Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern (Joachim Bauer)
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Schlagworte: Joachim Bauer
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19. Januar 2009 um 11:17 Uhr
Solide. Kenntnisreich geschrieben. Empfehlenswert!
Dieses Buch des Freiburger Mediziners Bauer bietet einen auf solidem Fachwissen basierenden Überblick. Ich würde es als eine “neurobiologisch fundierte Psychosomatische Medizin” bezeichnen. Empfehlenswert.
19. Januar 2009 um 11:17 Uhr
Alter Wein in neuen Schläuchen
Es ist schon klar, dass jeder Verkäufer seine Ware lobt und für seine Produkte die Trommel rührt. Und so rückt auch Bauer die Forschungsergebnisse der Hirnforscher und Neurobiologen ins Scheinwerferlicht. Daran ist auch nichts auszusetzen, denn schließlich wollen wir ja wissen, was die Forscher aus der jungen Neurowissenschaft zu den alten Fragen zu sagen haben. Was aber unangenehm auffällt, ist das Marktschreierische dieser Inszenierung. Nicht alles was in “jüngster Zeit” von einem Post-Doc einer amerikanischen Provinzuni erforscht wurde, ist wirklich neu.
Da zitiert Bauer zwar einen Rudolph Nesse von einer Ann Arbor University in Michigan der herausgefunden haben will, dass in der Depression oft ein verborgener Hilfsappell versteckt liegen soll. Und erwähnt mit keiner Silbe, dass sich der große Klassiker von Martin Seligman genau mit dieser Thematik eingehend beschäftigt hat. Und im Kapitel über Borderline werden zwar unzählige amerikanische “Traumaspezialisten” erwähnt (von denen ich die meisten nicht einmal dem Namen nach kenne), aber kein einziges Mal Otto Kernberg. Nun kann man zu Kernberg stehen wie man will, aber wie soll man ernsthaft über Borderline sprechen, wenn man seine bahnbrechenden Arbeiten dazu ausklammert? Dasselbe gilt für die Beziehungstheorien im allgemeinen. Keine einzige Referenz auf Bowlby, auf Fairbairn, auf Stern. Nicht einmal ein Pseudo-Eintrag im Literaturverzeichnis.
Durch diese Ausklammerung der reichhaltigen psychoanalytischen Literatur zu den genannten Themen entsteht erstens der Eindruck, die vielen fleißigen Neurobiologen hätten gerade das Rad neu erfunden. Was schlicht falsch ist. Was aber noch viel schwerer wiegt: Was hier als “neu” verkauft wird, hat vielfach nicht einmal das Problemniveau der alten Theorien erreicht. Ich möchte das an zwei besonders markanten Punkten festmachen:
(1) Kausalität: Bauer operiert durchgängig mit einem zwar intuitiven, nichtsdestotrotz falschem Kausalmodell. Da wird angeblich eine (traumatische oder Beziehungs-) Erfahrung im limbischen System gespeichert, die dann die Bewertung aller Folgeerfahrungen (kausal) determiniert. Bizarrerweise hat gerade die Hirnforschung gezeigt, dass das Gedächtnis nicht wie ein simpler Computerspeicher funktioniert (Speichern - Abrufen), sondern eher wie ein Theater: keine Aufführung (Abruf des gespeicherten Stücks) gleicht der anderen. Erfahrungen, die bei der einen Aufführung gemacht werden, fließen in die nächste ein. Schauspieler können wechseln, Kulissen ausgetauscht werden, ganze Akte dazukommen oder wegfallen.
(2) Psychotherapie als Allheilmittel. Woher Bauer das naive Zutrauen in die Allmächtigkeit der Psychotherapie nimmt, ist mir schleierhaft. Gerade seine klinische Erfahrung müsste ihm ja zeigen, wie begrenzt oft die Möglichkeiten sind. Wie oft nichts erreicht wird.
(3) Medikalisierung: Nein, Herr Bauer. Die Psychotherapie ist keine “medizinische Wissenschaft” und war auch nie eine. Sie war immer eine Kombination aus philosophischen, sozial-seelsorgerischen, psychologischen und medizinischen Elementen und Traditionen. Ich halte die einseitige Medikalisierung nicht für einen Fortschritt. Ich halte es für wichtig und spannend, etwas über die neurobiologischen Prozesse im Hintergrund zu wissen. Aber wenn es um Beziehungsgestaltung und Aufmerksamkeit für aktuelle Prozesse geht, dann ist wohl die Medizin bestenfalls eine von mehreren Traditionen.
Joachim Bauer ist gerade unter Psychotherapeuten sehr beliebt. Und das ist kein Zufall. Das neurobiologische Kausalitätsmodell verschafft einem ganzen Berufsstand endlich eine Art wissenschaftlicher Legitimität. Diese wiederum ist unabdingbare Voraussetzung, um in den Leistungskatalog der Sozialversicherungsträger aufgenommen zu werden. Und warum sollte das nun schlecht sein? Schließlich werden auch Heilmassagen oder Kuraufenthalte bezahlt. Dagegen lässt sich nichts mehr sagen. Außer vielleicht der Sorge Ausdruck verleihen, dass Psychotherapie durch diese Rahmenbedingungen immer mehr von einem Befreiungs- zu einem Anpassungsdiskurs verkommen könnte.
19. Januar 2009 um 11:17 Uhr
Ein Standardwerk über den Zusammenhang von seelischer und körperlicher Gesundheit
“Das Gedächtnis des Körpers” ist eine auf solide Daten und gesicherte Erkenntnisse gestützte, zudem exzellent geschriebene und daher flüssig lesbare Zusammenfassung des derzeit verfügbaren Wissens über die Zusammenhänge von zwischenmenschlichen Beziehungserfahrungen und biologischer Gesundheit. Das Buch macht eindrucksvoll deutlich, dass der menschliche Körper nicht nur wahrnimmt, was in zwischenmenschlichen Beziehungen geschieht, sondern dass Erfahrungen im Körper auch eine biologische Spur hinterlassen. Das Buch ist ein Standardwerk, das nicht nur Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern und Pflegekräften wichtige Informationen bietet, sondern auch Pädagogen, Eltern und “ganz normalen” Menschen”.
19. Januar 2009 um 11:17 Uhr
lieber nicht
Journalistischer Stil - wenig Fachwissen und eine sehr schlechte Darstellung, die viele Fragen offenlässt und von der Fachwelt noch ungeklärte Fragen als beantwortet darstellt. Schade, da fehlt einfach die Grundlage.
19. Januar 2009 um 11:17 Uhr
Nicht die Gene steuern uns, sondern wir steuern selber unsere Gene
Was für ein spannendes Thema, das der Autor Prof. Dr. med. Joachim Bauer in diesem Buch darstellt, nämlich, daß die Gene nicht starr festgelegt sind und somit unser gesamtes Leben steuern, sondern daß wir selber unsere Gene regulieren können. Diese Genaktivierung unterliegt situativen Einflüssen und wird überwiegend nicht vererbt, d.h. bestimmte Erfahrungen, die wir machen, bilden im Organismus Reaktionsmuster aus und haben einen Einfluß darauf, wie die Regulation der Genaktivität sich in bestimmten Situationen verhält.
So werden gute zwischenmenschliche Beziehungen im Gehirn abgebildet und gespeichert und wirken sogar gegen seelischen und körperlichen Streß. Dort, wo sich die Quantität und Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen vermindert, erhöht sich auch das Krankheitsrisiko, da seelische Vorgänge in biologische Signale umgewandelt werden, welche an der Regulation der Genaktivität mitwirken. Wie Gene auf Streß reagieren und das Streß auch das Gehirn so schädigen kann, daß Nervenzellen absterben, wird in Kapitel 4 genau erläutert. Bei Todesgefahr oder extremen seelischen Qualen z.B. reagiert das Gehirn mit schweren Gedächtnisstörungen und einer Verminderung der Hirnsubstanz (War Sailor Syndrome, Concentration Camp Syndrome).
Das nächste Kapitel erklärt, wie äußere Situationen vom Gehirn bewertet werden und aus welchem Grund Menschen völlig unterschiedlich auf Streß reagieren. Das darauffolgende Kapitel widmet sich den Synapsen (Nervenzellen) und das der Auf- und Umbau der Nervenzell-Verschaltungen im Gehirn abhängig davon ist, was wir im zwischenmenschlichen Bereich erleben.
Ein Kapitel widmet sich dem Thema Depression: Wie sie entsteht, was eine Depression ist und wie sich eine Depression verselbständigen kann und was der Grund dafür ist, daß einige Menschen für eine Depression anfällig sind und andere wiederum nicht und wie man sie behandeln sollte. Welche körperlichen Auswirkungen Streß und Depression haben und welche Verbindungen hier bestehen, liest sich außerordentlich spannend. Genauso wie das Kapitel der körperlichen Risiken von Streß und Depression, nämlich der Immunabwehr und dem Tumorrisiko. Sehr gut fand ich auch den Teil bezüglich der Behandlung mit Psychopharmaka und den Auswirkungen auf die Gene, nämlich das nicht nur prägende Ereignisse, sondern auch solche Substanzen im Gehirn Gene aktivieren können, die nachhaltige Spuren hinterlassen, was ebenso für Drogen (auch für THC = Haschisch) gilt. Auch sehr spannend in diesem Zusammenhang ist das Thema der Medikamentenunverträglichkeit und der richtigen Dosis.
Was hinter Schmerzerfahrungen ohne organischen Befund steht, nämlich das hier bei Auftreten eines häufigen Reizes sich nicht nur die Synapsen des Nervenzellen-Netzwerkes, sondern auch das Netzwerk an sich, vergrößern und sich somit diese Reize verselbständigen, wird erläutert. Weitere Themen sind: PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) und die Narben in der Gehirnsubstanz”, die durch ein Trauma ausgelöst werden; seelische und neurobiologische Folgen von Gewalt und Mißbrauch bei Kindern (Borderline-Störung, Dissoziation, wie Binge Eating); Körperliche Spuren bei Problemen am Arbeitsplatz (Burnout-Syndrom); Auswirkungen der Psychotherapie auf neurobiologische Strukturen, sowie eine Übersicht über die Wirkungsweise der Gene. Ein sehr spannendes und gut zu lesendes Buch, mit vielen neuen Einsichten. Unbedingt empfehlenswert!
19. Januar 2009 um 17:34 Uhr
Hervorragendes Buch-wie jedes von Joachim Bauer!!!
Gut verständliche Darstellung von komplexen Zusammenhängen aus der Medizin, der Neurologie und der Psychologie. Gut lesbar durch Zusammenfassungen und Wiederholungen auch für die, die nicht nur Bücher lesen, sondern auch noch etwas anderes zu tun haben. Im Alltag anwendbare Weisheiten, aber kein Ratgeberbuch. Erklärt, warum meiner Meinung nach die Menschheit immer dümmer wird und seelisch verroht. Jeder, der dieses Buch gelesen hat, sollte die anderen Bücher von Joachim Bauer auch lesen!
19. Januar 2009 um 19:00 Uhr
Das Gedächtnis des Körpers
Ich habe das Buch gekauft, nachdem ich bei NDR4-Radio eine Vorstellung der beiden Bücher gehört habe. Und die Interviews haben mir sehr gefallen, da ich als Geistheiler schon das Zellschmerzgedächtnis des Körpers kenne!
22. März 2009 um 03:17 Uhr
geglücktes Buch
Die sachliche Darstellung , die vielfalt der Gesichtspunkte und der Stil haben mich sehr befriedigt
22. März 2009 um 03:17 Uhr
Zusammenhänge erfassen
Mich beeindruckt dieses Buch durch seine verständliche und kompakte Erklärung der Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele verbunden durch
das alltägliche Geschehen der zwischenmenschlichen Beziehungen.
Gleichzeitig ist es auch ein Wegweiser, zur Erkenntnis, Veränderung in der persönlichen Welt anzustreben.
6. Mai 2009 um 13:00 Uhr
Gute Literatur
Für mich als Brustkrebspatientin ist dieses für Laien sehr gut verständlich geschriebene Buch ein richtig guter Kauf. Beim lesen erkenne ich Zusammenhänge im Laufe meiner Lebensgeschichte wieder. Ich denke sagen zu können, daß ich die Entstehung meiner Krebserkrankung tiefgründig begründen kann. Ein sehr zu empfehlendes Buch!
9. Juli 2009 um 13:51 Uhr
Psyche und Körper
Eine unglaublich spannende Darstellung des Wechselspiels zwischen Psyche und Körper, die bislang ungeahnte Einblicke in das eigene Ich erlaubt und viele Vorgänge und Effekte verständlich macht. Das aufgezeigte Spektrum ist dabei so weit aufgespannt und umfasst eine Vielzahl von Lebensbereichen, dass praktisch jeder Leser von diesem Buch profitiert, entweder für sich selbst oder sein soziales Umfeld.
27. Juli 2009 um 10:17 Uhr
Das Gedächnis des Körpers
Ich fand das Buch sehr interessant, auch wenn es meiner Meinung nach etwas vom Thema abweicht in Richtung Psychologie, was allerings nicht Wunder nimmt, bedenkt man, das Bauer Psychologe ist. Das Buch ruft zu Eigenverantwortung gegenüber der eigenen Seele auf. Sowieso ist die Seele ein oft benutztes Wort in diesem Büchlein. Wer sich für Zusammenhänge zwischen Körper, Seele und Umwelt interessiert, wird dieses Buch interessante Aspekte vermitteln
7. August 2009 um 15:34 Uhr
Ein “Aha-Erlebnis” nach dem anderen!
Den Rezensionen meiner Vorschreiber ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Es ist nicht das einzige Buch von Joachim Bauer, das ich gelesen habe, aber es war mein erstes.
Ich besitze es nunmehr seit 2 Jahren, aber immer wieder lese ich gerne darin. Es hat mir so manches “Aha-Erlebnis” beschert. Zusammenhänge, die ich für mich selbst schon immer “irgendwie” erkannt hatte, aber deren wissenschaftliche und auch logisch nachvollziehbare Erklärungen ich durch die Lektüre des Buches jetzt gewinne, und die mich verblüffen.
Dieses Buch nun bestätigt und erklärt mir viele Abläufe aus meinem Leben, die ich gewusst/geahnt habe, aber nicht in den beschriebenen Zusammenhängen sehen konnte, da mir das Hintergrundwissen fehlte. Es erklärt z. B., warum der Mensch unbewusst durch prägende Erlebnisse aus seiner Vergangenheit bis heute in bestimmten Situationen gesteuert wird, durch positive genauso wie eben durch negative oder sogar traumatische: “Trampelpfade” im Gehirn, die immer wieder automatisch benutzt werden. Die Amygdala - das “emotionale Gedächtnis” - behält alles und steuert unsere Reaktionen. Selbst Gene, Nervennetzwerke, Stoffwechsel etc. reagieren aufgrund von Erlebnissen und die damit verbundenen persönlichen Gefühle. Beziehungen, positive und negative Erfahrungen usw. formen und prägen unser weiteres Leben. Daher der Satz: “Der Körper erinnert sich”. Denn, wer kennt das nicht: ein Geruch oder ein Lied ruft ein bestimmtes Gefühl hervor, das man “kennt”, man hat vielleicht sofort eine bestimmte Lebenssituation aus der Vergangenheit präsent.
Das Buch beschreibt auch die Möglichkeiten, in Prozesse eingreifen zu können und “neue Wege” des Handelns beschreiten zu können, quasi nicht mehr unbewusst “ferngesteuert” durch automatisierte Verhaltensweisen zu sein aufgrund negativer Erfahrungen in der Vergangenheit - dem Psychotherapeuten quasi “über die Schulter geguckt”.
Ich habe das Buch schon einige Male erfolgreich weiterempfohlen und würde es jederzeit wieder kaufen! Es ist informativ geschrieben, ohne jedoch langweilig zu sein - wie ein “spannender Krimi über den Menschen”.
2. November 2009 um 17:51 Uhr
Ein wirklich wichtiges Buch
Dieses Buch möchte ich Jedem empfehlen, der die tatsächlichen Zusammenhänge zwischen äußeren Einwirkungen, in denen jeder Mensch mehr oder weniger ausgesetzt ist, unseren Gedanken sowie dem, was daraufhin in unserem Körper passiert und was sowohl die äußeren Einflüsse als auch unsere Gedanken in uns auslösen können, verstehen möchte.
Joachim Bauer zeigt in seinem Buch sehr verständlich auf, was tatsächlicher oder auch “nur” emotionaler Stress in unserem Gehirn, im Nervensystem und im gesamten Körper auslöst und welche Konsequenzen dieses für uns individuell haben kann. Der Autor beschreibt, wie unsere Gene gesteuert. Der Leser erfährt, wie Depressionen entstehen und die häufig im Gefolge auftretenden Volkskrankheiten Herzinfarkt und Krebs.
Es wird nachvollziehbar klar, welchen Einfluss insbesondere, aber nicht nur, kindliche Erfahrungen auf unser Denken, die Prägungen unserer Gefühlswelt sowie unsere individuelle, ganz subjektive Wahrnehmung dieser Welt bedeutet. Weitere Themen sind Schmerzerfahrungen und das Schmerzgedächtnis, Traumata sowie Burnout-Störungen.
Meine Hypothese ist, dass die meisten Leser sich bei der Lektüre dieses Buches immer wieder erkennen oder entdecken und sukzessive immer besseres Verständnis für sich selber entwickeln werden. Zum anderen ist es meines Erachtens ein Verdienst dieses Buches, das man auch das, was anderen emotional und gesundheitlich widerfährt, in einen neuen und besseren inhaltlichen Zusammenhang stellen kann.
Ganz besonders möchte ich Eltern mit kleinen Kindern die Lektüre an das Herz legen: Sie werden viele Inspirationen bekommen, warum es so wichtig ist, dass Kinder ausreichend emotionale Zuwendung erhalten.
Lesen Sie dieses spannend und verständlich geschriebene Buch und Sie werden mehr über sich selber, ihre Seele und ihren Körper verstehen.
26. November 2009 um 04:51 Uhr
Ein wichtiges Buch, das uns alle angeht.
Ich möchte das Buch Jedem empfehlen, sein Inhalt sollte eigentlich zur Allgemeinbildung gehören. Ganz besonders Ärzten und Psychologen, deren Kenntnisse in Neurobiologie nicht mehr ganz aktuell sind, empfehle ich es als Pflichtlektüre. Mir als gelerntem Physiker wurde erst durch dieses Buch klar, welche umwälzenden Fortschritte die Neurobiologie in den letzten zwei, drei Jahrzehnten gemacht hat und welche Relevanz diese Entdeckungen auch für meine jetzige Arbeit als Coach und Mediator haben.
In den 60er Jahren, just als die Entdeckung der Doppelhelixstruktur unserer Erbsubstanz durch Watson und Crick Schlagzeilen machte, drückte ich am gleichen Gymnasium die Schulbank wie der Autor (wenn auch in einer anderen Klasse). Unser einäugiger und etwas kauziger Bio-Lehrer verstand es damals hervorragend, uns diesen komplizierten Stoff spannend nahezubringen. Damals lernten wir, wie die Gene den “Bauplan” unseres Körpers abbilden und die Vererbung regulieren.
Aber erst jetzt, fast ein halbes Jahrhundert später, beginnen wir zu verstehen, dass Gene weitaus mehr können: Sie steuern - wie die Module in einem interaktiven Computerprogramm - das alltägliche biochemische Geschehen in unserem Gehirn. Dies ist möglich, weil die meisten Gene über eine Art biochemischer “Schalter” steuerbar sind. Sowohl körperliche wie auch psychische Reize und Umweltreize können ein bestimmtes Gen gezielt aktivieren oder stummschalten.
Die Schlussfolgerungen aus dieser faszinierenden Erkenntnis erläutert der Autor in 17 weitgehend selbständigen Kapiteln, die man gut auch einzeln lesen kann, weil er grundlegende Fakten öfters wiederholt. Diese Folgerungen betreffen medizinisch-psychologische Themen, die uns alle angehen:
Stress, Burn-out-Syndrom, menschliche Beziehungen, Spiegelneuronen, Schmerzgedächtnis, psychosomatische Krankheiten, Tumor- und Herzkrankheiten, Immunabwehr, Wirksamkeit von Psychotherapie, Depression, Borderline-Störung, Medikamentenverträglichkeit usw. bis hin zur Dissoziation und posttraumatischen Belastungsstörung.
Zu jedem Thema wird erläutert, welche grundlegenden neurobiologischen Prozesse dabei ablaufen und welche Folgen diese haben. Hat man das Prinzip erstmal kapiert, fällt einem Vieles wie Schuppen von den Augen: Psychosomatische Zusammenhänge, die man schon immer vermutet hat, erscheinen in neuem Licht oder sind inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen und zum Teil auch erklärt.
Natürlich kann ein Buch dieses Umfangs kein Lehrbuch der Neurobiologie ersetzen, aber es bietet einen hervorragenden Überblick, fast wie ein kleines Nachschlagewerk. Dabei hat mir gut gefallen, dass der Autor immer die Originalarbeiten zitiert, damit man sich gegebenenfalls über weitere Details schlau machen kann. Das stärkt die Glaubwürdigkeit der zum Teil spektakulären Ergebnisse deutlich, auch wenn ich als Physiker insgeheim immer den Verdacht hege, dass bei der Interpretation von statistischen Untersuchungen die Phantasie des Forschers eine große Rolle spielt und man nicht alles kritiklos übernehmen sollte… Aber ein Buch wie dieses soll ja auch zum kritischen Nachdenken anregen.
Für mich lieferte das Buch übrigens die Bestätigung, dass offenbar viele neuronale Verknüpfungen in unserem Gehirn reversibel sind, so dass Hoffnung besteht, fehlerhafte “Endlosschleifen” in unserer Programmstruktur, die irgendwann mal angelegt wurden (z.B. durch traumatische Erlebnisse), auch wieder zu “verlernen”. Der Autor setzt dabei besonders auf Psychotherapie, aber es liegt nahe, dass es viele Wege geben muss, solche Selbstheilungskräfte in unserem Körper und unserer Psyche in Gang zu setzen. Der Autor äußert sich allerdings zu solchen Spekulationen nicht, er bleibt immer schön auf dem Boden der Tatsachen bzw. der von ihm zitierten Studien.
29. Dezember 2009 um 14:00 Uhr
interessant aber anspruchsvoll
Nicht nur die Gene entscheiden über Krankheiten, auch Erlebnisse können Einfluss auf unsere Gene nehmen. Ich hätte mir gewünscht, dass das Buch etwas laienfreundlicher geschrieben wäre
13. April 2010 um 14:34 Uhr
Was der Körper alles kann und wie er sich in großer Not selber “ausklinkt” und sich so schützt.
Prof. Dr. med. Joachim Bauer zeigt dem Leser wie die Nerven, und die Vernetzung durch die Synapsen und Gene funktionieren.
Er zeigt z.B. wie kleine Kinder bereits vor der Geburt Stimmen unterscheiden können und nach der Geburt sofort die vertrauten Stimmen erkennen. Die Mütter wurden so auch von Ihren Müttern bereits in dieser frühen Zeit extrem geprägt, eine Frau die viel Liebe von der Mutter in dieser Phase erhalten hat, gibt diese dann auch so an ihre eigenen Kinder weiter. So geprägt wird das unbewußt gelernte und vererbte von Generation zu Generation weitergegeben.
Der Autor erklärt auch den sogenannten “Schmerzkörper” des Menschen im Gehirn, dort werden negative zwischenmenschliche Beziehungen gespeichert sowie der seelische und körperliche Streß. Wie sich der Schmerzkörper in extrem Situationen als hohes Krankheitsrisiko auswirkt oder bestehende Krankheiten erheblich verschlechtert wird verständlich erklärt. 60 % der mißbrauchten Kinder zeigen z.B. eine Borderline-Störung, wegen der fehlenden Identifikation mit dem eigenen Körper.
Emotionale Intelligenz wird z.B. nicht entwickelt, wenn bestimmte Ereignisse auftreten, da dann dieser Gehirnteil nicht weiter aktiviert wird und sich quasi abschaltet.
Sehr gut hat mir das Kapitel über die Depression und den Stress und die körperlichen Auswirkungen gefallen. Bestimmte Medikamente (z.B. Beta-Blocker) oder schreckliche persönliche Erlebnisse, wie der Tod von Angehörigen, lösen oft diese Symptome aus. Danach treten die Depression sehr schnell wieder auf, auch ohne größere äußere Anlässe.
Auf die überlasteten Ärzte und Lehrer wird kurz eingegangen und warum sie wegen fehlender Erfolgsgefühle erkranken (Burnout-Syndrom).
Der klassische Herzinfakt und die Ursachen dafür werden kurz besprochen. Meist liegt vor dem Ereignis eine Situation die für den Betroffenen mit einem größeren persönlichen Ärger (oder starker Angst) verbunden war und etwa eine Stunde vor dem Herinfakt aufgetreten war.
Posttraumatische Belastungsstörung z.B. aus schwersten Verkehrsunfällen, Selbstmorden die von Zugführen erlebt wurden und Mißbrauchsfällen schlagen schwere und tiefe Wunden in die Seele. Irgendwann lösen andere Situationen, auch teilweise erst Jahre später, etwas aus, was dann zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen kann.
Fazit: Hier findet man viele Antworten auf menschliches Verhalten und Reaktionen, sowie auf einige Krankheiten und ihren Ursachen z.B. Esstörungen, Selbstverletzungen, Verlustängste, Gewaltverhalten von Jugendlichen, Depressionen, Selbstmorden, falsche Medikamentierung und auch die Unkenntnis von Langzeitnebenwirkungen von Medikamenten, usw.!
24. April 2010 um 05:17 Uhr
spannender Einblick in Gene und Seele
Sehr spannendes Buch, das ich zur Urlaubslektüre genutzt habe. Viele neue Erkenntnisse über psychische und körperliche Zusammenhänge gewonnen. Einige Geheimnisse des Körpers werden gelüftet.
Für Nichtmediziner fallen die Schilderungen chemischer Prozesse teils recht wissenschaftlich aus, sie dienen aber dem Verständnis der Materie und man kann zur Not einfach etwas vorblättern.
Unverzichtbare Lektüre für Stressgeplagte! Oft liegen die Ursachen von Stress gar nicht in den zunächst angenommenen Problemfeldern.
24. April 2010 um 05:17 Uhr
spannender Einblick in Gene und Seele
Sehr spannendes Buch, das ich zur Urlaubslektüre genutzt habe. Viele neue Erkenntnisse über psychische und körperliche Zusammenhänge gewonnen. Einige Geheimnisse des Körpers werden gelüftet.
Für Nichtmediziner fallen die Schilderungen chemischer Prozesse teils recht wissenschaftlich aus, sie dienen aber dem Verständnis der Materie und man kann zur Not einfach etwas vorblättern.
Unverzichtbare Lektüre für Stressgeplagte! Oft liegen die Ursachen von Stress gar nicht in den zunächst angenommenen Problemfeldern.
7. Juni 2010 um 15:51 Uhr
Eine neue Sicht der Dinge
Das Buch ist zwar schon vor einigen Jahren erschienen, vermittelt aber auf spannende Weise den aktuellen Stand der Neurobiologie. Man merkt, dass Joachim Bauer Vorlesungen an der Uni hält (jedes Kapitel enthält eine eigene Zusammenfassung und einige Begriffe werden immer wieder aufs Neue erklärt), was den Vorteil hat, dass auch der interessierte Laie eine klare Vorstellung von genetischen Zusammenhängen bekommt und für sich persönlich Nutzen daraus ziehen kann. Das Buch war für mich überaus wertvoll, sodass ich mich mit großer Wissbegier auch auf andere Bücher und DVDs vom Joachim Bauer gestürzt habe.
1. Juli 2010 um 05:34 Uhr
Das breite Echo…
…auf dieses Buch kommt nicht von ungefähr: vieles von dem, was man ohnehin für naheliegend hielt, aber bisher nicht bestätigt fand, findet sich hier wieder - und wird auf fundierte Weise untermauert.
Das Gehirn leistet offenkundig viel mehr, als man ihm bisher zugetraut hat. Es ist eben nicht einfach nur eine “Bio-Maschinerie”, die quasi im menschlichen “Maschinenraum” brav funktioniert, sondern sie ist auch für das zuständig, was wir als Inhalt unseres Denkens, Fühlens, Handelns und Wollens identifizieren. Diejenigen, die hierüber die “technischen” Einzelheiten erfahren wollen, kommen bei diesem Buch genauso auf ihre Kosten. Natürlich ist es kein wissenschaftliches Fachbuch, aber trotzdem bietet es eine Fülle von Fakten. Wer will, kann ja weiter recherchieren.
Alle, die den Menschen als ein ganzheitlich zu betrachtendes und zu behandelndes, interaktives Wesen auffassen, werden sich hier voll bestätigt fühlen. Bauer weist nach, dass und wie jeder Eindruck von außen seine Spuren hinterlässt, uns prägt und künftige Handlungen im Vorfeld beeinflusst. So ergibt sich fast nebenher, dass uns kein “Geist” von außen steuert, sondern dass wir es immer selbst sind, die wir aus unserer Vorstellungswelt heraus denken und handeln - wobei darüber hinaus genetisch fixierte Erfahrungen unserer Vorfahren eine wichtige Rolle spielen.
Eine leicht lesbare, klar gegliederte, faszinierende Lektüre!
1. Juli 2010 um 05:34 Uhr
Das breite Echo…
…auf dieses Buch kommt nicht von ungefähr: vieles von dem, was man ohnehin für naheliegend hielt, aber bisher nicht bestätigt fand, findet sich hier wieder - und wird auf fundierte Weise untermauert.
Das Gehirn leistet offenkundig viel mehr, als man ihm bisher zugetraut hat. Es ist eben nicht einfach nur eine “Bio-Maschinerie”, die quasi im menschlichen “Maschinenraum” brav funktioniert, sondern sie ist auch für das zuständig, was wir als Inhalt unseres Denkens, Fühlens, Handelns und Wollens identifizieren. Diejenigen, die hierüber die “technischen” Einzelheiten erfahren wollen, kommen bei diesem Buch genauso auf ihre Kosten. Natürlich ist es kein wissenschaftliches Fachbuch, aber trotzdem bietet es eine Fülle von Fakten. Wer will, kann ja weiter recherchieren.
Alle, die den Menschen als ein ganzheitlich zu betrachtendes und zu behandelndes, interaktives Wesen auffassen, werden sich hier voll bestätigt fühlen. Bauer weist nach, dass und wie jeder Eindruck von außen seine Spuren hinterlässt, uns prägt und künftige Handlungen im Vorfeld beeinflusst. So ergibt sich fast nebenher, dass uns kein “Geist” von außen steuert, sondern dass wir es immer selbst sind, die wir aus unserer Vorstellungswelt heraus denken und handeln - wobei darüber hinaus genetisch fixierte Erfahrungen unserer Vorfahren eine wichtige Rolle spielen.
Eine leicht lesbare, klar gegliederte, faszinierende Lektüre!