Unendlicher Spaß: Infinite Jest Roman (David Foster Wallace)
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Schlagworte: David Foster Wallace
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5. September 2009 um 13:17 Uhr
Genial daneben
Über die üblen Nachwirkungen unserer Spaßgesellschaft ist ja schon viel geschrieben worden, aber meines Wissens nach noch nie vorher bis in so kleinste mikroskopische Details wie hier - menschliche Feuchtgebiete ausgenommen. Kein Wunder, dass sich Autor David Foster Wallace in dieser unendlich-depressiven Dunkelheit verlor und seinen persönlichen Alptraum “Leben” durch Freitod beendete. Dem entsprechend kommt das Buch mit deutlichen Trauerutensilien daher: Mit dicken schwarzen Lettern auf dem Einband, schwarzer Bindepappe, mit gleich zwei schwarzen Lesezeichen-Trauerbändern, gedruckt in zu kleiner Schrift auf zu dünnem Bibelpapier, das schnell einreißt.
Der Inhalt: Nichts Geringeres als der ganze stinkende, übelmachende, riesige Fäkalienhaufen, der vom Spaß übrig bleibt, wenn der den inneren Schmerz über den Verlust von Freiheit, Liebe und (Mit)-Gefühl betäuben soll. Wer sich das reinziehen will - bitte. Meine ganz und gar dringende und eindeutige Empfehlung ist aber, dir dies eben nicht anzutun, denn worauf du deine Aufmerksamkeit auch immer richtest: Das kommt garantiert in dein Leben.
Bleibt die Frage, warum der Autor mit diesem Werk Mitte der 90er so bekannt wurde und somit auch zu einem kleinen Teil in meinem Kopf gelandet ist. Nun, eins muss man ihm lassen: Er war offensichtlich ein Sprachgenie. Noch nie wurde meines Wissens nach bspw. Drogensucht mit einem so außerordentlich kreativen Wortschatz von so vielen Seiten auf streckenweise genial-azzoziativer Weise beschrieben, beleuchtet, zerfetzt und wieder neu zusammengesetzt wie in diesem Buch. Wer professionell mit dem Thema Abhängigkeit und Sucht zu tun hat sowie sich mit Sprache in der Literatur beschäftigt, hat hier wirklich einen intellektuellen Sprach- und Wissensschatz vorliegen. Für diesen Leserkreis mag das Werk von professionell-akademischem Interesse sein.
Die äußerst differenzierte, bis auf Elementarteilchenebene sezierende Wortgewalt und die überaus detailkenntnisreiche Verknüpfung unterschiedlichster Wissensgebiete mag zunächst ehrfürchtig erstaunen - ich halte dies letzten Endes aber für reinen Selbstzweck, der vor allem der Selbstbefriedigung dieses narzisstischen Vielschreibers dienen mochte - vielleicht in der falschen Hoffnung auf Liebe in Form von Anerkennung. Das Lesen - alles andere als ein unendlicher Spaß - wird hier schnell zu einer unendlich anstrengenden Übung im Durchhalten, was auch den geneigten Leser schnell ermüdet. Mindestens zwei Handlungsstränge, die zu Beginn des Romans eingeführt und an zugegebener Maßen spannenden Stellen aufhören, werden selbst nach hunderten von Seiten nicht wieder aufgenommen. Das nenne ich Leserbeschimpfung. Auf diese Weise geht das wahrscheinliche Anliegen des Autors - der amerikanischen Spaßgesellschaft den berühmten Spiegel auf höchstem intellektuellen Niveau vorzuhalten -, leider in die Hose. Das Ganze ist in meinen Augen ein unglaublich aufwändiger Schuss in den ebenso berühmten Ofen - wenn auch mit einigen Highlights, wie z.B. die tief analysierenden Beschreibungen des Suchtdrucks, des kalten Entzuges oder der Treffen der Anonymen Alkoholiker. An diesen Stellen habe ich mich vom Autor packen und auf fast magisch anmutende Weise in das Romangeschehen mit ‘reinziehen und berühren lassen. Dafür gibt’s zwei Sterne. Aber sehr sehr viel weniger wäre auch hier mehr gewesen.
Wirklich unendlich schade, dass der geniale Schreiber sein Talent und sein Sprachgenie und natürlich sich selbst an die dunkle Seite des Lebens verloren hat - damit erinnert er mich an Darth Vader. Und schade, dass es niemanden gab, der ihm - wie Luke seinem dunklen Vater in Star Wars - noch rechtzeitig den schwarzen Helm abnehmen konnte, damit wir DEN Roman von David Foster Wallace hätte lesen können, dessen konstruktiver Inhalt auch Herz und Seele ein anerkennendes “Wohww!” hätte entlocken können. Wirklich schade um ein üppig verschwendetes Talent.
Es wird höchste Zeit, dass professionelle Kritiker wieder den Mut finden, konstruktive, aufbauende (Kunst)-Werke zu loben - von den narzisstischen Spiegeln des Mülls, der Depression, der Gewalt, der (Eifer)-Sucht usw., wozu auch das besprochene Buch gehört, haben wir doch nun wahrlich viel viel viel mehr als genug. Viel zu viel. Die wirkliche Welt ist in ihrer Tiefe nämlich tatsächlich zuerst wahr, unschuldig, gut und wunderschön; wer das nicht mehr fühlt, gerät in den Sog des “Unendlichen Spaß” und damit u.U. sogar in Lebensgefahr. Bis Seite 503 habe ich durchgehalten und dann den ca. 1600 Seiten dicken Megawälzer für immer zugeklappt.
5. September 2009 um 13:17 Uhr
gerhard staub
ich gebs zu: einen roman von dieser länge (1500 Seiten + x)lese ich normalerweise nicht. und ich bin auch - gebs zu - erst auf Seite knapp 200. aber das am ersten tag. wusste sofort, das ist echt lesenswert! völlig schräg, genial einfach! zugegeben, für einen Normaloleser absolut nichts. (wenn du gern dan brown oder so was liest, brauchst du nicht mal die erste seite aufzuschlagen) dass man sofort an james j. denkt und an ulysses, ist sicher kein zufall. drogen sind jedenfalls auch im spiel, nicht nur im roman, sondern auch beim autor, was wiederum an andre autoren erinnert. bladerunner, auf messers spitze, so auch der ganze roman: nur für verrückte! (schon der eingangsteil erinnert an kafkas verwandlung, was viele wohl weniger zum lesen anregt)ich finds bis jetzt jedenfalls faszinierend!
9. September 2009 um 19:35 Uhr
“Die Erschaffung der Welt”
In der Tat - wenn ich dies’ Opus mit einem anderen Werk vergleichen müßte, fiele mir nur das Werk William Gaddis’ ein.
Sucht, liebe LeserInnen, nicht immerzu nach Erklärungen der Welt in noch so komplexer Fiktion, Surfiction, Megafiction. Lasst Euch verzaubern und habt unendlichen Spaß an der Düsternis, die geschaffen, nicht abgebildet wurde …!!!
Es fällt schwer, nicht immerzu nach einem Bild unserer Welt zu suchen, wenn der Autor sein Werk nur so mit Rätseln spickt. Wer sich aber darauf einlässt, sich aus der (vom Autoren) geschaffenen Welt seine eigene, (vielleicht) etwas weniger komplexe zu schaffen, kann aufhören, sich an der Überzahl der Unlösbarkeiten abzuarbeiten, und sich dem Sog des Spaßes hingeben und ihn genießen.
Die Sucht nach Wörtern und Sätzen ist weit weniger schädlich als die nach Madame Psychosis!!!
9. September 2009 um 19:35 Uhr
wunderbar, leider irgendwann zu Ende
Dem einen gefällts dem anderen nicht, dieses Buch wird polarisieren, da nicht jeder das Durchhaltevermögen für diesen Umfang oder den Sinn für diese Geschichten hat.
Ich bin noch lange nicht durch, das erste Drittel erst, aber es ist für mich wie eine Sucht. Es wird immer besser und ich hab schon gedacht, ich könnte nochmal die ersten paar hundert Seiten lesen, weil ich vielleicht nicht aufmerksam genug war, evt. was verpaßt habe. Aber die Zeit hat man leider auch nicht.
Ein phantastisches Buch, es fesselt mich:
so unglaublich viel Witz, tolle Einfälle, detailreich wird seitenlang eine einzige Situation erzählt, ich kann gar nicht genug bekommen. Natürlich braucht man manchmal Geduld, nicht alles interessiert wirklich, aber je weiter ich fortschreite, umso mehr werde ich hineingezogen, auch für den Leser ein unendlicher Spaß. Immer wieder ein neues Thema, neue Beschreibungen, ich frag mich, was kommt noch, gespickt mit viel Witz, aber oft auch bitter bitter böse, aber das ist ja gerade so schön und eben witzig…
Auch wenn ich noch nicht durch bin, ich möchte das Buch routinierten Lesern empfehlen, man muß sich eben einlassen, darf nicht abwehren, dann ist es ein Genuß…
Und nun möcht ich weiterlesen…
14. September 2009 um 01:51 Uhr
Stimmungsstrudel
Anfänglich abgeschreckt von Allem, Umfang, Preis, Rezensionen (fulminat, überbordend, kompliziert, wegweisend, bla…), dann doch spontan gekauft (muss ich haben!), ohne auf Büchereien, Paperbacks oder wohlmeinende Freunde zu warten.
Und Glück gehabt. Zwar nicht ganz, bei der Seitentzahl aber schon annähernd unendlicher Spaß. Und wie Vorredner schon sagten, es zieht einen förmlich in die Geschichte/Geschichten. Ursprünglich wollte ich zur Beruhigung meiner Nerven zeitgleich ein leichter verdauliches Buch beginnen, um einen unkomplizierten Notanker als pflegeleichtes Betthupferl zu haben. Inzwischen unnötig und ungelesen. Ich will dringend im “Spaß” weiter lesen. Aber nicht, damit ich den Fortgang der Geschichte miterleben darf, zu 90% um einfach wieder in diese Stimmung abzutauchen. Auch der Effekt, bei Seite 200 noch mal von vorne anzufangen, trat bei mir ein. Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, etwas Entscheidendes verpasst zu haben, nur die leise Ahnung, alles noch mal irgendwie anders erleben zu können.
Diese Buch hat alles, was ich normalerweise nur in sehr geringen Dosen oder nicht immer vertrage: über 1000 Seiten, bisweilen nicht endende Monstersätze, wirre Übergänge, zu viele Fremdwörter. Merkwürdig ist nur, dass zumindest mich das zu keinem Zeitpunkt gestört hat. O.k., man sollte sich irgendwann mit sich selber einigen, ob jedes Fremdwort nachgeschaut werden soll (dann Lexikon direkt daneben legen), oder ob einem die genaue Bedeutung eher egal ist (kein Problem, die meisten sind nicht weiter wichtig und die Bedeutung kann weitgehend immer erraten werden).
Aber einmal begonnen, sog mich der Schmöcker schlicht und ergreifend zwischen seine Seiten. Man findet sich in einer Parallelwelt wieder, von der man nie so genau weiß, wie weit entfernt diese von der eigenen Welt eigentlich ist. Alltäglicher Wahnsinn, bizarre Lebensentwürfe und psychische Abnormitäten werden in schillernden und immer wechselnden Farben haarklein beschrieben, die Sprache durchweg passend zu der großen Anzahl der Charaktere.
Nicht zuletzt kommt diese Nähe wohl auch durch die eigenen Lebensumstände des im letzten Jahr durch Selbstmord gestorbenen Autors. In vielen Passagen ist förmlich zu spüren, dass hier die vermeindlich erfunden Geschichte mehr als deutliche autobiographische Züge enthält. HIer geht es um das Innen, nicht das Außen.
Und wer soll das alles lesen? Ich für meinen Teil bin ein Fan von lebensnahen Geschichten, alltäglichen Vorkommnissen, den Untiefen des wirklichen Lebens, welche in Worten beschrieben werden, die mir leider fehlen. Ich liebe T.C.Boyle, Nick Hornby, Paul Auster. Klare, direkte Sprache, Charaktere, die vom Leben nicht verschont werden, realitätsnah.
Und um überhaupt einen Anhaltspunkt zu geben, diese Buch erinnert mich sehr oft an “Die Korrekturen” von Franzen. Und selbiges würde ich am liebsten noch essen, so gut finde ich das…
Leute, lest es doch einfach. Und wenn es nix war, ihr bekommt es bei Amazon oder Ebay locker wieder weg. Wenn es aber dann so wichtig wird, wie für mich jetzt, dann darf es nicht weniger sein. Dick, gebunden und bereit, jeden Tag wieder zu zeigen, dass Andere noch viel verrückter sind.
14. September 2009 um 01:51 Uhr
In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich?
“Die Macht der gefälschten Welt durch Informationen zerbrechen.”
Philip K. Dick
Tief in sich hüten die Menschen innerhalb der in diesem Roman beschriebenen Gesellschaftsform die Karotte des Konkurrenzdenkens als ihren Gral. D.F. Wallace zeigt das als sinnlosen Wettlauf von Wesen, die eine imaginäre Karotte vor ihre Nase gebunden haben. Die vollständige Ausrichtung an Konkurrenzmustern bringt wiederum eine “Kunst” hervor, die innere Leere als wahres Maß aller Dinge darstellt.
Hier kämpft der Autor einen (vielleicht aussichtslosen) Kampf, um nicht selbst mit in die von ihm wahrgenommene und beschriebene Realität mit hineingezogen zu werden. Der Künstler als sich bewusst werdendes, von den Medien manipuliertes Suchtopfer. Denn diese “Kunst” kann nur noch konsumiert werden, um diese innere Leere zu kultivieren. Sie bringt aber schließlich die Menschen dazu, dem ganzen System des Karottenlaufs (einem System des Marktfundamentalismus) immer zynischer zu begegnen. Denn die Menschen beginnen sich einzugestehen, dass sie diesen Karottenlauf nur noch betreiben, weil sie innerhalb einer Gruppe, die völlig diesem Konkurrenz-Kult verfallen ist, nicht schief angesehen werden wollen. Weil sie voller Angst sind aus dieser Gruppe herauszufallen.
Die Pop-Kultur, die Freizeit-Industrie und jede kommerzielle Medien- Schnittstelle sind für die Subjekte in solchen Gruppen die notwendigen Fetische, um vom Stamm um sich herum akzeptiert zu werden. Der Bezug zu diesen Fetischen tötet aber, nach und nach, alle echten Gefühle in den Subjekten ab. Wie sich allgemein herausstellt, ist das Gefühlsleben der Menschen nichts als ein von den Medien manipuliertes riesiges Spiegellabyrinth, in dem hinter jeder Ecke ein anderer Pappclown versteckt herumsteht und nur darauf wartet, mit einer gelassenen Geste umgestoßen zu werden. (Während das in seinen letzten Zügen liegende Gesellschaftssystem stets versuchte diese Clowns riesig aufzublasen und zu zementieren.) Durch dieses Labyrinth irrend wird einem klarer, wenn man sich keine Karotte vor die Nase binden lässt: Wer sich sagt dies ist die Kunst und jenes ist das Leben, belügt sich selbst ohne es zu merken. Denn alles kann Kunst sein, solange es nicht durch die KRÄFTE DER KOMMERZIALISIERUNG seelenlos gemacht wurde.
Unter allem oberflächlichen Vergnügen - wir leben in den letzten Zügen einer Unterhaltungskultur, in der alles auf die Maximierung des Vergnügens ausgerichtet ist - liegt eine Wirklichkeit verborgen, von der die meisten nur noch nie gekostet haben: Eine Wirklichkeit voller Empathie und Intelligenz.
22. September 2009 um 19:34 Uhr
Ganz ganz groß!!!
Also, ich bin jetzt auf Seite 850 (+/- 150 Seiten Fußnoten) und kann nur sagen: ein Monolith der modernen Literatur. David Foster Wallace bewegt sich irgendwo in der Schnittmenge von Pynchon, Gaddis, DeLillo, Joyce, Burroughs. Die relative Häufigkeit, in der ich mein Fremdwörterlexikon befragen muß (sic), erinnert mich an “Das Focaultsche Pendel” von Eco. Die Sprachdichte und die Exkurse (und Exkurse in den Exkursen) ist vergleichbar mit Pynchon und Gaddis. Zum Teil ist das Buch von einer objektiven Grausamkeit, die weh tut. Teilweise lache ich mich fast weg. Entweder hat Wallace die Werke der vorgenannten Autoren auf die Spitze getrieben… oder er hat einen neuen Bereich der Literatur geschaffen. Das überlasse ich der Literaturkritik. Ich genieße jetzt die letzten 550 Seiten dieses außergewöhnlichen Werkes. Möge David Foster Wallace jetzt seinen Frieden haben. Ich ziehe meinen Hut.
27. September 2009 um 06:34 Uhr
Fußnote an der 6-seitigen Fußnote??
Habe anfangs sehr über die ersten Seiten gelacht und fand das Buch gut geschrieben.
Leider erschweren unzähliche Abkürzungen, halbseitenlange Sätze und Fußnoten mit mehrseitigen Erklärungen, welche wieder Fußnoten enthalten das Lesen stark.
Ich habe nach ein paar hundert Seiten aufgehört. Wer jedoch eintauchen möchte in die Welt der medizinischen Fremdwörter, in Minischrift gehaltenen Schachtelsätze und tagelang über die Drogensucht und diverse psychische Erkrankungen samt deren Therapiemöglichkeiten zu lesen bereit ist, der wird bei diesem Buch sicherlich unendlichen Spaß finden.
1. Oktober 2009 um 18:51 Uhr
Ein Meilenstein der Belletristik…
…von dem man noch viele Jahre sprechen wird - dies war der erste von mir gewonnene Eindruck bezüglich dieses Romans. Ich kann dieses Buch gar nicht hoch genug loben (weshalb ich an dieser Stelle lieber gar nicht mit der Schwärmerei beginne) - wenngleich ich mich dabei stets an ein Diktum des Thomas von Aquin anlehnen muss, indem ich nämlich feststelle: Warum ist dieser Roman ein Meisterwerk? Wenn mich niemand fragt, dann weiß ich es - wenn mich aber jemand fragt, so weiß ich es nicht.
Damit sind wir eigentlich auch schon beim “Problem” des Buches: dass es nämlich in vielerlei Hinsicht eine Zumutung für den Leser ist. Das beginnt allein mit der Länge (1500 Seiten), dem aufgrund des Umfangs doch recht sarkastisch anmutenden Titel (”Unendlicher Spaß”), reicht weiters von einem über 100 Seiten langen Anhang (dem teilweise selbst wieder ein Anhang folgt), einem Niveau, das aufgrund begrifflichem und rhetorischem Wahnsinns dem durchschnittlichen Leser nicht zuzumuten ist, bis hin zu einer völlig chaotischen, den verzweifelten Leser an seine Grenzen führenden Handlung.
Ja, das Buch ist eine “Zumutung”. Es ist zu lange, zu chaotisch, zu anspruchsvoll. Es ist genau das, was wir seit Jahren nicht mehr in den Bestsellerlisten vorfanden. Eine Zumutung also, gewiss - eine jedoch, die lange fällig war. Eine Zumutung, welche die Grenzen der modernen Literatur sprengt und nichts als Faszination erweckt. Freilich haben wir es hier nicht mit einem 0815-Roman zu tun. Gerade hierin liegt indes seine Genialität.
Worin genau nun eben diese Genialität liegen sollte, kann ich nicht erklären. Das Lesen dieses Buches erweckte pure Faszination - eine Faszination, welche ich nicht an gewissen Punkten festmachen kann, eine Faszination also, welche sich dem klassichen Erklärungsansatz entzieht.
Eine Rezension bezüglich dieses Buches ist indes schon im Ansatz eine zum Scheitern verdammte Unternehmung. “Unendlicher Spaß” - ein Roman, den wir nicht erklären, nicht beschreiben, nicht verstehen können. Wohl aber können wir ihn “erleben”. Ein Erlebnis, damit möchte ich meinen Kommentar zum Buch abschließen, welches sich allemal bezahlt macht.
1. Oktober 2009 um 18:51 Uhr
Des Kaisers neue Kleider
Tja, wir leben alle in einer Welt, die weitestgehend von den Medien geformt ist. Leider ist der hype um diesen sehr sehr dicken Roman
(?) in erster Linie ein Medienereignis. Sprachmächtig war der Autor gewiß. Fleissig war er auch. Trotzdem hat mich der Text unendlich gelangweilt. Universitätstennis interessiert mich nicht. Die Wirkungen das Gehirn verwirrender Chemikalien interessieren mich auch nicht. Rauschdrogen schluckt man, wenns Spaß macht. Als Thema sind sie spätestens nach Huxley und Bourroghs abgefrühstückt.
Ich hatte dieses Buch bestellt, weil ich Pynchon, Joyce und Count Lillo schätze. Der DFW ist ein mixtum compositum aus erheblich verwirrter Rezeption amerikanischen Alltags. Bewunderungswürdig ist dagegen der hype, mit dem diese Fleissarbeit in den Buchmarkt gepumpt wird.
10. Oktober 2009 um 23:00 Uhr
Alles oder NICHTS?
“Alles und noch mehr könnte eine Beschreibung dieses Romans sein” - sagt Don DeLillo über dieses Buch. Also ich weiß nicht, ich habe mich trotz Vorfreude durch die teils begeisterten Kritiken und Leserstimmen voller Neugier an das Buch gemacht und war willens mich darauf einzulassen, aber dieses Buch ist für mich als Vielleserin wirklich Langeweile pur und abolut belanglos und unzugänglich. Ich habe schon lange nichts so Belangloses und Überflüssiges mehr gelesen. Es gab einmal eine Fernsehsendung namens “Alles oder nichts” - dieses Buch, das durch die Medien zu Unrecht so gehypt wird - ist wohl eher ein NICHTS. Jeder, der Lust auf ein dickes fettes Buch hat, das viele tolle Geschichten erzählt, sollte statt dessen lieber zu Roberto Bloanos Meisterwerk “2066″ greifen!
10. Oktober 2009 um 23:00 Uhr
Überwältigend
Infinite Jest zu lesen ist wie einen Berg zu steigen: Man macht es der Erfahrung willen, man wünsch sich ein ums andere Mal, dass man es bereits gelesen hat, statt es gerade zu lesen und man freut sich ungemein, wenn man es geschafft hat.
Infinite Jest ist unheimlich hohes Niveau - unheimlich viele Anspielungen, sehr anspruchsvolle Sprache, viele Charaktere und die Story lässt lange auf sich warten. Am Ende bleiben zudem viele Fragen offen. Das alles sind sicherlich Gründe dieses Buch NICHT zu lesen.
Andererseits stecken auch sehr, sehr viele gute Ideen in dem Buch. Und man freut sich jedesmal, wenn man eine Anspielung oder einen Bezug verstanden hat. Und viele Szenen sind sowohl eindringlich als auch witzig.
Für den “Casual Reader” ist IJ nichts. Man muss sich vornehmen es zu lesen und man muss in vielen Teilen doch auch Durchsetzungsvermögen beweisen. Aber man wird mit einer großartigen Erfahrung belohnt.
10. Oktober 2009 um 23:00 Uhr
Vorsicht!
Vorsicht, denn nicht jeder kann so viel Spaß vertragen. Nimmt man den Roman zur Hand, dann besticht das Buch zuerst durch Umfang, Gewicht als auch Preis. Aber bei so vielen Vorschusslorbeeren müsste man zudem ja auch einen inhaltlich gewichtigen Roman erwarten. Nach rund 200 Seiten bestach er aber nach wie vor mit Langeweile. Die Handlung geht leider in all den ausführlichen Formulierungen unter. Sprachlich durchaus gelungen war der Handlungsrahmen aber viel zu dünn, um ihn in diese Länge strecken zu müssen. Es kommt zwar selten vor, aber ich habe daraufhin das Buch abgebrochen, froh es lediglich in der Bücherei ausgeliehen zu haben und mit der Ersparnis mir 2 erbaulichere Romane leisten zu können.
10. Oktober 2009 um 23:00 Uhr
Ja, ich bin paranoid, aber bin ich paranoid genug?
Es ist vollbracht: Ich habe diesen 1547 seitigen, gewaltigen Roman durchgelesen; meinen derzeit höchsten literarischen Gipfel erklommen. Das Problem: der Abstieg wird mir sehr schwer fallen, dass kann ich jetzt, 15 Minuten nach Durchlesen des Romans, schon absehen.
David Foster Wallace ist mit “Unendlicher Spaß” etwas Gewaltiges gelungen. Eine Allegorie voller süchtiger, kranker und depressiver Protagonisten, die sich auf ca. 30-40 erstrecken und den Leser, jeder für sich, in ihren Bann ziehen.
Der Inhalt spielt in einer nahen Zukunft und dreht sich in erster Linie um Hal; Hal ist ein hoch intelligenter Schüler und begabter Tennisspieler. Er ist an der E.T.A., einer Schule für Jugendliche, die sich im Tennisbereich äußerst talentiert zeigen. Wir schreiben das Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche, denn die Regierung hat die Jahreszahlen an große Werbefirmen verkauft, die damit nun ihre Produkte anpreisen können und ebenfalls das Recht erkaufen, die amerikanische Freiheitsstatue, mit dem entsprechenden Produkt auszustatten - ergo: Der Miss Liberty wurde eine gigantische Windel, die Inkontinenz-Unterwäsche, angezogen. Außerdem gibt es die nordamerikanischen Staaten nicht mehr, denn diese haben sich zur O.N.A.N. zusammengeschlossen, der Organization of North American Nations, die von rollstuhlfahrenden Terroristen, den A.F.R., terrorisiert werden. “Unendlicher Spaß” ist der Titel eines Films, den Hals Vater gedreht hat, und den jeden, der diese “Patrone”, wie diese DVD-Verschnitte genannt werden, in verwahrloste und unwillige Geschöpfe verwandelt, die nur noch einen Lebensinhalt
haben - diesen Film zu sehen.
Sie sehen, dass diese kurze Inhaltsangabe vor Abkürzungen und wirren Ideen nur so strotzt - dabei habe ich noch nicht mal alle Charaktere, die eine zentrale Rolle in diesem Meisterwerk spielen, genannt.
David Foster Wallace hat auf diesen knapp 1.600 Seiten eine eigene Welt geschaffen, eine Welt voller süchtiger, nach Aufmerksamkeit lechzender Menschen, deren Hauptgedanken um harte Drogen kreisen. Wir sind in einer Welt gelandet, die abgestumpft ist. Wie sagt Wallace in seinem Buch so treffend:
“Ja, ich bin paranoid, aber bin ich paranoid genug?”
Seine Charaktere sind in einem Strudel, einem Teufelskreis aus einer selbstzerstörenden Sucht gefangen, aus der es absolut kein entrinnen gibt. Oder doch?
Foster Wallace beschreibt die Seelenzustände seiner “kleinen, literarischen Kinder” mit einer Detaillgenauigkeit und einem Erfinungsreichtum, wie ich es von keinem zweiten Autoren bisher kennen lernen durfte.
Mal wird es in einem narrativen Ton beschrieben, schwenkt es plötzlich in harte Gossensprache um anschließend im folgenden Kapitel in eine vor Fremdwörtern nur so wimmelnden Sprache zu rutschen.
Der Autor verlangt von seinem Leser eine Menge ab. Diees Buch liest sich nicht einfach so zwischen Tür und Angel, man benötigt Aufmerksamkeit, ein Fremdwörterlexikon und viel Zeit. Ich habe “Unendlicher Spaß” in gut 4 Wochen durchgelesen und habe nun Angst!
Angst vor neuen Büchern, denn dieses Buch hat mein Leserverhalten und meinen Anspruch an gute Lektüre mehr als verändert. Ich bin an diesem Buch gewachsen.
Teilweise erinnert diese realistische Schreibweise an einen Tatsachenroman, der von einem Drogenjunkie geschrieben wurde. Das Buch ist entlarvend, lakonisch und nekrotisch beklemmend.
(Seite 1398:) “Die Wahrheit macht dich frei! Aber vorher macht sie dich fertig!”
Mein Appell an Sie: Lassen Sie sich von diesem gigantischen Umfang nicht abschrecken, tauchen Sie ein ist die unendliche Welt vollem morbiden Spaß und Irrsinn. Ich muss ehrlich sagen, mich hat diese Buch süchtig gemacht, jede freie Minute, die ich zu Hause hatte, habe ich zum Lesen verwendet - das hat bisher kein Buch bei mir geschafft. Wagen Sie es, Sie werden es nicht bereuen!
P.S. Als kleine Unterstützung zum Lesen würde ich Ihnen begleitend empfehlen, die Website des Verlages zu dem Buch aufzusuchen, in der 20 Autoren über “Unendlicher Spaß” schreiben, teilweise zusammenfassend und teilweise interpretierend, was mir beim Lesen ungemein geholfen hat um Sachverhalte aus einem anderen Blickwinkel zu sehen oder einfach wieder in den Kopf zu rufen, den bei diesem Umfang an Seiten, Inhalt und Charakteren verliert man ganz schnell den Überblick!
15. Oktober 2009 um 16:34 Uhr
Unendlicher Spaß entpuppt sich als unendlicher Langweiler
Stop, stop, stop, überall wird dieses Buch gelobt, gepriesen, empfohlen, es hat mich weder überzeugt noch gefesselt, es war für mich langweilig, Punkt, Aus. Bolanos 2666, das Zwillingsbuch, da beide Bücher zumeist im selben Atemzug genannt werden, war ein Lesespaß, dieses Buch hier ist es nicht. Nur weil ein Autor viel zu früh von uns gegangen ist und vielleicht ein toller Kerl war, muss es nicht heißen, dass alles, was er machte, genial war.
20. Oktober 2009 um 12:51 Uhr
Lustekel an unserer Existenz oder Megaekel an den Medien?
Es ist das literarische Ereignis dieses Bücherherbstes. David Foster Wallace, der genialische Autor dieses 1646 Seiten umfassenden Werks, konnte eigentlich alles. Er war erfolgreicher Tennisprofi, hat mit summa cum laude promoviert, große viel beachtete Romane geschrieben, als sprachverliebter Autor das ganze Oxford dictionary gelesen und er hat nun in diesem Buch sein großes Wortwissen und Wortschöpfungskönnen zur Anwendung gebracht, so dass der Übersetzer Ulrich Blumenbach 6 Jahre an der kongenialen deutschen Übersetzung der langen, irrwitzig verflochtenen Satzgefüge gearbeitet hat. Und so kann man diesen Science-Fiction-Roman, der im Original bereits 1996 erschien, damals ein Amerika des Jahres 2009 im Fokus hatte, erst in diesem Jahr lesen, nachdem sich der Autor nach jahrelangen Depressionen am 12. September 2008 das Leben nahm. “Infinite Jest”, der Originaltitel dieses Buches, bezieht sich auf die Friedhofsszene in Hamlet.
Wenn man das Buch nach dem Selbstmord des Autors liest verändert das die Lesehaltung, denn man kann das Buch auch durchaus als Roman des und sich durch die Sprache aus der Verzweiflung gerettet und regeneriert hatte. Dennoch, heute muss man die Ausweglosigkeit und die detaillierten Ausführungen über Depressionen auf einen Autor beziehen, der sie letztlich nicht überwunden hat.
Man nähert sich dem Roman, der weitaus mehr ist als der Ausdruck einer bedrohten Seele, am besten über die Schauplätze. Das Epizentrum der Handlung ist die “Enfield Tennis Academy”, eine surreale Dressuranstalt, wo junge hervorragende Tennisspieler, Kinder aus wohlhabenden meist weißen Familien zu Tennisprofis von morgen ausgebildet werden. In dem gleichen imaginären Stadtteil von Boston liegt eine Rehabilitationsanstalt für Ex Junkies. Zwischen diesen beiden Orten ergeben sich in den Erzählsträngen alle möglichen Verflechtungen. An diesen zwei Orten leben auch die beiden Hauptfiguren des Romans. Das eine ist der sportlich wie sprachlich hoch begabte Musterschüler Hal Incandenza, eine sehr autobiografisch geprägte Figur, der wegen Leistungsdruck ein in diesem Milieu wohl übliches Drogenproblem hat. Hal ist ein junger Tennisspieler, einer der besten des amerikanischen Kontinents, der eben auch ein Wörterbuch Freak ist, ganz so wie Wallace, der sich durch das Oxford dictionary gefräst hat. Die zweite Hauptfigur ist der in der Entzugsklinik lebende charismatische Sozialarbeiter Don Gately, ein Drogenabhängiger, der inzwischen clean ist, jetzt so eine Art Hausmeisterstelle und psychologischer Beraterposition für die von ihm betreuten Insassen, Alkoholiker, Ruhmsüchtige, Drogenabhängige, Gesundheitsenthusiasten, Tierkiller usw. einnimmt. Dieser Don wird zu einem Helden im epischen, im altertümlichen Sinne, denn er hat sich für einen absolut nichtswürdigen, nichtsnutzigen Menschen aus seiner Anstalt geopfert, ist angeschossen worden und verbringt die letzten 400 Seiten in Fieberträumen im Krankenhaus. Und in diesen Erinnerungsanfällen mit Gegebenheiten aus seinem früheren Leben merkt man, dass dieser Mann, ohne es eigentlich zu wollen, ein ganz großer Menschenretter ist, der versucht andere zu einem sinnvollen Leben zurückzuführen, weil er selbst der Drogensucht entkommen ist. Mit sehr großem Einfühlungsvermögen werden diese Menschen von Wallace gespiegelt, wobei jedoch die Figuren im Hintergrund immer schnell vorbeiziehen, so dass man nur sehr schwer verfolgen kann wie die Handlung verläuft.
Das eigentliche Grundgerüst der Romankonstruktion bildet Hals Familie. Der ehemalige Gründer der Tennisakademie, der Übervater James O. Incandenza ist ein avantgardistischer Filmregisseur der post-moderne Filme dreht, dem Alkoholismus verfallen ist bevor er Selbstmord begeht. Der letzte Film, den er vor seinem Tod fertig gestellt hatte, trägt den Titel “Unheimlicher Spaß”. Zur Familie gehören neben der zwangsneurotischen Mutter noch die mit Hal um Anerkennung rivalisierenden Brüder Orion und Mario.
Aus dem zunächst vom Ödipuskomplex bestimmten literaturwissenschaftlichen Psychodrama entwickelt sich sehr schnell ein klassischer Thriller-Plot. Der Film “Unendlicher Spaß” ist so lustig, von solcher Komik, dass er jeden Betrachter in einen nicht rückgängig zu machenden Zustand tiefster Bewusstlosigkeit versetzt. Die Ursache liegt darin, dass der Filmvater optisch brillante Filme mit Detailreichtum und Ausleuchtungen macht aber die Konnexion zu den Zuschauern nicht wirklich herstellen kann. Die sehen mit sogenannten Wiederholungsmechanismen diese Filme immer wieder und krepieren buchstäblich vor den Bildschirmen, weil sie das Essen vergessen, das Trinken vergessen, ihre Notdurft vergessen, nichts anders mehr machen als diesen Film sehen.
In dem in die Nahzukunft versetzten Amerika hat sich mit Amerika, Kanada und Mexiko der Staatenbund “Organisation der nordamerikanischen Nationen” gegründet. Ein frankophones Terrorkommando, witziger Weise in Rollstühlen, setzt sich auf die Spur des Films und will mit der Einspeisung dieses Films in das nordamerikanische Kabelnetz eine Katastrophe auslösen. Ein terroristischer Anschlag, wie es dieser Film selber ist. Letztlich ist es eine Attacke gegen die amerikanische Spaßgesellschaft der neunziger Jahre, die dadurch mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden soll. Der Autor verweigert sich damit der ganzen konsumorientierten Gesellschaft, wo man eigentlich gar nicht mehr Spaß haben kann, wo alles medial vermittelt wird, wo nur noch im Spektakel des Spaßes gelebt wird, der Überspaßzisierung des Lebens, wo man sich mit anderen Worten zu Tode amüsiert.
James O. Incandenza setzt mit seinem trockenen Humor die stilistischen Mittel satirischer Überzeichnung ausgiebig ein, ohne dass sie in irgendeiner Form der Ernsthaftigkeit der Aussage zuwiderliefen. Je mehr man liest, je komischer wird es.
Wallace macht sich in dem Roman über den Therapeutentick der Amerikaner lustig und in den einzelnen Miniaturen schrauben sich Schrecken und Witz gegenseitig hoch.
Der Mittelteil des Buches setzt Stehvermögen voraus, während die letzten 300 Seiten den Leser in eine Art Rauschzustand versetzen. Der Roman ist eigentlich nicht zusammenzufassen, ist auch auf den Handlungsebenen nur sehr schwer zu verstehen, zeigt aber in erschreckender Weise die Atomisierung dieses depressiven, über die Maßen todtraurigen Menschen, der mit seinem lexikongrafischem Wissen für alle Atome Wörter findet und in absoluter Höchstform 20 oder 30 brillante Miniaturszenen aus den unterschiedlichsten szenischen Segmenten mit einer Wortgewaltigkeit, Dramatik und Präzision entwirft, wie ich es bisher bei keiner Lektüre auch nur ansatzweise gefunden habe. Doch das Buch läuft harrt an der Grenze zu einer großen Depression, die den Leser befallen kann, nicht ungefährlich wenn man zu sehr in die Themen einsteigt und auf einen ähnlichen Trip kommt. Man muss sich zunehmend bei den paranoiden Diskursen vor Ansteckung und Durchlässigkeit hüten.
Wenn man bei der Lektüre schließlich nach aller Verzweiflung herausgefunden hat, dass der mythische Kern des Romans die Gestalt der Medusa ist, die man nur besiegen kann wenn man ihr einen Spiegel entgegenhält, so lässt sich das über die maßen kryptische Ende des Romans nicht zweifelsfrei deuten.
Schließlich strömt dieses Buch eine große Traurigkeit aus, der ich mich nicht entziehen konnte. Es geht um die ganz brutale und schmerzende Leere unserer Existenz, um die Spaßgesellschaft in der das Individuum untergeht und keinen Halt mehr findet. und man verlässt dieses Buch vielleicht mit dem Wunsch ein besserer Mensch zu werden, denn David Foster Wallace ist von einer ungeheueren Empathie zu seinen Mitmenschen geprägt. Das macht auch die große Sinnlichkeit dieses Romans aus, an der Oberfläche ein ganz nüchterner, kühler, distanzierter, analytischer Autor und unter der Haut ist da ein ungeheures Mitgefühl für die Menschen die in unserer Gesellschaft am meisten zu leiden haben.
Viele Kritiker feiern “Unendlicher Spaß” jedenfalls als neuen Meilenstein in der westeuropäischen Literaturlandschaft. Das Phänomen dieses Buch, es ist überall in der Presse und in den Bestsellerlisten, obwohl es nach klassischen Regeln ein unlesbares Buch ist, und so kann die unglaubliche, kongeniale Übersetzerleistung nicht genug bewundert werden.
20. Oktober 2009 um 12:51 Uhr
Spaß ohne Ende
Vor allem gilt hier: nur nicht von der Kritik abschrecken lassen. Vergleiche mit Ulysses und ähnlichen “Meilensteinen der Weltliteratur” könnten einen glatt zu der Vermutung verleiten, dieses Buch sei nur für Akademiker ein Vergnügen. Ein folgenschwerer Irrtum, denn egal, was man von seiner Stellung in der Literaturgeschichte halten mag (die mir persönlich ziemlich egal ist), ist dieser Roman einfach ein großes (und umfangreiches) Lesevergnügen.
Ich würde jedem empfehlen, sich Zeit für die Lektüre zu nehmen, nicht nur, weil das Buch so lang ist, sondern vor allem, weil mehrere Geschichten parallel und nicht chronologisch erzählt werden. Sobald man denkt, man hätte raus, worum es geht, findet man sich unversehens in der seitenlangen Beschreibung der Lebensgeschichte einer völlig unbekannten Person wieder, die dann ca dreihundert Seiten lang auch nicht mehr auftaucht, und wenn,dann plötzlich nicht mehr als Hauptperson, sondern als Randfigur in einer anderen Geschichte. Zugegeben, da kann man schon mal den Überblick (und die Geduld) verlieren. Und was die Fußnoten angeht, kann ich jeden verstehen, der nach mehreren Seiten Lektüre in winziger Schrift, nach wildem Blättern zum Ende der Fußnote, um die Fußnote in der Fußnote zu finden und einem ungläubigen Blick auf den lapidaren Hinweis “Don’t ask” zum Dank für all diese Mühen, den Impuls verspürt hat, das blöde Ding an die Wand zu schmeißen. Diese kleinen Scherze muss man dem Autor verzeihen können, wenn man sich hier amüsieren will. Ebenso, wie man darüber hinwegsehen muss, dass der Roman an manchen Stellen schon etwas von einem “alten” science fiction hat (er ist ja auch schon vor über zehn Jahren erschienen), so dass heute noch fantastische wissenschaftliche Entwicklungen manchmal auf die Technologie der 90er Jahre treffen (Mobiltelefone brauchen eine ausfahrbare Antenne, Computer haben keine Flachbildschirme- um zwei kleine Beispiele zu nennen).
Hundert Seiten lang war ich mir nicht sicher, ob ich den Roman beenden würde. Etwa zehn Tage lang war es meine einzige Freizeitbeschäftigung, dieses Buch zu lesen, und nicht einmal die Tennismatchbeschreibungen haben mich gelangweilt (was eigentlich schon alles über das Erzähltalent des Autors sagt). “Unendlicher Spaß” ist witzig, albern, satirisch, tiefgründig, spannend, originell, eindrucksvoll, traurig und unheimlich, wenn man sich vor Augen führt, wie nahe manche Beschreibungen der Lebensrealität des Autors kommen könnten. Was mich an dem Buch wirklich stört, ist die Tatsache, dass von den vielen angefangenen Geschichten keine zum Abschluss kommt. Das muss man natürlich nicht als Schwäche sehen. Trotzdem stellt sich wie bei oben genannter Fußnote das Gefühl ein, dass man für sein Durchhaltevermögen nicht grade belohnt wird. Man muss sich damit abfinden, dass hier der Weg das Ziel ist.
3. November 2009 um 12:34 Uhr
LEST DIESES BUCH!
so einen riesigen “ziegel” nimmt man nicht ohne ehrfurcht zur hand. ich habe es getan, wurde mitgerissen von anfang an und blieb es bis zuletzt. ein buch von so unendlichem witz und so unendlicher traurigkeit und derartiger sprachgewalt, das einem wieder einmal klar macht, dass ein leben mit lesen einfach lohnender ist. kaum je hatte ich mehr das bedürfnis, ein buch, jedem der auch nur im geringsten verständnis für geschriebenes aufbrigt, aufs intensivste ans herz zu legen.
3. November 2009 um 12:34 Uhr
LEST DIESES BUCH!
so einen riesigen “ziegel” nimmt man nicht ohne ehrfurcht zur hand. ich habe es getan, wurde mitgerissen von anfang an und blieb es bis zuletzt. ein buch von so unendlichem witz und so unendlicher traurigkeit und derartiger sprachgewalt, das einem wieder einmal klar macht, dass ein leben mit lesen einfach lohnender ist. kaum je hatte ich mehr das bedürfnis, ein buch, jedem der auch nur im geringsten verständnis für geschriebenes aufbrigt, aufs intensivste ans herz zu legen.
23. November 2009 um 04:51 Uhr
Überbewertet
…ich bin jetzt auf Seite 600, und wenn es sich nicht wirklich grundlegend ändert, dann begeistert es mich kein bisschen!
Wallace bordet über, öffnet alle möglichen Töpfe sprich Handlungsstränge, von denen mich kaum einer in den Bann zieht. Es entsteht keine Atmosphäre, kein Kosmos in den ich mich gerne begebe, geschweige denn entstehen glaubhafte, lebendige Charaktere (direkte Rede ist in diesem Buch ziemlich selten).
Wallace schreibt modern, in Wortwahl und Satzbau, das mag ich; und einige “Binnenerzählungen” [z.B. über die Vergnügungspatrone (ein offenbar tödlich unterhaltsamer Datenträger) oder die Anonymen Alkoholiker] finde ich richtig spannend. Außerdem ahne ich dass all diese Handlungen letztlich zusammenfließen. Das interessiert mich, aber ich weiß nicht ob ich mir diese Unendliche Ermüdung nur aus diesem Grund noch weiter antun möchte.
Ich habe von Wallace sonst noch “Der Besen im System” gelesen, das fand ich wesentlich besser!
26. November 2009 um 22:51 Uhr
Barfuß auf den Mount Everest
Es gibt Bücher, die hat man einfach im gut sortierten Regal, dazu gehören z.B. der (meiner Meinung nach - auch in der gefeierten Wollenschläger-Übersetzung - so gut wie ungenießbare) “Ulysses” oder Musils gewaltiges, aber ebenso schwergängiges Fragment “Der Mann ohne Eigenschaften”. Romane von monströsem Umfang, die einhellig als Meisterwerke bezeichnet und meines Erachtens nur von den wenigsten Besitzern, die keine hauptamtlichen Literaturkritiker sind, auch wirklich gelesen werden. Zuweilen versucht man es, vielleicht zum x-ten Mal, etwa an einem verregneten Herbstwochenende, und irgendwo gegen Ende des ersten Drittels fragt man sich dann, warum man sich das antut. Also zurück mit der Schwarte, aber an eine Stelle im Regal, die jeder Besucher sofort sieht.
Ulrich Blumenbachs sechsjähriger Übersetzungsarbeit ist es zu verdanken, dass da jetzt noch so ein Ziegel steht: “Unendlicher Spaß” suggeriert der Titel. Gleich vorweg sei angemerkt, dass es wirklich (jedenfalls meistens) ein großer Spaß ist, dieses Buch zu lesen. Und die fast vier Wochen, die ich dafür gebraucht habe, kamen mir auch nahezu unendlich vor. Die Frage, welches Buch ich zuvor gelesen habe, hätte ich nach spätestens zwei Wochen nicht mehr beantworten können. Es kam mir vor, als würde ich mich irgendwie schon immer durch Wallaces Opus Magnum fressen.
Tausendsechshundert Seiten, davon über zweihundert “Anmerkungen und Errata”, die man sich übrigens durchaus antun sollte. Dünn bedrucktes Papier, hochwertige Ausstattung - ein zumindest äußerlich gefälliges Buch.
Nun, der Himalaya ist auch ein schönes Gebirge, wenn man es sich im Fernsehen anschaut oder mit dem Hubschrauber drumherum fliegt. Einen der Achttausender dann auch zu besteigen, das ist eine ganz andere Angelegenheit. Barfuß und ohne Sauerstoffgerät - das wäre ein passender Vergleich zur “Unendlicher Spaß”-Lektüre.
Schon der Einstieg macht es nicht leicht. Da sitzt ein offenbar hochintelligenter, aber anscheinend sprachgestörter Junge vor dem Aufnahmeausschuss einer Universität. Wir schreiben das “Jahr des Glad-Müllbeutels”. Später, während der Haupthandlung, die im “Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche” spielt, erfahren wir, dass die Jahreszahlen inzwischen als Werbeplätze an Firmen vergeben werden, weil es Fernsehen im herkömmlichen Sinn und also auch Fernsehwerbung nicht mehr gibt. Das Geld wird dafür genutzt, die inzwischen als gewaltige Müllhalden umfunktionierten Neu-England-Staaten zu finanzieren, um die herum riesige Gebläse aufgestellt wurden, damit es im Rest des Landes nicht stinkt. Aber das ist nur ein Randaspekt.
Danach erlebt man mit, wie jemand auf eine Frau wartet, die ihm Drogen bringen soll - in einer erzählerischen Akribie, die ich so noch nie erlebt habe. Die ersten vierzig, fünfzig Seiten zeigen allerdings, was auf den Leser zukommen wird. Schwer, das in wenige Worte zu fassen. Fantastische Satzbauten, Unmengen von Fremdwörtern und Neologismen, schräge Abkürzungen, bildhafte, dichte, aber ausufernde Sprache, und all das immer verbunden mit dem Gefühl: So dürfte man eigentlich nicht erzählen, aber, heiliger Pfeffer, besser kann man es vermutlich nicht machen.
Im Zentrum der Handlung stehen eine Tennisakademie namens E.T.A. und ein in unmittelbarer Nähe liegendes Haus für Drogensüchtige auf Entzug. Der junge Hal, Spross des E.T.A-Gründers und Filmemachers James Incandenza, der sich selbst getötet hat, indem er seinen Kopf in einen umgebauten Mikrowellenherd steckte, gehört zu den Ausnahmetalenten an der “Enfield Tennis Academy”, und wie die meisten Tennistalente holt er sich das bisschen Wohlgefühl in der wenigen trainingsfreien Zeit über Drogen. Sein großer Bruder Orin, der wie Hal kaum zu Emotionen fähig ist, spielt als Punter für eine Baseballmannschaft. Der mittlere Bruder, den Hal “Troll” nennt, lebt als Faktotum an der Akademie. Mario ist schwer behindert und kann nur mit Hilfe eines Polizeischlosses stehen. Er hat quasi das Erbe des legendären Vaters angetreten, denn er läuft ständig mit einer “Bolex”-Filmkamera auf dem Schädel herum.
Ein anderes Erbe dieses Vaters ist ein Film mit dem Titel “Unendlicher Spaß”. Von diesem sagenumwobenen Streifen gibt es zwar einige Kopien, aber viele Leute sind auf der Suche nach der Master-Patrone, darunter die A.F.R., eine kanadische Terroristenorganisation, deren Mitglieder allesamt an den Rollstuhl gefesselt sind. Wer diesen Film sieht, will nichts anderes mehr tun. Er versetzt den Zuschauer in einen Zustand, der alle Lebenserhaltungsreflexe abschaltet, bis man schließlich daran stirbt. Eine ideale Waffe also, zum Beispiel im Krieg gegen O.N.A.N., die Organisation, die aus den U.S.A. und Kanada hervorging.
Der Versuch, die gewaltige Schar an Figuren, Schauplätzen, Handlungssträngen und Entwicklungen zusammenzufassen, muss scheitern, deshalb stoppe ich an dieser Stelle. Wenn es in diesem Buch um “etwas” geht, dann um Drogen im weitesten Sinne (und eben nicht nur chemische), Lust und Selbstverwirklichung. Das Gros des Personals ist entstellt, schlicht verrückt oder hat irgendein anderes Päckchen zu tragen. Wenigstens das, mit dem Leben klarzukommen.
Wenn man etwas an diesem unfassbaren Werk kritisieren wollen würde, dann höchstens die Tatsache, dass Wallace im Jahr 1996 eine Zukunft geschildert hat, die von unserer Gegenwart längst überholt wurde, was die technischen Aspekte anbetrifft. Es gibt bei ihm zwar hochauflösende “Teleputer”, aber einige andere seiner Zukunftsskizzen technischer Art sind von Internet und DSL bereits dahingerafft oder übertroffen worden. Das gilt auch für die - leider nicht ganz unwesentlichen - “Unterhaltungspatronen”, auf denen in “Unendlicher Spaß” Filme und Serien per Postversand zum Zuschauer kommen. Die Dystopie scheitert hieran jedoch nicht.
So, ich bin oben angekommen, die Füße sind blau und ich kriege kaum Luft, aber für diese Aussicht hat es sich gelohnt. Ein Buch wie dieses habe ich noch nie gelesen und werde es wahrscheinlich auch nie wieder tun, und zwar nicht aus einer Verweigerungshaltung heraus, sondern weil ich kaum glaube, dass dieser Wurf von irgendwem wiederholt werden kann. Manchmal schwergängig, häufig noch schwerer zu verstehen, zuweilen kryptisch, nicht selten herausfordernd, meistens hochintelligent, manchmal auch weit mehr als das, hin und wieder spröde, teilweise sogar abstoßend, grundsätzlich vielschichtig, jederzeit abwechslungsreich, oft sperrig, aber immer präzise und vollständig unvergleichbar. Ein Buch wie kein anderes, und zwar in jeder Hinsicht. Wahrhaft schön, und das gilt für jedes einzelne verdammte Wort.
Vielleicht komme ich nächstes Jahr wieder.
26. November 2009 um 22:51 Uhr
Der ultimative Test für unschlüssige Leser und einwenig von allem
Für jede Frage, die Sie mit Ja beantworten können, erhalten Sie 1 Punkt:
a) Bei einem Roman schätze ich am meisten treffende Wendungen, die eine Situation, eine Landschaft oder ein Gesicht beschreiben - dies alles möglichst mit der Meisterschaft, wie man sie nur von alten Haiku-Meistern kennt.
b) Ich kann gut damit umgehen, wenn ich einen Autor lese, der über geradezu enzyklopädisches Wissen verfügt und davon rege, gezielt, manchmal aber auch redundant Gebrauch macht.
c) Das Fremdwörterbuch ist mein Freund.
d) Ein Endnoten-Apparat gehöhrt zu jedem modernen Roman.
e) Ich werde nicht gleich selbst depressiv, wenn es den Romanfiguren meist eher mies geht und sie sich selber und gegenseitig das Leben schwer machen (dauernd, ohne Ende).
f) Superrealistische Schilderungen von Erkrankungen oder Suchtproblemen stossen mich nicht ab, sondern wecken mein Interesse.
g) Auch Abhandlungen über Hornhäute, Hypersalivation, Erbrechen, pädophile Aktivitäten nach durchzechter Nacht, etc. können mich nicht schrecken.
h) Ich finde ein Roman darf durchaus die ganzen gesellschaftlichen Gepflogenheiten, das politische, wie das wirtschaftliche System über mehere 100 Seiten hinweg durch den Dreck ziehen - schliesslich ist es ja angebracht und Hauptsache: gut gemacht.
Hand aufs Herz, wenn Sie nicht mindestens auf 5 Punkte kommen, rate ich Ihnen vom Unendlichen Spass dringend ab. Ansonstens lesen Sie weiter und geniessen gleich vier Amuse-Bouche, frisch vom Herd des Chefs:
- “Er verfügt über jenen seltenen spinalen Sinn für die Schönheit des Gewöhnlichen, den Mutter Natur nur jenen gewährt, die das Gesehene nicht in Worte fassen können.”
- “… im Sprechzimmer seltsam scharf, rein und süss gerochen, das olfaktorische Äquivalent von Neonlicht.”
- “Wenn man auf einem belebten Stadtgehweg die Augen schliesst, klingen die Schritte all der Leute in ihren verschiedenen Schuhen zusammengenommen, als würde etwas von etwas Riesigem und Unermüdlichem und Geduldigem gekaut.”
- “Das Fensterlicht im Zimmer verdunkelt sich zu dem Kaopectate-Ton, der schon immer die Kurz-vor-Sonnenuntergang-Tageszeit gekennzeichnet hat, …”
Wer kennt im deutschen Sprachraum denn schon Kaopectate? Ich jedenfalls musste eine Website suchen, auf der man Bilder von Tabletten und Pillen findet, um mir den Kaopectate-Ton vergegenwärtigen zu können. Es hat sich gelohnt - Kaopectate wird oder wurde in der Darreichungsform durchscheinender Gel-Pillen von orange-bräunlicher Farbe verkauft - … da kommt tatsächlich Abendstimmung auf.
Folgende Fragen sollten Sie mit einem herzhaften Nein beantworten können, sonst besteht die Gefahr, dass “Unendlicher Spass” für Sie nichts neues bereit hält (der Schwierigkeitsgrad steigt von Frage zu Frage leicht an):
Wussten Sie schon, dass …
1) es Leute gibt, die sich so tief in die us-amerikanische Fernsehserie M*A*S*H verbeissen, dass selbst manische Wetten-Dass-?-Zuschauer noch etwas lernen könnten? (…)
2) das harmlos klingende Demerol eigentlich ein synthetischer Morphinersatz der Einstufung K-II, oder noch genauer Meperidinhydrochlorid ist? (Anmerkung 189, etwas populärwissenschaftlicher auch in Anmerkung 12)
3) Plutonium-239 schliesslich der Abfallfraktion UF4 beigemischt wird, die von Montpellier hochgepumpt wird? (823)
4) auch Sie bei einem Eschaton-Game froh wären, einen super Lobber (Tennis) auf Ihrer Seite zu wissen? (…)
5) Anmerkung b zu Anmerkung 39 nur wieder auf Anmerkung 304 verweist, worin wir auf zehn eng bedruckten Seiten u.a. den lang ersehnten Verweis (5) auf ein “Sektenbestimmungsbuch in Stichworten” erhalten? (1515)
Worum drehen sich denn die 1545 Seiten, 388 Anmerkungen, bzw. die 1480 Gramm Papier?
Wenn man früher mal menschliche Wärme mit einer aromatisch duftenden Pizza aus dem Steinofen hätte vergleichen können, dann hat man es aus Wallace’ Perspektive heute wohl eher mit einem billigen Aldi-Fladen zu tun, der lieblos in der Mikrowelle zu einem bleichen, gefrierbrandigen, namenlosen Etwas aufgetaut wurde. Wallace gerät nun wirklich nicht unter den Verdacht irgendetwas schönreden zu wollen - wohltuend ist aber, dass kaum je etwas direkt angeprangert wird, die Figuren sprechen aus sich heraus und disseminieren (Fremdwörterbuch ist mein Freund) nicht einfach in Sprechblasen die Botschaften des Erzählers.
Während es in vielen Romanen sicher um Gefühle, Enttäuschungen, Liebe, Sex, Umweltprobleme und Erfolg geht, engt sich im Unendlichen Spass das Sortiment doch etwas ein. Natürlich kommen die heute gängigen Topoi auch alle irgendwie vor, doch der Fokus liegt auf: Drogen, dann nochmal Drogen, der Beschaffung von Drogen, dem Entzug von Drogen, dem Sprechen darüber, wie man an Drogen kaputt gegangen ist, dem cold turkey, dem Alltagsgebaren von Drogenabhängigen, die in der Meinung irren, sie hätten es noch im Griff, dem Alltag von ehemaligen Drogenabhängigen und aktuell Drogenabhängigen im sogenannten Ennet House, den Anonymen Alkoholikern und ihren Weisheiten, die zwar keine sind, aber dennoch geglaubt werden sollten, denjenigen die schon seit vielen vielen Jahren clean oder trocken sind und gerade deswegen irgendwie noch verrückter wurden, den total durchgeknallten Kanadiern, die sich in ihren Rollstühlen gegen die USA verschwören, ja die ganze O.N.A.N. mit letaler Unterhaltung überziehen wollen, die seinerzeit noch der verrückte Storch, alias Er Selbst, alias J.O.I. ausgebrütet hat. Wir erfahren von einem, der sich in seinem Wahnsinn darauf spezialisiert hat, jeweils ca. um 22:25 die Haustiere anderer Leute aufzuschlitzen und dies eigentlich nur, weil es ihm langsam zu monoton geworden ist, immer nur Katzen in einen Müllsack einzutüten.
Man muss das Buch einfach lieben oder hassen. Man wird abgestossen oder hineingesogen, man beginnt darin zu leben, gemütlich wird einem dabei nicht, aber man beginnt sich zu fragen, ob man die Welt nicht doch einen Tick mehr so sehen sollte, wie Wallace das getan hat. Und warum hat er es so gesehen? Es gibt keine konstruktive Kritik, es gibt keine Polemik oder Satire - denn die haben wahrscheinlich längst abgewirtschaftet; es gibt bittere Anekdoten über die Angehörigen von Figuren, schreckliche Zwänge, es gibt die Anmerkungen, die glatt als Pharmalexikon durchgehen können. Es kann in diesem Roman vorkommen, dass sich ein Teenager deutlich mehr für die mathematischen Implikationen eines herunterfallenden Möbelbeschlags interessiert als für den staub-allergischen und fast tödlichen Anfall seines Erzeugers, nur wenige Zeilen vorher. Ein Spannungsbogen, der den ganzen Text überstreicht, damit wir als Leser dranbleiben, um quasi mit einer Karotte vor der Rübe durch diesen Folianten zu waten? Fehlanzeige. Figuren tauchen oft von dort auf, wo sie bald darauf wieder abtauchen: dem Nichts. Wer aber schon mal wissen wollte, wie sich eine ausgewachsene Depression von innen anfühlt, kommt ab Seite 99 bis 114 auf seine Rechnung. “… alles klingt scharf, ja, stachelig und scharf, als hätte alles, was man hört plötzlich Zähne.” … “Als wäre jeder Zelle und jedem Atom oder jeder Gerhinzelle oder was weiss ich so schlecht, dass sie kotzen will, aber nicht kann …” Die Beschreibung der Depression von Kate Gompert ist brillant. Ferner geht es um einen S.C.H.M.A.Z., also ein übernatürlich schönes Mädchen, das bei einem Säureangriff so richtig die Karte umdekoriert bekommt (sie hat noch Glück, dass sie nicht gleich völlig entkartet wurde), obwohl die Säure eigentlich ihrem spinnerten Dad gegolten hätte und sie dadurch ev. sogar noch schöner geworden ist, also sie eh schon war. Aber so ganz klar wird das nie und David F. Wallace können wir nicht mehr fragen, da er am 12. September 2008 im Alter von 46 suizidiert hat.
Dann natürlich Philosphie, Intention, Ideologie und die Rafinessen aller nach-joyceschen Bemühungen, die sich nur den Adepten der postmodernen Narrationstheorie erschliessen können. Dazu kann ich dann nichts mehr sagen und verweise nur auf http://www.unendlicherspass.de. Dort tobt der 100-tägige Krieg um das Schattenloch der Transeidetiker, die Anhöhen des Poststrukutralismus, die foucaultschen Kapillarmächte, die psychoanalytischen Resthoffnungen, etc. pp. Amüsant, mit Visualisierungen von Romanfiguren, Örtlichkeiten und Mandelbrotmengen. Hin und wieder finden sich auch geradezu erhellende Passagen (ja, auf dieser Website, wie auch im Buch).
Zu guter Letzt: manchmal habe ich mich gefragt, ob das Original (Infinite Jest) überhaupt an die deutsche Übersetzung von Ulrich Blumenbach herankommt. Danke für das geniale Deutsch.
8. Dezember 2009 um 18:17 Uhr
Genial
Das Buch wurde vom Spiegel “Ulysses mit Frosch im Hals” genannt. Auf jeden Fall steht es in einer Reihe mit den ganz Großen der Weltliteratur. Und wer von den ganz jungen Autoren kann das schon von sich behaupten? Wallace nicht mehr, er ist leider schon tot. Viel von der Unerträglichkeit seines Lebens merkt man dem Buch an. Ich glaube, er war zu intelligent für diese Welt. Seine Genialität hatte schon etwas krankhaftes. Das Buch ist so gut, dass es fast entstellt wirkt. Darin spielt eine Frau mit, die ist so schön, dass sie einen Schleier tragen muss. So ist es auch mit dem Unendlichen Spaß. Vor allem am Anfang habe ich viel laut gelacht. Aber gegen Ende wird es immer bedrohlicher. Der Schluss ist furchteinflößend. Es geht im weitesten Sinne um Sucht und Drogen. Alle Teilnehmer reden komisch. So redet eigentlich niemand, der nicht hochintelligent und stark süchtig ist. Alles hat diese Suchtkomponente: Die echten Drogen, Tennis, Film und politischer Fanatismus. Außerdem geht es um Behinderungen. Besonders genial ist die Sprache ( und auch die Übersetzung), denn Wallace ist ein Metaphernmeister. Er bringt Sätze, die einfach krachen: Der Mond sieht aus, als geht es ihm nicht gut. Der Himmel sah krank aus. Ja, ich aß dann erst mal meinen Hackbraten…. Man kann lachen und weinen, sich fürchten, den Kopf schütteln und nachdenken. So ein intensives Buch habe ich selten gelesen. Ohne Frage ist es ein Meisterwerk und wird die Jahrhunderte überdauern.
17. Dezember 2009 um 08:17 Uhr
Langeweile pur
Ich gratuliere sehr herzlich - dem Verlag, der es geschafft hat, ein solch langweiliges und in meinen Augen belangloses Buch derart in die Öffentlickeit zu drücken! Den Literaturkritikern, die beim gegenseitigen Abschreiben viel Zeit für andere Dinge gewonnen haben! Und allen anderen, die hieran verdienen.
Der Erzählstrang ist derart dürftig, die Geschichte(-n) so belanglos bis abstrus, der Schreibstil so pubertär, dass ich mich geärgert habe, Tage fürs Lesen dieses Buchs geopfert zu haben.
17. Dezember 2009 um 08:17 Uhr
Langeweile pur
Ich gratuliere sehr herzlich - dem Verlag, der es geschafft hat, ein solch langweiliges und in meinen Augen belangloses Buch derart in die Öffentlickeit zu drücken! Den Literaturkritikern, die beim gegenseitigen Abschreiben viel Zeit für andere Dinge gewonnen haben! Und allen anderen, die hieran verdienen.
Der Erzählstrang ist derart dürftig, die Geschichte(-n) so belanglos bis abstrus, der Schreibstil so pubertär, dass ich mich geärgert habe, Tage fürs Lesen dieses Buchs geopfert zu haben.
26. Dezember 2009 um 01:17 Uhr
Unendlicher Spaß
Wahrscheinlich ein geniales Buch; für Ungeübte nicht zu empfehlen!
seitenweise Fremdwörter; diese immer nachzuschlagen hemmt natürlich den Lesefluss ungemein.
Man kann aus diesem Buch unwahrscheinlich viel lernen; über die Doping- und sonstigen Verhältnisse beim Spitzensport; die menschliche Seele im Allgemeinen!
26. Dezember 2009 um 01:17 Uhr
Unendlicher Spaß
Wahrscheinlich ein geniales Buch; für Ungeübte nicht zu empfehlen!
seitenweise Fremdwörter; diese immer nachzuschlagen hemmt natürlich den Lesefluss ungemein.
Man kann aus diesem Buch unwahrscheinlich viel lernen; über die Doping- und sonstigen Verhältnisse beim Spitzensport; die menschliche Seele im Allgemeinen!
3. Januar 2010 um 21:00 Uhr
Der Lange Weg des Straßenfegers
Meine Geschichte mit diesem Buch fängt im Jahr 2001 an, als ich mir die gut 1000-seitige Taschenbuchausgabe der Englischen Fassung zulegte. Anfangs sehr begeistert über den Schreibstil und den Humor wurde das Lesen mehr und mehr zur Qual und nach etwa 300 Seiten gab ich “entkräftet” auf. Dennoch ließ mich die Geschichte nicht los. Jeweils nach dem Lesen von englischen Harry-Potter-Büchern war die Motivation wieder da, reichte aber selten für mehr als etwa 20 Seiten… Seither steht das Buch mit zwei Lesezeichen im Bücherschrank.
Riesengroß war die Freude, als ich hörte, dass im letzten Jahr (endlich) die deutsche Fassung erscheinen sollte. Dabei erfuhr ich auch, dass der Autor sich 2008 selbst entkartete… Schade.
Kaum erschienen, war das Buch auch schon gekauft, ich konnte allerdings erst ein paar Wochen später mit dem Lesen angefangen. Nachdem ich jetzt, gut drei Monate später, das ganze Buch durchgelesen habe, kann ich mich im Wesentlichen der Rezension “Der ultimative Test für unschlüssige Leser…” anschließen, allerdings hätte ich da noch ergänzende Anmerkungen bzw. Eindrücke:
Zunächst rein formal heisst es richtig: SCH.M.A.Z. Und nicht S.C.H.M.A.Z. (steht für “SCHönstes Mädchen Aller Zeiten”). Irgendwie ist mir das wichtig
Zum Buch: Beim Lesen dieses Buches ist offenbar weniger die Handlung oder auch einzelne Charaktere als solche wichtig, weniger das einzelne Warum bezogen auf einzelne Personen oder Ereignisse im Buch, als vielmehr das “Meta-Warum?”, das Gefühl wie es ist, in dieser geschilderten (zukünftigen) Welt zu leben. Es geht meiner Ansicht nach mehr um die gesellschaftliche Entwicklung, die der Autor Mitte der 90er für die mehr oder weniger nahe Zukunft erwartete, und immerhin spielt die Geschichte quasi im “jetzt” - zumindest der selbst nachgerechneten Zeitrechnung des Buches nach. Das ist so ein Bischen wie bei “1984″ - einem Buch das noch einen Tuck (oder zwei) weniger fröhlich ist als “unendlicher Spaß”. Aber auch bei “unendlicher Spaß” kann man quasi vergleichen: was von dem, das der Autor für diese Zeit vorhergesehen hat, ist Realität? Oder zumindest so ähnlich wie im Buch geschildert? Da kommt auch nicht unbedingt Freude auf…
Gut gefallen haben mir:
Neben der reinen Sprache, dass Gegebenheiten, die an scheinbar unpassenden Stellen ausführlichst beschrieben werden, und wo man sich fragt, was außer der Demonstration reiner Formulierkunst uns der Autor damit vermitteln will, später im Buch wieder Bezug finden, indem irgendwelche Leute genau wegen dieser Geschichte irgendetwas taten oder dachten oder irgendwelche Komplexe entwickelt haben. Erstaunlich wie isch die Wege der einzelnen Protagonisten an den unglaublichsten Stellen kreuzen, “wie klein die Welt ist”, auch in dem Buch. Das waren im übrigen recht viele solcher Stellen…
Faszinierend war der Blick ins Innenleben von Drogensüchtigen verschiedenster Art, der Anonymen Alkoholiker sowie der Funktionsweise einer Sport-Akademie (wobei ich nicht glaube, dass es bedeutende Unteschiede abgesehen von den Sportarten gibt - man kann hier viel übertrage denke ich). Die vermeintliche Harmlosigkeit von “Bob Hope”, die man in seiner Jugend von mancherlei Seite vermittelt bekommen hat, steht auch in einem ganz anderen Licht da, insbesondere die Langzeit-Folgen des Konsums…
Weniger gut gefallen haben mir:
Dass das Lesen streckenweise echt super anstrengend ist, wenn man nicht den Faden verlieren will - wobei man sich hinterher oft denkt: auch egal… Oft schwirrt einem schon nach 20 Minuten der Kopf, insbesondere nach einem vorangegangenen langen Arbeitstag.
Auch weniger gefallen hat mir, dass die Geschichte kein richtiges Ende hat, ähnlich wie beim “Besen im System”. Der Leser wird über Vieles im Unklaren gelassen, Vieles erschließt sich nur durch Andeutungen, durch die sich logische Schußfolgerungen quasi aufdrängen, wobei das hier (verglichen mit dem “Besen…”) durch Perspektivenwechsel noch erschwert wird: welche Sichtweise ist nun die Richtige auf das Geschehen? Während beim Besen das allermeiste durch Andeutungen zumindest erklärbar wird, ist bei diesem Buch irgendwann schlicht Stromausfall.
Und wie lese ich jetzt so ein Buch?
Die Methode der AA (siehe Seite 1235/1236) hilft. Übertragen heisst das: Nicht ständig die Seiten zählen, die man geschafft hat, und vor allem nicht dauernd nach vorne schauen (sooo viel noch?!). So wie ein Straßenfeger, der gut eineinhalb Kilometer Straße (um nicht zu sagen: 1545 Meter) mit einem einfachen Besen fegen muss: immer vor die Füße schauen und einfach weiterfegen! Irgendwann schaut man auf und denkt sich: oh, so weit schon? Das ständige Seitenzählen ist eher kontraproduktiv.
Mein Fazit: Ich bin froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Aber ich bin auch froh, dass das jetzt vorbei ist. Wie andere schon sagten: entweder man liebt das Buch, oder eben nicht. Mir hat’s gefallen, aber für fünf Sterne hat mich doch zu viel gestört.
Zum Abschluß möchte auch ich einen einzigen Satz (!) aus dem Buch zitieren, der einem vielleicht hilft, zu beurteilen, ob man so etwas lesen möchte. Ach ja, es gibt durchaus längere Sätze mit weniger Satzzeichen, dies ist also nur ein durchschnittlich langer Satz. Viel Spaß:
“Der Schraubenschlüssel im Pfeffer war, dass in Providence niemand damit gerechnet hatte, dass pünktlich zum Spielanpfiff vor dem Pizzitola Athletic Center die gesamte Dachlatten und Schlagringe schwingende dworknistische Phalanx für die Prävention von und den Protest gegen Frauenverdinglichung der Brown University auftauchen würde, zwei PPPFVs pro Motorrad, die durch die filigranen Tore bretterten, als wären die aus nassen Kleenex, und die Arena stürmten, unterstützt von einer Division schneidiger N.O.W.-Studentinnen der Brown Univ., die in der ersten Auszeit von den billigen Plätzen aus einen Zangenangriff durchführten, genau in dem Augenblick, als das erste Pyramidenmanöver der Brown-Cheerleader in einem Flugspagat kulminierte, das den Punktezähler an der Pizzitola-Anzeigetafel gegen sein Schaltpult zurücktaumeln ließ, wodurch er an der Tafel genau in dem Moment die Nullen von sowohl HEIM als auch GÄSTE löschte, als die schalldämpferlosen PPPFV-Hobel böswillig durch die Bodentunnel auf die Spielfläche posaunten; im anschließenden Handgemenge wurden nicht nur Cheerleader, Peptrupp und anmutige Brown-Univ.-Sirenen entweder von wie Knüttel geschwungenen Dachlatten geschrägt oder um sich tretend und kreischend über die vierschrötigen Schultern der militanten PPPVFs geworfen und auf dröhnenden Hobeln abtransportiert, wodurch das empfindliche Nervensystem des Power Forward der Yale intakt, wenn auch überhitzt blieb, sondern von einem PPPVF-Schlagring beziehungsweise einem desorientierten Schiedsrichter mit Kampfsporterfahrung wurden auch zwei Starter der Brown Univ. Bruin gefällt, ein Center und ein Shooting-Guard - beide nach einer strapaziösen Woche des Vorsprechens und Probens anmutiger Sirenen zu entsaftet und benommen, um einen anständigen Sprint hinlegen zu können, als das Handgemenge auf Pizzitola-Parkett überschwappte; und als die Spielfläche endlich geräumt und die Tragen abgetragen waren, wurde das Spiel wiederaufgenommen, und Yale Univ. machte Brown Univ. mit über zwanzig Punkten Vorsprung platt.”
8. Januar 2010 um 08:34 Uhr
Nicht mein Fall …
Ja, ich Banause. Was haben uns die Feuilletons dieses Werk ans Herz gelegt, und ja, sie haben es geschafft, ich ließ mich davon leiten und legte mir diesen Wälzer zu, trotz eines bereits kläglich gescheiterten Versuchs, mich mit DFWs Stil anzufreunden.
Doch auch mit diesem Riesenschinken wird meine Liebe zu diesem Autor nicht geweckt. Er versteht sein Handwerk, keine Frage, schmeißt mir Wörtern um sich, die andere Literaten nicht kennen, oder vielleicht auch gar nicht kennen mögen, aber was hat man davon, wenn einem bei all der Sprachpracht eine gepflegte unterschwellige Langeweile einem das Buch nach wenigen Seiten aus der Hand treibt?
8. Januar 2010 um 08:34 Uhr
Nicht mein Fall …
Ja, ich Banause. Was haben uns die Feuilletons dieses Werk ans Herz gelegt, und ja, sie haben es geschafft, ich ließ mich davon leiten und legte mir diesen Wälzer zu, trotz eines bereits kläglich gescheiterten Versuchs, mich mit DFWs Stil anzufreunden.
Doch auch mit diesem Riesenschinken wird meine Liebe zu diesem Autor nicht geweckt. Er versteht sein Handwerk, keine Frage, schmeißt mir Wörtern um sich, die andere Literaten nicht kennen, oder vielleicht auch gar nicht kennen mögen, aber was hat man davon, wenn einem bei all der Sprachpracht eine gepflegte unterschwellige Langeweile einem das Buch nach wenigen Seiten aus der Hand treibt?
26. Januar 2010 um 02:17 Uhr
170 Minuten unendlicher Spaß, wirklich???
David Foster Wallace ist ein Garant der scharfzüngigen Art und doch hat er die Welt nur so gesehen wie sie ist - leider ist er seit 2008 tot - doch hinterlassen hat er uns Berichte und Essays die an Durchschlagskraft so zerstörerisch sind wie eine Wasserstoffbombe. Leider konnte er am Ende seines nur kurzen Lebens der Kritik die er aussandte selbst nicht entfliehen und Zusehens wurde die Welt für ihn immer ätzender. In UNENDLICHER SPASS erwartet uns mit einem Live Mitschnitt auf 2 CDs eine Adaption der gleichnamigen Buchvorlage von David Foster Wallace welche ein Eigenleben entwickelt das man ihm gar nicht zugetraut hätte. Ein literarisches Feuerwerk der ganz besonderen und speziellen Art.
Gleich vorweg einmal die Kritik, ich war etwas verwirrt und auch enttäuscht, denn die die Lobeshymnen auf UNENDLICHER SPASS und die Vergleiche mit Meisterwerken der Literatur konnte ich anhand des Live Mitschnitts auf 2 CDs gar nicht nachvollziehen - ich empfand das alles eher als mittelmäßig und langweilig, gar nicht so David Foster Wallace mäßig wie ich ihn in anderen Werken gelesen und kennen gelernt hatte.
Die Protagonisten schräg, die Handlungen gewöhnungsbedürftig, die Fremdwörter vielfältig - soll ich da lachen? Nein, unendlicher Spaß sieht anders aus, ich hatte vielmehr das Gefühl Wallace stößt einen hier ins eiskalte Tauchbecken der Realität.
Als er über Schiffsreisen schrieb oder das Hummerfestival in Maine karikierte, da hat er mir wirklich besser gefallen.
Einige der aufgenommenen Stimmen sind zu schwach und man kann sie kaum verstehen auch wenn man sich anstrengt, zudem glaube ich das nur das Originalwerk, die Grundlage zu diesen zwei CDs als Live Mitschnitt, also die mehr als 1.600 Seiten des Werkes UNENDLICHER SPASS tatsächlich eine Auskunft geben können - warum bei einigen so banalen Lesungen (Auszüge) aus dem Werk die Zuschauer / Zuhörer frenetisch geklatscht haben, entzieht sich völlig meiner Kenntnis.
Eingeschränkt empfehlenswert!
26. Januar 2010 um 02:17 Uhr
170 Minuten unendlicher Spaß, wirklich???
David Foster Wallace ist ein Garant der scharfzüngigen Art und doch hat er die Welt nur so gesehen wie sie ist - leider ist er seit 2008 tot - doch hinterlassen hat er uns Berichte und Essays die an Durchschlagskraft so zerstörerisch sind wie eine Wasserstoffbombe. Leider konnte er am Ende seines nur kurzen Lebens der Kritik die er aussandte selbst nicht entfliehen und Zusehens wurde die Welt für ihn immer ätzender. In UNENDLICHER SPASS erwartet uns mit einem Live Mitschnitt auf 2 CDs eine Adaption der gleichnamigen Buchvorlage von David Foster Wallace welche ein Eigenleben entwickelt das man ihm gar nicht zugetraut hätte. Ein literarisches Feuerwerk der ganz besonderen und speziellen Art.
Gleich vorweg einmal die Kritik, ich war etwas verwirrt und auch enttäuscht, denn die die Lobeshymnen auf UNENDLICHER SPASS und die Vergleiche mit Meisterwerken der Literatur konnte ich anhand des Live Mitschnitts auf 2 CDs gar nicht nachvollziehen - ich empfand das alles eher als mittelmäßig und langweilig, gar nicht so David Foster Wallace mäßig wie ich ihn in anderen Werken gelesen und kennen gelernt hatte.
Die Protagonisten schräg, die Handlungen gewöhnungsbedürftig, die Fremdwörter vielfältig - soll ich da lachen? Nein, unendlicher Spaß sieht anders aus, ich hatte vielmehr das Gefühl Wallace stößt einen hier ins eiskalte Tauchbecken der Realität.
Als er über Schiffsreisen schrieb oder das Hummerfestival in Maine karikierte, da hat er mir wirklich besser gefallen.
Einige der aufgenommenen Stimmen sind zu schwach und man kann sie kaum verstehen auch wenn man sich anstrengt, zudem glaube ich das nur das Originalwerk, die Grundlage zu diesen zwei CDs als Live Mitschnitt, also die mehr als 1.600 Seiten des Werkes UNENDLICHER SPASS tatsächlich eine Auskunft geben können - warum bei einigen so banalen Lesungen (Auszüge) aus dem Werk die Zuschauer / Zuhörer frenetisch geklatscht haben, entzieht sich völlig meiner Kenntnis.
Eingeschränkt empfehlenswert!
30. Januar 2010 um 18:00 Uhr
Dieses Buch wird Geschichte schreiben
Es ist viel über dieses Buch gesprochen und geschrieben worden, über seinen Autor und über die kongeniale Übersetzung durch Ulrich Blumenbach. Nichts davon will ich wiederkäuen. Nur soviel: Was hat das Buch - ein virtuoser Kosmos unseres modernen (Un)Lebens - mit mir gemacht ?
Auch wenn ich regelmäßig lese und jeder gute Autor seine eigenen Qualitäten hat, ist mir mit diesem Buch erst schlagartig deutlich geworden, was Literatur ist, leisten und bedeuten kann. Für mich ist nach Lesen dieses Buches nichts mehr so wie vorher. Ein Buch, der Hammer ! (Die ZEIT 2009).
Vielleicht verbinden mich im Innersten Verwandtschaftsbeziehungen mit dem Autor, seinen Zweifeln, seiner Verzweifelung, seinem Pessimismus und seiner Verletzlichkeit, aber auch mit seinen Ansprüchen und Utopien.
Was für eine Gabe, all diese Zerissenheit derart in Sätze umzusetzen und Resonanz zu erzeugen.
30. Januar 2010 um 18:00 Uhr
Unendlicher Frust
Ich habe nach 100 Seiten aufgegeben. Leider hatte ich vor dem Kauf nicht die weniger überschwenglichen Rezensionen hier gelesen….
Nach fremdwortgespickten Ausführungen zu Drogenkonsum und Tennis in der Pubertät legte ich das Buch entnervt weg.
Bei dem Versuch, das Buch zu lesen und zu verstehen (Respekt vor dem großen Wissen des Schriftstellers) wurde ich durch die vielen Fremdwörter, Anmerkungen und Ausführungen zu sehr unterbrochen, als das ich in den Sog des Buches gezogen wurde. Über hundert Seiten Fußnoten (388. in Zahlen) mit Anmerkungen und Errata, die teilweise mehrseitig und auch mit Fußnoten versehen waren, zwangen mich, endlich den Spaß zu beenden. Herzlichen Glückwunsch an jeden, der das Buch fertig gelesen und verstanden hat.
Das Buch wird mit dem Fänger im Roggen verglichen - meine Empfehlung: gleich den “Fänger” lesen.
4. Februar 2010 um 08:34 Uhr
Enttäuschend
Es wurde hier schon mal geschrieben und ich muss es leider wiederholen: Nur weil jemand tragisch aus dem Leben geschieden ist, muss das nicht heißen, dass er ein besserer Schriftsteller ist als die, die lange leben. Ich fand das Buch unleserlich und unendlich langweilig. Habe bald aufgeben müssen. Dafür ist mir die Lebenszeit zu schade.
4. Februar 2010 um 08:34 Uhr
Enttäuschend
Es wurde hier schon mal geschrieben und ich muss es leider wiederholen: Nur weil jemand tragisch aus dem Leben geschieden ist, muss das nicht heißen, dass er ein besserer Schriftsteller ist als die, die lange leben. Ich fand das Buch unleserlich und unendlich langweilig. Habe bald aufgeben müssen. Dafür ist mir die Lebenszeit zu schade.
28. Februar 2010 um 01:51 Uhr
Ein Marathon von einem Buch..
..und wie bei einem Marathon gibt es Durchhänger, Motivationslöcher aber auch Hochgefühle und natürlich Stolz, wenn man es geschafft hat. Es ist kein einfaches Buch, alles andere als Unendlicher Spaß und eine Riesenherausforderung.
Dave Eggers aus dem Vorwort 2006 schreibt “Das Buch ist 1646 Seiten dick, und es gibt nicht einen einzigen müßigen Satz.” Das finde ich nicht. Es gibt durchaus einige müßige Sätze und durch die muß man sich leider durchquälen, wenn man das Buch lesen möchte. Sätze, die es einem nicht einfach machen sich mit diesem ohnehin abschreckenden Schinken anzufreunden, der so schwer ist, daß einem beim Lesen die Handgelenke ermüden und eben manchmal auch der Geist. Es ist als wolle DFW es seinen Lesern absichtlich schwer machen dieses Werk zu konsumieren.
Als Belohnung für die Anstrengung bekommt man dafür eine unvergleichliche Lektüre präsentiert, die sich durch viele brilliante Passagen, interessante Charaktäre, unglaubliche Sprachgewandnis und einen unerschöpflichen Ideenreichtum auszeichnet.
Insgesamt vergebe ich 3 Sterne, 0 Sterne für seitenlange Beschreibungen von Belüftungsschächten, Bandwurmsätzen und Fremdwortorgien, 5 Sterne für die interessante Geschichte rund um Hal Incandenza und Ennet House.
28. Februar 2010 um 01:51 Uhr
Ein Marathon von einem Buch..
..und wie bei einem Marathon gibt es Durchhänger, Motivationslöcher aber auch Hochgefühle und natürlich Stolz, wenn man es geschafft hat. Es ist kein einfaches Buch, alles andere als Unendlicher Spaß und eine Riesenherausforderung.
Dave Eggers aus dem Vorwort 2006 schreibt “Das Buch ist 1646 Seiten dick, und es gibt nicht einen einzigen müßigen Satz.” Das finde ich nicht. Es gibt durchaus einige müßige Sätze und durch die muß man sich leider durchquälen, wenn man das Buch lesen möchte. Sätze, die es einem nicht einfach machen sich mit diesem ohnehin abschreckenden Schinken anzufreunden, der so schwer ist, daß einem beim Lesen die Handgelenke ermüden und eben manchmal auch der Geist. Es ist als wolle DFW es seinen Lesern absichtlich schwer machen dieses Werk zu konsumieren.
Als Belohnung für die Anstrengung bekommt man dafür eine unvergleichliche Lektüre präsentiert, die sich durch viele brilliante Passagen, interessante Charaktäre, unglaubliche Sprachgewandnis und einen unerschöpflichen Ideenreichtum auszeichnet.
Insgesamt vergebe ich 3 Sterne, 0 Sterne für seitenlange Beschreibungen von Belüftungsschächten, Bandwurmsätzen und Fremdwortorgien, 5 Sterne für die interessante Geschichte rund um Hal Incandenza und Ennet House.
14. März 2010 um 18:34 Uhr
Unendlich seltsam …
… und doch unendlich gut … irgendwie …
Wie soll man eine Rezension für ein Buch schreiben, das aus einer Aneinanderreihung von Begebenheiten und endlosen Beschreibungen besteht … und das auf über 1400 Seiten.
Die Protagonisten versuchen in einem System zu überleben, in dem alles, was wir heute kennen, ins Extreme verzerrt wird. Drogenmissbrauch wird zur Normalität, vielversprechende Jungsportler werden durch unglaubliche Trainingsmühlen gedreht, Selbstmorde werden auf unvorstellbare Weise begangen, Medien üben beängstigende Macht auf die Menschen aus, Monatsnamen werden durch Produktnamen ersetzt u.v.m.
So extrem, wie das Leben erzählt wird - genauso extrem ist die Beschreibungswut des Schriftstellers. Und als Leser tut man das, was viele Menschen auch tun, wenn zuviel auf sie einströmt: Sie schalten ab.
Jedenfalls ging es mir so - manche Beschreibungen waren so ausführlich, dass mein Blick auf der Suche nach der neuen Szene nur über die Zeilen huschte, und ich kaum etwas im Gedächtnis behielt. Der Effekt war - jene Stellen, an denen Menschen an der Sinnlosigkeit ihres Treibens verzweifelten, bekamen eine unerträgliche Schärfe.
Ist es möglicherweise das, was David Foster Wallace sah? Sah er, wie die Menschen sich immer weiter spezialisieren, immer extremer in ihren Fähigkeiten und damit auch in ihrem Versagen werden? Bin ich als Leser so perfekt, dass ich den seitenlangen Beschreibungen von Lüftungskanälen folge oder setze ich mich darüber hinweg?
Genau das ist das Besondere an diesem Buch - es ist eine gigantische Komposition. Es ist wie eine überlange Oper, bei der man ab und zu nach einem Bonbon in der Tasche kramt, weil’s grad ein wenig fad ist.
In seiner Gesamtheit ist es dennoch ein grandioses Werk (aber für die Mühseligkeiten hab ich einen Stern abgezogen)
19. März 2010 um 20:00 Uhr
Unendlich reich!
In der Tat: man kann nur warnen vor der Lektüre dieses Werks. Nicht daß man sich verändern würde, das ist sicherlich nur eine verkaufsfördernde Verlautbarung des Verlages. Nein, man wird sehr viel Zeit mit diesem Roman verbringen, wird sich einfühlen in sehr viele Charaktere, wird mitleiden, verstehen… Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte dieses Buch auch 3000 Seiten haben dürfen. So ungeheuer vielschichtig und reich ist es. Vielschichtig durch seine politisch-gesellschaftlichen, sozialen, psychologischen und nicht zuletzt narrativen Ebenen. Und reich an Tiefe und Empathie. Und nicht zuletzt: es ist spannend. Und deshalb ist es schade, daß es eine letzte Seite hat und es ist schade, daß es das letzte Buch von DFW ist.
19. März 2010 um 20:00 Uhr
Unendlich reich!
In der Tat: man kann nur warnen vor der Lektüre dieses Werks. Nicht daß man sich verändern würde, das ist sicherlich nur eine verkaufsfördernde Verlautbarung des Verlages. Nein, man wird sehr viel Zeit mit diesem Roman verbringen, wird sich einfühlen in sehr viele Charaktere, wird mitleiden, verstehen… Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte dieses Buch auch 3000 Seiten haben dürfen. So ungeheuer vielschichtig und reich ist es. Vielschichtig durch seine politisch-gesellschaftlichen, sozialen, psychologischen und nicht zuletzt narrativen Ebenen. Und reich an Tiefe und Empathie. Und nicht zuletzt: es ist spannend. Und deshalb ist es schade, daß es eine letzte Seite hat und es ist schade, daß es das letzte Buch von DFW ist.
19. März 2010 um 20:00 Uhr
Abgründig, irrwitzig, tragisch glaubhaft…
Ich hatte mich ebenfalls von etlichen euphorischen Rezensionen in div. Tageszeitungen hinreißen lassen und stellte mir dieses Buch, das locker als Waffe durchgehen kann, erst mal ein halbes Jahr ins Regal.
Jetzt habe ich angefangen zu lesen und kann nicht mehr aufhören. Der bereits angeführte Vergleich mit James Joyce “Ulysses” drängte sich mir schon nach den
ersten Seiten auf. Thomas Manns “Zauberberg” ist ein ähnliches Kaliber. Was natürlich schon auf die schwere, nahezu unmögliche Verdaulichkeit dieses Romans hinweist. Hinzu kommt der surreale Plot, gespickt mit psychiatrischen Krankheitsbildern, Drogen und labyrinthisch-philosophischen Satzkonstrukten.
So was muss man mögen - nur dann hält der Roman, was die Kritiker versprechen.
Ich mag es. Vielleicht hilft es, dass ich als Ärztin einige Zeit in der Psychiatrie gearbeitet habe - ich bin jedenfalls noch nicht in die Versuchung gekommen, ein Lexikon als Zweitlektüre auf den Bettkasten zu legen. Dieser von anderen Lesern geschilderte Impuls klingt für mich aber sehr nachvollziehbar (wobei aber für das Verständnis des Buches nicht unbedingt notwendig, dafür gibt es ja den sehr lesenswerten Anhang).
Unglaublich und schier erdrückend sind manche Passagen zu lesen, wenn man weiß, dass sich der Autor suizidiert hat. Schwindelfrei sollte man manchmal nicht nur beim Bergsteigen sondern auch beim Lesen sein. Es gibt hier Einblicke in die tiefsten Abgründe einer menschlichen Seele. Gut vorstellbar, dass das viel Autobiographisches enthält, in denen Herr Wallace seine eigenen Dämonen beschrieben hat.
Zwischen all dem Irrsinn blitzen dann aber wieder Stellen heraus, an denen man sich kaum halten kann vor Lachen - eben wie im wahren Leben
Ich entwickle langsam eine Sucht nach diesem Buch und weiß jetzt schon, dass ich es nicht nur einmal lesen werde. Und ich freue mich, dass ich gerade erst auf Seite 250 bin und noch so viel Irrsinn vor mir habe.
Trotzdem noch mal für alle, die den Kauf dieses Buches erwägen:
VORSICHT!!!!
Dies ist ganz ganz schwierige Kost, schwer lesbar und teilweise völlig psychotisch - aber wenn einen das nicht schreckt: Unendlicher (Lese-) Spaß und ganz nebenbei ein riesengroßes Stück Literaturgeschichte.
19. März 2010 um 20:00 Uhr
Abgründig, irrwitzig, tragisch glaubhaft…
Ich hatte mich ebenfalls von etlichen euphorischen Rezensionen in div. Tageszeitungen hinreißen lassen und stellte mir dieses Buch, das locker als Waffe durchgehen kann, erst mal ein halbes Jahr ins Regal.
Jetzt habe ich angefangen zu lesen und kann nicht mehr aufhören. Der bereits angeführte Vergleich mit James Joyce “Ulysses” drängte sich mir schon nach den
ersten Seiten auf. Thomas Manns “Zauberberg” ist ein ähnliches Kaliber. Was natürlich schon auf die schwere, nahezu unmögliche Verdaulichkeit dieses Romans hinweist. Hinzu kommt der surreale Plot, gespickt mit psychiatrischen Krankheitsbildern, Drogen und labyrinthisch-philosophischen Satzkonstrukten.
So was muss man mögen - nur dann hält der Roman, was die Kritiker versprechen.
Ich mag es. Vielleicht hilft es, dass ich als Ärztin einige Zeit in der Psychiatrie gearbeitet habe - ich bin jedenfalls noch nicht in die Versuchung gekommen, ein Lexikon als Zweitlektüre auf den Bettkasten zu legen. Dieser von anderen Lesern geschilderte Impuls klingt für mich aber sehr nachvollziehbar (wobei aber für das Verständnis des Buches nicht unbedingt notwendig, dafür gibt es ja den sehr lesenswerten Anhang).
Unglaublich und schier erdrückend sind manche Passagen zu lesen, wenn man weiß, dass sich der Autor suizidiert hat. Schwindelfrei sollte man manchmal nicht nur beim Bergsteigen sondern auch beim Lesen sein. Es gibt hier Einblicke in die tiefsten Abgründe einer menschlichen Seele. Gut vorstellbar, dass das viel Autobiographisches enthält, in denen Herr Wallace seine eigenen Dämonen beschrieben hat.
Zwischen all dem Irrsinn blitzen dann aber wieder Stellen heraus, an denen man sich kaum halten kann vor Lachen - eben wie im wahren Leben
Ich entwickle langsam eine Sucht nach diesem Buch und weiß jetzt schon, dass ich es nicht nur einmal lesen werde. Und ich freue mich, dass ich gerade erst auf Seite 250 bin und noch so viel Irrsinn vor mir habe.
Trotzdem noch mal für alle, die den Kauf dieses Buches erwägen:
VORSICHT!!!!
Dies ist ganz ganz schwierige Kost, schwer lesbar und teilweise völlig psychotisch - aber wenn einen das nicht schreckt: Unendlicher (Lese-) Spaß und ganz nebenbei ein riesengroßes Stück Literaturgeschichte.
30. März 2010 um 01:51 Uhr
Tatsächlich ein Spaß
Dieses Buch hat mich nachhaltig beeindruckt und bewegt. Dieses Buch ist alles was man sich als Leser wünscht - und mehr.
Es ist langatmig und unglaublich spannend. Es ist realitätsnah und völlig abgedreht, witzig und tieftraurig, bezaubern und widerlich, Poesie und Slang, …
Es ist jeden Cent wert und jede Minute, die man damit verbringt.
Zugegeben, durch die ersten rund 250 Seiten habe ich mich gequält. Ständig wechselnde Personen und vorerst unzusammenhängende Handlungsstränge, eine Vielzahl medizinischer Fremdwörter und eine Geschichte (das Leben junger Tennisprofis, Drogenkarrieren), die nicht wirklich in meinem Interessengebiet liegt. Dennoch ist es dem Autor gelungen, mich so sehr zu fesseln, dass ich etwa ab der Hälfte des Buches bedauert habe, dass es nicht noch ein paar 1000 Seiten mehr hat.
Für mich war dieses Buch tatsächlich ein Spaß (wenn auch kein unendlicher). Besonderer Grund zur Freude waren dabei die Wort- und Satzkreationen DFWs. Ich habe während der Lektüre wirklich viel gelacht, und kann dieses Buch schon allein aus diesem Grund weiterempfehlen.
30. März 2010 um 01:51 Uhr
Tatsächlich ein Spaß
Dieses Buch hat mich nachhaltig beeindruckt und bewegt. Dieses Buch ist alles was man sich als Leser wünscht - und mehr.
Es ist langatmig und unglaublich spannend. Es ist realitätsnah und völlig abgedreht, witzig und tieftraurig, bezaubern und widerlich, Poesie und Slang, …
Es ist jeden Cent wert und jede Minute, die man damit verbringt.
Zugegeben, durch die ersten rund 250 Seiten habe ich mich gequält. Ständig wechselnde Personen und vorerst unzusammenhängende Handlungsstränge, eine Vielzahl medizinischer Fremdwörter und eine Geschichte (das Leben junger Tennisprofis, Drogenkarrieren), die nicht wirklich in meinem Interessengebiet liegt. Dennoch ist es dem Autor gelungen, mich so sehr zu fesseln, dass ich etwa ab der Hälfte des Buches bedauert habe, dass es nicht noch ein paar 1000 Seiten mehr hat.
Für mich war dieses Buch tatsächlich ein Spaß (wenn auch kein unendlicher). Besonderer Grund zur Freude waren dabei die Wort- und Satzkreationen DFWs. Ich habe während der Lektüre wirklich viel gelacht, und kann dieses Buch schon allein aus diesem Grund weiterempfehlen.
6. Mai 2010 um 01:00 Uhr
Schwer getan
Nein, Unendlicher Spass ist sicher kein unendlich langweiliges Buch, wie einige Rezensoren hier meinen. Die Sprache und die entworfenen Bilder sind zum großen Teil brillant und fesselnd. Aber was ist die Botschaft, die das Buch ausstrahlt? Eine kritischere, klarere Haltung zum verkommerzialisierten Alltag als Gegenreaktion zu erzeugen? Also als Gegenimpuls beim Leser zu der ätzend deprimierenden Daseinsweise fast aller Charaktere? Den erzeugt es bei mir jedenfalls nicht! Natürlich sind die gemalten Bilder unendlich echt und plastisch. Aber so komprimiert beobachtend ist das Leben nicht. Es besteht eben auch aus wirklicher Bewegung. Bewegung bedeutet auch Hoffnung. Und Hoffnung macht auf Lust auf weitergehen/-lesen. Und diese Hoffnung oder Perspektive (was nicht bedeutet, dass ein HappyEnd her muss) vermisste ich in dem Buch. Das Gesamtbild was entworfen wird ist (sicher mit Absicht) unendlich statisch. Das Leben selbst entwirft aber eben nicht permanent diese Bilder. Von daher verliert das Buch eigentlich von Anfang an seine Glaubwürdigkeit und wirkt auf mich wie der Versuch DFW sich durch Schreiben seine eigene Statik zu therapieren. Leider kenne ich keine weiteren Bücher von ihm, werde mir aber welche besorgen. Vielleicht erscheint der Roman dann in einem anderen Licht!