Winter im Sommer - Frühling im Herbst: Erinnerungen (Joachim Gauck)
Hier kaufen und weitere Informationen…
Schlagworte: Joachim Gauck
Hier kaufen und weitere Informationen…
Schlagworte: Joachim Gauck
Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.
7. Juni 2010 um 11:00 Uhr
Über das zu geringe Ansehen des Mutes zum “Aufrechten Gang”
Nun, da Joachim Gauck für das Bundes-Präsidenten-Amt vorgeschlagen wurde, werden sich hoffentlich noch mehr interessierte Leser finden. Natürlich ist es traurig, dass er keinerlei Chance besitzt gegen solch aalglatte, fast elegant System-hörige Partei-Soldaten wie Christian Wulff, der noch pflegeleichter und peinlicher brav wirkt, als die erst ins Visier der Köhler-Nachfolge geratene Ursula von der Leyen. Die Tendenz im Westen ist nicht viel anders als im Osten: Die Ängstlichen und Feigen haben immer bessere Karriere-Chancen als die Mutigen. Die schabloniert Redenden, durch viele Gehorsams-Prüfungen duckmäuserisch Gelaufenen werden in jedem System leider den Nachdenklichen, selbst zur Sprache Findenden, am Ende gar Wortgewaltigen vorgezogen. Das Debakel mit dem unbeholfenen Redner Horst Köhler hätte deutlich machen müssen, wir brauchen Menschen, die wirklich gut denken und formulieren können - wie der damalige, legendäre Bundespräsident Theodor Heuss. Der “aufrechte Gang” ist natürlich nicht nur germanistische Eleganz. Er ist im Kern die Fähigkeit, Kurs-Korrekturen zu verlangen, auch wenn die Meute dagegen anschreit. Dass sich die Partei “DIE LINKE” am meisten noch gegen Gaucks Wahl zum Bundespräsidenten ausspricht, lässt das Herz für diesen Mann erst recht höher schlagen. Er wird chancenlos abgleiten am Gezerre der Partei-Kader, hier im Westen wie damals im Osten. Aber dass noch mehr sein Buch lesen, das wird ihm durch die erneute Publizität seiner Person hoffentlich als kleines Trost-Geschenk zuteil werden. Gregor Gysi und Manfred Stolpe werden sein Buch sicherlich nicht kaufen.
7. Juni 2010 um 11:00 Uhr
vier Jahreszeiten
Die Gauck-Behörde ist sicher jedem irgendwie ein Begriff.
Wer ist aber der Mann, der dieser Behörde den Namen gab?
Joachim Gauck ist Jahrgang 1940 und wurde in Rostock geboren. Er studierte Theologie und war mehrere Jahre als Pfarrer tätig. Er war Mitbegründer des Neuen Forums. Schon früh war er in von seinen Gedanken her so weit, dass er mit den Machenschaften des Sozialismus und der Diktatur in Opposition ging.
Von 1990 bis zum Jahr 2000 war er dann der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit. Seit 2003 ist er Vorsitzender des Vereins Gegen Vergessen - Für demokratie. Er lebt momentan in Berlin.
Inhalt und Gliederung:
================
Das Buch ist in 14 Kapitel, Dank und Bildnachweis gegliedert.
Wo ich her bin …”
Winter im Sommer
Gehen oder bleiben
Wege - Suche - Wege
Aufbruch in ein Missionsland
Kirche im Sozialismus?
Schwarze Pädagogik in rot
Zum Beispiel
Frühling im Herbst
Volkskammer: frei und frei gewählt
Aufbau ohne Bauplan
Turbulente Jahre
Freiheit, die ich meine”
Berlin. Mai
Dank
Bildnachweis
Ein kleines Dorf an der Ostsee war Gaucks Kindheitsparadies. Nachdem er Theologie studiert hatte, war sein Arbeitsumfeld die Kirche in Mecklenburg. Er wahrte immer schon Distanz zum DDR-System. Es ergab sich logischerweise, dass er einer Bewegung beitrat, die mitverantwortlich war für den Umbruch von 1989.
Politisch verantwortlich war Gauck dann nach der Wende. Er wurde Abgeordneter. Das erste freie Parlament der DDR war nun sein Tätigkeitsfeld.
Er wurde erster Beauftragter für Stasi-Unterlagen (Aha - daher auch der Name !!)
10 Jahre war er hier tätig.
Nun ist er 70 Jahre und dachte sich, dass er seine zahlreichen Erinnerungen - zum einen von der DDR und zum anderen vom Umbruch und der Zeit danach - der Nachwelt zum Lesen und Erinnern geben sollte.
Meine Meinung zum Buch:
====================
Ich finde, dass dieses Buch sehr gut die Kurve bekommt zwischen einem politischen Werk, einer Biografie und einer persönlichen Erinnerung. Nichts kommt zu kurz und das Buch insgesamt kommt sehr locker rüber, liest sich super und gibt doch so viele Informationen preis, die den Leser fesseln, die dem Leser sehr viel Interessantes vermitteln, auf leicht verständliche Art, die einen Einblick in Gaucks Leben gewähren, aber auch einen Einblick in die politische Lage beider Seiten.
Gauck lässt den Leser an seinen Gedanken und Gefühlen teilhaben, lässt ihm aber auch Freiraum, sich selbst während dieser Umbruchszeit wieder zu entdecken und sich Gedanken machen, wie und warum alles so kam.
Das Buch birgt sehr viel Hintergrundinfos und tolles Bildmaterial.
Man kann während der Kapitel von Anbeginn nachvollziehen, wie sich Gauck in seinem Leben, Denken und Wirken entwickelt hat, man kann aber auch perfekt nachvollziehen, wie die Wende sich gestaltete. Der Inhalt ist so gewählt, dass man von Beginn an ein Leben verfolgen kann und Geschichte live verspürt.
Es geht los in Wustrow, wo Gauck aufwuchs, wo er Sommer erlebte und was er auch mit Sommer verbindet. Hier sind seine frühsten Erinnerungen beheimatet. Seine Familie ist hier in seiner Erinnerung. Daran lässt er auch den Leser teilhaben. Es ist sozusagen der Einstieg in ein relativ politisches Leben und Denken eines bekannten Menschen aus Ost und West.
Hier wird auch beschrieben, wie Gauck zur Kirche fand. Zahlreiche erklärende und persönliche Bilder, u.a. auch aus dem Kriegssommer 1940 im Garten der Wohnung in Wustrow oder Ostern 1943 mit Vater, Mutter und Schwester untermalen die zu Herzen gehenden Texte.
Kapitel zwei beschäftigt sich zuerst einmal mit dem 27. Juni, der für die Familie Gauck eine große Rolle spielte. Es war das Jahr 1951 und Großmutter Antonia wurde 71 Jahre alt. Aber das war nicht alles: VATER WURDE ABGEHOLT !!! war die Schreckensnachricht…
Nun geht eine Kindheit zu Ende, Gauck macht sich Gedanken, was da wohl passiert sein kann. Er beschreibt dies aus der Sicht eines Kindes/Jugendlichen. Er schreibt es auch in der Ich-Schreibweise, was die Geschichte noch realistischer macht. Der Lese empfindet es so, als ob Gauck ihm seine Lebensgeschichte persönlich erzählt.
Gehen oder bleiben” beschreibt Gauck als 15jährigen Jugendlichen. Wieder ist Sommer … Er und sein Cousin waren in Paris. Das Verhältnis West/Ost - die vielen Unterschieden fielen ihm schon hier auf. Auch der Schriftsteller Uwe Johnson und seine Schwägerin Jutta und dessen Schwester Elisabeth spielen hier eine Rolle. Johnson schrieb Die Mutmaßungen über Jakob” Darin ging es um den Ost-West-Konflikt. Gauck las dieses Buch …
Aufbruch in ein Missionsland:
Gauck ist verheiratet, er und seine Frau Hansi” Er skizziert hier das normale” Leben eines damaligen DDR-Bürgers in einem Plattenbau … Wie er dies alles empfand mit seiner Familie. Auch der TRABI kommt hier zur Sprache …
Ein Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema Kirche im Sozialismus. Es werden auch Zahlen genannt, also dieses Buch ist nicht nur” ein reiner biografischer Roman, sondern zeigt dem Leser auch sehr viele interessante Details aus dem DDR-Alltag auf. Heinrich Rathke, Landesbischof - frischer Wind, Jugendarbeit in der DDR und und und …. ALLES THEMEN, DIE MAN NICHT VERGESSEN SOLLTE !!!
Martin ist Gaucks 15jähriger Sohn, auch er wird im Buch natürlich erwähnt. Er hatte einen Parka aus dem Westen bekommen. Alltägliches im DDR-Alltag … Kleine und große, familiäre und weltbewegende Ereignisse und Szenen und Details werden im Buch sehr gut verknüpft und ergeben einen interessanten, spannungsgeladenen gut strukturierten Roman, der ein Leben zeichnet, welches zwischen Ost und West steht, zwischen Kirche und Staat und der jetzt nun in diesem Roman uneingeschränkt aufgearbeitet wird.
Aber ohne Wehmut aufgearbeitet wird, sondern sehr realistisch und mit einer Herangehensweise, die mich sehr beeindruckt hat.
Dann kommt der Umbruch - DIE WENDE !!!
Die Zeiten ändern sich, ohne das man etwas tun kann, man schwimmt im Strom mit und kann sich nun politisch zeigen und äußern ….
Gauck zeigt seinen Lesern, wie er zu diesem Menschen wurde, der dann erst berühmt” wurde. SEHR INTERESSANT - wie das Leben so spielt !!!
Es ist während des Lesens auch sehr gut die Veränderung nicht nur historisch gesehen nachzuvollziehen, sondern auch die Veränderung eines Menschen innerhalb seines Lebens - seine Höhen und Tiefen, seine persönlichen Rückschläge und seine guten und weniger guten Charakterzüge. Alles schreibt Gauck in seinen Erinnerungen auf und der Leser kann sich, wenn er sich darauf einlässt - mitziehen lassen, von der Ostsee 1940 - bis in die heutige Zeit, da vieles in Vergessenheit zu geraten droht …
Ein wirklich lesenswertes Buch !!!!
7. Juni 2010 um 11:00 Uhr
Zeitgeschichte aus erster Hand
Joachim Gauck ist den Deutschen, die die Wiedervereinigung miterlebt haben, als erster Wächter über die Stasi-Unterlagen wohlbekannt. Sein Ernst und seine Sachlichkeit in Interviews haben den Eindruck der Würde und Unbestechlichkeit hinterlassen. Dieser Eindruck wiederholt sich in diesem Buch. Er erzählt sein Leben von Kindheit an bis zur Gegenwart, und der Leser erfährt oder bekommt bestätigt wie es wirklich in der DDR war, wie die Stasi alles Leben bewacht, jede freie Meinungsäußerung unmöglich ge-macht hat. Wer nach dem Lesen dieses Buches immer noch sagt, daß die DDR kein Unrechtsstaat war, ist nicht zu retten.
7. Juni 2010 um 11:00 Uhr
tolles Dokument der Zeitgeschichte
Ein tolles Buch!
Herr Gauck verdeutlicht noch einmal mit aller Klarheit, wie das Leben im “real existierenden Sozialismus” war - insbesondere für die Menschen, die nicht zu einhundert Prozent systemkonform waren.
Gerade in Zeiten einer gewissen “DDR-Nostalgie” und Verklärtheit, sind solche Dokumente der Zeitgeschichte von großem Wert.
Joachim Gauck erzählt neben einer Reihe von Fakten und historischen Ereignissen sehr ergreifend von vielen “betroffenen” Personen.
Das Buch ist eine absolute Empfehlung.
7. Juni 2010 um 11:00 Uhr
Erinnerungen von J. Gauck
Ein sehr persönlich, aber objektiv gehaltenes Werk über die neue Geschichte der DDR. Wer die Lebensgeschichte, den Werdegang, die Ausbildung und die eindrücklichen Schilderungen der “friedlichen Revolution” von 1989 von J. Gauck gelesen hat, versteht, auch die heutige, politische Entwicklung der neuen Bundesländer einiges besser.
12. Juni 2010 um 19:34 Uhr
Mut zur Erneuerung : eine Lebensbilanz.
Joachim Gauck, dessen Erinnerungen durch seine Kandidatur zur Wahl des Bundespräsidenten 2010 an Aktualität gewonnen haben, hat in einem spontan - unbefangenen Stil über seine Kindheit und Jugend in Mecklenburg und an der Ostsee berichtet.
1940 geboren hat er die unmittelbaren Kriegsgeschehnisse noch hautnah mitbekommen. Naturgemäß war er zu klein, um die ungeheuren Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs zu erfassen. Er wuchs in Wustrow auf, einem zu Mecklenburg gehörenden Ort, in dem Landwirtschaft betrieben wurde und in der Großmütter und Tanten residierten.
Der Vater war lange im Krieg und später in Sibirien,so dass er für den kleinen Joachim erst in seinen frühen Jungenjahren in Erscheinung trat. Sehr gefühlsbetont sind die schönen Erinnerungen an das Landleben und die Ostsee. Geschwister, Großmütter, die starke Mutter und gute Freunde lassen seine Jugend in einem heiteren und frohen Licht erscheinen. Erst das Studium und die Entwicklung in der DDR bestimmten ein Leben, das sich mit der Unfreiheit einrichten musste, ohne die Selbstbestimmung aufzugeben.
Sehr gerafft beschreibt Gauck den politisch statischen Zustand in der DDR. Beruflich suchte er schon bald in Kirchenkreisen eine Heimat. Als seine zwei erwachsenen Söhne mit ihren Frauen und Kindern 1987 nach langem Kampf um die Ausreise die DDR verließen, ging ihm und seiner Frau und auch den Söhnen die Trennung sehr nah. Wenn man diese Zeilen liest, kann man ermessen, wie tragisch die Grenze der beiden deutschen Staaten Familien zerrissen und liebevolle Bindungen gewaltsam unterbrochen hat.
In seinen Erinnerungen legt Joachim Gauck beredt Zeugnis ab von seinem Werdegang in der Kirche, seinen politischen Überzeugungen, in denen er unbeugsam blieb und der Bürgerrechtsbewegung in der DDR, die zuletzt in die Freiheit führte. Über tragische Szenen weiß er zu berichten, so weit sie die Eröffnung der Stasiunterlagen betrafen. Gauck ist lange Jahre Beauftragter für die Stasiunterlagen gewesen und war stets und ständig um Aufklärung bemüht.
Der Titel zeigt eine Verkehrung der Welt, in der im Sommer Winter herrscht und im Herbst der Frühling lacht : auch so kann man die Geschehnisse einer politischen Wende deuten, denn in den Herzen der Menschen sieht es oft anders aus, als die Jahreszeit uns glauben machen will!
Gaucks Buch ist eine Ermutigung, sich dem Terror und der Infamie politischer Willkür nicht zu beugen, sondern der eigenen moralischen Überzeugung zu folgen, so schwer das auch sein mag. Diese Botschaft könnte fürderhin auch weiteren Generationen dienen: ein wenig von der Aufbruchstimmung und dem Mut zum Anpacken, der Tatkraft des Helfens und der Ermutigung zum Fortschritt ist zu jeder Zeit und gerade auch heute dienlich!
12. Juni 2010 um 19:34 Uhr
Mut zur Erneuerung : eine Lebensbilanz.
Joachim Gauck, dessen Erinnerungen durch seine Kandidatur zur Wahl des Bundespräsidenten 2010 an Aktualität gewonnen haben, hat in einem spontan - unbefangenen Stil über seine Kindheit und Jugend in Mecklenburg und an der Ostsee berichtet.
1940 geboren hat er die unmittelbaren Kriegsgeschehnisse noch hautnah mitbekommen. Naturgemäß war er zu klein, um die ungeheuren Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs zu erfassen. Er wuchs in Wustrow auf, einem zu Mecklenburg gehörenden Ort, in dem Landwirtschaft betrieben wurde und in der Großmütter und Tanten residierten.
Der Vater war lange im Krieg und später in Sibirien,so dass er für den kleinen Joachim erst in seinen frühen Jungenjahren in Erscheinung trat. Sehr gefühlsbetont sind die schönen Erinnerungen an das Landleben und die Ostsee. Geschwister, Großmütter, die starke Mutter und gute Freunde lassen seine Jugend in einem heiteren und frohen Licht erscheinen. Erst das Studium und die Entwicklung in der DDR bestimmten ein Leben, das sich mit der Unfreiheit einrichten musste, ohne die Selbstbestimmung aufzugeben.
Sehr gerafft beschreibt Gauck den politisch statischen Zustand in der DDR. Beruflich suchte er schon bald in Kirchenkreisen eine Heimat. Als seine zwei erwachsenen Söhne mit ihren Frauen und Kindern 1987 nach langem Kampf um die Ausreise die DDR verließen, ging ihm und seiner Frau und auch den Söhnen die Trennung sehr nah. Wenn man diese Zeilen liest, kann man ermessen, wie tragisch die Grenze der beiden deutschen Staaten Familien zerrissen und liebevolle Bindungen gewaltsam unterbrochen hat.
In seinen Erinnerungen legt Joachim Gauck beredt Zeugnis ab von seinem Werdegang in der Kirche, seinen politischen Überzeugungen, in denen er unbeugsam blieb und der Bürgerrechtsbewegung in der DDR, die zuletzt in die Freiheit führte. Über tragische Szenen weiß er zu berichten, so weit sie die Eröffnung der Stasiunterlagen betrafen. Gauck ist lange Jahre Beauftragter für die Stasiunterlagen gewesen und war stets und ständig um Aufklärung bemüht.
Der Titel zeigt eine Verkehrung der Welt, in der im Sommer Winter herrscht und im Herbst der Frühling lacht : auch so kann man die Geschehnisse einer politischen Wende deuten, denn in den Herzen der Menschen sieht es oft anders aus, als die Jahreszeit uns glauben machen will!
Gaucks Buch ist eine Ermutigung, sich dem Terror und der Infamie politischer Willkür nicht zu beugen, sondern der eigenen moralischen Überzeugung zu folgen, so schwer das auch sein mag. Diese Botschaft könnte fürderhin auch weiteren Generationen dienen: ein wenig von der Aufbruchstimmung und dem Mut zum Anpacken, der Tatkraft des Helfens und der Ermutigung zum Fortschritt ist zu jeder Zeit und gerade auch heute dienlich!
12. Juni 2010 um 19:34 Uhr
Ein bewegtes Leben - eines Bundespräsidenten würdig
Der Buchtitel ist etwas ungewohnlich - er ergibt sich aus den Überschriften der beiden zentralen Kapitel im Buch, welche einen Bogen spannen über sein bewegendes Leben.
Winter im Sommer - damit ist gemeint die Verhaftung seines Vaters im Juni 1951. Aus nach heutigen, demokratischen Maßstäben völlig nichtigen Gründen, etwa dem Besitz einer Zeitschrift aus dem Westen. So belanglos die Gründe, so brutal die Strafe: 2 Mal 25 Jahre Haft und Verschleppung nach Sibirien. Zum Glück kam der Vater dann 1955 frei - nicht gebrochen aber gezeichnet. Man kann gut nachvollziehen, wie prägend dieses Erlebnis für Joachim Gauck für sein gesamtes Leben war.
Ein weiteres wichtiges Datum im Buch ist der 13. August 1961. Anhand zahlreicher Beispiele wird gezeigt, wie einschneidend dieser Tag im Leben vieler war, auch fur die Familie Gauck selbst. 1984 stellen seine beiden Söhne Christian und Martin einen Ausreiseantrag. Im Dezember 1987 ist es dann soweit. Im Abstand von nur einem Tag muss Joachim Gauck seine beiden Söhne auf dem Rostocker Bahnhof verabschieden. Aus damaliger Sicht ja für immer. Als dann ein paar Tage später am Heiligabend auf einmal 2 Söhne, 2 Schwiegertöchter und 3 Enkel nicht mehr mit dabei waren, kann man sich gut vorstellen, wie traurig dieses Weihnachten für ihn und seine Frau war.
Wie stand er selbst zu der Frage: gehen oder bleiben ? Er blieb, weil er in der Kirche einen Frei- und Schutzraum gefunden hatte. Er schreibt im Buch: ” Die theologischen Fakultäten waren der einzige Raum, der nicht dem unmittelbaren Zugriff des Staates und der Partei ausgesetzt war, der unabhängiges Denken ermöglichte, in dem die Existenz nicht an Unterordnung gebunden war”. Als Pfarrer machte er seinen Weg zunächst in einer kleinen Gemeinde, dann in einem Neubauviertel von Rostock.
Und als Pfarrer erlebte er auch seinen zweiten Wendepunkt im Leben - für den der zweite Teil des Buchtitels steht - den Frühling im Herbst - den Herbst 1989. Es war eine Zeit der Umbrüche - auch für ihn ganz persönlich: Die Trennung von seiner Frau, der Umzug nach Berlin und natürlich seine neue Tätigkeit als Abgeordneter und dann später als Leiter der nach ihm genannten Behörde. Der Teil des Buches hierüber ist kleiner als vermutet - vielleicht zeigt das auch seine Bescheidenheit. Denn seine Verdienste in dieser Funktion sind ja unbestritten.
Ganz am Schluss des Buches ist ein Foto abgebildet. Es ist am 23.05.2009 aufgenommen, dem 60. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes und den Tag der Wahl des Bundespräsidenten. Man sieht Joachim Gauck vor der Mauer des Reichstages sitzen - im Hintergrund die Deutschlandfahne. Vielleicht ein Omen? Wenn man diese Biographie gelesen hat, welche die Brüche der deutschen Geschichte so exemplarisch widerspiegelt, dann kommt man zur Überzeugung, dass Herr Gauck ein würdiger Bundespräsident wäre.
12. Juni 2010 um 19:34 Uhr
Ein bewegtes Leben - eines Bundespräsidenten würdig
Der Buchtitel ist etwas ungewohnlich - er ergibt sich aus den Überschriften der beiden zentralen Kapitel im Buch, welche einen Bogen spannen über sein bewegendes Leben.
Winter im Sommer - damit ist gemeint die Verhaftung seines Vaters im Juni 1951. Aus nach heutigen, demokratischen Maßstäben völlig nichtigen Gründen, etwa dem Besitz einer Zeitschrift aus dem Westen. So belanglos die Gründe, so brutal die Strafe: 2 Mal 25 Jahre Haft und Verschleppung nach Sibirien. Zum Glück kam der Vater dann 1955 frei - nicht gebrochen aber gezeichnet. Man kann gut nachvollziehen, wie prägend dieses Erlebnis für Joachim Gauck für sein gesamtes Leben war.
Ein weiteres wichtiges Datum im Buch ist der 13. August 1961. Anhand zahlreicher Beispiele wird gezeigt, wie einschneidend dieser Tag im Leben vieler war, auch fur die Familie Gauck selbst. 1984 stellen seine beiden Söhne Christian und Martin einen Ausreiseantrag. Im Dezember 1987 ist es dann soweit. Im Abstand von nur einem Tag muss Joachim Gauck seine beiden Söhne auf dem Rostocker Bahnhof verabschieden. Aus damaliger Sicht ja für immer. Als dann ein paar Tage später am Heiligabend auf einmal 2 Söhne, 2 Schwiegertöchter und 3 Enkel nicht mehr mit dabei waren, kann man sich gut vorstellen, wie traurig dieses Weihnachten für ihn und seine Frau war.
Wie stand er selbst zu der Frage: gehen oder bleiben ? Er blieb, weil er in der Kirche einen Frei- und Schutzraum gefunden hatte. Er schreibt im Buch: ” Die theologischen Fakultäten waren der einzige Raum, der nicht dem unmittelbaren Zugriff des Staates und der Partei ausgesetzt war, der unabhängiges Denken ermöglichte, in dem die Existenz nicht an Unterordnung gebunden war”. Als Pfarrer machte er seinen Weg zunächst in einer kleinen Gemeinde, dann in einem Neubauviertel von Rostock.
Und als Pfarrer erlebte er auch seinen zweiten Wendepunkt im Leben - für den der zweite Teil des Buchtitels steht - den Frühling im Herbst - den Herbst 1989. Es war eine Zeit der Umbrüche - auch für ihn ganz persönlich: Die Trennung von seiner Frau, der Umzug nach Berlin und natürlich seine neue Tätigkeit als Abgeordneter und dann später als Leiter der nach ihm genannten Behörde. Der Teil des Buches hierüber ist kleiner als vermutet - vielleicht zeigt das auch seine Bescheidenheit. Denn seine Verdienste in dieser Funktion sind ja unbestritten.
Ganz am Schluss des Buches ist ein Foto abgebildet. Es ist am 23.05.2009 aufgenommen, dem 60. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes und den Tag der Wahl des Bundespräsidenten. Man sieht Joachim Gauck vor der Mauer des Reichstages sitzen - im Hintergrund die Deutschlandfahne. Vielleicht ein Omen? Wenn man diese Biographie gelesen hat, welche die Brüche der deutschen Geschichte so exemplarisch widerspiegelt, dann kommt man zur Überzeugung, dass Herr Gauck ein würdiger Bundespräsident wäre.
6. Juli 2010 um 16:34 Uhr
“Die persönliche Freiheit ist und bleibt das wichtigste Gut des Menschen.” Konrad Adenauer
Herr Gauck war Systemgegner und Mitgestalter der friedlichen Revolution in der DDR, Abgeordneter und Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.
Herr Gauck ist ein Kämpfer für die persönliche Freiheit der Menschen in den letzten Jahrzehnten gewesen. Sein Buch ist eine lesenswerte Biographie und auch gleichzeitig ein lebendiges Zeitzeugnis deutscher Geschichte der letzten 70 Jahre. Aufgewachsen in einem Dorf an der Ostseeküste, erlebte er dort das Ende des zweiten Weltkrieges mit seinen Gräueltaten. Er schildert wie nach dem Krieg die Kriegsgefangenen zurückkehrten und die damit verbundenen Schwierigkeiten in der eigenen Familie.
Nach dem Abitur studierte er Theologie, da für ihn die theologischen Fakultäten der einzige Raum war, der nicht dem unmittelbaren Zugriff des Staates und der Partei ausgesetzt war, der ihm ein unabhängiges Denken ermöglichte, in dem die Existenz nicht an eine Unterordnung gebunden war.
Spätere Anfeindungen und Überwachung durch die Stasi, während seiner Berufsausübung als Pastor, erledigte er auf seine eigene unbeugsame und kluge Art. Er schildert kurz welche Schwierigkeiten auch seine Kinder als Pastorenangehörige in der DDR hatten.
Da er unbeirrt seinen Weg ging und damit bekannt wurde, konnte er dann auch zur einer wichtigen Symbolfigur für die Veränderungen im Jahre 1989 werden. Nach dem Mauerfall wurde er Abgeordneter und schließlich Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Er schildert seine Arbeit beim Aufbau dieser Abteilung und den Schwierigkeiten denen er dabei begegnet ist, um den Bürgern die Einsicht in ihre über sie gesammelten Unterlagen zu ermöglichen. Sehr schön sind seine Gedanken am Ende des Buches wo er noch einen kurzen Rückblick auf das gesamte Leben und unser Gesellschaftssystem macht.
Lesenswert!