Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins Landesinnere (Günter Wallraff)

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41 Kommentare zu „Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins Landesinnere (Günter Wallraff)“

  1. Hagen sagt:

    Der Gründer des Investigationsjournalismus

    Günther Wallraff war unser großes Vorbild während der Schulzeit und seine Reportagen aus der Melittafabrik oder anderen beschämenden Orten der unteren Arbeitswelt berührten uns. Seine Art zu investigieren, oft bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, faszinierte und setzte Massstäbe!

    Schon glaubten wir ihn alle in Rente, da taucht er wieder wie ein Kistenteufelchen auf! Er schlüpft in die Rolle eines Farbigen und muss den Rassismus in Deutschland in seiner ganzen Härte ertragen: Beschimpfungen, abfällige Blicke und enorme Schwierigkeiten, im Leben weiterzukommen sind an der Tagesordnung. Er arbeitete weiter in einer Brotfabrik, einem Callcenter, bei der Bundesbahn oder in der omnipräsenten Kaffeehauskette “Starbucks”. Überall trifft er in den “sozialen Dunkelzonen Deutschlands” auf Ausbeutung, Elend und herabwürdigende Arbeitsbedingungen!

    Sein neues Buch ist wieder ein Aufschrei nach mehr sozialer Gerechtigkeit und gibt Einblicke in das arme Deutschland der gnadenlosen Ausbeutung. Nach der Lektüre dieses Buches fragt man sich, wann es wohl zu einer sozialen Revolte kommen wird! Empfehlenswertes Buchgeschenk für Menschen die schon alles haben, sich mit allem langweilen und vielleicht mal einen heilsamen Blick in andere Verhältnisse werfen wollen!

  2. Catharina sagt:

    Reportagen über unsoziale Kälte
    Ja, lesen!

    Er könnte längst in Rente sein und den Blick auf den Rhein bei Unkel oder auf das multikulturelle Köln-Ehrenfeld genießen. Doch Günter Wallraff (*1942) hat noch einmal rund 320 Seiten über die soziale Kälte in der Republik abgefasst.

    Der abgebildete Taschenbuchumschlag ist mittlerweile der richtige und zeigt den Autor als “Schwarzen”. Jeder Wallraff-Leser oder jeder, der die Karnevalsverkleidung etwa der “Poller Negerköpp” kennt, hätte ihn identifizieren _müssen, doch bis auf zwei tat das niemand. Man guckt ja bei solchen nicht so hin. In seinem ersten Buchteil beschreibt Wallraff, wie er so den täglichen ängstlichen bis aggressiven Abgrenzungsr*ssismus erfahren muss. Unfassbar.

    Im zweiten Teil des Buchs schlüpft der ehemalige Linkskatholik in eine Rolle, die er früher in seinen “13 unerwünschten Reportagen” schon einmal eingenommen hatte. Als Obdachloser lernt er die Bürokratie abermals kennen, das Wegsperren, die Aggression, die Hilfsleistungsabzweigung durch die privaten Anbieter. Sei es draußen auch noch so bitter kalt: Pech. Mit-Obdachlose sterben aus verschiedenen Gründen.

    Der schönen neuen Welt der Callcenter ist das nächste Kapitel gewidmet: Für eine dubiose Lottoscheinfirma (und ein paar andere Firmen) macht Günter Wallraff den Telefon-”Drücker”. Nebenbei erfährt man die fiesen Tricks der Branche genauso wie das dortige systematische Betäuben des schlechten Gewissens.

    Ein Hunsrücker Brothersteller für Lidl wird danach aus der Innenperspektive beleuchtet. Geschichten zu Starbucks, Mehdorns Bahn und dem als unappetlich und mobbingfreundlich dargestellten Spezialanwalt Helmut Naujoks beschließen das Buch.

    Nach Wallraffs großem Erfolg vor rund 25 Jahren mit Ganz unten hätte man denken können, dass die Menschenausbeuter am Boden gewesen wären. Mitnichten.

    Die Frage schäumt geradezu auf: wie können momentan prassende Kapitaleigner und eitle Managerklasse dermaßen gehätschelt werden, während wir gleichzeitig wirklich bedürftige Menschen (s.o.) so schlecht behandeln?

    Wer das ZEIT-Magazin regelmäßig liest, hat dort viel davon in einer gekürzten Form bereits gelesen. Wallraff berichtet dafür im Buch auch von ersten Reaktionen/ Nicht-Reaktionen auf diese Enthüllungen. Ein Kinofilm soll bald folgen.

    Der Stil des Burscheiders ist einfach, reportagenhaft und dabei von engagierten Einsprengseln durchsetzt. Wallraff sagt seine Meinung deutlich, in seiner schelmenhaften Verkleidungsrolle wie in seinen Texten. Er flicht übrigens auch Erlebnisse anderer ein, benennt das aber, soweit ich das beurteilen kann, auch deutlich.

    Ich habe jedenfalls gerade das Buch dem Paketboten heute fast aus der Hand gerissen, und es war noch mehr als erwartet. Volle Sterne!

  3. Dortas sagt:

    Ein echter Wallraff
    Spannend zu lesen wie die anderen Wallraff-Bücher. Der Autor zeigt aus eigener Anschauung, was manche Menschen im reichen, zivilisierten Deutschland von heute erleben.

    Das Buch ist konkret und anschaulich, erklärt nicht viel, zeigt keine großen Zusammenhänge auf, moralisiert nicht, bietet auch keine Lösungen oder gesellschaftlichen Perspektiven an. Günter Wallraff arbeitet engagiert als verdeckter Reporter für Benachteiligte, nicht mehr und nicht weniger. Das ist schon viel wert in einer Zeit, in der Menschen entlassen werden, weil sie zwei übriggebliebene Buletten aßen, während Kaufhausvorstände legal Millionen in die eigene Kasse wirtschaften.

  4. Annette sagt:

    Das erste Kapitel bitte überblättern..
    Günter Wallraffs Bücher haben mich in meiner Jugend sehr geprägt. Die Mischung aus ungeschönten Tatsachenberichten und direktem Kontakt zur Sache haben mir die Welt etwas greifbarer gemacht. Umso überraschter war ich, als ein neues Buch des alten Enthüllungsveteranen angekündigt wurde. Und ich muss sagen, das dieses Buch wirklich großartig ist….. wenn nicht das erste Kapitel wäre.

    Eine Untersuchung zum Thema Ausländerfeindlichkeit ist ja sehr lobenswert, aber leider funktioniert die Wallraff-Methode in diesem Fall nicht. Man kannn nun einmal keinen Schwarzen darstellen indem man sich Braun anmalt und eine Afro-Perrücke auf den Kopf setzt. Vor dem flüchtigen Passanten oder dem besoffenen Proloschläger mag man somit noch als Afrikaner durchgehen, aber spätestens wenn man aus dem Gebüsch springt und lautstark “Brumbeeren” suchen gehen will, wird die Hautfarbe relativ egal. In so einem Fall würde jeder eher an einen entsprungenen Irren denken, egal welcher Hautfarbe.

    - Als Folge dessen bleibt das erste Kapitel bedauerlich wirkungslos und man fragt sich warum Wallraff nicht einfach einen Ergebnisbericht seiner Recherche zum Thema Ausläderfeindlichkeit präsentiert hat. Der Rest des Buches zeigt deutlich das er durchaus zu dieser Form der Reportage fähig ist. Und dieser Rest zeigt ein Deutschland das irgendwo zwischen Globalisierung und Frühkapitalismus hängen geblieben ist.

    - In der Rolle des Obdachlosen geht er quasi zurück zu den Anfängen. Zwischen Weihnachten und Neujahr erlebte er Deutschland aus der Welt der “ganz, ganz unten” und er fand vom Arzt bis zum Unternehmer praktisch einen Querschnitt der Gesellschaft.

    - Die Kapitel über Starbucks und der Restaurantbranche ist interessant aber irgendwie glaubt man alles schon zu kennen. Das die Gastronomen und Grosshandelsketten ihre Arbeiter ausbeuten ist nun wirklich nichts neues und ich frage mich jedes Jahr, warum so viele junge Leute sich diese Tortur antun wollen, nur um von irgendwelchen Spagettimurksern mit Michelinsternen das kochen zu lernen. Das gleiche gilt für die Recherche in den Callcentern (die jedoch wirkliche Folgen hatte). Offenbar machte es der Politik nicht aus, das jährlich zigtausende Arbeitssuchende zu Trickbetrügern ausgebildet wurden.

    - Das Kapitel um die Bäckerei Weinzheimer ist jedoch geradezu erschreckend. Das ein Lidelzulieferer der letzte Dreck sein kann, ist mir bekannt, das jedoch solche Zustände herrschen war einfach erschüttend. Eine unfähige Betriebsführung richtet aus reinem Unvermögen die Arbeiterschaft ebenso zugrunde wie die Substanz eines Traditionsbetriebes.

    - Die Akte Mehdorn wiederum war eine Vertiefung der bekannten Fakten; das es zu massivem Mobbing und Bespitzelung innerhalb der DB kam ist mittlerweile nichts neues mehr. Und wer jemals mit der Berliner S-Bahn fuhr, kann einschätzen welche Leistung der Schröderfreund Mehdorn wirklich erbracht hat. An Ende scheiterte sogar die so ersehnte Privatisierung der einstmals im Volksbesitz befindlichen Bahn.

    - Wirklich unfassbar ist jedoch das letzte Kapitel. Bitte lesen sie es selber, aber ich konnte es kaum glauben das heutzutage ein Anwalt jenseits aller moralischen Vorstellungen die Menschen geradezu kaputtmachen kann, sie regelrecht durch Psychoterror fast bis zum Selbstmord treibt. Ein Anwalt, der offenbar erkannt hat, wie schwach der Staat wirklich geworden ist. Da werden Menschen mit allen Mitteln der Legalität regelrecht kaputtgemacht, Menschenrechte mit Füssen getreten und Leben zerstört. Und alles, ohne irgendeine Konsequenz für den Unmenschen. Teilweise erinnert dieses Kapitel an die Spitzeljustiz der STASI.

    Vor 35 Jahren hat Wallraff die Bild bezichtigt, Menschenleben für eine Schlagzeile zu zerstören. Heute werden Menschenleben von einem Anwalt zerstört, ohne das auch nur die geringste Konsequenz daraus erwächst. Vor 35 Jahren hätte man diesem Anwalt sofort die Lizenz entzogen.

    Wirklich, eine schöne neue Welt. In seiner Jugend wühlte Wallraff noch im wirklichen Dreck, heute ist der Dreck unsichtbar geworden, der Geschmack jedoch blieb.

  5. Cornelia sagt:

    was geschieht,wenn Menschen in die Armut stürzen?

    Das Buch zu obigem Titel heisst

    ” Einfach abgehängt ” von Nadja Klinger/Jens König

    Dieses gut geschriebene aber nicht sensationslüsterne Buch beschreibt eigentlich ziemlich genau das, was Wallraff erlebte und schon zuvor immer

    erlebt hat.

    Der Unterschied liegt, wie mir scheint, hauptsächlich im Aufmachen dieser traurigen Wahrheit. Während die einen sich mit einem - sagen wir mal “normalen”

    Buch darüber begnügen, muss Wallraff seinem Stil getreu - alles laut und beinahe schrill verkünden und sich zu diesem Zweck verkleidet überall einschleichen. Nur dann werden endlich die Menschen aufmerksam - sie lesen seine Berichte, seine damaligen und den jetzigen in Buchform und fragen endlich mehr als betreten “warum diese Welt so ist”, warum wird nicht geholfen?

    Warum schafft das zuallererst genannte Buch diese Reaktion nicht? War das Buch zu unauffällig normal geschrieben, zu wenig Klamauk um die Armut gemacht, zu leise verfasst?

    Man möchte es fast glauben, denn immerhin erreicht Wallraff mit seinen sehr

    lauten, manchmal sogar schrillen Tönen und skurrilen Verkleidungen wesentlich

    mehr Menschen als die beiden Autoren des zuerst genannten Buches.

    Fazit: wenn man nicht jemanden findet, der laut aufheult und damit Aufmerksamkeit auf sich und sein geschriebenes Werk zieht, dann haben die

    neuen Armen wirklich keine Helfer, ja nicht einmal mitleidige Menschen um

    sich. Sie gehen normal schlicht unter, das leise Buch liest so gut wie keiner, also verspürt auch niemand das Verlangen, sich wenigstens zu wundern, geschweige zu helfen.

    Wallraff gelingt es hervorragend, auf benachteiligte Arme, arme Benachteiligte laut aufmerksam zu machen - er selbst schlägt aus seinen Büchern natürlich auch Kapital,denn sie verkaufen sich hervorragend. Viel besser als Rente ist so ein schreiender Bericht.Und man kann dagegen nicht

    einmal etwas sagen, denn nur so könnte es evtl. sein, dass Benachteiligten ab

    und an tatsächlich geholfen wird.

    Wohlgemerkt: Konjunktiv - es könnte sein,dass….

    Versprechen kann auch Wallraff nichts, nur weiss er mehr über Menschen heute.

    Und das allein birgt schon Hoffnung auf Abhilfe,vermutlich kleine, aber immerhin…Also kann ich Herrn Wallraff nur gratulieren und seine Menschenkenntnis bewundern, die seine schrillen Berichte rechtfertigen,weil hilfreich.

    lenchen

  6. Sinje sagt:

    Toll und erschreckend zu gleich. Die Realität unserer Gesellschaft.
    Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich unbeding die “Obdachlosengeschichte” lesen wollte, da ich in diesem Bereich in Berlin tätig bin. Wirklich erschreckend, wie wir Menschen mit Menschen umgehen. Von Wertschätzung oder Brüderlichkeit ist da nichts mehr zu spüren. Geht es dann alles nur noch um die Wirtschaftlichkeit? Auch die anderen Storys, welche in alter guter Wallraff-Art geschrieben sind, rütteln auf!

    Call-Center-Story, aber auch die Starbucks-Story regen sehr zum Nachdenken an. Ich überlege mir dreimal, on ich mir meinen Kaffee wirklich bei Starbucks kaufe und dieses System unterstützen möchte.

    Für alle die Günter Wallraffs Aufdeckungsgeschichten gerne lesen und an unserer Gesellschaft zweifeln. Mit diesem kompakten Buch (mehrere Storys in einem) gibt Wallraff Einblick in die erschütterliche Wirklichkeit unseres Systems.

  7. Dorothee sagt:

    Toll und erschreckend zu gleich. Die Realität unserer Gesellschaft.
    Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich unbeding die “Obdachlosengeschichte” lesen wollte, da ich in diesem Bereich in Berlin tätig bin. Wirklich erschreckend, wie wir Menschen mit Menschen umgehen. Von Wertschätzung oder Brüderlichkeit ist da nichts mehr zu spüren. Geht es dann alles nur noch um die Wirtschaftlichkeit? Auch die anderen Storys, welche in alter guter Wallraff-Art geschrieben sind, rütteln auf!

    Call-Center-Story, aber auch die Starbucks-Story regen sehr zum Nachdenken an. Ich überlege mir dreimal, on ich mir meinen Kaffee wirklich bei Starbucks kaufe und dieses System unterstützen möchte.

    Für alle die Günter Wallraffs Aufdeckungsgeschichten gerne lesen und an unserer Gesellschaft zweifeln. Mit diesem kompakten Buch (mehrere Storys in einem) gibt Wallraff Einblick in die erschütterliche Wirklichkeit unseres Systems.

  8. Nina sagt:

    Der Wecker für die Alltagsignoranz
    Zu gern sehen wir geradeaus und kümmern uns um unsere eigenen Probleme. Was kümmern uns die Obdachlosen? Sie haben ihr Schicksal selbst zu verantworten, und sie würden Spendengelder eh nur für Alkohol ausgeben. Wirklich?

    Günter Wallraff klärt schonungslos über die harten Bedingungen von u.A. Obdachlosen auf. Man erfährt, dass es jeden treffen kann - wirklich. Schicksalsreportagen, bei denen man vom Buch kurz ablassen muss, um sich mit einem merkwürdigen Blick gen Himmel zu fragen, ob das wirklich sein kann, oder weil man einfach nur gerührt ist.

    Erzählungen, die eine Wahrheit spiegelt, wie man sie nicht widerlegen könnte, denn sie basiert auf den Erfahrungswerten eines Mannes, der keine Scheu hat, sich den Gerüchten zu stellen und sie an der eigenen Haut zu erfahren.

    Das Buch bestätigt, was einem irgendwie schon klar war oder zumindest befürchtet wurde. Es ist spannend zu lesen und bietet vereinzelt Bilder, die das Vorstellungsvermögen unterstützen.

    Fazit:

    Wer sich der Probleme der Gesellschaft im Klaren glaubt, keine Erinnerungen daran benötigt und auch nicht an Erfahrungsberichten interessiert ist, der kann über dieses Werk hinweg sehen. Allen anderen sei geraten: lesen!

  9. Ulla sagt:

    Die Spitze des Eisbergs
    Günter Wallraffs “verdeckte Ermittlungen” beschreiben nur die Spitze des Eisbergs an Missständen in der deutschen Arbeitswelt und der Gesellschaft als ganzes. Durch die unterhaltsamen und teils mitreißenden Schilderungen mag man manchmal in oberflächliche Empörung geraten, doch holt Günter Wallraff einen durch seine Kommentare am Ende der jeweiligen Kapitel dort auch wieder heraus und regt somit zu eigenem Nachdenken an.

  10. Verena sagt:

    Aus der schönen neuen Welt
    Jeder erwachsene Bürger sollte dieses Buch lesen. Besonders den Schönschwätzern aus dem Bereich Politik ist dieses Buch dringend zu empfehlen! Was Herr Wallraff hier aus eigenem Erleben oder durch seine Ermittlungen berichtet ist erschütternd! Man kann es kaum glauben, was in unserem Lande noch alles geschehen kann.

  11. Pia sagt:

    Paradies ist abgebrannt
    Der Titel von Wallraffs neuestem Werk ist sicherlich angelehnt an den Roman von Aldous Huxley “Brave new world”, und ist trotzdem so aktuell wie nie zuvor. Huxley veröffentlichte ihn unter dem Eindruck der Ära der Automarke Ford (und Charlie Chaplin kritisierte in seinem Film “Modern Times” die Massenproduktion an den Ford-Fließbändern). Es war der Auftakt zur Massenproduktion, Industrialisierung, Globalisierung und Umweltverschmutzung. Der Mensch als austauschbares Objekt, dem jegliche Individualität abhanden gekommen ist.

    Ist es wirklich wieder soweit?, mag man sich bei der Lektüre fragen. Sind wir wieder im kalten Manchester-Kapitalismus des Karl Marx angekommen? Es scheint so.

    Das erste Kapitel ist dem Rassismus in Deutschland gewidmet. Für mich leider das schwächste in diesem Buch, weil es irgendwie nicht funktioniert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Wallraff als Farbiger durchgegangen ist - aber vielleicht ist gerade das das Verrückte daran. Niemand sieht genauer hin, man sieht nur die Hautfarbe, und macht die Schotten dicht.

    Als Obdachloser bei Minus 20 Grad versucht Wallraff, sich auf der Straße durchzuschlagen, oder ggf. in Obdachlosenunterkünften unterzukommen. Das ist leichter gesagt, als getan. Als Obdachloser, Wohnungsloser oder Nichtsesshafter (das Amt macht da gravierende Unterschiede!) ist es schwer, die Menschenwürde zu behalten, geschweige denn eine menschenwürdige Unterkunft gerade in diesen kalten Nächten zu ergattern. Sehr interessant fand ich die zwischengeschobenen Originalberichte von Männern, die er getroffen hat, und die uns sagen, dass es jeden treffen kann, und dass die Aussage: das hätte nicht sein müssen, zu kurz gedacht ist.

    Im Kapitel über diverse Callcenter erfahren wir nicht ganz etwas neues, aber die kriminellen Praktiken so schamlos aus erster Hand zu lesen - das hat schon was.

    Die Hundsrücker Bäckerei Weinzheimer. Auf ihrer Internetpräsentation wirbt sie nach wie vor mit 100jähiger Erfahrung und Tradition in Sachen Brotbacken. Das Problem ist nur: Weinzheimer backt gar kein Brot mehr, sondern ist alleiniger Lieferant der Aufbackbrötchen für den Discounter Lidl. Wallraff bekommt dort einen Job und lernt in dem härtesten und längsten Monat seiner jüngeren Vergangenheit was malochen bedeutet - es verfolgt ihn bis in seine Träume, in denen ihm die Brötchen vom heißen Blech um die Ohren fliegen.

    Nicht erst seit der Bekanntmachung von Lidls unsäglicher Menschenbehandlung bin ich ein Totalverweigerer. Wallraff hat mich hierin nur bestätigt. Und was Weinzheimer angeht…. urteilen Sie selbst.

    Starbucks. Das allseits beliebte und hoch frequentierte Modekaffeehaus made in USA. Die Normierung des individuellen Geschmacks, und das auch noch weltweit. Das ist nicht cool, sondern traurig.

    Starbucks fröhliche Maxime - wir sind alle so frei, so glücklich und so wunderbar - wird durch die gnadenlose Ausbeutung der Mitarbeiter contrakariert. Teilweise blieb mir echt die Spucke weg. Was treibt die Leute dazu, bei Starbucks auszuhalten? Ein Gutteil Masochismus? Ich habe nicht verstanden, wie man sich systematisch kaputtmachen lassen kann.

    Und was können wir tun, um diese Praktiken nicht zu unterstützen? Nicht hingehen, nicht kaufen!

    Die Wartenberger Mühle ist ein Nobelrestaurant des Sternekoches Andreas Scharff. Auf seiner protzigen Webseite präsentiert er die heile Gourmetwelt im Pfälzischen. Dahinter steckt auch hier die gnadenlose Ausbeutung der jungen, oft minderjährigen Auszubildenden, die täglich bis zu 12stündige Schichten fahren, damit auch dem größten Feinschmecker nicht der geangelte Wolfsbarsch und die Sauce Farigoule im Halse stecken bleiben. Falls es diesen überhaupt interessiert, was so hinter den Kulissen passiert. Aber Wallraff deutete an, dass bewusst denkende Kunden die Wartenberger Mühle auffällig meiden. Gut so!

    Auch hier konnte ich nicht nachvollziehen, dass sich der Ruf von Scharff als Leuteschinder noch nicht so weit rumgesprochen hat, so dass sich immer wieder Lehrlinge von den Sternen im Michelin und Punkten im Gault Millau blenden lassen und ihm als billige Arbeitskräfte auf den Leim gehen.

    Hartmut Mehdorn. Ex-Bahnchef, belohnt mit einer schwindelerregenden Abfindung für geleistete “Dienste”. Viel ist geschrieben worden in den letzten Monaten, da das S-Bahnchaos Berlin ganz fest im Griff hatte (und bis heute noch nicht hundertprozentig beseitigt ist). Viel ist geschrieben worden über die Gründe, über die Ausblutung der S-Bahn zugunsten der Privatisierung der Bahn. Vieles war aber auch neu detailliert für mich: Mehdorns Tyrannenherrschaft, seine Beziehungen bis in höchste Kreise. Die Schleimerei von Mitarbeitern, die Katzbuckelei von Politikern. Dieser Mann ist ein Fall für den Staatsanwalt. Er hat mit dem Leben von zig-Tausenden gespielt.

    Helmut Naujoks, unlängst erst zu erleben im Talk bei Maybrit Illner - im direkten Zweikampf mit Günter Wallraff. Diesem Monsteranwalt auch noch Sendezeit und Redefreiheit zu gewähren mag interessant für den Zuschauer sein - für die Betroffenen, die Naujoks auf dem Gewissen hat (und das meine ich buchstäblich), wird es eine Qual gewesen sein. Es ist unglaublich, was diesem Menschen (und er wird nicht der einzige sein mit dieser “Berufsauffassung”) erlaubt ist, zu tun, alles unter dem Deckmantel von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat. Er hat den Persilschein zur Anwendung von Stasimethoden, von Mobbing bis zum Suizidversuch. Seine Prahlerei mit seiner “Abschussliste”, mit Menschen, die er fertiggemacht hat, nur weil sie Gewerkschafter und/oder im Betriebsrat tätig sind, deren Leben er zerstört hat - all das macht ihn zum modernen Advocatus Diaboli.

    Günter Wallraffs Buch lässt mich noch mehr am Rechtsstaat zweifeln. Ich frage mich: wie sind wir dorthin geraten? Die schöne neue Welt ist abgebrannt. Menschliche Kälte regiert. Wir sind ertrunken in Korruption, Feigheit, Duckmäusertum und Geldgeilheit.

  12. Pandora sagt:

    Günter Walraff: Aus der schonen neuen Welt
    Erstaunlich was der große alte Mann der aufdeckenden Journalismus sich immer noch zumutet, um uns mit Ausbeutung und Unterdrückung zu konfrontieren- sehr informativ

  13. Hartmut sagt:

    Ein muss für Wallraff Fans!!Traurig aber wahr,Vielleicht nur einige Ausnahmen in diesem Industrieland “Deutschland”?
    Empfehlenswert!!

    Ich weiss nicht,wie sich solche Zustände in einer Industrienation abermals etablieren konnten.

    Und wiedermal auf den Schultern der noch ärmeren.

    Danke! Herr Wallraff,das sie einigen anderen wie auch mir die Augen öffneten.

    Seien sie doch so nett und schicken Frau Merkel ein Exemplar,handsigniert,in einen “tief braunen” Umschlag mit einem tiefen Gruß von ganz unten”aus der schönen neuen welt”

    Machen sie weiterso.

    ps:Ich finde,das dieses Buch nicht nur zur Unterhaltung dienen sollte.

    einem die Augen öffnen,zum nachdenken zwingen,wäre vielleicht angemessener.

  14. Raymund sagt:

    Wallraff ist Kult!
    Wallraff ist Kult!

    Seidem er die BILD “nackig” machte… ist er eine Legende!

    Wenn ihr es noch auftreiben könnt, empfehle ich auch unbedingt folgendes Buch:

    Der Mord an Michael Jackson von Ares Einstein!

    Pflichtkauf!

  15. Annabella sagt:

    Wallraff war schon mal besser!
    http://spiritofentebbe.wordpress.com/2009/11/03/unter-Juden/

    DAS! ist wirklich investigativ! Ich weiß gar nicht, warum daraus noch kein Buch geworden ist. Aber Qualitätsjournalismus braucht nun mal eben seine Zeit!

    Danke Günter! Danke!

  16. Dagmar sagt:

    Immer wieder den Finger in die Wunden legen…
    Das ist das Erfolgsrezept von Günter Wallraff !

    Dieser Mann schont sich wahrlich nicht !

    In jeder Rolle :

    Ob als Schwarzer , als Obdachloser , als Billiglöhner oder als Callcenter Agent :

    Wallraff geht dahin , wo es richtig weh tut!

    Er ist sich nicht zu schade ,

    selbst bei arktischen Temperaturen gemeinsam mit Obdachlosen

    draussen zu schlafen , als Schwarzer in einen Zug voller ,

    offensichtlich gewaltbereiter Fußballfans zu steigen ,

    als Billiglöhner ( mit inzwischen 67 Jahren ! ) für Lidl unter

    unsagbar schlechten Bedingungen Billigbrötchen zu produzieren oder

    als Callcenter Agent unter Drücker-Kolonnen-Zuständen zu arbeiten.

    Der Mann weiß also genau , wovon er spricht !

    Ein Buch , daß unserer (ach so gerechten! laut Politikerverständnis!)

    Gesellschaft deutlichst den Spiegel vorhält!

    Ich ärgere mich jedesmal aufs Neue , wenn in diversen Talkshows

    ( meist von Politikern oder sonstigen Lobbyisten ) erklärt wird ,

    das sind ja Ausnahmen - das spiegelt gar nicht die Realität wieder usw. usw.usw.

    Aber trotz allem :

    Seine Sozialrepotagen bewegen und verändern auch !

    Und alleine deshalb sind sie so wichtig und unverzichtbar!

  17. Rodolf sagt:

    Wallraff war schon mal besser!
    http://spiritofentebbe.wordpress.com/2009/11/03/unter-Juden/

    DAS! ist wirklich investigativ! Ich weiß gar nicht, warum daraus noch kein Buch geworden ist. Aber Qualitätsjournalismus braucht nun mal eben seine Zeit!

    Danke Günter! Danke!

  18. dieter sagt:

    Immer wieder den Finger in die Wunden legen…
    Das ist das Erfolgsrezept von Günter Wallraff !

    Dieser Mann schont sich wahrlich nicht !

    In jeder Rolle :

    Ob als Schwarzer , als Obdachloser , als Billiglöhner oder als Callcenter Agent :

    Wallraff geht dahin , wo es richtig weh tut!

    Er ist sich nicht zu schade ,

    selbst bei arktischen Temperaturen gemeinsam mit Obdachlosen

    draussen zu schlafen , als Schwarzer in einen Zug voller ,

    offensichtlich gewaltbereiter Fußballfans zu steigen ,

    als Billiglöhner ( mit inzwischen 67 Jahren ! ) für Lidl unter

    unsagbar schlechten Bedingungen Billigbrötchen zu produzieren oder

    als Callcenter Agent unter Drücker-Kolonnen-Zuständen zu arbeiten.

    Der Mann weiß also genau , wovon er spricht !

    Ein Buch , daß unserer (ach so gerechten! laut Politikerverständnis!)

    Gesellschaft deutlichst den Spiegel vorhält!

    Ich ärgere mich jedesmal aufs Neue , wenn in diversen Talkshows

    ( meist von Politikern oder sonstigen Lobbyisten ) erklärt wird ,

    das sind ja Ausnahmen - das spiegelt gar nicht die Realität wieder usw. usw.usw.

    Aber trotz allem :

    Seine Sozialrepotagen bewegen und verändern auch !

    Und alleine deshalb sind sie so wichtig und unverzichtbar!

  19. Vera sagt:

    Sinnlos
    Ich sehe keinen Sinn darin, sich als Schwarzer oder Obdachloser zu verkleiden, um zu erfahren, wie ungerecht sie in unserer Gesellschaft behandelt werden.

    Ich habe zwar noch keine Bücher von “echten” Obdachlosen gelesen, doch es gibt eine ganze Reihe davon. Zudem werden regelmäßig Reportagen zu dem Thema im Fernsehen gezeigt und nicht zuletzt sieht man sie täglich auf der Straße. Wenn man Augen und Ohren aufhält, bekommt man auch so mit, dass ihr Leben kein Honigschlecken ist. Und wer ist nicht schon mal selbst an Bettlern oder auch nicht bettelnden Obdachlosen am Straßenrand vorbeigegangen - jeglichen (Blick-)Kontakt vermeidend?

    Sich anzumalen als Schwarzer halte ich für noch sinnloser und außerdem für rassistisch. Wenn man auch nur ein bißchen Interesse für das Thema zeigt, wird man unzählige Bücher geschrieben von Schwarzen vorfinden, die den Rassismus täglich über sich ergehen lassen müssen (Allerdings keins von solchen, die sich weiß anmalen, um darüber zu berichten, wie gut es sich als Weißer lebt.) Oder man “traut sich” und spricht mal zur Abwechslung persönlich mit einem Schwarzen…

    …oder mit einem Obdachlosen.

    So ein persönliches Gespräch kann manchmal Wunder bewirken.

  20. Marcus sagt:

    aufrüttelnd…
    Wie es Wallraff auch schon in seinen vorherigen Büchern und Undercover-Reportagen darstellt, ist dieses Buch erneut ein aufrüttelnder Tatsachenbericht, der gelsesen werden sollte. Es werden darin im Selbstversuch Seiten unserer Gesellschaft aufgezeigt, die vielen verborgen bleiben. An dieser Stelle möchte ich kurz seine Erlebnisse als Obdachloser erwähnen, die sein Leben ernsthaft gefärdeten, und er trotzdem dieses Experiment wagte, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Das Buch liest sich trotz der beklemmenden Themen leicht und doch fesselnd und ist daher auch für Leser anderer Genres gut geeignet.

    Ein tolles Buch das gelesen werden sollte, ich kann es nur empfehlen.

  21. Coleta sagt:

    Robin Hood Revival
    Die Vorgehensweise des Autoren ist hinlänglich bekannt. Verkleidet schlüpft er in immer wieder neue Rollen, um die soziale Kälte im Alltag - besonders in Beschäftigungsverhältnissen - vieler Menschen in Deutschland auzudecken, die sonst aus verschiedenen Gründen ungehört bleiben würden. Sicher bringen die Reportagen Wallraffs immer wieder ähnlich geartete Missstände in unserer Gesellschaft hervor und Kritiker haben bemerkt, auch dieses Buch bringe nichts Neues. Aber genau das macht ua. die Bedeutung seiner Arbeit aus. Immer wieder ins Gedächtnis zu Rufen, wie moralisch marode unsere Gesellschaft ist und wie unmenschlich in ihr mit vielen Menschen im Alltag umgegangen wird.

    Beeindruckend schildert er hier seine Erfahrungen als Obdachloser im Winter auf den Straßen deutscher Großstädte, schon nach wenigen Zeilen wird deutlich, dass für die Menschen auf der Straße die winterliche Kälte fast noch das kleinere Übel ist - geringer als die soziale Kälte vieler sozialer Einrichtungen. Unweigerlich werden wir vor die Frage gestellt, ob es genügt, das eigene Gewissen mit dem lapidaren Satz zu beruhigen, “wir leben in einem Sozialstaat, jedem wird geholfen, niemand muss auf der Straße leben.” Wer so spricht, wird dank Wallraff eines Besseren belehrt. Viele Notunterkünfte befinden sich in desolatem Zustand, ebenso wie auch die “Konzepte”, die hinter solchen Einrichtungen stehen.

    Dass Arbeitsverhältnisse bei einigen Call-Centern aufgrund von Arbeitszeiten und Bezahlung durchaus prekär sind, ist längst kein Geheimnis mehr und auch jeder wird schonmal durch Anrufe mit diversen Gewinnversprechungen belästigt worden sein. Als Job-Suchender gelingt es Wallraff bei mehreren solcher Call-Centern anzuheuern. Schon nach wenigen Stunden erhält er einen Einblick in die ganze Systematik des Gewinnstrebens dieser Unternehmungen. Das einzige, wozu die Mitarbeiter systematisch getrimmt werden, ist die Ausnahme ihrer ahnungslosen und oftmals unfreiwilligen “Kunden” durch fragwürdige “Überredungskunst”, die mit Rhetorik als Kunst des Überzeugens und Argumentierens rein gar nichts gemein hat. Was bleibt ist die Frage, ob solche fragwürdigen Geschäftspraktiken oder die moralische Unterhöhlung der Mitarbeiter schwerer wiegt.

    Ähnlich Bestürtzendes kann der Autor auch aus anderen Betrieben berichten, etwa aus einer Großbäckerei, die für Lidl ihre Brötchen backt, oder aus einem Nobelrestaurant. Insgesamt neun Reportagen fasst der Autor in diesem Werk zusammen, jede für sich ist lesenswert und gibt zu denken, va. was den Umgang mit unseren Mit-Menschen im Alltag, ob im Beruf oder auf der Straße, anbelangt.

  22. Edwin sagt:

    Hammerhart
    Das Buch beinhaltet sicher keine Geheimnisse und keiner sollte so tun, als ob er davon nichts gewusst oder zumindest geahnt hätte. Wallraff hat den Mut und nennt die Dinge, die in unserer Republik im Argen liegen und wo die meisten lieber wegschauen, knallhart beim Namen. Mehr noch: Er macht taucht hinein in diese Welten und ist daher mehr als glaubwürdig. Eine tiefgehende Abrechnung mit unserer Konsumgesellschaft, die nachdenklich macht und Veränderungswünsche hervorruft.

  23. Franziska sagt:

    Die verdrängte Realität.
    Ein sehr gelungenes Werk, das Günter Wallraff hier abgeliefert hat. Nicht nur die Kapitel, in denen er inkognito von “ganz unten” berichtet sind interessant und erschreckend zugleich, sondern auch der Rest des Buches schildert schier unglaubliche Missstände, die man in unseren modernen Gesellschaft nicht für möglich hält.

    So können einen z.B. die regelmäßigen Nachrichtenmeldungen über Zwischenfälle bei der Deutschen Bahn aufgrund mangelnder Wartung nicht mehr verwundern.

    Auch wen die ein odere andere Reaktion (z.B. als er sich als Schwarzer oder Arbeiter in der Brötchenfabrik ausgibt) von Wallraff provoziert wird, so ist es dennoch kaum zu fassen, wie in unserer angeblich so toleranten Gesellschaft miteinander umgegangen wird.

    Alles in allem kann ich dieses Buch nur jedem wärmstens empfehlen!

  24. Aischa sagt:

    Ambivalent… aber notwendig
    Bevor Sie Ihre nächsten Lidl-Brötchen aufbacken oder Ihren nächsten Starbucks-Kaffee genießen, lesen Sie das Buch! Unglaublich, dass das in Mitteleuropa im 3. Jahrtausend stattfindet und wir “Gutmenschen” dies ungewollt mitfanzieren - fast egal wo wir einkaufen.

    Herr Wallraff (über-)zeichnet das deutsche Mensch/Menschlichkeitsbild… muss er aber, weil er sonst “niemanden hinter dem Ofen hervorholt”. Man merkt deutlich den Unterschied zwischen den selbst erlebten Reportagen (gehen verdammt unter die Haut!) und den nacherzählten. Manchmal geht die seriöse Berichterstattung durch seinen Zynismus verloren. Das wäre gar nicht notwendig, denn die Fakten allein machen schon betroffen genug.

    Leider schlafen die Skandale nach ein paar Wochen/Monaten wieder ein… Bleiben wir dennoch kritisch!

  25. Andrea sagt:

    Wallraffs Welt
    Wallraffs Intension, Ethik erfahren in der gelebten Praxis, geht auf, und noch mehr hebt er sich doch von Literaten ab, die nur aus Medien vorverdaut gefüttert werden und deren eigentliche Arbeit in der Recherche besteht, also Ungelebtes in Papier texten in gutgeheiztem Ambiente.

    Fern von Revoluzzersnobismus praxisferner Polemiker, steht er seinen Mann, was sehr viel Authentisches hat.

  26. Orsola sagt:

    Arbeitsweltreport gut gelungen
    Ich finde Wallraff klasse, weil er auch in Bereiche geht die von Medien und Politik gern “schöngeredet” werden.

    Die Berichte über Obdachlose und den Schwarzen in Deutschland sehe ich allerdings Kritisch. Wenn man Wallraff ließt meint man, dass jeder Obdachlose ein hochqualifizierter Mensch ist der durch Ungerechtigkeit in diese Lage gekommen ist. Bei dem Schwarzen - nun ja, es ist ein Bild im Buch und wenn man dann so in einer etwas nobleren Gegend einen Schrebergarten beziehen will dann ist Widerstand ganz normal. Wenn ein Weißer in einem heruntergekommenen Outfit dort aufgetaucht wäre, hätte man ihn sicher auch abwimmeln wollen und wenn ich zum Fußball fahre wenn Dynamo Dresden gegen seinen Erzrivalen spielt darf ich nicht daraus schließen, dass die halbe Nation so eingestellt ist wie die Leute da.

    Die Berichte über Lidls Brötchenfabrik, Starbuks und Naujoks fand ich hingegen toll.

    Mein Fazit daher: Das Buch ist absolut lesenswert, allerdings darf man sich bei seiner persönlichen Meinung nicht einzig und allein auf eine Meinung(hier Wallraff)verlassen - einfach mehrere Bücher lesen und vielleicht mal die ein oder andere politische Diskussion verfolgen. Dass etwas im Staate nicht richtig läuft das weiss wohl mittlerweile jeder;-).

  27. Carolina sagt:

    Bitte mehr eigene Recherchen
    Ich habe schon viele Bücher von ihm gelesen. Deshalb ist meine Kritik vielleicht verständlich. Wallraff deckt wiederum viele Missstände auf, auch im 21. Jahrhundert. Was ich schade fand war, dass er nicht überall verdeckt aufgetreten ist, sondern oft von Informanten berichten lässt. Das ändert zwar nichts an der Tatsache, dass diese Ausbeutungen oder Mobbingversuche klar zu verurteilen sind. Aber es ist eben nicht mehr der “alte” Günter Wallraff. Gewisse Kapitel sind mir ausserdem zu lang geraten (Callcenter, Starbucks, DB). Weniger ist eben schon manchmal mehr…

  28. Romeo sagt:

    Bitte mehr eigene Recherchen
    Ich habe schon viele Bücher von ihm gelesen. Deshalb ist meine Kritik vielleicht verständlich. Wallraff deckt wiederum viele Missstände auf, auch im 21. Jahrhundert. Was ich schade fand war, dass er nicht überall verdeckt aufgetreten ist, sondern oft von Informanten berichten lässt. Das ändert zwar nichts an der Tatsache, dass diese Ausbeutungen oder Mobbingversuche klar zu verurteilen sind. Aber es ist eben nicht mehr der “alte” Günter Wallraff. Gewisse Kapitel sind mir ausserdem zu lang geraten (Callcenter, Starbucks, DB). Weniger ist eben schon manchmal mehr…

  29. Fatima sagt:

    Aus der schönen neuen Welt
    Ein Buch das aufrüttelt.
    G.Wallraff geht als “Schwarzer” durch Deutschland und erfährt von allen Seiten Rassenhass.
    Als Obdachloser muss Wallraff die menschenunwürdigen Unterkünfte und Behandlungen ertragen.
    Er recherchiert den Alltag in Callcentern, arbeitet zu einem extremen Niedriglohn in einer Brotbackfabrik u.s.w.
    Die Berichte sind erschreckend - aber gerade deshalb sollte man sie lesen.
    Vielleicht kann man dann etwas daran ändern!?????

  30. Clothilde sagt:

    Anwälte des Schreckens
    Das Kapitel interessierte mich am meisten, denn ich erlebe gerade eine solche Situation

    Ich würde das nicht glauben was ich da lese, wenn ich es nicht am eigenen Leib erleben würde.

    Dieser Artikel führt hoffentlich dazu, das vielleicht mal die Anwaltskammer und/oder der Staatsanwalt tätig werden. Herr Wallraff hat ja genügend Material zusammengetragen und noch offene Fälle aufgezeigt.

    Gutes Buch

  31. Annika sagt:

    Anwälte des Schreckens
    Das Kapitel interessierte mich am meisten, denn ich erlebe gerade eine solche Situation

    Ich würde das nicht glauben was ich da lese, wenn ich es nicht am eigenen Leib erleben würde.

    Dieser Artikel führt hoffentlich dazu, das vielleicht mal die Anwaltskammer und/oder der Staatsanwalt tätig werden. Herr Wallraff hat ja genügend Material zusammengetragen und noch offene Fälle aufgezeigt.

    Gutes Buch

  32. Beline sagt:

    Erschreckend was heute in Deutschland noch abgeht !
    Hut ab vor Günter Wallraff. Er hält mit diesem Buch mal wieder der Gesellschaft, den Spiegel vor das verlogene Gesicht!

  33. Amadeo sagt:

    Kritik ist immer gut
    Das neueste Buch von Günther Wallraff ist ein MUSS für Jeden, der sich schon mit den früheren Werken beschäftigt hat. Zwar wiederholt sich die Art und Weise des Vorgehens seit Jahren, aber die Vorzeichen sind anders geworden.
    “Schöne,neue Welt” beschäftigt sich mit Arbeiten in Callcentern und Discountzulieferbetrieben genauso wie mit den Machenschaffen der Deutschen Bahn heutzutage und den althergebrachten Obdachlosenleidgenossengeschichten.
    Für mich persönlich besonders interessant: das Kapitel “GW als Schwarzer (schwierig!) in Deutschland unterwegs”. Leider ein sehr glaubhafter Bericht…
    Unterm Strich - erschreckend, aufrührend, zum Nachdenken angregend. Ein echter Wallraff halt! Journalismus ,der vom Aussterben bedroht ist und seinesgleichen sucht.
    Als Geschenk bestens geeignet - in mindestens einer der Thematiken findet man sich wieder

  34. Dick sagt:

    Wallraffs Welt
    Wallraff ist meiner Meinung nach ein begabter “Enthüllungsjournalist”.

    Sein Buch “Aus der schönen neuen Welt” gibt mir allerdings einige Dinge zum Nachdenken.

    Schwarz und weiß:

    Diese Ausgrenzung ist nicht ein speziell “schwarzes” Problem. Als ich als 75jährige Seniorin meinen Wohnsitz vom Norden in ein “Wanderländle” verlegt habe, wollte ich mich einer Wandergruppe anschließen. Mir ist genau dasselbe passiert: Kein Kontakt, wenig Gespräche, und die Leute flatterten dann weg und ließen mich stehen. Auch seine Erfahrungen in Köln sind nicht wg. “schwarz”. Da kennen sich alle irgendwie. Und als Fremder hatg man da keinen Zugang.Die Leute wollen halt unter sich bleiben.

    Da ist Wallraff zu einseitig auf “schwarz” fixiert.

    Unter Null:

    ist sicher tragisch. Mein Einwand: mit seiner Bekleidung befriedigt Wallraff ein Cliche. Ein Obdachloser hat zerlumpt, abgerissen und mit einer altmodischen Brille aufzutreten.

    Man sollte mal fragen, warum so viele Obdachlose in solchen Bekleidungen (”Verkleidungen”) herumlaufen. Ich habe viele hochwertige Bekleidungsstücke, moderne Anoraks, hochwertige Pullover usw. an die Kleiderkammern gegeben nach dem Tode meines Mannes. Die quellen über davon. Ein junger Mensch braucht nicht in dünnen Kleidern da rumzulaufen. Er hätte in einer Kleiderkammer warme hochwertige Bekleidung bekommen.

    Manchmal denke ich auch, was hätten die Leute mal selber machen können, um ihr Schicksal zu ändern. Da ist der “hagere 40jährige”, der 13 (!) Jahre in der Bayerischen Gastronomie gearbeitet hat, Keine Rente? Kein Hartz IV,kein Kindergeld? Keine vom Amt bezahlte Wohnung??

    Der Mann hat wegen Schulden vier Monate im Gefängnis gesessen. Wie kam es dazu? Er hat sicher sehr wenig Geld verdient, dann muss man das einteilen. Seine Frau “musste” arbeiten. Na, warum denn nicht? Sie hat das nicht “verkraftet” und musste ihr 3-Monate altes Kind zur Adoption weggeben.

    Das kann so nicht stimmen. Da ist irgendwie von diesen Leuten eine falsche Lebensplanung gemacht,die im privaten Bereich liegt. Wallraff stellt das als unabwendbares Schicksal hin, gibt keine background-Information. Das empfinde ich als unredlich.

    Bei Anruf Abzocke: war für mich sehr informativ. Wie ist es denn aber nur möglich, dass mündige Bürger/Innen, die breitest nicht nur von Wallraff, sondern auch von Verbraucherzentralen und Medien über den Missbrauch informiert werden, sich immer wieder auf solche Dinge einlassen? Kaffeefahrten eingeschlossen!

    Kleine Brötchen: sehr informativ. Aber da gibt es durchaus Menschen, die auf diese “Billigbrötchen” einfach zurückgreifen müssen bei wenig Geld. Das blieb außen vor bei Wallraff.

    Unfeine Küche:

    Edelgastronomie ist ein Problem. Aber viele Gastronomen händeln das fairer als Scharff. Interessant, dass er nach meinen Recherchen lediglich Euro 5000 bezahlen musste wg. dieses Azubis,

    Die hiesige Staatsanwaltschaft hat keine weiteren Schritte unternommen. Da hat Wallraff ein heißes Eisen angefasst. Ich werde meinen 80. Geburtstag jedenfalls nicht dort ausrichten!! Und wenn andere das auch nicht machen, hat der Artikel von Wallraff geholfen!

    Mit den letzten 3 Kapiteln gehe ich konform.

    So ist dieses Buch für viele ein Hinweis, wo man vorsichtig sein sollte, wo man hingehen, kaufen oder nicht hingehen und nicht kaufen sollte.

    Wallraff gehört längst mit seiner “Antihaltung” zum Establishment. Er kann auch nicht mehr persönlich kontaktiert werden.

    Da würde ich ihm den Rat geben. nicht zu emotional zu sein und tiefer nachzufragen bei manchen Schicksalen (Unter Null) und kritischer zu sein mit Ausgrenzungen (auch Alte sind die “Schwarzen” der Gesellschaft).

    Kann sich Wallraff nicht mal der Problematik der privaten Sender annehmen, die mit dümmlichen Zweifragen hohes Geld versprechen: “Wenn Sie etwas Glück haben, können Sie Euro 75.000 Euro gewinnen!” Wo bleibt denn das Geld von den unzähligen vergeblichen Anrufen? Was heißt es denn: “Sie müssen da eine Telefonline treffen?”

    Ein Buch: recht lesenswert aber zu smart inzwischen. Am Anfang war Wallraff authentischer!

  35. Horst sagt:

    Kaum zu glauben…
    was uns Günter Wallraff da aus dem Herzen Europas, das eigentlich Impulsgeber für weltweite humane Entwicklung sein sollte, berichtet.

    Was da im Neonlicht der Fabriken und Büros an Raffgier, Zynismus und Mobbing um sich greift, würde man erwachsenen Menschen an sich gar nicht zutrauen.

    Die Reportagen über Supermarktzulieferer, Callcenter-Praxis und stumpfer Kommerz-Hörigkeit gipfeln schließlich in einem Bericht über die Machenschaften des skrupellosen Arbeitgeber-Anwalts “Nau-Joker”, der ähnlich wie der “Batman-Joker” im jüngsten Kino-Film eine Spur menschlicher Verwüstung hinterlässt, ohne dass ihn ein Gericht oder die Anwaltskammer zur Rechenschaft zieht.

    Wie auch immer, das Wahrnehmen solcher Dinge sollte nicht zu einer Resignation führen, sondern kann vielmehr ein Ansporn zu umso deutlicherer Positionierung als Mensch sein. Wallraff leistet seinen Beitrag, indem er sich als betagter Mann (er war bereits im Rollstuhl) nochmals ins Rennen wirft, schinden lässt und bei -15°C sogar den Erfrierungstod riskiert.

    Wir können nun nicht alle Enthüllungsjournalisten sein, aber dennoch kann jeder ebenfalls seinen Beitrag leisten, damit diese Welt für unsere Mitmenschen ein kleines bisschen lebenswerter wird: durch ein gutes Wort, einen freundlichen Blick, durch Rückgrat behalten inmitten all dieser sozialen Kälte. Das wiegt in heutiger Zeit vielleicht mehr als jemals zuvor.

    Dann war Wallraffs Arbeit nicht umsonst.

  36. Heiko sagt:

    Erschreckend
    Erschreckend, einfach erschreckend was sich so alles in unserer schönen neuen Welt tut und vor allen Dingen, von wem es gedeckt wird. Und gegen wen entgegen besseren Wissens nicht vorgegangen wird. Ich war erschüttert und entsetzt. Absolut empfehlenswertes Buch.

  37. Brian sagt:

    Mittelalter und Frühkapitalismus im 21. Jh. - hautnah erlebt
    Ende März 2010 stellte Günter Wallraff sein neues Buch in unserer Stadt vor. Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung ergab sich für interessierte Zuhörer die Gelegenheit persönlich mit dem Autor ins Gespräch zu kommen.

    Meine etwas provokante Frage: Können Sie sich vorstellen, dass ein Arbeitgeber einen Bewerber im Vorstellungsgespräch einen Bewerber ablehnt, weil er so ähnlich aussieht wie Wallraff und den Bewerber so um eine Job bringt?”

    Günter W. schmunzelte: “Sie werden lachen - das ist schon passiert, öfter. Ich brauche mir das deshalb nicht vorzustellen.” Was er nicht dazu sagte, aber vielleicht dachte (mir ist das beim Lesen des Buches schnell deutlich geworden) - der Bewerber sollte dankbar sein, dass er nicht eingestellt wurde, aber er ahnt es nicht.

    Ich habe nicht vermutet, dass in Deutschland das Mittelalter noch so präsent ist.

    Einige Beispiele der Beispiele, die der Autor im aktuellen Buch darstellt:

    - Als Betrüger in Callcentern wider besseren Gewissens Privat- und Geschäftsleuten unsinnige Dinge aufschwatzen: etwa Texte, die man kostenlos im Internet finden kann; Lotterielose zu vielfach überhöhten Preisen unter Verschweigung der Tatsache, dass man den ohnehin sehr unwahrscheinlichen Gewinn mit Tausenden Kunden teilen muss, natürlich unter Verstoß gegen das UWG…

    Besonders perfider Aspekt: Wer aussteigt, weil sein Gewissen dagegen spricht, wird mit Sperre von ALG oder HartzIV bestraft, weil er die Kündigung selbst verschuldet hat!

    - Eingeschlossen werden als Obdachloser” in einer extrem kalten Winternacht in einem Bunker aus dem letzten Krieg in Hannover mit einem Mike-Tyson-Typen” (bullig, dümmlich und extrem aggresiv), der sich im Drogenrausch in seinen Gewaltphantasien immer mehr auf den Autor fixiert - aber der hat keine Chance zu entkommen.

    - Gnadenlose Ausbeutung hinter den noblen Kulissen eines Luxusrestaurants, auch gegenüber Lehrlingen

    - Völlig unzumutbare Arbeitsbedingungen unter massivem Verstoß gegen Arbeitsschutzbestimmungen bei einem Zulieferbetrieb einer bekannten Supermarktkette, die bereits 2008 durch massiven Verstoß gegen den Datenschutz und durch Bespitzelung von Mitarbeitern aufgefallen ist

    - Als Schwarzer in Deutschland - kein Antidiskrimierungsgesetz schützt davor, ständig diskriminiert zu werden: stets, immer wieder, bei jeder Gelegenheit - auch 2009. Natürlich provoziert Wallraff auch ein wenig, aber warum auch nicht. So etwa, als er im erzkonservativen Rosenheim auf einem Amt auftritt und fragt, wie man zu schnell zu einer Jagderlaubnis kommt oder in einem Fanzug eines Brandenburger Zweitligavereins, dessen Anhänger oft rechtstendenziell eingestellt sind.

    Aber auch im angeblich weltoffenen Köln mit 2000jähriger Einwanderungspraxis waren die Erlebnisse nicht besser: Wallraff versucht als Schwarzer eine Wohnung zu mieten. Die Vermieterin steht vor dem Nervenzusammenbruch und kann sich nicht beruhigen. Noch viel später bringt sie es einem anderen potenziellen Mieter (der ein MA aus Wallraffs Team ist) ganz prägnant auf den Punkt:

    “GANZ SCHWARZ - GANZ SCHLIMM!”

  38. Arcadius sagt:

    Mittelalter und Frühkapitalismus im 21. Jh. - hautnah erlebt
    Ende März 2010 stellte Günter Wallraff sein neues Buch in unserer Stadt vor. Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung ergab sich für interessierte Zuhörer die Gelegenheit persönlich mit dem Autor ins Gespräch zu kommen.

    Meine etwas provokante Frage: Können Sie sich vorstellen, dass ein Arbeitgeber einen Bewerber im Vorstellungsgespräch einen Bewerber ablehnt, weil er so ähnlich aussieht wie Wallraff und den Bewerber so um eine Job bringt?”

    Günter W. schmunzelte: “Sie werden lachen - das ist schon passiert, öfter. Ich brauche mir das deshalb nicht vorzustellen.” Was er nicht dazu sagte, aber vielleicht dachte (mir ist das beim Lesen des Buches schnell deutlich geworden) - der Bewerber sollte dankbar sein, dass er nicht eingestellt wurde, aber er ahnt es nicht.

    Ich habe nicht vermutet, dass in Deutschland das Mittelalter noch so präsent ist.

    Einige Beispiele der Beispiele, die der Autor im aktuellen Buch darstellt:

    - Als Betrüger in Callcentern wider besseren Gewissens Privat- und Geschäftsleuten unsinnige Dinge aufschwatzen: etwa Texte, die man kostenlos im Internet finden kann; Lotterielose zu vielfach überhöhten Preisen unter Verschweigung der Tatsache, dass man den ohnehin sehr unwahrscheinlichen Gewinn mit Tausenden Kunden teilen muss, natürlich unter Verstoß gegen das UWG…

    Besonders perfider Aspekt: Wer aussteigt, weil sein Gewissen dagegen spricht, wird mit Sperre von ALG oder HartzIV bestraft, weil er die Kündigung selbst verschuldet hat!

    - Eingeschlossen werden als Obdachloser” in einer extrem kalten Winternacht in einem Bunker aus dem letzten Krieg in Hannover mit einem Mike-Tyson-Typen” (bullig, dümmlich und extrem aggresiv), der sich im Drogenrausch in seinen Gewaltphantasien immer mehr auf den Autor fixiert - aber der hat keine Chance zu entkommen.

    - Gnadenlose Ausbeutung hinter den noblen Kulissen eines Luxusrestaurants, auch gegenüber Lehrlingen

    - Völlig unzumutbare Arbeitsbedingungen unter massivem Verstoß gegen Arbeitsschutzbestimmungen bei einem Zulieferbetrieb einer bekannten Supermarktkette, die bereits 2008 durch massiven Verstoß gegen den Datenschutz und durch Bespitzelung von Mitarbeitern aufgefallen ist

    - Als Schwarzer in Deutschland - kein Antidiskrimierungsgesetz schützt davor, ständig diskriminiert zu werden: stets, immer wieder, bei jeder Gelegenheit - auch 2009. Natürlich provoziert Wallraff auch ein wenig, aber warum auch nicht. So etwa, als er im erzkonservativen Rosenheim auf einem Amt auftritt und fragt, wie man zu schnell zu einer Jagderlaubnis kommt oder in einem Fanzug eines Brandenburger Zweitligavereins, dessen Anhänger oft rechtstendenziell eingestellt sind.

    Aber auch im angeblich weltoffenen Köln mit 2000jähriger Einwanderungspraxis waren die Erlebnisse nicht besser: Wallraff versucht als Schwarzer eine Wohnung zu mieten. Die Vermieterin steht vor dem Nervenzusammenbruch und kann sich nicht beruhigen. Noch viel später bringt sie es einem anderen potenziellen Mieter (der ein MA aus Wallraffs Team ist) ganz prägnant auf den Punkt:

    “GANZ SCHWARZ - GANZ SCHLIMM!”

  39. Olaf sagt:

    Eine investigative Meisterleistung- Leider gibt es nicht so viele davon
    Als Jugendlicher habe ich “Ganz Unten” gelesen und war schon damals von Wallraffs Fähigkeit sich in eine fremde Rolle zu begeben Missstände zu durchleben und sie dann öffentlich aufzudecken fasziniert. Auch in seinem neuen Buch leistest Günter Wallraff ganze Arbeit auf diesem Terrain und ich war gespannt es zu lesen und wurde nicht enttäuscht.

    Die Kapitel sind alle für sich genommen aufschlussreich und decken zusammengenommen viele Missstände auf und zeigen das heutzutage es in der Öffentlichkeit größtenteils keinerlei Nischen mehr gibt in denen man in Ruhe und Frieden leben kann, geschweige denn arbeiten und angemessen bezahlt wird.

    Auch in weiteren Berichten zeigt Wallraff wie es hierzulande den Bach runter geht wie kriminelle Arbeitgeberanwälte und

    das Unternehmen Starbucks Coffee die Arbeitnehmer und engagierte Gewerkschafter knien lassen.

    Ich wünsche mir für die Zukunft mehrere solcher Bücher die die asozialen und menschenfeindlichen Machenschaften der oberen Zehntausend

    aufdecken und einer breiten Öffentlichkeit publik machen.

  40. Gavin sagt:

    Na ja… Was erwartet man auch…
    Das Buch in meinen Augen mittelmäßig

    Allgemein:

    Wallraff steht für Reportagen. Reportagen sind nüchtern ohne damit zwangsläufig langweilig zu sein. Diese hier sind aber teilweise nüchtern UND langweilig. Der Aufbau einiger Berichte wirkt wie aus immer gleichen Textbausteinen zusammengesucht (”Ich entscheide mich dies und das zu tun”; es folgt die Bestätigung des Vorurteils. Die Probanden reagieren wie erforderlich.). Das Ganze wirkt nur, wenn man der versteckten Manipulation erliegt und sich dann auch empört. Dann ist es auch nicht mehr langweilig, kann ich mir vorstellen.

    Inhaltlich teilt sich das Buch eigenen Undercoverberichte und recherchierte Berichte.

    Seine eigenen Undercover Berichte:

    Schwarz auf Weiß:

    Die mit Abstand schwächste Geschichte des Buches bleibt durchweg blass. Ich finde die Szenen, in denen der alltägliche Rassismus nachgewiesen soll, in ihrer Mehrzahl nicht gelungen. Wallraffs immer gleiche Schlussfolgerung für die erfahrene Ablehnung lautet “Rassismus”. Ich kann diese Folgerung aber nicht in jedem Fall teilen. So, wie er sein Verhalten in einigen Szenen beschreibt, wäre er wahrscheinlich jedem auf den Wecker gegangen, und zwar unabhängig von Hautfarbe, Nasenform, Haarfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder was man sonst als Diskriminierungsgrund finden kann. Platt konstruiert wird uns der Rassismus durch die Hintertür angehängt. Er verrät uns leider nicht immer, wie seine Teammitglieder als Gegenprobe aufgetreten sind. Hauptsache, es gelingt, hier und da ein paar politisch unkorrekte Bemerkungen aus den Leuten herauszuholen.

    Tiefpunkt seiner “Recherche”: Besuch eines Fußballspiels zweier Ostclubs. Was erwartet Wallraff zu beweisen, wenn er ein Fußballspiel zweier Clubs besucht, deren Fans deutschlandweit für Ihre Gesinnung bekannt sind?

    Unterm Strich: Diese Reportage zündet nicht.

    Unter Null:

    Habe ich nicht zu Ende gelesen, deshalb kein Kommentar.

    Bei Anruf Abzocke:

    Es scheint, das Thema dieses Berichts kommt seiner Lesbarkeit entgegen. Die Einblicke, die Wallraff uns von der anderen Seite des Telefonterrors gibt, sind durchweg interessant. Drückerkolonnenmentalität, mangelndes Unrechtsbewusstsein, Selbstgerechtigkeit der Akteure und der Druck. Hier werden Leute zu Betrügern ausgebildet, folgert Wallraff. Nicht ganz zu Unrecht, wie es scheint.

    Kleine Brötchen für Lidl:

    Interessant finde ich hier, dass es der Unternehmer geschafft hat, sich tatsächlich von einem einzigen Abnehmer (Lidl) abhängig zu machen: Wallraff als Bäckerbursche. Die Arbeitsbedingungen erinnern manchmal an ein Stahlwerk (Hitze, heiße Bleche, Brandwunden). Betriebsratsmobbing gehört zum Alltag. Bei aller Sympathie für die Betroffenen stört mich der Ansatz von manipulativer Schreibweise durch Wallraff.

    Zeugengeschichten:

    (Durchweg als Opfergeschichten aufgezogen. Wallraff wird hier z.T. manipulativ. Mich stört das)

    Unfeine Küche:

    Die abartigen Arbeitszeiten der Gastronomie sind kein Geheimnis. Damit kokettieren die Starköche auch gelegentlich in der Öffentlichkeit. Man fragt sich mit Wallraff zu Recht, warum die Aufsichtsbehörden hier untätig bleiben und den Gesetzen keine Geltung verschaffen. Das teilweise sektenartige Zusammenhalten der Beteiligten scheint ein gemeinsames Strickmuster in vielen Unternehmen zu sein, in denen Arbeitszeiten über Gebühr lang werden.

    Schöne heile Kaffeewelt:

    Siehe unfeine Küche - nur auf amerikanisch, aber mit allen einschlägigen Zutaten wie schon zuvor.

    Die Bahn entgleist:

    Ein Agentenroman mit Mehdorn als Goldfinger, aber es fehlt James Bond, der ihn zur Strecke bringt. Wirklich interessante Einblicke ins Innenleben der Bahn. Wer regelmäßig Bahn fährt und unzufrieden ist, weiß danach warum. Man fragt sich, ob private Unternehmen wirklich alles besser können als staatliche, oder ob sie es nur so aussehen lassen können. Gerade bei der Bahn gibt es schon Gegenbeispiele, z.B. die nach der Privatisierung verkommene Infrastruktur in Großbritannien.

    Mit aller Gewalt - Anwälte des Schreckens:

    Ein Verschwörungsroman, offenbar auf wahren Geschichten basierend. Wallraff zeigt uns, wie erfinderisch Arbeitgeber sein können, wenn sie missliebige Leute loswerden wollen. Falls sie sich also über so manches seltsame Ereignis wundern… Wer schon mal in einer Personalabteilung gearbeitet hat, wird vieles bestätigen können.

    Mein Fazit:

    Ein Buch mit Stärken und Schwächen was den Gehalt und die Qualität der Berichte angeht. Wallraffs zuweilen manipulative Vorgehensweise missfällt mir allerdings. Insgesamt: Hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Mittelmäßig.

  41. Gedeon sagt:

    Na ja… Was erwartet man auch…
    Das Buch in meinen Augen mittelmäßig

    Allgemein:

    Wallraff steht für Reportagen. Reportagen sind nüchtern ohne damit zwangsläufig langweilig zu sein. Diese hier sind aber teilweise nüchtern UND langweilig. Der Aufbau einiger Berichte wirkt wie aus immer gleichen Textbausteinen zusammengesucht (”Ich entscheide mich dies und das zu tun”; es folgt die Bestätigung des Vorurteils. Die Probanden reagieren wie erforderlich.). Das Ganze wirkt nur, wenn man der versteckten Manipulation erliegt und sich dann auch empört. Dann ist es auch nicht mehr langweilig, kann ich mir vorstellen.

    Inhaltlich teilt sich das Buch eigenen Undercoverberichte und recherchierte Berichte.

    Seine eigenen Undercover Berichte:

    Schwarz auf Weiß:

    Die mit Abstand schwächste Geschichte des Buches bleibt durchweg blass. Ich finde die Szenen, in denen der alltägliche Rassismus nachgewiesen soll, in ihrer Mehrzahl nicht gelungen. Wallraffs immer gleiche Schlussfolgerung für die erfahrene Ablehnung lautet “Rassismus”. Ich kann diese Folgerung aber nicht in jedem Fall teilen. So, wie er sein Verhalten in einigen Szenen beschreibt, wäre er wahrscheinlich jedem auf den Wecker gegangen, und zwar unabhängig von Hautfarbe, Nasenform, Haarfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder was man sonst als Diskriminierungsgrund finden kann. Platt konstruiert wird uns der Rassismus durch die Hintertür angehängt. Er verrät uns leider nicht immer, wie seine Teammitglieder als Gegenprobe aufgetreten sind. Hauptsache, es gelingt, hier und da ein paar politisch unkorrekte Bemerkungen aus den Leuten herauszuholen.

    Tiefpunkt seiner “Recherche”: Besuch eines Fußballspiels zweier Ostclubs. Was erwartet Wallraff zu beweisen, wenn er ein Fußballspiel zweier Clubs besucht, deren Fans deutschlandweit für Ihre Gesinnung bekannt sind?

    Unterm Strich: Diese Reportage zündet nicht.

    Unter Null:

    Habe ich nicht zu Ende gelesen, deshalb kein Kommentar.

    Bei Anruf Abzocke:

    Es scheint, das Thema dieses Berichts kommt seiner Lesbarkeit entgegen. Die Einblicke, die Wallraff uns von der anderen Seite des Telefonterrors gibt, sind durchweg interessant. Drückerkolonnenmentalität, mangelndes Unrechtsbewusstsein, Selbstgerechtigkeit der Akteure und der Druck. Hier werden Leute zu Betrügern ausgebildet, folgert Wallraff. Nicht ganz zu Unrecht, wie es scheint.

    Kleine Brötchen für Lidl:

    Interessant finde ich hier, dass es der Unternehmer geschafft hat, sich tatsächlich von einem einzigen Abnehmer (Lidl) abhängig zu machen: Wallraff als Bäckerbursche. Die Arbeitsbedingungen erinnern manchmal an ein Stahlwerk (Hitze, heiße Bleche, Brandwunden). Betriebsratsmobbing gehört zum Alltag. Bei aller Sympathie für die Betroffenen stört mich der Ansatz von manipulativer Schreibweise durch Wallraff.

    Zeugengeschichten:

    (Durchweg als Opfergeschichten aufgezogen. Wallraff wird hier z.T. manipulativ. Mich stört das)

    Unfeine Küche:

    Die abartigen Arbeitszeiten der Gastronomie sind kein Geheimnis. Damit kokettieren die Starköche auch gelegentlich in der Öffentlichkeit. Man fragt sich mit Wallraff zu Recht, warum die Aufsichtsbehörden hier untätig bleiben und den Gesetzen keine Geltung verschaffen. Das teilweise sektenartige Zusammenhalten der Beteiligten scheint ein gemeinsames Strickmuster in vielen Unternehmen zu sein, in denen Arbeitszeiten über Gebühr lang werden.

    Schöne heile Kaffeewelt:

    Siehe unfeine Küche - nur auf amerikanisch, aber mit allen einschlägigen Zutaten wie schon zuvor.

    Die Bahn entgleist:

    Ein Agentenroman mit Mehdorn als Goldfinger, aber es fehlt James Bond, der ihn zur Strecke bringt. Wirklich interessante Einblicke ins Innenleben der Bahn. Wer regelmäßig Bahn fährt und unzufrieden ist, weiß danach warum. Man fragt sich, ob private Unternehmen wirklich alles besser können als staatliche, oder ob sie es nur so aussehen lassen können. Gerade bei der Bahn gibt es schon Gegenbeispiele, z.B. die nach der Privatisierung verkommene Infrastruktur in Großbritannien.

    Mit aller Gewalt - Anwälte des Schreckens:

    Ein Verschwörungsroman, offenbar auf wahren Geschichten basierend. Wallraff zeigt uns, wie erfinderisch Arbeitgeber sein können, wenn sie missliebige Leute loswerden wollen. Falls sie sich also über so manches seltsame Ereignis wundern… Wer schon mal in einer Personalabteilung gearbeitet hat, wird vieles bestätigen können.

    Mein Fazit:

    Ein Buch mit Stärken und Schwächen was den Gehalt und die Qualität der Berichte angeht. Wallraffs zuweilen manipulative Vorgehensweise missfällt mir allerdings. Insgesamt: Hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Mittelmäßig.

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