshalb wiederholt er es immer wieder, neue Namen (die sich eh alle gleich anhören) und alte Geschichten. Schon nach ungefähr 100 Seiten ist dieser Punkt erreicht. Und von da an geht es mit der Qualität des Buches rapide bergab, es verkommt zu einer reinen Aufzählung. Deutlich merkt man, dass Saviano ein guter Journalist ist - aber eben kein guter Autor. Gegen Ende springt er hektisch von Thema zu Thema, ein roter Faden ist nicht mehr zu erkennen. Da ist das Buch längst zur Qual geworden, die Seiten erscheinen einem als Bleiwüsten angereichert mit endlos vielen italienischen Namen. Den medial erworbenen Vorschusslorbeeren kann dieses Buch allenfalls im Ansatz gerecht werden und ist (leider wieder einmal) ein etwas hohler PR-Hype.

  4. Ugolino sagt:

    Achtenswerte Motivation, unzureichende Umsetzung
    Zunächst: Dem Autor gebührt alle Hochachtung, die denkbar ist. Sich einer der weltweit aggressivsten Verbrecherorganisationen entgegen zu stellen, nötigt eine Verbeugung ab.

    So hat man die Ehre, beinahe wöchentlich aus den Medien zu erfahren, was derartigen “Dissidenten” blüht: Geschäftslokale werden ohne lange zu fackeln abgefackelt, ganze Familien der Vendetta wegen ausgelöscht usw.

    Dies sei klargestellt.

    Der geneigte Rezensent kommt allerdings nicht umhin, an den handwerklichen Fähigkeiten des Autors zu mäkeln:

    Es liest sich mühsam. Als Bettlektüre (und nicht ob der Schwere der Thematik) nicht zu empfehlen. Wie bereits von Kolleginnen und Kollegen wohl richtig konstatiert wurde: Der Autor neigt dazu, sich zu überschätzen. Als Journalist wohl richtig am Platz - die Recherchen sprechen ja für sich -, heißt dies allerdings noch nicht, auch für die Profession des Buchautors prädestiniert zu sein.

    Zu schwerfällig der Duktus, zu selbstverliebt die Darstellung, die schwer einmal auf den Punkt kommt: der Autor verliert sich in der Wüste des eigenen Anspruchs.

    Schade - daher leider nur bedingt zufriedenstellend.

  5. Gottlieb sagt:

    Kurz und bündig bewertet…
    Meine kurze aber bündige Rezension:

    + die Darstellung der Reichweite und des Einflußes der Camorra, national und international… da sieht man Italien wieder mit anderen Augen

    - die Masse an Namen, Spitznamen und Ortschaften, Verwandschaftsgraden und Beziehungen untereinander läßt einem während der Geschichte das Gesicht einschlafen

  6. Mark sagt:

    Die Lust am Morden
    Vorweg, wer ist schon ein Fachmann auf dem Gebiet der organisierten Kriminalität, nur sehr wenige. So liest man dieses sogenannte Sachbuch mit gerunzelter Stirn oder auch offenem Mund. Kann das alles wahr sein, ist der häufigste Gedanke der den Leser wohl immer wieder befällt. Saviano pendelt auf sehr gefährliche Weise zwischen recherchierten Fakten und Fiktion und wie soll da der unwissende Leser unterscheiden können zwischen Räuberpistole und Journalismus. Als Journalist kann er unmöglich überall dabei gewesen sein und so hat er sich viel erzählen lassen. Beim Letzteren wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch viel geprahlt, zumal eben die grausamsten Geschichten sicher von einem Erzähler zum anderen immer grausamer wurden. Das soll nicht heissen, dass dieses Buch ein grosser Schwindel ist. Es liegt jedoch einfach in der Natur des Menschen etwas Fürchterliches noch einmal etwas auszuschmücken, und da sind die Italiener sicher nicht anders als andere Menschen. Doch das grösste Manko dieses Buches liegt in dem Anspruch alles beim Namen zu nennen, so werden hunderte Familiennamen, Strassen und Ortschaften namentlich genannt und das ist über 364 Seiten enorm ermüdend und auch überflüssig. Er hätte sich auf die grossen Bosse konzentrieren müssen und somit stilistisch seine Sprache etwas mehr verfeinern können. Aber so kommt kein richtiger Schreibfluss auf, weil immer wieder manchmal in Folge bis zu 10 Namen heruntergebetet werden. Das ist kein guter Schreibstil, auch nicht für einen Journalisten. Irgendwann sagt man sich, die Namen sind nicht wichtig und das ist auch richtig. Ebenso übertreibt er die Schilderungen von bestialischen Morden und der Leser stumpft mit der Zeit ab. Interessant sind schon die grossen Zusammenhänge zwischen Politik, Wirtschaft und der Camorra, die natürlich nur erschrecken können. Bei realistischer Betrachtung ist der Kampf gegen diese Systeme nicht zu gewinnen und das lässt erschauern.

  7. Marc Andre sagt:

    Sodom und Neapel
    Roberto Saviano ist Schriftsteller und Journalist und schloss sein Philosophie Studium mit Diplom ab. Der Titel seines Romandebüts spielt offensichtlich auf das sündhafte Gomorrha der Bibel, als auch auf das neapolitanische Verbrechersyndikat Camorra an. Es ist eine Mischform zwischen Roman und journalistischer Reportage und beschreibt, wie die Camorra arbeitet, mordet - und davonkommt.

    Eine der erschütterndsten Episoden in diesem Buch beginnt mit einem ausgebrannten Auto. Darin liegt die verkohlte Leiche einer Frau: Gelsomina “Mina” Verde. Sie wurde gefoltert und mit einem Kopfschuss exekutiert, weil sie sich mit dem falschen Mann eingelassen hatte. Für einige Monate hatte sich Mina mit Gennaro Notturno getroffen, einer kleinen Nummer in der Camorra. Eines Tages, als die beiden schon kein Paar mehr waren, beging Notturno den dümmsten Fehler, den man in diesen Kreisen begehen kann. Er lief zu einer anderen Bande über und besiegelte damit nicht nur sein Schicksal, sondern auch das seiner Ex-Freundin.

    “Gennaro war zum Tode verurteilt”, schreibt Saviano. “Die Menschen werden Teil einer Karte, auf der Freundschafts-, Verwandtschafts- und sogar Liebesbeziehungen eingezeichnet sind. Auf diesen Karten werden Botschaften verschickt.” Dieser Logik folgend müssen die Clans strafen, denn wenn jemand straflos davonkommt, erwächst daraus die Gefahr des Verrats.

    Um die Camorristi und ihre Verbindungen zu verstehen, beschreibt Saviano wie er jahrelang verdeckt in Neapels Camorra recherchierte, als Hafenarbeiter half er Schmuggelware an Land zu bringen, zog mit den Dealern durch die Vororte und tat sich in den Fabriken und Firmen der Clans um. Von diesen Mühen profitiert das Buch, denn ansonsten extrahierte Saviano vor allem aus Akten und Protokollen. Auch seine Gespräche und Beobachtungen liefern eine Fülle von Material aus dem er eine ebenso interessante wie aufrührende Erzählung unglaublich trauriger und skandlöser Schicksale hätte schaffen können. Bedauerlicherweise kann er jedoch der Versuchung nicht widerstehen, sein Wissen über das Milieu der Kleinkriminalität, das für jeden engagierten Journalisten am einfachsten zu recherchieren ist, mit schier endlosen Redundanzen zu epischer Breite auszuwalzen, was natürlich nicht nur den Erzählfluss bremst sondern das Thema irgendwie minimalisiert. Die hochbrisanten Aktivitäten der grossen “capi” behandelt er hingegen aus einer oberflächlichen Distanz, die den Reportage-Anteil ebenfalls ein wenig seiner Kompetenz beraubt.

    Saviano beschreibt jedoch realistisch und durchaus glaubhaft, wie die Mafia Drogen verkauft, Gelder wäscht, Modeartikel fälscht, Müllberge verschiebt und Menschen schleust oder sie in Salzsäure auflöst - und vor allem weist er darauf hin, wie eng Politik, Wirtschaft und Verbrechen in Kampanien und sicherlich auch anderswo miteinander verzahnt sind. All dies lässt sich aber mit etwas Fleiss auch im Internet recherchieren.

    Savianos Verdienst ist es allerdings, einen Bestseller verfasst zu haben (die vielen kompetenten Sachbücher werden wenn überhaupt nur von einigen Spezialisten gelesen) um dadurch in einer breiten Öffentlichkeit endlich mit mit der Mafia-Romantisierung aufzuräumen, die jahrzehntelang von Hollywood genährt wurde (in Filmen wie The Godfather, Godfellas, Scarface, etc., etc.), dass nämlich in Mafia-Clans vor allem die Ehre hochgehalten würde, die Religion gewürdigt, Freunde geschützt und die Familie - vor allem die Mama - respektiert und geliebt würden. In Wirklichkeit sind betrügerische Geschäfte und brutalste Gewalt unauflöslich miteinander verbunden, es wird nur gewürdigt, respektiert und geliebt, was Macht verspricht. Und entgegen jeder Mafia-Glorifizierung ist dies nur eines: Geld! So einfach ist das.

    Immerhin wird Saviano von Mitgliedern des italienischen organisierten Verbrechens für einen solch unsympathischen Zeitgenossen gehalten, dass sie ihn umbringen wollen. Deshalb soll Saviano Personenschutz der höchsten Sicherheitsstufe erhalten haben, d.h. er hat etwa alle zwei Tage seinen Aufenthaltsort zu wechseln und in gepanzerten Autos zu fahren. Dafür, dass er diesen nicht gerade amüsanten Lebensstil auf sich nimmt, erhält das Buch einen zusätzlichen Stern.

  8. holger sagt:

    Deutsche Rechtschreibung
    Ich finde es schade, dass die neue deutsche Rechtschreibung bei der Übersetzung nicht eingesetzt wurde!

  9. Silvina sagt:

    Ein gutes Sachbuch
    Nicht erst durch den sechsfachen Mord unlängst in Duisburg hat dieses Buch seine Aktualität bekommen. In Italien schon seit langem ein Bestseller, erscheint jetzt die deutsche Übersetzung. Und punktgenau wird eben durch die Morde verdeutlicht, dass in Deutschland eben nicht nur Schutzgeld erpresst wird, sondern die Gomorrha ihr Netz bereits dicht gesponnen hat. Hier werden die Strukturen gezeigt, wie besipielsweise nach der Wende in den fünf neuen Ländern mit Investitionen Geldwäsche in ganz großem Stil vollzogen wurde und die Mafia mittlerweile ein wichtiges Standbein hierzulande errichtet haben. Und dass dies scheinbar ungeachtet der Öffentlichkeit und der Staatsorgane geschehen konnte.

    Doch trotz der bestürzenden aktuellen Ereignisse ist das Mutterland der Gomorrha nach wie vor Italien. Was für einen Deutschen meist nur durch die TV-Serie Alleine gegen die Mafia” mit Commissario Corrado Cattani bekannt ist, wird hier mit den genauen Vorgehensweisen, den Taten und den Namen der Betroffenen und Drahtzieher ein wahres Gesicht gegeben. Ein gewisses Interesse und Kenntnisse der italienischen Innenpolitik und der wichtigen Köpfe sei jedoch angebracht, um manche Zusammenhänge besser verstehen zu können.

    Obwohl es sich hierbei um ein Sachbuch handelt, ist es dennoch sehr flüssig zu lesen, ja bei mir kam fast so etwas wie Spannung auf.

    Dass das Buch eine hohe Brisanz hat, eben weil es scheinbar lange unausgesprochene und unaussprechliche Wahrheiten ausspricht, zeigt nicht alleine die Tatsache, dass der Auto Robert Saviano auf der Todesliste steht und seit Jahren unter Polizeischutz steht.

    Ein gutes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.

  10. Gehrt sagt:

    Bekanntes langweilig erzählt
    Alles was wir schon immer über die Mafia & Co gewusst haben und auch schon 100mal in anderen Büchern/Filmen zu Gesicht bekommen haben wird hier nochmal langweilig wiedergekäut. Warum dieses Buch so gehypt wurde weiss ich nicht - es gibt keinen Grund !

  11. Paolo sagt:

    Gomorrha,Reisen in das Reich der Camorra
    Sehr spannendes Buch.Vorallem die Strukturen der Mafia werden hier sehr detailliert aufgezeichnet.Man kann es gar nicht glauben wie geschickt die Bosse alles einfaedeln und dabei nicht mal in den Vordegrund treten muessen.Dafuer sind sie sich selbst nicht zu schade,Kinder mit Kleinigkeiten zu koedern um dieselben dann in das Gefuege der Mafia mit einspannen zu koennen.

    Das Buch ist einfach nur zu empfehlen.

  12. Beni sagt:

    Nicht besonders toll
    Ich frage mich, wieso der Autor untertauchen mußte. Ich habe in dem Buch nicht viel besonders neues oder spektakuläres gefunden. Es ist primär eine Aufzählung von wahnsinnig vielen Namen. Man kann das Buch sehr gut quer lesen, aber es ist nicht spannend.

    Nach ca. 200 Seiten habe ich es abgebrochen, da nur viele kurze Episoden aneinander gereiht werden und sich keine neuen Einblicke in den kriminellen Sumpf erkennen lassen, der nicht bereits zuvor aus der Presse bekannt war.

  13. Chlothilde sagt:

    Gomorrha

    Wer sich gründlich und fundiert über die Camorra informieren möchte, wird hier ohne das bei diesem Thema sonst häufige blutige Geschwafel zufrieden gestellt.

  14. Adolphina sagt:

    unglaublich
    dieses buch ist keine geschichte der camorra, wie man vielleicht vermutet hätte. ich finde es auch stilistisch nicht besonders gut. bestimmt hat es in italien, und besonders im süden mehr kollektiven aufschrei verursacht, als im rest der welt. leider. denn hier werden nicht nur regionale, sondern auch unglaubliche globale probleme ans licht gebracht! und das macht es nun wirklich lesenswert.

    in erster linie verstehe ich dieses buch als den verzweifelten hilfeschrei eines menschen, der seine heimat im morast der camorra versinken sieht, immer tiefer, und der dem leid seiner mitmenschen endlich eine stimme geben will. er hat selbst recherchiert, hat gerichtsakten studiert, hat sich in die höhlen der löwen gewagt, um fakten für uns unwissende aufzuschreiben. dabei gerät er immer mal wieder vom wege ab, wird zum teil sehr pathetisch, zum teil zu schwätzerisch, wenn er namen über namen aufschreibt. dabei geht es nicht um den namen an sich, sondern um den fakt, dass hinter all den grausamkeiten wirkliche menschen mit namen stehen. eigentlich ist das alles unvorstellbar. man lese nur das letzte kapitel, in dem es um die müllkatastrophe geht, und man wird möglicherweise nicht mehr ruhig schlafen können. man bedenke- italien, unser urlaubsland!!!

    fazit: nicht das allerbeste journalistische buch, mit einigen längen und einem oft holperigen stil, man hüte sich, den superlativen im klappentext vorschnell zu glauben. aber ein buch zum lesen und zum drüber nachdenken allemal. in was für einer welt leben wir eigentlich?

  15. Jaromir sagt:

    Lesenswert
    Gut geschriebenes Buch das die Hintergründe der Mafia aufdeckt und ihre Internationalen Verstrickungen aufzeigt.Der Autor beschreibt ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen die erschreckende Wahrheit wie die Mafia organisiert ist und vorauf ihre Macht beruht.Erschreckend gerade deswegend weil es zeigt wie sehr die Gesellschaft die Mafia (auch wenn unwissentlich) durch ihr Handeln unterstützt und selbst Hollywood durch die Mafia Profitiert bzw. involviert ist.

    Das einzigste Manko das mir aufgefallen ist, ist das häufige Auftauchen von Italinischen Name von Personen oder Orten die von einen Italiner sicherlich einfacher in Bezug auf die Handlung gebracht werden kann als z.B ein Engländer oder ein Deutschen.Das ist aber nicht negativ sondern verständlich da die meiste handlung in Italien stattfindet.

    Fazit:Gut zu lesen.Sehr informativ, manchmal auf seine Art grausam aber auf jedenfall lesenswert.

  16. Xenia sagt:

    Informativ, aber kein roter Faden
    Saviano liefert eine Menge interessanter Thesen über die Mafia, die zum grössten Teil plausibel klingen. Er nennt aber auch eine Menge Namen bekannter Industriekapitäne, die sich zu den Vorwürfen hier nicht äussern können. Konkrete Namen ohne eindeutige Beweisführung zu nennen und dabei auf Authentizität zu pochen ist einerseits gefährlich und am Ende sogar etwas unglaubwürdig. Da Savianos dramaturgische Fähigkeiten leider begrenzt sind, lebt das Buch vor allem von der Neugier, jetzt doch endlich einmal die wahren Hintermänner und die Funktionsweisen der Mafia kennenzulernen; diese Neugier wird teilweise befriedigt, es bleiben aber leider eine Menge Fragen offen. Warum sich die Mafia so etablieren konnte, wird zum Beispiel völlig ausgeklammert.

    Man hätte aus dem Hintergrundwissen von Saviano mehr machen können. Ein fiktiver Roman mit einem klaren roten Faden aus dem Mafiamillieu empfiehlt sich als Ferienlektüre deutlich besser, als dieser etwas zähe “Tatsachenbericht”. Lesern mit Durchhaltewillen und Erfahrung mit trockener Berichterstattung ist das Buch aber trotzdem zu empfehlen.

  17. Antonina sagt:

    Spannung pur
    Das Buch ist einfach nur Klasse und gibt einen super Einblick auf die “andere” Seite.

  18. Alvin sagt:

    Das Buch bietet nicht, wofür man töten würde.
    Meine Erwartungen an das Buch waren durch die Berichterstattung in den Medien und nicht zuletzt einen Artikel in “Die Zeit” nicht gerade niedrig.

    Ich erwartete nicht weniger, als einen Tatsachenbericht über die internen Zustände einer der größten kriminellen Organisationen unserer Zeit. Ich weiß nicht mehr, wie ich auf die Idee kam, aber ich hatte im Kopf, Saviano sei ein ehemaliger Camorrist, der nun im Untergrund lebt, weil er “ausgepackt” und das Gesetz der Omertà gebrochen hat und zum Pertito geworden ist.

    So gut wie nichts davon entspricht diesem Buch. Saviano erzählt durchaus persönliche Erfahrungen, welche in meinen Augen auch die Höhepunkte des Buches darstellen, aber ich würde nicht einmal soweit gehen, dass als investigativen Journalismus zu bezeichnen. Er besticht unter anderem jugendliche Dealer mit Pizza, um an Informationen zu kommen. Also bitte, und dafür muss er nun im Untergrund leben?

    Große Teile hat Saviano, wohl in Ermangelung an eigenen Erfahrungen, aus Polizeiakten und Prozessunterlagen recherchiert. Das führt zu seitenlangen Aufzählungen von Namen irgendwelcher Clanführer, deren Kindern und Kindeskindern, die sich irgendann in wilder Konstellation auslöschen oder verhaftet werden, um dann von einem Nachfolger ersetzt zu werden. Ein Beispiel gefällig (kein Zitat, aber in etwa so liest es sich):

    “Guiseppe Ballderini, genannt “o’ granato” (die Granate), war der Sohn Peppo Ballderinis, genannt “o’ bomba” (der Dicke), aus Castello di Casa. Der Boss Alberto di Lauro, “o’ saberto” (der Große), der Clanchef der di Lauros aus Centralla Forte, ließ in 1994 töten. Er wurde in seinem Wagen von 74 Schüssen durchlöchert. Alberto di Lauros Bruder, Vincenzo die Lauro, “o’ capri” (der Weiche), ließ Ballderini daraufhin von einem Auftragskiller in seinem Büro in Habricese totprügeln. Seine Leiche wurde auf dem Marktplatz in Gaulimbri gefunden.

    Die Davertinos aus Genevase im Süden traten daraufhin in einen Krieg ein mit den Serpicios aus Calabrese. Paolo Serpicio, dessen Mutter Angela Serpicio (Anm. d. Rezensenten: Eine von 37 124 Seiten vorher in loser Reihenfolge genannten Frauen) war, wurde eines Morgens am Fuß der Kirche in Santa Domingo gefunden. Saberto Davertino, “o’ jemine” (der Schlimme), hatte ihn töten lassen, weil seine Familie den D’Argentos nahe stand. Luigi D’Argento wurde 2006 verhaftet, als er einen Strauß Blumen für seine Frau, Luisa D’Argento, kaufen wollte. Aus einem Polizeibericht aus dem Jahre 2006 geht hervor, dass es rote Rosen waren. Die D’Argentos standen in engem Kontakt zu Paviolo Farfalle und seinem Bruder Gino Farfalle, gennannt “o’ ohohohoh” (der Schlimme)…”

    Und so geht das teilweise seitenlang. Dazwischen wird immer wieder dargestellt, dass die Bosse, deren Namen man sich häufig auf Grund der Fülle nicht merken kann und deren Wohnorte nachzuschlagen mich so viel Aufwand kosten würde, wie das Buch zu lesen, große wirtschaftliche Macht auf der ganzen Welt besitzen und mit Drogen handeln. Nichts neues also.

    Gespickt sind die Ausführungen immer wieder mit anklagenden Worten und der einen oder anderen tragischen Szene während einer, bis zur Erschöpfung mit Namen und Orten angereichten Erzählung eines Krieges.

    Meiner Meinung nach konnte sich Saviano nicht so recht entscheiden ob er nun schockieren (”die Köpfe platzten wie Melonen”), anklagen (”Die zwölfjährige Angela stand einfach im Weg, als Robert Vincesza, genannt “o’ grotto” (der Schlechte)…”) oder ein Chronist sein möchte.

    Er versucht alles und ihm gelingt nichts richtig. Mir ist auch nicht klar, wofür er nun im Untergrund leben muss?

    Nein, das Buch ist alles in allem mehr Zeitverschwendung als interessante Lektüre zum Thema. Auch wenn es durchaus lesenswerte Passagen hat, so ärgere ich mich leider mehr über langweilige Ausführungen, als mich an den interessanten zu freuen. Schade!

  19. Silka sagt:

    Hohe Erwartung, leider Totalausfall
    Das Buch war auf ganzer Ebene eine Enttäuschung.

    Die Inhaltsangabe, der Aufkleber mit Bestseller”, das alles hat die Meßlatte der Erwartung hoch gelegt.

    Probleme bereitet weniger der Inhalt des Buches, als die sprachliche Umsetzung. (Wobei ich mir nicht sicher bin ob es beim Übertrag vom italienischen ins deutsche so zu holpern begann, oder ob der Originalstil hier gut übersetzt wurde.)

    Als Nichtitaliener kam ich mir auf den ersten 100 Seiten des Öfteren vor wie auf einem Vortrag von Piet Klocke …

    Gedankensprünge, unvollständige Sätze und Einschiebungen in den Text, die nichts mit der Handlung zu tun haben machen es fast unmöglich eine Seite flüssig zu lesen.

    Die Lust auf weitere Kapitel verging mir dann endgültig, als es um ein paar lokale, politische Verquickungen ging und der Autor begann alle Stadträte der Region aufzuzählen, die wegen Mafiaverdacht zurücktreten mussten. Über 30 Herren werden da mit Vornamen, Zwischennamen, Spitznamen und natürlich Familiennamen aufgezählt. Diese Litanei zieht sich übereine halbe Seite lang. Nicht dass die die Namen oder diese politische Verquickung für den Fortgang der Story wichtig gewesen wäre - nein, nachdem hier über 3 Seiten geschunden” worden sind, wird an dieser Stelle einfach nicht weiter erzählt. Man wendet sich anderen Themen zu und müllt den Leser mit weiteren Personen zu, die dann nie wieder auftauchen.

    Der Schreibstil erinnert oft an ein Wirtschaftslexikon, dem zum aufwecken der Leser alle paar Seiten ein Artikel der Bildzeitung beigemischt wird, wenn dann Köpfe wie Melonen platzen oder kriminelle Akte in drastischen Farben geschildert werden.

    Wie es dieses Buch zum Bestseller geschafft hat weis ich nicht. Vermutlich wird dies auf ewig das Geheimnis einer Marketingabteilung bleiben.

  20. Bine sagt:

    Schlicht enttäuschend…
    Das ganze Thema ist topaktuell und spannend, die Umsetzung in diesem Buch aber einfach nur enttäuschend. Viele grammatikalische Fehler und keine spannende Erzählung, unklare Aneinanderreihung von Namen und Orten. Ich legte das Buch gelangweilt nach den ersten 50 Seiten weg. Schade.

  21. Sandro sagt:

    Super-Bundle!
    Super-Bundle aus hervorragendem Buch “Gomorrha” und dem gleichnamigen Film von Matteo Garrone! Die 2-Disc Edition, die man hier erhält liefert hochinteressantes Bonusmaterial.

    Unbedingt zugreifen!

  22. Aysun sagt:

    Interessante Tatsachensammlung lebendig erzählt
    Eine spannende Auflistung, die den Leser mitfühlen läßt. Einzig die Summe einiger Aufzählungen vieler Namen und Orte, teilweise über eine ganze Seite mag nicht im genannten Detail für jeden relevant sein. Der Schluß kam mir etwas abgeschnitten vor, da ich hier etwas erwartet hatte. Vielleicht sollte man hier daran denken, was der Autor für den präzisen Tatsachenbericht riskiert hat und wie er heute sein Leben leben kann. Ich empfehle das Buch weiter.

  23. Karl sagt:

    Langweilig
    Das Buch beginnt recht spannend und verliert sich dann schnell in endlosen Kolonnen von Namen, die es dem Leser unmöglich machen zu begreifen, wie die Personen in Relation zu einander stehen. Es werden unzählige Personen genannt, die im folgenden nie wieder auftauchen. Ich hab das Buch mittlerweile enttäuscht weggelegt.

  24. Ayasha sagt:

    Langatmig aufzählend
    Meine Erwartungen wurden enttäuscht. Das Buch geht zwar im Detail auf die Angelegenheiten der Mafia ein, allerdings ist durch den Versuch, das ganze Geschehen vollständig abzubilden, das Buch sehr langatmig und unübersichtlich geworden. So wechseln sich ständig neue italienische Namen von Familienmitglieder, deren Mordausführungen und eigene Ermordung sowie Berichte von deren Geschäftszweigen ab. Nach kurzer Zeit ertrinkt der Leser in dieser Ansammlung von Fakten und verliert die Übersicht zwischen all den Fakten. Eine durchgängige Handlung ist nicht vorhanden.

  25. Adelburg sagt:

    Kein “must read”!
    Kein must-read. Und das, obwohl uns das alle glauben machen wollen. Savianos Buch wurde gehyped, nicht zuletzt auch durch das Bekanntwerden der Folgen für das Leben des Autors. Dies ist aber letztenendes nicht bewertungsrelevant. Zugegeben, das Thema ist spannend, vielleicht sogar bislang wenig und wenig mutig bearbeitet. Dennoch: Saviano schafft es nicht (zur Ihrer Information, ich beziehe mich auf die Hörbuchfassung), einen roten Faden zu weben, der sich durch das Buch zieht. Stattdessen kommt es zu einer Aneinandereihung von mehr oder weniger interessanten Fakten (eher weniger). Eine Vielzahl von Ortsnamen und Personennamen macht die Verwirrung perfekt. Am Ende fragt sich der wenig begeisterte Hörer, was er denn nun eigentlich Neues erfahren hat. Eine gute Frage, die wirklich schwer zu beantworten ist. Viel war es jedenfalls nicht…

  26. Eila sagt:

    Super Buch !!!
    Ein prima Buch, was man unbedingt gelesen haben sollte. Es verdient also in der Wertung 5 Kugeln :-) und ist wesentlich besser als der Film.

  27. Delfine sagt:

    Ich verstehe nicht…
    …warum hier manche Personen nur ein bis zwei Sterne geben, mit der Begründung es sei zuviel Aufzählung von Namen und sonstigen Geschehnissen vorhanden!?

    Man sollte sich mal überlegen warum Roberto Saviano dieses Buch geschrieben hat, natürlich um Leute dafür zu begeistern aber auch bzw. gerade weil er die Strukturen der Camorra in Italien erläutern will und dazu gehören nun mal sämtliche wichtige Namen und Ereignisse innerhalb dieses Systems. Das steht in jeder Beschreibung. An manchen Stellen ist es zugegebenermaßen etwas langatmig, aber in Anbetracht der eben erwähnten Tatsachen sollte es einen nicht weiter stören.

    Ich möchte kein Buch das mich fesselt wie ein Roman, ich will ein Buch das mir genau das erklärt was ich am Cover lese und das ist nun mal alles real, ungeschminkt und ohne Fiktion!

    Ich finde das Buch ist ansonsten sehr gut geschrieben und durchaus packend. Wer sich nicht wirklich mit der Camorra auseinandersetzen möchte oder einen Actiongeladenen Roman erwartet der sollte es direkt liegen lassen, wer aber ein spannendes Buch will das zudem noch aufschlussreiche Informationen über die Mafia (in Neapel) beinhaltet der sollte es sich zulegen.

  28. Antonella sagt:

    Schade!
    In diesem Roman wird die dunkelste Seite Italiens beschrieben, ohne Schnickschnack, Verschönerungen oder Schönrednerei.

    Die ersten Seiten waren für mich wirklich fesselnd und ich mochte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Doch je weiter ich kam, desto langweiliger und auch schwieriger wurde das Buch. Man erwartet eine reportage über die Camorra, doch man bekommt nur endlos viele Namen an den Kopf geworfen, die dann auch gleich wieder völlig unbedeutend sind. Hinzu kommt die schreckliche Arbeit des Übersetzers. Manche Sätze ergeben erst nach mehrmaligem lesen einen Sinn. Und auch die sprunghaften Themenwechsel tragen nicht zum angenehmen lesen bei.

    Wer hier eine detaillierte Reportage über die Camorra und ihre düsteren Geheimnisse erwartet, kann nur enttäuscht werden. Kein Insiderwissen sondern größtenteils Polizeiakten, Prozesse und Zeitungsartikel stützen diesen Roman. Wer hier mehr als eine Aufzählung von Gewalttaten und Namen erwartet: Finger weg!

  29. Patrick sagt:

    Perfekte recherche
    Mir gefiel an diesem Buch das es perfekt recherchiert wurde. Da hab ich großen Respekt vor Roberto Saviano. Was ich schade finde ist das zwischen der Handlung immer ein sehr langer und ausführlicher Teil über die Mafia kam. Ich würde dieses Buch jedem weiterempfehlen der sich für die Mafia interessiert jedoch kein Sachbuch darüber lesen möchte und ihm “Der Pate” nicht realistisch genug vor kommt. DIESES BUCH IST EINE MISCHUNG AUS SACHBUCH UND KRIMI.

  30. Salim sagt:

    spannend, schockierend und wahr …
    Vor allem die Passagen in denen Saviano aus seinen persönlichen Erlebnissen rund um die Camorra berichtet sind oft faszinierend. Führt man sich dann vor Augen, dass es sich hierbei nicht um ein Fantasiewerk handelt, sind gewisse Textstellen doch etwas schwer verdaulich und regen auch stark zum nachdenken an. Vor allem die ersten Kapitel führen einen so schnell und spannend in die Unterwelt Italiens ein.

    Aber daneben gibt es auch, teils sehr lange, Passagen in denen kalt derart viele Namen, Morde und Jahreszahlen aufgelistet werden, dass es doch etwas erdrückend wirkt. Andererseits gelingt es dem Autor genau dadurch das wahre, unglaubliche Ausmaß der Camorra zu verdeutlichen.

    Für mich ein beeindruckendes Buch, dessen Lektüre sich auf jeden Fall lohnt. Kenntnisse der Italienischen Kultur, Geschichte und Geografie können dabei, glaube ich, durchaus hilfreich sein, ich kam aber auch ohne gut aus. Das Buch hat durchaus Wirtschaftskrimi-Qualitäten und ist sicher ein Muss für jeden Mafia-Fan.

    4 Sterne weil: Eine packende Reportage, leider manchmal aber etwas trocken.

  31. Gorius sagt:

    solide
    Das bestellte Buch traf pünktlich und in der angesagten Qualität ein - bin sehr zufrieden. Danke.

  32. Pedro sagt:

    Interessant aber leider nicht unterhaltsam
    Der Autor schildert in dem Buch die Zustände im italienischen Süden, wo er in der Nähe von Neapel aufwuchs. Mit erschrecken erfährt man, in welchen Geschäften die Camorra ihre Finger hat und wie die Interessen gnadenlos mit Gewalt durchgesetzt werden.

    Leider ist es auch oft eine Aufzählung von Namen und Orten, was dann nicht sehr unterhaltsam ist. Aber das Buch ist augenscheinlich auch nicht dazu da, zu unterhalten sondern mit nackten Tatsachen aufzurütteln.

    Fazit, interessant und erschreckend aber eben nicht spannend und unterhaltsam.

  33. Lester sagt:

    Mit Worthülsen bewaffnet
    “Gomorrha” traf die Welt wie ein Donnerschlag: Von einem Tag auf den anderen war es in jeder Zeitung, von einem Tag auf den anderen kannte jeder Roberto Saviano; den todesmutigen Reporter, der dem organisierten Verbrechen Süditaliens die Stirn geboten hatte; der unter Gefahr für Leib und Leben in Filz, Gewalt und Korruption eintauchte, und der Welt ein Buch vor den Latz knallte, nach dessen Lektüre man an das Problem der Camorra nicht mehr übersehen kann. Es war ein Werbeaufwand, wie man ihn im jungen 21. Jahrhundert noch nicht erlebt hat; und noch bevor das Buch überhaupt im Laden zu haben war, war der Autor bereits abgetaucht, da er angeblich um sein Leben fürchten musste.

    Wenn Presse und Verlag ein Buch eines bis dato unbekannten Autoren mit solcher Vehemenz als wegweisenden Sachbuchmeilenstein anpreisen, dann legt dies neue Maßstäbe bei der Bewertung an. “Gomorrha” bietet Angriffsfläche, für Vorwürfe, die man bei anderen Mafia-Büchern achselzuckend übergehen würde, nur fallen sie dank der gesteigerten Erwartung gleich doppelt ins Gewicht. Und nach der Lektüre drängt sich wie so oft der Eindruck auf dass, der Verlag seinem Autor mit den großzügig verteilten Vorschusslorbeeren keinen guten Dienst erwiesen hat.

    Wer ein Buch schreibt, hat freie Hand bei der Wahl der Werkzeuge: Holzhammer, Florett, Malerpinsel, Skalpell - wer mit dem Instrument umgehen kann, der, wird es auch intuitiv richtig einsetzen. Bei Sachbüchern fällt die Auswahl - vorausgesetzt, man will glaubwürdig bleiben - schon deutlich kleiner aus. “Gomorrha” ist, um es diplomatisch zu formulieren, ein sehr persönliches Werk. Man merkt, dass dem Autor das Schicksal seines Heimatlands am Herzen liegt, und dass er nicht nur informieren, sondern aufrütteln will, und dass er in Folge dessen seiner Entrüstung häufig die Zügel schiessen lässt. Seinen Stil aber einfach nur “emotional” zu nennen, wäre eine kriminelle Untertreibung; in der Tat ist der Mangel an Stilgefühl das erste, was einem bei der Lektüre sauer aufstößt.

    Savianos Werk über die Mafia wird in erster Linie als Reportage beworben und der Autor geht ohne Zweifel mit journalistischem Anspruch an sein Thema heran, aber er schreibt, als stünde er auf einem Podium. Sprachliche Bescheidenheit, Diskretion oder auch nur Akkuratesse tauscht er ohne mit der Wimper zu zucken gegen einen Hiob’schen Sprachrausch, in dem man bei allem Wohlwollen fast schon Züge von Hysterie erkennen kann. So geht bereits auf den ersten fünf Seiten, in denen es um die Ausladung chinesischer Schmuggelware in italienischen Häfen geht, ein Metapherngewitter sondergleichen auf den unvorbereiteten Leser nieder, in dem zuweilen auch anatomische Regionen herangezogen werden, die man in seriösem Journalismus eher selten zu sehen bekommt:

    “Die Schiffe kommen an und steuern im Golf auf das Hafenbecken zu wie die Jungen zu den Zitzen des Muttertieres, nur dass sie nicht saugen sondern ausgesaugt werden.”

    Ich tue mich schwer, einem solchen Sprachbild eine zwingende Anschauungsfähigkeit abzugewinnen; aber es kommt noch besser, denn schon auf der nächsten Seite heisst es über denselben Hafen, der eben noch eine Zitze war, der Jungtiere aussaugt: “Die Schiffe zwängen sich in ihn hinein, wie in einen Anus, dessen Schließmuskel sich unter großen Schmerzen weitet.” Guter Geschmack hin oder her, aber in einem Sachbuch über das organisierte Verbrechen den analen Ringmuskel zu metaphorisieren - das geht zu weit.

    Bei Saviano gilt grundsätzlich die Regel: Viel Worte, wenig Inhalt; denn die Besessenheit des Autors, seiner Empörung über die verheerenden Zustände in seinem Heimatland sprachlichen Ausdruck zu verschaffen führt in schöner Regelmäßigkeit zu inhaltsleeren Wortkaskaden, die den Leser buchstäblich unter sich erschlagen, und die nicht einmal mehr mit südländischem Pathos entschuldigt werden können. Die Ausladung von Waren geht nicht etwa schnell, nein “Rasend schnell. Eine Minute nach der anderen wird hier niedergemacht. Ein Massaker von Minuten, ein Blutbad von Sekunden.” Und nachdem ein befreundeter Arbeiter eine schlimme Schlappe erlebt hat, folgt nachstehender Absatz:

    “Wenn alles, was möglich war, getan ist, wenn man all sein Talent, sein Geschick, seine Meisterschaft und seine Hingabe für eine Tat, ein Werk in die Waagschale geworfen hat und sich doch nichts ändert, dann will man sich einfach nur bäuchlings aufs Nichts, ins Nichts fallen lassen. Langsam verschwinden, die Minuten über sich verstreichen lassen, sich darin versenken, als wäre es Treibsand. Nichts, einfach nichts mehr tun. Nur noch atmen, einfach atmen, nichts sonst.” Hermann Hesse hätte es nicht besser ausdrücken können.

    Es sind die seltenen Passagen, in denen Saviano endlich zur Sache kommt, als Ich-Erzähler und Kommentator in den Hintergrund tritt, und uns seine unergiebigen Reflexionen erspart, in denen das Buch endlich Fahrt aufnimmt: Die Zeiten, in denen man das organisierte Verbrechen mit Mord und Totschlag, Drogenhandel und genereller Illegalität assoziiert, sind zu Beginn des 21. Jahrhunderts endgültig vorbei. Heute präsentiert sich die Camorra als vielseitig tätiger und mit allen Wassern gewaschener Konzern, der unter anderem in Textilproduktion, Müllverbrennung und Zementherstellung tätig ist, und sich nur in soweit von der etablierten (und respektablen) Konkurrenz abhebt, dass die Mitarbeiter bei der Auftragsbeschaffung zuweilen brutale Gewalt anwenden. Der Teufelskreis, der in Savianos Buch sehr schön ersichtlich wird, besteht darin, dass die Camorra das einzige “Unternehmen” in Süditalien darstellt, das (so bitter es ist) seinen Arbeitnehmern so etwas wie eine Zukunft bietet - weil ja alle anderen Großunternehmen inzwischen ins Ausland expandiert haben, und bestenfalls nur noch Hungerlöhne zahlen. Dabei hat man nicht einmal Einbußen zu befürchten; die Organisation zahlt ordnungsgemäße Monatsgehälter, durch Schutzgeld gefügig gemachte Restaurants fungieren als Kantinen und wenn ein Camorrist tatsächlich einmal einen “Arbeitsunfall” erleidet, erhält seine Witwe sogar Rente.

    Süditalien ist keine wirtschaftlich starke Region, und die jungen Menschen, die sich dort dem organisierten Verbrechen anschliessen, träumen nicht mehr davon, wie Al Capone Hof zu halten; sie suchen lediglich einen sicheren Arbeitsplatz.

    Diesen Ansatz, in der Camorra schlichtweg eine neuzeitliche Entartung des Raubtierkapitalismus zu sehen, halte ich für sehr reizvoll, und er gibt der Diskussion über Zukunft und Bekämpfung des Organisierten Verbrechens durchaus neue Impulse, nur machen die Abschnitte in denen sich der Autor den tatsächlichen Praktiken dieses neuen “Konzerns” widmet, nur einen winzigen Bruchteil des Gesamtumfangs aus: Stattdessen belehrt uns Saviano über seine eigene akademische Karriere (er studierte Philosophie), breitet Episoden aus seiner Kindheit aus, einmal - so absurd und unglaublich es klingt - tritt sein Vater mit seiner Lebensgefährtin auf -, und im Tiefpunkt des Buches, dem kaugummizähen Kapitel “Kalaschnikow”, rollt der Autor die Geschichte, Konstruktion und weltweite Verbreitung, des berühmten russischen Sturmgewehrs auf - ohne dass der ächzende Leser eine Verbindung zu dem Ausgangspunkt des Buches herstellen könnte; abgesehen von der Erkenntnis, dass es Camorristen geben soll, die diese Waffe vielleicht benutzen.

    Es fehlt die Einsicht über einen zwingenden eigenen Beitrag Savianos, der dieses Werk von der Fülle von Mafia-Büchern abheben soll; beim Lesen hat man Eindruck, der Autor sei einfach immer nur kurz nach einer Schiesserei an den Ort des Geschehens gekommen, hat eine Prosaskizze des Tatorts gemacht, und ihn anschliessend mit seinen eigenen Kommentaren garniert. Ein spektakuläre Enthüllung, Interviews mit ehemaligen Camorristen, Fotografien - all dies sucht man vergeblich. Nicht einmal ein Quellenverzeichnis gibt es, obwohl man dies bei den streckenweise sehr abenteuerlicheren Behauptungen Savianos schmerzlich vermisst.

    Auch wenn das vollmundige Versprechen, der Autor “nenne Namen” durchaus eingelöst wird, ist selbst dies ebenfalls nicht sonderlich aufschlussreich. Der besonders perfide Zug der Mafia ist ja, dass ihre Mitglieder und führenden Köpfe oft landes- oder sogar weltweit bekannt sind, und sich offen in der Öffentlichkeit bewegen können, da sie ja dank Schmiergeldern juristische Immunität geniessen. Wenn nun aber Saviano seitenlang (seitenlang!) mit Antonios, Guidos und Francescos um sich wirf und vom De Gumbo zum Giabotto kommt, dann beschwert er sein ohnehin geschwätziges Buch noch zusätzlich mit vollkommen überflüssigem Material und bringt sein Anliegen keinen Zentimeter weit voran - die Männer hinter diesen Namen sind dem Leser nicht bekannt, er hat keine Fotos, denen er sie zuordnen könnte, und noch dazu kann er sie auf Wunsch ebenso gut auf der Website von Interpol nachlesen.

    Ich habe von diesem vielgerühmten Werk, das schon Monate vor Publikationstermin mit einer solchen Fanfare angekündigt wurde, und dessen Veröffentlichung angeblich den gesamten sozialen Unterbau der westlichen Gesellschaft zutiefst erschüttert hat, beim besten Willen keinen fundamentalen Erkenntnisgewinn entnehmen können. Inhaltlich hebt sich “Gomorrha” nicht einen Zentimeter von der Fülle marktführender Mafia-Literatur ab, es ist gut und gerne 120 Seiten zu lang und bewegt sich stilistisch noch dazu in einer gedankenflüchtigen Domäne, die selbst den wohlmeinendsten Leser auf eine harte Probe stellt.

    War das groß angekündigte Untertauchen des Autors vielleicht nur eine PR-Aktion seines Verlags um die Auflage zu steigern? Hat auch nur irgendein führender Camorrist eine Drohung gegen Saviano ausgestoßen, wie im oft zitierten Falle Salman Rushdie? Gab es Anschläge auf sein Haus? Hat man ihm einen toten Fisch auf die Türschwelle gelegt?

    Inhaltlich bietet dieses Buch nichts, aber auch gar nichts, wofür man als Autor auf eine Todesliste kommen müsste. Sprachlich sieht das schon anders aus…

  34. Roddric sagt:

    Fesselnd und leidenschaftlich
    Das Buch liest sich wie ein Krimi und allein wegen des Muts und der Leidenschaft, mit der R.Saviano das Thema angeht, kann ich nur meinen Hut ziehen. Solche Reporter braucht es, die sich, obwohl es keine Aussicht auf Veränderungen gibt, mit den herrschenden Verhältnissen anlegen. Der beste Schutz für Saviano, dem es ähnlich geht wie S.Rushdie, dürfte es sein, ihn öffentlich zu protegieren, wie es z.B. in der “Zeit” geschieht. Man unterliegt einem großen Irrtum, wenn man die Mafia für ein “italienisches Problem” abtut.

    Fakt ist: es gibt in weiten Kreisen der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gar kein Interesse, daran etwas zu ändern. Schließlich verdienen zu viele irgendwie mit.

    Es ist allerdings schwierig, den Überblick über die Strukturen der Clans und den Namen der Beteiligten zu behalten (welche Gruppe ist jetzt gerade mit wem im Krieg???), aber darauf kommt es nicht wirklich an und das ist auch Teil des Systems.

  35. Cassandra sagt:

    Mutig und erhellend
    Saviano schreibt über die Camorra. Er nennt für meinen Geschmack zu viele Namen. Trotzdem ist es ein empfehlenswertes Werk. Denn es zeigt, wie man ein besonders großes Wirtschaftswachstum erzielen kann. Alle Kräfte freisetzen heißt: Die Clans zu beteiligen. Ein weltweites Spiel.

  36. Anna-Lena sagt:

    Sodom und Neapel - sehen und gestorben werden
    Der Buchtitel spielt ganz offensichtlich auf das sündhafte Gomorrha der Bibel, als auch auf das neapolitanische Verbrechersyndikat Camorra an. Wegen des reichlich wirren Klappentexts wird das Buch in einigen Bestseller-Listen in der Rubrik Belletristik geführt, ausserdem versteigt sich der Klappentexter auch zu folgender Aussage: “…das Resultat ist eine Mischung aus Reportage, Dokumentation und investigativem Journalismus, die zu grosser Literatur wird, vergleichbar den Werken eines Kapuscinski.” In der Tat handelt es sich hier um eine Mischform zwischen Roman und journalistischer Reportage in der Saviano beschreibt, wie die Camorra arbeitet, mordet - und davonkommt. Bedeutende Literatur wie bei Kapuscinski sucht man jedoch vergebens. Ausserdem handelt es sich hier um das Erstlingswerk eines noch jungen Autors, von dem wir auch nicht wissen, was er uns in Zukunft vorlegen wird. Das Lebenswerk von Kapuscinski liegt uns heute jedoch geschlossen vor und kann entsprechend in einen grösseren Kontext gestellt werden, ausserdem lassen sich die unterschiedlichen Stile und Denkweisen in keinster Weise vergleichen. Also: Vorsicht vor Klappentexten und zurück zum eigentlichen Thema.

    Um die Camorristi und ihre Verbindungen zu verstehen, beschreibt Saviano wie er jahrelang verdeckt in Neapel recherchierte. Von diesen Mühen profitiert das Buch, denn ansonsten extrahiert Saviano vor allem aus Akten und Protokollen. Seine Interviews und Beobachtungen liefern eine Fülle von Material aus dem er eine ebenso interessante wie aufrührende Reportage hätte schaffen können. Bedauerlicherweise beschränkt er sich fast ausschliesslich auf das Milieu der Kleinkriminalität und kann der Versuchung nicht widerstehen, schier endlose Auflistungen völlig unwichtiger Nebenfiguren, die auf der nächsten Seite schon vergessen sind aneinander zu reihen und deren Dialoge zu epischer Breite auszuwalzen. Ausserdem wirken manche Einlagen unpassend fiktiv. All dies bremst nicht nur den Erzählfluss, sondern banalisiert sogar dieses hochbrisante Thema. Die mittlerweile globalen Aktivitäten der grossen “capi” behandelt er hingegen aus einer oberflächlichen Distanz, die vermuten lässt, dass er in die höheren Etagen nicht vordringen konnte.

    Saviano beschreibt jedoch realistisch und glaubhaft, wie die Camorra Drogen verkauft, im grossen Stil Geld wäscht, Modeartikel fälscht oder auch durch eingeschleuste Arbeitssklaven ganz offiziell für berühmte Markenartikler produziert oder Menschen in Salzsäure auflöst - vor allem weist er darauf hin, wie eng Politik, Wirtschaft und organisiertes Verbrechen mittlerweile international verzahnt sind.

    Savianos Verdienst ist es, auch die Politiker in Handlungszwang gebracht zu haben, abzuwarten bleibt natürlich, ob diese Handlungen auch von Erfolg gekrönt werden. Eine populäre Erkenntnis ist es, dass die Camorristi in der italienischen Politik mächtiger sind als deren Bekämpfer. Mittlerweile wird Saviano von Mitgliedern des italienischen organisierten Verbrechens für einen solch unbequemen Zeitgenossen gehalten, dass sie ihn umbringen wollen. Deshalb fragt er sich, ob er besser auswandern sollte. Er spricht vage von Mexiko, aber wenn ihm der Druck der Camorra schon zuviel ist, wird er in einem weitaus brutaleren Milieu wie Mexiko wohl kaum komfortabler leben können.

  37. Annia sagt:

    Ein Gänsehaut Thriller der realen Geschehnisse
    Nicht von Ungefähr hat der Autor kürzlich einen Literaturpreis erhalten. Diese Zustände sind für uns Wohlstandsdeutsche unvorstellbar. Aber dennoch tägliche Realität. Es kommt (ich hab nichts gesagt) klammheimliche Freude auf, wenn man das blutende Gesicht eines Medienmoguls im TV sieht. Denn er und seinesgleichen legen zum eigenen Nutzen die Wurzeln für diese Zustände. Die Lektüre des Buches ist für jeden Zeitgenossen ein Muss!

  38. Dragana sagt:

    Ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch
    Gomorrha ist ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch über die Camorra. Roberto Saviano vordringlichstes Ziel mit diesem Buch ist es, Namen zu nennen, denn gerade diese Öffentlichkeit möchten die von ihm Genannten nicht. Es wird auch deutlich, was die Camorra ist. Sie ist ein auf die Macht des Stärkeren reduzierte wirtschaftliche Maschinerie, die brutal, rücksichtslos und ichbezogen (familienbezogen) agiert. Beispiele hierfür liefert Saviano im Überfluss.

    Wichtig für den, der dieses Buch liest ist: Es ist und will zu allererst ein Sachbuch sein. Auch wenn der Autor in der “Camorra-Region” aufgewachsen ist und vieles selbst miterlebt hat, sind viele Quellen Gerichtsurteile, Medienartikel etc.

    Es ist ein fesselndes Buch, weil fast mit jeder Seite neue Aktionen und erschütternde Details zur Sprache kommen. Es ist aber auch ein etwas verwirrendes Buch, weil sehr viele Namen auftauchen und Saviano sich nicht an die zeitliche Stringenz hält. Er möchte den Geist der Camorra aufschreiben, wie diese Menschen handeln, denken und leben. Dies gelingt ihm ausgesprochen gut.

    Stark und fast romanhaft sind mitunter Passagen geschrieben, in denen Saviano näher auf einzelne Personen und ihre Lebensumstände eingeht.

    Ein gutes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.

  39. Archie sagt:

    Ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch
    Gomorrha ist ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch über die Camorra. Roberto Saviano vordringlichstes Ziel mit diesem Buch ist es, Namen zu nennen, denn gerade diese Öffentlichkeit möchten die von ihm Genannten nicht. Es wird auch deutlich, was die Camorra ist. Sie ist ein auf die Macht des Stärkeren reduzierte wirtschaftliche Maschinerie, die brutal, rücksichtslos und ichbezogen (familienbezogen) agiert. Beispiele hierfür liefert Saviano im Überfluss.

    Wichtig für den, der dieses Buch liest ist: Es ist und will zu allererst ein Sachbuch sein. Auch wenn der Autor in der “Camorra-Region” aufgewachsen ist und vieles selbst miterlebt hat, sind viele Quellen Gerichtsurteile, Medienartikel etc.

    Es ist ein fesselndes Buch, weil fast mit jeder Seite neue Aktionen und erschütternde Details zur Sprache kommen. Es ist aber auch ein etwas verwirrendes Buch, weil sehr viele Namen auftauchen und Saviano sich nicht an die zeitliche Stringenz hält. Er möchte den Geist der Camorra aufschreiben, wie diese Menschen handeln, denken und leben. Dies gelingt ihm ausgesprochen gut.

    Stark und fast romanhaft sind mitunter Passagen geschrieben, in denen Saviano näher auf einzelne Personen und ihre Lebensumstände eingeht.

    Ein gutes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.

  40. Akim sagt:

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert?
    Roberto Saviano wurde 1979 in Neapel geboren. Nach einem Philosophie-Studium arbeitete er als Journalist und mit seinem Debüt Gomorrha gelang ihm ein Bestseller. Das der Autor aufgrund dieses Buches über die Camorra unter permanentem Personenschutz steht, brachte Autor und Buch grosse Aufmerksamkeit der Medien, auch in Deutschland, ein. Saviano nennt Namen und hat sich damit anscheinend in grosse Gefahr gebracht.

    Mag sein, dass viele der Namen unter Kennern der Materie und besonders in Italien bereits vor Gomorrha bekannt waren. Saviano zitiert Berichte italienischer Zeitungen über Gerichtsverhandlungen und Festnahmen. Ob die eigene Recherche des Autors in Neapel, anderen italienischen Orten und in Aberdeen dazu beigetragen hat, bislang unbekannte, kriminelle Machenschaften aufzudecken, wird im Buch nicht erwähnt. Was dem Autor aber zweifellos gelungen ist, ist das Thema Camorra einem größeren Publikum nahezubringen. Allerdings bleiben, etwa als deutschem Leser, die wenigsten der Namen in diesem Buch hängen. Seitenlang werden Ortsnamen, Personen und deren Spitznamen aufgeführt, von denen die wenigsten je gehört haben werden. Sie scheinen auch nicht allzu wichtig zu sein, da sie sehr austauschbar wirken. Interessanter ist das System, das Saviano beschreibt. Und dieses System scheint in Neapel (und weltweit) so tief verwurzelt zu sein, dass es auch noch jahrzehntelang weiter intakt bleiben wird. Falls es überhaupt je beendet werden kann. Unabhängig von der Frage, wie relevant nun die Namen in diesem Buch sind, hilft Gomorrha dabei das Wesen der Camorra und anderer krimineller Organisationen (Saviano erwähnt z.B. auch die beiden anderen italienischen Vereinigungen Cosa Nostra und N’dranghetta) zu verstehen.

    Nicht nur das Bild der Öffentlichkeit von der Mafia ist stark geprägt von Hollywood-Filmen wie etwa Der Pate. Saviano schildert wie sehr die realen Mitglieder der Mafia von diesen Bildern beeinflußt werden. Als schillerndes Beispiel nennt Saviano die Villa eines Camorra-Bosses, die nach dem Vorbild aus dem Film Scarface von Brian De Palma erbaut wurde. Und seit Pulp Fiction klagte die Polizei Neapels darüber, dass bei Schießereien immer häufiger mit schräg gehaltener Pistole verheerender Schaden angerichtet wurde.

    Diese Szenen sind aber untypisch für Savianas Buch. Er verklärt die Mafia nicht, sondern beschreibt sie. Nicht immer streng objektiv, sachlich und nüchtern. Seine literarischen Ambitionen wirken mitunter etwas deplaziert und nicht immer geglückt. Im letzten Drittel des Buches formuliert er seine Abscheu und seinen Wunsch gegen das Leben in Neapel, das er als Kriegsschauplatz empfand, immer deutlicher.

    Im Kern ist es die Gier die den Antrieb für die Mafia darstellt, die Gier nach Macht. Gefürchtet (wenn schon nicht respektiert) werden, attraktiv beim anderen Geschlecht sein und die Aussicht auf den Aufstieg in der Hierarchie zu haben. Alternativen sind zwar vorhanden, aber für manchen nicht attraktiv genug. In zehn Stunden als Dealer so viel verdienen wie in 6 Monaten als Schweinehirte. Aber auch das ist kein typisches Beispiel aus diesem Buch. Denn der junge Ägypter, der sich auf eigene Faust innerhalb kürzester Zeit bereichern wollte, stand ausserhalb des Systems. Er führte seine Gewinne nicht an die Organisation ab, war also ein Konkurrent, ein Störfaktor. Wie so viele andere in Gomorrha wurde auch er erschossen, weil er sich gegen das System gestellt hatte.

    Der Regelfall in Savianos Schilderungen ist der kleine Camorrist am untersten Ende der Hierarchie, der ein monatliches Einkommen unter 1000 Euro erhält und nur seinen Kontaktmann, nie aber die gesamte Organisation kennt.

    Roberto Savianos Gomorrha hat mich des öfteren sehr an The Sopranos erinnert, allerdings ohne dessen humoristischen Ansatz. Savianos Buch ist überaus ernst, alarmierend und erschütternd. Der Autor zeigt ein anderes Bild, als das des stereotypen Mafiosi. Obwohl es zumeist um Schauplätze in Neapel und Umgebung geht, wird klar, wie weit die Verbindungen der Camorra reichen. Internationaler Waffen- und Drogenhandel, Abfallwirtschaft, Modeindustrie, Bauwirtschaft und andere Betätigungsfelder sorgen für immens hohe Einnahmen. Und zumeist wird zweigleisig gefahren, illegale und legale Geschäfte betrieben, um die Geldwäsche zu erleichtern und Optionen zu haben. In Neapel leben die meisten Nutznießer, aber auch besonders viele Opfer der Camorra. In den Ghettos von Neapel wird der Verschnitt von Drogen an der örtlichen Bevölkerung erprobt, Bauern müssen ihre Felder aufgeben (die von illegal entsorgtem Giftmüll verseucht wurden) und für Menschen, die das aussprechen, was ohnehin alle wissen, wird Neapel zum Gomorrha, ein Ort den man nur noch verlassen kann. Robert Saviano hat Neapel verlassen. Wer zurückblicken will, wird nicht, wie in der Bibel, zur Salzsäule erstarren, sondern erschaudern.

  41. Arvin sagt:

    Gute Buch, mäßige Übersetzung
    An dem Inhalt des Buches gibt es nicht zu rütteln. Atemberaubend, fesselnd und erhellend. Selbst jene Passagen Savianos, die den Bereich des Sachbuches verlassen sind schön geschrieben und oft herzzerreißend. Man bedenke, dass er zum Zeitpunkt erst 26 Jahre alt war.

    Jedoch scheint mir die deutsche Übersetzung zwar genau und korrekt, aber oft holperig und etwas veraltet. Slang und Jugendsprache sollte es auch im Deutschen sein. Da hilft es nicht, die Wörter exakt zu übersetzen. Daher war das Lesen manchmal etwas stocken, auch litt darunter die Atmosphäre des Buches.

    Wer Italienisch kann, lese es auf Italienisch.

  42. Rolt sagt:

    Gute Buch, mäßige Übersetzung
    An dem Inhalt des Buches gibt es nicht zu rütteln. Atemberaubend, fesselnd und erhellend. Selbst jene Passagen Savianos, die den Bereich des Sachbuches verlassen sind schön geschrieben und oft herzzerreißend. Man bedenke, dass er zum Zeitpunkt erst 26 Jahre alt war.

    Jedoch scheint mir die deutsche Übersetzung zwar genau und korrekt, aber oft holperig und etwas veraltet. Slang und Jugendsprache sollte es auch im Deutschen sein. Da hilft es nicht, die Wörter exakt zu übersetzen. Daher war das Lesen manchmal etwas stocken, auch litt darunter die Atmosphäre des Buches.

    Wer Italienisch kann, lese es auf Italienisch.

  43. Zacharias sagt:

    Mutiger Autor
    Ich kann Ihnen nur anraten: kaufen Sie dieses Buch, wenn Sie gerne gut recherchierte Sachbücher und Krimi lesen. Hier haben sie alles in einem Buch vereinigt - nur dass dieser Krimi keiner Phantasie entspringt. Ein mutiger Autor, dieser Roberto Saviano - anders als die vielen feigen Schaumschläger-Autoren, die sich hinter einem Pseudonym verstecken.

  44. Sascha sagt:

    Ein Schocker. Eine Reißer. Nicht unbedingt ein Erheller.
    Die von der Camorra unterwanderte wirtschaftliche und gesellschaftliche Realität Süditaliens: Aus einer Perspektive “ganz dicht dran”, gleichsam atemlos von der kurvenden Vespa herunter, in den Straßen Neapels. Das Buch liest sich über weite Strecken wie die Rechercheaufzeichnungen eines rasenden Reporters, der von einem spektakulären Tatort zum nächsten hetzt.

    Dabei werde ich das Gefühl nicht los, dass mit soviel Kenntnis und Recherche mehr möglich gewesen wäre als ein Schocker:

    - Selbst in jenen Abschnitten, in denen das Buch einmal nicht das Morden auf offener Straße, sondern die dahinter stehende Politik der Clans abhandelt, werde ich als fassungsloser Betrachter nicht klüger. Entwickle kein Verständnis, welche Strukturen und Mechanismen es einem Kernland der EU verunmöglichen, mit der organisierten Kriminalität auch nur halbwegs fertig zu werden.

    - Der Autor will knallharter Fakten-Reporter, inspirierter Philosoph und mitreißender Thriller-Schreiber in einem sein. Eine Kombination, die seiner Glaubwürdigkeit auf Dauer zusetzt.

    Dennoch: Ein Buch wie eine persönliche Mission. Getrieben, den Blick (zu?) nahe am Geschehen, schonungslos. Keine erhellende Analyse. Aber die kann ja noch kommen - und dabei reichlich aus “Gomorrha” schöpfen.

  45. Berne sagt:

    Für den Preis….einfach gut!
    Also dieses Buch beschreibt schön den gesamten Führungsstil der Camorra. Es ist eins der wenigen Bücher welches überhaupt über die Camorra informationen gibt. Das Buch ist gut gegliedert und lässt sich angenehm lesen. Was mich persönlich gestört hat, sind die vielen…vielen..vielen Namen die dort aufgelistet wurden. Es scheint fast so, als hätte man allein mit den Namen ein kleines Buch schreiben können. Ansonsten ist das Buch spannend und auf jeden fall lesenswert. Für Interessierte der Mafia ein gutes Buch.

  46. Finn sagt:

    Für den Preis….einfach gut!
    Also dieses Buch beschreibt schön den gesamten Führungsstil der Camorra. Es ist eins der wenigen Bücher welches überhaupt über die Camorra informationen gibt. Das Buch ist gut gegliedert und lässt sich angenehm lesen. Was mich persönlich gestört hat, sind die vielen…vielen..vielen Namen die dort aufgelistet wurden. Es scheint fast so, als hätte man allein mit den Namen ein kleines Buch schreiben können. Ansonsten ist das Buch spannend und auf jeden fall lesenswert. Für Interessierte der Mafia ein gutes Buch.

  47. Cort sagt:

    Material für ein paar gute Reportagen, aber als Buch aufgepustet und reißerisch.
    Roberto Savianos Buch ist spannend, schockierend und mitreißend. Ich habe es in drei Tagen gelesen und mich dabei etwa genauso oft über Buch und Autor geärgert wie ich beeindruckt war - ein Buch mit Licht und Schatten.

    Wie liest sich das Buch? Der Autor reiht episodisch eine Reihe von Fallstudien aneinander, die zum Teil sehr informativ und mit dem Einblick eines Insiders geschrieben sind, der sich selbst in die Szene begeben hat. In diesem Sinne wirklich gut sind die Kapitel über die von der Camorra beherrschte Schattenwirtschaft in der Umgebung von Neapel - von der Bauindustrie über die Müllbeseitigung bis zu Kleiderfabriken, die vom Entwurf bis zur Produktion von Designerkleidern von der Camorra kontrolliert sind und ihre Sachen in der ganzen Welt absetzen. Vor allem das Kapitel über Angelina Jolie gehört zum Besten, was das Buch zu bieten hat. Ein paar interessante Fakten hat der Autor auch zu bieten - zum Beispiel über den Umsatz der illegalen Industrie oder die Gemeinden, deren Regierung wegen Infiltration durch die Mafia abgesetzt wurden. Namen finden sich im Überfluss, Anekdoten und plastische Eindrücke auch. Darstellungen der Strukturen und Funktionsweise der Camorra gibt es schon weniger, eine nüchterne Analyse der Frage, warum die Camorra so mächtig geworden ist und wie die angedeuteten Verquickungen zwischen Politik und organisierter Kriminalität funktionieren, nur sehr ansatzweise.

    Was ist das Problem an dem Buch? Siehe oben: Es sind einzelne Einblicke, die ohne Verbindung aneinandergesetzt sind. Manche Passagen sind aufgebläht und reißerisch, zum Teil auch halbgar bis peinlich. Der Autor versucht sich in bildhafter Sprache, die völlig danebengeht (der Hafen Neapel als Anus, über den Waren in die See ausgeschieden werden und ähnliche Scherze). Er beschreibt nach einem spannenden Einstieg über seine Uncover-Einblicke in die Unterwelt über Dutzende von Seiten blutige Morde und Überfälle in der Region. Das wird in allen Einzelheiten ausgemalt und mit sichtlicher Freude an den grausamen Details präsentiert - ausgebranntes Auto hier, rausgepustetes Gehirn dort. Irgendwann hat man es kapiert, es stellt sich kein doller Erkenntnisgewinn mehr ein, es wird sogar langsam langweilig, aber es geht weiter und weiter. Hinzu kommen ein paar pseudoliterarisch wirkende Anwandlungen des Autors - wie er minutenlang sinnierend mit dem Finger über die Einschusslöcher einer Gewehrsalve fährt oder mit dem Kühlschrank durch den Klärschlamm reitet und sich in eine Filmszene auf hoher See versetzt. Einige Kapitel sind richtig schwach und für die Darstellung an sich überflüssig - zum Beispiel eine langwierige Darstellung der Stärken und Schwächen der russischen AK-47 (aka Kalachnikov), oder das peinliche Kapitel über die Frauen der Camorra. Die Sprache ist wie gesagt häufig blumig, redundant, wortreich und nebelhaft.

    Kurzum: Roberto Saviano hat etwas Wichtiges zu sagen, hat auch zum Teil gut recherchiert, aber es hätte unterm Strich besser für zwei oder drei wirklich gute Essays gereicht als für ein ganzes Buch. Insgesamt bleibt das Buch noch lesenswert, aber schade ist es trotzdem - der Verlag trägt sicher auch eine Schuld an der reißerischen Oberflächlichkeit großer Teile dieses Buches.

  48. Bille sagt:

    Material für ein paar gute Reportagen, aber als Buch aufgepustet und reißerisch.
    Roberto Savianos Buch ist spannend, schockierend und mitreißend. Ich habe es in drei Tagen gelesen und mich dabei etwa genauso oft über Buch und Autor geärgert wie ich beeindruckt war - ein Buch mit Licht und Schatten.

    Wie liest sich das Buch? Der Autor reiht episodisch eine Reihe von Fallstudien aneinander, die zum Teil sehr informativ und mit dem Einblick eines Insiders geschrieben sind, der sich selbst in die Szene begeben hat. In diesem Sinne wirklich gut sind die Kapitel über die von der Camorra beherrschte Schattenwirtschaft in der Umgebung von Neapel - von der Bauindustrie über die Müllbeseitigung bis zu Kleiderfabriken, die vom Entwurf bis zur Produktion von Designerkleidern von der Camorra kontrolliert sind und ihre Sachen in der ganzen Welt absetzen. Vor allem das Kapitel über Angelina Jolie gehört zum Besten, was das Buch zu bieten hat. Ein paar interessante Fakten hat der Autor auch zu bieten - zum Beispiel über den Umsatz der illegalen Industrie oder die Gemeinden, deren Regierung wegen Infiltration durch die Mafia abgesetzt wurden. Namen finden sich im Überfluss, Anekdoten und plastische Eindrücke auch. Darstellungen der Strukturen und Funktionsweise der Camorra gibt es schon weniger, eine nüchterne Analyse der Frage, warum die Camorra so mächtig geworden ist und wie die angedeuteten Verquickungen zwischen Politik und organisierter Kriminalität funktionieren, nur sehr ansatzweise.

    Was ist das Problem an dem Buch? Siehe oben: Es sind einzelne Einblicke, die ohne Verbindung aneinandergesetzt sind. Manche Passagen sind aufgebläht und reißerisch, zum Teil auch halbgar bis peinlich. Der Autor versucht sich in bildhafter Sprache, die völlig danebengeht (der Hafen Neapel als Anus, über den Waren in die See ausgeschieden werden und ähnliche Scherze). Er beschreibt nach einem spannenden Einstieg über seine Uncover-Einblicke in die Unterwelt über Dutzende von Seiten blutige Morde und Überfälle in der Region. Das wird in allen Einzelheiten ausgemalt und mit sichtlicher Freude an den grausamen Details präsentiert - ausgebranntes Auto hier, rausgepustetes Gehirn dort. Irgendwann hat man es kapiert, es stellt sich kein doller Erkenntnisgewinn mehr ein, es wird sogar langsam langweilig, aber es geht weiter und weiter. Hinzu kommen ein paar pseudoliterarisch wirkende Anwandlungen des Autors - wie er minutenlang sinnierend mit dem Finger über die Einschusslöcher einer Gewehrsalve fährt oder mit dem Kühlschrank durch den Klärschlamm reitet und sich in eine Filmszene auf hoher See versetzt. Einige Kapitel sind richtig schwach und für die Darstellung an sich überflüssig - zum Beispiel eine langwierige Darstellung der Stärken und Schwächen der russischen AK-47 (aka Kalachnikov), oder das peinliche Kapitel über die Frauen der Camorra. Die Sprache ist wie gesagt häufig blumig, redundant, wortreich und nebelhaft.

    Kurzum: Roberto Saviano hat etwas Wichtiges zu sagen, hat auch zum Teil gut recherchiert, aber es hätte unterm Strich besser für zwei oder drei wirklich gute Essays gereicht als für ein ganzes Buch. Insgesamt bleibt das Buch noch lesenswert, aber schade ist es trotzdem - der Verlag trägt sicher auch eine Schuld an der reißerischen Oberflächlichkeit großer Teile dieses Buches.

  49. Eleasar sagt:

    EIn Spitzebuch über die Camorra!

    Obwohl ich eigentlich nicht der Leser bin habe ich mich von den guten Rezensionen leiten lassen, so dass ich mir mein eigenes Bild von dem Buch machen konnte. Bin begeistert. Es ist einfach nur Klasse. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert für alldiejenigen die sich gerne mit dem Thema Mafia bzw. organisiertes Verbrechen auseinandersetzen. Habe vor dem Buch den Film gesehen und kann behaupten, dass das Buch um Längen besser, detaillierter und ausführlicher ist. Saviano zeigt klar und deutlich auf wie die Camorra funktioniert und was alles dahinter steckt, wie grausam und kühl die Soldaten sind. Es ist einfach packend!

    Mein Tipp noch für alle die es nicht gelesen haben, googelt einige Namen die Roberto Saviano in dem Buch nennt und macht euch so ein noch besseres Bild um alles beschriebene.

    Meine Lieblingskapitel sind:

    Der Hafen

    Don Peppino Diana

    Hollywood

    Das einzige was das gut geschriebene Buch trübt sind die Rechtschreibe- und zeichenfehler in dem Buch.

    Aber ansonsten bin ich sehr zufrieden!

    5 / 5 Punkten

  50. Eleasar sagt:

    EIn Spitzebuch über die Camorra!

    Obwohl ich eigentlich nicht der Leser bin habe ich mich von den guten Rezensionen leiten lassen, so dass ich mir mein eigenes Bild von dem Buch machen konnte. Bin begeistert. Es ist einfach nur Klasse. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert für alldiejenigen die sich gerne mit dem Thema Mafia bzw. organisiertes Verbrechen auseinandersetzen. Habe vor dem Buch den Film gesehen und kann behaupten, dass das Buch um Längen besser, detaillierter und ausführlicher ist. Saviano zeigt klar und deutlich auf wie die Camorra funktioniert und was alles dahinter steckt, wie grausam und kühl die Soldaten sind. Es ist einfach packend!

    Mein Tipp noch für alle die es nicht gelesen haben, googelt einige Namen die Roberto Saviano in dem Buch nennt und macht euch so ein noch besseres Bild um alles beschriebene.

    Meine Lieblingskapitel sind:

    Der Hafen

    Don Peppino Diana

    Hollywood

    Das einzige was das gut geschriebene Buch trübt sind die Rechtschreibe- und zeichenfehler in dem Buch.

    Aber ansonsten bin ich sehr zufrieden!

    5 / 5 Punkten

  51. Clare sagt:

    Interessant aber schlecht geschrieben
    Das Buch ist an und für sich interessant, aber es hat keinen roten Faden und die einzelnen Teile sind oft ohne Zusammenhang. Es scheint als wurden wild mehrere Kurzgeschichten zusammengweürfelt.

  52. Madeleine sagt:

    Interessant aber schlecht geschrieben
    Das Buch ist an und für sich interessant, aber es hat keinen roten Faden und die einzelnen Teile sind oft ohne Zusammenhang. Es scheint als wurden wild mehrere Kurzgeschichten zusammengweürfelt.

  53. Alan sagt:

    Polizeibericht meets Lesung aus dem neapolitanischen Telefonbuch
    “Tagebuch, Bericht, Essay, Zeugnis, Reportage, Prosagedicht in einem” - so preist der Spiegel das Buch; und allgemein überschlagen sich die Pressestimmen vor Lobhudelei. Ich selbst würde wetten, dass maximal ein Viertel der Rezensenten dieses Machwerk zu Ende gelesen haben.

    Was als packender Tatsachenbericht beginnt, entwickelt sich nämlich ganz fix zu einer unerträglichen Mixtur aus Faktenschlacht, Poesiealbumsprüchen und buchstäblich seitenlangen Aufzählungen von Personen und Schauplätzen. Selbst wenn die Namen für meine deutschen Ohren nicht fremd klängen: Ich könnte mir auch dreißig Müllers/Meiers/Schulzes/Ennepetals nicht merken.

    Hätte das Buch ein Sachbuch werden sollen, wären Tabellen oder Diagramme sinnvoll gewesen.

    Hätte das Buch ein Tatsachenroman werden sollen, wäre bildhaftere Schreibe angesagt gewesen.

    Was es tatsächlich geworden ist, ist eine Zumutung für den Leser. Ein Vergehen, das deshalb umso schwerer wiegt, als das Thema selbst wirklich bedeutsam ist.

  54. Marcus sagt:

    Die Camorra - ein weltweites Problem !
    Roberto Saviano ist sicherlich vielen ein Begriff. Nach der Veroeffentlichung dieses Buches wurde er in Italien unter Polizeischutz gestellt. Man findet regelmaessig Artikel von ihm in Zeitungen und Zeitschriften, wo er sich zu der aktuellen Situation in Italien aeussert. Auf Berlusconi hat er sich richtig eingeschossen …

    Mir hat das Buch besonders in Bezug auf die derzeitige Situation in Mexico gefallen, wo ich nun seit 14 Jahren lebe. (Kampf gegen die Drogenmafia, Krieg der verschiedenen Kartelle gegeneinander etc.) Ich sehe viele Parallelen und es ist schon erschreckend zu begreifen wie direkt die Camorra in die Weltwirschaft eingebunden ist. Die Geschichten a la Capone gehoeren schon lange der Vergangenheit an. Es handelt sich hier inzwischen um erfolgreiche globale Unternehmen. Die Camorra hat sich an die globalen Gegebenheiten bestens angepasst. 10 Jahre bevor die italienischen Unternehmerverbaende ueberhaupt die ersten Verbindung nach China knuepften, war die Camorra schon vor Ort.

    Das Buch strotzt nur so vor Daten, Namen und Ortschaften (ich musste einen Atlas zur Hilfe ziehen), Saviano versucht so faktentreu wie moeglich zu bleiben. Nichts desto trotz ist es auch literarisch ein sehr gelungenes Werk.

    Das Buch bietet keinen historischen Optimismus… und das macht mit bezueglich der Situation in Mexico schon ein wenig Angst.

    Zum Schluss ein Auszug, ueber das Schicksal einer Kindergaertnerin die einen Auftragsmoerder identifizierte und gegen ihn vor Gericht aussagte sie wurde danach komplett von ihrer Aussenwelt ignoriert, verlor Verlobten, Job etc.

    Was das Handeln der Kindergaertnerin so anstoessig machte, war, dass sie es fuer selbverstaendlich, natuerlich und notwendig erachtete Zeugnis abzulegen. Wer eine solche Einstellung hat, glaubt noch an die Wahrheit. Aber in einem Land, wo das wahr ist, was Geld einbringt, und das eine Luege, was einem zum Verlierer macht, bleibt eine solche Entscheidung schlechterdings nicht nochvollziehbar.

  55. Alwera sagt:

    Die Camorra - ein weltweites Problem !
    Roberto Saviano ist sicherlich vielen ein Begriff. Nach der Veroeffentlichung dieses Buches wurde er in Italien unter Polizeischutz gestellt. Man findet regelmaessig Artikel von ihm in Zeitungen und Zeitschriften, wo er sich zu der aktuellen Situation in Italien aeussert. Auf Berlusconi hat er sich richtig eingeschossen …

    Mir hat das Buch besonders in Bezug auf die derzeitige Situation in Mexico gefallen, wo ich nun seit 14 Jahren lebe. (Kampf gegen die Drogenmafia, Krieg der verschiedenen Kartelle gegeneinander etc.) Ich sehe viele Parallelen und es ist schon erschreckend zu begreifen wie direkt die Camorra in die Weltwirschaft eingebunden ist. Die Geschichten a la Capone gehoeren schon lange der Vergangenheit an. Es handelt sich hier inzwischen um erfolgreiche globale Unternehmen. Die Camorra hat sich an die globalen Gegebenheiten bestens angepasst. 10 Jahre bevor die italienischen Unternehmerverbaende ueberhaupt die ersten Verbindung nach China knuepften, war die Camorra schon vor Ort.

    Das Buch strotzt nur so vor Daten, Namen und Ortschaften (ich musste einen Atlas zur Hilfe ziehen), Saviano versucht so faktentreu wie moeglich zu bleiben. Nichts desto trotz ist es auch literarisch ein sehr gelungenes Werk.

    Das Buch bietet keinen historischen Optimismus… und das macht mit bezueglich der Situation in Mexico schon ein wenig Angst.

    Zum Schluss ein Auszug, ueber das Schicksal einer Kindergaertnerin die einen Auftragsmoerder identifizierte und gegen ihn vor Gericht aussagte sie wurde danach komplett von ihrer Aussenwelt ignoriert, verlor Verlobten, Job etc.

    Was das Handeln der Kindergaertnerin so anstoessig machte, war, dass sie es fuer selbverstaendlich, natuerlich und notwendig erachtete Zeugnis abzulegen. Wer eine solche Einstellung hat, glaubt noch an die Wahrheit. Aber in einem Land, wo das wahr ist, was Geld einbringt, und das eine Luege, was einem zum Verlierer macht, bleibt eine solche Entscheidung schlechterdings nicht nochvollziehbar.

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