Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Rüdiger Safranski)
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Schlagworte: Rüdiger Safranski
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24. August 2009 um 11:00 Uhr
Ein glückliches Ereignis
An Schillers Beerdigung nahm Goethe nicht teil. Und Schiller mochte Goethes Frau Christiane nicht ausstehen. Und trotzdem: Freundschaft.
Wenn es von Rüdiger Safranski auch nicht geplant gewesen sein mag - das Buch ist just zum 250. Geburtstag von Friedrich Schiller erschienen. Und wenn man das Zahlenspiuel weiter treiben will - zum 260. Geburtstag von Johann Wolfgang Goethe. Und es ist - um das Urteil vorwegzunehmen - eine wunderbare Würdigung der Freundschaft dieser Dioskuren, die weltliterarischen Charakter hat.
Minuziös arbeitet Safranski die Stationen dieser Freundschaft ab: die geistige Annäherung, das persönliche Verhältnis, das gegenseitige Zuspiel von Gedanken und Ideen. Auch wenn das meist bereits bekannt und an vielen anderen Stelen zu lesen ist - in dieser sehr schönen Zusammenfassung hat dieses Buch einen besonderen Wert.
Rüdiger Safranski bezeichnet dieses Freundschaft als “ein glückliches Ereignis”. “…man wird in der Geschichte des Geistes lange suchen müssen, um etwas Vergleichbareszu finden….”. Dies gilt auch für Safranskis Buch.Und so freuen wir uns an der detailgenauen, brillant geschriebene Geschichte einer Freundschaft. Ein glückliches Ereignis.
27. September 2009 um 05:51 Uhr
Spielzeug-Guillotine inklusive
Man sollte meinen, zu diesem Thema ließe sich nichts mehr sagen. Generationen von Literaturwissenschaftlern haben sich bereits an diesem Kern der deutschen Kultur abgearbeitet, ja Goethe und Schiller selbst haben sich ja bereits als geschichtlich begriffen und Goethes Herausgabe des Briefwechsels mit dem Freunde im Jahre 1825, also 20 Jahre nach dem Tod Schillers, unterstreicht dies Bewusstsein der eigenen Historizität.
Was hat uns Safranski neues über diese merkwürdigste Freundschaft deutscher Dichter zu sagen? War es eine Freundschaft? Safranski bejaht dies emphatisch. In Safranskis typisch leichtfüßigen Stil werden die Herkunft beider und die allmähliche Annäherung, die ja schwierig war, beschrieben. Eigentlich waren sich beide ja spinnefeind. Goethe, der nach seiner Rückkehr aus Italien den Neuankömmling in Weimar als Konkurrenten und Bedrohung ansah. Zudem noch als ein ungewünschtes Spiegelbild seines ehemaligen Selbst: den Stürmer und Dränger, den Goethe hinter sich lassen wollte, und obendrein noch einen spekulativen philosophischen Geist, der die Ideen vor die Erfahrung setzte, während Goethe selber die Welt doch nur andersherum verstehen konnte und mochte.
Am Ende ist es aber doch genau dieser Gegensatz, der zu der zwar unwahrscheinlichen, dann aber doch ausgesprochen produktiven Freundschaft führt. Eine Freundschaft, in der die poetische Produktivität beider im Mittelpunkt stand. Und hierzu war die Polarität von Erfahrung und Idee konstitutiv. Tatsächlich schien der eine dem anderen das zu geben, was ihm fehlte und so entstanden in dem einen Jahrzehnt ihrer Freundschaft die größten Werke der Weimarer Klassik.
Schiller tritt in Safranskis Darstellung aus Goethes Schatten hinaus. Es war Schiller, der seinen Freund immer wieder zum Faust antrieb, den Wilhelm Meister ihm abverlangte und vieles mehr. Ohne Schiller wäre Goethe in seiner stockenden Produktivität stecken geblieben. Und Goethe erscheint als klassischer Menschenverwerter. In vielem scheint Schiller seinem Freund überlegen. Er ist der spekulativere Geist, er hat das weitaus bessere Gespür für dramatischen Stoff und den systematischeren Blick in Fragen der Ästhetik. Aber SChiller war erhgeizig und Goethe war Goethe - und dabei blieb es.
Interessant an Safranskis Darstellung ist auch die private Perspektive. Wenn Goethes Sohn August beim Sohn Schillers, seinem Freund, übernachten durfte, oder wenn Goethe für den kleinen Schiller eine Spielzeugguillotine mitbringt.
Vielleicht waren sie zu ihrer Freundschaft verdammt, da sie sonst nur die Wahl gehabt hätten, sich zu bekriegen. Ein Glücksfall der Literatur.
Thomas Reuter
27. September 2009 um 05:51 Uhr
Sternstunden deutscher Geistesgeschichte
Der Herausgeber der “Berliner Hefte” und Gastgeber des Philosophischen Quartetts” Rüdiger Safranski hat zu Friedrich Schillers 250. Geburtstag ein Buch geschrieben in dem es um ein Duett geht, eine kreative Freundschaft was Literatur und Kultur betrifft, nämlich die Freundschaft zwischen Schiller und Goethe. Rüdiger Safranski gilt als Romantiker unter den Philosophen und als ein Schriftsteller der sich durch große Lebensweisheit auszeichnet.
Noch 1788 war der späteren glücklichen Freundschaft eine misslungene Annäherung vorausgegangen, denn Goethe mied das Zusammentreffen, war genervt, dass man allerorts von dem genialen Schiller sprach. Man kann zunächst gar nicht glauben, dass die beiden später befreundet waren, auch wenn sie als Standbild gemeinsam in Weimar stehen. Man könnte die Vermutung hegen, dass man die beiden Ikonen des 19. Jahrhunderts, die in der deutschen Geschichte als Prestigeobjekte gelten, später zusammengeschweißt hat. Doch hier ist tatsächlich der seltene Fall eingetreten, dass zwei große, herausragende Figuren der Zeitgeschichte den persönlichen Umgang letztendlich dazu benutzten ihre wechselseitigen immensen Aversionen kontinuierlich ab zu arbeiten.
Die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller nahm 1794 ihre Anfang, nachdem ihr eine lange Zeit der Annäherung vorausgegangen war. Hauptursache für den schwierigen Anfang war die Tatsache, dass Goethe älter, berühmter und für den elf Jahre jüngeren Schiller ein leuchtendes Vorbild war. Schiller war ein ehrgeiziger Mensch, der von seinem eigenen Genie überzeugt war, und er war ein Literatur sportlicher Mensch, der es als eine Art Wettkampf empfunden hat mit Goethe auf Augenhöhe zu kommen. Zunächst hält Goethe Abstand, dann muss in den sechs Jahren zwischen 1788 und 1794 doch latent einiges passiert sein, den sie freundeten sich nach dem ersten Kennenlernen sehr schnell an. Sicher haben beide in den Jahren gemerkt, dass es ihnen marketingmechanisch gegenüber der breiten Öffentlichkeit recht gut tat, sich gegenseitig anzufeuern und zu fördern.
Besonders Schiller hatte als “Berufsschriftsteller” ein sicheres Gespür für den Markt, während Goethe, der zwar eine breite und enzyklopädische Neugier besaß, sich den Luxus erlauben konnte sich als Liebhaber der Literatur zu fühlen und sich bei der Vollendung seiner Werke viel Zeit zu lassen. Schiller war ein Profi, der mit strategischem Verstand Goethe auch vor seinen Karren spannen wollte und wenn er die bedeutendste Literatur in Deutschland machen wollte, dann musste Goethe mit im Boot sein. Es beginnt alles also sehr strategisch, ein Beispiel dafür das es auch anders herum geht, nicht mit dem emotionalen Unterfutter am Beginn, dem das Sachliche folgt, sondern es beginnt mit viel unterschwelliger Feindschaft und enervierter Konkurrenz, dem eine intellektuelle, sachbezogene Lust folgt, die die beiden aneinander bekommen. Emotionalität und enge Freundschaft haben auch zu vielen Gerüchten in der Öffentlichkeit geführt. Es wurde über sie geredet, dabei spielte bei der Rollenaufteilung Schiller als schlanker Adler den Männerpart, während Goethe in seiner intuitiven und gefühlsstarken Art mehr die Frauenrolle inne hatte.
Es waren sicherlich auch die Gegensätze, die den Reiz der Freundschaft ausmachten, denn während Schiller sein Leben mehr in ruhigen, von Affären und Skandalen ungetrübten Bahnen verlief, interessierte sich Goethe für viele Dinge, hatte Affären, liebte Reisen und war neugierig auf alles was in der Welt geschah.
In der Anfangszeit ihrer Freundschaft habe sich beide fast täglich gesehen, bis spät in die Nacht miteinander geredet und eingehend tiefsinnig diskutiert, miteinander befreut, sodass die Ehefrauen doch recht eifersüchtig waren. Die Freundschaft wuchs sich so stark aus, dass Schiller nicht nur empfindet das er in seinem literarischem Schaffen nun so gut ist, wie er es früher nie war, sondern als Goethe stirbt schreibt er an Zelter, das ihm nun die Hälfte seines Lebens weggestorben sei.
Man muss dieses Ereignis der glücklichen Freundschaft lesen, es ist anders als es auf den ersten Blick bezüglich des Covers aussieht, denn diese Sternstunden der deutschen Geistesgeschichte sind faszinierend, überaus lebendig und alles andere als anachronistisch.
27. September 2009 um 05:51 Uhr
Einmal mehr: Vielen Dank, Herr Safranski
Fast jede Biografie und Epochenbeschreibung von Rüdiger Safranski habe ich gelesen. Nicht nur dieses Buch ist einmal mehr brillant. Seine Bücher fallen ja unter den literaturwissenschaftlichen Begriff “Sekundärliteratur”, doch sollten sie weit eher primär gelesen werden. Sie führen nicht nur modern und unterhaltsam ins Thema ein, sondern verführen zum Lesen der Klassiker.
Die Schilderung der Freundschaft der beiden “Großen” ist erhellend, was den gegenseitigen Einfluss betrifft und auch was die beiden Charaktere besonders unterschied. Doch nicht nur das: amüsant ist u. a. auch ihr gemeinsamer Übermut. Sich gegenseitig hochschaukelnd und über Kritik und Zeitgeist erhaben fühlend, verführten sie sich zu literarischen Missgriffen, die die Leser weder damals amüsierten noch uns heute verständlich scheinen. Safranski holt die beiden Genies nicht vom Sockel - was ja auch nicht Zweck des Buches ist, denn den Sockel haben beide ja vollends verdient - , doch er wählt, wie das Titelbild suggeriert, eine ungewöhnliche Perspektive auf die Denkmäler unserer Literaturgeschichte.
30. Dezember 2009 um 11:17 Uhr
Fantastisch
Dieses Buch liest sich wie ein Roman. Besonders reizvoll sind Wortwahl und Formulierungen.
Ein interessantes Buch für Leser der Belletristik im wahren Sinne des Wortes.
Empfehlung für Interessierte an Biografien grosser Deutscher.
17. Januar 2010 um 03:17 Uhr
Goethe & Sheyla, eine Freundschaft für die Ewigkeit?
In der Reihe Safari ist nach Schoppenhauer, Nitsche und anderen nun endlich auch ein Band über Goethe und seine Freundin Sheyla erschienen. Wir, das deutsche Volk, haben darauf lange gewartet.
Der neue Safari bringt in altbewährter Manier eine Abenteuergeschichte aus dem Flachland. Goethe lernt Sheyla in einer Single-Bar neben der Uni kennen. Schon am ersten Abend versucht er sie auf seine Bude zu schleppen. Doch sie wehrt ab: »I have my menstruation cycle.« Göthe läßt sich nicht abschütteln und sagt: »We can take my mofa.«
Damit beginnt eine Freundschaft, die die Geistergeschichten bis heute prägt. Bei jedem Date denken Studenten an Goethe und Sheyla und was aus ihnen wurde. Diese Geschichte nachgezeichnet zu haben, gilt als großes Verdienst von Safari.
Sheyla läßt sich einen Bart wachsen, der seine hohe Stimme und das Lispeln überdecken soll. Doch Goethe hat beides schon bemerkt und heiratet Christiane Vulpius. Weimar ist entsetzt. Schon der Name Vulpius klingt spießig. Und dafür läßt er Sheyla sitzen!
Dank diesem furiosen Buch von Safari kennen wir nun die ganze Geschichte und wissen, was sich wirklich zugetragen hat.
17. Januar 2010 um 03:17 Uhr
Goethe & Sheyla, eine Freundschaft für die Ewigkeit?
In der Reihe Safari ist nach Schoppenhauer, Nitsche und anderen nun endlich auch ein Band über Goethe und seine Freundin Sheyla erschienen. Wir, das deutsche Volk, haben darauf lange gewartet.
Der neue Safari bringt in altbewährter Manier eine Abenteuergeschichte aus dem Flachland. Goethe lernt Sheyla in einer Single-Bar neben der Uni kennen. Schon am ersten Abend versucht er sie auf seine Bude zu schleppen. Doch sie wehrt ab: »I have my menstruation cycle.« Göthe läßt sich nicht abschütteln und sagt: »We can take my mofa.«
Damit beginnt eine Freundschaft, die die Geistergeschichten bis heute prägt. Bei jedem Date denken Studenten an Goethe und Sheyla und was aus ihnen wurde. Diese Geschichte nachgezeichnet zu haben, gilt als großes Verdienst von Safari.
Sheyla läßt sich einen Bart wachsen, der seine hohe Stimme und das Lispeln überdecken soll. Doch Goethe hat beides schon bemerkt und heiratet Christiane Vulpius. Weimar ist entsetzt. Schon der Name Vulpius klingt spießig. Und dafür läßt er Sheyla sitzen!
Dank diesem furiosen Buch von Safari kennen wir nun die ganze Geschichte und wissen, was sich wirklich zugetragen hat.
17. Januar 2010 um 03:17 Uhr
Safranski Goethe und Schiller Freundschaft
Sorgfältig recherchiert und stilistisch ausgezeichnet formuliert. Besonders die parallele, aber unterschiedliche, Entwicklung beider Dichter wurde herausgestellt. Die chronologische Abfolge ist im Gegensatz zu Friedenthals “Goethe-Sein Leben und seine Zeit” eingehalten und deshalb übersichtlich.
Lesenswert!
17. Januar 2010 um 03:17 Uhr
Safranski Goethe und Schiller Freundschaft
Sorgfältig recherchiert und stilistisch ausgezeichnet formuliert. Besonders die parallele, aber unterschiedliche, Entwicklung beider Dichter wurde herausgestellt. Die chronologische Abfolge ist im Gegensatz zu Friedenthals “Goethe-Sein Leben und seine Zeit” eingehalten und deshalb übersichtlich.
Lesenswert!
26. Januar 2010 um 01:34 Uhr
Goethe und Schiller, Geschichte einer Freundschaft
Detailreiche Beschreibung der Entwicklung von Goethes und Schillers Freundschaft. Einzelheiten der Zusammenarbeit,
werden beschrieben, z.B. Schillers Hilfe bei der Entstehung von ‘Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre’.
Der Leser erhält Einblick in die Probleme, die Goethe aus seiner Beziehung zu Christiane Vulpius erwuchsen.
Man versteht nun auch Goethes Bemerkungen über sein schwieriges Leben am Rande des gesellschaftlichen
Abstiegs: “…mach’s einer nach und brech sich nicht das Genick”. Außerordentlich empfehlenswert!
26. Januar 2010 um 01:34 Uhr
Goethe und Schiller, Geschichte einer Freundschaft
Detailreiche Beschreibung der Entwicklung von Goethes und Schillers Freundschaft. Einzelheiten der Zusammenarbeit,
werden beschrieben, z.B. Schillers Hilfe bei der Entstehung von ‘Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre’.
Der Leser erhält Einblick in die Probleme, die Goethe aus seiner Beziehung zu Christiane Vulpius erwuchsen.
Man versteht nun auch Goethes Bemerkungen über sein schwieriges Leben am Rande des gesellschaftlichen
Abstiegs: “…mach’s einer nach und brech sich nicht das Genick”. Außerordentlich empfehlenswert!
23. Februar 2010 um 06:17 Uhr
glückliches Ereignis
Einfach ein glückliches Ereignis diese gut recherchierte Darstellung der Freundschaft zweier großer Dichter und Denker! Detaillreich und stilistisch ausgefeilt war das Buch das reine Lesevergnügen!
23. Februar 2010 um 06:17 Uhr
glückliches Ereignis
Einfach ein glückliches Ereignis diese gut recherchierte Darstellung der Freundschaft zweier großer Dichter und Denker! Detaillreich und stilistisch ausgefeilt war das Buch das reine Lesevergnügen!
4. März 2010 um 21:00 Uhr
perfekter Service
Buch ist ein Geschnk - über Inhalt können keine Angaben gemacht werden.
Der Service und schnelle Lieferung sind absolut empfehlenswert
4. April 2010 um 04:51 Uhr
Das reine Lesevergnügen!
Das Buch war ein Geschenk an meinen Sohn.
Seine Bewertung.
Ein interessantes Buch für Leser der Belletristik.
Empfehlung für Interessierte an Biografien grosser Deutscher.
11. April 2010 um 06:51 Uhr
Goethe und Schiller. Geschichte einer Frreundschaft
Einen Testbericht über ein gekauftes Buch zu schreiben, ist so gut wie unmöglich, da über den Inhalt nicht ausgesagt werden soll. Ich habe mich für dieses Buch entschieden, um es zu lesen. Genausogut hätte ich mich in einer anderen Auktion für ein Gerät entschließen können, um es zu benutzen oder für ein Kleidungsstück, es tragen zu wollen. Ich habe mich für dieses Produkt entschieden, weil ich im Radio einen Auszug daraus gehört habe und weil ich das Glück hatte es günstig zu erwerben. Es ist neu und noch original in Folie eingeschweißt. Gefallen hat es mir, dass es schnell geliefert wurde, somit bin ich voll und ganz zufrieden.
14. April 2010 um 20:17 Uhr
“Schlagt ihn tot, den Hund! Er ist ein Rezensent” (174).
Für Goethes Blutdruck war es sicherlich eine gute Sache, dass es in den deutschen Staaten gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts keine der Öffentlichkeit zugängliche Rezensentenplattform à la Amazon gab, auf der ein jeder sich zum Kommentieren Berufener zu, nun ja, allem seinen Senf dazu geben konnte. Und hätte der große Meister wohl jemals seinen Faust geschrieben, hätte er gewusst, dass sein Werk zwecks Egoschmeichelein diverser Hobbyschreiberlinge “abgeklickt” wird?? Fragen über Fragen über die man sich bei Bedarf den Kopf zerbrechen kann. Safranski tut dies dankenswerterweise nicht, sondern rekonstruiert aus dem Briefwechsel der beiden großen, vielleicht größten, deutschen Schriftsteller die Geschichte einer Freundschaft, ohne die es so große Dramen wie “Maria Stuart” oder den “Wallenstein” in der uns heute bekannten Form niemals gegeben hätte. Gleichzeitig entwirft “Goethe und Schiller - Geschichte einer Freundschaft” ein spannendes Panorama des kulturellen und politischen Deutschlands vor rund 200 Jahren.
“Ein Glück für mich war es…, daß ich Schillern hatte. Denn so verschieden unsere beiderseitigen Naturen auch waren, so gingen doch unsere Richtungen auf Eins, welches denn unser Verhältnis so innig machte, daß im Grunde keiner ohne den Anderen leben konnte” (310). Goethe wusste, was für ein Freund ihm verloren ging, nachdem der stets kränkelnde Schiller 1805 gestorben war. Elf Jahre zuvor hatte die Freundschaft begonnen, als Schiller einen Einladungsbrief an Goethe schrieb, um ihn zur Mitarbeit an der Literaturzeitschrift “Die Horen” zu bewegen. Goethe zehrte zu diesem Zeitpunkt noch von seinen frühen Erfolgen “Götz von Berlichungen” und “Werther” und war ein bisschen in der Versenkung verschwunden und blieb lediglich durch sein unstandesgemäßes Liebesleben im Gespräch. Goethe nimmt das Angebot an und die sich nun anbahnende Freundschaft zahlt sich für ihn unmittelbar aus. Goethe und Schiller beginnen eine Diskussion über “Wilhelm Meister”, den Roman, an dem Goethe zu diesem Zeitpunkt arbeitet, die so fruchtbar verläuft, dass sich ganze Passagen auf Schillers Anmerkungen zurückführen lassen.
“Fahren Sie fort, mich mit meinem eigenen Werk bekannt zu machen” (131). Es war vor allem Schillers Reflexionsgenie, welches Goethe immer wieder faszinierte. Erst durch Schillers Kommentare habe er sich sein eigenes Werk in seiner Gänze erschließen können, so Goethe. Schiller hingegen, aufgrund seines stets angeschlagenen Gesundheitszustandes kaum in der Lage, sein Haus zu verlassen, profitierte von den Erzählungen des vielgereisten Goethe.
Safranski schafft es auf spannende, informative und unterhaltsame Art und Weise, dem Leser Entstehungs- und Ergebnisgeschichte dieser in der deutschen Kulturgeschichte einmaligen Männerfreundschaft darzulegen. Neben dem gegenseitigen Einfluss, den die beiden auf ihre Werke ausübten, erzählt Safranskis Buch auch über die großen und kleinen Tragödien in beider Leben. So entsteht eine nicht nur für Literaturliebhaber interessante Geschichte. Auch der Kampf um das weibliche Geschlecht, die großen historischen Entwicklungen (Napoleon) sowie die neue Philosophie (Kant, Fichte) sind wichtiger Bestandteil dieser Freundschaftsgeschichte.
Fazit: Sei es Philosophie oder Literatur: Safranski hat schon mehrfach in Büchern wie Nietzsche, Ein Meister aus Deutschland: Heidegger und seine Zeit oder Romantik: Eine deutsche Affäre unter Beweis gestellt, dass er es bestens versteht komplexe Sachverhalte inhaltlich fundiert und unterhaltsam aufzubereiten, ohne dabei zu sehr zu vereinfachen. “Goethe und Schiller - Geschichte einer Freundschaft” fällt genau in diese Kategorie und ist allen an der Thematik Interessierten uneingeschränkt zu empfehlen.
14. April 2010 um 20:17 Uhr
“Schlagt ihn tot, den Hund! Er ist ein Rezensent” (174).
Für Goethes Blutdruck war es sicherlich eine gute Sache, dass es in den deutschen Staaten gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts keine der Öffentlichkeit zugängliche Rezensentenplattform à la Amazon gab, auf der ein jeder sich zum Kommentieren Berufener zu, nun ja, allem seinen Senf dazu geben konnte. Und hätte der große Meister wohl jemals seinen Faust geschrieben, hätte er gewusst, dass sein Werk zwecks Egoschmeichelein diverser Hobbyschreiberlinge “abgeklickt” wird?? Fragen über Fragen über die man sich bei Bedarf den Kopf zerbrechen kann. Safranski tut dies dankenswerterweise nicht, sondern rekonstruiert aus dem Briefwechsel der beiden großen, vielleicht größten, deutschen Schriftsteller die Geschichte einer Freundschaft, ohne die es so große Dramen wie “Maria Stuart” oder den “Wallenstein” in der uns heute bekannten Form niemals gegeben hätte. Gleichzeitig entwirft “Goethe und Schiller - Geschichte einer Freundschaft” ein spannendes Panorama des kulturellen und politischen Deutschlands vor rund 200 Jahren.
“Ein Glück für mich war es…, daß ich Schillern hatte. Denn so verschieden unsere beiderseitigen Naturen auch waren, so gingen doch unsere Richtungen auf Eins, welches denn unser Verhältnis so innig machte, daß im Grunde keiner ohne den Anderen leben konnte” (310). Goethe wusste, was für ein Freund ihm verloren ging, nachdem der stets kränkelnde Schiller 1805 gestorben war. Elf Jahre zuvor hatte die Freundschaft begonnen, als Schiller einen Einladungsbrief an Goethe schrieb, um ihn zur Mitarbeit an der Literaturzeitschrift “Die Horen” zu bewegen. Goethe zehrte zu diesem Zeitpunkt noch von seinen frühen Erfolgen “Götz von Berlichungen” und “Werther” und war ein bisschen in der Versenkung verschwunden und blieb lediglich durch sein unstandesgemäßes Liebesleben im Gespräch. Goethe nimmt das Angebot an und die sich nun anbahnende Freundschaft zahlt sich für ihn unmittelbar aus. Goethe und Schiller beginnen eine Diskussion über “Wilhelm Meister”, den Roman, an dem Goethe zu diesem Zeitpunkt arbeitet, die so fruchtbar verläuft, dass sich ganze Passagen auf Schillers Anmerkungen zurückführen lassen.
“Fahren Sie fort, mich mit meinem eigenen Werk bekannt zu machen” (131). Es war vor allem Schillers Reflexionsgenie, welches Goethe immer wieder faszinierte. Erst durch Schillers Kommentare habe er sich sein eigenes Werk in seiner Gänze erschließen können, so Goethe. Schiller hingegen, aufgrund seines stets angeschlagenen Gesundheitszustandes kaum in der Lage, sein Haus zu verlassen, profitierte von den Erzählungen des vielgereisten Goethe.
Safranski schafft es auf spannende, informative und unterhaltsame Art und Weise, dem Leser Entstehungs- und Ergebnisgeschichte dieser in der deutschen Kulturgeschichte einmaligen Männerfreundschaft darzulegen. Neben dem gegenseitigen Einfluss, den die beiden auf ihre Werke ausübten, erzählt Safranskis Buch auch über die großen und kleinen Tragödien in beider Leben. So entsteht eine nicht nur für Literaturliebhaber interessante Geschichte. Auch der Kampf um das weibliche Geschlecht, die großen historischen Entwicklungen (Napoleon) sowie die neue Philosophie (Kant, Fichte) sind wichtiger Bestandteil dieser Freundschaftsgeschichte.
Fazit: Sei es Philosophie oder Literatur: Safranski hat schon mehrfach in Büchern wie Nietzsche, Ein Meister aus Deutschland: Heidegger und seine Zeit oder Romantik: Eine deutsche Affäre unter Beweis gestellt, dass er es bestens versteht komplexe Sachverhalte inhaltlich fundiert und unterhaltsam aufzubereiten, ohne dabei zu sehr zu vereinfachen. “Goethe und Schiller - Geschichte einer Freundschaft” fällt genau in diese Kategorie und ist allen an der Thematik Interessierten uneingeschränkt zu empfehlen.
2. Juli 2010 um 16:00 Uhr
Safranski: Goethe und Schiller
ein wunderbares Buch. Kenntnisreich und mit gut dotierten Details. Schöne und differenzierte Sprache. Eben Safranski.