Meine zwei Halbzeiten: Ein Leben in Ost und West (sachbuch) (Jörg Berger)

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5 Kommentare zu „Meine zwei Halbzeiten: Ein Leben in Ost und West (sachbuch) (Jörg Berger)“

  1. Alisha sagt:

    Trügerische Sicherheit
    Ein eindruckvolles Buch. Man hat viel von der DDR gehört aber das sie so weit reichte hätte ich niemals gedacht. Da glaubt Jörg Berger er sei endlich in Sicherheit, aber wie trügerisch die Sicherheit in Zeiten der DDR doch für ihn war.

    Was alles versucht wurde um ihn zu kriegen. Sogar seine besten Freunde haben für die Stasi gearbeitet. Dieses Buch kann man nicht aus der Hand legen weil es einfach kaum zu glauben ist und man möchte mehr erfahren. Wie funktionierte die DDR und ihre Sportler? Zwei Halbzeiten und zwei Leben, hier und “drüben”. Nicht nur für Sportfans geeignet.

  2. Stein sagt:

    Biografie, Krimi und Aufklärungsbuch in einem
    Ich lese lese gerne und viele Fußballer-Biographien, aber das tue ich sonst immer mal so nebenbei, immer mal so ein Kapitel. Bei diesem Buch war es komplett anders: Es hat mich mehr gefesstelt als ein Krimi. Die Zeit in der DDR mit der Anbahnung der Flucht ist ebenso die spannend beschrieben wie die Zeit im Westen mit dem immer noch unglaublichen Einfluss der Stasi.

    Wenn ich jetzt die Ostalgiker davon schwärmen höre, dass es in der DDR doch bestimmt nicht schlechter war als heute hier, möchte ich ihnen zurufen: Lest bitte mal dieses Buch!

  3. Salome sagt:

    sehr authentische Autobiographie
    Jörg Berger legt mit diesem Buch eine spannende Autobiographie vor, deren Schwerpunkt nicht auf den sportlichen Erfolgen, sondern auf seiner Verfolgung durch das SED-Regime liegt. Er berichtet über seine Entfremdung von der DDR, seine Flucht, die auch im Westen nicht endende Verfolgung durch die Stasi und seine Auseinandersetzung mit seiner Stasi-Akte, an der zwei langjährige Freundschaften zerbrachen. Am Ende erzählt er von seiner letzten Odysse, seiner Krebserkrankung. Als Leser kann man darüber spekulieren, ob ihn sein langjähriger Kampf gegen die Stasi für den Kampf gegen den Krebs “abgehärtet” hat. Eine Kämpfernatur ist Berger auf alle Fälle.

    Berger wirkt in dem Buch sehr ehrlich und lässt auch Selbstkritik nicht außen vor - ob an seiner naiven Fluchtvorbereitung oder an Fehlern bei seinen ersten Trainerposten. Manche Anekdote aus seinen Anfangstagen im Westen regt zum Schmunzeln an. Beim Lesen entsteht das Gefühl, den Menschen Jörg Berger besser kennenzulernen und ihn nun differenzierter zu betrachten.

    Das Buch liefert ein beeindruckendes Beispiel für einen Menschen, der von der Stasi verfolgt wurde. Durch dieses Buch erhält der Leser ein genaueres Bild von den perfiden Methoden der Organisation und der totalitären Struktur des DDR-Sports. Man muss also nicht zwangsläufig Berger-Fan sein, um das Buch interessant zu finden.

  4. Anna-Lena sagt:

    Zwei Halbzeiten - Zwei Leben
    Der Titel des Buches klingt so, als würde hier über zwei verschiedene Leben berichtet, die nicht sehr viel miteinander zu tun haben. Und eigentlich ist es auch so. Denn so wie beim Fußball das Spiel in der zweiten Halbzeit oft völlig anders läuft als in der ersten, so ist es auch mit der Lebensgeschichte von Jörg Berger.

    Die erste Halbzeit - das ist das Leben in der früheren DDR. Das Schicksal meint es eigentlich gut mit Herrn Berger. Zwar muss er recht früh seine Fußballerkarriere beenden , aber als Trainer macht er sehr schnell seinen Weg und hätte es bis ganz nach oben schaffen können. Und er hatte sich in der DDR ein recht komfortables Leben eingerichtet mit allen Privilegien, die man als erfolgreicher Sporttrainer genoss. Warum zieht dann so ein Mensch trotzdem den Schlußstrich unter dieses Leben ? Der Autor versucht gar nicht erst, seine Flucht als politische Überzeugungstat hinzustellen. Es war wohl eher der Drang, die eingefahrenen Gleise zu verlassen, alle Brücken abzubrechen und nochmal ein ganz neues Leben zu beginnen. Das gibt es ja heute auch, vielleicht noch viel mehr. Und wer hat nicht schon selbst mal mit dem Gedanken gespielt ?

    Die zweite Halbzeit - das ist das Leben in der Bundesrepublik. Nach anfänglicher Euphorie über die geglückte Flucht tritt bald Ernüchterung ein. Herr Berger merkt sehr schnell, dass man im Westen nicht unbedingt auf ihn gewartet hat. Man lässt es ihn auch merken. Gerade von Seiten des DFB. War er in der DDR einer der angesehensten Fußballtrainer so muss er jetzt erstmal den Trainerschein machen. Das ist etwa so, als müsste Michael Phelps nochmal die Schwimmprüfung machen… Aber er lässt sich nicht entmutigen und und macht auch im Westen schnell Karriere. Klar, Glück gehört auch immer dazu, gerade bei einem Fußballtrainer. Aber sein Beispiel zeigt auch, dass man mit Willenskraft es wirklich schaffen kann, nochmal völlig bei Null anzufangen und ein erfolgreiches zweites Leben aufzubauen.

    Deshalb ist das Buch nicht nur ein Stück deutsche Geschichte sondern eine Art Lebensratgeber für unsere heutige Zeit.

  5. Arvin sagt:

    Kein Held, aber eine Kämpfernatur…
    Jörg Berger, der Feuerwehrmann” des deutschen Fußballs, erzählt seine Lebensgeschichte. Geboren wurde er in Gotenhafen und aufgewachsen ist er nach dem 2. Weltkrieg in Leipzig. Fußballbegeistert war Berger schon als kleiner Junge und arbeitete kontinuierlich an seiner Sportkarriere in der DDR. Zufrieden ist er mit dem System der Funktionäre zwar nicht, aber an eine Flucht aus dem deutschen Unrechtsstaat denkt er vorerst auch nicht. Erst als die Funktionäre ihm eine Zeitlang untersagen, die von ihm trainierten Mannschaften in den nicht-sozialistischen Westen zu begleiten, wird bei Berger der Ruf nach Freiheit lauter.

    Jörg Berger war aber auch kein Kind von Traurigkeit, um nicht zu sagen ein echter Frauenheld. Trotz Ehefrau und Kind machte er keinen Hehl über seine wechselnden Beziehungen.

    Spannend ist die Erzählung über seine Flucht während eines U23-Länderspiels 1979 in Jugoslawien. Wie er sich vom Mannschaftshotel wegschleicht und mit dem Zug nach Belgrad fährt um von dort mit Hilfe der deutschen Botschaft unter falschen Namen in die BRD zu reisen.

    Die Vergangenheit lässt Berger anfangs nicht zur Ruhe kommen, z. B. tritt er als Trainer von Darmstadt 98 nicht im UI-Cup Spiel bei Banik Ostrau an, da er in der sozialistischen Tschechoslowakei sofort verhaftet worden wäre. Zudem lehnt er ein Angebot von Hertha BSC ab, da er damit evtl. zu sehr in die Öffentlichkeit geraten könnte. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der Einsichtnahme in die Akten des Ministeriums für Staatssicherheit erhielt Berger Gewissheit, dass die Stasi ihn zeitweise als Bedrohung ansah und verschiedene IM zur Observation auf ihn angesetzt hatte und evtl. sogar versuchte ihn mit Gift zu ermorden.

    Amüsant ist hingegen seine Schilderung über seine Sozialisation im Westen, z. B. wie er in Offenbach zum ersten Mal in ein Parkhaus fährt oder in einem Frankfurter Nachtlokal von einem Transvestiten geküsst wird. Auch manche Besonderheiten die man sich als DDR-Bürger angewöhnt hatte, wurde er nicht so schnell los. Bei einem Umzug nach Kassel fand seine Zukünftige eine Kiste mit 200 Konserven Ananas, Erdbeeren usw. Daraufhin angesprochen antwortet Berger ernsthaft mit Na ja, wer weiß wann es diese Sachen wieder gibt”.

    Die Clubs die Berger trainiert hat, die Erfolge und Niederlagen die er erlebt hat, spielen nur am Rande eine Rolle. Im Vordergrund steht die Person Jörg Berger und dessen Leben in Ost und West, vornehmlich geprägt durch die Zeit in der DDR. Er selbst sagt von sich er sei kein Held, aber eine Kämpfernatur muss er schon sein, sonst hätte er die DDR und den Krebs nie besiegen können. Diese deutsch-deutsche Geschichte gehört sicherlich zu den spannendsten Autobiographien eines Fußballtrainers und lässt sich durch die lockere Erzählweise von Berger herrlich lesen.

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