Die Erfindung des jüdischen Volkes: Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand (Shlomo Sand)
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Schlagworte: Shlomo Sand
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19. April 2010 um 11:00 Uhr
Ein Buch für das 21. Jahrhundert
Das Buch geht in seiner Fragestellung über
die eigentliche Thematik weit hinaus!
Sind wir nicht schon längst Bürger (!) in einer
globalen Welt der manigfaltigen Kulturen!!!!?
Ist die Arroganz von Weltanschauungen, Religionen,
Rassen, Nationen, Völkern, Stämmen, Sippen und Familien…
nicht längst die mörderische Einbahnstraße von gestern?
Es gibt nicht die, die gleicher sind als andere!
Anlass alle nationalen/ religiösen Mythen in ähnlicher Weise zu
hinterfragen!!
19. April 2010 um 11:00 Uhr
Ein Buch für das 21. Jahrhundert
Das Buch geht in seiner Fragestellung über
die eigentliche Thematik weit hinaus!
Sind wir nicht schon längst Bürger (!) in einer
globalen Welt der manigfaltigen Kulturen!!!!?
Ist die Arroganz von Weltanschauungen, Religionen,
Rassen, Nationen, Völkern, Stämmen, Sippen und Familien…
nicht längst die mörderische Einbahnstraße von gestern?
Es gibt nicht die, die gleicher sind als andere!
Anlass alle nationalen/ religiösen Mythen in ähnlicher Weise zu
hinterfragen!!
24. April 2010 um 12:51 Uhr
Interessant, aber…
Ich bin mit diesem Buch noch nicht fertig, kann aber jetzt schon sagen, dass der Klappentext und die ganze Aufmachung nicht dem entsprechen, was der Leser bei der Lektüre vorfindet - das aber gefällt mir besser, als was ich erwartet hatte, macht aber sicherlich nicht jedem die gleiche Freude… Es wird da suggeriert - schon durch den Titel - dass es eine Art Abrechnung mit den Mythen des jüdischen Volkes geben wird, und damit wird ziemlich offensiv geworben, so dass die Leser wohl hauptsächlich solche sind, die eine von vornherein eine israelkritische Haltung einnehmen - und einnehmen wollen. Es gibt in Deutschland einen Markt, scheint mir, von Menschen, die gern lesen, dass die Israelis sozusagen die “dunkle Seite” des Nahostkonfliktes ausmachen, und solche Leute lesen gern Bücher darüber, dass es keinen Grund dafür gibt, dass ein Staat Israel existiert oder dass er von vornherein auf falschen Grundlagen gegründet wurde. Es hilft, seine Existenzberechtigung in Frage zu stellen…
Hätte ich das Buch in dieser Erwartung erworben, wäre es mir schwer gefallen, mich durch die ersten 100 Seiten relativ trockene Nationalismus-Theorie durchzukämpfen, die eigentlich die Aussage herausarbeiten, dass Nationalstaaten an sich immer auf Mythen bestehen und keine naturgegebene Tatsache sind. Das jüdische Volk ist insofern keine Ausnahme sondern hat es nur noch schwerer als andere, sich von diesen Grundannahmen zu lösen und zu einem voraussetzungslosen demokratischen Staat für alle Bürger zu werden. Diese Aussage ist mir sehr sympathisch, rechtfertigt aber nicht die Werbung mit einem Titel, Klappentext etc., der suggeriert, dass die Mythenbildung in diesem Fall einzigartig und verwerflich sein könnte…
Später eventuell mehr, aber dies scheint mir wichtig, wenn man das Buch mit Erwartungen überhäuft!
10. Mai 2010 um 14:17 Uhr
Respekt
Ich will nicht viel drum herumreden. Das Buch ist genial und ich bin froh, dass es auch unter den Juden solche mutigen Revisionisten gibt. Der Autor hat Respekt verdient. Die Eltern des Autors sind vor den Nazis geflohen und in Israel wird dieser Mann aufgrund seines Revisionismus als Nazi beschimpft. Wie pervers ist das denn? Möge sich jeder seine eigene Meinung bilden, was auf der Welt hinter den Kulissen passiert. Aber dieses Buch sollte auf jeden Fall zur Meinungsbildung beitragen.
10. Mai 2010 um 14:17 Uhr
gemeinsam über Provokationen nachdenken
Gerade wir Deutschen haben es schwer wenn es um Israel geht. Schauen wir uns allein die Biografie des Autoren an. 1946 wurde er als Kind polnischer Juden in Linz geboren. 1949 ging die Familie nach Israel. Shlomo Sand studierte Sozialwissenschaften in Paris und lehrt heute an der Universität in Tel Aviv. In seinem Land Israel gehört er zu den führenden Intellektuellen und zugleich zu den schärfsten Kritikern der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern.
So widmet der Autor sein Buch allen Flüchtlingen die das Land erreichten, und all jenen, die es verlassen mussten. Allein diese Widmung macht bereits den mächtigen Spannungsbogen spürbar in dem wir uns befinden wenn wir auf die über 3000 - jährige Geschichte des Judentums schauen.
Zu Beginn klärt der Autor Begriffe wie Nation und Mythos. Er ist dicht an der Bibel und an Gott und verwundert mich mit revolutionären Gedanken, mit denen er sicher bei vielen nicht gut ankommt. “Ich halte die Juden nicht für ein Volk, denn der heutige Gebrauch des Begriffes zielt auf eine Gruppe von Menschen ab, die ein bestimmtes Territorium bewohnt, auf dem sich eine bestimmte Alltagskultur entwickelt hat . . .” so schreibt der Autor und sieht dies im vorliegenden Falle als nicht gegeben an.
Es kommt noch provokativer. Sand stellt in keiner Zeile seines Buches das Existenzrecht des Staates Israel in Frage, aber den Alleinanspruch auf das Gelobte Land schon. Er bezeichnet die Juden als religiöse Gemeinschaft, keinesfalls als ethnische Gemeinschaft. Das birgt Konflikte in sich. Aber Shlomo Sand steht nicht allein mit seiner Meinung im eigenen Land.
Und er geht noch einen Schritt weiter in seinen spektakulären Überlegungen. Seiner Ansicht nach sind heute viel eher die Palästinenser die ethnischen Nachkommen der biblischen Israeliten.
Wenn der Leser bereit ist mit dem Autoren gemeinsam über solche Provokationen nachzudenken und nachzuvollziehen wie Shlomo Sand zu diesen Überzeugungen gekommen ist, wird er dieses Buch wie einen Krimi verschlingen. Für mich war es das Interessanteste was ich in den letzten Jahren zu diesem Thema auf deutsch zu lesen bekam. Wer über Israel nachdenken will, der kommt an diesem Buch nicht vorbei.
7. Juli 2010 um 16:00 Uhr
Gegen den Strom
“Wir Deutschen haben eben ein besonderes Verhältnis zum Staat Israel”. Dieser Satz wird nur zu gerne gebraucht, wenn es darum geht, ethnische Säuberungen, Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen oder die Praxis der “Verwaltungshaft” Israels kleinzureden.
Als Nächstes folgt dann unverzüglich der Hinweis auf das Existenzrecht Israels. Als Begründung hierfür wird fast immer die Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstandes im Jahre 135 n. Chr. angeführt, die angeblich zur Vertreibung des jüdischen Volkes aus ihrem Heimatland Judäa führte. Wer etwas anderes zu sagen wagte, der bekam sehr schnell die weltweit reichende Macht der “Anti-Defamation League” zu spüren.
Seit einigen Jahren sind es jüdische Wissenschaftler und Gelehrte, die sich mutig mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen beginnen. Israel Finkelstein und Neil A. Silberman machten mit ihrem Werk “Keine Posaunen vor Jericho” 2003 den Anfang. Norman G. Finkelstein folgte 2005 mit seinem Buch “On the Misuse of Anti-Semitism and the Abuse of History”. Ilsan Pappe veröffentliche 2007 “The Ethnic Cleansing of Palestine”.
Nun also Shlomo Sand. Akribisch setzt er sich mit dem Dogma von der Vertreibung des jüdischen Volkes auseinander. Er führt es schnell und überzeugend ad absurdum. Die Juden sind kein Volk, sondern eine Religionsgemeinschaft.
Man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass Sands Werk keine kurzfristigen Auswirkungen auf den Nahostkonflikt oder auf die bemitleidenswerte Situation der Nichtjuden im Staate Israel haben wird. Bei diesem Buch handelt es sich nämlich “nur” um eine intellektuelle Auseinandersetzung, die an den Grundfesten des Judentums rüttelt. Macht wird heutzutage aber nicht von Intellektuellen ausgeübt, sondern von Medienmogulen und Politikern.
Dieses Buch ein Muss für all diejenigen, die an einer sachlichen Diskussion zum Thema Judentum interessiert sind.
7. Juli 2010 um 16:00 Uhr
Streitschrift statt historisches Werk
Wie stark ist die Kontinuität zwischen den heutigen Juden und speziell den israelischen Juden und den Juden der Antike? Auf diese spannende Frage verspricht Schlomo Steins Buch Antwort zu geben - und scheitert. Der Grund ist simpel: Sand hat über das Thema seines Werkes nie selber geforscht, ist er doch Spezialist für die französische Geschichte des 19. Jahrhunderts. Stattdessen arrangiert er die Früchte einer eher oberflächlichen Recherche in der Sekundärliteratur zu einer gut geschriebenen Streitschrift, die die Kontinuität des Judentums widerlegen soll. Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht. Eine wissenschaftlich fundierte Analyse wie sie ein Universitätsprofessor seinen Lesern schuldet (Sand lehrt Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Tel Aviv) liefert der Autor nicht. Schade, so ist das Buch wertlos, und Zeit und Geld sind vergeudet für ein Pamphlet.