Der Feind im Schatten (Henning Mankell)

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60 Kommentare zu „Der Feind im Schatten (Henning Mankell)“

  1. Marcel sagt:

    Ein würdevoller Abgang von der Krimibühne
    Henning Mankell hat mit seinem Kommissar Wallander eine ganze Generation von Krimilesern geprägt. Mit dem eigensinnigen, melancholischen Kriminalbeamten schuf er den stets etwas schwermütigen Typ von Kommissar, der immer zu ungesund lebt, sein Privatleben dem Beruf opfert und dabei mit Intuition und Kombinationsgabe selbst die kniffligsten Fälle löst. Im allerletzten Fall, dem Mankell seinem Wallander aufgibt, führt er uns auf verschlungenen Wegen zu einem der wundesten Punkte in der jüngeren schwedischen Vergangenheit: der nie aufgeklärten Ermordung des sehr populären Ministerpräsidenten Olof Palme.

    Der Autor, der wie sein Held gerade 60 geworden ist, lässt seinen Kommissar allmählich langsamerer und vergesslicher werden - und etwas sentimental: In vielen kleinen Rückblenden und Erinnerungen tauchen Personen und Fälle längst vergangener Tage auf, so dass man sich auch als Leser an frühere Bücher zurückerinnern kann. Unmerklich nimmt das Private immer mehr Platz in Wallanders Leben ein, denn es geht nicht nur um unerledigte Fälle, sondern mehr um Dinge wie das Verhältnis zu seiner Familie, um alte Freunde oder um das neue Haus auf dem Land. “Der Feind im Schatten” ist ein würdevoller Abgang von der Krimibühne - gönnen wir Kurt Wallander seinen wohlverdienten Ruhestand!

  2. Jarla sagt:

    Ein würdevoller Abgang von der Krimibühne
    Henning Mankell hat mit seinem Kommissar Wallander eine ganze Generation von Krimilesern geprägt. Mit dem eigensinnigen, melancholischen Kriminalbeamten schuf er den stets etwas schwermütigen Typ von Kommissar, der immer zu ungesund lebt, sein Privatleben dem Beruf opfert und dabei mit Intuition und Kombinationsgabe selbst die kniffligsten Fälle löst. Im allerletzten Fall, dem Mankell seinem Wallander aufgibt, führt er uns auf verschlungenen Wegen zu einem der wundesten Punkte in der jüngeren schwedischen Vergangenheit: der nie aufgeklärten Ermordung des sehr populären Ministerpräsidenten Olof Palme.

    Der Autor, der wie sein Held gerade 60 geworden ist, lässt seinen Kommissar allmählich langsamerer und vergesslicher werden - und etwas sentimental: In vielen kleinen Rückblenden und Erinnerungen tauchen Personen und Fälle längst vergangener Tage auf, so dass man sich auch als Leser an frühere Bücher zurückerinnern kann. Unmerklich nimmt das Private immer mehr Platz in Wallanders Leben ein, denn es geht nicht nur um unerledigte Fälle, sondern mehr um Dinge wie das Verhältnis zu seiner Familie, um alte Freunde oder um das neue Haus auf dem Land. “Der Feind im Schatten” ist ein würdevoller Abgang von der Krimibühne - gönnen wir Kurt Wallander seinen wohlverdienten Ruhestand!

  3. Charles sagt:

    Endgültiger Abschied von Kurt Wallander. Auch in seinem letzten Fall leidet Henning Mankell mit seiner Figur an der Welt
    Als 1998 mit dem neunten Fall in dem Buch “Die Brandmauer” Henning Mankells Kommissar Kurt Wallander aus Ystad im südschwedischen Schonen sich endgültig verabschiedete, da war die Trauer unter den Millionen eingefleischten Wallander-Fans groß. Die Folgeromane von Henning Mankell waren allesamt den Kauf und die Lektüre wert, aber doch blieb mit seinem Namen und jeder Ankündigung eines neuen Buches etwas Nostalgie verbunden und die stille Hoffnung, Wallander könne vielleicht, etwa in einem Buch, in dem seine Tochter, ebenfalls Polizistin geworden, die Hauptrolle spielt, zurückkehren.

    Nun ist dieser Wunsch tatsächlich erfüllt worden von Henning Mankell, und man kann nach der Lektüre lange darüber nachdenken, was der genaue Grund dafür gewesen sein mochte. Wollte er den anderen schwedischen Krimigrößen, Sjöwall/Wahlhöö und Arne Dahl nacheifern und auch die “Zehn” voll machen ? Wollte er sich selbst endlich lösen von einer Figur, die vielleicht all die Jahrzehnte mehr mit ihm selbst zu tun gehabt hat, als er es wahrnehmen wollte ?

    Wollte er sich mittels seiner Kultfigur mit der Einsamkeit des Alters, der Angst vor dem Tod und dem Hinfälligwerden ” schwer zu schaffen machen ? Oder wollte er einfach Abschied nehmen ?

    Denn “Der Feind im Schatten” ist ein Abschiedsbuch, sein durchgängiger Tonus entspricht dem Herbst, auch dem Lebensherbst kurz vor dem Tod. Im Verlauf des Buches spielen die verschiedenen Jahreszeiten eine Rolle, Wallander sieht sie kommen und gehen und löst während dieser Zeit einen Fall, obwohl er eigentlich im Urlaub ist. Wie wir aus den neun anderen Büchern schon wissen, ist ein Mann wie Kurt Wallander überhaupt nicht in der Lage, wirklich Urlaub zu machen, er kann nicht abschalten, dämpft seine Gefühle nach wie vor mit mehr Alkohol, als ihm, mittlerweile schwer zuckerkrank, gut tut und kämpft das ganze Buch über mit Erinnerungen aus seiner Vergangenheit. Dass ihm schon zu Anfang des Buches, und in der Folge immer häufiger, die Kurzzeiterinnerungen ausbleiben, und er nicht mehr weiß, warum er jetzt gerade dort ist, wo er ist, macht ihm, nachdem diese Schwärze nach einigen Sekunden bzw. Minuten wieder verblasst zunehmend Sorgen, doch sein Arzt beruhigt ihn.

    Auch in seinem letzten Fall trägt Wallander, darin seinem Schöpfer ähnlich, schwer am Weltgewissen und ermittelt dieses Mal in seiner eigenen Familie. Seine Tochter Linda hat ein Kind bekommen von einem adligen Börsenmakler ( auf diese Weise kann Mankell so nebenbei die Finanzkrise 2008 abhandeln). Der Vater von Hans, der ehemalige Korvettenkapitän Hakan von Enke verschwindet eine Tag, nachdem er bei seiner Geburtstagsparty sich Wallander öffnete und sehr besorgt wirkte. Hakan ist ehemaliger U-Boot-Kommandant und seit Jahren einer Verschwörung auf der Spur. Im Herbst 1980 hatte er ein fremdes U-Boot aufgebracht und musste es auf Befehl von oben ziehen lassen. Wer hatte damals den Befehl dazu gegeben ? Hatte Olof Palme etwas damit zu tun, von dem es doch immer wieder hieß, er sei ein russischer Spion und Kommunist ?

    Kurt Wallander nimmt die Fährte auf. Erst recht, als nach einigen Wochen auch Louise von Enke spurlos verschwindet. Wallander findet Dinge heraus, spürt wie immer Zusammenhänge auf, kann sie nicht richtig sehen, sie verschwinden wieder, tauchen später wieder auf, und bald knüpft er wie eh und je an einem spannenden Netz. Dabei leidet Wallander mehr noch als früher an der Dunkelheit der Welt, die sich in den vergangenen Jahrzehnten langsam immer mehr auf seine eigene Seele gelegt hat und die er nicht mehr locker und entspannt loslassen kann. Henning Mankell lässt seine Figur sozusagen durch die ganzen bösen Taten, die ihm begegnen, selbst hindurchgehen. Und das tut ihm nicht gut. Schon früher hat er gelitten, jetzt aber, jenseits der sechzig und chronisch krank und einsam, raubt es ihm die letzte positive Lebensenergie. Einzig seine Enkeltochter Klara gibt ihm so etwa wie Hoffung und Perspektive für die Jahre, die ihm noch bleiben und vor denen er sich fürchtet wie vor keinem Verbrechen vorher.

    Auf seinem Ermittlungsweg quer durch das Buch begegnen ihm viele Menschen, die ihm wichtig waren, zum Beispiel die litauische Polizistenwitwe Baiba, die Wallander geliebt hat, wie kaum eine andere Frau vorher, und die ihm, nachdem sie nicht seine Frau werden wollte, entglitten ist wie das meiste in seinem doch eher traurigen Leben. Andere Figuren oder Reminiszenzen aus den früheren Büchern tauchen auf, wecken beim Leser Erinnerungen und führen Wallander immer auf eine Idee, die ihn im aktuellen Fall weiterbringt. Das wirkt oft arg konstruiert in einem recht abstrakten Krimi, der sich ungewohnt langsam, geradezu träge, seiner Lösung nähert.

    Gegen Ende des fast 600 Seiten starken Buches, das man dennoch in nur wenigen Leseportionen zu Ende liest, gebannt und seltsam fasziniert von dieser depressiv-melancholischen Figur, die an der Welt leidet und an sich selbst, sagt Kurt Wallander zu sich selbst:

    “Ich bin immer noch die verwirrte Gestalt an der Peripherie des großen politischen und militärischen Geschehens. Heute wie damals bin ich eine ängstliche und unsichere Randfigur.”

    Doch so unbedarft waren Wallander und sein Erfinder nie. Denn Wallander durfte nie nur einen Mord aufklären, es ging ihm und Mankell immer auch darum, das jeweilige “System” dahinter zu demaskieren. Nun tritt er ab, verabschiedet sich endgültig, wie auf der letzten Seite deutlich wird.

    Wir werden ihn schon etwas vermissen.

  4. Markus sagt:

    Endgültiger Abschied von Kurt Wallander. Auch in seinem letzten Fall leidet Henning Mankell mit seiner Figur an der Welt
    Als 1998 mit dem neunten Fall in dem Buch “Die Brandmauer” Henning Mankells Kommissar Kurt Wallander aus Ystad im südschwedischen Schonen sich endgültig verabschiedete, da war die Trauer unter den Millionen eingefleischten Wallander-Fans groß. Die Folgeromane von Henning Mankell waren allesamt den Kauf und die Lektüre wert, aber doch blieb mit seinem Namen und jeder Ankündigung eines neuen Buches etwas Nostalgie verbunden und die stille Hoffnung, Wallander könne vielleicht, etwa in einem Buch, in dem seine Tochter, ebenfalls Polizistin geworden, die Hauptrolle spielt, zurückkehren.

    Nun ist dieser Wunsch tatsächlich erfüllt worden von Henning Mankell, und man kann nach der Lektüre lange darüber nachdenken, was der genaue Grund dafür gewesen sein mochte. Wollte er den anderen schwedischen Krimigrößen, Sjöwall/Wahlhöö und Arne Dahl nacheifern und auch die “Zehn” voll machen ? Wollte er sich selbst endlich lösen von einer Figur, die vielleicht all die Jahrzehnte mehr mit ihm selbst zu tun gehabt hat, als er es wahrnehmen wollte ?

    Wollte er sich mittels seiner Kultfigur mit der Einsamkeit des Alters, der Angst vor dem Tod und dem Hinfälligwerden ” schwer zu schaffen machen ? Oder wollte er einfach Abschied nehmen ?

    Denn “Der Feind im Schatten” ist ein Abschiedsbuch, sein durchgängiger Tonus entspricht dem Herbst, auch dem Lebensherbst kurz vor dem Tod. Im Verlauf des Buches spielen die verschiedenen Jahreszeiten eine Rolle, Wallander sieht sie kommen und gehen und löst während dieser Zeit einen Fall, obwohl er eigentlich im Urlaub ist. Wie wir aus den neun anderen Büchern schon wissen, ist ein Mann wie Kurt Wallander überhaupt nicht in der Lage, wirklich Urlaub zu machen, er kann nicht abschalten, dämpft seine Gefühle nach wie vor mit mehr Alkohol, als ihm, mittlerweile schwer zuckerkrank, gut tut und kämpft das ganze Buch über mit Erinnerungen aus seiner Vergangenheit. Dass ihm schon zu Anfang des Buches, und in der Folge immer häufiger, die Kurzzeiterinnerungen ausbleiben, und er nicht mehr weiß, warum er jetzt gerade dort ist, wo er ist, macht ihm, nachdem diese Schwärze nach einigen Sekunden bzw. Minuten wieder verblasst zunehmend Sorgen, doch sein Arzt beruhigt ihn.

    Auch in seinem letzten Fall trägt Wallander, darin seinem Schöpfer ähnlich, schwer am Weltgewissen und ermittelt dieses Mal in seiner eigenen Familie. Seine Tochter Linda hat ein Kind bekommen von einem adligen Börsenmakler ( auf diese Weise kann Mankell so nebenbei die Finanzkrise 2008 abhandeln). Der Vater von Hans, der ehemalige Korvettenkapitän Hakan von Enke verschwindet eine Tag, nachdem er bei seiner Geburtstagsparty sich Wallander öffnete und sehr besorgt wirkte. Hakan ist ehemaliger U-Boot-Kommandant und seit Jahren einer Verschwörung auf der Spur. Im Herbst 1980 hatte er ein fremdes U-Boot aufgebracht und musste es auf Befehl von oben ziehen lassen. Wer hatte damals den Befehl dazu gegeben ? Hatte Olof Palme etwas damit zu tun, von dem es doch immer wieder hieß, er sei ein russischer Spion und Kommunist ?

    Kurt Wallander nimmt die Fährte auf. Erst recht, als nach einigen Wochen auch Louise von Enke spurlos verschwindet. Wallander findet Dinge heraus, spürt wie immer Zusammenhänge auf, kann sie nicht richtig sehen, sie verschwinden wieder, tauchen später wieder auf, und bald knüpft er wie eh und je an einem spannenden Netz. Dabei leidet Wallander mehr noch als früher an der Dunkelheit der Welt, die sich in den vergangenen Jahrzehnten langsam immer mehr auf seine eigene Seele gelegt hat und die er nicht mehr locker und entspannt loslassen kann. Henning Mankell lässt seine Figur sozusagen durch die ganzen bösen Taten, die ihm begegnen, selbst hindurchgehen. Und das tut ihm nicht gut. Schon früher hat er gelitten, jetzt aber, jenseits der sechzig und chronisch krank und einsam, raubt es ihm die letzte positive Lebensenergie. Einzig seine Enkeltochter Klara gibt ihm so etwa wie Hoffung und Perspektive für die Jahre, die ihm noch bleiben und vor denen er sich fürchtet wie vor keinem Verbrechen vorher.

    Auf seinem Ermittlungsweg quer durch das Buch begegnen ihm viele Menschen, die ihm wichtig waren, zum Beispiel die litauische Polizistenwitwe Baiba, die Wallander geliebt hat, wie kaum eine andere Frau vorher, und die ihm, nachdem sie nicht seine Frau werden wollte, entglitten ist wie das meiste in seinem doch eher traurigen Leben. Andere Figuren oder Reminiszenzen aus den früheren Büchern tauchen auf, wecken beim Leser Erinnerungen und führen Wallander immer auf eine Idee, die ihn im aktuellen Fall weiterbringt. Das wirkt oft arg konstruiert in einem recht abstrakten Krimi, der sich ungewohnt langsam, geradezu träge, seiner Lösung nähert.

    Gegen Ende des fast 600 Seiten starken Buches, das man dennoch in nur wenigen Leseportionen zu Ende liest, gebannt und seltsam fasziniert von dieser depressiv-melancholischen Figur, die an der Welt leidet und an sich selbst, sagt Kurt Wallander zu sich selbst:

    “Ich bin immer noch die verwirrte Gestalt an der Peripherie des großen politischen und militärischen Geschehens. Heute wie damals bin ich eine ängstliche und unsichere Randfigur.”

    Doch so unbedarft waren Wallander und sein Erfinder nie. Denn Wallander durfte nie nur einen Mord aufklären, es ging ihm und Mankell immer auch darum, das jeweilige “System” dahinter zu demaskieren. Nun tritt er ab, verabschiedet sich endgültig, wie auf der letzten Seite deutlich wird.

    Wir werden ihn schon etwas vermissen.

  5. Federico sagt:

    Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite
    Endlich ist er da, der vermutlich letzte und wieder sehr spannend geschriebene Fall von Kurt Wallander. Der älter und bedächtiger gewordene Wallander hat sich einen Kindheitstraum erfüllt - er lebt mit einem Hund auf einem alten Bauernhof. Er geht zwar noch seiner Arbeit nach, in Gedanken bereitet er sich jedoch schon auf den Ruhestand vor und blickt auf sein vergangenes Leben zurück.

    Dann verschwindet Hakan von Enke, ehemaliger U-Boot-Kommandant und zukünftiger Schwiegervater von Wallanders Tochter Linda, kurz nach dessen 75. Geburtstag spurlos. Auf dieser Feier gewährte Hakan von Enke Wallander brisante Einblicke in eine politische Affäre: in den achtziger Jahren drangen fremde U-Boote mehrfach in schwedische Hoheitsgewässer ein, die nie identifiziert werden konnten. Von Enke war damals als Kommandant eines schwedischen U-Boots an der Jagd auf die fremden U-Boote beteiligt, und verfing sich dabei in die Maschen der Politik. Er hat jahrelang recherchiert und glaubt sich einer Lösung nahe.

    Wallanders Ermittlungen führen ihn mitten hinein in die Zeit des Kalten Krieges und in die schwedische Nachkriegsgeschichte. Während seiner Ermittlungen hat der Kommissar nicht nur mit den beteiligten Figuren zu tun, die Mankell mit wenigen Sätzen lebendig werden lässt, sondern auch mit ersten Alterserscheinungen zu kämpfen. Ohne Vorwarnung lässt ihn immer öfter sein Gedächtnis im Stich. Mit diesen Szenen zeichnet Mankell ein realistisches, menschliches Bild eines älter werdenden Menschen, der von Einsamkeit und die Angst vor dem Tod gequält wird.

  6. Pippin sagt:

    Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite
    Endlich ist er da, der vermutlich letzte und wieder sehr spannend geschriebene Fall von Kurt Wallander. Der älter und bedächtiger gewordene Wallander hat sich einen Kindheitstraum erfüllt - er lebt mit einem Hund auf einem alten Bauernhof. Er geht zwar noch seiner Arbeit nach, in Gedanken bereitet er sich jedoch schon auf den Ruhestand vor und blickt auf sein vergangenes Leben zurück.

    Dann verschwindet Hakan von Enke, ehemaliger U-Boot-Kommandant und zukünftiger Schwiegervater von Wallanders Tochter Linda, kurz nach dessen 75. Geburtstag spurlos. Auf dieser Feier gewährte Hakan von Enke Wallander brisante Einblicke in eine politische Affäre: in den achtziger Jahren drangen fremde U-Boote mehrfach in schwedische Hoheitsgewässer ein, die nie identifiziert werden konnten. Von Enke war damals als Kommandant eines schwedischen U-Boots an der Jagd auf die fremden U-Boote beteiligt, und verfing sich dabei in die Maschen der Politik. Er hat jahrelang recherchiert und glaubt sich einer Lösung nahe.

    Wallanders Ermittlungen führen ihn mitten hinein in die Zeit des Kalten Krieges und in die schwedische Nachkriegsgeschichte. Während seiner Ermittlungen hat der Kommissar nicht nur mit den beteiligten Figuren zu tun, die Mankell mit wenigen Sätzen lebendig werden lässt, sondern auch mit ersten Alterserscheinungen zu kämpfen. Ohne Vorwarnung lässt ihn immer öfter sein Gedächtnis im Stich. Mit diesen Szenen zeichnet Mankell ein realistisches, menschliches Bild eines älter werdenden Menschen, der von Einsamkeit und die Angst vor dem Tod gequält wird.

  7. lars sagt:

    Der Abschied von Kurt Wallander–schade
    In diesem Thriller heißt es Abschiednehmen von Kurt Wallander, Henning Mankell schickt seinen alten Kommissar in den wohlverdienten Ruhestand und ich finde das sehr schade, ich mochte Kurt Wallander mit seinen Ecken und Kanten und die Leser hatten ihn in ihr Herz geschlossen.
    Kurt Wallander hat sich einen alten Wunsch erfüllt und ist aufs Land gezogen und hat sich sogar einen Hund angeschafft. In der idyllischen Landschaft Schones passiert wieder ein Verbrechen und es läßt erahnen, dass eine politische Verschwörung dahinter steckt, denn es tauchen russische U-Boote in schwedischen Hoheitsgewässern auf, es geht um Spionage und den kalten Krieg. Der übergewichtige Kommissar spielt mit seiner Gesundheit, er trinkt wie immer zu viel und kommt durch seine Ermittlungen an den Rand seiner Belastbarkeit. Seine Tochter Linda spielt in diesem Thriller eine wichtige Rolle, sie hat ihn zum Opa gemacht und versucht in für eine bewußtere Lebensweise zu begeistern. Aber Linda holt auch das Verbrechen nach Hause, durch ihren zukünftigen Ehemann, einen hohen Marineoffizier.
    Wallander kann auch diesen Fall noch lösen, doch es machen sich bei ihm Merkmale von Demenz bemerkbar und der jahrelange Raubbau seiner Gesundheit hinterläßt Spuren und so bleibt ihm nur der Ruhestand, der ihm nun auch gegönnt ist.
    Schade, ich werde Kurt Wallander vermissen!! Ein empfehlenswertes Buch.

  8. Gidi sagt:

    Der Abschied von Kurt Wallander–schade
    In diesem Thriller heißt es Abschiednehmen von Kurt Wallander, Henning Mankell schickt seinen alten Kommissar in den wohlverdienten Ruhestand und ich finde das sehr schade, ich mochte Kurt Wallander mit seinen Ecken und Kanten und die Leser hatten ihn in ihr Herz geschlossen.
    Kurt Wallander hat sich einen alten Wunsch erfüllt und ist aufs Land gezogen und hat sich sogar einen Hund angeschafft. In der idyllischen Landschaft Schones passiert wieder ein Verbrechen und es läßt erahnen, dass eine politische Verschwörung dahinter steckt, denn es tauchen russische U-Boote in schwedischen Hoheitsgewässern auf, es geht um Spionage und den kalten Krieg. Der übergewichtige Kommissar spielt mit seiner Gesundheit, er trinkt wie immer zu viel und kommt durch seine Ermittlungen an den Rand seiner Belastbarkeit. Seine Tochter Linda spielt in diesem Thriller eine wichtige Rolle, sie hat ihn zum Opa gemacht und versucht in für eine bewußtere Lebensweise zu begeistern. Aber Linda holt auch das Verbrechen nach Hause, durch ihren zukünftigen Ehemann, einen hohen Marineoffizier.
    Wallander kann auch diesen Fall noch lösen, doch es machen sich bei ihm Merkmale von Demenz bemerkbar und der jahrelange Raubbau seiner Gesundheit hinterläßt Spuren und so bleibt ihm nur der Ruhestand, der ihm nun auch gegönnt ist.
    Schade, ich werde Kurt Wallander vermissen!! Ein empfehlenswertes Buch.

  9. Zacharias sagt:

    Der Feind im Schatten - Wallanders letzter Fall
    Erster Eindruck: Im Herbst des Lebens…

    Kurt Wallanders neuester Fall lässt ihn in seiner eigenen Familie ermitteln: Der Schwiegervater seiner Tochter Linda, ein ehemaliger U-Boot-Kommandant, verschwindet nach einer Geburtstagsparty. Kurz vorher hat er Wallander eine Geschichte über ein russisches U-Boot erzählt. Kann der Kommissar das Rätsel lösen und van Enke wiederfinden?

    Es heißt Abschied nehmen von Henning Mankells Kultfigur Kurt Wallander, der mit seinem zehnten auch gleichzeitig seinen letzten Fall löst. In “Der Feind im Schatten” herrscht deswegen eine ziemlich trübe Atmosphäre, Wallanders mittlerweile hohes Alter, seine Alkoholsucht und seine Diabetes machen ihm noch mehr zu schaffen. Der Ermittler wirkt noch melancholischer und düsterer als sonst, was eine einzigartige Stimmung schafft, die den Hörer zu berühren und zu fesseln weiß. Diese zieht sich durch die Handlung und spielt in allen Situationen eine gewisse Rolle, die sich auf das Handeln Wallanders auswirkt. Doch bevor es wirklich heißt Abschied nehmen, erlebt der Hörer nochmal wie sich Wallander an seine ältern Fälle erinnert. Der Fall an sich ist dabei nicht minder gelungen, schon zu Beginn wird der Hunger nach mehr geweckt. Ereignisse aus dem kalten Krieg sind im Buch verankert, sodass das Verschwinden van Enkes eine noch größere Tragweite bekommt. Wunderbar geschrieben und von Axel Milberg gekonnt auf 7 CDs vorgetragen dürfen wir ein letztes mal diesen - trotz seiner zahlreichen Schwächen - lieb gewonnenen Charakter erleben und einer spannenden Geschichte lauschen.

    Axel Milberg ist Sprecher des Hörbuches und kann die melancholische, ja fast schon depressive Seite von Kurt Wallander sehr intensiv transportieren und damit für den Hörer erlebbar machen. Dunkel, sehr betont und mit gekonnt gesetzten Pausen schafft er nur dank seiner Stimme verschiedene Atmosphären, die dem Autor völlig gerecht werden. Auch an den spannenden Stellen beweist er seine Kunst.

    Bei “Der Feind im Schatten” handelt es sich um ein klassisches Hörbuch welche vollkommen ohne eine Geräuschkulisse und musikalischer Untermalung auskommt.

    Dieses Hörbuch erscheint gleichzeitig mit der Romanvorlage, und selbstverständlich haben beide das gleiche Titelmotiv. Das Foto der Maske hat eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter, das durch die untere Spiegelung und die rein schwarze Hintergrundfarbe noch verstärkt wird. Der rote Farbschwung verleiht dem Ganzen etwas mehr Lockerheit.

    Fazit: Die trübsinnige Stimmung von Wallander macht diesen Band aus, und diese schlägt sich faszinierend auf den Hörer nieder. Wer Wallander bisher begleitet hat sollte sich seinen neuen und letzten Fall nicht entgehen lassen. Klare Empfehlung

  10. Wiclef sagt:

    Der Feind im Schatten - Wallanders letzter Fall
    Erster Eindruck: Im Herbst des Lebens…

    Kurt Wallanders neuester Fall lässt ihn in seiner eigenen Familie ermitteln: Der Schwiegervater seiner Tochter Linda, ein ehemaliger U-Boot-Kommandant, verschwindet nach einer Geburtstagsparty. Kurz vorher hat er Wallander eine Geschichte über ein russisches U-Boot erzählt. Kann der Kommissar das Rätsel lösen und van Enke wiederfinden?

    Es heißt Abschied nehmen von Henning Mankells Kultfigur Kurt Wallander, der mit seinem zehnten auch gleichzeitig seinen letzten Fall löst. In “Der Feind im Schatten” herrscht deswegen eine ziemlich trübe Atmosphäre, Wallanders mittlerweile hohes Alter, seine Alkoholsucht und seine Diabetes machen ihm noch mehr zu schaffen. Der Ermittler wirkt noch melancholischer und düsterer als sonst, was eine einzigartige Stimmung schafft, die den Hörer zu berühren und zu fesseln weiß. Diese zieht sich durch die Handlung und spielt in allen Situationen eine gewisse Rolle, die sich auf das Handeln Wallanders auswirkt. Doch bevor es wirklich heißt Abschied nehmen, erlebt der Hörer nochmal wie sich Wallander an seine ältern Fälle erinnert. Der Fall an sich ist dabei nicht minder gelungen, schon zu Beginn wird der Hunger nach mehr geweckt. Ereignisse aus dem kalten Krieg sind im Buch verankert, sodass das Verschwinden van Enkes eine noch größere Tragweite bekommt. Wunderbar geschrieben und von Axel Milberg gekonnt auf 7 CDs vorgetragen dürfen wir ein letztes mal diesen - trotz seiner zahlreichen Schwächen - lieb gewonnenen Charakter erleben und einer spannenden Geschichte lauschen.

    Axel Milberg ist Sprecher des Hörbuches und kann die melancholische, ja fast schon depressive Seite von Kurt Wallander sehr intensiv transportieren und damit für den Hörer erlebbar machen. Dunkel, sehr betont und mit gekonnt gesetzten Pausen schafft er nur dank seiner Stimme verschiedene Atmosphären, die dem Autor völlig gerecht werden. Auch an den spannenden Stellen beweist er seine Kunst.

    Bei “Der Feind im Schatten” handelt es sich um ein klassisches Hörbuch welche vollkommen ohne eine Geräuschkulisse und musikalischer Untermalung auskommt.

    Dieses Hörbuch erscheint gleichzeitig mit der Romanvorlage, und selbstverständlich haben beide das gleiche Titelmotiv. Das Foto der Maske hat eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter, das durch die untere Spiegelung und die rein schwarze Hintergrundfarbe noch verstärkt wird. Der rote Farbschwung verleiht dem Ganzen etwas mehr Lockerheit.

    Fazit: Die trübsinnige Stimmung von Wallander macht diesen Band aus, und diese schlägt sich faszinierend auf den Hörer nieder. Wer Wallander bisher begleitet hat sollte sich seinen neuen und letzten Fall nicht entgehen lassen. Klare Empfehlung

  11. Alfonsine sagt:

    Milberg at its best
    Endlich ist sie da- die vielerwartete Lesung des letzten Wallander Krimis. Virtuos wie immer liest Axel Milberg, den spannenden Plot. Der Kreis schließt sich wunderbar zu allen anderen Wallander Fällen - einer von Mankells besten Krimis, wenn nicht der beste Wallander!

    Einfach hörenswert!

  12. Anjuschka sagt:

    Kein “Roter Oktober” aber super spannend!
    Es ist das erste Werk, das ich von dem Autor lese. Als ich die Inhaltsangabe studierte, dachte ich zunächst, na - ja, das ist so etwas wie Jagd auf Roter Oktober: Roman. Aber weit gefehlt! Eine psychologisch unheimlich gut konstruierte Handlung mit glaubwürdigen Darstellern. Verzicht auf übertriebene Action-Szenen, das ist m.E. der Stoff, aus dem wirklich (!) gute Bücher entstehen. Daher meine fünf Sterne für ein wirklich lesenswertes Werk. Noch ein Tipp für Freunde von Verschwörungs-Thrillern. Den vor zwei Monaten erschienenen Titel Sekunde Null Das Urknall-Experiment kann ich ebenfalls wärmstens empfehlen.

  13. Hektor sagt:

    Milberg at its best
    Endlich ist sie da- die vielerwartete Lesung des letzten Wallander Krimis. Virtuos wie immer liest Axel Milberg, den spannenden Plot. Der Kreis schließt sich wunderbar zu allen anderen Wallander Fällen - einer von Mankells besten Krimis, wenn nicht der beste Wallander!

    Einfach hörenswert!

  14. Carlotta sagt:

    Der letzte Wallander ist auch der Beste
    Zugegeben, es ist schon eine Weile her, als ich die komplette Wallander-Reihe gelesen habe. Doch ich habe immer noch klar die spannenden, kniffeligen Fälle vor Augen; den ewig niedergeschlagenen, melancholischen Kommissar, der ständig Probleme mit seiner Gesundheit hat und die Welt, in der er lebt, nicht mehr versteht.

    Spannend ist Der Feind im Schatten” auf jeden Fall. Von Anfang an zieht sich ein düsterer Faden mit subtiler Spannung durch das Buch, immer in der Lage sich noch zu steigern. Probleme mit seiner Gesundheit und seinen Essgewohnheiten hat Wallander immer noch. Und doch kommt der neue Wallander an einer Stelle überraschend frisch und anders: Wallander ist nicht mehr so deprimiert, wie in den anderen Bänden. Ohne zu zögern legt er alles was er hat in seinen neuen Fall, vielleicht auch weil er innerlich spürt, dass es sein letzter sein könnte.

    Kurt Wallander hat mit kleineren Delikten in Ystad zu tun, als in seine Tochter um Hilfe bittet. Ohne Vorwarnung verschwindet ihr zukünftiger Schwiegervater. Kurze Zeit später auch noch deren Frau, die dann auch tot aufgefunden wird. Zunächst gehen alle von Selbstmord aus, doch Wallander hat Zweifel und stürzt sich in die Ermittlungen, auch wenn er gar nicht dafür zuständig ist.

    Rückschläge erlebt Wallander dabei eher gesundheitlich. Immer wieder quälen ihn Aussetzer, dunkle Gedächtnislücken, die ihn sogar ein Disziplinarverfahren einbringen. Doch auch davon lässt er sich nicht beeindrucken. Unbeirrt führt er seine Ermittlungen fort, die ihn zurück in die schwedische Geschichte, direkt in den Höhepunkt des Kalten Krieges führen.

    Typisch Nordisch, typisch Mankell könnte man diesen hervorragenden Kriminalroman umschreiben. Doch er ist viel mehr. Eben nicht nur etwas für Mankell-Fans. Für alle die gute Krimis lieben.

    Und vor allem ist es ein würdiger Abschluss für eine der besten Krimi-Reihen, die es zur Zeit auf dem Büchermarkt gibt.

    Der Feind im Schatten

  15. Lili sagt:

    Kein “Roter Oktober” aber super spannend!
    Es ist das erste Werk, das ich von dem Autor lese. Als ich die Inhaltsangabe studierte, dachte ich zunächst, na - ja, das ist so etwas wie Jagd auf Roter Oktober: Roman. Aber weit gefehlt! Eine psychologisch unheimlich gut konstruierte Handlung mit glaubwürdigen Darstellern. Verzicht auf übertriebene Action-Szenen, das ist m.E. der Stoff, aus dem wirklich (!) gute Bücher entstehen. Daher meine fünf Sterne für ein wirklich lesenswertes Werk. Noch ein Tipp für Freunde von Verschwörungs-Thrillern. Den vor zwei Monaten erschienenen Titel Sekunde Null Das Urknall-Experiment kann ich ebenfalls wärmstens empfehlen.

  16. Leander sagt:

    Und die Schatten bleiben

    Nun ist er gezogen - der Schlussstrich unter das Wirken des Kurt Wallander, Kommissar der Polizei Ystad, Südschweden. Ein letztes Mal noch sieht sich Wallander, 60 Jahre alt und zuckerkrank, von Schatten umgeben. Schatten, die seine Polizeiarbeit immer begleitet haben. Schatten, die für die Gefahr stehen, die das Leben für seine Menschen bereithält.

    “Der Feind im Schatten” hat der schwedische Autor Henning Mankell den letzten Roman seiner Kurt-Wallander-Reihe genannt. Weil es eine Geschichte ist, in der der wahre Feind im Verborgenen bleibt, während Kurt Wallander nach dem verschwundenen Korvettenkapitän Håkan von Enke und seiner Frau Louise sucht und dabei tief in den Strudel der U-Boot-Manöver des Kalten Krieges gezogen wird.

    Es ist vielleicht nicht Wallanders spannendster Fall. Es ist nicht der heikelste Plot, nicht das brutalste Böse, mit dem er sich auseinandersetzen muss. Aber es ist sein mit Abstand intimster Fall - Håkan von Enke ist der Vater von Hans, dem angehenden Mann von Wallanders Tochter Linda und der Vater seines Enkelkinds Klara.

    Es ist ein Krimi, der auch leise Töne anschlägt, der immer wieder den Menschen Wallander in den Mittelpunkt rückt. Ihm gelingt es nicht mehr, sein Privatleben zu verdrängen. Auch nicht mit Alkohol. Und so entwickelt sich neben dem Kriminalfall eine große - und zweifellos finale - Hommage an einen Kriminalkommissar, der seine Leser berührte. Wir haben seine menschlichen Fehltritte schätzen gelernt, seine Ohnmacht vor dem unbezwingbaren Übel.

    Wallander war nie ein cooler Cop. Er war nicht so smart wie Thomas Lynley (Elizabeth George), nicht so charmant wie Guido Brunetti (Donna Leon) oder so derbe-rücksichtslos wie John Rebus (Ian Rankin). Wallander war ein mürrischer Eigenbrötler, ein sturer Charakter mit klugem Kopf. “Ich denke nicht, dass wir Freunde würden”, sagt sein Erschaffer Mankell.

    Mankells Aus für Kurt Wallander ist folgerichtig, der Autor hat sein Schaffen an andere Tatorte verlegt - die der globalisierten Kriminalität. Wallander wäre in dieser Welt ein Relikt vergangener Zeiten. Somit wird Wallander nicht wie Donna Leons Guido Brunetti in einer Art Groschenroman-Endlosschleife weiter ermitteln. Es ist ein sauberes Ende - ohne großes Pathos. Ein Wallander-Ende eben.

    Viele Erinnerungen lässt Mankell auf dem Wege dahin aufleben: an den brutalen Mittsommermord, an die weiße Löwin und an Wallanders Mentor Rydberg. Und dann ist da seine alte Liebe Baiba aus Riga, die plötzlich vor der Tür steht, Sehnsüchte und Erinnerungen weckt. Auch Erinnerungen bei den Lesern, die “Hunde von Riga” vielleicht als Wallanders besten Fall einstufen. Aber gab es überhaupt einen, der uns nicht gefesselt hat?

    Dabei hatte die Reihe, 17 Millionen Mal allein im deutschsprachigen Raum als Buch oder Hörbuch verkauft, längst und gleich mehrfach verfilmt, als einmalige Geschichte begonnen. “Am Anfang hatte ich gar nicht vor, mehr als ein Buch mit Wallander zu schreiben, aber ich erkannte schnell, dass ich mit ihm ein Instrument geschaffen hatte, das ich benutzen konnte, um viele Geschichten zu erzählen”, erinnert sich Mankell.

    Der deutsche Leser hat den mürrischen Kurt Wallander förmlich adoptiert. Vor zwölf Jahren erschien im Paul Zsolnay Verlag der Krimi “Die fünfte Frau” des bis dahin vollkommen unbekannten schwedischen Autors. Doch Wallander machte Mankell schlagartig berühmt. Nun ist der Abschied da. Danke, Wallander, für spannende Stunden unter der Leselampe.

    Mankell will ihm noch ein paar Jahre geben - als Privatmann, nicht als Kommissar. Als Großvater. Und als nachdenklichen Menschen, dem es hoffentlich gut geht. Wallander: “Das ist am Ende alles, was bleibt, die Hoffnung.”

  17. Cliff sagt:

    Der letzte Wallander ist auch der Beste
    Zugegeben, es ist schon eine Weile her, als ich die komplette Wallander-Reihe gelesen habe. Doch ich habe immer noch klar die spannenden, kniffeligen Fälle vor Augen; den ewig niedergeschlagenen, melancholischen Kommissar, der ständig Probleme mit seiner Gesundheit hat und die Welt, in der er lebt, nicht mehr versteht.

    Spannend ist Der Feind im Schatten” auf jeden Fall. Von Anfang an zieht sich ein düsterer Faden mit subtiler Spannung durch das Buch, immer in der Lage sich noch zu steigern. Probleme mit seiner Gesundheit und seinen Essgewohnheiten hat Wallander immer noch. Und doch kommt der neue Wallander an einer Stelle überraschend frisch und anders: Wallander ist nicht mehr so deprimiert, wie in den anderen Bänden. Ohne zu zögern legt er alles was er hat in seinen neuen Fall, vielleicht auch weil er innerlich spürt, dass es sein letzter sein könnte.

    Kurt Wallander hat mit kleineren Delikten in Ystad zu tun, als in seine Tochter um Hilfe bittet. Ohne Vorwarnung verschwindet ihr zukünftiger Schwiegervater. Kurze Zeit später auch noch deren Frau, die dann auch tot aufgefunden wird. Zunächst gehen alle von Selbstmord aus, doch Wallander hat Zweifel und stürzt sich in die Ermittlungen, auch wenn er gar nicht dafür zuständig ist.

    Rückschläge erlebt Wallander dabei eher gesundheitlich. Immer wieder quälen ihn Aussetzer, dunkle Gedächtnislücken, die ihn sogar ein Disziplinarverfahren einbringen. Doch auch davon lässt er sich nicht beeindrucken. Unbeirrt führt er seine Ermittlungen fort, die ihn zurück in die schwedische Geschichte, direkt in den Höhepunkt des Kalten Krieges führen.

    Typisch Nordisch, typisch Mankell könnte man diesen hervorragenden Kriminalroman umschreiben. Doch er ist viel mehr. Eben nicht nur etwas für Mankell-Fans. Für alle die gute Krimis lieben.

    Und vor allem ist es ein würdiger Abschluss für eine der besten Krimi-Reihen, die es zur Zeit auf dem Büchermarkt gibt.

    Der Feind im Schatten

  18. Sepp sagt:

    Und die Schatten bleiben

    Nun ist er gezogen - der Schlussstrich unter das Wirken des Kurt Wallander, Kommissar der Polizei Ystad, Südschweden. Ein letztes Mal noch sieht sich Wallander, 60 Jahre alt und zuckerkrank, von Schatten umgeben. Schatten, die seine Polizeiarbeit immer begleitet haben. Schatten, die für die Gefahr stehen, die das Leben für seine Menschen bereithält.

    “Der Feind im Schatten” hat der schwedische Autor Henning Mankell den letzten Roman seiner Kurt-Wallander-Reihe genannt. Weil es eine Geschichte ist, in der der wahre Feind im Verborgenen bleibt, während Kurt Wallander nach dem verschwundenen Korvettenkapitän Håkan von Enke und seiner Frau Louise sucht und dabei tief in den Strudel der U-Boot-Manöver des Kalten Krieges gezogen wird.

    Es ist vielleicht nicht Wallanders spannendster Fall. Es ist nicht der heikelste Plot, nicht das brutalste Böse, mit dem er sich auseinandersetzen muss. Aber es ist sein mit Abstand intimster Fall - Håkan von Enke ist der Vater von Hans, dem angehenden Mann von Wallanders Tochter Linda und der Vater seines Enkelkinds Klara.

    Es ist ein Krimi, der auch leise Töne anschlägt, der immer wieder den Menschen Wallander in den Mittelpunkt rückt. Ihm gelingt es nicht mehr, sein Privatleben zu verdrängen. Auch nicht mit Alkohol. Und so entwickelt sich neben dem Kriminalfall eine große - und zweifellos finale - Hommage an einen Kriminalkommissar, der seine Leser berührte. Wir haben seine menschlichen Fehltritte schätzen gelernt, seine Ohnmacht vor dem unbezwingbaren Übel.

    Wallander war nie ein cooler Cop. Er war nicht so smart wie Thomas Lynley (Elizabeth George), nicht so charmant wie Guido Brunetti (Donna Leon) oder so derbe-rücksichtslos wie John Rebus (Ian Rankin). Wallander war ein mürrischer Eigenbrötler, ein sturer Charakter mit klugem Kopf. “Ich denke nicht, dass wir Freunde würden”, sagt sein Erschaffer Mankell.

    Mankells Aus für Kurt Wallander ist folgerichtig, der Autor hat sein Schaffen an andere Tatorte verlegt - die der globalisierten Kriminalität. Wallander wäre in dieser Welt ein Relikt vergangener Zeiten. Somit wird Wallander nicht wie Donna Leons Guido Brunetti in einer Art Groschenroman-Endlosschleife weiter ermitteln. Es ist ein sauberes Ende - ohne großes Pathos. Ein Wallander-Ende eben.

    Viele Erinnerungen lässt Mankell auf dem Wege dahin aufleben: an den brutalen Mittsommermord, an die weiße Löwin und an Wallanders Mentor Rydberg. Und dann ist da seine alte Liebe Baiba aus Riga, die plötzlich vor der Tür steht, Sehnsüchte und Erinnerungen weckt. Auch Erinnerungen bei den Lesern, die “Hunde von Riga” vielleicht als Wallanders besten Fall einstufen. Aber gab es überhaupt einen, der uns nicht gefesselt hat?

    Dabei hatte die Reihe, 17 Millionen Mal allein im deutschsprachigen Raum als Buch oder Hörbuch verkauft, längst und gleich mehrfach verfilmt, als einmalige Geschichte begonnen. “Am Anfang hatte ich gar nicht vor, mehr als ein Buch mit Wallander zu schreiben, aber ich erkannte schnell, dass ich mit ihm ein Instrument geschaffen hatte, das ich benutzen konnte, um viele Geschichten zu erzählen”, erinnert sich Mankell.

    Der deutsche Leser hat den mürrischen Kurt Wallander förmlich adoptiert. Vor zwölf Jahren erschien im Paul Zsolnay Verlag der Krimi “Die fünfte Frau” des bis dahin vollkommen unbekannten schwedischen Autors. Doch Wallander machte Mankell schlagartig berühmt. Nun ist der Abschied da. Danke, Wallander, für spannende Stunden unter der Leselampe.

    Mankell will ihm noch ein paar Jahre geben - als Privatmann, nicht als Kommissar. Als Großvater. Und als nachdenklichen Menschen, dem es hoffentlich gut geht. Wallander: “Das ist am Ende alles, was bleibt, die Hoffnung.”

  19. Leif sagt:

    Ein toller Krimi zum Abschluß - aber der Abschied von Wallander fällt sehr schwer
    Hanning Mankell hat sich noch einmal richtig ins Zeug gelegt. Der Fall, in den Kurt Wallander hineingerät ist dieses Mal mehr privater, denn dienstlicher Natur. Er ist spannend und es entsteht ein dichtes Geflecht von Lügen, Intrigen und dunklen Schatten des Kalten Krieges. Linda hat ihn überraschend zum Opa gemacht und über der Familie ihres zukünftigen Mannes hängen dunkle Wolken. Parallel dazu merkt Wallander zunehmend, daß er alt wird - vergesslich - und wie schon früher Ärger mit seiner Diabetes hat. Im Buch wird immer wieder deutlich, daß ein schleichendes Abschiednehmen von diesem oft eckigen, manchmal kauzigen Kommissar im Gange ist. Kurt Wallander kehrt gedanklich noch einmal kurz zu einigen seiner früheren Fälle zurück, ist inzwischen wie es immer sein Wunsch war aufs Land gezogen und findet auch in gewissem Sinne einen Abschluß in seinen Beziehungen - mit Mona und Baiba…

    Ein tolles Buch, auf das sich jeder Fan freuen kann, das einen aber auch wehmütig zurücklässt.

  20. Dominique sagt:

    Ein melancholischer Abschied
    Stellen Sie sich folgendes vor: Nach vielen Jahren kommt ein guter, sehr vertrauter Freund zurück, um ein paar Tage mit Ihnen gemeinsam zu verbringen. Alles ist wieder so, als hätte man sich noch gestern gesehen. Die Spuren der Vergangenheit werden wieder freigelegt, man versteht sich. Bis zum Abschied, der diesmal endgültig ist und schmerzt.

    So ist es mir mit Kurt Wallander gegangen. Er taucht wieder auf, nachdem man schon nicht mehr mit einem Lebenszeichen rechnen konnte, zieht mich mit seiner Melancholie, seiner feinen Beobachtungsgabe für die Gesellschaft, seinen Ängsten vor Vergessen und Tod, mit allem, was einen Menschen ausmacht, erneut in seinen Bann, löst dabei noch einem spannenden Kriminalfall (auf dessen Inhaltsangabe hier wohl verzichtet werden kann) und lässt den Leser zurück mit viel Sympathie für diesen verschrobenen Charakter und Neugier, wie es ihm wohl weiter ergehen wird.

    Nicht so rasant und brutal erzählt wie die Vorgängerromane ist auch Mankell das Alter und die zunehmende Reife anzumerken. Wer sich auf das zeitweilige Dahingeplätschere des Falles einlässt und bereit ist, zwischen den Zeilen zu lesen, wird mit einem absoluten Highlight nordischer Kriminalkunst belohnt.

    Prädikat: Besonders wertvoll!

  21. Mathias sagt:

    Grandiose Abschiedsvorstellung - Leerstellen im Kopf
    Es ist schon ein grandioser Abschied, den Mankell seinem Kommissar Wallander bereitet. Der Roman knüpft nicht nur die Bande zu Wallanders persönlicher Vergangenheit. Wie im Theater lässt Mankell die Weggefährten, Geliebten und Familienangehörigen Revue passieren, lässt sie Abschied nehmen, ihren Frieden schließen, alles hat trotz der Krebstoten Baiba und trotz der alkoholsüchtigen ehemaligen Gattin Wallanders einen versöhnlichen Ton. Weist doch auch das lange Zeit namenlose Enkelkind in die Zukunft.

    Der Rückblick in Wallanders Vergangenheit ist gekoppelt mit einem historischen Rückblick in die schwedische Geschichte in ihrer Verknüpfung mit dem Kalten Krieg, mit angeblich russischen U-Booten in schwedischen Gewässern, mit der Ermordung Olof Palmes. Die Verknüpfung in diese Vergangenheit, der sich Wallander politisch nie gewidmet hat, ergibt sich durch die adlige Familie von Linda Wallanders Lebenspartner Hans von Enke. Er Finanzmakler, der dem Marktabsturz der Herbstkrise 2008 trotzt und kräftig im Islandgeschäft mitmischt, sein Vater, hochrangiger Marinesoldat Schwedens, ehemaliger U-Boot-Kommandant, auch als Pensionär noch auf der Suche nach Verschwörern in eigenen Reihen, die 1980 ein von ihm gestelltes russisches U-Boot in schwedischen Hoheitsgewässern haben entkommen lassen.

    Bald muss sich Wallander auf die Suche nach Korvetten-Kapitän Hakan von Ende machen, der spurlos aus Stockholm verschwunden ist. Wenige Wochen später verschwindet auch dessen Gattin, die bald tot aufgefunden wird. Der scheinbare Selbstmord erweist sich bald als Mord und alle Indizien sprechen dafür, dass Louise von Enke eine russische Spionin sein könnte. Das allmähliche Aufdecken der wahren Hintergründe dauert, bleibt aber stets spannend, führt bis in die frühe Jugend Kurt Wallanders, der sich plötzlich an politische Einschätzungen seines Vaters erinnert, die ihm weiterhelfen.

    Und das alles unter erschwerten Bedingungen: zuckerkrank, Herzinfarkt gefährdet und immer wieder von Vergessensschüben bedroht, ermittelt Kurt Wallander schon fast als Privatier. Ein großartiger Abschluss, ein Abschied, der den Leser wehmütig zurücklässt, wenn er sich die Alzheimer-Prognose für Kurt vorstellen muss. Zumindest bleibt er ein glücklicher Großvater für seine dann doch mit Namen versehenen Enkelin Klara.

  22. Alfred sagt:

    Angry old man
    Ein unkonventionelles Buch, von der politischen Sicht, von der Sprache und von seinem Protagonisten her. Wohltuend unabhängig von allem geschmäcklerischem Krimi-Getue. Kurt Wallander wird alt, hat Angst vor dem Tod und erlebt den Beginn einer schweren Erkrankung. Was dieses Buch über das Altwerden eines Mannes zu sagen hat, gehört zum Tiefsten, Berührendsten, was es zu diesem Thema in der Belletristik gibt. Und die Sprache: hingespachtelt, zornig hingeworfen, ohne Sentimentalität und Schönfärberei. Ein beeindruckendes Buch.

  23. Bruno sagt:

    Vielleicht der beste aller Wallander Romane
    Zunächst einmal für alle, die diese Romanfigur über die Jahre lieben und schätzen gelernt haben: Ja, es ist ein echter Wallander geworden. Ein veritabler Krimi, mehr noch, ein spannender Spionagethriller, der den Leser tief in die Abgründe des Kalten Krieges führt. Ein kalter Krieg, der selbst in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor der Küste Schwedens noch brandheiß war.

    Das Buch ist aber noch viel mehr. Es beschreibt auf wunderbar melancholische und eindringliche Weise den Abschied Kurt Wallanders von seinem bisherigen Leben. Den Abschied von seiner beruflichen Existenz, die ihm so viel bedeutet hat, den Abschied von seiner Wohnung in der Mariagatan, die so oft Schauplatz vieler Szenen in den bisherigen Wallander Romanen war, in gewisser Weise aber auch den Abschied von seiner Tochter Linda, die nun Mutter ist, eine eigene Familie gründet und von der er sich ungewollt immer mehr entfernt. Es ist einsam geworden um Kurt Wallander, er spürt sein Alter, er erfährt mehr denn je die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit, auch seiner kognitiven Kräfte und er muss dagegen ankämpfen, im Alter nicht so zu werden wie sein Vater. Allerdings ist er auf dem besten Wege dazu und das macht ihm Angst, wie vieles andere in dieser Geschichte ihm auch Angst macht und ihn an sich und seiner Umwelt zweifeln lässt. Sicher war dies immer ein Thema in den Wallander Krimis bislang, aber in dieser Intensität und Tiefe hat Mankell noch nie das Innerste Kurt Wallanders nach außen gekehrt.

    Mankell ist mit seinem letzten Wallander Roman ein Meisterstück gelungen. Eine fantastische Mischung aus spannender Kriminalgeschichte und eindringlichem Psychogramm eines alternden Kurt Wallander. Einen besseren und gelungeneren Abschluss dieser Krimireihe kann man sich nicht wünschen. Herzlichen Dank, Herr Mankell, für dieses wunderbare Finale.

  24. Marius sagt:

    Ein toller Krimi zum Abschluß - aber der Abschied von Wallander fällt sehr schwer
    Hanning Mankell hat sich noch einmal richtig ins Zeug gelegt. Der Fall, in den Kurt Wallander hineingerät ist dieses Mal mehr privater, denn dienstlicher Natur. Er ist spannend und es entsteht ein dichtes Geflecht von Lügen, Intrigen und dunklen Schatten des Kalten Krieges. Linda hat ihn überraschend zum Opa gemacht und über der Familie ihres zukünftigen Mannes hängen dunkle Wolken. Parallel dazu merkt Wallander zunehmend, daß er alt wird - vergesslich - und wie schon früher Ärger mit seiner Diabetes hat. Im Buch wird immer wieder deutlich, daß ein schleichendes Abschiednehmen von diesem oft eckigen, manchmal kauzigen Kommissar im Gange ist. Kurt Wallander kehrt gedanklich noch einmal kurz zu einigen seiner früheren Fälle zurück, ist inzwischen wie es immer sein Wunsch war aufs Land gezogen und findet auch in gewissem Sinne einen Abschluß in seinen Beziehungen - mit Mona und Baiba…

    Ein tolles Buch, auf das sich jeder Fan freuen kann, das einen aber auch wehmütig zurücklässt.

  25. Gerardo sagt:

    Ein melancholischer Abschied
    Stellen Sie sich folgendes vor: Nach vielen Jahren kommt ein guter, sehr vertrauter Freund zurück, um ein paar Tage mit Ihnen gemeinsam zu verbringen. Alles ist wieder so, als hätte man sich noch gestern gesehen. Die Spuren der Vergangenheit werden wieder freigelegt, man versteht sich. Bis zum Abschied, der diesmal endgültig ist und schmerzt.

    So ist es mir mit Kurt Wallander gegangen. Er taucht wieder auf, nachdem man schon nicht mehr mit einem Lebenszeichen rechnen konnte, zieht mich mit seiner Melancholie, seiner feinen Beobachtungsgabe für die Gesellschaft, seinen Ängsten vor Vergessen und Tod, mit allem, was einen Menschen ausmacht, erneut in seinen Bann, löst dabei noch einem spannenden Kriminalfall (auf dessen Inhaltsangabe hier wohl verzichtet werden kann) und lässt den Leser zurück mit viel Sympathie für diesen verschrobenen Charakter und Neugier, wie es ihm wohl weiter ergehen wird.

    Nicht so rasant und brutal erzählt wie die Vorgängerromane ist auch Mankell das Alter und die zunehmende Reife anzumerken. Wer sich auf das zeitweilige Dahingeplätschere des Falles einlässt und bereit ist, zwischen den Zeilen zu lesen, wird mit einem absoluten Highlight nordischer Kriminalkunst belohnt.

    Prädikat: Besonders wertvoll!

  26. Arndell sagt:

    Grandiose Abschiedsvorstellung - Leerstellen im Kopf
    Es ist schon ein grandioser Abschied, den Mankell seinem Kommissar Wallander bereitet. Der Roman knüpft nicht nur die Bande zu Wallanders persönlicher Vergangenheit. Wie im Theater lässt Mankell die Weggefährten, Geliebten und Familienangehörigen Revue passieren, lässt sie Abschied nehmen, ihren Frieden schließen, alles hat trotz der Krebstoten Baiba und trotz der alkoholsüchtigen ehemaligen Gattin Wallanders einen versöhnlichen Ton. Weist doch auch das lange Zeit namenlose Enkelkind in die Zukunft.

    Der Rückblick in Wallanders Vergangenheit ist gekoppelt mit einem historischen Rückblick in die schwedische Geschichte in ihrer Verknüpfung mit dem Kalten Krieg, mit angeblich russischen U-Booten in schwedischen Gewässern, mit der Ermordung Olof Palmes. Die Verknüpfung in diese Vergangenheit, der sich Wallander politisch nie gewidmet hat, ergibt sich durch die adlige Familie von Linda Wallanders Lebenspartner Hans von Enke. Er Finanzmakler, der dem Marktabsturz der Herbstkrise 2008 trotzt und kräftig im Islandgeschäft mitmischt, sein Vater, hochrangiger Marinesoldat Schwedens, ehemaliger U-Boot-Kommandant, auch als Pensionär noch auf der Suche nach Verschwörern in eigenen Reihen, die 1980 ein von ihm gestelltes russisches U-Boot in schwedischen Hoheitsgewässern haben entkommen lassen.

    Bald muss sich Wallander auf die Suche nach Korvetten-Kapitän Hakan von Ende machen, der spurlos aus Stockholm verschwunden ist. Wenige Wochen später verschwindet auch dessen Gattin, die bald tot aufgefunden wird. Der scheinbare Selbstmord erweist sich bald als Mord und alle Indizien sprechen dafür, dass Louise von Enke eine russische Spionin sein könnte. Das allmähliche Aufdecken der wahren Hintergründe dauert, bleibt aber stets spannend, führt bis in die frühe Jugend Kurt Wallanders, der sich plötzlich an politische Einschätzungen seines Vaters erinnert, die ihm weiterhelfen.

    Und das alles unter erschwerten Bedingungen: zuckerkrank, Herzinfarkt gefährdet und immer wieder von Vergessensschüben bedroht, ermittelt Kurt Wallander schon fast als Privatier. Ein großartiger Abschluss, ein Abschied, der den Leser wehmütig zurücklässt, wenn er sich die Alzheimer-Prognose für Kurt vorstellen muss. Zumindest bleibt er ein glücklicher Großvater für seine dann doch mit Namen versehenen Enkelin Klara.

  27. Gaspard sagt:

    Angry old man
    Ein unkonventionelles Buch, von der politischen Sicht, von der Sprache und von seinem Protagonisten her. Wohltuend unabhängig von allem geschmäcklerischem Krimi-Getue. Kurt Wallander wird alt, hat Angst vor dem Tod und erlebt den Beginn einer schweren Erkrankung. Was dieses Buch über das Altwerden eines Mannes zu sagen hat, gehört zum Tiefsten, Berührendsten, was es zu diesem Thema in der Belletristik gibt. Und die Sprache: hingespachtelt, zornig hingeworfen, ohne Sentimentalität und Schönfärberei. Ein beeindruckendes Buch.

  28. Eila sagt:

    Vielleicht der beste aller Wallander Romane
    Zunächst einmal für alle, die diese Romanfigur über die Jahre lieben und schätzen gelernt haben: Ja, es ist ein echter Wallander geworden. Ein veritabler Krimi, mehr noch, ein spannender Spionagethriller, der den Leser tief in die Abgründe des Kalten Krieges führt. Ein kalter Krieg, der selbst in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor der Küste Schwedens noch brandheiß war.

    Das Buch ist aber noch viel mehr. Es beschreibt auf wunderbar melancholische und eindringliche Weise den Abschied Kurt Wallanders von seinem bisherigen Leben. Den Abschied von seiner beruflichen Existenz, die ihm so viel bedeutet hat, den Abschied von seiner Wohnung in der Mariagatan, die so oft Schauplatz vieler Szenen in den bisherigen Wallander Romanen war, in gewisser Weise aber auch den Abschied von seiner Tochter Linda, die nun Mutter ist, eine eigene Familie gründet und von der er sich ungewollt immer mehr entfernt. Es ist einsam geworden um Kurt Wallander, er spürt sein Alter, er erfährt mehr denn je die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit, auch seiner kognitiven Kräfte und er muss dagegen ankämpfen, im Alter nicht so zu werden wie sein Vater. Allerdings ist er auf dem besten Wege dazu und das macht ihm Angst, wie vieles andere in dieser Geschichte ihm auch Angst macht und ihn an sich und seiner Umwelt zweifeln lässt. Sicher war dies immer ein Thema in den Wallander Krimis bislang, aber in dieser Intensität und Tiefe hat Mankell noch nie das Innerste Kurt Wallanders nach außen gekehrt.

    Mankell ist mit seinem letzten Wallander Roman ein Meisterstück gelungen. Eine fantastische Mischung aus spannender Kriminalgeschichte und eindringlichem Psychogramm eines alternden Kurt Wallander. Einen besseren und gelungeneren Abschluss dieser Krimireihe kann man sich nicht wünschen. Herzlichen Dank, Herr Mankell, für dieses wunderbare Finale.

  29. Edmund sagt:

    Enttäuschend
    Auch mich hat der “Neue” nicht mitgerissen, den depressiven Wallander hätte ich nach der Hälfte am liebsten gleich mitbegraben.

    Zum Fall: Ich finde, der ganze Spionagefall bzw. Kriminalfall bleibt blass. Die Puzzelteile fallen eher zufällig zusammen, nichts hat sich für die Leser vorher angedeutet. Hier ist vielleicht der Vergleich zu Stieg Larssons “Vergebung” erlaubt, zu dem es einige (zu viele?)Parallen gibt. Während man dort in den Geheimdienst “hineinschaut” und die dahinter stehenden Pesonen mit ihren Stärken und Schwächen kennen lernt und letztlich die Motive bis in die Details versteht, bleiben sie hier alle etwas “nebelig”. Warum von Enke eigentlich so ein Theater um das U-Boot macht (über das er ja Bescheid gewussst haben muss) und warum das heute noch von Bedeutung ist - das alles bleibt unklar. Lachen musste ich über die Mikrofilme im Geheimfach einer Damenhandtasche - im Jahr 2007! Vielleicht sollte da doch mal jemand bei Lisbeth Salander in die Lehre gehen.

    Zum Privatleben: Armer Wallander dachte ich auf jeder Seite. Alles wiederholt sich mehrfach, er schläft, isst, geht herum, denkt an seinen Vater, hat Ahnungen, die er nicht fassen kann, begegnet diesem, begegnet jenem, wird mehrfach krank und wieder gesund - das meiste hätte man einfach weglassen können. Und dann sein armer Hund, der ständig im Zwinger hocken muss - der wäre wohl beim Nachbarn wirklich besser aufgehoben. Selbst die Demenz scheint mir irgendwie unpassend, weil das Alter dafür nicht stimmt. OK, man kann mit 60 erste Anzeichen einer Demenz haben, es ist aber äußerst selten. Alles in allem also gut, dass dieser gealterte Kommisar abgetreten ist und Platz für junge Teams macht - vielleicht taucht eins davon auch in Ystad wieder auf.

  30. Vera sagt:

    Wallander contra Staatsschutz?
    Der Feind im Schatten

    Wer, der Mankells “Wallander” liebt, war nicht neugierig auf den Ende April d.J. erschienenen neuen Roman um den beliebten Kriminalkommissar aus Ystad?

    Doch, ehrlich gesagt, als ich den Klappentext des Buches gelesen hatte, war ich einigermaßen skeptisch: Wallander, zugegebener Maßen ein erfolgreicher Kriminalkommissar im kleinen schwedischen Ystad, contra schwedischer Staatssicherheitsdienst? Das schien mir doch ein wenig suspekt.

    Wenn ich ehrlich bin, haben mir die Wallander-Romane, in deren Handlung ein sozial-kritisches Problem eingebunden ist, immer besser gefallen, als die mit einem politischen Hintergrund. Doch das ist natürlich reine Geschmackssache.

    Aber Henning Mankell, wäre nicht Henning Mankell, wenn er es nicht glänzend verstände, seinen Lesern zu vermitteln, warum Wallander in diese militärisch-politische Tragödie verwickelt wird.

    Es ist eigentlich ganz selbstverständlich für Wallander, daß er seiner Tochter Linda, die übrigens gerade ihr erstes Kind geboren hat, zur Seite steht, als ihr zukünftiger Schwiegervater, Korvettenkapitän i.R. Hakan von Enke, der Wallander auch persönlich sehr sympathisch ist, von einem Spaziergang nicht zurückkehrt.

    Doch bevor Mankell zum eigentlich Kern der Handlung, dem Verschwinden Hakan von Enkes kommt, hat sein Protagonist Wallander einige wichtige Entscheidungen für sein eigenes Leben getroffen.

    Nunmehr 60jährig, erfüllt er sich seinen lange gehegten Traum vom Häuschen auf dem Land. Es folgt die Anschaffung des Mischlingshundes Jussi ( der mit allerings im Laufe der Handlung immer mehr leid tut, denn er ist mehr bei Nachbarn untergebracht, als bei seinem Herrchen). Dinge, die eigentlich eine tiefe Zufriedenheit bei Wallander hervorrufen sollten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wallander wäre nicht Wallander, wenn er es sich so leicht machen würde.

    Er verfällt in einen teilweise depressiven Zustand, fühlt, was wir alle mit 60 Jahren wohl oder übel fühlen und erkennen müssen, der Hauptteil unseres Lebens ist unwiderruflich vorbei, zu Ende.

    Und dann passiert, was eigentlich einem Polizeibeamten nie passieren darf: Wallander nimmt seine Waffe zum reinigen mit nach Hause, gerät danach in eine panikartige Stimmung, fährt nach Ystad, betrinkt sich in einem Lokal und läßt dort seine Dienstwaffe liegen, die ein erzürnter Kellner noch in der selben Nacht bei der dortigen Polizei, also Wallanders Dienststelle, abgibt. Es folgt ein Disziplinarverfahren und Wallander wird vorerst beurlaubt.

    Das allerschlimmste für ihn ist aber, daß ER NICHT MEHR WEISS, DASS ER DIE WAFFE MITGENOMMEN HAT. Da klafft ein schwarzes Loch in seinem Gedächnis. Und jeder Mensch, der wie ich auch, in den 60zigern ist, kann Wallanders Angst und Verzweiflung sehr gut verstehen. Manchmal kommt man ja schon in Panik, wenn einem ein Namen nicht direkt einfällt….

    Und in diese Situation hinein, verschwindet nach der Feier zu seinem 70ten Geburtstag der Korvettenkapitän von Enke, spurlos, ohne jeden Anhaltspunkt.

    Und Henning Mankell läßt uns gemeinsam mit Wallander ein Geheimnis nach dem anderen der honorigen Adelsfamilie von Enke aufdecken.

    Schnell kommt die Vermutung auf, daß Spionage im Spiel ist. Und Wallander, eigentlich im Urlaub, ermittelt, wenn auch nur privat und im geheimen, seinen “letzten Fall”.

    Dann taucht auch noch seine Ex-Frau Monika ,die dem Alkohol verfallen ist, bei ihm auf dem Land auf. Und Wallander gewinnt endlich, nach langer, langer Zeit, den klaren Blick dafür, daß er heute nicht mehr mit seiner ehemaligen, schmerzlich vermißten Frau, zusammenleben könnte.

    Und als wäre das alles noch nicht genug: Plötzlich besucht auch seine kurze, aber große Liebe Baiba ihn, um Wallander zu sagen, daß sie sterbenskrank ist.

    Unterdessen versucht Wallander weiter Hakan von Enke zu finden. Und als er fast schon aufgeben will, errät er die richtige Lösung des Falles.

    Der Roman ist flüssig geschrieben uund sehr spannend. Die von Mankell manchmal liebevoll, aber immer präzise gezeichneten Charaktere handeln schlüssig. Manches erscheint hingegen etwas überzogen: z.B. die Hintergründe und Geheimisse des Falles erklären sich dem Kommissar immer schnell und einfach, natürlich auch aufgrund seiner bekannten Intuition beruhend, während der Staatsschutz wohl im Trüben fischt, was ein wenig unglaubwürdig scheint.

    Doch ich wollte dieses Buch auf gar keinen Fall ins Regal stellen, ehe ich es zu Ende gelesen hatte. Und ich persönlich weiß nicht, ob daß für mich, subjektiv betrachtet, so gut war:

    Man spürt ganz deutlich die große Angst vor dem Alter, die Hoffnungslosigkeit die Wallander (oder vielleich Mankell selbst?) quält, es gibt für ihn keine Perspektive mehr, nur das Dunkel, in dem er zu verschwinden fürchtet und das ihn auch tatsächlich verschlingen wird.

    Ich persönlich bin traurig. Nicht, weil die Buchreihe mit Kurt Wallander zu Ende ist, nein, weil das Ende für den Kommissar, der mich durch viele Jahre begleitet hat und der mir, wie tausendenen von anderen Lesern auch, ans Herz gewachsen ist, so endet. Man weiß, daß man einem guten Freund zum letzten Mal die Hand gedrückt hat.

    Aber lesenswert ist das Buch in jedem Fall. Man muß es einfach besitzen - und wenn nur, um es einmal wieder zu lesen.

  31. Bernt sagt:

    Wallander mit Krimi statt Krimi mit Wallander oder ein Großer tritt ab…
    Henning Mankell hat den roten Teppich ausgebreitet:

    Auf ihm schreitet Kurt Wallander zu seiner letzten Vorstellung.

    Er defiliert an all jenen vorbei, die sein Leben in den letzten zwanzig Jahren ausgemacht haben: An den Lebenden und den Toten, den Menschen, die er liebt und die ihm dennoch fremd geworden sind, den Schatten der Vergangenheit und auch an den Glücksmomenten, die seine Karriere ausmachten.

    Und dann kann er beginnen, der letzte Fall, der ihn als Mensch und als Kommissar noch einmal herausfordert.

    Älter ist er geworden, der Kurt Wallander aus Ystad, der Fälle lösen musste, die ihn in die Abgründe der Psyche und an die unwirtlichsten Plätze dieser Welt führten.

    Nun ist er doch noch sesshaft geworden auf einem alten Hof und da das Zusammenleben mit anderen Menschen ihm stets Schwierigkeiten bereitet hat, teilt er seinen Alltag mit Jussi, seinem Hund.

    Linda - Wallanders Tochter und ebenfalls Kommissarin - ist Mutter geworden und als Großvater lernt sich Kurt noch einmal von einer neuen Seite kennen. Und neue Menschen geraten in seinen Fokus, sein künftiger Schwiegersohn und dessen Eltern, der pensionierte hohe Militär Hakan von Enke und seine stille Frau Louise.

    Auf dem Geburtstag Hakan von Enkes berichtet der alte Herr von einer ungeheuerlichen U-Boot-Transaktion im kalten Krieg. Kurz darauf verschwindet er, wenig später auch Louise.

    Kurt Wallander unterstützt die Ermittlungen in Stockholm und dringt in die Geheimnisse einer Familie und in ein politisches Geflecht ein, in dem sich auch nach dem Ende des kalten Krieges noch mancher verfangen kann…

    Henning Mankells Figur Kurt Wallander ist sich über all die Jahre treu geblieben. Sein scharfer Verstand und sein Eigensinn, seine Nachdenklichkeit und seine Skepsis sind ihm geblieben, wenngleich sich das Alter immer unmittelbarer bemerkbar macht. Der Beginn einer Demenz setzt ihm zu und kostet ihn beinahe seinen Job, ebenso wie die sich verändernde Polizeiarbeit und der Abschied von seinem Kollegen Martinsson.

    Die Schatten senken sich.

    Es ist ein würdiger Abschied von einem Ausnahmeermittler, der oft (meist schlecht) kopiert worden ist und den skandinavischen Kriminalroman hierzulande zu einer festen Größe werden ließ.

    Mankells Kriminalromane sind Gesellschafts- und Charakterstudien und er verbindet in seinen Romanen stets spektakuläre Polizeiarbeit und tiefgründige Innensichten in den Charakter seines Helden, dem dennoch bis in den letzten Fall Geheimnis anhaftet.

    Und dann ist da noch dieses Gespür für echtes Timing!

    An Wallander hat man sich nie sattlesen können: Seine Fälle und seine privaten Geschicke erreichten den Leser in so dosierter Form, dass man geradezu jedem neuen Fall entgegen fieberte. Nun ist er an einem Punkt angekommen, an dem seine Kräfte schwinden, er die Arbeit jüngeren überlassen möchte und man gönnt es ihm.

    Dieses Buch ist ein Geschenk an die Leser: Ein solider, schlüssiger Fall, der dieses Mal allerdings nur den Rahmen abgibt für die große Abschiedsvorstellung.

    Am Ende hat man das Gefühl, man hat einer Sternstunde beigewohnt und man ist glücklich, auch wenn der Vorhang endgültig gefallen ist!

  32. Garvin sagt:

    Würdiger Abschluß
    Wer die anderen Wallander-Romane kennt, kennt auch Mankells Vorgehensweise: Die Geschichte entwickelt sich langsam und mit vielen kurzen Hauptsätzen, Wallander tritt nicht nur als Ermittler in Erscheinung, sondern auch als Privatperson, Wallanders Selbstzweifel übertragen sich auf den Leser (à la: Er hatte einen Zusammenhang erkannt, aber bevor er ihn richtig fassen konnte, war er verschwunden.), nach langem Anlauf wird das Rätsel schnell doch nicht komplett gelöst.

    Wer diese Art von Krimi mag, wird also auch “Der Feind im Schatten” mögen. Die Geschichte nimmt nie wirklich Fahrt auf, zieht den Leser aber behutsam in einen Sog.

    Ich kann diesen Roman allen Wallanderfans nur ans Herz legen. Ich rate aber davon ab, zu “Der Feind im Schatten” zu greifen, wenn man die Wallander-Reihe noch nicht gelesen hat. Denn diese Geschichte ist in mindestens gleichem Maße wie ein Krimi auch die Geschichte des Kurt Wallander. Wie in keinem Roman zuvor trifft der Leser auf den privaten Wallander. Vieles aus seiner Vergangenheit taucht auf oder wird angedeutet. Für Wallander-Freunde wohl ein Genuß, für Wallander-Neulinge wohl eher unnützes Beiwerk. Besonders gelungen, ist das Psychogramm des alternden Wallanders. Bei kleinen Details (der alten Tischdecke bei Linda z. B.) hatte ich einen richtigen Kloß im Hals.

    Hier nur noch ein paar Punkte, die mir an dem Buch mißfielen (darum keine fünf Sterne):

    - Mankells heillose Übertreibungen, was die Kriminalitätsrate in Schweden betrifft. In Ystad - einer südschwedischen Kleinstadt - scheint es nur noch Mord und Totschlag zu geben. Damit meine ich nicht nur die 12 Zentralfälle der Wallander-Romane, sondern auch, was ständig angedeutet wird und sozusagen als Kolorit dient.

    - Der Erzählkniff Mankells, ständig neue Bekannte und alte Freunde Wallanders aus dem Hut zu zaubern, die gerade für diesen Fall als Experten gelten müssen. Ich will nicht zuviel über den Inhalt verraten, aber das besessen geführte Privatarchiv eines ehemaligen Mitschülers von Wallander über genau das Thema, das von Interesse ist, ist schon sehr weit hergeholt.

    - Warum meinen deutsche Verlage und Filmverleihe eigentlich, die schwedischen Originaltitel immer ändern zu müssen? Warum muß ein schwedischer Krimi stets einen reißerischen Titel bekommen, wenn das Original doch recht ruhig und unspektakulär daherkommt? Was ist an “Der Feind im Schatten” besser als “Der unruhige Mann” (”Den oroliga mannen”)? Und was soll dieses sagenhaft dämliche Cover, das dem Inhalt in keiner Weise gerecht wird?

  33. Egon sagt:

    ein spannender Abschied von Kurt Wallander
    Eigentlich will er ja Urlaub machen- doch das Rätsel um die verschwundenden Schwiegereltern seiner geliebten Tochter Linda lässt ihn nicht los. Und so forscht der alternde Wallander weiter und gerät dabei immer tiefer in den Sumpf des Kalten Krieges, der noch immer im Gange ist, wie er feststellen muss. Im “Feind im Schatten” geht es um U-Boote, Spionage, Täuschung und Misstrauen, Politik, Mord, und vor allem darum, dass nichts so ist wie es scheint.

    Der Leser, bzw. der Hörer, wird von Beginn an behutsam darauf vorbereitet, dass dies der letzte Fall des beliebten schwedischen Ermittlers sein wird: Wallander zieht sich mehr und mehr aus der Polizeiarbeit zurück, lebt jetzt in einem Haus auf dem Land und erfüllt sich einen lange gehegten Traum: einen Hund. Auch die Familie nimmt jetzt mehr Raum in seinem Leben ein, seit er Großvater geworden ist. Wallander spürt, dass er rasant älter wird und plötzlich auftretende Gedächtnisausfälle ängstigen ihn. Auch seine Zuckerkrankheit kann er jetzt nicht mehr länger ignorieren. Ein trauriger, melancholischer Abschied, der eher leise Töne anschlägt. Und dennoch unglaublich spannend- Henning Mankell eben.

    Der Sprecher Axel Milberg liest nicht- er spielt- und zwar gewohnt großartig. Ich habe dieses Hörbuch sehr genossen und empfehle es unbedingt weiter!!

  34. Maart sagt:

    Der Mensch hinter Kurt Wallander
    Eigentlich sollte “Die Brandmauer” der letzte Wallander-Krimi sein. Doch dieses Mal gibt es kein Zurück. Zusammen mit dem Leser macht Henning Mankell die Tür hinter Kurt Wallander zu.

    Dies also ist der Abschied von Kommissar Wallander aus Ystad, der uns knapp 20 Jahre seit dem ersten Wallanderkrimi “Mörder ohne Gesicht” kriminalistisch begleitet hat. Für viele Leser skandinavischer Krimikost war Mankells Kurt Wallander die kongeniale Fortsetzung Martin Becks, dem Kommissar von Sjöwall / Wahlöö von der “riksmordkommissionen” in Stockholm. Und ebenso wie seine berühmten Vorgänger beschließt Mankell den Reigen nach zehn Episoden - wenn das kein Zufall ist?

    Das Erfolgsrezept von einst lag zum einen in der Fokussierung auf die ermittelnden Polizisten und zum anderen in der Kritik des verkommenden schwedischen Staates unter Tage Erlander und Olof Palme.

    Und genau in die Regierungszeit der beiden Letztgenannten reicht dieser neue, letzte Krimi mit Kurt Wallander zurück. Es ist die Zeit des “Kalten Kriegs”, als sowjetische U-Boote in schwedische Hoheitsgewässer eindringen. Wir verzichten an dieser Stelle angesichts der Vielzahl an Rezensionen auf eine weitere Wiedergabe des Inhalts.

    Vielleicht war Henning Mankell mit seiner Figur Kurt Wallander deshalb so erfolgreich, weil sich viele Leser in diese hineinversetzen konnten: Der Kommissar fürchtet Tod und Krankheit, sehnt sich nach Nähe, kann jedoch mit dieser nicht umgehen, arbeitet, isst und trinkt zu viel, treibt keinen Sport - kurzum er leidet an sich und der Welt überhaupt. Ein Mensch wie du und ich also.

    Schon im ersten Roman riecht Wallander “den bitteren Geruch alter Leute”. Im neuen Buch ist sein eigener körperlicher und geistiger Verfall das Hauptthema. Er schaut zurück und zieht Bilanz, fragt sich, wer er eigentlich ist.

    Vielleicht war das ein weiteres Erfolgskriterium an Wallander, dass er in Echtzeit alterte, dass er sich änderte, physisch und mental. Immer weniger war er dabei Belastungen seines Jobs gewachsen.

    Besorgte Leser mögen sich fragen, ob der depressive Grundtenor dem seines Autors entspricht? Bereits sehr früh verließ Mankells eigene Mutter Familie und Kind. Sein Vater, von Beruf Richter, war ihm fortan Muttersatz. Beides bleibt in Mankells Werken deutlich spürbar: Einsamkeit und das Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit einen Autor und Protagonisten.

    Doch, was mich inzwischen am meisten gegen Mankell aufbringt, ist sein Versuch, künstlich Spannung aufzubauen, wo keine ist. Schon die “Tiefe” (2005), “Kennedys Hirn” (2006), “Die italienischen Schuhe” (2007) und “Der Chinese” (2008) vermochten nicht zu überzeugen und an die alten Erfolge anzuschließen. Die körperlichen und geistigen Kräfte lassen nach bei Autor und Protagonisten gleichermaßen.

    Doch der Wallanderfan muss nicht verzagen. Mankell hat sich und seinen Lesern ein biologisches Hintertürchen offengelassen: Ihm und uns bleibt die Fortsetzung mit “the next generation”, Tochter Linda, die ja bereits in “Vor dem Frost” ihren ersten Auftritt hatte.

    Das Hörbuch wird gekürzt, vertraut und der deprimierenden Stimmung wie immer kongenial angemessen von Axel Milberg auf 7 CDs und 492 Minuten vorgelesen.

  35. Olivia sagt:

    nicht so überzeugend
    dieser letzte wallander ist leider auch der schlechteste, wenn auch das buch durchschnittlich ist. sehr langsam kommt die geschichte in gang, bis seite 70 etwa plätschert die sache so vor sich hin, der sonst übliche einstieg mit viel spannung fehlt diesmal. die darstellung der wallanderschen demenzerkrankung ist unzutreffend dargestellt, die ersten symptome sind anders, als im buch sehr grobkörnig beschrieben. mit rücksicht auf andere leser möchte ich nicht zu viel verraten. ich habe das buch ausgelesen, leider hat es mankell diesmal nicht geschafft, den spannungsbogen durchzuhalten. so gesehen ist es gar nicht verkehrt, den altgedienten helden aufs altenteil zu schicken …

  36. manfred dieter sagt:

    extrem langatmig…..
    Ich kann nicht verstehen, wie man hier von einem guten Buch sprechen kann. Schriftstellerisch allenfalls guter Durchschnitt und für einen Krimi extrem langweilig, für einen Roman zumindest langatmig und zäh. Das Beste an diesem Buch ist die Ankündigung: Wallanders letzter Fall, denn vom ersten bis zu diesem Wallander Krimi ging es stetig bergab. Die ersten Fälle sind wirklich spannend und haben auch eine erzählerische Dichte (ja ch habe wirklich alle gelsesen), aber in diesem Buch gibt es z.B. ständige Geplänkel zwischen alten Männern. Laaaangweilig.

    So richtig will keine Lesefreude aufkommen, es plätschert nur so dahin. Man freuet sich zwar auf das Ende, aber nur damit man wieder was Vernünftiges lesen kann.

    Die allergrösste Frechheit ist es aber vom ZSOLTNAY Verlag für dieses Buch sage und schreibe 26 Euronen zu verlangen (vielen Dank hier wieder einmal an die deutsche Buch-Preis-Bindung). Der Preis ist weder quantitativ noch qualitativ berechtigt, sondern basiert ausschliesslich auf der Annahme, daß die blöden Lemminge von Lesern (leider auch ich), dumm genug sind und stupide die 26 Ocken auf den Buchhändlertisch legen um bloss schnell genug den letzten Fall von Herrn Wallander zu lesen. Eine unverschämte Frechheit des ZSOLTNAY Verlags.

    Abgesehen davon wäre es für mich auf jeden Fall der letzte Wallander gewesen.

    Ach ja, dem Zsoltnay Verlag wünsche ich den baldigen bankrott. Solche schwarzen Schafe in der Buchbranche brauchen wir Leser so dringend wie Pickel am Hintern.

    Meine Empfehlung, lieber ein zweites Mal Mitsommermord lesen und auf die Paperbackausgabe warten, wenn man denn unbedingt auch dies Buch lesen will.

  37. Felix sagt:

    “Er suchte nach dem anderen Inhalt. Der unsichtbaren Schrift zwischen den Zeilen.”
    Mankell hat seinen bereits legendären Kommissar Kurt Wallander mit einigen nur allzu gut nachvollziehbaren menschlichen Stärken und Schwächen entworfen, auf “Biegen und Brechen” hat er bereits gegen Blutzuckerwerte, Übergewicht, die temporären Alkoholprobleme, gegen Depressionen und Melancholie gekämpft - mal mehr, meist weniger erfolgreich.

    Im Kern basiert dieser Fall auf tatsächlichen Ereignissen: Während des Kalten Krieges, in den 1980er Jahren, drangen immer wieder sowjetische U-Boote in das Hoheitsgebiet des neutralen Schweden ein, wahrscheinlich um die Abwehr der NATO zu testen. 1981 lief dann eins der Boote vor Karlskrona auf Grund. Die wahren Gründe der Manöver konnten jedoch nie eindeutig nachgewiesen werden sodass bald komplizierteste Verschwörungstheorien entstanden. Einige kritische Vorwürfe, die Handlung dieses Romans sei zu konstruiert, sind deshalb nur bedingt zutreffend. Im Nachwort schreibt Mankell richtig: “In der Welt der Fiktion sind viele Freiheiten möglich.”

    Diese Fakten reichen, von Mankell gelungen schriftstellerisch verarbeitet, bis in die Gegenwart Wallanders und seiner Tochter Linda, als Polizistin schon lange ein wichtiges Mitglied der dramatis personae von Wallanders Fällen. In diesem Roman ist sie schwanger - von Hans van Enke, einem international operierenden Börsenmakler und dem Spross einer angesehenen Familie. Sein Vater Hakan van Enke, ein ehemaliger U-Boot-Kommandant der schwedischen Marine und alter Haudegen, glaubt einer großen politischen Verschwörung auf der Spur zu sein. Bei einem Manöver hat er 1980 ein russisches U-Boot vom Typ U-137 vor der Marinebasis Karlskrona aufgespürt, musste es aber auf Weisung “von oben” unbehelligt ziehen lassen. Doch plötzlich verschwindet der Korvettenkapitän van Enke spurlos und kurz darauf wird dessen Ehefrau Louise tot aufgefunden. Nun wird der Fall auch politisch brisant und reicht bis zur Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme.

    Henning Mankell hebt mit seinem neuen Roman die teilweise verschütteten Gräben zwischen Ost und West wieder aus und rüttelt sogar am Denkmal der schwedischen Neutralität. Wallander hat die südschwedische Klein- und Heimatstadt Ystad verlassen und ist aufs Land gezogen, die Einsamkeit vertreibt er sich mit einem Hund, seine Depressionen bekämpft er mit Alkohol. Immer wieder erinnert er sich an frühere Fälle, an seine Kindheit und dem unerfüllten Wunsch nach einer Märklin-Eisenbahn, an die gescheiterte Ehe mit Mona, die schon vor zwanzig Jahren dem Alkohol verfiel und an die Lettin Baiba, seine große Liebe die an Krebs starb. Wallanders authentisch geschildertes Leben ist desolat, er vergisst seine Dienstwaffe im Restaurant, die Eier auf dem Herd und wer er eigentlich ist. Desolat ist aber auch die von Mankell glaubwürdig realistisch beschriebene Welt, keine Figur scheint hinter dem Drehbuch das zu sein was sie vorgibt. Ist der Ostdeutsche lediglich ein Stasi-Offizier, welche Rolle spielt eine Kellnerin, die einst in einer schwedischen Offiziers-Kneipe servierte, was verbirgt der hochintelligente Superagent des sowjetischen KGB wirklich?

    In diesem relativ gewaltfreien Fall läuft Kurt Wallander noch einmal zur Hochform auf; auch als Ermittler, aber in erster Linie als Kämpfer gegen seine Depressionen und das fortschreitende Vergessen - gegen den “Feind im Schatten” - seine fortschreitende Alzheimer-Erkrankung.

  38. Baxter sagt:

    .. und jetzt ist Schluss
    Als Mankell-Fan war es für mich klar das Buch zu lesen. Die Hoffnung auf einen neuen Wallander-Krimi war ja gegeben.

    Der Kriminal- bzw. Spionagefall schien eher nebensächlich und nach kurzer Zeit auch ziemlich durchsichtig.

    Es war vielmehr ein Resumée der alten Wallanderbücher und ein Abschied.

    Mir kam es vor, als ob Mankell genötigt war der Menschheit einen letzten Wallender-Krimi zu schenken, jedoch mit dem Hinweis: Jetzt ist gut! Die Figur Wallender gibt nichts mehr her.

    Vielleicht wird Linda, seine Tochter, die Nachfolge antreten.

  39. Maja sagt:

    .. und jetzt ist Schluss
    Als Mankell-Fan war es für mich klar das Buch zu lesen. Die Hoffnung auf einen neuen Wallander-Krimi war ja gegeben.

    Der Kriminal- bzw. Spionagefall schien eher nebensächlich und nach kurzer Zeit auch ziemlich durchsichtig.

    Es war vielmehr ein Resumée der alten Wallanderbücher und ein Abschied.

    Mir kam es vor, als ob Mankell genötigt war der Menschheit einen letzten Wallender-Krimi zu schenken, jedoch mit dem Hinweis: Jetzt ist gut! Die Figur Wallender gibt nichts mehr her.

    Vielleicht wird Linda, seine Tochter, die Nachfolge antreten.

  40. Abela sagt:

    Kein Feind ist so mächtig wie der eigene Körper (Spoiler!!)
    Was ist nur los mit Wallander? Ein vergessener Revolver, ständig zunehmende Erinnerungslücken, dazu noch Probleme mit dem Insulinhaushalt. Der Zahn der Zeit nagt heftig am schwedischen Lieblingskommissar der Deutschen. Und gerade jetzt wird Wallander mit seinem persönlichsten Fall konfrontiert. Seine Tochter heiratet einen erfolgreichen Banker, dessen Vater Hakan von Enke ein hochdekorierter ehemaliger U-Boot-Kapitän ist. Kurz nach einem Gespräch zwischen den beiden alten Männern, in dem von Enke Andeutungen über einen Spion in Reihen des schwedischen Militärs gemacht hat, verschwindet er spurlos. Auf Drängen seiner Tochter beginnt Wallander auf eigene Faust zu recherchieren. Seine Ermittlungen führen ihn zurück in die Zeit des Kalten Krieges. Der Fall nimmt eine unerwartete Wendung, als auch noch Louise von Enke, Hakans Frau, verschwindet.

    Und doch steht der Fall im definitiv letzten Wallander-Roman “Der Feind im Schatten” lediglich im Hintergrund. Im Zentrum der Handlung steht eindeutig der Kommissar selbst sowie die Frage, was einem Menschen im Leben Halt und Sinn gibt. Menschen lässt der introvertierte Eigenbrötler kaum an sich heran (immerhin hat er sich einen Hund zugelegt), seine Ex-Frau versinkt im Suff und eine ehemalige Geliebte sucht ihn sterbenskrank auf, um Abschied zu nehmen: “Der Tod störte immer, wann er auch kam” (277) denkt Wallander. Nur die Arbeit gibt seinem Leben augenscheinlich noch einen Sinn. Doch was passiert, wenn das, was ihn auszeichnet, Gedächtnis, Intuition und Kombinationsgabe, langsam aber sicher zu verschwinden scheint? Was passiert, wenn ein Mensch merkt, dass das, worüber er sich definiert, im Begriff ist zu verschwinden? Der titelgebende Feind im Schatten bezieht sich hier vielmehr auf die Angst, den eigenen Verfall miterleben zu müssen als auf den Fall: “Der Schatten hatte sich vertieft. Und langsam sollte Kurt Wallander im ewigen Dunkel verschwinden, das ihn einige Jahre später in das leere Universum entließ, das Alzheimer heißt” (588).

    Fazit: Beeindruckender, überwältigender und tieftragischer Abschied einer großen literarischen Figur. Im Verlauf des Romans wird deutlich, dass die einzigen Menschen, die Wallander wirklich etwas bedeuten seine Tochter Linda und seine frisch geborene Enkeltochter Klara sind. Umso erschreckender gestaltet sich die abschließende Szene, in der Wallander panisch feststellt, dass er dieses Kind, was freudestrahlend auf ihn zukommt, nicht mehr erkennt. Kein ehrenvoller Heldentod für unseren Kommissar, sondern ein langsames Abgleiten ins eigene Vergessen. Das passt, da es den Leser genauso erschüttert zurücklässt wie Wallander von der ihm umgebenden Umwelt immer mehr und mehr erschüttert war.

  41. Svea sagt:

    Kein Feind ist so mächtig wie der eigene Körper (Spoiler!!)
    Was ist nur los mit Wallander? Ein vergessener Revolver, ständig zunehmende Erinnerungslücken, dazu noch Probleme mit dem Insulinhaushalt. Der Zahn der Zeit nagt heftig am schwedischen Lieblingskommissar der Deutschen. Und gerade jetzt wird Wallander mit seinem persönlichsten Fall konfrontiert. Seine Tochter heiratet einen erfolgreichen Banker, dessen Vater Hakan von Enke ein hochdekorierter ehemaliger U-Boot-Kapitän ist. Kurz nach einem Gespräch zwischen den beiden alten Männern, in dem von Enke Andeutungen über einen Spion in Reihen des schwedischen Militärs gemacht hat, verschwindet er spurlos. Auf Drängen seiner Tochter beginnt Wallander auf eigene Faust zu recherchieren. Seine Ermittlungen führen ihn zurück in die Zeit des Kalten Krieges. Der Fall nimmt eine unerwartete Wendung, als auch noch Louise von Enke, Hakans Frau, verschwindet.

    Und doch steht der Fall im definitiv letzten Wallander-Roman “Der Feind im Schatten” lediglich im Hintergrund. Im Zentrum der Handlung steht eindeutig der Kommissar selbst sowie die Frage, was einem Menschen im Leben Halt und Sinn gibt. Menschen lässt der introvertierte Eigenbrötler kaum an sich heran (immerhin hat er sich einen Hund zugelegt), seine Ex-Frau versinkt im Suff und eine ehemalige Geliebte sucht ihn sterbenskrank auf, um Abschied zu nehmen: “Der Tod störte immer, wann er auch kam” (277) denkt Wallander. Nur die Arbeit gibt seinem Leben augenscheinlich noch einen Sinn. Doch was passiert, wenn das, was ihn auszeichnet, Gedächtnis, Intuition und Kombinationsgabe, langsam aber sicher zu verschwinden scheint? Was passiert, wenn ein Mensch merkt, dass das, worüber er sich definiert, im Begriff ist zu verschwinden? Der titelgebende Feind im Schatten bezieht sich hier vielmehr auf die Angst, den eigenen Verfall miterleben zu müssen als auf den Fall: “Der Schatten hatte sich vertieft. Und langsam sollte Kurt Wallander im ewigen Dunkel verschwinden, das ihn einige Jahre später in das leere Universum entließ, das Alzheimer heißt” (588).

    Fazit: Beeindruckender, überwältigender und tieftragischer Abschied einer großen literarischen Figur. Im Verlauf des Romans wird deutlich, dass die einzigen Menschen, die Wallander wirklich etwas bedeuten seine Tochter Linda und seine frisch geborene Enkeltochter Klara sind. Umso erschreckender gestaltet sich die abschließende Szene, in der Wallander panisch feststellt, dass er dieses Kind, was freudestrahlend auf ihn zukommt, nicht mehr erkennt. Kein ehrenvoller Heldentod für unseren Kommissar, sondern ein langsames Abgleiten ins eigene Vergessen. Das passt, da es den Leser genauso erschüttert zurücklässt wie Wallander von der ihm umgebenden Umwelt immer mehr und mehr erschüttert war.

  42. Ulf sagt:

    Starker trauriger Abgang von Kurt Wallander
    Nun ist es also soweit. Kurt Wallander tritt ab, und zwar auf trauriger Weise! Kurt hat sich nach all den Jahren seit seinem letzten Fall (”Die Brandmauer”) kaum verändert, nur dass sich seine Zuckerkrankheit verschlimmert hat. Dafür ist er ins Land gezogen, hat ein Haus gekauft und sich einen Hund angeschafft. Er wurde sogar dank seiner Tochter Linda, die nun in Stockholm lebt und als Polizistin arbeitet, sogar Großvater. Das hört sich so an, als hätte Kurt sein bisher vermurkstes Privatleben aufgeräumt. Ist aber leider nicht so! Die Einsamkeit ließ ihn immer noch nicht los. Schlimmer noch, er scheint die Krankheit seines verstorbenen Vaters vererbt zu haben.

    Kurt hat aber nun keine Zeit, sich darum zu kümmern, denn Lindas Schwiegereltern verschwanden nacheinander mysteriös! Er beginnt darüber ermitteln, diesmal aber hauptsächlich privat ohne seine Kollegen in Ystad wie sonst gewohnt, allerdings etwas mit Unterstützung Lindas und eines Stockholmer Kollegen. Später wird eine der vermissten Personen unter merkwürdigen Umständen tot aufgefunden. Dann kristallisiert sich nach und nach ein brisanter alter Spionagefall heraus, indem zunächst ein Teil der vermissten Personen involviert scheint. Dabei spielt Ostdeutschland eine Rolle! Das alles lässt Wallander im Laufe der Ermittlungen, wobei er leider (wie üblich) keine Rücksicht auf seine stark angegriffene Gesundheit (zum Leidwesen seiner Tochter) nimmt, erstmal lange Zeit völlig verwirren. Dann begreift er schließlich, dass es in Bezug auf den vermeintlichen Spion in Wahrheit im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Zeit verkehrt gedacht hatte und getäuscht worden ist. So kam es zur Auflösung dieses Falles völlig ohne Happy End und es lässt einen deprimierten Kurt Wallander und insgesamt drei Toten zurück.

    In seinem Privatleben nebenbei lief es auch nicht besser, wenn man es von der Geburt seiner Enkelin Klara absieht. Erst taucht seine Ex-Frau Mona und dann seine langjährige Ex-Geliebte Baiba aus Lettland auf. Beide konnten Kurt jedoch gar nicht erfreuen, ganz im Gegenteil! Sein einziger Trost ist die bisher starke Bindung zu seiner Tochter Linda geblieben, auf die Kurt sich eigentlich immer verlassen konnte, und dazu die Freude auf seine Enkelin.

    Dann, ganz am Ende, schlägt seine neue Krankheit, die bisher nur kurze Anzeichen von sich gab, unbarmherzig zu! Kurz, aber eindrucksvoll! Und verlässt somit uns treuen Lesern für immer! :-( Immerhin kann man sich noch die Hoffnung machen, dass Lindas Familie nun gut um ihn kümmern wird.

    Vier Sterne nur, da dieser Krimi von Kurt von Wallander im Vergleich zu den letzten Bändern diesmal nicht so herausragend und spannend war, was vor allem die unvergleichliche Ermittlungsarbeit angeht. Weil vielleicht auch sein Privatleben bzgl. der Verwandtschaft stärker in den Vordergrund kam als sonst! Dafür ein insgesamt eindrucksvoller Abgang des Polizisten, der mit Leib und Seele die Ermittlungen in seiner Karriere so akribisch geführt hat.

  43. Anshelm sagt:

    Starker trauriger Abgang von Kurt Wallander
    Nun ist es also soweit. Kurt Wallander tritt ab, und zwar auf trauriger Weise! Kurt hat sich nach all den Jahren seit seinem letzten Fall (”Die Brandmauer”) kaum verändert, nur dass sich seine Zuckerkrankheit verschlimmert hat. Dafür ist er ins Land gezogen, hat ein Haus gekauft und sich einen Hund angeschafft. Er wurde sogar dank seiner Tochter Linda, die nun in Stockholm lebt und als Polizistin arbeitet, sogar Großvater. Das hört sich so an, als hätte Kurt sein bisher vermurkstes Privatleben aufgeräumt. Ist aber leider nicht so! Die Einsamkeit ließ ihn immer noch nicht los. Schlimmer noch, er scheint die Krankheit seines verstorbenen Vaters vererbt zu haben.

    Kurt hat aber nun keine Zeit, sich darum zu kümmern, denn Lindas Schwiegereltern verschwanden nacheinander mysteriös! Er beginnt darüber ermitteln, diesmal aber hauptsächlich privat ohne seine Kollegen in Ystad wie sonst gewohnt, allerdings etwas mit Unterstützung Lindas und eines Stockholmer Kollegen. Später wird eine der vermissten Personen unter merkwürdigen Umständen tot aufgefunden. Dann kristallisiert sich nach und nach ein brisanter alter Spionagefall heraus, indem zunächst ein Teil der vermissten Personen involviert scheint. Dabei spielt Ostdeutschland eine Rolle! Das alles lässt Wallander im Laufe der Ermittlungen, wobei er leider (wie üblich) keine Rücksicht auf seine stark angegriffene Gesundheit (zum Leidwesen seiner Tochter) nimmt, erstmal lange Zeit völlig verwirren. Dann begreift er schließlich, dass es in Bezug auf den vermeintlichen Spion in Wahrheit im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Zeit verkehrt gedacht hatte und getäuscht worden ist. So kam es zur Auflösung dieses Falles völlig ohne Happy End und es lässt einen deprimierten Kurt Wallander und insgesamt drei Toten zurück.

    In seinem Privatleben nebenbei lief es auch nicht besser, wenn man es von der Geburt seiner Enkelin Klara absieht. Erst taucht seine Ex-Frau Mona und dann seine langjährige Ex-Geliebte Baiba aus Lettland auf. Beide konnten Kurt jedoch gar nicht erfreuen, ganz im Gegenteil! Sein einziger Trost ist die bisher starke Bindung zu seiner Tochter Linda geblieben, auf die Kurt sich eigentlich immer verlassen konnte, und dazu die Freude auf seine Enkelin.

    Dann, ganz am Ende, schlägt seine neue Krankheit, die bisher nur kurze Anzeichen von sich gab, unbarmherzig zu! Kurz, aber eindrucksvoll! Und verlässt somit uns treuen Lesern für immer! :-( Immerhin kann man sich noch die Hoffnung machen, dass Lindas Familie nun gut um ihn kümmern wird.

    Vier Sterne nur, da dieser Krimi von Kurt von Wallander im Vergleich zu den letzten Bändern diesmal nicht so herausragend und spannend war, was vor allem die unvergleichliche Ermittlungsarbeit angeht. Weil vielleicht auch sein Privatleben bzgl. der Verwandtschaft stärker in den Vordergrund kam als sonst! Dafür ein insgesamt eindrucksvoller Abgang des Polizisten, der mit Leib und Seele die Ermittlungen in seiner Karriere so akribisch geführt hat.

  44. Valeria sagt:

    Zeitdruck?
    Als eingefleischter Mankellfan kann ich nur sagen, dass dieses Werk nicht stellvertretend für seine vorherigen Werke steht. Ich frage mich, wie der deutsche Verlag von Mankell sich eine solch schlechte Übersetzung erlauben kann. Ein Verlag, der in einer solchen Liga mitspielt, müsste in der Lage sein, ein Buch von einem grandiosen Schriftsteller auch dementsprechend gut zu bearbeiten. Zeitdruck, damit der Rubel rollt? Bestimmt, denn sonst würden keine frisch aufgehängten Laken im Wind knattern.

    (S. 224)

  45. Clarimonde sagt:

    Eigentlich schade
    Der Roman hat, ganz Mankell-like, mit langsamem (Spannungs)Aufbau begonnen. Doch irgendwie kam Mankell mit dem Plot nicht ganz zurecht - oder er wollte einfach nicht. Jedenfalls scheint die Handlung etwas hingewürfelt. Über mehr als 400 Seiten reihen sich die Ereignisse zum Teil nicht ganz logisch aneinander - um dann in einem viel zu kurzen Finale zu enden. Der Plot ist seicht, das Ende wie gesagt etwas enttäuschend, weil es auch vieles offen lässt. Ich hatte den Eindruck, als wäre Mankell unter Zeitdruck gestanden und zum Abgabetermin noch nicht “fertig” gewesen. Die drei Sterne verdient sich Wallanders Letzter aber auf Grund des doch gelungenen Psychogramms eines alternden, zutiefst nachdenklichen Menschen, der, wahrscheinlich wie viele von uns, Angst vorm Alter(n) und dessen Begleitumstände (Demenz) sowie dem Tod hat. Und Mankell lässt uns daran in großer Tiefe teilhaben. Wenn sie Mankell-Fan sind, dann lesen sie das Buch. Wenn sie jedoch erst mit Mankell beginnen wollen, so wählen sie ein anderes Werk. Das werden sie dann nicht bereuen.

  46. Anne-Marie sagt:

    zum weinen
    habe alle wallander(ausser dem sommer krimi/was mit kindern geht bei mir ganz schlecht)bücher hinter mir und habe diesen verschlungen.

    danach habe ich in der welt am sonntag eine vernichtende kritik darüber gelesen obwohl die sich nicht gescheut haben die ganz- und halbseitige werbung für das buch zu drucken.

    ich kann mit solchen kritiken die sich an details,wahrheiten,wahrscheinlichkeiten oder unmöglichkeiten festhalten nichts anfangen.

    sicher,das ist vielleicht eine unglaubliche geschichte.

    aber darum geht es ja,es ist eine geschichte und kein tatsachenbericht.

    ich denke wir deutschen lesen wallander gerne auch wegen der besonderen und düsteren stimmung und handlung.

    und die hat mankell mir auf jeden fall geschenkt.

  47. Gian-Franco sagt:

    Abschied einer charismatischen Romanfigur
    Nur wenige zeitgenössische Autoren haben es bisher geschafft, eine Romanfigur wie Kurt Wallander zu erfinden, der die Leserschaft dermassen bewegt hat. Er ist uns ans Herz gewachsen, wir haben mit ihm recheriert, ermittelt, gehofft, gelitten, uns manchmal mit ihm geärgert und nun hat er sich verabschiedet. Eigentlich schade, aber doch nachvollziehbar.

    Wie schon von den Vorrezensenten mehrfach erwähnt, schliesse ich mich der Meinung an, dass der letzte Wallander-Krimi nicht der spannendste von allen ist. Doch eines ist schon beachtenswert: Henning Mankell versteht es die Lesenden immer wieder in Bann zu ziehen und selbst bei Themen, die einem sonst fremd sind, ein bestimmtes Interesse zu wecken.

    Ganz allgemein, haben mich die Wallander-Romane begeistert, waren sie doch nie einfach nur brutal und sinnlos, sondern immer mit dem nötigen psychologischen Hintergrund geschrieben.

  48. Gehrt sagt:

    Abschied einer charismatischen Romanfigur
    Nur wenige zeitgenössische Autoren haben es bisher geschafft, eine Romanfigur wie Kurt Wallander zu erfinden, der die Leserschaft dermassen bewegt hat. Er ist uns ans Herz gewachsen, wir haben mit ihm recheriert, ermittelt, gehofft, gelitten, uns manchmal mit ihm geärgert und nun hat er sich verabschiedet. Eigentlich schade, aber doch nachvollziehbar.

    Wie schon von den Vorrezensenten mehrfach erwähnt, schliesse ich mich der Meinung an, dass der letzte Wallander-Krimi nicht der spannendste von allen ist. Doch eines ist schon beachtenswert: Henning Mankell versteht es die Lesenden immer wieder in Bann zu ziehen und selbst bei Themen, die einem sonst fremd sind, ein bestimmtes Interesse zu wecken.

    Ganz allgemein, haben mich die Wallander-Romane begeistert, waren sie doch nie einfach nur brutal und sinnlos, sondern immer mit dem nötigen psychologischen Hintergrund geschrieben.

  49. Aillsa sagt:

    Der letzte Wallander
    In der Gewissheit, dass dieses Buch das letzte in der Wallander-Reihe sein wird, habe ich “Der Feind im Schatten” gelesen. Es nicht mehr der fesselnde, spannende Mankell, wie er in seinen früheren Büchern oft zu lesen war. “Der Feind im Schatten” verbreitet viel Düsteres und Trauriges und setzt sich mit der schwedischen Politik und dem Verhältnis von Schweden zu den USA und Russland in den Zeiten des Kalten Krieges auseinander. Eigentlich ein Thema, das mich persönlich nicht gerade interessiert. Mankell versteht es aber wieder einmal, dass man weiter lesen muss, um letztendlich die nicht erwartete Lösung zu erfahren. Genauso unerwartet ist aber auch der Abgang von Wallander, der sicherlich realitätsnaher ist, als ihn einfach bei der Erfüllung seines Dienstes sterben zu lassen. Für meinen Geschmack hinterlässt das Ende zu viele offene Fragen, ungelöste Probleme und sehr viel Traurigkeit…

  50. Rolof sagt:

    Der letzte Wallander
    In der Gewissheit, dass dieses Buch das letzte in der Wallander-Reihe sein wird, habe ich “Der Feind im Schatten” gelesen. Es nicht mehr der fesselnde, spannende Mankell, wie er in seinen früheren Büchern oft zu lesen war. “Der Feind im Schatten” verbreitet viel Düsteres und Trauriges und setzt sich mit der schwedischen Politik und dem Verhältnis von Schweden zu den USA und Russland in den Zeiten des Kalten Krieges auseinander. Eigentlich ein Thema, das mich persönlich nicht gerade interessiert. Mankell versteht es aber wieder einmal, dass man weiter lesen muss, um letztendlich die nicht erwartete Lösung zu erfahren. Genauso unerwartet ist aber auch der Abgang von Wallander, der sicherlich realitätsnaher ist, als ihn einfach bei der Erfüllung seines Dienstes sterben zu lassen. Für meinen Geschmack hinterlässt das Ende zu viele offene Fragen, ungelöste Probleme und sehr viel Traurigkeit…

  51. Ilja sagt:

    Der Feind im Schatten
    Henning Mankell hört leider auf mit der Serie Kurt Wallander.
    Kurt Wallander wird in die Pnesion geschickt und hat das Alter dafür.
    Er geht seinen Traum nach und zieht auf das Land und schafft sich einen Hund an.
    jedoch geschieht noch einmal einen Mord wo Kurt Wallander noch mal zum Einsatz kommt.Es passeirt ein Mord und handelt sich um Russische Spionage.Henning Mankell schreibt wie immer sehr Stilvoll und mit Spannung.In den Buch lässt er auch noch mal seine Vergangenheit über sich ergehen was für Fälle er hatte.Jetzt hat er noch private Verpflichtungen da er Opa geworden ist der Wallander wo auch seine Tochter Polizitin geworden ist.Bekommt er in seinen Ruhestand wieder neue Aufgaben gestellt.Ich wünsche ihnen viel spaß beim lesen.Kurt Wallander wird uns fehlen einen Nachfolger guibt es nicht mehr.Henning Mankell schreibt weiterhin aber keine Krimis mehr sonder tolle Romane.Ganz auf Henning Mankell müssen wir zum Glück nicht verzichten.

    Viel spaß beim lesen:-)

  52. Benjamin sagt:

    Kampf gegen das Vergessen. Der Feind im Schatten/Hörbuch.
    Von 1973 bis 2009 schickte Henning Mankell seinen Ermittler Kurt Wallander auf Verbrecherjagd. Mankell sorgte damit für einen Boom bei den skandinavischen Krimis. Ich will ehrlich sein: Kein einziger der Wallander-Romane hat mich begeistert. Ich konnte weder mit Mankells Hauptfigur noch mit seinen Büchern all zu viel anfangen. Im Bereich Skandinavien-Krimis setzte ich da doch lieber auf Autoren wie Indridason oder Larsson. Jetzt landete -Der Feind im Schatten- als Hörbuch in meinem Player. Eigentlich ein Notnagel, da momentan nichts anderes zur Hand war. Die Überraschung war jedoch groß, als ich mich von Axel Milberg in die Geschichte hineinziehen ließ. Das war ein ganz anderer Wallander, der mir da präsentiert wurde. Einer, der mir gefiel. Dazu noch ein Fall, der spannend, geschickt angelegt, unterhaltsam und mit Realitätsbezug daherkam. Und das gerade bei Wallanders letztem Fall! Das scheint wohl so etwas wie Schicksal zu sein…

    Kurt Wallander hat Probleme. Er trinkt zuviel, ist sehr oft allein und bemerkt plötzlich, dass er Probleme mit seinem Erinnerungsvermögen hat. Sollte sich das Alter so einstellen, oder ist das vielleicht doch der Beginn einer Alzheimererkrankung? Wallander bekommt nicht viel Zeit zum Nachdenken. Seine Tochter Linda stellt ihm ihre Schwiegereltern vor. Den ehemaligen Marinekapitän Hakan von Enke und dessen Frau Luise. Auf Hakan von Enkes Geburtstag erzählt Enke Wallander von einem U-Boot Zwischenfall 1982. Wallander hat das Gefühl, das von Enke sich vor etwas fürchtet. Er muss an das Gespräch mit von Enke denken, als dieser einige Tage später verschwindet. Da Wallander, aufgrund einer internen Disziplinarermittlung, einige Tage vom Dienst befreit wurde, macht er sich privat auf die Suche nach von Enke. Dann verschwindet auch Luise von Enke. Kurze Zeit später wird ihre Leiche gefunden. Wallander spricht mit Freunden und Bekannten des Paares. Nach und nach deckt er die Geheimnisse der von Enkes und ein paar dunkle Kapitel in Schwedens Geschichte auf. Aber Wallander kämpft nicht nur gegen die Schatten der Vergangenheit. Seine Gesundheit scheint plötzlich äußerst labil geworden zu sein. Die Schatten in seinem Kopf nehmen immer mehr Platz ein und so sucht Wallander nicht nur einen Mörder, sondern wehrt sich auch verbissen gegen das Vergessen.

    -Der Feind im Schatten- ist ein wirklich dichter, spannender Kriminalroman der “alten Schule”. Vortrefflich erzählt und sehr gut von Axel Milberg vorgetragen. Im Mittelpunkt steht der angeschlagene, wackelnde, ganz und gar nicht heroische Kurt Wallander. Noch in keinem Roman Mankells konnte ich dieser Figur so viel Sympathie entgegenbringen. Wie Mankell die Fäden der Story zusammenwebt und am Ende(fast) alle offenen Fragen löst, das ist feinste Krimiliteratur. Aus diesem Grund kann ich ihnen Henning Mankells -Der Feind im Schatten- bedenkenlos empfehlen.

  53. Gavin sagt:

    Den Abschied von Kurt erträglich gemacht!
    Diese Kritik kann man kurz halten. Wer mit Mankell (bzw. Kurt Wallander) alt geworden ist, und irgendwann angefangen ist, mit z.B. Mörder ohne Gesicht bis hin zu Die Rückkehr des Tanzlehrers, all seine Sidefills genossen hat, wie Der Chinese oder Die Tiefe und sich auch noch mit seinen afrikanischen Dramen angefreundet hat, der wird auch Der Feind im Schatten mögen. Ja, es ist sogar ein Muss! Denn wir erleben die langsame Auseinandersetzung mit dem Alter von Kurt Wallander so hautnah mit, dass es weh tut. Wir müssen uns also von der geliebten Hauptperson verabschieden, wir haben alle Höhen und Tiefen mit gemacht, von seiner gescheiterten Ehe mit Mona, von seiner Tochter Linda und ihrer Karriere und all den pubertären Schwierigkeiten, wir haben uns mit Beiba, seiner Geliebten aus Riga gefreut, und erlebten bestürzt wie Wallanders Vater senil und verbittert, die ewig gleichen Bilder malte und starb. Nun ist Wallander grad mal sechzig, aber er merkt, dass irgendwas nicht stimmt. Doch zum Buch: Der Feind im Schatten ist eine Agenten U-Boot Story, die so mit läuft; ich habe sie quasi nebenbei akzeptiert und nur halbherzig die Geschichte von Håkan von Enke, seiner Frau Louise, die zukünftigen Schwiegereltern seiner Tochter Linda, die übrigens ein Töchterchen namens Klara bekommt und somit Kurt zum Opa macht, mitgenommen. Vielmehr habe ich die Gedankenwelt von Wallander, manchmal auch etwas beklommen, genossen. Man zieht sogar Vergleiche. Was ist wenn ich so alt bin? Und eigentlich ist doch sechzig Jahre überhaupt -noch kein Alter-? Aber die Zeichen mehren sich und münden tatsächlich bei dem Kommissar in so genannten black outs und zeigen eine mögliche Demenz an. Das ist, wie gesagt, beklemmend, freut man sich doch über Wallander und seinem Entschluss mit seinem neu erworbenen Haus am See und seinem Hund Jussi, alt zu werden. Wallander ist trotz allem in der Lage, diese verworrene Agentengeschichte nach und nach zu entzerren. Aber es strengt ihn unheimlich an. Als ich am Ende schon ahnte, wie der Roman seine Auflösung erfährt, war es, wie jetzt schon mehrmals gesagt, gar nicht so wichtig.

    Das Buch von Mankell lebt von Kurt. Und Mankell lässt es sich nicht nehmen, in einem Epilog und einem Nachwort, das Krankheitsbild von Wallander schlimm zu präzisieren. Tschüss Kurt, Danke Henning Mankell. Mach mit Linda weiter!

  54. Dorette sagt:

    der besinnlichste Mankell
    Für Wallander/Mankell-Fans ist auch dieser Roman - angeblich der letzte dieser Reihe - ein Muß! Seit es den ersten gab (in den 80-ern? = “Die Hunde von Riga”), ist man als Leser mit dem liebenswert-menschlichen Protagonisten selbst ja auch älter und erfahrener geworden. Deshalb dürfte es die unüberwehbar große Fan-Gemeinde sicherlich auch kaum stören, dass die neue Geschichte deutlich langsamer, großrahmiger, abgeklärter und weniger dicht daherkommt. Der Spannung tut das keinen Abbruch. Sie hält von der ersten bis zur letzten Seite! Auf eine irgendwie “verhangene” Art und Weise - wunderbar!

    Mankell weiß seine Leserschaft ein weiteres Mal zu packen und gut zu unterhalten - auch, weil man weiß, damit ein letztes Mal in die Welt des Kurt Wallander einzutauchen und ihn begleiten zu können. Da ist wohl keiner, der den kriminalistischen Alltagshelden nicht gern einmal im schonischen Ystad treffen und auf eine Tasse Kaffee einladen möchte, um sich mit ihm über die Zipperlein aller möglichen Befindlichkeiten ebenso zu unterhalten wie über die Gebrochenheiten dieser Welt.

    Ein ruhiger, spannender und wegen seiner Menschlichkeit ermutigender Roman der absoluten Spitzen-Klasse! Ein echter Mankell eben! Schade, dass es der Letzte sein soll. Beruhigend nur, dass es in der skandinavischen Krimi-Literatur genügend Beispiele für die Rückkehr auch pensionierter Helden gibt. Das läßt - wider alle anderslautenden Ankündigungen - auf eine Fortsetzung hoffen! Die Leserschaft würde es freuen.

  55. Adalwine sagt:

    Der bester Mankell Roman
    Bisher habe ich alle Wallander Romane gelesen, wobei ich nicht jeden Wallander überzeugend fand. Der letzte aller Wallander Romane jedoch, hat mich als treue Leserin mit Allem versöhnt! Nicht die Kriminalgeschichte läßt einen das Buch nicht mehr aus den Händen legen, sondern die mitlerweile bekannten Familienmitglieder und -Geschichte läßt einen nicht mehr los. So nachvollziehbar und gefühlvoll war selten ein Mankell Roman. Danke, für diesen so realitätsbezogenen bzw. berührenden und nachdenklichen endgültigen Abschluss der Ermittlungen.

  56. Sigrid sagt:

    Feind im Schatten, Mankell
    Für Wallander-Fans genau das Richtige. Das lange Warten auf den neuen Band hat

    sich gelohnt.

  57. Rogj sagt:

    Feind im Schatten, Mankell
    Für Wallander-Fans genau das Richtige. Das lange Warten auf den neuen Band hat

    sich gelohnt.

  58. Bettina sagt:

    Tolles Finale der Ära Wallander
    Auf der Lesung in Berlin habe ich das Buch erworben und es nun ausgelesen. Es hat mich sehr beeindruckt. Mal kein typischer Wallander-Krimi, sondern mehr eine persönliche Geschichte. Man kann es fast als “Rückblick” auf das Leben von Kurt Wallander bezeichnen. Trotz des nicht krimitypischen Inhalts bleibt es bis zum Schluß spannend. Wie in allen anderen Büchern Mankells werden auch wieder politische Themen und das Zeitgeschehen einbezogen und interessant verpackt.

    Fazit: für Fans und solche, die es werden wollen, unbedingt lesenswert!

  59. Veit sagt:

    Tolles Finale der Ära Wallander
    Auf der Lesung in Berlin habe ich das Buch erworben und es nun ausgelesen. Es hat mich sehr beeindruckt. Mal kein typischer Wallander-Krimi, sondern mehr eine persönliche Geschichte. Man kann es fast als “Rückblick” auf das Leben von Kurt Wallander bezeichnen. Trotz des nicht krimitypischen Inhalts bleibt es bis zum Schluß spannend. Wie in allen anderen Büchern Mankells werden auch wieder politische Themen und das Zeitgeschehen einbezogen und interessant verpackt.

    Fazit: für Fans und solche, die es werden wollen, unbedingt lesenswert!

  60. nathalie sagt:

    Ein”Muß” für Wallander-Fans
    Das letzte Buch in der Wallander-Reihe - wie schade!!!

    Habe das Buch mit großer Wehmut gelesen, ich finde es war wieder mal fantastisch. Der große Wallander geht nun in Ruhestand als stolzer Opa.

    Die Geschichte war sehr spannend geschrieben, es hat mich immer getrieben zum Weiterlesen.
    Wer die ausführliche Art von Henning Mankell mag, die sehr auf die Personen und das “Drumherum” eingeht, würde ich dieses Buch jederzeit Empfehlen.

    Allerdings um so mehr es auf den Schluß zugeht um so mehr Abschiedsschmerz kommt auf, war Wallander doch der Begleiter vieler Jahre!!

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