Die Bestie von Florenz (Douglas Preston)

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6 Kommentare zu „Die Bestie von Florenz (Douglas Preston)“

  1. Ben sagt:

    Mörderische Realität
    Douglas Preston im Urlaub. Mal fernab von seinem kongenialen Autorenpartner Lincoln Child und seinen eigenen Thriller Projekten. In Italien, in Florenz. Da ruft doch alles nach Genuss und Entspannung. Weit gefehlt.

    Auch privat scheint Preston seine Themen noch wie ein Magnet anzuziehen, denn er hört von einer Mordseire, die trotz langjähriger, polizeilicher Ermittlungsarbeit weiterhin unaufgeklärt bleibt. Trotz vieler Verdächtiger, trotz bereits erfolgter Verurteilungen, wirklich aufgeklärt erscheinen Preston die Verbrechen noch nicht. Gemeinsam mit dem, zumindest in Italien, wohlbekannten Journalisten Mario Spezi, der bereits eine ganze Reihe von Büchern im Blick auf große Verbrechen bis hin zur Mafia in Italien veröffentlicht hat, begibt sich Douglas Preston in bester Thriller Manier auf die Suche nach “Der Bestie von Florenz”, die bereits sieben Liebenspaare brutal ermordet hat.

    Aus seiner Arbeit als Autor heraus ist Preston geübt in professioneller Recherche und gibt sich nicht mit vordergründigen Antworten zufrieden, auch in seinen Thrillern (in eigener Person und mit seinem Partner Child) zeichnet sich Preston in der Regel durch profundes Hintergrundwissen aus. Fähigkeiten und eine Art der Herangehensweise, die sich auch in dieser realen, privaten Recherche bezahlt machen. Nicht nur dem Täter kommen Preston und Spezi im Zuge ihrer Recherchen näher, sie decken vor allem eine Reihe tiefgreifender Ermittlungsfehler, Vertuschungen, Verbiegungen der Wahrheit auf Seiten der Behörden auf.

    Das, was wir in den Nachrichten oft ungläubig über “italienische Praktiken” selbst des Staatsoberhauptes zu hören bekommen, zieht sich in den Ermittlungen der beiden Autoren bis auf kleinste Ebenen herunter. Staatsanwälte, Richter, Ermittler, mehr und mehr wird deutlich, wie jeder Beteiligte weniger an der Aufklärung der Morde arbeitet, sondern beständig die eigenen Interessen und das eigene Image im Blick hat. In der Szene, in der es um den Fund einer Patrone und anderer Indizien geht, enthüllt Minolti, einer der ermittelnden Polizisten, erstaunliche Erkenntnisse, die den ermittelnden Hauptkommissar Perugini in seinen geschönten Darstellungen entlarven. Perugini wird bei weitem nicht der einzige bleiben, dessen Darstellungen sich als brüchig erweisen.

    Es kann nicht ausbleiben, dass Preston und Spezi selbst in das Visier der ermittelnden Stellen geraten, je mehr sie skandalöse Umstände in der Justiz der Toscana aufdecken.

    Das Buch liest sich wie ein Thriller. Manches Mal ist es nötig, sich bewusst daran zu erinnern, dass hier reale Erlebnisse verarbeitet werden. Nicht nur, weil manches wie erfunden klingt und das Vertrauen in ein funktionierendes Rechtssystem (zumindest in Italien) so nachhaltig erschüttert, wie es ansonsten nur fiktionale Thriller sich zum Thema machen, sondern auch, weil “Die Bestie von Florenz” für ein, letztendlich, Sachbuch, handwerklich dicht und schnell geschrieben ist und ebensolche Spannungsmomente enthält, wie es bei Preston-Romanen der fiktionalen Art üblich ist.

    Dem Fluss des Buches kommt zudem besonders zugute, dass zumindest Douglas Preston eine kongeniale Zusammenarbeit gewohnt ist. Mit Mario Spezi arbeitet er genauso ergänzend, wie in seinen mit Lincoln Child entwickelt Geschichten. Und wird doch am Ende darüber belehrt, dass das wahre Leben sich letztlich nicht in das bewährte Muster eines Thrillers rahmen lässt. Dennoch findet das Buch, andres, als es Preston selbst bewertet, ein sich schließendes Ende. Nur nicht im Blick auf den Mörder, wohl aber im Blick auf die vielen beteiligten Kriminellen des Amtsapparates.

    Ein Buch über reale Vorgänge, dass sich genauso intensiv und mitreißend liest, wie die besten Thriller auf dem Markt.

  2. Anderl sagt:

    Das Leben schreibt doch die besten Geschichten
    Als Preston Fan war ich gespannt auf sein erstes Sachbuch und habe es im englischen Original gelesen. Um es kurz zu sagen, es kommt mit jedem seiner Thriller mit, was die Charaktere betrifft, was die Handlung betrifft und was die Spannung betrifft. Nur dass die Realität diese Geschichte schrieb. Wunderbar herausgearbeitet ist der Kontrast zwischen der idyllischen toskanischen Landschaft und den sinistren Vorgängen um einen brutalen Serienmörder, dessen Opfer immer Liebespaare sind. Preston, mit seinem Kollegen Mario Spezi, wird persönlich in die Geschichte verwickelt, weil er mit diesem endlich die Mordfälle aufklären möchte. Dabei stößt er auf ein korruptes italienisches Rechtssystem, einen Staat im Staate, dessen handelnden Personen, die Staatsanwälte und Untersuchungsrichter, nicht Recht und Gesetz in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen sondern beides in ihrem Sinne beugen, um in ihrer Karriere voranzukommen. Dabei wird vor keiner Unmenschlichkeit halt gemacht. Das hat zur Folge, dass der Leser sich immer ins Gedächtnis rufen muss, dass das eben alles keine Fiktion sondern Wahrheit ist. Das Buch stellt sich spannungsmäßig und in seiner Lesequalität ebenbürdig neben die Pendergastromane.

  3. Bertran sagt:

    Ein Schlag in’s Gesicht für die italienische Rechtssprechung
    Beim Stöbern in einem Buchladen am Flughafen fiel mir dieses Buch in die Hände. Eigentlich hatte ich auf Grund des reißerischen Titels kaum Erwartungen, zumal mir keiner der beiden Autoren ein Begriff war. Allerdings war mir die Mordserie, die dem Buch zugrunde lag, ein Begriff (auch wenn ich mich nur dunkel daran erinnern konnte). Umso angenehmer war ich von dem Inhalt überrascht. Es kommt selten vor, dass ich ein Buch in einem Rutsch durchlese - “Die Bestie von Florenz” war so ein Fall.

    Man kann das Buch in zwei Teile gliedern: Teil 1 beschreibt die Umstände der Mordserie sehr detailliert, zeichnet ein Bild des Italien jener Jahre und charakterisiert die betreffenden Personen. Sind die Morde als solches schon unfassbar, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn man sich Teil 2 des Buches vornimmt. Hier wird beschrieben, wie die ermittelnden Behörden alles Mögliche unternehmen um offensichtlich falsche Fährten weiter zu verfolgen, gegen Unschuldige zu ermitteln, unglaubwürdigen Zeugen Gehör zu schenken und einen der Autoren zu inhaftieren.Immer wieder wurde von der Polizei auf einen angeblichen “Satanskult”, hanebüchernen Verstrickungen von Personen, die in keinerlei Verbindung zueinander standen, bezug genommen und werden verschiedene Personen zu Haftstrafen verurteilt. Und alles um nicht das Gesicht in der Öffentlichkeit zu verlieren oder um die eigene Karriere weiter voranzutreiben. Das alles erinnert weniger an einen modernen Rechtsstaat, als an mittelalteriche Hexenverfolgungen.

    Es wäre interessant, welchen Verlauf der Fall genommen hätte, wenn die Spur des von den Autoren Verdächtigten weiter verfolgt worden wäre…

  4. Rodge sagt:

    Tödliche Langeweile
    Hier habe ich mich auf den Namen Douglas Preston verlassen und evtl. auch auf die Aussage auf dem Einband < Dieses Buch wird ihnen den Angstschweiß auf die Stirn treiben >.In Wahrheit überkam mich die tödliche Langeweile über diesen seit Jahrzehnten zurückliegenden ungelösten Kriminalfall in Italien.Den hier vermutlich niemanden interessiert.

  5. Kari sagt:

    Tödliche Langeweile
    Hier habe ich mich auf den Namen Douglas Preston verlassen und evtl. auch auf die Aussage auf dem Einband < Dieses Buch wird ihnen den Angstschweiß auf die Stirn treiben >.In Wahrheit überkam mich die tödliche Langeweile über diesen seit Jahrzehnten zurückliegenden ungelösten Kriminalfall in Italien.Den hier vermutlich niemanden interessiert.

  6. Christopher sagt:

    Leider nicht mit Preston/Child zu vergleichen !!!
    Nach dem Klappentext und den guten Rezensionen habe ich mir als Preston/Child Fan die Bestie von Florenz gekauft. Ich kann mich allerdings den guten Bewertungen nicht anschließen. Das Buch ist ja in zwei Kapitel gegliedert, einmal aus der Sicht von Mario Spezi,das zweite aus der Sicht von Douglas Preston. In Mario Spezis Geschichte hört es sich für mich wie eine Aneinanderreihung von Tatsachen an,fast ohne wörtliche Rede. Ein ziemlich langweiliger Bericht im Erzählstil. Natürlich sind die Ereignisse und Morde aufregend,aber für mich ohne jegliche Spannung beschrieben.Gott sei Dank sind im Anhang die ganzen Namen noch einmal aufgeführt, sodaß man immer nachblättern kann, wenn man bei der Fülle der vorkommenden Personen mal etwas vergessen hat. Ich legte alle Hoffnung in die zweite Buchhälfte,den Bericht von Douglas Preston. Aber auch dieser hat mich nicht vom Hocker gerissen.Alles in allem habe ich mich durch die 420 Seiten gequält und in froh,das ich es hinter mir habe. Die Geschmäcker sind ja, Gott sei Dank verschieden, aber meinen Geschmack hat dieses Buch nicht getroffen.Ich freue mich nun wieder auf den nächsten Preston/Child, von dem ich sicher nicht enttäuscht werde

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