Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen (Frank Schirrmacher)
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Schlagworte: Frank Schirrmacher
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23. November 2009 um 11:00 Uhr
1:0 für den Computer
Den Titel des Buches versteht man nicht unbedingt. Doch es lohnt sich, zahlt sich aus, dieses Buch zu lesen. Norbert Bolz hat im Prinzip schon vor einigen Jahren das Thema ausführlich abgehandelt, doch Frank Schirrmacher macht es einfacher. Seine Hauptthese ist, dass wir in einem Zeitalter des Multitaskings leben und dies uns überfordert. Den Kampf mit dem Computer werden wir verlieren. Wie wir mittlerweile auch wissen, gibt es ein Multitasking gar nicht, auch Frauen sind dieser “Sache” nicht fähig. Wir müssen ständig entscheiden, welche Information wichtig ist und erleben, dass amazon, google usw. uns diese Arbeit inzwischen abnehmen. Frank Schirrmacher macht uns eindringlich darauf aufmerksam, dass wir darauf schauen müssen, was sich in unserer Art des Denkens durch den Computer verändert. Seine These ist, dass wir das Denken ausgelagert haben und deshalb Denken mit Informationsaufnahme verwechseln. Wir müssen akzeptieren, das der PC einfach manche Dinge besser kann. Der Mensch jedoch ist zum Chaos fähig, d. h. er kann von der Norm abweichen. Hierin liegt nach Schirrmacher die Chance im Umgang mit dem Computer. Der Mensch ist für Überraschungen gut, der PC fürs Rechnen. Und daher sollten wir uns nicht mit dem Computer vergleichen, sondern die Unterschiede klar machen.
Schirrmacher ist Journalist und deshalb kann man ihm verzeihen, dass er manche Ansätze nicht weiter vertieft. Wichtig ist es, dass wir in eine konstruktive Auseinandersetzung einsteigen, das Informationszeitalter nicht verteufeln, sondern es dem Menschen zu Nutze machen. Es ist zu wünschen, dass die von Schirrmacher angeregte Diskussion weiter fort geführt wird und damit an mehr Tiefe gewinnen wird.
26. November 2009 um 22:17 Uhr
Was ist schon das Informationszeitalter?
Herr Schirrmacher beklagt ausführlich und wohlbegründet, weshalb das ständige Herumhängen am Rechner unfrei macht und man sich den elektronischen Geräten zum Teil gedankenlos ausliefert.
Doch es weht die Einstellung durch das Buch, als ob wir gar keinen freien Willen mehr hätten, selbst Entscheidungen über unsere Erreichbarkeit und unser Engagement im Netz zu treffen.
Sicher gibt es zahlreiche Jugendliche und auch Erwachsene, die nicht mehr vom Bildschirm, den SMSen und dem Handy loskommen.
Doch ein derartiges Suchtverhalten hat nichts so sehr mit den Medien zu tun als vielmehr mit den Möglichkeiten und dem Willen der Betroffenen, auch einmal “abzuschalten” im wahrsten Sinne des Wortes.
Erst durch das Heranlassen von PC und Handy an die eigene Person ohne Grenzen entsteht ja erst diese “Informationszeitalter”.
Eine Verteufelung der elektronischen Medien ist daher eine eher sehr subjektive Angelegenheit. Vielleicht hat Herr Schirrmacher auch selbst erlebt, wie seine Handlungsspielräume durch zu viel Elektronik immer mehr eingeschränkt wurden.
Dieser Eindruck drängt sich auch nach dem TV-Gespräch zusammen mit Günter Jauch auf, wo von täglich rund 50 SMS gesprochen wird - eine unvorstellbar hohe Zahl, die schon ein wenig Sucht vermuten lassen kann.
Das Buch erhält trotz der subjektiven Betrachtung zwei Sterne, weil es schon wichtig ist, eine Diskussion über den Sinn und Unsinn ständiger elektronischer Erreichbarkeit zu führen.
Insofern eignet sich das Buch auch als Geschenk für besorgte Großeltern und Eltern, die sich in der Diskussion mit ihren Zöglingen Munition und Argumente verschaffen wollen.
26. November 2009 um 22:17 Uhr
Recht hat er: Das Internet ist ja so gefährlich!
Das Internet schlägt aufs Gehirn, der Rest wird von der Machtmaschine” google so lange verarbeitet, bis niemand mehr weiß, was alle anderen wissen, die aber auch nicht wissen, was man über sie weiß. Behauptet Frank Schirrmacher in Talkshows. Dort ist der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung” zu Gast, weil er das Buch Payback” geschrieben hat. Sollen wir es ihm zurück zahlen und behaupten, dass hinter seiner Zeitung nicht immer ein kluger Kopf steckt?
Machen wir nicht. Denn: Der Mann hat Recht! Sonst würde er auch keine rechte Zeitung herausgeben, die Althergebrachtes für gut und Neues für gefährlich hält. Wie gefährlich das Internet sein kann, weiß ich aus eigener Erfahrung seit mein Neffe unter meinem Schreibtisch mit meinem Hund gespielt hat. Diese Balgerei endete erst, als dem Kleinen mein Rechner auf den Kopf gefallen war. Danach stand für mich fest: Das Internet schlägt aufs Gehirn.
Recht hatten übrigens vor Jahrhunderten auch jene Warner in der Medienwüste, die sich wegen der Gefährlichkeit des Buches Sorgen machten. Wer in einer Ecke sitze und lese - schrieben sie und auch damals hörte kaum jemand hin -, werde mit Einsamkeit bestraft. Er versinke gleichermaßen in der Lektüre und verliere so den Kontakt zu seinen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen. Gut sei ein Buch nur für eines: Man könne damit einen wackeligen Tisch stabilisieren.
Mit Computern ähnlich zu verfahren, schlägt Frank Schirrmacher allerdings nicht vor. Das soll jetzt aber keine Kritik sein. Denn Recht hatten auch die Kirchen, als sie wegen Rock?n?Roll und später wegen rückwärts gespielter Platten Alarm schlugen. Der Teufel lauerte - wie wir inzwischen alle wissen - bei jedem Auftritt der Stones hinter dem Schlagzeuger und in verschlüsselten Botschaften.
Da uns all dies mittlerweile bekannt ist, müssen wir auch Frank Schirrmacher loben, der uns wie seine Vorwarner immer wieder klar macht: Wirklich schön ist es nur gewesen, als wir noch in Höhlen lebten und dachten, die Erde sei das Zentrum der Welt. Galileo Galilei soll 1633 zwar gesagt haben Und die Erde, sie bewegt sich doch” - aber seit Payback” wissen wir: Das muss nicht so bleiben…
30. November 2009 um 21:00 Uhr
Multitasking & Datenmüll-Industrie
“Multitasking ist Körperverletzung” schreibt der universal gebildete Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ein absolut spannendes Buch aus der Feder eines Sklaven des täglichen Medien-Betriebs. Es wäre erfreulich gewesen, wenn Frank Schirrmacher sich über die tiefere Bedeutung von Sprache Gedanken gemacht hätte. Wir leben nicht in einem Informationszeitalter, sondern in einem ständigen Bombenhagel von Daten (Bild- und Sprachimpulsen). Der Mensch selbst ist verantwortlich, die Datenfülle in eine brauchbare Form zu verwandeln und ist somit selbst der Informator. Die Medien haben den Bezug zu “Medium”, dem lat. Wort für “Mitte” verloren und haben sich zu Verführern einer Sensationsmanege entwickelt, die ihre Konsumenten höchst manipulativ an der Peripherie domestiziert und von jeglichem Zugang zur Mitte abhält. Das englische Wort für die heilwirksame Arznei heißt “remedy” (wörtlich: “Rückkehr zur Mitte”). Was Frank Schirrmacher in seinem Buch aufzeigt, hatte der weltberühmte Informatik-Professor Joseph Weizenbaum (1923 - 2008) bereits vor vielen Jahren erkannt. Leider wurden seine Warnungen nicht ernst genommen.”Das Internet ist ein großer Misthaufen, in dem man auch kleine Schätze und Perlen finden kann. Computer sind wie alle Instrumente nicht wertfrei, sondern erben ihre Werte von der Gesellschaft, in der sie eingebettet sind. In einer vernünftigen Gesellschaft erfüllen sie möglicherweise viele nützliche Funktionen, doch bis dahin müssen sie kritisch betrachtet werden. In einer hoch militarisierten Gesellschaft, wie es die USA jetzt sind, sind sie Mordinstrumente”, sagte Joseph Weizenbaum. Gibt man bei GOOGLE den Namen Joseph Weizenbaum ein, erhält man in 0,04 Sekunden 212.000 Einträge. Frank Schirrmacher vertritt die Ansicht, dass uns der Computer inzwischen beherrscht. Aber das geht nur so lange, wie sich der Mensch als “homo demens” von einer geistig-kulturellen Wissensgesellschaft abkoppelt.
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph & Publizist
30. November 2009 um 21:00 Uhr
Brillant!!
Einige haben wohl nur Fernsehen gesehen und nicht das Buch gelesen. Ein Augenoeffner. Warum? Weil man ploetzlich versteht woher die digitale Demenz kommt und wie man ihr begegnet. Fuer mich am interessantesten: selbst wenn wir die Geraete abstellen, nutzt uns das nicht. Arbeitgeber, Staat, Krankenkassen, Versicherungen, Banken analysieren uns in allen Details ueber Software. Die Rechenprogramme verwandeln uns in Mathematik. Millionen Menschen nutzen das Internet zur Entfaltung ihrer Individualutaet. Und ein paar Menschen sind damit beschaeftigt, diese Individualitaet in Formeln zu fassen, um uns Dinge zu verkaufen oder unsere Effizienz zu berechnen. Ein absolutes must-read. Schirrmachers Thesen wurden in Amerika sehr respektvoll von der digitalen Elite diskutiert. Sehr gut finde ich auch, dass der Autoren mit den Machern geredet hat - vom Google-Chef bis hin zu bedeutenden Psychologen.
30. November 2009 um 21:00 Uhr
Noobish…
Ich frage mich nach dem “Genuss” von Auszügen dieser Lektüre, warum ein Publizist, der sich selbst ja offensichtlich für einen Kultur-Interlektuellen hält, ein Buch über Themen veröffentlichen lässt, von denen er kaum einen blassen Schimmer besitzt. Nicht nur, dass dieses Opus zur primetime im TV beworben werden durfte (mit zweifelhafter Unterstützung durch seinen Potsdamer Nachbarn und “Medienfreund” G. Jauch), auch ein breites Forum wie das, welches die Redaktion der FAZ bieten kann, deren Mitherausgeber Herr Schirrmacher ja bekanntlich ist, werden aufgeboten, um hier Verkaufszahlen zu generieren.
Autoren sollten Bücher über Themen schreiben, von denen sie sicher seien können, sich in eben Dieser sicher zu bewegen. Dies ist in meinen Augen hier nicht der Fall: Was prädestiniert Herrn Schirrmacher denn ein Buch über das Kreuz des Informationszeitalters zu verfassen? Dass er SMS liest und sendet? Seine Publikationen nicht mehr auf einer IBM-Kugelkopf verfasst?
Es ist immer ein trauriger Fall, wenn “noobs” über die negativen Aspekte der Informationstechnologie zu schreiben versuchen. Herr Schirrmacher sollte lieber weiter viele lustige Laudationes halten auf Burda-Preisverleihungen, das hat wenigstens einen Unterhaltungswert…
4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
Interessante Thesen auf unsicherem Grund
Frank Schirrmacher hat mit “Payback” ein Buch mit interessanten Thesen zu erstaunlichen Entwicklungen verfasst. Er hätte allerdings gut daran getan, sich mit einer grösseren Zahl von Web-2.0-Technologien und Social-Software-Plattformen vertraut zu machen. Man hat den Eindruck, dass er nur die Dienste kennt, bei denen er sich vor einiger Zeit angemeldet hat und mehr oder weniger aktiv gewesen ist. Es ist immer wieder die Rede von Facebook; dabei war das grösste Social Network in Deutschland jahrelang studiVZ, mit Ablegern wie meinVZ (für ältere Semester wie Schirrmacher) und schülerVZ (für seine Kinder). Gut hätte er auch daran getan, sich den Gebrauch und die Schreibweisen der einschlägigen Begriffe anzusehen. Von einer “Powerpoint-Tafel” habe ich - davon abgesehen, dass es “PowerPoint” heisst - bis anhin nichts gehört; und wer von “Tweed” spricht statt von “Tweet”, zeigt dem auf solche Fehler lauernden Mob des Web 2.0, dass er von realen Stoffen mehr versteht als von virtuellen. Von fiktionalen Stoffen versteht er als verwandelter Germanist sicherlich eine Menge, wobei es verwundert, dass er mit Verweis auf Kafkas berühmte Erzählung das Bild des Käfers bemüht. Es gibt in der “Verwandlung” gar keinen Käfer, ja das Wort taucht als selbständige Form an keiner einzigen Stelle auf. Kafka belässt es nicht ohne Grund beim Ungefähren des Ungeziefers, lässt eine bedeutende Leerstelle, die man nicht füllen darf, ohne das Geheimnis der Verwandlung und die Erzählung kaputtzumachen. Freilich, die “Bedienerin” schimpft Gregor Samsa, oder das, was von ihm übriggeblieben ist, einen “Mistkäfer”; aber dieses Wort ist vor allem ein Versuch (übrigens einer Figur, nicht eines Erzählers), das Geheimnis der Verwandlung zu zerstören. Genau so einen Versuch sollten wir, die Liebhaber der Literatur und die Bediener der Aufklärung, bleiben lassen. Mit Schirrmacher bin ich der Meinung, dass Internet und Web (und mithin Techniken wie Multitasking) unser Hirn fragmentieren und unsere Lese- und Schreibfähigkeiten zersetzen können. Um ein sprach- und inhaltssicheres und dazu noch gelassen-konzentriertes Buch zu schreiben, sollten wir deshalb für ein paar Monate offline sein. P.S.: Wer in Bezug auf die Sprache noch mehr Tadel verdient als Schirrmacher, ist das Lektorat bzw. Korrektorat des Verlags Karl Blessing. Wenn ein solches existiert.
4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
Interessante Thesen auf unsicherem Grund
Frank Schirrmacher hat mit “Payback” ein Buch mit interessanten Thesen zu erstaunlichen Entwicklungen verfasst. Er hätte allerdings gut daran getan, sich mit einer grösseren Zahl von Web-2.0-Technologien und Social-Software-Plattformen vertraut zu machen. Man hat den Eindruck, dass er nur die Dienste kennt, bei denen er sich vor einiger Zeit angemeldet hat und mehr oder weniger aktiv gewesen ist. Es ist immer wieder die Rede von Facebook; dabei war das grösste Social Network in Deutschland jahrelang studiVZ, mit Ablegern wie meinVZ (für ältere Semester wie Schirrmacher) und schülerVZ (für seine Kinder). Gut hätte er auch daran getan, sich den Gebrauch und die Schreibweisen der einschlägigen Begriffe anzusehen. Von einer “Powerpoint-Tafel” habe ich - davon abgesehen, dass es “PowerPoint” heisst - bis anhin nichts gehört; und wer von “Tweed” spricht statt von “Tweet”, zeigt dem auf solche Fehler lauernden Mob des Web 2.0, dass er von realen Stoffen mehr versteht als von virtuellen. Von fiktionalen Stoffen versteht er als verwandelter Germanist sicherlich eine Menge, wobei es verwundert, dass er mit Verweis auf Kafkas berühmte Erzählung das Bild des Käfers bemüht. Es gibt in der “Verwandlung” gar keinen Käfer, ja das Wort taucht als selbständige Form an keiner einzigen Stelle auf. Kafka belässt es nicht ohne Grund beim Ungefähren des Ungeziefers, lässt eine bedeutende Leerstelle, die man nicht füllen darf, ohne das Geheimnis der Verwandlung und die Erzählung kaputtzumachen. Freilich, die “Bedienerin” schimpft Gregor Samsa, oder das, was von ihm übriggeblieben ist, einen “Mistkäfer”; aber dieses Wort ist vor allem ein Versuch (übrigens einer Figur, nicht eines Erzählers), das Geheimnis der Verwandlung zu zerstören. Genau so einen Versuch sollten wir, die Liebhaber der Literatur und die Bediener der Aufklärung, bleiben lassen. Mit Schirrmacher bin ich der Meinung, dass Internet und Web (und mithin Techniken wie Multitasking) unser Hirn fragmentieren und unsere Lese- und Schreibfähigkeiten zersetzen können. Um ein sprach- und inhaltssicheres und dazu noch gelassen-konzentriertes Buch zu schreiben, sollten wir deshalb für ein paar Monate offline sein. P.S.: Wer in Bezug auf die Sprache noch mehr Tadel verdient als Schirrmacher, ist das Lektorat bzw. Korrektorat des Verlags Karl Blessing. Wenn ein solches existiert.
4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
Tolle Erkenntnisse!
Frank Schirrmachers neues Buch Payback habe ich in einer Tour durchgelesen, inhaltlich und sprachlich hat es mich in seinen Bann gezogen. Ich war äußerst beeindruckt von den vielen neuen Erkenntnissen: über die Ich-Erschöpfung oder das Multitasking-Problem. Vor allem aber kann man sich in den Thesen Frank Schirrmachers erschreckend selbst wieder erkennen; vorher hatte man nur ein diffuses Gefühl, dass man sich innerlich gegen die moderne Arbeitsweise wehrt oder einfach nur denkt: Warum fällt es mir schwerer als früher, ein Buch ganz zu lesen? Warum arbeite ich trotz dieser vielen schnellen Möglichkeiten oftmals langsamer?
Dieses Buch hat mir erklärt, dass es viel einfacher ist, dass es nämlich an der ständigen Ablenkung liegt, die ich mir nicht selbst suche, sondern dass ich auf sie programmiert wurde - und glücklicherweise auch, dass ich nicht alleine bin. Doch bei aller Skepsis sagt Herr Schirrmacher deutlich, dass er nicht gegen Computer oder das Internet ist, sondern dass wir einen neuen Umgang damit erlernen müssen: es scheint also einen Ausweg zu geben.
4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
Tolle Erkenntnisse!
Frank Schirrmachers neues Buch Payback habe ich in einer Tour durchgelesen, inhaltlich und sprachlich hat es mich in seinen Bann gezogen. Ich war äußerst beeindruckt von den vielen neuen Erkenntnissen: über die Ich-Erschöpfung oder das Multitasking-Problem. Vor allem aber kann man sich in den Thesen Frank Schirrmachers erschreckend selbst wieder erkennen; vorher hatte man nur ein diffuses Gefühl, dass man sich innerlich gegen die moderne Arbeitsweise wehrt oder einfach nur denkt: Warum fällt es mir schwerer als früher, ein Buch ganz zu lesen? Warum arbeite ich trotz dieser vielen schnellen Möglichkeiten oftmals langsamer?
Dieses Buch hat mir erklärt, dass es viel einfacher ist, dass es nämlich an der ständigen Ablenkung liegt, die ich mir nicht selbst suche, sondern dass ich auf sie programmiert wurde - und glücklicherweise auch, dass ich nicht alleine bin. Doch bei aller Skepsis sagt Herr Schirrmacher deutlich, dass er nicht gegen Computer oder das Internet ist, sondern dass wir einen neuen Umgang damit erlernen müssen: es scheint also einen Ausweg zu geben.
4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
“The Shape of Things to Come” (H.G. Wells)
“Derjenige, der innehält, macht wie ein fester Punkt
auf die heftige Bewegung der anderen aufmerksam.”
(Blaise Pascal, in: Pensees)
Als der Rezensent das neue Schirrmacher Buch las mit dem bedeutsamen Titel “payback”, kamen zwei Gedanken hinzu: einmal die sinngemäße Haltung Pascals über die Fragen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft mit dem interessanten Ergebnis, dass Vergangenheit und Gegenwart nur Mittel seien, um über die Zukunft zu verfügen. Damit verbunden ist die Hoffnung, sein eigenes Leben zu leben und eben dieses Hoffen ist nicht mehr als die wache Bereitschaft, glücklich zu sein und in dieser Bereitschaft steckt die Unvermeidlichkeit, es nie zu sein. “Payback” dagegen benennt ein System, aus Investitionen etwas zurück zu bekommen. Mag Schirrmacher diese beiden Attitüden des Lebens meinen und einer kritischen Bestandsaufnahme unterziehen, damit dem Invest in die Zukunft das neu errungene Glück der Gegenwart in nichts nachsteht?
Sind es jene “Moderne Zeiten”, die uns Charlie Chaplin so eindrucksvoll offenbarte, die den FAZ Herausgeber inspirierten, über andere und aktuelle Maschinen nachzudenken? Jene Zeiten, die gleichsam den alten Maschinen diese neue vernetzte Welt (mit Taylorischen kleinsten Zeiteinheiten eines Tages) in eine programmtechnische Folge festzurrten, um so den Menschen vor dem Bildschirm in eine Vielfalt der Kommunikations- und Abarbeitungsszenarien zu verhaften? Sicher sind es jene Beobachtungen, die diesen Autor in ein reaktives Wesen mit kognitiven Dissonanzen verwandelten; gerade in dem Bemerken, dass die vermutete Selbständigkeit durch moderne Kommunikationsstrukturen mit blogs, twitter, email etc kanabalisiert wird.
Aufgefressen durch die Not der Aufmerksamkeit versinkt der Mensch in eine Struktur fremder Mächte und vergisst seine Sorge um sich. Wurde bei Kant noch Lesen und Schreiben in seiner Schrift zur Aufklärung als Basis eigener Vernunft definiert, zeichnen neue Studien gerade eine Schwäche im Verständnis einfacher Texte. Schirrmacher wittert Verrat an den Gedanken der Aufklärung und sieht in dieser rasant wachsenden Abhängigkeit des Menschen den Verlust der bisher errungenen Werte, nimmt gar das Muss des Multitasking als sadistische Ausprägung der Technik auf den Menschen und vermutet unumkehrbare Neuorientierungen der Plastizität des Gehirns mit verheerenden Auswirkungen. Er geht sogar soweit, anzunehmen, der zukünftige Mensch freue sich in seiner Entscheidungslosigkeit durch Aufmerksamkeitsdefizite und leergelaufener Assoziationskräfte über jede neue Empfehlung z.B. von online-Buchhändlern. Dass die Auslagerung des Denkens zum Ende jeder Einsicht führt und damit zur unkontrollierten Zustimmung beliebiger Daten, wird erst in Zukunft erschreckend auffallen. Heuristik als einfache Denkstrategie ist dann verlernt, Hilflosigkeit versperrt den Rettungsweg des Denkens. Der Mensch wird zum Zuschauer einer Denkmaschine, deren autoritären Anweisungen er bedingungslos folgt. Schöne neue Welt.
Wie bereits in den Vorgängern “Der Methusalem-Komplex” und “Minimum”, so akzentuiert er auch hier das tiefe und gefährliche Unglück, was unbändig auf die Menschheit zuströmt. Mit dieser direkten Botschaft liegt ihm ein Weckruf am Herzen, trotz seines jungen Alters, welches ihn der Gruppe der “digital natives” zuordnet. Es scheint, als sähe er einen Graben, über den Brücken zu bauen sind, damit zwischen den Welten der “digital natives” und den “digial immigrants” informationsverarbeitende Synapsen bleiben. All diese Anmerkungen bezeugen nicht eine Umkehr aus dem “Informationszeitalter”, sondern gelten eher einer Akzentuierung des freien Willens gegenüber der eigenen Zeit und des eigenen Lebens. Er ruft auf zur Befreiung aus der selbst verschuldeten Abhängigkeit, hin zu den alten Stärken des Menschen, die da heißen: Kreativität, Toleranz und Individualität. Die auch heißen, aus der Fülle der Informationen nicht nur Fakten zu lernen, sondern Schlüsse zu ziehen. Weg von einer intelligentia praecox, hin zu einer überlegten und bedachten Intelligenz. Mit der Aufforderung, jenseits von bekannten Erwartungen zu denken, seine Aufmerksamkeitserwartungen nicht auf Facebooks und ähnliches wie Amazon zu legen, sondern durch Aufmerksamkeit im realen Leben, reale Aufmerksamkeit zu bekommen.
Das Digitale ist im Gegensatz zu alten Zeiten buchstäblich in der Luft, an alles kommen alle ran und wenn alle Informationen gleich gültig erscheinen, werden sie in der Folge gleichgültig. Daher bleibt der Verzicht auf eine Koexistenz mit dem Computer, mit dem Internet und dem Cloudcomputing. Eine Koexistenz gibt es nicht, zumindest nicht in der Gleichheit. Also läßt man ihn die Dinge tun, die systematisch sind, dem Menschen bleibt das freudig Überraschende. Die Bildung der Zukunft ist somit nichts anderes, als das: Computer werden genutzt zur Kommunikation, damit man Menschen lehrt, was nur Menschen können. Aber diese müssen das rein lineare Denken aufgeben zu Gunsten eines vernetzten. Dieses bedeutet - und Schirrmacher macht es vor - mit Hypertexten umzugehen. Der Autor hält seine eigene Story, wenn man so will, umschlungen von den vielen Hinweisen auf https (Plural gemeint) anderer Seiten.
Vorgemacht hat es auch Platon im Symposion. Das zielgerichtete, themenbezogene Gespräch ermöglichte eine Auseinandersetzung just-in-time, es war gerichtet auf einen Transfer von Informationen und das Lernen war durch Zuhören und eigener Rede ein Vorgang der Assimilation von Neuem in der Verbindung von bereits Gewusstem. Das Internet fungiert als entlasteter Kopf, als Wissensspeicher, der jederzeit anzuzapfen ist; es ist eine technische Noosphäre aus dem Geiste von Teilhard und McLuhan. Dem Menschen entzieht der Computer nun das Sammeln und gibt ihm die Freiheit, Informationen im Perspektivenwechsel zu überdenken; in der Art, dass man sich als Mensch für unberechenbar und zugleich vernunftbegabt hält, eben den Wert der richtigen Frage in Zeiten der Suchmaschine zu erkennen.
Frank Schirrmacher (1959-) ist ein interessantes Denkspiel gelungen, eine bedenkenswerte Beschreibung unserer gegenwärtigen Zukunftswelt. Der Rezensent würde diesem sehr lesenswerten Glasperlenspiel fünf Sterne geben, wenn nicht das passiert wäre, was jedem Programm die Logik zerstört. Ein einziger falscher Buchstabe bringt ein Software-Programm durcheinander. Und ganz zu Beginn nennt Schirrmacher twitter Tweeds und bei aller Geduld, um Kleidungsstoffe geht es hierbei mit Nichten.
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4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
“The Shape of Things to Come” (H.G. Wells)
“Derjenige, der innehält, macht wie ein fester Punkt
auf die heftige Bewegung der anderen aufmerksam.”
(Blaise Pascal, in: Pensees)
Als der Rezensent das neue Schirrmacher Buch las mit dem bedeutsamen Titel “payback”, kamen zwei Gedanken hinzu: einmal die sinngemäße Haltung Pascals über die Fragen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft mit dem interessanten Ergebnis, dass Vergangenheit und Gegenwart nur Mittel seien, um über die Zukunft zu verfügen. Damit verbunden ist die Hoffnung, sein eigenes Leben zu leben und eben dieses Hoffen ist nicht mehr als die wache Bereitschaft, glücklich zu sein und in dieser Bereitschaft steckt die Unvermeidlichkeit, es nie zu sein. “Payback” dagegen benennt ein System, aus Investitionen etwas zurück zu bekommen. Mag Schirrmacher diese beiden Attitüden des Lebens meinen und einer kritischen Bestandsaufnahme unterziehen, damit dem Invest in die Zukunft das neu errungene Glück der Gegenwart in nichts nachsteht?
Sind es jene “Moderne Zeiten”, die uns Charlie Chaplin so eindrucksvoll offenbarte, die den FAZ Herausgeber inspirierten, über andere und aktuelle Maschinen nachzudenken? Jene Zeiten, die gleichsam den alten Maschinen diese neue vernetzte Welt (mit Taylorischen kleinsten Zeiteinheiten eines Tages) in eine programmtechnische Folge festzurrten, um so den Menschen vor dem Bildschirm in eine Vielfalt der Kommunikations- und Abarbeitungsszenarien zu verhaften? Sicher sind es jene Beobachtungen, die diesen Autor in ein reaktives Wesen mit kognitiven Dissonanzen verwandelten; gerade in dem Bemerken, dass die vermutete Selbständigkeit durch moderne Kommunikationsstrukturen mit blogs, twitter, email etc kanabalisiert wird.
Aufgefressen durch die Not der Aufmerksamkeit versinkt der Mensch in eine Struktur fremder Mächte und vergisst seine Sorge um sich. Wurde bei Kant noch Lesen und Schreiben in seiner Schrift zur Aufklärung als Basis eigener Vernunft definiert, zeichnen neue Studien gerade eine Schwäche im Verständnis einfacher Texte. Schirrmacher wittert Verrat an den Gedanken der Aufklärung und sieht in dieser rasant wachsenden Abhängigkeit des Menschen den Verlust der bisher errungenen Werte, nimmt gar das Muss des Multitasking als sadistische Ausprägung der Technik auf den Menschen und vermutet unumkehrbare Neuorientierungen der Plastizität des Gehirns mit verheerenden Auswirkungen. Er geht sogar soweit, anzunehmen, der zukünftige Mensch freue sich in seiner Entscheidungslosigkeit durch Aufmerksamkeitsdefizite und leergelaufener Assoziationskräfte über jede neue Empfehlung z.B. von online-Buchhändlern. Dass die Auslagerung des Denkens zum Ende jeder Einsicht führt und damit zur unkontrollierten Zustimmung beliebiger Daten, wird erst in Zukunft erschreckend auffallen. Heuristik als einfache Denkstrategie ist dann verlernt, Hilflosigkeit versperrt den Rettungsweg des Denkens. Der Mensch wird zum Zuschauer einer Denkmaschine, deren autoritären Anweisungen er bedingungslos folgt. Schöne neue Welt.
Wie bereits in den Vorgängern “Der Methusalem-Komplex” und “Minimum”, so akzentuiert er auch hier das tiefe und gefährliche Unglück, was unbändig auf die Menschheit zuströmt. Mit dieser direkten Botschaft liegt ihm ein Weckruf am Herzen, trotz seines jungen Alters, welches ihn der Gruppe der “digital natives” zuordnet. Es scheint, als sähe er einen Graben, über den Brücken zu bauen sind, damit zwischen den Welten der “digital natives” und den “digial immigrants” informationsverarbeitende Synapsen bleiben. All diese Anmerkungen bezeugen nicht eine Umkehr aus dem “Informationszeitalter”, sondern gelten eher einer Akzentuierung des freien Willens gegenüber der eigenen Zeit und des eigenen Lebens. Er ruft auf zur Befreiung aus der selbst verschuldeten Abhängigkeit, hin zu den alten Stärken des Menschen, die da heißen: Kreativität, Toleranz und Individualität. Die auch heißen, aus der Fülle der Informationen nicht nur Fakten zu lernen, sondern Schlüsse zu ziehen. Weg von einer intelligentia praecox, hin zu einer überlegten und bedachten Intelligenz. Mit der Aufforderung, jenseits von bekannten Erwartungen zu denken, seine Aufmerksamkeitserwartungen nicht auf Facebooks und ähnliches wie Amazon zu legen, sondern durch Aufmerksamkeit im realen Leben, reale Aufmerksamkeit zu bekommen.
Das Digitale ist im Gegensatz zu alten Zeiten buchstäblich in der Luft, an alles kommen alle ran und wenn alle Informationen gleich gültig erscheinen, werden sie in der Folge gleichgültig. Daher bleibt der Verzicht auf eine Koexistenz mit dem Computer, mit dem Internet und dem Cloudcomputing. Eine Koexistenz gibt es nicht, zumindest nicht in der Gleichheit. Also läßt man ihn die Dinge tun, die systematisch sind, dem Menschen bleibt das freudig Überraschende. Die Bildung der Zukunft ist somit nichts anderes, als das: Computer werden genutzt zur Kommunikation, damit man Menschen lehrt, was nur Menschen können. Aber diese müssen das rein lineare Denken aufgeben zu Gunsten eines vernetzten. Dieses bedeutet - und Schirrmacher macht es vor - mit Hypertexten umzugehen. Der Autor hält seine eigene Story, wenn man so will, umschlungen von den vielen Hinweisen auf https (Plural gemeint) anderer Seiten.
Vorgemacht hat es auch Platon im Symposion. Das zielgerichtete, themenbezogene Gespräch ermöglichte eine Auseinandersetzung just-in-time, es war gerichtet auf einen Transfer von Informationen und das Lernen war durch Zuhören und eigener Rede ein Vorgang der Assimilation von Neuem in der Verbindung von bereits Gewusstem. Das Internet fungiert als entlasteter Kopf, als Wissensspeicher, der jederzeit anzuzapfen ist; es ist eine technische Noosphäre aus dem Geiste von Teilhard und McLuhan. Dem Menschen entzieht der Computer nun das Sammeln und gibt ihm die Freiheit, Informationen im Perspektivenwechsel zu überdenken; in der Art, dass man sich als Mensch für unberechenbar und zugleich vernunftbegabt hält, eben den Wert der richtigen Frage in Zeiten der Suchmaschine zu erkennen.
Frank Schirrmacher (1959-) ist ein interessantes Denkspiel gelungen, eine bedenkenswerte Beschreibung unserer gegenwärtigen Zukunftswelt. Der Rezensent würde diesem sehr lesenswerten Glasperlenspiel fünf Sterne geben, wenn nicht das passiert wäre, was jedem Programm die Logik zerstört. Ein einziger falscher Buchstabe bringt ein Software-Programm durcheinander. Und ganz zu Beginn nennt Schirrmacher twitter Tweeds und bei aller Geduld, um Kleidungsstoffe geht es hierbei mit Nichten.
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4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
Interessant, aber nicht weitgehend genug
Ich fand das Buch insgesamt recht interessant. Frank Schirrmacher glaubt, dass wir längst von Computern beherrscht werden. Da wir uns als Menschen gegenüber dem Tierreich vor allem über unsere überragenden kognitiven Fähigkeiten abzugrenzen versuchen, wäre eine solche Entwicklung in der Tat äußerst bedrohlich: Wir verlören die Kontrolle über das, worüber wir uns im Wesentlichen als Menschen identifizieren.
Ich persönlich erlebe Computer und Internet durchaus als Bereicherung. Ich möchte sogar behaupten, dass meine Allgemeinbildung durch das Internet sehr stark zugenommen hat. Allerdings bin ich selbst auch weniger einer anderen Belastung ausgesetzt, unter der sehr viele Menschen zunehmend leiden: dem Zwang zur permanenten Erreichbarkeit und der damit verbundenen pausenlosen Bombardierung mit mehr oder weniger irrelevanten Informationen und einer ständigen Unterbrechung des eigenen Denkens. Keine Frage: so etwas entfremdet. Und so etwas kann krank machen.
Als ebenfalls bedrohlich empfinde ich aber einige andere Dinge, die mir im Buch zu wenig zur Sprache kamen.
1. Bei vielen Menschen scheint mir - möglicherweise als Folge der ständigen Informationsüberflutung und des fehlenden realen Bezugs in den virtuellen Welten - die Fähigkeit verloren gegangen zu sein, beurteilen zu können, was ein Argument ist und was nicht. Entsprechend bemühen sie sich erst gar nicht mehr, einer Argumentation auf den Grund zu gehen. Für sie ist jede Äußerung nichts weiter als eine x-beliebige Meinung.
2. Da man auf diese Weise der Informationsflut jedoch nicht Herr werden kann, werden andere Entscheidungs- und Filterkriterien benötigt. Und dabei scheint das Urteil irgendwelcher Meinungsführer, die man für sich selbst als wichtig erachtet, immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Mit anderen Worten: Die Menschen werden trotz aller Individualisierung und eines verbesserten Zugangs zu Informationen letztlich immer unsicherer und autoritätsfixierter, ein meiner Meinung nach äußerst bedrohlicher Prozess, zumal die Menschen dann leicht manipuliert werden könnten.
3. Ich empfinde eine zunehmende soziale Ungleichheit zwischen den Menschen, die Zugang zu den Informationsdistributionskanälen besitzen (wie z. B. Frank Schirrmacher), und solchen, die ihnen nur passiv ausgesetzt sind. Ich halte diese Ungleichheit mittlerweile für noch viel größer, als die Ungleichheit beim Geld.
4. Und schließlich geht die Entwicklung einher mit einem allgemeinen Verdummungsprozess: Wenn diejenigen, die der Informationsflut besonders gut gewachsen sind, anteilsmäßig nur sehr wenige Kinder bekommen, dürfte die Informationsgesellschaft zu einer Teilung der Gesellschaft führen: Einem kleinen Teil, der die Informationen bereitstellt, und einem anderen, der nur konsumiert oder mehr oder weniger davon ausgeschlossen ist.
4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
Interessant, aber nicht weitgehend genug
Ich fand das Buch insgesamt recht interessant. Frank Schirrmacher glaubt, dass wir längst von Computern beherrscht werden. Da wir uns als Menschen gegenüber dem Tierreich vor allem über unsere überragenden kognitiven Fähigkeiten abzugrenzen versuchen, wäre eine solche Entwicklung in der Tat äußerst bedrohlich: Wir verlören die Kontrolle über das, worüber wir uns im Wesentlichen als Menschen identifizieren.
Ich persönlich erlebe Computer und Internet durchaus als Bereicherung. Ich möchte sogar behaupten, dass meine Allgemeinbildung durch das Internet sehr stark zugenommen hat. Allerdings bin ich selbst auch weniger einer anderen Belastung ausgesetzt, unter der sehr viele Menschen zunehmend leiden: dem Zwang zur permanenten Erreichbarkeit und der damit verbundenen pausenlosen Bombardierung mit mehr oder weniger irrelevanten Informationen und einer ständigen Unterbrechung des eigenen Denkens. Keine Frage: so etwas entfremdet. Und so etwas kann krank machen.
Als ebenfalls bedrohlich empfinde ich aber einige andere Dinge, die mir im Buch zu wenig zur Sprache kamen.
1. Bei vielen Menschen scheint mir - möglicherweise als Folge der ständigen Informationsüberflutung und des fehlenden realen Bezugs in den virtuellen Welten - die Fähigkeit verloren gegangen zu sein, beurteilen zu können, was ein Argument ist und was nicht. Entsprechend bemühen sie sich erst gar nicht mehr, einer Argumentation auf den Grund zu gehen. Für sie ist jede Äußerung nichts weiter als eine x-beliebige Meinung.
2. Da man auf diese Weise der Informationsflut jedoch nicht Herr werden kann, werden andere Entscheidungs- und Filterkriterien benötigt. Und dabei scheint das Urteil irgendwelcher Meinungsführer, die man für sich selbst als wichtig erachtet, immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Mit anderen Worten: Die Menschen werden trotz aller Individualisierung und eines verbesserten Zugangs zu Informationen letztlich immer unsicherer und autoritätsfixierter, ein meiner Meinung nach äußerst bedrohlicher Prozess, zumal die Menschen dann leicht manipuliert werden könnten.
3. Ich empfinde eine zunehmende soziale Ungleichheit zwischen den Menschen, die Zugang zu den Informationsdistributionskanälen besitzen (wie z. B. Frank Schirrmacher), und solchen, die ihnen nur passiv ausgesetzt sind. Ich halte diese Ungleichheit mittlerweile für noch viel größer, als die Ungleichheit beim Geld.
4. Und schließlich geht die Entwicklung einher mit einem allgemeinen Verdummungsprozess: Wenn diejenigen, die der Informationsflut besonders gut gewachsen sind, anteilsmäßig nur sehr wenige Kinder bekommen, dürfte die Informationsgesellschaft zu einer Teilung der Gesellschaft führen: Einem kleinen Teil, der die Informationen bereitstellt, und einem anderen, der nur konsumiert oder mehr oder weniger davon ausgeschlossen ist.
4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
Ein sehr aufgeregtes Buch
Ich habe das Buch gerne gelesen - voller Erwartungen auf einen klugen Essay über die Sonnen- und Schattenseite unseres multimedialen Zeitalters. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Es ist stattdessen ein Diskurs, der sich aus Erkenntnissen und Interpretationen ausgewählter Fachfrauen und -männer speist, zusammengetragen wie man es heute macht: man googelt sich so durch. Sicher hat Herr Schirrmacher persönlich Kontakt mit den zitierten aufgenommen. Doch - tja, wie schreib ich es nur: er war wohl von seiner Ausgangsthese “Wir verlieren die Kontrolle über unser Denken” so bewegt, dass er ganz aufgeregt die Bestätigung suchte und fand. Und diese Aufregung durchzieht das ganze Buch. In Teilen wirkt das Schreiben recht gehetzt - was nicht wundert, denn wenn es ein Lehre in der heutigen Multimedienlandschaft gibt, dann die, dass der Schnelle (und gut vernetzte) Meinungsmacher gewinnt.
Gutes Beispiel für die Lehre, dass heute die schnelle Information die langsame schlägt (und nie die bessere, die gute) sind diese Online-Rezessionen. Wer die erste wohlwollende schreibt, erhält fast ausnahmslos die meisten positiven Bewertungen. Der erste ist somit fast immer auch der Meinungsmacher. Wenn nun dieses - bedenkliche? - Prinzip aufgehoben werden soll, dann sollten die Leser dieses Buches danach Rezensionen nach dem Zufallsprinzip lesen. Sicher wäre dies nicht effizienter, aber selbstbestimmter.
Kurz gesagt: das Buch ist geeignet, eine interessante Debatte über unsere mediale Zukunft auszulösen. Was ihm jedoch leider fehlt, sind überraschende Gedanken und faszinierende Analogien, die uns das beschriebene Dilemma aus einer unbekannten Perspektive betrachten lassen. Zum ungewohnten Perspektivenwechsel fordert Schirrmacher uns alle auf - leider hat er sich dafür selbst nicht genügend Zeit genommen.
4. Dezember 2009 um 17:34 Uhr
Ein sehr aufgeregtes Buch
Ich habe das Buch gerne gelesen - voller Erwartungen auf einen klugen Essay über die Sonnen- und Schattenseite unseres multimedialen Zeitalters. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Es ist stattdessen ein Diskurs, der sich aus Erkenntnissen und Interpretationen ausgewählter Fachfrauen und -männer speist, zusammengetragen wie man es heute macht: man googelt sich so durch. Sicher hat Herr Schirrmacher persönlich Kontakt mit den zitierten aufgenommen. Doch - tja, wie schreib ich es nur: er war wohl von seiner Ausgangsthese “Wir verlieren die Kontrolle über unser Denken” so bewegt, dass er ganz aufgeregt die Bestätigung suchte und fand. Und diese Aufregung durchzieht das ganze Buch. In Teilen wirkt das Schreiben recht gehetzt - was nicht wundert, denn wenn es ein Lehre in der heutigen Multimedienlandschaft gibt, dann die, dass der Schnelle (und gut vernetzte) Meinungsmacher gewinnt.
Gutes Beispiel für die Lehre, dass heute die schnelle Information die langsame schlägt (und nie die bessere, die gute) sind diese Online-Rezessionen. Wer die erste wohlwollende schreibt, erhält fast ausnahmslos die meisten positiven Bewertungen. Der erste ist somit fast immer auch der Meinungsmacher. Wenn nun dieses - bedenkliche? - Prinzip aufgehoben werden soll, dann sollten die Leser dieses Buches danach Rezensionen nach dem Zufallsprinzip lesen. Sicher wäre dies nicht effizienter, aber selbstbestimmter.
Kurz gesagt: das Buch ist geeignet, eine interessante Debatte über unsere mediale Zukunft auszulösen. Was ihm jedoch leider fehlt, sind überraschende Gedanken und faszinierende Analogien, die uns das beschriebene Dilemma aus einer unbekannten Perspektive betrachten lassen. Zum ungewohnten Perspektivenwechsel fordert Schirrmacher uns alle auf - leider hat er sich dafür selbst nicht genügend Zeit genommen.
12. Dezember 2009 um 23:00 Uhr
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie Frank Schirrmacher
Also das geht zu weit, wenn Arianna Huffington, Mitbegründerin der
Huffington Post, bei der Yoga-Stellung ‘Hinabschauender Hund’ den
Blackberry benutzt, statt ihrer Tochter mal zuzuhören.
Das ist so ungefähr der Grund, warum Schirrmacher dieses Buch ge-
schrieben hat und es ist allemal interessant, was dieses Wunderkind,
das schon kurz nach der Einsegnung im Feuilleton der FAZ erschien
und dann die Diretissima in die Herausgeberspalte auf der ersten
Seite genommen hat, dazu sagt.
Er benutzt, natürlich, Quellen, aber er ist selber eine und in den
Anmerkungen sind eine Menge Internetadressen die ich gern doch
fast alle mal nachsehen möchte.
Oft findet sich der Hinweis: ‘Persönliche Mitteilung’.
Er kann , glaube ich, jeden sprechen den er will.
Eine Art cloud-computing, humane Version.
Viele Menschen sind mehrmals täglich in der Situation dass sie
vergessen was sie gerade gesagt, getan haben oder tun wollten und
es dauert durchschnittlich 25 Minuten bis man nach einer Unterbrechung
wieder sich in die ursprüngliche Tätigkeit eingefunden hat.
Und: Die Unterscheidung von wichtig und unwichtig geht flöten.
Im Internet gibts viel Schrott, aber einige der klügsten Menschen der
Welt, fast kindliche Geister , sitzen an der Code-Entwicklung und die lässt
Schirrmacher hier alle Revue passieren.
Er vergleicht die Jagd nach Information mit der von Raubtieren, Witterung,
Futtersuche und:
Das Problem ist nicht, dass keine Nahrung da ist. Das Problem ist, dass wir
niemals wissen, was uns diese Informationen jeweils an Aufmerksamkeit kosten
und ob wir nicht auf Dauer ein Minus-Geschäft machen, das zu Auszehrung,
Vergesslichkeit und dem Gefühl allmählicher Verblödung führt.
Die Frage ist auch: Wann muss ich gescheit sein, wann naiv?
Adorno sagte mal, es bedürfe nicht nur des Scharfsinns, sondern auch der
‘Naivetät’, wie er es immer schrieb, um die Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen.
Und bei dieser Frage ist Schirrmachers Buch doch ganz hilfreich:
Wir sind online, auch wenn wir es nicht sind. Erwachsene reagieren panisch,
wenn eine Website nicht erreichbar oder nur Sekunden verspätet eintrifft, und
eine Google-Suche muss schneller sein als ein Augenblinzeln.
Die Vernetzung der digitalen Welt ist sehr viel kontrollierter und bürokratischer
als das selbst politisch sensiblen Zeitgenossen bewusst ist.
Sehr geehrte mathematische Modelle, also Leserinnen und Leser, irgendwo schreibt
er, dass Menschen von den Maschinen nicht mehr loskommen: Sie kleben mit ihren
Wünschen an ihnen fest.
Das soll mir jedenfalls im Moment nicht passieren.
12. Dezember 2009 um 23:00 Uhr
Kritiker verstehen nicht, um was es geht
Was Kritiker des Buches nicht sehen, ist folgendes: Es ist offensichtlich beinahe zu einer Ideologie unseres spätmodernen Lebens geworden, alles was digital funktioniert, tendenziell unkritisch zu sehen. Digital ist gut! Ende Gelände. Diese Grundannahme ist erlaubt und - allerdings auch nicht neu. Schon immer begegnete einem Ähnliches, wenn auch in die andere Richtung. Motto: früher war alles besser. Beides kann als kulturelle Orientierungsleistung des Menschen betrachtet werden, der versucht, sich in seiner womöglich als zu komplex erfahrenen Wirklichkeit selbst zu finden.
Zu dieser zeittypischen Unübersichtlichkeit trug wahrscheinlich das Digitale nicht unwesentlich bei. Man denke an Beschleunigungsprozesse im Alltag, Ausdifferenzierung der Sprache bis zur Veränderung von Denkprozessen, die sich an digitalen Menüwegen orientieren. Man gewinnt auf der einen Seite Inforamtionen in kürzester Zeit im Netz, nimmt dabei jedoch auch die rasante Abnahme deren Verlässlichkeit in Kauf. Dieses Beispiel zeigt: Nie gab es in der Kulturgeschichte der Menschen eine Entwicklung, die ausschließlich positive Seiten für das Leben der Menschen mit sich brachte. Die Ambivalenz gesellschaftlicher Neuentwicklungen scheint eine unumstößliche Tatsache zu sein. Dass es dabei nicht nur um jedem sofort einsichtige Dinge wie die Nutzung der Atomkraft geht, sondern auch um Auswirkungen, die das Digitale bis in die letzte Einzimmerwohnung transportiert, wird halt gerne übersehen.
Schirrmacher tut nichts anderes, als einen wesentlichen Strang gesellschaftlicher Entwicklung auf seine Ambivalenz für das Leben der Menschen zu beleuchten. Das ist wichtig, kann eine eine reflektierte Weiterentwicklung des Digitalen fördern und womöglich den Einzelnen vor Fehlentwicklungen warnen. Vielleicht löst es einen gesellschaftlich breiteren Diskurs aus. Und dazu, liebe Kritiker, muss Schirrmacher nicht jeden Winkelzug der digitalen Technik selbst bis ins Detail kennen und er darf auch nicht als Antimodernismus-Apologet gegeißelt werden. Es geht ganz einfach um die in der Menschheitsgeschichte leider oft unterlassene ideologiekritische Reflexion gesellschaftlicher Entwicklungen.
12. Dezember 2009 um 23:00 Uhr
Es gibt einen Ausweg aus der drohenden informationellen Gefangenschaft
Frank Schirrmacher ist ein Autor und Journalist, der sich nicht nur in seiner Zeitung, der FAZ, durch besonders feingeistige, engagierte und auch provokante Artikel auszeichnet, sondern dem es immer wieder gelingt, zu besonders wichtigen Themen, die die Gesellschaft bewegen oder bald bewegen werden, wichtige Bücher zu veröffentlichten. Sein “Methusalem-Komplex” war vor etlichen Jahren ein solches Meilenstein-Buch und sein vorliegendes Buch Payback” über die wichtige und absolut menschenwürdig notwendige Zurückgewinnung der Kontrolle unseres Denkens in einer durch und durch von Computern und digitalem Denken vernetzen Welt im Informationszeitalter wird, so kann man schon jetzt anhand der Auflagenzahlen und der breit gestreuten Rezeption schon in den ersten drei Wochen nach Erscheinen voraussagen, sich zu einer ähnlich wichtigen Zeitansage entwickeln.
Denn das ist “Payback” wahrhaftig. Schirrmacher lädt ein dazu, sich nicht an den Computer anzupassen, und etwa bei unseren Kindern nur das zu fördern und zu fordern, was mit den PCs kompatibel ist. Er sieht durchaus die Gefahr, dass der menschliche freie Wille durch die Unterwerfung an die neue Technik verschwindet, will dem aber entgegenwirken, indem er gegen eine allgemeine Technikverweigerung argumentiert und dafür, dass die die Computer und die Internetwelt nutzenden Menschen sich bewusst bleiben über ihre wahren Stärken, die keine Maschine ersetzen kann: ihre Kreativität, ihre Toleranz und ihre große Fähigkeit, auch mit Unvorhergesehenem und Unberechenbarem umzugehen und es in ihr Leben positiv zu integrieren.
Es gibt einen Ausweg aus der drohenden informationellen Gefangenschaft, in die sich viele Menschen schon längst freiwillig ( sie denken allerdings immer: notgedrungen) begeben haben. Dieses wichtige Buch zeigt ihn auf.
12. Dezember 2009 um 23:00 Uhr
Klarer Kauf!
Man mag Schirrmacher mögen, oder auch nicht. Als Herausgeber der F.A.Z. trinkt er mit den Granden der Macht Rotwein und profitiert vom Gewicht seiner Zeitung, wenn es um die Promotion der eigenen Bücher geht - aber Payback ist, mal wieder, ein gelungenes, wichtiges Werk. Das eigene Denken, lässt uns Schirrmacher erkennen, verwässert im Online Zeitalter zur tumben Informationshascherei. Und lässt uns die Dinge nicht mehr wirklich analytisch erkennen, die uns umgeben. Sein Fazit: Wissen ist nur ein Klick von uns entfernt - doch die Wahrheit kann Welten davon entfernt sein.
Wer sich in den Weiten des WWW tummelt kommt daher an PAYBACK kaum vorbei. Wie sehr Schirrmacher mit seiner These richtig liegt verdeutlicht auch ein anderes Buch, das ich hier bereits erwarb: Schweinegrippe als Jahrtausend-Fake: Chronik einer geplanten Seuche. Payback im Alltag als Exempel: Über H1N1/A findet man in Windeseile online alles - aber erst das Verstehen der Zusammenhänge, wie in diesem Sachbuch dargestellt, vermittelt das richtige Bild. Wie gesagt: Man kann Schirrmacher mögen, oder auch nicht. PAYBACK sollte man aber gelesen haben!
21. Dezember 2009 um 16:00 Uhr
Ein notwendiges Buch
Payback ist ein notwendiges Buch, und es musste jemand schreiben, der nicht nur sachkundig und scharfsinnig recherchieren und formulieren kann, sondern durch eben diese Sachlichkeit die ganze Problematik des ahnungslosen Abdriften des modernen Menschen in eine Welt der von ihm nicht mehr beherrschten digitalen Großhirne ohne jede Aufgeregtheit vorführen kann. Das Buch deckt auf, was im Grunde jeder mit einigem Nachdenken finden kann, doch scheint die Fähigkeit dies zu tun schon längst im Strudel des eingepferchten mathematisierten Denkens untergegangen zu sein. Frank Schirrmacher neigt in seinem Buch keineswegs zur Nostalgie über eine verlorene Welt, sondern besteht auf den Qualitäten des menschlichen Geistes, mit dem die Kontrolle über das Denken zurückgewonnen werden kann. Wir haben die Chance dazu, noch. Dem Buch ist gerade deshalb größmögliche Verbreitung zu wünschen.
Prof. Dr. Peter Bendixen, Wien
21. Dezember 2009 um 16:00 Uhr
Payback - die Rache des Frank Schirrmacher
Die Messlatte ist hoch gesteckt, über die Frank Schirrmacher mit seinem Buch “Payback” springen will. Dessen Klappentext verspricht nichts weniger, als “die ersten Schritte aus dem Labyrinth … [der Technik] anhand von bahnbrechenden wissenschaftlichen Ergebnissen”. Wer so viel verspricht, der muss es sich gefallen lassen, wenn man genauer hinsieht, wenn man auch zwischen den Zeilen liest und wenn man nicht zimperlich ist mit Kritik.
Was will Frank Schirrmacher? Was treibt ihn?
Schirrmacher legitimiert er seine Ideale mit einem hermetisch abgeschlossenem Kulturpessimismus, der die “Dialektik der Aufklärung” Adornos und Horkheimers nach mehr als sechzig Jahren in alter Pracht wiederauferstehen lässt, ergänzt um allerhand schön formulierte krude populistische Mystik, die der Auflage sicherlich nicht schaden wird. Nur ist es beim neuen Frankfurter nicht mehr die Kulturindustrie, die das Elend der Massen heraufbeschwört, sondern der Computer. Dieser trage die Verantwortung für drei ebenso grundlegende wie verhängnisvolle Trends:
Da ist der neue Taylorismus, den Schirrmacher am Begriff des “Multitasking” festmacht, der zu einer Überforderung des Konsumenten führe. Da ist der neue Marxismus, der in Gestalt der Selbstausbeutung im Netz und der “Alles ist kostenlos”-Mentalität im Internet zu einer Verfestigung gegebener Strukturen führe. Und da ist der neue Darwinismus, der den Besser-Informierten zu Vorteilen verhilft und so die ganze Chose überhaupt in Gang hält.
Die Mär vom Multitasking als Körperverletzung
Schirrmacher beklagt, dass der Computer den Menschen zur Hyperaktivität anleite. Jeder müsse ständig mehrere Aufgaben zugleich erledigen. So übertrage der Computer seine Multitasking-Fähigkeit auf seinen Benutzer. Dabei hat der Computer in seinen Anfängen noch etwas ganz und gar anderes bewirkt, nämlich die Zergliederung ehemals verbundener Prozesse. In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verurteilten Gewerkschafter und Arbeitsergonomen zurecht die Aufteilung der Arbeit in kreative, in kommunikative und in repetitive Tätigkeiten, eine Trennung, die durch die Einführung von “Bildschirmarbeitsplätzen” herbeigeführt wurde.
Tatsächlich nämlich betreiben die Menschen in ihrer Arbeitszeit - und nicht nur dort - freiwillig Multitasking: sie arbeiten an einem Projekt oder einem Dokument, tauschen mit Kollegen Informationen aus, telefonieren mit dem Ehepartner und erwarten stündlich wichtige Botschaften (”Herr Müller, kommen Sie bitte mal zum Chef!”). Erst der moderne Multitasking-fähige Windows-Rechner hat mit Word, Outlook, Chat und Online-Anschluss diese Prozesse wieder reintegrieren können. Das war der vielleicht wichtigste Beitrag von Microsoft zur Humanisierung der Arbeitswelt überhaupt.
Schirrmacher betrauert völlig zurecht die intellektuelle Verelendung der modernen Zweidrittelgesellschaft. Er kritisiert den wachsenden Unwillen Vieler Bücher zu lesen. (Seite 35f). Aber er gibt dem Computer die Schuld, der Arbeit am und mit dem Rechner. Er analysiert nicht die wahren Gründe der Verelendung. Wenn die internationale Arbeitsteilung die Hauptschulabgänger - und deshalb auch die Hauptschule - in den Industrieländern überflüssig macht, dann spielen ihre Lesefähigkeiten scheinbar keine große gesellschaftliche Rolle mehr. Wenn die Schule nicht mehr zum Lesen erzieht, dann ist das so, weil die Lesefähigkeiten vieler Menschen nicht mehr benötigt werden. Das mag man bedauern; nein, das muss man bedauern. Aber Schirrmacher analysiert nicht, er mystifiziert die gesellschaftlichen Defizite indem er in der Tradition des Folterknechtes die Instrumente zeigt.
Wer wie Schirrmacher die Dinge nicht analysiert, sondern sie bloß an der Oberfläche mystifiziert gebiert sich anders als Adorno und Horkheimer nicht als Apostel der Aufklärung, sondern als ihr Totengräber. Er produziert Mythen wie jene, “dass Multitasking Körperverletzung ” sei (Seite 69) und der Computer “kein Medium … [sondern] ein Akteur” (Seite 77). So wiederholt er gebetsmühlenartig den Dummsinn, die Präsentationssoftware Microsoft Powerpoint sei schuld am Absturz des Raumschiffs Columbia gewesen(Seite 84). Schirrmacher bedient in der Tradition technologiekritischer Populisten das Unwohlsein der Menschen, die zunehmend von der allgemeinen technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung abgehängt werden mit plumpen Romantizismen.
Freilich möchte Schirrmacher nicht in einen Topf mit mechanistischen Vulgärphilosophen geworfen werden. Er spürt schon, dass er bei der verzweifelten Grabung nach verkaufsfördernden Schnellformulierungen den Bogen allzuhäufig überspannt. So weist er an anderer Stelle darauf hin, dass “natürlich” nicht der Computer schuld sei, sondern die Art und Weise, wie wir mit ihm umgehen. Allerdings sei diese bereits immanent im Wesen des Computers angelegt. Und erst recht stünden keine bösen Buben hinter der Computerisierung unseres Lebens, die uns mit Elektronengehirnen für dumm verkaufen wollen. Schirrmacher will mit Maschinenstürmern nichts zu tun haben. Nein und nochmals nein. Das hält ihn aber nicht davon ab beständig mit der Angst vor dunklen Mächten die populistische Flöte zu spielen. So dämonisiert Schirrmacher den Computer-Pionier Alan Turing zum “Raketentreibsatz der Evolution”, der unfreiwillig [immerhin!] “die Denkpunkte im menschlichen Hirn schwächte” (Seite 25). Google wird zum “Hirn, das die Bibliothek von Babel steuert” und unter Hinweis auf das bunte Bauklötzchen-Design des Suchmaschinen-Giganten wird sogleich die geheime Kraft aus dem Kinderzimmer aufgebauscht - das richtige Bedrohungsszenario für alternde Männer in den Wechseljahren, denen die Harley zur Sublimierung ihrer Verlustängste verwehrt bleibt.
“Werde was du bist!” schreit es im Internet
Fatal ist der Determinismus-Vorwurf, den Schirrmacher gegen das Computerzeitalter erhebt (Seite 104 ff). Schirrmacher sieht zurecht, dass Suchprogramme zumeist nur Gesuchtes liefern - man könnte fast sagen: das sei ihre Aufgabe - , nicht aber das Überraschende. Deshalb sind natürlich viele aktuelle Arbeiten von der schulischen Hausaufgabe bis zum pseudowissenschaftlichen Aufsatz heute wenig originelle immergleiche Zusammenstellungen der Top-Fundstellen aus dem Hause Google.
Diese wenig kreative Auseinandersetzung mit dem Wissen der Welt war aber schon den Enzyklopädisten des 18. Jahrhunderts zu eigen. Das ist keine neue Erscheinung des Computerzeitalters. Aber Schirrmacher geht ja weiter: er unterstellt, dass die großen Online-Wissensdatenbanken letztlich zu einer Verfestigung des Status Quo führen würden, in dem sie aus ihrem Wissensbestand Trends berechnen “und durchsetzen” würden. Der Online-Buchhändler Amazon zum Beispiel wird aus dem bisherigen Kaufverhalten eines Kunden diesem immer wieder nur Literatur vorschlagen, die dessen Geschmack und Erfahrungshorizont, also dessen bisherigem Kaufverhalten entsprechen würde. Es fehle das überraschende Moment, das letztlich zur Überwindung seiner Grenzen den Konsumenten erst anhalten würde. Dabei treibt doch in Wahrheit die Prognosefähigkeit von Amazon und Konsorten nichts anderes, als es die Werbung und Kulturindustrie immer schon taten: Plugging!
So findet Schirrmacher denn auch keine Verbindung zwischen seiner kulturpessimistischen Fundamentalkritik, die boulevardesk die Ängste der Menschen aufgreift und seiner schlussendlichen Forderung nach einer Art “Computerpädagogischen Impfung” der Anwender (siehe: http://www.czyslansky.net/?p=2331).
26. Dezember 2009 um 01:00 Uhr
Zusammenhangslose Textsammlung!
Ich kann mich der ausführlichen Kritik des Lesers Ulrich Gellermann einfach nur umfänglich anschliessen!
Der Buchautor Frank Schirrmacher fabuliert hier über seine persönlichen Schwierigkeiten mit der Informationsflut, die ihn täglich überfordert. Für einen Journalisten mehr als erstaunlich! Besonders ärgerlich finde ich dabei seine immer wiederkehrende Dialetik des “WIR” … anstatt “ICH” … Beispiel von Seite 27 (unten):
“Kurzum: Wir sind tatsächlich alle betroffen. Wir alle haben zunehmende Probleme, ein Buch zu lesen.” Zitatende.
Lieber Herr Schirrmacher, ICH habe nicht IHRE Schwierigkeiten! Emails kann man z.B. nach dem Urlaub einfach in einen Ordner namens “Ungelesene Emails” verschieben … und nach 6 Monaten einfach löschen, wenn sich bis dahin kein Grund fand in diesen Ordner zu schauen. Das was wirklich wichtig ist, hat 2 Beine und wird sich wieder melden …
Kapitelüberschriften wie “Unser Denkaparat verwandelt sich” sind schon eine echte Zumutung! Wie hier dann mit Verweisen auf Statistiken und Forschungsergebnissen aus der Hirnforschung falsches, falsch begründet wird ist schon sehr erstaunlich! Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein Herausgeber einer grossen anerkannten überregionalen Tageszeitung wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wohl selbst an diese zusammenhangslosen Darstellungen glaubt.
Der Autor scheint durchaus sehr belesen. Er benennt viele auch von mir sehr geschätzte Buchautoren wie Chris Anderson (Buchtitel: “The Long Tail”) oder Clay Shirky (Buchtitel: “Here comes everybody”). Diese Autoren hätten Herrn Schirrmacher eigentlich vermitteln können, wie man für sich selbst entscheidet was wirklich zählt. Dann befällt einen auch keinerlei Ohnmachtsphantasien von Informationsüberflutung, weil man versteht, wie die wenigen für einen persönlich wichtigen Informationen herausfiltert werden können.
Die Danksagung auf Seite 225 ist dann auch nicht zu verstehen … hat der Autor all die benannten und berühmten Personen persönlich getroffen? … oder nur ihre Bücher gelesen? … Ich kann von diesem Buch nur abraten, denn es vermittelt falsche Zusammenhänge abgeleitet aus Verweisen anderer Buchwerke, die damit aus dem Zusammenhang gerissen wurden! Ich trauere um die verschwendete Zeit …
26. Dezember 2009 um 01:00 Uhr
SCHWERER SCHWALST-ANFALL
Wir alle kennen das: E-Mail-Müll und Face-Book-Lasten, das Handy klingelt und auch die Tür, und wenn man gerade mal dringend rein will, bleibt man draußen. Es ist das schwere Computer-Leben, das den Feuilleton-Chef der “Frankfurter Allgemeine”, Frank Schirrmacher, dazu trieb dem ohnehin überfüllten Markt ein Buch namens “Payback” zu übergeben. Und wer, dem Titel folgend, gedacht hat, er bekäme bei Nichtgefallen sein Geld zurück, der irrt. Während der Trend-Fabulierer des “Spiegel” Matthias Matussek, sich eher in der Zielgruppe der Eingebildeten (solche die sich einbilden sie seien gebildet) austobt, hat Schirrmacher die Gruppe der Halbgebildeten vor Augen. Das sind jene armen Menschen, die ganz schön viel wissen, nur leider keine Zusammenhänge erkennen können. Denen will er, kurz vor dem Weihnachtsgeschäft, noch einmal richtig Angst einjagen, damit sie nur ja sein Lebenshilfe-Buch unter ihren und anderer Leute Bäume legen.
So viele Daten, schreibt der Autor: “Ich weiß noch nicht einmal, ob das, was ich weiß, wichtig ist, oder das, was ich vergessen habe, unwichtig ist.” Hielte man ihm entgegen, dass ähnliche Symptome beim Lesen der “FAZ” auch auftreten, käme ihm folgender Satz: “Informationen fressen Aufmerksamkeit, sie ist ihre Nahrung”. Und weil sich schon Darwin, bei einem Zusammentreffen von Bevölkerungsexplosion und Nahrungsmittelknappheit, Sorgen um das Artensterben machte, kommt dem FAZ-Feuilletonisten in den Sinn, dass eine “Informationsexplosion” unsere Art zumindest gefährdet, wenn sie nicht gar ausstirbt. Ein Hinweis sieht er darin, dass “wir alle zunehmend Probleme (haben) ein Buch zu lesen”. Meint `wir wirklich alle oder ist es doch eher der Pluralis majestatis des kleinen Königs der FAZ-Kultur? Und warum schreibt Schirrmacher dann noch ein weiteres? Zudem: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels schreibt, dass die deutschen Verlage in 2008 “zum ersten Mal mehr als eine Milliarde Bücher” produziert haben. Solchen Klüften zwischen Schirrmachers Welt und der Wirklichkeit wird man in seinem Buch noch häufiger begegnen.
Unsere Gehirne veränderten sich unter dem Einfluss der Computer, wir seien “den Dingen” nicht mehr gewachsen, raunt Schirrmacher mit betroffener Schreibe und glaubt: “Nichts ist dafür kennzeichnender als die hilflosen Debatten um Pisa, Bologna, Bildung und lebenslanges Lernen.” Wer eine Lust am Durchblick hat, der erkennt die Schuldigen an der katastrophalen Bildungspolitik schnell: Ein besonders in CDU und FPD kumulierter Aberglaube, man müsse sich nur um die Kinder der besser Verdienenden kümmern. Journalisten, die von den besseren Beispielen in Polen und Finnland nicht berichten wollen. Regierungen, die gerne Geld für die Senkung der Unternehmenssteuern ausgeben, aber in der Bildungsfinanzierung versagen und schließlich Bildungsstätten, die in einem Zustand sind, dass ein feiner Herr wie Frank Schirrmacher sie gar nicht erst betreten würde. Und überall stehen natürlich Computer rum, das muss der Zusammenhang sein, will uns der Journalist glauben machen und blendet jeden politisch-gesellschaftlichen Grund für die Bildungsmisere aus.
“Auch die Bankenkrise”, schreibt der Autor, “hat gezeigt, dass die entscheidenden Fehler im System nicht erkannt werden. “Wer jetzt hofft, Schirrmacher käme nun dem gesellschaftlichen System auf die Schliche, der irrt gründlich. Wieder sind es die Computersysteme, die er für verantwortlich hält. Wenn er mit dem “Taylor-Produktions-System”, der Zerlegung und Kontrolle aller Arbeitsschritte in der Bandmontage, den Anfang der Maschinenherrschaft beschreibt, die uns später die Diktatur der Computer beschert habe, dann wird seine Methode besonders deutlich: Dass es um die Optimierung von Profit geht, damals wie heute, dass es handelnde Menschen sind, Gruppen, die ein Interesse haben, darüber mag der Journalist nicht nachdenken. Da bleibt er doch lieber im Mystischen stehen: Schuld war dieser Taylor, schuld sind diese Computer.
Und wenn man dann denkt, jetzt habe der Autor doch etwas begriffen, jetzt sähe er soziale Zusammenhänge - als er einen Wissenschaftler zitiert, dem die Ungleichheit der Arbeitsumstände zwischen Arm und Reich aufgefallen war - dann landen wir doch wieder auf Schirrmachers beschränkter Festplatte: “Reichtum zeigt sich daran, . . . wie viel Geld man investieren kann, um Ablenkung von sich fernzuhalten.” Der Millionär benutzt kein Handy, keinen Computer? Dann ginge es ihm wie vielen Leuten in Afrika. Die allerdings sind arm. Unbedingt will der Autor alles in dieser Welt auf die Existenz von Computern zurückführen und landet irgendwann bei “YouTube”. Ein Blick auf diese Video-Plattform genüge ihm, um zu begreifen “dass Erfahrungen zunehmend nur gemacht werden, damit man sie digital verarbeiten und verwerten kann.” Am glücklichen Schirrmacher müssen die endlosen Dia-Vorträge der 60er und 70er Jahre vorbeigegangen sein, Ergebnisse von Reisen, die nur gemacht wurden, um sie analog zu verarbeiten. Der Unterschied ist technisch und quantitativ, eine neue Qualität ist nicht auszumachen.
Irgendwann entdeckt der FAZ-Mann dann auch noch den göttlichen Algorithmus: Wenn unsere Daten auf der Kaufplattform Amazon, mit denen unserer Autovermietung, den Krankenkassen- und Bankdaten vernetzt werden, dann sind wir ganz und gar transparent: “Die Verwandlung des Menschen in Mathematik” begänne. Käme dem Autor endlich der Innenminister in den Sinn, dann wüsste er, das es nie die Maschinen oder die Methoden sind, die wir zu fürchten haben. Vom verratenen Beichtgeheimnis bis zur Datenvorratsspeicherung: Es sind die schnüffelnden Menschen, die wir im Auge haben müssen, auch und gerade, wenn die Technik ihnen immer bessere Beobachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt.
Im Buch treffen wir dann noch auf das als gefährlich eingeschätzte “google ranking”, das den Informationen eine “Art Sozialprestige” verschafft. Als würde die gerankte Auflage der “FAZ” nicht zur selben Aufwertung von Informationen führen, deren wirklicher Wert zuweilen recht fraglich sind. Auch die Schirrmacher-Weisheit, dass bei der Jagd auf Informationen im Netz auch immer blödes Zeug zu finden ist, also ein “Minus-Geschäft” gemacht werden kann, hat alltägliches: Der Mann, den so etwas ängstigt, darf sich auf keinen Fall mit einem der Stammgäste aus der Kneipe an der Ecke reden. Irgendwann, gegen Ende des Buches, wenn der Leser viel Schwallst (notwendig neues Wort für einen heftigen Schwall von Schwulst) abgearbeitet hat, kommen dann auch noch die Hinweise dafür “wir wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen können”. Das einfachste wäre natürlich auf den Aus-Knopf an all den schönen elektronischen Geräten hinzuweisen, das aber produziert keine Druck-Seiten. Also pisst Schirrmacher weiter Buchstaben für Buchstaben in den Schnee und wir können nur hoffen, dass der Tau bald alles ausgelöscht hat.
26. Dezember 2009 um 01:00 Uhr
Zusammenhangslose Textsammlung!
Ich kann mich der ausführlichen Kritik des Lesers Ulrich Gellermann einfach nur umfänglich anschliessen!
Der Buchautor Frank Schirrmacher fabuliert hier über seine persönlichen Schwierigkeiten mit der Informationsflut, die ihn täglich überfordert. Für einen Journalisten mehr als erstaunlich! Besonders ärgerlich finde ich dabei seine immer wiederkehrende Dialetik des “WIR” … anstatt “ICH” … Beispiel von Seite 27 (unten):
“Kurzum: Wir sind tatsächlich alle betroffen. Wir alle haben zunehmende Probleme, ein Buch zu lesen.” Zitatende.
Lieber Herr Schirrmacher, ICH habe nicht IHRE Schwierigkeiten! Emails kann man z.B. nach dem Urlaub einfach in einen Ordner namens “Ungelesene Emails” verschieben … und nach 6 Monaten einfach löschen, wenn sich bis dahin kein Grund fand in diesen Ordner zu schauen. Das was wirklich wichtig ist, hat 2 Beine und wird sich wieder melden …
Kapitelüberschriften wie “Unser Denkaparat verwandelt sich” sind schon eine echte Zumutung! Wie hier dann mit Verweisen auf Statistiken und Forschungsergebnissen aus der Hirnforschung falsches, falsch begründet wird ist schon sehr erstaunlich! Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein Herausgeber einer grossen anerkannten überregionalen Tageszeitung wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wohl selbst an diese zusammenhangslosen Darstellungen glaubt.
Der Autor scheint durchaus sehr belesen. Er benennt viele auch von mir sehr geschätzte Buchautoren wie Chris Anderson (Buchtitel: “The Long Tail”) oder Clay Shirky (Buchtitel: “Here comes everybody”). Diese Autoren hätten Herrn Schirrmacher eigentlich vermitteln können, wie man für sich selbst entscheidet was wirklich zählt. Dann befällt einen auch keinerlei Ohnmachtsphantasien von Informationsüberflutung, weil man versteht, wie die wenigen für einen persönlich wichtigen Informationen herausfiltert werden können.
Die Danksagung auf Seite 225 ist dann auch nicht zu verstehen … hat der Autor all die benannten und berühmten Personen persönlich getroffen? … oder nur ihre Bücher gelesen? … Ich kann von diesem Buch nur abraten, denn es vermittelt falsche Zusammenhänge abgeleitet aus Verweisen anderer Buchwerke, die damit aus dem Zusammenhang gerissen wurden! Ich trauere um die verschwendete Zeit …
26. Dezember 2009 um 01:00 Uhr
PAYBACK-Rezension auf weissgarnix.de
Frank Schirrmachers neues Buch “Payback” wirft eine Menge Fragen auf. Interessante Fragen und weniger interessante, zum Beispiel die, warum sich so viele Leute dazu berufen fühlen, auf einen Text hin “Gegenpositionen” zu veröffentlichen, den sie offenbar nicht gelesen haben; und warum sich Medien wie der SPIEGEL dann auch noch dazu herablassen, derlei halbseidenes Säbelzahntiger-Geschwafel in proto-intellektueller Weihnachtsverpackung abzudrucken. Dass sich eine wie üblich nicht gut informierte Klatschbrigade aus dem schrill-bunten Webwanderzirkus einfinden würde, um den vermeintlich jüngsten Angriff auf das Netz durch einen prominenten Zunftmeister des Holzmedien-Gewerbes abzuwehren, war dann allerdings wieder absolut vorhersehbar.
Ich habe das Buch gestern zu Ende gelesen, widerwillig, wie ich ehrlich zugebe, denn aus Gründen die hier mittlerweile bekannt sein sollten, stand Payback nicht auf meiner Leseliste und fehlt mir für Nebenbei-Lektüre derzeit wirklich die Zeit. Der Grund warum ich es doch tat, liegt nicht in meiner Freundschaft zu Schirrmacher oder dem Umstand, dass wir demnächst ein Werk gemeinsam herausgeben; diejenigen unter meinen Lesern, die ihr umfangreiches Wissen um die großen Weltzusammenhänge gerne aus unkomplizierten, eingängigen Wahrheiten zusammensetzen, mögen das von mir aus glauben; allen anderen sei gesagt, dass Schirrmacher meiner ehrlichen Meinung nach gute und schlechte Bücher geschrieben hat, und ginge es ausschließlich danach, wie ich zu seiner Bestseller-Schreibe stehe, dann wären wir vermutlich keine Freunde mehr.
Der Grund, warum ich mir Payback schließlich doch vornahm, lag in den eingangs vom bildungsbürgerlichen Straßenrand aufgelesenen Statements der Netz-Schickeria, die mit dem, was mir Schirrmacher in persönlichen Gesprächen erzählte, er in seinem Buch behandeln wollte, schlicht und ergreifend nicht das Geringste zu tun hatten. Ich wurde also neugierig.
Heraus kamen ein paar Stunden mit einer wirklich exzellenten Abhandlung über das kognitive Leben und Erleben an der Schwelle zum dritten Jahrtausend. Ich kann ohne Anflug bewusster Lobhudelei behaupten, Payback ist Schirrmachers bislang bestes Buch und besticht gegenüber Vorgänger “Minimum”, den ich persönlich für sehr flach geraten hielt, durch eine geradezu dramatische explorative Vertiefung. “Zu viel Information” ist eines der Themen des Buches - ein Abgrund, über den auch Schirrmacher stellenweise nur auf dem sprichwörtlichen Drahtseil wandelt.
Doch genug der Vorrede - worum geht’s?
Schirrmacher wählt einen Einstieg, der Stammlesern dieses Blogs bekannt sein sollte: Die Temporalisierung der Gesellschaft nimmt zu, das Leben wird zu einer einzigen Realtime-Applikation, die Angst, man könnte was verpassen, greift um sich, die Hersteller von Pagern, Blackberrys, Communicators und iPhones erleben ihre Heydays, die Welt, die man gestern noch häppchenweise im 24-Stunden-Takt aus Zeitung und Tagesschau erlebte, ergießt sich nun über einen als einzigartiger Newsfeed, ohne Anfang, Ende oder Pause zwischendurch. Nur die oberste Zeile im RSS-Stream ist eine interessante Nachricht, schon die Zeile unmittelbar davor ist Schnee von gestern und ein ungeschriebenes Gesetz der elektronischen Konnektivität besagt, dass eine Email, auf die nicht binnen 48 Stunden reagiert wird, niemals mehr Beantwortung finden wird. Schirrmacher, der mir gegenüber stets behauptet, er habe von Luhmann keine Ahnung, präsentiert uns hier zentrale Gedanken aus dessen “Realität der Massenmedien” - und zwar in Reinkultur. Luhmann münzte die Phrase von der “Gegenwart, die nur noch als Umschlagspunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft” ihre Berechtigung habe, und auf exakt gleichem Gedanken ruht auch ein guter Teil von Schirrmachers Argumentation. Dabei wird man den Namen Luhmanns im Personenregister vergeblich suchen, auch den von Schülern wie Elena Esposito oder Soziologen wie Reinhart Koselleck, die sich mit Fragen von Temporalisierung und Zeitsemantik an prominenter Stelle auseinandergesetzt haben - Schirrmacher speist seine Geschichte aus durchwegs anderen Quellen, was die Überzeugungskraft des Arguments nicht schmälert und der Verständlichkeit womöglich durchaus zuträglich war.
Medienzar Schirrmacher weiß natürlich um das Problem, dass nur aktuelle Nachrichten kommerziell verwertbare Nachrichten sind; in einer Zeit, in welcher der Newsflow aber nur noch im 6. Gang unterwegs ist, geht es jeder guten Nachricht wie dem Beryllium-Atom: ihre Halbwertszeit ist ultra-kurz - kaum gesehen, ist sie auch schon wieder weg. Medien haben daher ein vitales Interesse daran, den Nachrichtenfluss noch zu beschleunigen, und vor allem kontrovers zu gestalten, um einen hohen Erregungspegel zu erzielen und die Medienkonsumenten “gebannt” zu halten. Luhmann verkürzte das Phänomen auf den Begriff der “Statistischen Normaldepression”, die den modernen Nachrichtenbürger unweigerlich befallen muss: Aufschwung - Abschwung - Glück - Tragödie - Himmel voller Geigen - Scheidungskrieg - Exportweltmeister - Massenarbeitslosigkeit - Rekordhausse - Börsencrash … Wer für einen Augenblick nicht aufmerksam ist, könnte das Ende der Welt verpassen - und das wäre ja wohl zu doof, nicht wahr? Da die Welt aber trotz mehrfacher Ankündigung partout nicht untergehen will und sich der abstürzende intraday-DAX am Handelsende wieder in Bestform zeigt, wird man permanent hin- und hergerissen. Das zerrt an den Nerven, das hinterlässt Spuren, das Gehirn ist im 360-Grad-Winkel permanent erregbar, versagt aber plötzlich bei einfachsten Konzentrationsaufgaben. O-Ton Schirrmacher:
“Jede Tag werde ich mehrmals in den Zustand des falschen Alarms versetzt, mit allem, was dazugehört. Nicht mehr lange, und ich könnte Ehrenmitglied jener wachsenden Gruppe von Japanern werden, die nicht nur systematisch ihre U-Bahn-Station verpassen, sondern mittlerweile auch immer häufiger vergessen, wie die Station überhaupt heißt, an der sie aussteigen müssen.
Kurzum: Ich werde aufgefressen.”
Die Auswirkungen sind aber nicht nur psychisch sondern auch sozial, das romantische Candlelight-Dinner anno 2009 wird unterbrochen durch ständiges Kontrollieren der Blackberries, Kinder beschweren sich über Aufmerksamkeitsdefizite ihrer Eltern - Schirrmacher belegt all dies und mehr immer wieder anhand dutzender Studien und Expertenkommentaren, dabei hat er offenbar keine Kosten und Mühen gescheut, denn die Crème de la Crème des Genres kommt zu Wort, die übliche Danksagung am Ende des Buches liest sich daher wie das “Who is Who” der Computer-, Internet-, und Kommunikationsszene.
Bereits an dieser Stelle sollte der aufgeschlossene Leser überzeugt sein, dass es sich bei Payback um keine Maschinenstürmer-Fibel des Internet-Zeitalters handelt, wie das prominente Rezensenten heftig kritisierten, die offenbar nicht das Buch sprechen lassen wollten, weil sie lieber sich selbst dabei zuhören. Der Vorwurf ist auch insofern an den Haaren herbeigezogen, als Schirrmacher an mehreren Stellen extra betont, dass es ihm genau darum nicht geht, und insbesondere die Schlusskapitel des Werkes die Möglichkeiten hervorheben, die sich aus der Integration des Webs in Schul- und Erwachsenenbildung ergeben.
Eine andere Kernthese des Buches, die offenbar von einigen Rezensenten missverstanden wurde, besagt, dass Computer zunehmend nicht als Abbild menschlicher Bewusstseinsstrukturen funktionieren, sondern im Gegenteil, ihre mechanistisch-mathematische Sicht der Welt dem menschlichen Geist aufoktroyieren. Nolens volens vielleicht wagt sich Schirrmacher hier tief in den Bereich des Konstruktivismus, und kommt an einer der zentralen Stellen des Buches zur gleichen Erkenntnis wie Heinz von Förster: “Wir sehen nicht, was wir nicht sehen”.
Ich will an dieser Stelle nicht anfangen, diesen Gedanken zu explorieren, denn dann fände ich für diese Rezension kein Ende mehr. Aber nur soviel: Wer nach all dem, was wir im Zuge der aktuellen Bankenkrise gehört und gelesen haben, noch an dieser Sichtweise Schirrmachers zweifelt, dem ist meiner Meinung nach nicht zu helfen. Der Grund, warum wir uns seit geraumer Zeit als Menschheit immer öfter immer tiefer in die Scheiße reiten, liegt nicht einfach daran, dass manche ihrer exponierten Vertreter “gierig” oder “kriminell” geworden wären, sondern dass unser Spiel mit dem Feuer des Prometheus sich zunehmend auf eine modellierte Selbstgewissheit stützt, die man nur als nachgerade “problematisch” bezeichnen kann: Ein Modell, das mit einer Handvoll von Parametern gefüttert wird, repräsentiert auch dann nur einen verschwindend geringen Ausschnitt des realen Weltgeschehens, wenn sich unter seiner Motorhaube die leistungsfähigsten Großrechner der Welt verbergen. Die Beschreibung der Welt, die derartige Modelle ausspucken, kann sich daher immer nur aus einer endlichen Menge real möglicher Weltzustände speisen, was bedeutet, dass seine Algorithmus-basierten Schlussfolgerungen häufig ins Leere weisen werden, dorthin, wo gestern noch Tausende von Milliarden an Triple-A-gerateten Schuldverschreibungen standen, aber ups - plötzlich nicht mehr.
Jaja, kennen wir doch schon alles, mag sich jetzt der Eine oder Andere denken - aber weit gefehlt: Schirrmacher präsentiert uns das gleiche Problem in einem ganzen Schwank anderer Disziplinen, zum Beispiel der Medizin und der Zulassungspraxis pharmazeutischer Präparate. Und wer sagt denn, das dort nicht ähnliche Disaster lauern, wie im Finanzgeschäft unlängst in Sachen “Subprime”?
Die Modelle beruhigen, die Algorithmen signalisieren grünes Licht, der Mensch handelt entsprechend, die Dinge werden nicht mehr hinterfragt, das Schicksal nimmt seinen Lauf. Wen würde derartiges nicht in Zuversicht und gute Laune versetzen, wenn er Schirrmachers Buch gerade in 18000 Meter Höhe im Flugzeug liest? “Die Zulassungspraxis von Verkehrsflugzeugen in den letzten Jahrzehnten hat Wetterphänomene in den üblichen Reiseflughöhen nur unzulässig berücksichtigt”, zitierten die Zeitungen gestern aus dem Untersuchungsbericht zum Absturz des Air France-Airbusses neulich vor der südamerikanischen Küste. Wollen wir wetten, dass hinter diesen Zulassungsverfahren eine ganze Reihe von Computermodellen standen, bei denen ganz bestimmte Algorithmen mit ganz bestimmten Parametern gefüttert wurden?
Gehen wir zum Abschluss ans Ende von Schirrmachers Buch: Über die “Zukunft der Bildung” schreibt er da und schildert den revolutionären Lehransatz eines gewissen Michael Wesch, der bei seinen frustrierten und gelangweilten Studenten den “Jagdtrieb nach Informationen” wecken wollte. Dazu konstruierte einen “Smart Mob”, ein kognitives Computermenschenspiel, in dem seine Studenten erlebten, dass der letzte Schritt der Kommunikation im eigenen Kopf, also außerhalb des Computers bzw. des Internets stattfindet. Wie schafft man es zum Beispiel, dass jeder Student vor Semesterbeginn 94 Aufsätze gefunden und gelesen hat? Welsch lies jeden Studenten zunächst 5 Aufsätze lesen, verbunden mit der Aufforderung, danach ein schriftliches Exzerpt auf einer gemeinsamen Website einzustellen, auf die alle Studenten Zugriff hatten. Jedermann konnte also sehen, was der andere schrieb, wie schnell er dabei war, wie gut er beim Abfassen des Textes war usw. Was kam dabei schließlich heraus? Die sechzehn Studenten hatten bis Semesterbeginn nicht nur ihre jeweils eigenen 5 Artikel intus, sondern auch die zentralen Gedanken aller anderen.
“Uns hielt es praktisch nicht auf unseren Stühlen”, schrieb besagter Welsch später in seinen Blog, “Wir verbanden Verbindungen und debattierten Querverweise, wie ich es niemals zuvor in einem Proseminar erlebt habe.” Jaja, werden sich jetzt alle Luhmann-Fans denken, die gute alte Kommunikation… Ich habe einen ganz ähnlichen Prozess übrigens gerade in meinem eigenen Buch geschildert, auch dort geht es darum, dass für alle Beteiligten wesentlich mehr durch Interaktionen, Beobachtungen und Selbstbeobachtungen herauskommt, als bei der Selbstfindung im stillen Kämmerlein, allerdings angewendet auf die Ökonomie, wo es längst unter dem Begriff “Markt” in die Lehrbücher eingezogen ist.
Schirrmacher flechtet noch unzählige andere Gedanken in sein Buch mit ein, alle wie gesagt sehr fundiert unterlegt und allemal dazu geeignet, das eine oder andere “Aha-Erlebnis” auszulösen: Wie frei kann der menschliche Wille eigentlich noch sein? Welche Bedeutung hat das Wort “Zufall” noch in einer datenbankgestützten Netzwelt, in der ausgeklügelte Search- und Match-Algorithmen Querverbindungen herstellen, die einem in der harmlosen Variante bei Amazon sagen, welche Bücher einen interessieren könnten, aber in einer nicht mehr ganz so harmlosen Form womöglich noch ganz andere Dinge?
Ich kann Schirrmachers Buch jedenfalls nur wärmstens empfehlen und hoffe, dass ich den Eindruck etwas zurechtrücken konnte, denn manche Rezensenten in den Medien hinterlassen haben. Payback hat nicht das Geringste mit dem ewigen Kampf des Mannes gegen den Säbelzahntiger oder die Verzweiflung der Holzmedien-Herausgeber angesichts des Internets zu tun. Sondern es ist eine interessante Reise durch moderne Bewusstseinswelten und allem, was sich an Informationstechnik drum herum befindet.
26. Dezember 2009 um 01:00 Uhr
SCHWERER SCHWALST-ANFALL
Wir alle kennen das: E-Mail-Müll und Face-Book-Lasten, das Handy klingelt und auch die Tür, und wenn man gerade mal dringend rein will, bleibt man draußen. Es ist das schwere Computer-Leben, das den Feuilleton-Chef der “Frankfurter Allgemeine”, Frank Schirrmacher, dazu trieb dem ohnehin überfüllten Markt ein Buch namens “Payback” zu übergeben. Und wer, dem Titel folgend, gedacht hat, er bekäme bei Nichtgefallen sein Geld zurück, der irrt. Während der Trend-Fabulierer des “Spiegel” Matthias Matussek, sich eher in der Zielgruppe der Eingebildeten (solche die sich einbilden sie seien gebildet) austobt, hat Schirrmacher die Gruppe der Halbgebildeten vor Augen. Das sind jene armen Menschen, die ganz schön viel wissen, nur leider keine Zusammenhänge erkennen können. Denen will er, kurz vor dem Weihnachtsgeschäft, noch einmal richtig Angst einjagen, damit sie nur ja sein Lebenshilfe-Buch unter ihren und anderer Leute Bäume legen.
So viele Daten, schreibt der Autor: “Ich weiß noch nicht einmal, ob das, was ich weiß, wichtig ist, oder das, was ich vergessen habe, unwichtig ist.” Hielte man ihm entgegen, dass ähnliche Symptome beim Lesen der “FAZ” auch auftreten, käme ihm folgender Satz: “Informationen fressen Aufmerksamkeit, sie ist ihre Nahrung”. Und weil sich schon Darwin, bei einem Zusammentreffen von Bevölkerungsexplosion und Nahrungsmittelknappheit, Sorgen um das Artensterben machte, kommt dem FAZ-Feuilletonisten in den Sinn, dass eine “Informationsexplosion” unsere Art zumindest gefährdet, wenn sie nicht gar ausstirbt. Ein Hinweis sieht er darin, dass “wir alle zunehmend Probleme (haben) ein Buch zu lesen”. Meint `wir wirklich alle oder ist es doch eher der Pluralis majestatis des kleinen Königs der FAZ-Kultur? Und warum schreibt Schirrmacher dann noch ein weiteres? Zudem: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels schreibt, dass die deutschen Verlage in 2008 “zum ersten Mal mehr als eine Milliarde Bücher” produziert haben. Solchen Klüften zwischen Schirrmachers Welt und der Wirklichkeit wird man in seinem Buch noch häufiger begegnen.
Unsere Gehirne veränderten sich unter dem Einfluss der Computer, wir seien “den Dingen” nicht mehr gewachsen, raunt Schirrmacher mit betroffener Schreibe und glaubt: “Nichts ist dafür kennzeichnender als die hilflosen Debatten um Pisa, Bologna, Bildung und lebenslanges Lernen.” Wer eine Lust am Durchblick hat, der erkennt die Schuldigen an der katastrophalen Bildungspolitik schnell: Ein besonders in CDU und FPD kumulierter Aberglaube, man müsse sich nur um die Kinder der besser Verdienenden kümmern. Journalisten, die von den besseren Beispielen in Polen und Finnland nicht berichten wollen. Regierungen, die gerne Geld für die Senkung der Unternehmenssteuern ausgeben, aber in der Bildungsfinanzierung versagen und schließlich Bildungsstätten, die in einem Zustand sind, dass ein feiner Herr wie Frank Schirrmacher sie gar nicht erst betreten würde. Und überall stehen natürlich Computer rum, das muss der Zusammenhang sein, will uns der Journalist glauben machen und blendet jeden politisch-gesellschaftlichen Grund für die Bildungsmisere aus.
“Auch die Bankenkrise”, schreibt der Autor, “hat gezeigt, dass die entscheidenden Fehler im System nicht erkannt werden. “Wer jetzt hofft, Schirrmacher käme nun dem gesellschaftlichen System auf die Schliche, der irrt gründlich. Wieder sind es die Computersysteme, die er für verantwortlich hält. Wenn er mit dem “Taylor-Produktions-System”, der Zerlegung und Kontrolle aller Arbeitsschritte in der Bandmontage, den Anfang der Maschinenherrschaft beschreibt, die uns später die Diktatur der Computer beschert habe, dann wird seine Methode besonders deutlich: Dass es um die Optimierung von Profit geht, damals wie heute, dass es handelnde Menschen sind, Gruppen, die ein Interesse haben, darüber mag der Journalist nicht nachdenken. Da bleibt er doch lieber im Mystischen stehen: Schuld war dieser Taylor, schuld sind diese Computer.
Und wenn man dann denkt, jetzt habe der Autor doch etwas begriffen, jetzt sähe er soziale Zusammenhänge - als er einen Wissenschaftler zitiert, dem die Ungleichheit der Arbeitsumstände zwischen Arm und Reich aufgefallen war - dann landen wir doch wieder auf Schirrmachers beschränkter Festplatte: “Reichtum zeigt sich daran, . . . wie viel Geld man investieren kann, um Ablenkung von sich fernzuhalten.” Der Millionär benutzt kein Handy, keinen Computer? Dann ginge es ihm wie vielen Leuten in Afrika. Die allerdings sind arm. Unbedingt will der Autor alles in dieser Welt auf die Existenz von Computern zurückführen und landet irgendwann bei “YouTube”. Ein Blick auf diese Video-Plattform genüge ihm, um zu begreifen “dass Erfahrungen zunehmend nur gemacht werden, damit man sie digital verarbeiten und verwerten kann.” Am glücklichen Schirrmacher müssen die endlosen Dia-Vorträge der 60er und 70er Jahre vorbeigegangen sein, Ergebnisse von Reisen, die nur gemacht wurden, um sie analog zu verarbeiten. Der Unterschied ist technisch und quantitativ, eine neue Qualität ist nicht auszumachen.
Irgendwann entdeckt der FAZ-Mann dann auch noch den göttlichen Algorithmus: Wenn unsere Daten auf der Kaufplattform Amazon, mit denen unserer Autovermietung, den Krankenkassen- und Bankdaten vernetzt werden, dann sind wir ganz und gar transparent: “Die Verwandlung des Menschen in Mathematik” begänne. Käme dem Autor endlich der Innenminister in den Sinn, dann wüsste er, das es nie die Maschinen oder die Methoden sind, die wir zu fürchten haben. Vom verratenen Beichtgeheimnis bis zur Datenvorratsspeicherung: Es sind die schnüffelnden Menschen, die wir im Auge haben müssen, auch und gerade, wenn die Technik ihnen immer bessere Beobachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt.
Im Buch treffen wir dann noch auf das als gefährlich eingeschätzte “google ranking”, das den Informationen eine “Art Sozialprestige” verschafft. Als würde die gerankte Auflage der “FAZ” nicht zur selben Aufwertung von Informationen führen, deren wirklicher Wert zuweilen recht fraglich sind. Auch die Schirrmacher-Weisheit, dass bei der Jagd auf Informationen im Netz auch immer blödes Zeug zu finden ist, also ein “Minus-Geschäft” gemacht werden kann, hat alltägliches: Der Mann, den so etwas ängstigt, darf sich auf keinen Fall mit einem der Stammgäste aus der Kneipe an der Ecke reden. Irgendwann, gegen Ende des Buches, wenn der Leser viel Schwallst (notwendig neues Wort für einen heftigen Schwall von Schwulst) abgearbeitet hat, kommen dann auch noch die Hinweise dafür “wir wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen können”. Das einfachste wäre natürlich auf den Aus-Knopf an all den schönen elektronischen Geräten hinzuweisen, das aber produziert keine Druck-Seiten. Also pisst Schirrmacher weiter Buchstaben für Buchstaben in den Schnee und wir können nur hoffen, dass der Tau bald alles ausgelöscht hat.
26. Dezember 2009 um 01:00 Uhr
PAYBACK-Rezension auf weissgarnix.de
Frank Schirrmachers neues Buch “Payback” wirft eine Menge Fragen auf. Interessante Fragen und weniger interessante, zum Beispiel die, warum sich so viele Leute dazu berufen fühlen, auf einen Text hin “Gegenpositionen” zu veröffentlichen, den sie offenbar nicht gelesen haben; und warum sich Medien wie der SPIEGEL dann auch noch dazu herablassen, derlei halbseidenes Säbelzahntiger-Geschwafel in proto-intellektueller Weihnachtsverpackung abzudrucken. Dass sich eine wie üblich nicht gut informierte Klatschbrigade aus dem schrill-bunten Webwanderzirkus einfinden würde, um den vermeintlich jüngsten Angriff auf das Netz durch einen prominenten Zunftmeister des Holzmedien-Gewerbes abzuwehren, war dann allerdings wieder absolut vorhersehbar.
Ich habe das Buch gestern zu Ende gelesen, widerwillig, wie ich ehrlich zugebe, denn aus Gründen die hier mittlerweile bekannt sein sollten, stand Payback nicht auf meiner Leseliste und fehlt mir für Nebenbei-Lektüre derzeit wirklich die Zeit. Der Grund warum ich es doch tat, liegt nicht in meiner Freundschaft zu Schirrmacher oder dem Umstand, dass wir demnächst ein Werk gemeinsam herausgeben; diejenigen unter meinen Lesern, die ihr umfangreiches Wissen um die großen Weltzusammenhänge gerne aus unkomplizierten, eingängigen Wahrheiten zusammensetzen, mögen das von mir aus glauben; allen anderen sei gesagt, dass Schirrmacher meiner ehrlichen Meinung nach gute und schlechte Bücher geschrieben hat, und ginge es ausschließlich danach, wie ich zu seiner Bestseller-Schreibe stehe, dann wären wir vermutlich keine Freunde mehr.
Der Grund, warum ich mir Payback schließlich doch vornahm, lag in den eingangs vom bildungsbürgerlichen Straßenrand aufgelesenen Statements der Netz-Schickeria, die mit dem, was mir Schirrmacher in persönlichen Gesprächen erzählte, er in seinem Buch behandeln wollte, schlicht und ergreifend nicht das Geringste zu tun hatten. Ich wurde also neugierig.
Heraus kamen ein paar Stunden mit einer wirklich exzellenten Abhandlung über das kognitive Leben und Erleben an der Schwelle zum dritten Jahrtausend. Ich kann ohne Anflug bewusster Lobhudelei behaupten, Payback ist Schirrmachers bislang bestes Buch und besticht gegenüber Vorgänger “Minimum”, den ich persönlich für sehr flach geraten hielt, durch eine geradezu dramatische explorative Vertiefung. “Zu viel Information” ist eines der Themen des Buches - ein Abgrund, über den auch Schirrmacher stellenweise nur auf dem sprichwörtlichen Drahtseil wandelt.
Doch genug der Vorrede - worum geht’s?
Schirrmacher wählt einen Einstieg, der Stammlesern dieses Blogs bekannt sein sollte: Die Temporalisierung der Gesellschaft nimmt zu, das Leben wird zu einer einzigen Realtime-Applikation, die Angst, man könnte was verpassen, greift um sich, die Hersteller von Pagern, Blackberrys, Communicators und iPhones erleben ihre Heydays, die Welt, die man gestern noch häppchenweise im 24-Stunden-Takt aus Zeitung und Tagesschau erlebte, ergießt sich nun über einen als einzigartiger Newsfeed, ohne Anfang, Ende oder Pause zwischendurch. Nur die oberste Zeile im RSS-Stream ist eine interessante Nachricht, schon die Zeile unmittelbar davor ist Schnee von gestern und ein ungeschriebenes Gesetz der elektronischen Konnektivität besagt, dass eine Email, auf die nicht binnen 48 Stunden reagiert wird, niemals mehr Beantwortung finden wird. Schirrmacher, der mir gegenüber stets behauptet, er habe von Luhmann keine Ahnung, präsentiert uns hier zentrale Gedanken aus dessen “Realität der Massenmedien” - und zwar in Reinkultur. Luhmann münzte die Phrase von der “Gegenwart, die nur noch als Umschlagspunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft” ihre Berechtigung habe, und auf exakt gleichem Gedanken ruht auch ein guter Teil von Schirrmachers Argumentation. Dabei wird man den Namen Luhmanns im Personenregister vergeblich suchen, auch den von Schülern wie Elena Esposito oder Soziologen wie Reinhart Koselleck, die sich mit Fragen von Temporalisierung und Zeitsemantik an prominenter Stelle auseinandergesetzt haben - Schirrmacher speist seine Geschichte aus durchwegs anderen Quellen, was die Überzeugungskraft des Arguments nicht schmälert und der Verständlichkeit womöglich durchaus zuträglich war.
Medienzar Schirrmacher weiß natürlich um das Problem, dass nur aktuelle Nachrichten kommerziell verwertbare Nachrichten sind; in einer Zeit, in welcher der Newsflow aber nur noch im 6. Gang unterwegs ist, geht es jeder guten Nachricht wie dem Beryllium-Atom: ihre Halbwertszeit ist ultra-kurz - kaum gesehen, ist sie auch schon wieder weg. Medien haben daher ein vitales Interesse daran, den Nachrichtenfluss noch zu beschleunigen, und vor allem kontrovers zu gestalten, um einen hohen Erregungspegel zu erzielen und die Medienkonsumenten “gebannt” zu halten. Luhmann verkürzte das Phänomen auf den Begriff der “Statistischen Normaldepression”, die den modernen Nachrichtenbürger unweigerlich befallen muss: Aufschwung - Abschwung - Glück - Tragödie - Himmel voller Geigen - Scheidungskrieg - Exportweltmeister - Massenarbeitslosigkeit - Rekordhausse - Börsencrash … Wer für einen Augenblick nicht aufmerksam ist, könnte das Ende der Welt verpassen - und das wäre ja wohl zu doof, nicht wahr? Da die Welt aber trotz mehrfacher Ankündigung partout nicht untergehen will und sich der abstürzende intraday-DAX am Handelsende wieder in Bestform zeigt, wird man permanent hin- und hergerissen. Das zerrt an den Nerven, das hinterlässt Spuren, das Gehirn ist im 360-Grad-Winkel permanent erregbar, versagt aber plötzlich bei einfachsten Konzentrationsaufgaben. O-Ton Schirrmacher:
“Jede Tag werde ich mehrmals in den Zustand des falschen Alarms versetzt, mit allem, was dazugehört. Nicht mehr lange, und ich könnte Ehrenmitglied jener wachsenden Gruppe von Japanern werden, die nicht nur systematisch ihre U-Bahn-Station verpassen, sondern mittlerweile auch immer häufiger vergessen, wie die Station überhaupt heißt, an der sie aussteigen müssen.
Kurzum: Ich werde aufgefressen.”
Die Auswirkungen sind aber nicht nur psychisch sondern auch sozial, das romantische Candlelight-Dinner anno 2009 wird unterbrochen durch ständiges Kontrollieren der Blackberries, Kinder beschweren sich über Aufmerksamkeitsdefizite ihrer Eltern - Schirrmacher belegt all dies und mehr immer wieder anhand dutzender Studien und Expertenkommentaren, dabei hat er offenbar keine Kosten und Mühen gescheut, denn die Crème de la Crème des Genres kommt zu Wort, die übliche Danksagung am Ende des Buches liest sich daher wie das “Who is Who” der Computer-, Internet-, und Kommunikationsszene.
Bereits an dieser Stelle sollte der aufgeschlossene Leser überzeugt sein, dass es sich bei Payback um keine Maschinenstürmer-Fibel des Internet-Zeitalters handelt, wie das prominente Rezensenten heftig kritisierten, die offenbar nicht das Buch sprechen lassen wollten, weil sie lieber sich selbst dabei zuhören. Der Vorwurf ist auch insofern an den Haaren herbeigezogen, als Schirrmacher an mehreren Stellen extra betont, dass es ihm genau darum nicht geht, und insbesondere die Schlusskapitel des Werkes die Möglichkeiten hervorheben, die sich aus der Integration des Webs in Schul- und Erwachsenenbildung ergeben.
Eine andere Kernthese des Buches, die offenbar von einigen Rezensenten missverstanden wurde, besagt, dass Computer zunehmend nicht als Abbild menschlicher Bewusstseinsstrukturen funktionieren, sondern im Gegenteil, ihre mechanistisch-mathematische Sicht der Welt dem menschlichen Geist aufoktroyieren. Nolens volens vielleicht wagt sich Schirrmacher hier tief in den Bereich des Konstruktivismus, und kommt an einer der zentralen Stellen des Buches zur gleichen Erkenntnis wie Heinz von Förster: “Wir sehen nicht, was wir nicht sehen”.
Ich will an dieser Stelle nicht anfangen, diesen Gedanken zu explorieren, denn dann fände ich für diese Rezension kein Ende mehr. Aber nur soviel: Wer nach all dem, was wir im Zuge der aktuellen Bankenkrise gehört und gelesen haben, noch an dieser Sichtweise Schirrmachers zweifelt, dem ist meiner Meinung nach nicht zu helfen. Der Grund, warum wir uns seit geraumer Zeit als Menschheit immer öfter immer tiefer in die Scheiße reiten, liegt nicht einfach daran, dass manche ihrer exponierten Vertreter “gierig” oder “kriminell” geworden wären, sondern dass unser Spiel mit dem Feuer des Prometheus sich zunehmend auf eine modellierte Selbstgewissheit stützt, die man nur als nachgerade “problematisch” bezeichnen kann: Ein Modell, das mit einer Handvoll von Parametern gefüttert wird, repräsentiert auch dann nur einen verschwindend geringen Ausschnitt des realen Weltgeschehens, wenn sich unter seiner Motorhaube die leistungsfähigsten Großrechner der Welt verbergen. Die Beschreibung der Welt, die derartige Modelle ausspucken, kann sich daher immer nur aus einer endlichen Menge real möglicher Weltzustände speisen, was bedeutet, dass seine Algorithmus-basierten Schlussfolgerungen häufig ins Leere weisen werden, dorthin, wo gestern noch Tausende von Milliarden an Triple-A-gerateten Schuldverschreibungen standen, aber ups - plötzlich nicht mehr.
Jaja, kennen wir doch schon alles, mag sich jetzt der Eine oder Andere denken - aber weit gefehlt: Schirrmacher präsentiert uns das gleiche Problem in einem ganzen Schwank anderer Disziplinen, zum Beispiel der Medizin und der Zulassungspraxis pharmazeutischer Präparate. Und wer sagt denn, das dort nicht ähnliche Disaster lauern, wie im Finanzgeschäft unlängst in Sachen “Subprime”?
Die Modelle beruhigen, die Algorithmen signalisieren grünes Licht, der Mensch handelt entsprechend, die Dinge werden nicht mehr hinterfragt, das Schicksal nimmt seinen Lauf. Wen würde derartiges nicht in Zuversicht und gute Laune versetzen, wenn er Schirrmachers Buch gerade in 18000 Meter Höhe im Flugzeug liest? “Die Zulassungspraxis von Verkehrsflugzeugen in den letzten Jahrzehnten hat Wetterphänomene in den üblichen Reiseflughöhen nur unzulässig berücksichtigt”, zitierten die Zeitungen gestern aus dem Untersuchungsbericht zum Absturz des Air France-Airbusses neulich vor der südamerikanischen Küste. Wollen wir wetten, dass hinter diesen Zulassungsverfahren eine ganze Reihe von Computermodellen standen, bei denen ganz bestimmte Algorithmen mit ganz bestimmten Parametern gefüttert wurden?
Gehen wir zum Abschluss ans Ende von Schirrmachers Buch: Über die “Zukunft der Bildung” schreibt er da und schildert den revolutionären Lehransatz eines gewissen Michael Wesch, der bei seinen frustrierten und gelangweilten Studenten den “Jagdtrieb nach Informationen” wecken wollte. Dazu konstruierte einen “Smart Mob”, ein kognitives Computermenschenspiel, in dem seine Studenten erlebten, dass der letzte Schritt der Kommunikation im eigenen Kopf, also außerhalb des Computers bzw. des Internets stattfindet. Wie schafft man es zum Beispiel, dass jeder Student vor Semesterbeginn 94 Aufsätze gefunden und gelesen hat? Welsch lies jeden Studenten zunächst 5 Aufsätze lesen, verbunden mit der Aufforderung, danach ein schriftliches Exzerpt auf einer gemeinsamen Website einzustellen, auf die alle Studenten Zugriff hatten. Jedermann konnte also sehen, was der andere schrieb, wie schnell er dabei war, wie gut er beim Abfassen des Textes war usw. Was kam dabei schließlich heraus? Die sechzehn Studenten hatten bis Semesterbeginn nicht nur ihre jeweils eigenen 5 Artikel intus, sondern auch die zentralen Gedanken aller anderen.
“Uns hielt es praktisch nicht auf unseren Stühlen”, schrieb besagter Welsch später in seinen Blog, “Wir verbanden Verbindungen und debattierten Querverweise, wie ich es niemals zuvor in einem Proseminar erlebt habe.” Jaja, werden sich jetzt alle Luhmann-Fans denken, die gute alte Kommunikation… Ich habe einen ganz ähnlichen Prozess übrigens gerade in meinem eigenen Buch geschildert, auch dort geht es darum, dass für alle Beteiligten wesentlich mehr durch Interaktionen, Beobachtungen und Selbstbeobachtungen herauskommt, als bei der Selbstfindung im stillen Kämmerlein, allerdings angewendet auf die Ökonomie, wo es längst unter dem Begriff “Markt” in die Lehrbücher eingezogen ist.
Schirrmacher flechtet noch unzählige andere Gedanken in sein Buch mit ein, alle wie gesagt sehr fundiert unterlegt und allemal dazu geeignet, das eine oder andere “Aha-Erlebnis” auszulösen: Wie frei kann der menschliche Wille eigentlich noch sein? Welche Bedeutung hat das Wort “Zufall” noch in einer datenbankgestützten Netzwelt, in der ausgeklügelte Search- und Match-Algorithmen Querverbindungen herstellen, die einem in der harmlosen Variante bei Amazon sagen, welche Bücher einen interessieren könnten, aber in einer nicht mehr ganz so harmlosen Form womöglich noch ganz andere Dinge?
Ich kann Schirrmachers Buch jedenfalls nur wärmstens empfehlen und hoffe, dass ich den Eindruck etwas zurechtrücken konnte, denn manche Rezensenten in den Medien hinterlassen haben. Payback hat nicht das Geringste mit dem ewigen Kampf des Mannes gegen den Säbelzahntiger oder die Verzweiflung der Holzmedien-Herausgeber angesichts des Internets zu tun. Sondern es ist eine interessante Reise durch moderne Bewusstseinswelten und allem, was sich an Informationstechnik drum herum befindet.
30. Dezember 2009 um 11:34 Uhr
PAYBACK
Ich habe mit dem Buch viel Freude geschenkt und mein Mann hat es begeistert gelesen.
30. Dezember 2009 um 11:34 Uhr
Sein Geld nicht wert
Ein Buch, das nicht wirklich neue Erkenntnisse bringt. Dass man unkonzentriert ist, wenn man zu viele Dinge auf einmal tut ist nicht erst seit google, twitter und facebook bekannt. Ob man Informationen über sich bei facebook oder studivz bekannt gibt, ist jedem selbst überlassen und nicht von Maschinen aufgezwungen. So kann es einem aber vorkommen, wenn man das Buch liest. Eine Kaufempfehlung wird dargestellt, als würde nicht mehr der Mensch selbst darüber bestimmen, ob er nun auf kaufen klickt oder nicht.
Aus der Tatsache, dass man mit Hirnstrommessungen herausfinden kann, auf welches Hauptwort eine Person gerade blickt, leitet er die kühne These ab, dass man zwischen Hirn und Computer bald nicht mehr unterscheiden könne. Das spricht doch für sich.
Insgesamt eine recht langweilige, unkreative und teilweise übertriebene Aneinanderreihung von “Studien amerikanischer Forscher”.
Den zweiten Stern gibt es von mir lediglich dafür, dass es vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken über seinen Medienkonsum und den Umgang mit dem “Zeitfresser Computer” anregt.
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
Ach Schirmi….
Wir behalten die Kontrolle über unser Denken, indem wir z.B. um Schirrmachers Bücher einen Bogen machen. Und wer Probleme hat, seine E-Mails zu bewältigen, schafft es wahrscheinlich auch nicht, seinen Fernseher auf den Müll zu werfen.
Das sind die gleichen Leute, die sich wundern, daß ihre Kinder, Verzeihung, `’Kids’, den ganzen Tag im Internet rumwurschteln und mit der fadenscheinigen Ausrede kommen, daß man es ihnen ja nicht verbieten könne, weil wir im Computer-Zeitalter leben.
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
Ach Schirmi….
Wir behalten die Kontrolle über unser Denken, indem wir z.B. um Schirrmachers Bücher einen Bogen machen. Und wer Probleme hat, seine E-Mails zu bewältigen, schafft es wahrscheinlich auch nicht, seinen Fernseher auf den Müll zu werfen.
Das sind die gleichen Leute, die sich wundern, daß ihre Kinder, Verzeihung, `’Kids’, den ganzen Tag im Internet rumwurschteln und mit der fadenscheinigen Ausrede kommen, daß man es ihnen ja nicht verbieten könne, weil wir im Computer-Zeitalter leben.
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
Standardwerk
Gehören wir nicht alle zu den von Schirrmacher angesprochenen Messies des Datenzeitalters? Wohlfeil, ihm vorzuwerfen, er soll doch den Computer ausmachen. PAYBACK bietet für mich: sowohl eine schlüssige und unterhaltsame Einführung in ein Kommunikationszeitalter, das wir doch so vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hätten. Außerdem zeigt das Buch sehr deutlich die Gefahren einer Überwachungssgesellschaft auf, gegen die sich die hysterisch gefürchtete Volkszählung aus den 80er Jahren lächerlich harmlos gestaltete. Schirrmacher erscheint mir hingegen nicht hysterisch- sondern deutlich. Auch gibt er deutlich und konstruktive Hinweise darauf, wie wir mit dem WWW so umgehen können, dass wir es kontrollieren, und nich es uns. Ich kann PAYBAYCK sehr empfehlen!
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
Standardwerk
Gehören wir nicht alle zu den von Schirrmacher angesprochenen Messies des Datenzeitalters? Wohlfeil, ihm vorzuwerfen, er soll doch den Computer ausmachen. PAYBACK bietet für mich: sowohl eine schlüssige und unterhaltsame Einführung in ein Kommunikationszeitalter, das wir doch so vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hätten. Außerdem zeigt das Buch sehr deutlich die Gefahren einer Überwachungssgesellschaft auf, gegen die sich die hysterisch gefürchtete Volkszählung aus den 80er Jahren lächerlich harmlos gestaltete. Schirrmacher erscheint mir hingegen nicht hysterisch- sondern deutlich. Auch gibt er deutlich und konstruktive Hinweise darauf, wie wir mit dem WWW so umgehen können, dass wir es kontrollieren, und nich es uns. Ich kann PAYBAYCK sehr empfehlen!
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
Unglaublich - was für ein Geschwaller.
Eigentlich verdient dieses Buch keine Rezension, und deshalb fasse ich mich hier kurz:
Kauft, verschenkt, lest dieses Buch nicht. Es ist es nicht wert.
Ich schließe mich meinen ehrlich kritischen Vorrezensenten an und kann nicht verstehen, wie jemand, der dieses hohle Geschwaller über sich hat ergehen lassen, hier eine positive oder auch nur mittelmäßige Bewertung abgeben kann; vermutlich haben diejenigen es nicht gelesen. Ich habe immerhin die Hälfte ertragen, spare mir aber den Rest.
Andere Werke des Autors habe ich nicht gelesen; man fragt sich, wie jemand, der angeblich Träger verschiedener Literaturpreise und Auszeichnungen ist, so einen Unsinn verzapfen kann. Ich kann mir das nur so erklären, dass hier nicht der auf dem Cover genannte Scribent tätig war, sondern dass dieser, rechtzeitig zum Feste der Liebe, hat schreiben lassen. Man mag ja Rechtschreibfehler und sogar inhaltliche Irrungen verzeihen, wenn wenigstens die Essenz des Geschriebenen erkennbar ist - mir erschließt sich diese aber nicht, nicht wirklich.
Also: Tut euch das nicht an.
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
Unglaublich - was für ein Geschwaller.
Eigentlich verdient dieses Buch keine Rezension, und deshalb fasse ich mich hier kurz:
Kauft, verschenkt, lest dieses Buch nicht. Es ist es nicht wert.
Ich schließe mich meinen ehrlich kritischen Vorrezensenten an und kann nicht verstehen, wie jemand, der dieses hohle Geschwaller über sich hat ergehen lassen, hier eine positive oder auch nur mittelmäßige Bewertung abgeben kann; vermutlich haben diejenigen es nicht gelesen. Ich habe immerhin die Hälfte ertragen, spare mir aber den Rest.
Andere Werke des Autors habe ich nicht gelesen; man fragt sich, wie jemand, der angeblich Träger verschiedener Literaturpreise und Auszeichnungen ist, so einen Unsinn verzapfen kann. Ich kann mir das nur so erklären, dass hier nicht der auf dem Cover genannte Scribent tätig war, sondern dass dieser, rechtzeitig zum Feste der Liebe, hat schreiben lassen. Man mag ja Rechtschreibfehler und sogar inhaltliche Irrungen verzeihen, wenn wenigstens die Essenz des Geschriebenen erkennbar ist - mir erschließt sich diese aber nicht, nicht wirklich.
Also: Tut euch das nicht an.
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
Warum schreibt Schirrmacher dieses Buch ?
Ich habe diese Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen und war nach dem ersten Kapitel begeistert. Denn ich gehöre -wie so viele- auch zu den Opfern, die sich täglich durch 80 Emails lesen und etwa 30 Emails schreiben müssen. Nach der ersten, vernünftigen Bilanz, die wahrscheinlich viele Leute teilen, verstrickt sich der Autor dann allerdings in ziemlich wüste Thesen und versucht auf eine recht künstliche Art und Weise sein Feindbild den Computer” auszumachen.
Das Buch ist voll von Zitaten, die recht unsortiert aneinander gereiht sind, und die dann zu manchmal haarsträubenden Schlussfolgerungen benutzt werden, um ein Katastrophenszenario zu rechtfertigen. Die Katastrophe nach Schirrmacher sieht ungefähr so aus:
· Multitasking ist Körperverletzung
· Das Denken wird auf den Computer ausgelagert
· Aufmerksamkeitsverlust durch Reizüberflutung
· Und dann kommt das Das Ende der Einsicht”
Ein Beispiel aus dem Zitatendschungel: Erst waren es nur Taschenrechner, die uns das Kopfrechnen abnahmen…”, (das fand der Autor noch nützlich) aber dann wird der Preisgekrönte Mathematiker Steven Strogartz zitiert: Zwar können im Bereich der angewandten Mathematik die Mathematiker bei besonderen Beweisführungen noch feststellen, ob die Ergebnisse stimmen oder nicht, aber sie können nicht mehr verstehen, warum das so ist.” Und dann: Die Mathematik wird zu einem reinen Zuschauersport selbst der klügste Mathematiker kann nur noch beobachten, was der Computer berechnet, und sich seinen Resultaten anschließen” Vier Seiten weiter (und nach vielen neuen Zitaten) kommt Schirrmacher dann zu seinen Fazit: In der nächsten Generation des Internets wird… …was wir wollen und welche Ergebnisse aus welchen Gedanken folgen, an die Maschine delegiert werden und dann geschieht was Strogatz bereits in der Mathematik beobachtet: Denken wird zum Zuschauersport”. Das ist Abracadantesque !!!!
Aber warum schreibt ein anerkannter und intelligenter Autor so etwas zusammen? Nach meiner Meinung könnte es dafür zwei Gründe geben:
1. Frank Schirrmacher ist als Herausgeber der FAZ eines der Opfer des Internets. Die heutige Medienlandschaft ist in einem enormen Umbruch und in diesem Prozess sind die großen und renommierten Tageszeitungen, wie die FAZ, SZ, die Welt, etc., vom Untergang bedroht. Und Frank Schirrmacher hat das verstanden und er weiß auch warum: Die Leser werden durch Informationsüberfluss und Unwichtiges vom kaufen der FAZ abgehalten. Dass Schirrmacher, das für ungerecht hält ist verständlich, aber er sollte nicht seine persönlichen Ängste als Zeitungsmacher auf den
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
Warum schreibt Schirrmacher dieses Buch ?
Ich habe diese Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen und war nach dem ersten Kapitel begeistert. Denn ich gehöre -wie so viele- auch zu den Opfern, die sich täglich durch 80 Emails lesen und etwa 30 Emails schreiben müssen. Nach der ersten, vernünftigen Bilanz, die wahrscheinlich viele Leute teilen, verstrickt sich der Autor dann allerdings in ziemlich wüste Thesen und versucht auf eine recht künstliche Art und Weise sein Feindbild den Computer” auszumachen.
Das Buch ist voll von Zitaten, die recht unsortiert aneinander gereiht sind, und die dann zu manchmal haarsträubenden Schlussfolgerungen benutzt werden, um ein Katastrophenszenario zu rechtfertigen. Die Katastrophe nach Schirrmacher sieht ungefähr so aus:
· Multitasking ist Körperverletzung
· Das Denken wird auf den Computer ausgelagert
· Aufmerksamkeitsverlust durch Reizüberflutung
· Und dann kommt das Das Ende der Einsicht”
Ein Beispiel aus dem Zitatendschungel: Erst waren es nur Taschenrechner, die uns das Kopfrechnen abnahmen…”, (das fand der Autor noch nützlich) aber dann wird der Preisgekrönte Mathematiker Steven Strogartz zitiert: Zwar können im Bereich der angewandten Mathematik die Mathematiker bei besonderen Beweisführungen noch feststellen, ob die Ergebnisse stimmen oder nicht, aber sie können nicht mehr verstehen, warum das so ist.” Und dann: Die Mathematik wird zu einem reinen Zuschauersport selbst der klügste Mathematiker kann nur noch beobachten, was der Computer berechnet, und sich seinen Resultaten anschließen” Vier Seiten weiter (und nach vielen neuen Zitaten) kommt Schirrmacher dann zu seinen Fazit: In der nächsten Generation des Internets wird… …was wir wollen und welche Ergebnisse aus welchen Gedanken folgen, an die Maschine delegiert werden und dann geschieht was Strogatz bereits in der Mathematik beobachtet: Denken wird zum Zuschauersport”. Das ist Abracadantesque !!!!
Aber warum schreibt ein anerkannter und intelligenter Autor so etwas zusammen? Nach meiner Meinung könnte es dafür zwei Gründe geben:
1. Frank Schirrmacher ist als Herausgeber der FAZ eines der Opfer des Internets. Die heutige Medienlandschaft ist in einem enormen Umbruch und in diesem Prozess sind die großen und renommierten Tageszeitungen, wie die FAZ, SZ, die Welt, etc., vom Untergang bedroht. Und Frank Schirrmacher hat das verstanden und er weiß auch warum: Die Leser werden durch Informationsüberfluss und Unwichtiges vom kaufen der FAZ abgehalten. Dass Schirrmacher, das für ungerecht hält ist verständlich, aber er sollte nicht seine persönlichen Ängste als Zeitungsmacher auf den
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
plakativ aber gut
Frank schirrmacher schreibt wie immer interessant, plakativ, nicht besonders tiefgehend, aber gut und leicht zu lesen. Mein Urteil: empfehlenswert
3. Januar 2010 um 20:51 Uhr
plakativ aber gut
Frank schirrmacher schreibt wie immer interessant, plakativ, nicht besonders tiefgehend, aber gut und leicht zu lesen. Mein Urteil: empfehlenswert
8. Januar 2010 um 08:34 Uhr
Es hätte gereicht ein Interview des Autors zu hören …
Frank Schirrmacher hat mit “Payback” zum wiederholten Mal ein Gespür für die Megathemen unserer Zeit bewiesen. Wie verändert sich unser (Alltags)leben durch die modernen Kommunikationsmethoden und inwieweit sollten bzw. können wir Einfluß auf die Richtung und das Ausmaß dieser Veränderungen nehmen. “Payback” hat es in kürzester Zeit auf die vorweihnachtlichen Bestseller-Listen geschafft, u.a. auch durch eine sehr gelungene mediale Untermalung. Ich bin selber durch mehrere sehr interessante Fernsehauftritte des Autors auf dieses Buch aufmerksam geworden. Leider mußte ich beim Lesen des Buches dann aber feststellen, dass sich der Inhalt des Buches in einem 30-minütigen Fernsehinterview bereits vollständig erschöpft und ich in der gedruckten “Langfassung” dann kaum noch neue Informationen oder Gedanken gefunden habe. Ein wenig hat mich diese Situation an einen Kinofilm erinnert, bei dem der Werbetrailer bereits alle Filmhighlights vorwegnimmt.
Die Kernaussagen des Buches lassen sich kurz zusammenfassen: Das Internet und die sonstigen neuen Informationsmedien haben unser Leben genausostark verändert, wie die Industrialisierung das Arbeitsleben am Beginn des ketzten Jahrhunderts. Multitasking, Informationsoverflow etc. führen zur Gefahr den “modernen Menschen” nicht nur im alltag zu überfordern, sondern ihn auch in der Ausübung seiner eigentlichen Kernkompetenzen (Kreativität, abwägendes Beurteilen, Spontanität) zu schwächen. Schirrmacher führt einige sehr plastische Beispiele an. Insgesamt bleibt er mir aber zu sehr im Leitartikel-Stil, d.h. die jeweiligen Kapitel sind wenig strukturiert. Die Darstellung von Fakten und Beispielen ist nicht abgegrenzt von der Kommentierung. Er springt zwischen den Thesen und streut häppchenweise Zitate ein, ohne die Gedanken dann wirklich einmal detailliert zu entwickeln. Der Stil dieses Buches hat mich tatsächlich an die Nutzung des Internets erinnert: Man klickt sich relativ schnell durch gut lesbare, kurze Abschnitte deren Informationen zum Teil überlappend sind, so dass sich dann mosaikartig so etwas wie ein Gesamtbild zusammensetzt. Dieses Gesamtkunstwerk erinnert aber eher an einen sehr grob gewebten Flickenteppich.
Insgesamt kommentiert Schirrmacher mehr als er wirkliche “Beweise” für seine Thesen anführt. Neben einigen wirklich augenscheinlichen Beobachtungen bzw. Studienergebnissen führt er zumeist Zitate von Experten unterschiedlichsten Fach-Hintergrunds an. Diese Form der Beweisführung halte ich - als Naturwissenschaftler - für sehr fragwürdig. Ich hätte mir gewünscht, dass Schirrmacher etwas mehr Rohdaten aufführt, so dass dem Leser auch die Möglichkeit gegeben wird, zu einer eigenen Einschätzung zu kommen. Die überzeugensten Buchpassagen sind aus meiner Sicht genau diejenigen, in denen Schirrmacher weniger kommentiert sondern vielmehr Studien im Detail zusammenfaßt und in einen Kontext stellt. Diese Herangehensweise hätte ich mir als Grundtenor des Buches gewünscht.
Ein Stück weit ist der Autor mit seinem Buch auch in die (im Buch selber beschriebene) Powerpoint-Falle getreten, indem er stark vereinfacht und sich auf griffige (kurze) Statements konzentriert und diesem Wunsch nach guter Lesbarkeit (in Form gut verdaubarer “read bites”) dann die harten (und eventuell nicht so logisch-linearen) Fakten geopfert hat. Z.B. führt Schirrmacher immer wieder die Problematik der Algorithmen auf, die von Suchmaschinen wie Google genutzt werden und dadurch das Ergebnis präjudizieren bzw. die Ergebnisse vorfiltern basierend auf Prinzipien die den Sucher somit in seiner Entscheidungsfreiheit beschränken. Dieses ist in der Tat eine der völlig unterschätzen Gefahren im Google-Zeitalter, allerdings hätte sich Schirrmacher tatsächlich die Mühe machen müssen, etwas genauer auf die Basis dieser Algorithmen einzugehen anstatt immer diffus von mathematischen Funktionen zu sprechen. Man hat den Eindruck, dass der Autor einem möglichen Massenpublikum nicht zuviele Details zumuten wollte, schon gar nicht wenn diese mathematischer Natur sind. Der Erfolg der Bücher Stephen Hawkings zeigt aber, dass dieses durchaus möglich ist.
Formal ist das Buch in zwei Hauptabschnitte untergliedert: Einem ersten, das Problem beschreibenden Teil, sowie einem zweiten Teil der Lösungsansätze umfassen soll (aber nur rudimentär tut). Ich hätte mir gewünscht, dass auch im zweiten Teil Schirrmacher mehr fokussiert und konkret wird. Auch hier fühlte ich mich zu sehr an Leitartikel erinnert, die in der Regel sich in allgemein gültigen Lösungsvorschlägen erschöpfen und sich zu selten intellektuell auf die tatsächlichen Mühen der Eben einlassen.
Insgesamt vergebe ich 2 Sterne.
8. Januar 2010 um 08:34 Uhr
Eine ausgewogene Auseinandersetzung
Ein Beispiel für guten Journalismus. Frank Schirrmacher fasst die aktuelle Diskussion zum Thema Multitasking zusammen und bringt eigene Gedanken mit ein. Dem Vorwurf der Technikfeindlichkeit, der auch in anderen Rezensionen laut wird, begegnet er geschickt. Der Vorwurf der Faselei ist ebenfalls unbegründet. Ich habe das Buch ein zweites Mal überflogen und die für mich wesentlichen Gedanken markiert - da wird ein roter Faden sichtbar.
8. Januar 2010 um 08:34 Uhr
Für mich ein nützliches Buch
Offenbar polarisiert “Payback”. Für mich war es jedenfalls von vorne bis hinten hoch lesenswert und ich habe mir viele Stellen markiert. Im Buch trägt Frank Schirrmacher seine Beobachtungen und Recherchen zusammen, darüber wie Informationstechnologie unsere Leben verändert. Dabei weist er auf zahlreiche Risiken hin. So z.B. darauf wie der anhaltende Versuch Multitasking auszuüben den Menschen zermürbt. Die Schlaglichter auf Technologie-Risiken mögen technophilen Menschen sauer aufstoßen. Aus Technophilie aber nun vornehmlich Haare in der Suppe zu suchen oder seine Arbeit gar zurück zu weisen halte ich für ungültig.
Kritisieren ist immer einfacher als selber machen, dennoch mag ich anmerken, dass das Buch journalistisch gemacht ist - Recherche, Beobachtungen und kurze Gedankengänge. Herrn Schirrmachers Schlüsse darf man teils mit einem Körnchen Salz betrachten.
Mir scheint klar, dass unsere Kultur sich langsamer entwickelt als das Feuerwerk neuer Technologien. Schirrmacher zeigt dies anhand vieler Belege auf. Ich verstehe sein Buch als Aufruf Informationstechnologie (Computer, Mobiltelefone, Software) als Werkzeug des Menschen einzugrenzen. Ein Anstoß unsere Kultur so weiter zu entwickeln, dass Maschinen ein eindeutiger Zweck zugewiesen wird - unserem Leben zu dienen. Bisher beobachte ich eher, dass einige Menschen mehr der Versuchung der Technologie erliegen, als sie sinnvoll einzusetzen. So saß vor ein paar Tagen ein französisch sprechender Bischof auf dem Stuhl vor mir in einem Konzert der Wiener Symphoniker. In seiner Begleitung zwei rangniedrigere Geistliche. Der Bischof füllte die Wartezeit bis zum Beginn von Beethoven’s 9. Symphonie mit einer Runde Patience auf seinem iPhone. Ich finde es bedauerlich, dass mobile Spielzeuge einen so schönen Moment wie die Vorfreude auf eine Symphonie oder die Wirkung des sich festlich sammelnden Publikums verdrängen. Zumal sie uns dazu verleiten das Warten zu verlernen und uns ständig mit etwas zu beschäftigen. Ganz nebenbei bin ich mir nicht ganz sicher, ob sich der Bischof ob seines respektlosen Umgangs mit seinen zwei Begleitern ganz im Klaren war.
8. Januar 2010 um 08:34 Uhr
Für mich ein nützliches Buch
Offenbar polarisiert “Payback”. Für mich war es jedenfalls von vorne bis hinten hoch lesenswert und ich habe mir viele Stellen markiert. Im Buch trägt Frank Schirrmacher seine Beobachtungen und Recherchen zusammen, darüber wie Informationstechnologie unsere Leben verändert. Dabei weist er auf zahlreiche Risiken hin. So z.B. darauf wie der anhaltende Versuch Multitasking auszuüben den Menschen zermürbt. Die Schlaglichter auf Technologie-Risiken mögen technophilen Menschen sauer aufstoßen. Aus Technophilie aber nun vornehmlich Haare in der Suppe zu suchen oder seine Arbeit gar zurück zu weisen halte ich für ungültig.
Kritisieren ist immer einfacher als selber machen, dennoch mag ich anmerken, dass das Buch journalistisch gemacht ist - Recherche, Beobachtungen und kurze Gedankengänge. Herrn Schirrmachers Schlüsse darf man teils mit einem Körnchen Salz betrachten.
Mir scheint klar, dass unsere Kultur sich langsamer entwickelt als das Feuerwerk neuer Technologien. Schirrmacher zeigt dies anhand vieler Belege auf. Ich verstehe sein Buch als Aufruf Informationstechnologie (Computer, Mobiltelefone, Software) als Werkzeug des Menschen einzugrenzen. Ein Anstoß unsere Kultur so weiter zu entwickeln, dass Maschinen ein eindeutiger Zweck zugewiesen wird - unserem Leben zu dienen. Bisher beobachte ich eher, dass einige Menschen mehr der Versuchung der Technologie erliegen, als sie sinnvoll einzusetzen. So saß vor ein paar Tagen ein französisch sprechender Bischof auf dem Stuhl vor mir in einem Konzert der Wiener Symphoniker. In seiner Begleitung zwei rangniedrigere Geistliche. Der Bischof füllte die Wartezeit bis zum Beginn von Beethoven’s 9. Symphonie mit einer Runde Patience auf seinem iPhone. Ich finde es bedauerlich, dass mobile Spielzeuge einen so schönen Moment wie die Vorfreude auf eine Symphonie oder die Wirkung des sich festlich sammelnden Publikums verdrängen. Zumal sie uns dazu verleiten das Warten zu verlernen und uns ständig mit etwas zu beschäftigen. Ganz nebenbei bin ich mir nicht ganz sicher, ob sich der Bischof ob seines respektlosen Umgangs mit seinen zwei Begleitern ganz im Klaren war.
8. Januar 2010 um 08:34 Uhr
Erschreckend!
Habe dieses Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen. Und gleich eines vorweg - werde es weiter schenken, an meinen schlimmsten Freund!
Das erste Kapitel ‘Mein Kopf kommt nicht mehr mit’ ist zwar in diesem Zusammenhang von einem Journalisten geäußert verwunderlich, aber immerhin noch auf den Autor selbst und seinem Problem mit der modernen Kommunikation bezogen. In den weiteren Kapiteln will Hr. Schirrmacher aber dem Leser ‘einreden’ er hätte dasselbe Problem. Und vertritt dann auch noch eine - gelinde gesagt - merkwürdige Interpretation des Begriffes Multitasking.
Glücklichen (familiären) Umständen verdanke ich den Umstand aus meiner Erwartungshaltung - da muss doch noch was Essentielles kommen - erlöst worden zu sein. Ich werde mir die restlichen Kapitel getrost ersparen und damit Zeugnis ablegen, wichtige von unwichtigen Büchern unterscheiden zu können.
8. Januar 2010 um 08:34 Uhr
Erschreckend!
Habe dieses Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen. Und gleich eines vorweg - werde es weiter schenken, an meinen schlimmsten Freund!
Das erste Kapitel ‘Mein Kopf kommt nicht mehr mit’ ist zwar in diesem Zusammenhang von einem Journalisten geäußert verwunderlich, aber immerhin noch auf den Autor selbst und seinem Problem mit der modernen Kommunikation bezogen. In den weiteren Kapiteln will Hr. Schirrmacher aber dem Leser ‘einreden’ er hätte dasselbe Problem. Und vertritt dann auch noch eine - gelinde gesagt - merkwürdige Interpretation des Begriffes Multitasking.
Glücklichen (familiären) Umständen verdanke ich den Umstand aus meiner Erwartungshaltung - da muss doch noch was Essentielles kommen - erlöst worden zu sein. Ich werde mir die restlichen Kapitel getrost ersparen und damit Zeugnis ablegen, wichtige von unwichtigen Büchern unterscheiden zu können.
12. Januar 2010 um 18:17 Uhr
Nur weitergeschenkt
Habe das Hörbuch unbesehen / ungehört weitergeschenkt, kann also nichts über seinen Inhalt sagen.
Mit Lieferung usw. voll zufrieden.
12. Januar 2010 um 18:17 Uhr
Langweilig
Habe mir von dem Buch mehr erwartet, weil der Autor ja schließlich schon ein paar Auszeichnungen erhalten hat. Aber leider wurde ich sehr enttäuscht. Nur oberflächliches Geschreibe von einer Person, die Probleme damit hat, für sich selbst die wichtigsten Informationen aus dem heutigen Überangebot an Informationen heraus zu filtern. Das nachlesen des “Problemberichts” kann man sich sparen.
21. Januar 2010 um 14:51 Uhr
Das Verschwinden des Augenblicks, oder: Ein Pokerabend mit Informationsjunkies
“Das ist kein Pamphlet gegen Computer. Die Informationsgesellschaft entwickelt Technologien ohne Alternative, und sie gehört, weil sie sich fast alle zwei Jahre neu erfindet, zum Spannendsten, was unsere Generation erleben kann. Deshalb müssen wir die Anpassung selbst in die Hand nehmen, statt angepasst zu werden” (157).
Seit knapp zwei Jahrzehnten sind die Menschen einer Veränderung ausgesetzt, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. War zum Beispiel der Besitz eines Handys vor 15 Jahren auf einige wenige beschränkt, scheint es heute ein vor Gerichten einklagbares Menschenrecht auf mobiles Telefonieren zu geben. Social Networks à la Facebook gehören mittlerweile zur primären Organisationsform des sozialen Lebens einer gesamten Generation. Und auch Blackberrys und iPhones erobern zunehmend den öffentlichen Raum. In vielen Restaurants und Kneipen ist zu beobachten, wie Menschen sich stundenlang schweigend gegenübersitzen, ihr Bier missmutig in sich hineinkippen und dabei mit ihrem Spielzeug im Netz surfen, alle zwei Minuten ihre Mails checken, man könnte ja was verpassen, Musik downloaden etc.pp. In seinem neuen Buch “Payback” weist der Journalist und Schriftsteller Frank Schirrmacher auf den ernormen Veränderungsdruck dieser Entwicklung auf den Menschen hin und betont dabei stets, dass er keineswegs aus einer technikfeindlichen und kulturpessimistischen Position heraus argumentiere.
Schirrmachers zentrale These lautet, dass die Veränderungen durch die modernen Informationstechnologien signifikant anders sind als es die Erfindungen von Schrift, des Radios oder des Fernsehers waren: “Die Veränderung durch Informationstechnologien ist grundsätzlich anders: Sie verändern unsere kognitive Fähigkeit, sie verdrahten unser Gehirn neu, und die Reize, denen wir ausgesetzt sind, sind komplexer, subtiler und effizienter als alles, was wir im Alltag kennen” (170). Dahinter steckt der Gedanke, dass die permanente Ablenkung, die Handy, Internet & Co mit sich bringen, gravierende Auswirkungen auf unser kognitives System und vor allem auf unsere Fähigkeit, uns längerfristig auf einen Sachverhalt um zu konzentrieren, haben: “Doch es geht nicht um Intelligenz, es geht nicht um mangelnde oder abnehmende Intelligenz oder Verdummung. Damit Intelligenz überhaupt entsteht und bemerkt wird, benötigen wir Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist es, die uns mehr und mehr abhanden kommt. Sie ist [...] die wichtigste Energiequelle für unser emotionales und geistiges Selbst” (62).
Das ist in der Tat einer der fatalsten Auswirkungen der mannigfaltigen Möglichkeiten zum Multitasking. Man wird das Gefühl nicht los, dass viele Menschen mithilfe des technischen Gerätes ihrer Wahl permanent damit beschäftigt sind, ihre unmittelbare Zukunft zu planen oder doch nur zum 25. Mal ihre Mails zu kontrollieren und somit kaum mehr in der Lage sind, sich auf den Augenblick zu konzentrieren. Mit solchen Informationsjunkies einen Skat-, Doppelkopf- oder Pokerabend zu verbringen, kann einen in der Tat an den Rand des Wahnsinns treiben. Unter der Überschrift “Multitasking ist Körperverletzung” beschreibt Schirrmacher, was diese ständige Abwesenheit vom Augenblick für Konsequenzen auf zwischenmenschliche Verhaltens- und Kommunikationsformen hat.
Ws können wir tun, um im Zeitalter der digitalen Revolution die Kontrolle über unser Denken zu behalten bzw. zurückzugewinnen? Ein Medium an sich ist weder gut noch böse, aber wenn wir uns kritiklos sämtlichen Möglichkeiten der schönen neuen Informationswelt hingeben, werden wir das verlieren, was uns Menschen überhaupt erst zu Menschen macht: “Die Informationen hat jeder. Aber was Menschen verzweifelt lernen müssen, ist, welche Information wichtig und welche unwichtig ist. Das ist womöglich die große Stunde der Philosophie” (215). Es geht nicht darum, das Rad der technischen Entwicklung zurückzudrehen. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass sämtliche von Menschen entwickelten Technologien nur so lange von Nutzen sind, wie wir uns ihnen nicht nur kritiklos hingeben, sondern uns dem enormen Veränderungsdruck bewusst werden, den diese auf uns haben. Schirrmachers Buch ist ein wichtiger Beitrag im Rahmen dieser Entwicklung.
26. Januar 2010 um 02:17 Uhr
Gefahren von Computer und Internet
FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher präsentiert eine Bestandsaufnahme der allgegenwärtigen Vernetzung im Computerzeitalter. Er lädt den Leser ein, an seinen persönlichen Erfahrungen, zahlreichen recherchierten Fakten sowie wissenschaftlichen Studienergebnissen teilzuhaben. Dass er die sich rasant weiterentwickelnden Computertechnologien nicht grundsätzlich abgeschafft wissen möchte, betont Schirrmacher ausdrücklich - dennoch könnte man an einigen Stellen diesen Eindruck gewinnen. Er warnt eindringlich, wortgewaltig und sich gelegentlich wiederholend vor den Gefahren der Computerisierung: Durch die Anpassung an die Computerwelt verändere sich die Persönlichkeit des Menschen - nicht zu seinem Vorteil. Gegen Ende seines Werks ruft der Autor den Leser auf, die Entscheidungsfreiheit nicht aus der Hand zu geben und sich dem Geist der Maschine nicht zu unterwerfen. getAbstract empfiehlt das Buch allen Menschen, die bereit sind, den allzu selbstverständlich gewordenen Umgang mit Computer und Internet kritisch zu hinterfragen.
26. Januar 2010 um 02:17 Uhr
Gefahren von Computer und Internet
FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher präsentiert eine Bestandsaufnahme der allgegenwärtigen Vernetzung im Computerzeitalter. Er lädt den Leser ein, an seinen persönlichen Erfahrungen, zahlreichen recherchierten Fakten sowie wissenschaftlichen Studienergebnissen teilzuhaben. Dass er die sich rasant weiterentwickelnden Computertechnologien nicht grundsätzlich abgeschafft wissen möchte, betont Schirrmacher ausdrücklich - dennoch könnte man an einigen Stellen diesen Eindruck gewinnen. Er warnt eindringlich, wortgewaltig und sich gelegentlich wiederholend vor den Gefahren der Computerisierung: Durch die Anpassung an die Computerwelt verändere sich die Persönlichkeit des Menschen - nicht zu seinem Vorteil. Gegen Ende seines Werks ruft der Autor den Leser auf, die Entscheidungsfreiheit nicht aus der Hand zu geben und sich dem Geist der Maschine nicht zu unterwerfen. getAbstract empfiehlt das Buch allen Menschen, die bereit sind, den allzu selbstverständlich gewordenen Umgang mit Computer und Internet kritisch zu hinterfragen.
18. Februar 2010 um 10:17 Uhr
Wir sind bilnd für das, was wir nicht erwarten …
… und aus diesem Blickwinkel betrachtet, könnte es durchaus sein, dass der Mensch schön langsam “synthetisiert”, sprich: dem Computer immer ähnlicher wird. Das zumindest ist ein Teil der Anschuldigungen, die der Autor an das digitale Zeitalter, allen voran an den Computer richtet. Dieser - so die These weiter - ist längst schon keine Maschine mehr, sondern ein Akteur. Ausgestattet mit Alghorithmen setzt er Profile und “Match-Points” zusammen, die uns glauben machen, jemand interessiere sich für uns. In Wahrheit ist alles nur höhere Mathematik …
Die Szenarien, die der Autor aufstellt, sind angsteinflößend und nicht selten nickt man still beim Lesen, weil man seine eigenen Probleme beschrieben sieht, ABER: das sind die Probleme einer Generation (nämlich 35+)und nicht aller Menschen! Und hier verzettelt sich der Autor meiner Meinung nach.
Ebenso vermisse ich jenen Aspekt, der das Gute des digitalen Zeitalters beschreibt. Jene Vorteile, die unser Leben ganz einfach bequemer gemacht haben. Zwar wird der Auto nicht müde zu betonen, dass er nicht grundsätzlich gegen den Computer ist, trotzdem gelingt es ihm nicht die positiven Seiten hervorzustreichen.
Auch eine Lösung für das Dilemma kann er nicht wirklich anbieten. Die Stichwörter “Aufmerksamkeit” und “Perspektivenwechsel” sind viel zuwenig ausgearbeitet. Man erhofft sich ständig die Lösung des “Problems” - vergeblich.
Ich denke, man muss das Buch nicht unbedingt gelesen haben, aber so ein bisschen reinschmökern schadet nicht.
18. Februar 2010 um 10:17 Uhr
wieder verkauft
Das Buch beginnt verheißungsvoll, hält dann aber nicht, was es verspricht. Gerade den zweiten Teil finde ich enttäuschend, ist er doch im Prinzip eine Fortführung des ersten Teils, einzig ab und an durchsetzt mit dem Hinweis auf Paradigmenwechsel, Unsicherheit und Disziplin. Ich find das, gemessen an dem Titel (”…wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen”) mehr als dünne. Da ich in das Buch vorauss. nie mehr hineinschauen werde, kann ich es auch gleich wieder verkaufen (Die Alternative “verschenken” würde vor diesem Hintergrund ja nicht wirklich Sinn machen…)
18. Februar 2010 um 10:17 Uhr
Enttäuschend!
Der Titel auf dem Buch sagt: “Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen”. Allerdings bezieht sich nicht ein einziger Abschnitt im ganzem Buch auf den zweiten Teil des Titels, also wie die Kontrolle über unser Denken zurückgewonnen werden könnte. Auch in diesem Teil werden lediglich unzählige Beispiele von Ist-Zuständen beschrieben. Der Schreibstil ist zudem etwas hektisch und anstrengend, und man ist nach dieser Lektüre nicht schlauer als vorher.
18. Februar 2010 um 10:17 Uhr
Wir sind bilnd für das, was wir nicht erwarten …
… und aus diesem Blickwinkel betrachtet, könnte es durchaus sein, dass der Mensch schön langsam “synthetisiert”, sprich: dem Computer immer ähnlicher wird. Das zumindest ist ein Teil der Anschuldigungen, die der Autor an das digitale Zeitalter, allen voran an den Computer richtet. Dieser - so die These weiter - ist längst schon keine Maschine mehr, sondern ein Akteur. Ausgestattet mit Alghorithmen setzt er Profile und “Match-Points” zusammen, die uns glauben machen, jemand interessiere sich für uns. In Wahrheit ist alles nur höhere Mathematik …
Die Szenarien, die der Autor aufstellt, sind angsteinflößend und nicht selten nickt man still beim Lesen, weil man seine eigenen Probleme beschrieben sieht, ABER: das sind die Probleme einer Generation (nämlich 35+)und nicht aller Menschen! Und hier verzettelt sich der Autor meiner Meinung nach.
Ebenso vermisse ich jenen Aspekt, der das Gute des digitalen Zeitalters beschreibt. Jene Vorteile, die unser Leben ganz einfach bequemer gemacht haben. Zwar wird der Auto nicht müde zu betonen, dass er nicht grundsätzlich gegen den Computer ist, trotzdem gelingt es ihm nicht die positiven Seiten hervorzustreichen.
Auch eine Lösung für das Dilemma kann er nicht wirklich anbieten. Die Stichwörter “Aufmerksamkeit” und “Perspektivenwechsel” sind viel zuwenig ausgearbeitet. Man erhofft sich ständig die Lösung des “Problems” - vergeblich.
Ich denke, man muss das Buch nicht unbedingt gelesen haben, aber so ein bisschen reinschmökern schadet nicht.
18. Februar 2010 um 10:17 Uhr
Zurückzahlen
Ungewissheit und Vagheit als Chance für geistige Freiheit: Niemand hat sich selbst je so selbst entblösst über die eigene Unmündigkeit, wie dies Schirrmacher tut. Ein paar Brocken Weisheiten im dünnen Rührteig verblassen nicht, aber angesichts der verbalen Selbstaufgabe gegen die angeblichen “Informationshungrigen” ist das Buch für den FAZ-Herausgeber vielfach nur peinlich. Zu behaupten, Liebe würde zur Routine, hat nur Sinn bei Unwertbewusstsein; ein Wachsein, eine Aufgewecktheit und vor allem Sich-Nicht-Abhängig-Machen der technischen Entwicklungen bewahren die eigene, vor allem geistige Unabhängigkeit und Freiheit. Besonders ärglich ist, dass Schirrmacher Aufmerksamkeit einfordert, der Lektor diese jedoch ebenso missen lässt. So finden sich noch in der dritten Auflage neben nicht durchgängig gehaltenen Zitationsregeln noch ziemlich viele Fehlerteufellein: S. 25 kein Komma bei “war als”; S. 26 sollte ein Komma nach “herumliegen” stehen; S. 27 fehlt ein “tun”; S. 130 müssen Anführungszeichen am Anfang des 5. Absatzes weg; S. 167 müsste nur “fast” in Klammern stehen, nicht “fast jeder”; S. 191 und 210 wird “Googeln” großgeschrieben; S. 207 fehlt ein Komma zwischen “Film sondern”; und dann gibt es doppelte Links im Fußnotenapparat bei S. 228 (Fn 20), 229 (43), 231 (62), 232 (83), 236 (155). Zwar gelesen, aber es geht mit einem ungenügend zurück. Die angeregte Diskussion mag die heutige Gesellschaft kommentieren, eine einheitliche Linie fehlt dem Buch.
18. Februar 2010 um 10:17 Uhr
wieder verkauft
Das Buch beginnt verheißungsvoll, hält dann aber nicht, was es verspricht. Gerade den zweiten Teil finde ich enttäuschend, ist er doch im Prinzip eine Fortführung des ersten Teils, einzig ab und an durchsetzt mit dem Hinweis auf Paradigmenwechsel, Unsicherheit und Disziplin. Ich find das, gemessen an dem Titel (”…wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen”) mehr als dünne. Da ich in das Buch vorauss. nie mehr hineinschauen werde, kann ich es auch gleich wieder verkaufen (Die Alternative “verschenken” würde vor diesem Hintergrund ja nicht wirklich Sinn machen…)
18. Februar 2010 um 10:17 Uhr
Enttäuschend!
Der Titel auf dem Buch sagt: “Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen”. Allerdings bezieht sich nicht ein einziger Abschnitt im ganzem Buch auf den zweiten Teil des Titels, also wie die Kontrolle über unser Denken zurückgewonnen werden könnte. Auch in diesem Teil werden lediglich unzählige Beispiele von Ist-Zuständen beschrieben. Der Schreibstil ist zudem etwas hektisch und anstrengend, und man ist nach dieser Lektüre nicht schlauer als vorher.
18. Februar 2010 um 10:17 Uhr
Zurückzahlen
Ungewissheit und Vagheit als Chance für geistige Freiheit: Niemand hat sich selbst je so selbst entblösst über die eigene Unmündigkeit, wie dies Schirrmacher tut. Ein paar Brocken Weisheiten im dünnen Rührteig verblassen nicht, aber angesichts der verbalen Selbstaufgabe gegen die angeblichen “Informationshungrigen” ist das Buch für den FAZ-Herausgeber vielfach nur peinlich. Zu behaupten, Liebe würde zur Routine, hat nur Sinn bei Unwertbewusstsein; ein Wachsein, eine Aufgewecktheit und vor allem Sich-Nicht-Abhängig-Machen der technischen Entwicklungen bewahren die eigene, vor allem geistige Unabhängigkeit und Freiheit. Besonders ärglich ist, dass Schirrmacher Aufmerksamkeit einfordert, der Lektor diese jedoch ebenso missen lässt. So finden sich noch in der dritten Auflage neben nicht durchgängig gehaltenen Zitationsregeln noch ziemlich viele Fehlerteufellein: S. 25 kein Komma bei “war als”; S. 26 sollte ein Komma nach “herumliegen” stehen; S. 27 fehlt ein “tun”; S. 130 müssen Anführungszeichen am Anfang des 5. Absatzes weg; S. 167 müsste nur “fast” in Klammern stehen, nicht “fast jeder”; S. 191 und 210 wird “Googeln” großgeschrieben; S. 207 fehlt ein Komma zwischen “Film sondern”; und dann gibt es doppelte Links im Fußnotenapparat bei S. 228 (Fn 20), 229 (43), 231 (62), 232 (83), 236 (155). Zwar gelesen, aber es geht mit einem ungenügend zurück. Die angeregte Diskussion mag die heutige Gesellschaft kommentieren, eine einheitliche Linie fehlt dem Buch.
23. Februar 2010 um 07:17 Uhr
Viele uneingelöste Versprechen
Eines muss man Schirrmacher lassen: Sein Gefühl dafür, in der Luft liegende Themen als erster massentauglich aufzugreifen und dadurch längst überfällige Debatten auszulösen, ist unschlagbar - ob Demographie, Familie oder jetzt die totale Digitalisierung des Alltags. Mit “Payback” hat der FAZ-Herausgeber einen Schwerpunkt gewählt, der uns alle angeht: Wer hat nicht das Gefühl, zu viel Zeit vorm Computer zu vertrödeln? Wer kennt nicht die Gewissensbisse, wenn man sich eine halbe Stunde ziemlich sinnlos in einem sozialen Netzwerk von Profil zu Profil geklickt hat? Und genießen wir nicht eigentlich viel eher die Computer-freie Zeit, ohne Klingeltöne, Ablenkung und künstliches Bildschirmlicht, können uns aber trotzdem nicht überwinden, die ganzen technischen Gadgets beiseite zu legen? Insbesondere der zweite Halbsatz des Untertitels von “Payback” klingt verheißungsvoll: Schirrmacher gelobt nicht weniger, als der vom PC in Versuchung geführten Sucht-Gemeinde den Weg zu weisen, wie sie “die Kontrolle über ihr Denken zurückgewinnt”. Der Klappentext verspricht gar “bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse”.
Und genau hier drückt der Schuh: Schirrmacher weckt hohe Erwartungen, doch sein knapp 250 Seiten schmales Werk kann die Versprechen nicht im Ansatz einlösen. Wer sich auf das sehr hohe Ross des Erlösers von allen technischen Qualen schwingt, darf nicht überrascht sein, dementsprechend tief zu fallen. Ist “Payback” denn nun ein Sachbuch? Dafür entpuppen sich die “bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse” als zu vorhersehbar. Was Schirrmacher an Studien auftischt, ist längst in das Allgemeingut eines durchschnittlich gebildeten Lesers übergegangen: Wir haben uns durch das Internet an kürzere Texte gewöhnt, dadurch nimmt die Geduld mit längeren Texten ab - Skandal! Wer sich mit ständig mit klingelnden Handys, blinkenden Internet-Tabs und piependen Haushaltsgeräten umgibt, büßt an Konzentration ein - sensationell! Und manchmal sind Technik-Benutzer sogar so beeinflussbar, dass sie Computer unbewusst vermenschlichen - unerhört! Das stellt ungeachtet der durchaus alamierenden Folgen nun wirklich nicht das abendländische Weltbild auf den Kopf - abgesehen davon, dass wir auch ganz ohne Computereinsatz tagtäglich in den schlichtesten Supermärkten dieser Welt Manipulationsversuchen ausgesetzt sind. Natürlich sind Studien, die solche Effekte belegen, hilfreich und sollten gar als Warnsignal verstanden werden. Jedoch hätte auch ohne “Payback” niemand den immensen Einfluss der Computer bestritten. Nein, für ein Sachbuch kratzt “Payback” zu sehr an der Oberfläche und ist - vielleicht noch entscheidender - viel zu einseitig.
Diese Einseitigkeit, welche die gegenteiligen Effekte des Internets elegant unterschlägt, ist kein Mangel an sich. Doch dann müsste man es wohl mit der Kategorie “Streitschrift” versuchen - und auch da kann Schirrmacher nicht punkten. Immerhin hat der Autor hier volle 250 Seiten lang Gelegenheit, seine Thesen unwidersprochen an den Mann zu bringen. Ein Luxus, den man im Fernsehen oder im Internet nur selten erfährt. Bei so viel Spielraum für eine einseitige Darstellung darf der Leser dann aber auch erwarten, eine überzeugende Argumentation zu Gesicht zu bekommen. Doch die Panik-Attacken angesichts der Schirrmacher’schen Apokalypse halten sich in Grenzen. Schirrmacher will die ultimative Bedrohung der vielen im Internet erhobenen Daten heraufbeschwören. Sicher wird einem mulmig, wenn man sich vorstellt, die Google-Daten fielen personalisiert einem skrupellosen Erpresser in die Hände. Aber das ganze Leben ist ein einziger Vertrauensbeweis gegenüber anderen - nicht erst seit der Erfindung des PCs. Heute muss man darauf vertrauen, dass private Fotos aus sozialen Netzwerken nicht in falsche Hände geraten. Früher war man darauf angewiesen, dass die neugierige Mitarbeiterin eines Fotostudios intime Bilder für sich behält und nicht nach eingehender Betrachtung ihrem Freundeskreis zugänglich macht. In beiden Varianten geschieht Unrecht und in beiden Fällen, heute wie damals, ist Vertrauen mit Risiko verbunden. Datenmissbrauch ist durch den Computer sicher einfacher geworden, aber man muss nicht so tun, als hätte es ihn vorher nicht gegeben oder er sei weniger schwerwiegend gewesen. Auch als flammende Streitschrift kann Schirrmacher mangels schlagkräftiger Argumente also nicht überzeugen - dabei hat der Autor sich eigentlich auf die richtige Seite geschlagen.
Bleibt die Kategorie “Ratgeber” - immerhin ist da ja noch dieses Versprechen, Schirmmacher wisse, wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen. An der Antwort darauf hat er sich im kürzeren zweiten Teil abgearbeitet, auf dem nach enttäuschendem Auftakt alle Hoffnungen ruhen. Doch über das triviale und nebulöse Statement, man müsse die Menschen in den Disziplinen fördern, in denen sie dem Computer überlegen seien (also eher kreative Tätigkeiten), kommt Schirrmacher nicht hinaus. Wie man das vom Autor griffig als Körperverletzung gegeißelte Multitasking vermeidet, darüber hat sich Schirrmacher leider keine Gedanken mehr gemacht. Stattdessen singt der Autor dasselbe technikfeindliche Klagelied wie im ersten Teil - und erweckt damit genau den Eindruck, den er unbedingt vermeiden will: Den des nörgelnden Opas, der nicht mehr so richtig mitkommt. Auch als gelungener Ratgeber kommt “Payback” damit leider nicht infrage.
Ein wohlwollendes Urteil über dieses Buch könnte lauten: Schirrmacher hat einen leicht verdaulichen Einstieg in eine hochbrisante Thematik mit einigen erhellenden Abschnitten geschrieben. Weniger wohlwollend ließe sich aber auch sagen: “Payback” ist nicht der versprochene Ratgeber für einen ausgewogenen Umgang mit Technik, sondern wärmt kalten Kaffee in Buchformat auf, der auch problemlos in einen kompakten Essay gepasst hätte. Schirrmacher bedauert den Niedergang der Konzentrationsfähigkeit, die für die Lektüre von Büchern erforderlich ist. “Payback” jedenfalls ist keine Werbung dafür, diese wieder verstärkt zu trainieren.
23. Februar 2010 um 07:17 Uhr
Viele uneingelöste Versprechen
Eines muss man Schirrmacher lassen: Sein Gefühl dafür, in der Luft liegende Themen als erster massentauglich aufzugreifen und dadurch längst überfällige Debatten auszulösen, ist unschlagbar - ob Demographie, Familie oder jetzt die totale Digitalisierung des Alltags. Mit “Payback” hat der FAZ-Herausgeber einen Schwerpunkt gewählt, der uns alle angeht: Wer hat nicht das Gefühl, zu viel Zeit vorm Computer zu vertrödeln? Wer kennt nicht die Gewissensbisse, wenn man sich eine halbe Stunde ziemlich sinnlos in einem sozialen Netzwerk von Profil zu Profil geklickt hat? Und genießen wir nicht eigentlich viel eher die Computer-freie Zeit, ohne Klingeltöne, Ablenkung und künstliches Bildschirmlicht, können uns aber trotzdem nicht überwinden, die ganzen technischen Gadgets beiseite zu legen? Insbesondere der zweite Halbsatz des Untertitels von “Payback” klingt verheißungsvoll: Schirrmacher gelobt nicht weniger, als der vom PC in Versuchung geführten Sucht-Gemeinde den Weg zu weisen, wie sie “die Kontrolle über ihr Denken zurückgewinnt”. Der Klappentext verspricht gar “bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse”.
Und genau hier drückt der Schuh: Schirrmacher weckt hohe Erwartungen, doch sein knapp 250 Seiten schmales Werk kann die Versprechen nicht im Ansatz einlösen. Wer sich auf das sehr hohe Ross des Erlösers von allen technischen Qualen schwingt, darf nicht überrascht sein, dementsprechend tief zu fallen. Ist “Payback” denn nun ein Sachbuch? Dafür entpuppen sich die “bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse” als zu vorhersehbar. Was Schirrmacher an Studien auftischt, ist längst in das Allgemeingut eines durchschnittlich gebildeten Lesers übergegangen: Wir haben uns durch das Internet an kürzere Texte gewöhnt, dadurch nimmt die Geduld mit längeren Texten ab - Skandal! Wer sich mit ständig mit klingelnden Handys, blinkenden Internet-Tabs und piependen Haushaltsgeräten umgibt, büßt an Konzentration ein - sensationell! Und manchmal sind Technik-Benutzer sogar so beeinflussbar, dass sie Computer unbewusst vermenschlichen - unerhört! Das stellt ungeachtet der durchaus alamierenden Folgen nun wirklich nicht das abendländische Weltbild auf den Kopf - abgesehen davon, dass wir auch ganz ohne Computereinsatz tagtäglich in den schlichtesten Supermärkten dieser Welt Manipulationsversuchen ausgesetzt sind. Natürlich sind Studien, die solche Effekte belegen, hilfreich und sollten gar als Warnsignal verstanden werden. Jedoch hätte auch ohne “Payback” niemand den immensen Einfluss der Computer bestritten. Nein, für ein Sachbuch kratzt “Payback” zu sehr an der Oberfläche und ist - vielleicht noch entscheidender - viel zu einseitig.
Diese Einseitigkeit, welche die gegenteiligen Effekte des Internets elegant unterschlägt, ist kein Mangel an sich. Doch dann müsste man es wohl mit der Kategorie “Streitschrift” versuchen - und auch da kann Schirrmacher nicht punkten. Immerhin hat der Autor hier volle 250 Seiten lang Gelegenheit, seine Thesen unwidersprochen an den Mann zu bringen. Ein Luxus, den man im Fernsehen oder im Internet nur selten erfährt. Bei so viel Spielraum für eine einseitige Darstellung darf der Leser dann aber auch erwarten, eine überzeugende Argumentation zu Gesicht zu bekommen. Doch die Panik-Attacken angesichts der Schirrmacher’schen Apokalypse halten sich in Grenzen. Schirrmacher will die ultimative Bedrohung der vielen im Internet erhobenen Daten heraufbeschwören. Sicher wird einem mulmig, wenn man sich vorstellt, die Google-Daten fielen personalisiert einem skrupellosen Erpresser in die Hände. Aber das ganze Leben ist ein einziger Vertrauensbeweis gegenüber anderen - nicht erst seit der Erfindung des PCs. Heute muss man darauf vertrauen, dass private Fotos aus sozialen Netzwerken nicht in falsche Hände geraten. Früher war man darauf angewiesen, dass die neugierige Mitarbeiterin eines Fotostudios intime Bilder für sich behält und nicht nach eingehender Betrachtung ihrem Freundeskreis zugänglich macht. In beiden Varianten geschieht Unrecht und in beiden Fällen, heute wie damals, ist Vertrauen mit Risiko verbunden. Datenmissbrauch ist durch den Computer sicher einfacher geworden, aber man muss nicht so tun, als hätte es ihn vorher nicht gegeben oder er sei weniger schwerwiegend gewesen. Auch als flammende Streitschrift kann Schirrmacher mangels schlagkräftiger Argumente also nicht überzeugen - dabei hat der Autor sich eigentlich auf die richtige Seite geschlagen.
Bleibt die Kategorie “Ratgeber” - immerhin ist da ja noch dieses Versprechen, Schirmmacher wisse, wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen. An der Antwort darauf hat er sich im kürzeren zweiten Teil abgearbeitet, auf dem nach enttäuschendem Auftakt alle Hoffnungen ruhen. Doch über das triviale und nebulöse Statement, man müsse die Menschen in den Disziplinen fördern, in denen sie dem Computer überlegen seien (also eher kreative Tätigkeiten), kommt Schirrmacher nicht hinaus. Wie man das vom Autor griffig als Körperverletzung gegeißelte Multitasking vermeidet, darüber hat sich Schirrmacher leider keine Gedanken mehr gemacht. Stattdessen singt der Autor dasselbe technikfeindliche Klagelied wie im ersten Teil - und erweckt damit genau den Eindruck, den er unbedingt vermeiden will: Den des nörgelnden Opas, der nicht mehr so richtig mitkommt. Auch als gelungener Ratgeber kommt “Payback” damit leider nicht infrage.
Ein wohlwollendes Urteil über dieses Buch könnte lauten: Schirrmacher hat einen leicht verdaulichen Einstieg in eine hochbrisante Thematik mit einigen erhellenden Abschnitten geschrieben. Weniger wohlwollend ließe sich aber auch sagen: “Payback” ist nicht der versprochene Ratgeber für einen ausgewogenen Umgang mit Technik, sondern wärmt kalten Kaffee in Buchformat auf, der auch problemlos in einen kompakten Essay gepasst hätte. Schirrmacher bedauert den Niedergang der Konzentrationsfähigkeit, die für die Lektüre von Büchern erforderlich ist. “Payback” jedenfalls ist keine Werbung dafür, diese wieder verstärkt zu trainieren.
23. Februar 2010 um 07:17 Uhr
Eine immer brisanter werdende Thematik
In welchem Verhältnis steht der Mensch zum Computer? Wer ist der Herr, wer der Diener? Nach wem richtet sich das Leben und wer bestimmt, welche Informationen wichtig sind?
Es sind interessante und hoch aktuelle Fragen, die sich Frank Schirrmacher stellt. Seine Kritik, alles würde sich den Algorithmen unterordnen ist dabei nicht neu. Bereits Horkheimer und Adorno schrieben 1946 über eine derartige Entwicklung in ihrer “Dialektik der Aufklärung”. Auch wenn es damals noch nicht um Computer ging und Schirrmacher auf eine Ideologiekritik verzichtet.
Die rapide Zunahme von Informationen die uns Tag für Tag erreicht, wird immer unübersichtlicher. Welche sind noch wichtig, welche können wir gestrost vernachlässigen? Das Treffen von Entscheidungen wird mehr und mehr eine Aufgabe der Computer. Die Aufgabe des Denkens wird vom Menschen auf die Maschinen übertragen und wir reagieren nur noch auf das, was uns die Maschinen liefern. Auch wenn dies sehr nach einer Computerkritik klingen mag, so ist sie das gerade nicht. Schirrmacher selbst nennt die vielen guten und lebenserleichtenden Möglichkeiten, die uns das digitale Zeitalter bringt. Doch wie jede große gesellschaftliche Veränderung, so bringt auch diese Risiken mit sich. Das ist es, auf was der Autor aufmerksam machen möchte. Denn nur wenn man sich diesen Veränderungen bewusst wird, sich klar macht, was passiert, kann man kompetent für sich selbt Entscheidungen fällen.
Es muss Schirrmacher zugute gehalten werden, dass er seine Aussagen belegt und der geneigte Leser damit in der Lage ist, interessanten Passagen selbst noch einmal nachzuspüren. Etwas schade ist die Weitschweifigkeit mit der der Autor teilweise ein Thema behandelt, auch wenn sein Schreibstil fein geschliffen ist und es durchaus Spaß macht, seine gekonnten Formulierungen zu lesen. Dennoch hätte ich es mir an einigen Stellen gewünscht, wenn die Aussagen kürzer und damit prägnanter auf den Punkt gebracht worden wären.
So interessant die Thematik ist, so wenig wird das Buch von Schirrmacher erreichen.
Schließlich beschreibt er einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess der nicht mehr am Anfang steht, sondern bereits weit fortgeschritten ist. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das Gros der Menschen auf den durchaus anstrengenden Weg machen wird, seiner Entmündigung entgegenzustehen. Wir sehen das Problem nicht kommen; es kommt schleichend und wir werden die negativen Folgen nicht einmal spüren, da sie alle Menschen gleichermaßen betreffen. Nur hin und wieder werden wir feststellen, dass unsere Fähigkeit zum eigenen Denken mehr und mehr verloren geht und wir das Denken den Computern überlassen.
Auch das soll keine Ideologiekritik sein, als viel mehr eine Festestellung eines Veränderungsprozesses, den wir alle gehen. Schließlich gehöre auch ich zu dieser Computergeneration und bin froh an allen Möglichkeiten die mir das Internet bietet. Uns bleibt ist zum Einen der Versuch, weiterhin selbstbestimmt zu entscheiden, welche Informationen aus dem ständig größer werdenden Angebot für uns wirklich wichtig sind. Und zum Zweiten, unsere Kreativität zu nutzen, denn darin sind wir den Rechnern (noch) überlegen.
23. Februar 2010 um 07:17 Uhr
Eine immer brisanter werdende Thematik
In welchem Verhältnis steht der Mensch zum Computer? Wer ist der Herr, wer der Diener? Nach wem richtet sich das Leben und wer bestimmt, welche Informationen wichtig sind?
Es sind interessante und hoch aktuelle Fragen, die sich Frank Schirrmacher stellt. Seine Kritik, alles würde sich den Algorithmen unterordnen ist dabei nicht neu. Bereits Horkheimer und Adorno schrieben 1946 über eine derartige Entwicklung in ihrer “Dialektik der Aufklärung”. Auch wenn es damals noch nicht um Computer ging und Schirrmacher auf eine Ideologiekritik verzichtet.
Die rapide Zunahme von Informationen die uns Tag für Tag erreicht, wird immer unübersichtlicher. Welche sind noch wichtig, welche können wir gestrost vernachlässigen? Das Treffen von Entscheidungen wird mehr und mehr eine Aufgabe der Computer. Die Aufgabe des Denkens wird vom Menschen auf die Maschinen übertragen und wir reagieren nur noch auf das, was uns die Maschinen liefern. Auch wenn dies sehr nach einer Computerkritik klingen mag, so ist sie das gerade nicht. Schirrmacher selbst nennt die vielen guten und lebenserleichtenden Möglichkeiten, die uns das digitale Zeitalter bringt. Doch wie jede große gesellschaftliche Veränderung, so bringt auch diese Risiken mit sich. Das ist es, auf was der Autor aufmerksam machen möchte. Denn nur wenn man sich diesen Veränderungen bewusst wird, sich klar macht, was passiert, kann man kompetent für sich selbt Entscheidungen fällen.
Es muss Schirrmacher zugute gehalten werden, dass er seine Aussagen belegt und der geneigte Leser damit in der Lage ist, interessanten Passagen selbst noch einmal nachzuspüren. Etwas schade ist die Weitschweifigkeit mit der der Autor teilweise ein Thema behandelt, auch wenn sein Schreibstil fein geschliffen ist und es durchaus Spaß macht, seine gekonnten Formulierungen zu lesen. Dennoch hätte ich es mir an einigen Stellen gewünscht, wenn die Aussagen kürzer und damit prägnanter auf den Punkt gebracht worden wären.
So interessant die Thematik ist, so wenig wird das Buch von Schirrmacher erreichen.
Schließlich beschreibt er einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess der nicht mehr am Anfang steht, sondern bereits weit fortgeschritten ist. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das Gros der Menschen auf den durchaus anstrengenden Weg machen wird, seiner Entmündigung entgegenzustehen. Wir sehen das Problem nicht kommen; es kommt schleichend und wir werden die negativen Folgen nicht einmal spüren, da sie alle Menschen gleichermaßen betreffen. Nur hin und wieder werden wir feststellen, dass unsere Fähigkeit zum eigenen Denken mehr und mehr verloren geht und wir das Denken den Computern überlassen.
Auch das soll keine Ideologiekritik sein, als viel mehr eine Festestellung eines Veränderungsprozesses, den wir alle gehen. Schließlich gehöre auch ich zu dieser Computergeneration und bin froh an allen Möglichkeiten die mir das Internet bietet. Uns bleibt ist zum Einen der Versuch, weiterhin selbstbestimmt zu entscheiden, welche Informationen aus dem ständig größer werdenden Angebot für uns wirklich wichtig sind. Und zum Zweiten, unsere Kreativität zu nutzen, denn darin sind wir den Rechnern (noch) überlegen.
23. Februar 2010 um 07:17 Uhr
Wenig hilfreiche Aussagen
Herr Schirrmacher hat sich in sein eigenes visionäres Horrorszenario (Google & Co.) regelrecht verrannt.
Es gab zu allen Zeiten technische Entwicklungen, die das Leben vollkommen umgekrempelt haben und die Menschheit ist aber sehr gut damit zurechtgekommen und hat sich prächtig entwickelt. Beweis: Laut Biologen ist der Mensch für ca. 30 Lebensjahre konzipiert und bringt es im Durchschnitt heute auf ca. 80 Jahre.
Beim Lesen des Buches habe ich in der Hoffnung auf neue Erkenntnisse weitergelesen, obwohl das oben beschriebene Gefühl sich bereits nach den ersten 100 Seiten gebildet hatte.
Schade, dass Herr Schirrmacher sein zweifellos vorhandenes Schreibtalent nicht besser einsetzt. Interessant wäre doch zum Beispiel der Einfluss auf unsere Kultur, bzw. unsere sozialkulturelle Entwicklung durch das voll auf Quote (Kommerz durch Werbeeinnahmen) ausgerichtete Privatfernsehen mit Sendungen wie DSDS oder ähnliche. Aber auch die öffentlich rechtlichen Sender erfüllen aus meiner Sicht kaum noch ihren eigentlichen Auftrag. Schon allein an der Gestaltung der Nachrichten ist das erkennbar. Es wird nicht berichtet, was wichtig zu berichten wäre, sondern was die Zuseher gerne sehen und hören wollen. Klientel-Medien ist das Schlagwort.
23. Februar 2010 um 07:17 Uhr
Wenig hilfreiche Aussagen
Herr Schirrmacher hat sich in sein eigenes visionäres Horrorszenario (Google & Co.) regelrecht verrannt.
Es gab zu allen Zeiten technische Entwicklungen, die das Leben vollkommen umgekrempelt haben und die Menschheit ist aber sehr gut damit zurechtgekommen und hat sich prächtig entwickelt. Beweis: Laut Biologen ist der Mensch für ca. 30 Lebensjahre konzipiert und bringt es im Durchschnitt heute auf ca. 80 Jahre.
Beim Lesen des Buches habe ich in der Hoffnung auf neue Erkenntnisse weitergelesen, obwohl das oben beschriebene Gefühl sich bereits nach den ersten 100 Seiten gebildet hatte.
Schade, dass Herr Schirrmacher sein zweifellos vorhandenes Schreibtalent nicht besser einsetzt. Interessant wäre doch zum Beispiel der Einfluss auf unsere Kultur, bzw. unsere sozialkulturelle Entwicklung durch das voll auf Quote (Kommerz durch Werbeeinnahmen) ausgerichtete Privatfernsehen mit Sendungen wie DSDS oder ähnliche. Aber auch die öffentlich rechtlichen Sender erfüllen aus meiner Sicht kaum noch ihren eigentlichen Auftrag. Schon allein an der Gestaltung der Nachrichten ist das erkennbar. Es wird nicht berichtet, was wichtig zu berichten wäre, sondern was die Zuseher gerne sehen und hören wollen. Klientel-Medien ist das Schlagwort.
28. Februar 2010 um 02:17 Uhr
Wenig Fundiertes zu einem eigentlich wichtigen Thema
Schirrmacher reitet mit auf der Welle des aktuellen Themas ‘Das böse Internet, die schlimmen Rechner’. In der Tat ist es mit dem Medium Computer wie mit allen anderen: Es birgt ebenso viele Probleme wie Chancen. Letztere werden bei Schirrmacher völlig ausgeblendet. Einseitig verteufelt der Autor dafür Computer und Internet.
Schirrmachers Argumentation ist dabei sprunghaft, oft nicht nachvollziehbar, vielfach verallgemeinernd und zeugt in Detailfragen von Unkenntnis. Seine pessimistischen Zukunftsszenarien sind äußerst spekulativ.
Eine solche Darstellung nutzt einer sachlichen Auseinandersetzung mit den durchaus reichhaltig vorhandenen Problemen und sogar Gefahren im ‘Informationszeitalter’ wenig, sondern verkleistert und vernebelt diese unnötig.
28. Februar 2010 um 02:17 Uhr
Wenig Fundiertes zu einem eigentlich wichtigen Thema
Schirrmacher reitet mit auf der Welle des aktuellen Themas ‘Das böse Internet, die schlimmen Rechner’. In der Tat ist es mit dem Medium Computer wie mit allen anderen: Es birgt ebenso viele Probleme wie Chancen. Letztere werden bei Schirrmacher völlig ausgeblendet. Einseitig verteufelt der Autor dafür Computer und Internet.
Schirrmachers Argumentation ist dabei sprunghaft, oft nicht nachvollziehbar, vielfach verallgemeinernd und zeugt in Detailfragen von Unkenntnis. Seine pessimistischen Zukunftsszenarien sind äußerst spekulativ.
Eine solche Darstellung nutzt einer sachlichen Auseinandersetzung mit den durchaus reichhaltig vorhandenen Problemen und sogar Gefahren im ‘Informationszeitalter’ wenig, sondern verkleistert und vernebelt diese unnötig.
28. Februar 2010 um 02:17 Uhr
Hat mir geholfen
Ich bin selbst in der Branche tätig und habe es genossen mal einen Perspektivwechsel vorzunehmen.
Auch ich bin schon ein Informationsjunkie. Auf Basis dieses Buches werde ich nun ein wenig meine Sucht nach unnötigen Informationen zügeln.
Das Buch war schnell gelesen. Hat bei mir seinen Zweck erfüllt.
Tiefgründig ist es nicht, jedoch auch nicht plakativ.
28. Februar 2010 um 02:17 Uhr
Hat mir geholfen
Ich bin selbst in der Branche tätig und habe es genossen mal einen Perspektivwechsel vorzunehmen.
Auch ich bin schon ein Informationsjunkie. Auf Basis dieses Buches werde ich nun ein wenig meine Sucht nach unnötigen Informationen zügeln.
Das Buch war schnell gelesen. Hat bei mir seinen Zweck erfüllt.
Tiefgründig ist es nicht, jedoch auch nicht plakativ.
14. März 2010 um 19:00 Uhr
Interessante Thematik - in Profanität zergangen
Dass ich diesem Buch nur einen Dreizeiler widme, geht aus meiner Verärgerung über die sich in Profanität verlierende Abhandlung einer eigentlich sehr interessanten und aufarbeitungswürdigen Thematik hervor. Frank Schirrmacher, der sich bereits mit seinem zusammengeschwafelten literarischen Versuch zur Alterung unserer Gesellschaft einen veritablen Fehlschuss geleistet hat, bietet auch mit “Payback” erwartungsgemäß nichts Neues auf - da kann selbst der angestrengt-deplatziert wirkende Titel nichts mehr retten.
Qualitätsorientiertes Schriftstellern in einem attraktiven Sprachstil und jenseits indifferenter Populärformulierungen, das ist nicht wirklich Ihres, Herr Schirrmacher; von mir gibt es verdientermaßen 1 von 5 Punkten.
14. März 2010 um 19:00 Uhr
Experimentfragmente mit Enterprise-Charme
Wenn man sich die Mühe machte, die Wörter des Buches nach Häufigkeit zu sortieren, hielten vermutlich zwei Pronomen die Spitzenränge: Wir und uns. Nun ist bei Büchern, die sich eine zeitkritische Diagnose vornehmen nie ganz zu vermeiden, dass man aus der eigenen Erfahrung und Beobachtung heraus zu Verallgemeinerungen gelangt, deren Stichhaltigkeit empirisch (noch) nicht überprüfbar ist. Umso mehr müssen Autoren aufpassen, dass sie nicht als professionelle Wir-Sager dem Leser ihre Sicht als der Welt überbraten, wenn sie nur mitteilen wollen, wie sie persönlich etwas sehen.
Der auszugsweise Vorabdruck in den großen Zeitungen versprach zumindest, dass hier ein Journalist mit Gespür für Themen und Leserschaft eine Analyse unseres Informationszeitalters vorlegt. Dass der Untertitel etwas reißerisch daherkam, konnte man der Verlagsstrategie zuordnen und fiel neben dem, was man vorab lesen konnte, wenig ins Gewicht.
Nach dem Einstieg in die Lektüre gewinnt man jedoch schnell den Eindruck, dass es dem Autor nicht gelungen ist, das im Untertitel angekündigte Vorhaben ( …wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückbekommen) umzusetzen. Anders gesagt: Schirrmachers Kapitulation vor der Informationsgesellschaft, in der man den Überblick verliert, bestätigt sich in dem Buch bzw. am Verfasser selbst.
Es ist überaus ärgerlich, wie Schirrmacher im Folgenden seine Thesen über den Einfluss der Computer und des Netzes auf den Menschen vorlegt. Die Gedankenreferate folgen dabei stets dem Muster, dass Experimente derart grob skizziert werden, dass man als Leser chancenlos ist, diese nachzuvollziehen. Dies liegt nicht an der Komplexität der Untersuchungen, sondern an der fragmentartigen Darstellung. Bisweilen werden einfach nur Behauptungen herausgeschleudert. So regieren Erwachsene angeblich panisch, wenn eine Website nicht erreichbar ist und Mails, die man nicht innerhalb von 48 Stunden beantwortet, werden nie beantwortet. Einige Passagen über den Einfluss von Computern kommen wie alte Enterprise-Episoden in einem charmanten, aber für ein Sachbuch anno 2010 irritierend naiven Gewand daher. Zum Standard-Topos aus der digitalen Mottenkiste gehört seit der Erfindung der Computer ihre Vermenschlichung. Diese tun nicht anderes so Schirrmacher als mit der menschlichen Faszination der Suche zu spielen, mal zu ihrem Vorteil, mal zu ihrem Verderben. Diese Feststellung bildet zugleich das Fazit zu einer knappen Versuchsbeschreibung über ein Projekt an einer Uni: Statt alle 94 Aufsätze zu lesen, so das Projekt, fasste jeder Student fünf Aufsätze zusammen und stellte diese Thesen online, was eine beeindruckende Vernetzung im Seminar ergab. Schön und gut. Daraufhin konstatiert der Autor dass viele Pädagogen über diese Leseunwilligkeit heutiger Stunden die Stirn runzeln. Das mag stimmen, denkt der Leser, auch wenn es mit dem Experiment nicht viel zu tun hat. Und dann schleudert der Verfasser zusammenhangslos die Behauptung aus dem Handgelenk, dass der kognitive Akt des Lesens und der Informationsverarbeitung nicht mehr ausschließlich eine Frage des freien Willens sei. Keine Begründung, keine Herleitung, keine Kohärenz. Abgesehen davon: Das trifft wohl seit es Bildungseinrichtungen gibt auf unzählige Oberstufenschüler zu, die sich in (schlechtem) Deutschunterricht durch ein klassisches Drama wühlen mussten. Es ließen sich dutzende ärgerliche Beispiele dieser Art finden: Der Autor liefert Fragmente wissenschaftlicher Studien und zaubert eine Ergebnissicherung mit breitem Pinsel darunter, die der Leser nur abschreiben, aber nicht nachvollziehen kann.
Teilweise setzt der Verfasser dem Leser Schlussfolgerungen vor, als hätte dieser noch nie eine Internetseite gesehen, geschweige denn eine Mail abgeschickt. Auch aus Kapiteln, die thematisch hoffnungsvoll anfangen, destilliert Schirrmacher alsbald wieder hoffnungslos verdünnte Beweise für die Allmachtsphantasien der Rechner. So ist das Hinterlassen von Spuren im Netz durchaus ein Problem geworden. Und wer nach Tulpen, Gärten und Hybridantrieben im Netz forscht und entsprechende Dateien herunterlädt, wird sich möglicherweise oder auch nicht- wundern, ein Angebot für einen Urlaub auf einem ökologischen Bauernhof in Holland zu erhalten. Aber sind das Vorschläge, auf die wir selbst noch gar nicht gekommen sind, wie es der Verfasser behauptet? Kann man allen Ernstes aus dieser einfachen Beobachtung die fundamentale These ableiten, dass sich hier bereits die ersten Verlagerungen des Denkens abspielen?
Und wer sich tatsächlich schon einmal mit den Fehlermeldungen eines Rechners beschäftigt hat und sich auf entsprechende Hilfemenus eingelassen hat, wird gewiss nicht sagen, er habe mit dem Rechner zu kommunizieren begonnen. Schirrmacher müsste klar sein, dass ein Terminus wie Kommunikation hier völlig deplatziert ist. Der Verfasser verfährt hier offenbar nach dem Prinzip, dass jede Vernetzung möglich ist, solange sie nur kühn und spektakulär erscheint. Und so erklärt sich dann auch die Verbindung zwischen Tier und Mensch, da letzterer angeblich im Informationszeitalter seine Urinstinkte mobilisiert, wenn er nach Informationen sucht. Urinstinkte beim Suchen nach Informationen! Dem Leser wird nicht einmal die Chance gegeben, sich von diesem gefühlten Unsinn überzeugen zu lassen. Denn mehr als eine nichtssagende Skizze und ein paar Absätze werden nicht angeboten.
Und so geht es weiter. Dabei kann man sich durchaus vorstellen, dass der Verfasser mehr zu erzählen hätte, aber er macht es nicht. Er schildert zum Beispiel ein Experiment, in dem eine Gruppe von Studenten mit einem Problem zur Stadtentwicklung konfrontiert wurde, das es zu lösen galt. Einer Gruppe wurde dabei in der Aufgabenstellung Fakten gegeben, die als nicht sicher oder nur ungefähr galten, die andere bekam für die Aufgabe den absoluten Text (Genaueres über den Versuch selbst erfährt man auch hier nicht!). Als Ergebnis präsentiert der Autor Schirrmacher schließlich als verblüffend, was im Grunde banal ist: Die Gruppe mit der flexibleren Aufgabe erwies sich bei der Lösung als kreativer! Mit anderen Worten: Flexiblere Aufgabenstellungen mit weniger fixen Daten ermöglichen flexiblere Lösungen!
Dieses Buch mag als Schmöker für Leute geeignet sein, die den Computer schon immer als Bedrohung von Verstand und analytischem Denken beargwöhnt haben und einen offiziellen Verkünder für den PC-generierten Intellektschwund wünschen. Eine differenzierte, kritische Analyse der digitalen Welt und des sogenannten Web 02 leistet das Buch leider nicht.
19. März 2010 um 20:34 Uhr
schwach schwächer am schwächsten
also dieses buch ist wirklich - das papier nicht wert. der autor beklagt in jedem kapitel aufs neue die im internetzeitalter überhandnehmende unfähigkeit zu lesen, sich zu konzentrieren, klare gedanken zu fassen - und es drängt sich der verdacht auf, er wäre selbst erstes opfer seiner theorie. die zeilen sind angefüllt mit allgemeinem anekdotischen geplaudere, der punkt, den er vorgibt zu machen, macht er nicht, die fragen, die die überschriften in den raum stellen, werden im text nicht beleuchtet. überall sieht er die gefahr, dass uns die maschinen beherrschen. tun sie auch. ich hab’ meine jetzt widerwillig eingeschaltet, um meinem ärger luft zu machen.
24. März 2010 um 23:00 Uhr
Die neue Unübersichtlichkeit Zwischen Seelenheil und emotionaler Verdammung
Nicht nur Jürgen Habermas beklagte einst die neue Unübersichtlichkeit, die reklamierte, daß die Zeit von einfachen Problemlösungen vorüber sei. Auch im neuen Buch von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher geht es um eine neue Form der Unübersichtlichkeit, nur eben nicht um eine politische, sondern um eine mediale. Und keineswegs liest sich sein neues Payback so, wie einst noch Martin Heidegger, Hölderlin zitierend, glaubte, daß mit der Gefahr auch das Rettende wächst. Schirrmachers Prognose für die Welt im medialen Zeitalter ist bisweilen düster, tritt in die Nachfolge von Huxley und Orwell, ja, schreibt gewissermaßen Huxleys dystoptischen Roman Schöne neue Welt bis in die Gegenwart hinein fort.
Nur sind es nicht physische Manipulationen, die, wie Huxley meinte, den Weg in eine utopische Gesellschaft, wo Stabilität, Frieden und Freiheit gewährleistet werden, bahnen, sondern ein bisher nie da gewesenes Urvertrauen in die Welt der digitalen Medien, das um den Preis der eigenen Freiheit erkauft wird. Dieses Sich-Überantworten an ein mediales Über-Ich, das sowohl die Freizeit, den freien Willen als auch die selbstbestimmte Existenz reguliert, zeitlich limitiert und in radikalste Abhängigkeiten wirft, liegt quasi in der Selbst-Verortung des modernen Subjektes, das gar nicht (oder meint dies) anders kann, als sich medial zu bestimmen.
Für Schirrmacher ist das moderne Ich dann auch ein Informationsmessi oder Informationsfresser, der sich quasi aus freiem Willen auf die Fremdbestimmung seitens des World Wide Webs einläßt, wobei ihm sein antrainiertes, vor Jahren noch als Merkmal des idealen Menschen gepriesenes Multitasking permanent in die Freiheitsfalle führt. Multitasking sieht dann Schirrmacher auch als eine Art Körperverletzung, die nicht nur zu Selbstüberforderung und chronischen Konzentrationsstörungen führt, sondern gerade das zerstört, was immer noch zum ureigenen Wesenskern des Individuums gehört seine Empathie, die Gabe der Überraschung und vor allem seine Unberechenbarkeit, die ihm seine Überlegenheit über die gestrenge Algorithmen-Welt sichert. Allein diese Unberechenbarkeit und kritische Distanz vermögen dem digital gestreßten Menschen allein noch das Gefühl seiner Autonomie zu sichern, sonst verkommt er in der Informationsflut.
Anstatt die mediale Welt zu beherrschen, sich, wie Jahrhunderte lang, über die Maschinen zu stellen, reißt sich das moderne Subjekt zusehend in den Strudel oft sinnloser Informationen, wobei es nichts anderes wird, als die reproduzierende Maschine, was letztendlich dazu führt, daß nicht mehr das Ich den Computer regiert, sondern vielmehr von diesem aufgefressen und manipuliert wird. Aus diesem Befund zieht Schirrmacher dann folglich den Schluß, daß die menschliche Kreativität, Spontaneität, Toleranz, Geistesgegenwart und Individualität sukzessive einem Menschenbild Platz machen, durch das nicht nur alle Individualität verlustig geht, sondern wodurch sich das Individuum bewußt als L`homme maschine begreifen will, ja, in diesem Maschinensein, wie noch einst von Gilles Deleuze und Félix Guattari programmatisch für den künftigen Menschen gefordert, seine ganz neue Weise der Existenz feiert.
Wurde im Industriezeitalter des 19. und 20. Jahrhunderts diese Tendenz zur Maschinisierung des Subjektes schon vorbereitet, wird das Computerzeitalter und in naher Zukunft das Echtzeit-Internet diese multidimensionale Einbahnstraße weiter fortführen, bis im extremsten Fall zur Selbstaufgabe des Menschen. Diese Reduktion auf eine von Algorithmen durch funktionalisierte Welt schließt zwangsläufig mit ein, daß die Seele und der Intellekt immer mehr verkümmern und letztendlich nur das abgerufen wird, was mit der Welt der Rechner kompatibel ist. Schließlich, und darauf weist Schirrmacher in aller Deutlichkeit hin, führt die mediale Anbiederung an das Informationssystem zu einer sukzessiven Anpassung des Gehirns an die mechanisierte Welt der Computer. Die Informationsüberflutung impliziert nicht nur eine Veränderung unserer Gedächtnisleistungen, zerstreut und vermindert die Aufmerksamkeit des Klienten, die vom System existentiell strapaziert werden, sondern führt zu einer strukturellen Umformung des Gehirns selbst, was schließlich eine neue und unbekannte Art von Intelligenz hinaufbeschwören wird, eine Intelligenz von bisher unbekanntem Maßstab, der neue Gott als Programmierer und der Computer als sein williger Vollstrecker, eine Intelligenz aber auch, die, wie Schirrmacher in seiner Heuristik der Furcht hervorhebt, gar nicht wünschenswert sein kann. Was wir im Augenblick als geistige Überforderung mit den neuen Technologien bei gleichzeitiger körperlicher Lust an ihnen erleben, sind nur die physischen Schmerzen, die uns die Anpassung an diese neue Intelligenz zufügt.
Der neue Informationshimmel, die Google-Kathedrale des Wissens, ist letztendlich zum neuen Götzen geworden, der rückhaltlos angebetet, verehrt und mit immer neuen Informationen gefüttert wird. Der metaphysische Ideenhimmel ist schon längst durch diese neue Intelligenz verdrängt, die aber eine derartige Faszinationskraft auf das Individuum auszuüben vermag, daß sich dieses seinerseits geradezu wetteifernd auf die neue Technik einläßt, ein Darwinismus ganz anderer Art wird damit mit impliziert.
Schirrmacher spricht daher immer wieder von Taylorismus, jenes legendären Arbeitsoptimierens samt seiner inhumanen Effizienzmethoden, von Marxismus und Darwinismus, denn der Kampf ums Wissen ist ein Kampf um Leben und Tod, letztendlich einer, um in der medialen Welt bestehen und Überleben zu können. Der Bestinformierte ist nicht selten der Mächtigste, zumindest aber der Angepaßteste und damit der Überlebensfähigste. Doch mit diesem Darwinismus verbunden geht der Wahn des Kontrollverlustes einher, ein medial vermittelter Sozialstreß, der darauf hinausläuft, immer am besten informiert zu sein, die Angst aus der Kathedrale des Wissens verstoßen zu werden, unser Wahn, aus Angst vor Kontrollverlust die Welt der Formeln, Systematiken und Algorithmen, kurzum in Mathematik zu verwandeln. Wir werden immer unfähiger, mit Unsicherheiten und Unwahrscheinlichkeiten umzugehen, was auch eine permanente Alarmbereitschaft nach sich zieht, die aber, um ja nichts zu verpassen, um informell en vogue zu sein, eine freiwillige Unterwerfung unter die Befehle der Mikroprozessoren mit in Kauf nimmt. Diese Unterwerfung führt dann zwangsläufig zu einer Unterordnung des Menschen unter die Maschine, denn der Angriffspunkt im heutigen, digitalen Taylorismus ist unser Gehirn.
Wohin diese Angst vor Kontrollverlust, das ständige Online-Sein führt, hat nicht nur Miriam Meckel in Glück der Unerreichbarkeit drastisch beschrieben, sondern dies zeigt sich überall dort, wo die Schnelligkeit der Informationen, an die Dromologie des Paul Virilio sei erinnert, zum geistigen Infarkt der Suchmaschine Hirn führt. Für Meckel war ihr Burnout der einzige Weg aus der Informationsfalle, wie sie es in ihrem neuen Buch Brief an mein Leben, Erfahrungen mit einem Burnout in aller Dramatik beschreibt.
Das Glück zeitigt sich eben nur in der Unerreichbarkeit, nur muß dieses Glück gegen die Erreichbarkeit erkämpft, dieser abgerungen werden, worauf auch Schirrmacher hinweist, wenn er im Anschluß an Friedrich Schiller und an Hermann Hesses Glasperlenspiel auf den spielenden Umgang mit der medialen Technikwelt verweist. Wird die Informationsflut nicht von einem reflektierenden Ich dauernd gebremst, führt dies nicht nur zum krankhaften Ausbrennen, eben zum Burnout, sondern auch zu jener durch Multitasking gänzlich sich zerfasernden Persönlichkeit, die unkonzentriert sich in tausend Nebensächlichkeiten verliert, und die auch dann vor den Leistungsanforderungen kapituliert also auch hier wieder Heidegger, nur diesmal die Technik und die Kehre.
Derzeit aber, so der kritische Befund Schirrmachers, laufe alles auf einen reinen Medienverzehr und -verkehr in diese Richtung hinaus, der bestürzende Folgen für den Menschen hat, und der sich in seiner radikalsten Form oft oder ausschließlich darauf beschränkt, daß einzig und allein der MacLuhansche Slogan, Das Medium ist die Botschaft, zum ultimativen Wegweiser durch die Irrungen und Wirrungen des Internets hochstilisiert wird. Was aber noch schlimmer als die bloße Message ist, ist die damit verbundene Selbstaufgabe des denkenden Ich, die sich sowohl im Verlust von Aufmerksamkeit als auch von Selbstbestimmtheit äußert. Maschine-Sein und Maschine-Werden, einst von eben jenem Deleuze als Begriffspersonen erfunden, zeigen nunmehr letztendlich, wohin ein rhizomatisches Denken führen kann, für Schirrmacher, soviel ist sicher, nicht zum Heil, denn der emotionale Gehalt verkürzt sich letztendlich nur auf die Botschaft, auf einen reinen Konsum, der sich medial veräußern läßt. Man lebt nicht, weil man dies oder jenes erfahren könnte, sondern weil sich dies oder jenes am besten zum medialen Ereignis hochgooglen läßt, der page rank liefert das neue Selbstbewußtsein, die Anerkennung im Netz der anonymen User. Blogger wie Airen und das Plagiat Hegemann wissen nur zu gut, wie sich derartige Erfahrungen im Netz vermarkten lassen. Diese Erfahrungen werden aber nicht gemacht, weil sie einem im Verlauf des Leben zustoßen, sie werden geradezu initiiert, weil sie von der Community vorgelebt, erwartet und letztendlich auch goutiert werden, man ist in, die mediale Welt bestimmt das Selbst-Bewußtsein.
Letztendlich zeigt Schirrmacher anschaulich, daß die in Payback beschriebene kognitive, und durch das Internet eingeleitete Revolution, keineswegs Science-Fiction ist, denn wir sind bereits inmitten dieses Verwandlungsprozesses angekommen, wie einst Gregor Samsa in Kafkas Die Verwandlung. Die desaströsen Folgeerscheinungen einer auf die Onlinemedien zugeschnittenen Existenz sind auch nicht übersehbar Ablenkung um jeden Preis, reduzierte Aufmerksamkeit und Interesse, die zunehmende Flucht in die Skipte, in die Regularien und Algorithmen, die Mathematisierung des Lebens, die Umstrukturierung des Denkens in den berechenbaren Algorithmus.
Um dem Desaster des Aufgefressenwerdens zu entkommen, empfiehlt dann Schirrmacher auch in Anschluß an Roger Penrose die Konzentration auf jene menschlichen und diesem unveräußerlichen Eigenschaften, auf das Moment der Überraschung, auf das Sich-Einlassen auf das Ungewisse und die Nichtberechenbarkeiten, auf das, was der Computer nicht verarbeiten kann. Bereits der Computerpionier John von Neumann wußte: Wir müssen die Tatsache wieder und wieder betonen, daß kein existierender Computer zuverlässig auf einem so niedrigen Präzisionsniveau arbeiten kann, wie das menschliche Hirn. Und Schirrmacher fügt an: Es kann deshalb anders als der Computer eben auch viel besser auf Unerwartetes reagieren. Es bleibt dabei: Vor der Google-Manie, Facebook und Twitter kann man sich entsagend nur distanzieren, wenn man ganz kantisch wieder den Mut aufbringt, seinem eigenen Verstand zu folgen. Das probate Heilmittel, um aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu fliehen, ist auch im 21. Jahrhundert nicht anders denn, als Aufklärung zu leisten.
Tabula Rasa, Die Kulturzeitung aus Mitteldeutschland
24. März 2010 um 23:00 Uhr
Eher eine Diplomarbeit/Doktorarbeit als ein Ratgeberbuch
Ganz kurz zusammengefasst: Das Buch liest sich wie eine Diplomarbeit/Doktorarbeit zur Thematik der gesellschaftlichen Umbrüche im Informationszeitalter mit den Auswirkungen auf den einzelnen Menschen.
Schon alleine die ganzen Quellenhinweise im Anhang zeigen die Ähnlichkeit zu einer Arbeit als zu einem Ratgeberbuch. Mir persönlich fehlten die konkreten Ratschläge, was ich denn jetzt tun soll als Wissensarbeiter…
Also eher ein Buch für Menschen, die sich mit der im Buch geschriebenen Thematik intensiv (beruflich oder im Studium) auseinandersetzen als für Privatleute!
24. März 2010 um 23:00 Uhr
Eher eine Diplomarbeit/Doktorarbeit als ein Ratgeberbuch
Ganz kurz zusammengefasst: Das Buch liest sich wie eine Diplomarbeit/Doktorarbeit zur Thematik der gesellschaftlichen Umbrüche im Informationszeitalter mit den Auswirkungen auf den einzelnen Menschen.
Schon alleine die ganzen Quellenhinweise im Anhang zeigen die Ähnlichkeit zu einer Arbeit als zu einem Ratgeberbuch. Mir persönlich fehlten die konkreten Ratschläge, was ich denn jetzt tun soll als Wissensarbeiter…
Also eher ein Buch für Menschen, die sich mit der im Buch geschriebenen Thematik intensiv (beruflich oder im Studium) auseinandersetzen als für Privatleute!
4. April 2010 um 05:51 Uhr
Die Büchse der Pandora!
Inhaltlich, wenn auch nicht immer sachlich, dafür aber um so ausschweifender, wurde über dieses Buch nun schon so lange hin und her rezensiert, dass ich da nicht noch eins draufsetzen will. Eines ist klar, Schirrmacher berührt hier einen äußerst wunden Punkt und so gehen die Meinungen weit auseinander. Ich habe die Lektüre des Buches jedenfalls genossen, auch wenn ich in manchem Punkt anderer Meinung bin. Die meisten von uns werden in den nächsten Jahrzehnten eh hautnah erleben, ob Orwells 1984 oder Huxleys Schöne neue Welt triumphiert. Es wird wohl ein Mix aus beidem sein … und ansonsten dürfen wir ja auf unseren gesunden Menschenverstand zählen, der uns ja schon in Sachen Bankenkrise, Klimaerwärmung oder Dumpinglohnzunahme weiterhilft und weitergeholfen hat.
Ich wollte Schirrmachers Buch ursprünglich mit vier Punkten bewerten, doch als Ausgleich sind hier fünf Punkte angesagt.
4. April 2010 um 05:51 Uhr
Die Büchse der Pandora!
Inhaltlich, wenn auch nicht immer sachlich, dafür aber um so ausschweifender, wurde über dieses Buch nun schon so lange hin und her rezensiert, dass ich da nicht noch eins draufsetzen will. Eines ist klar, Schirrmacher berührt hier einen äußerst wunden Punkt und so gehen die Meinungen weit auseinander. Ich habe die Lektüre des Buches jedenfalls genossen, auch wenn ich in manchem Punkt anderer Meinung bin. Die meisten von uns werden in den nächsten Jahrzehnten eh hautnah erleben, ob Orwells 1984 oder Huxleys Schöne neue Welt triumphiert. Es wird wohl ein Mix aus beidem sein … und ansonsten dürfen wir ja auf unseren gesunden Menschenverstand zählen, der uns ja schon in Sachen Bankenkrise, Klimaerwärmung oder Dumpinglohnzunahme weiterhilft und weitergeholfen hat.
Ich wollte Schirrmachers Buch ursprünglich mit vier Punkten bewerten, doch als Ausgleich sind hier fünf Punkte angesagt.
9. April 2010 um 12:17 Uhr
Naja…
Anfangs war ich begeistert von dem Buch, da ich die Probleme die beschrieben werden, sehr gut nachvollziehen kann.
Jedoch werden die versprochenen Lösungen nicht dargestellt. Teilweise schafft es der Autor über mehrere Seiten zusammenhangslose Beispiele aneinander zu reihen, ohne eine wirkliche Aussage zu machen.
Manche Kapitel im 2. Teil (”Wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen können”) habe ich mehrmals durchgelesen, da ich dachte, ich bin unkonzentriert und kann die Aussage bzw. den Lösungsansazt für die Probleme nicht erfassen. Doch es gab einfach nichts zum erfassen.
9. April 2010 um 12:17 Uhr
Naja…
Anfangs war ich begeistert von dem Buch, da ich die Probleme die beschrieben werden, sehr gut nachvollziehen kann.
Jedoch werden die versprochenen Lösungen nicht dargestellt. Teilweise schafft es der Autor über mehrere Seiten zusammenhangslose Beispiele aneinander zu reihen, ohne eine wirkliche Aussage zu machen.
Manche Kapitel im 2. Teil (”Wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen können”) habe ich mehrmals durchgelesen, da ich dachte, ich bin unkonzentriert und kann die Aussage bzw. den Lösungsansazt für die Probleme nicht erfassen. Doch es gab einfach nichts zum erfassen.
14. April 2010 um 21:17 Uhr
Krafttraining für den Muskel der Selbstkontrolle
Das Buch von Frank Schirrmacher ist in zwei Teile gegliedert. Zuerst beschreibt der Autor, »warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen«, im zweiten, nur halb so langen Teil versucht er aufzuzeigen, »wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen müssen«. Vereinfacht ausgedrückt beschäftigt er sich mit den vielfältigen Auswirkungen des vermeintlichen oder realen ‘Information-Overload’. »Das Buch will zeigen, wie die Informationsexplosion unser Gedächtnis, unsere Aufmerksamkeit und unsere geistigen Fähigkeiten verändert«.
Der Verfasser konzentriert sich bei seinen Betrachtungen auf den Computer, das Internet, die Telekommunikationsmedien. Der Computer verführt uns nach Schirrmacher zu Verhaltensweisen, die wir eigentlich gar nicht wollen. Es geht darum, wie wir die Datenmengen, die uns dank moderner Technologien ständig überfluten, sinnvoll selektieren und verarbeiten. Es ist also an der Zeit, unseren Umgang mit den ‘neuen Medien’ zu überdenken. Der Ausweg lautet: Perspektivwechsel.
Schirrmacher referiert in den ersten Kapiteln seines Buches über empirische Erkenntnisse aus der Hirnforschung, den Sozialwissenschaften und der Psychologie und stellt sie in Beziehung zum omnipräsenten Computer. »Der Computer verändert die Verdrahtungen in unserem Hirn«. Das mag so sein, aber auch das Lesen eines Buches initiiert Veränderungen in der Hirnstruktur. Wobei ich persönlich weniger von Verdrahtungen sondern von Verbindungen sprechen würde. Klassische Medien wie Bücher, Zeitungen, Radio und Fernsehen als Elemente unserer Informationsgesellschaft scheinen dem Autor erstaunlicherweise nicht betrachtenswert.
Dafür pauschalisiert und verallgemeinert Schirrmacher unzulässig. »Jeder weiß, dass E-Mails, auf die man nicht innerhalb von 48 Stunden reagiert hat, niemals beantwortet werden.« Dies mag in seiner Erfahrungs- und Verhaltenswelt zutreffend sein, stimmt aber bei mir und vielen meiner Bekannten nachweisbar nicht.
Bemerkenswerterweise benennt Schirrmacher die Akteure ‘hinter dem Computer’ nicht. Wirtschaftliche Interessen von Google und Co werden nicht explizit dargelegt. Die Machtinteressen von Staat (’totale Überwachung’) und einzelnen Gruppen bleiben unerwähnt. ‘Der Computer’, ‘die Algorithmen’ sind die Schuldigen. Schirrmacher meint wörtlich »Der Computer ist kein Medium. Er ist ein Akteur.« Für mich ist das nur Ausdruck für das Fehlen wirklichen Verständnisses der modernen Kommunikationstechnologien. Insbesondere seit dem Aufkommen des so genannten Web 2.0.
Schirrmacher fordert mehr Engagement der Informatiker. Er zitiert den Computerpionier John von Neumann mit den Worten: ‘Wir müssen die Tatsache wieder und wieder betonen, dass kein existierender Computer zuverlässig auf einem so niedrigen Präzisionsniveau arbeiten kann, wie das menschliche Hirn.’ Ohne zu erwähnen, dass von Neumann bereits seit über 50 Jahren tot ist. Dagegen wird der Informatiker Joseph Weizenbaum, einer der profiliertesten Gesellschaftskritiker und Mahner, nur einmal kurz erwähnt. Von den kenntnisreichen Warnern des CCC (Chaos Computer Club), vom FIFF (Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung, besteht seit 1984) oder den informativen, jährlichen Berichten der Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes ist keine Rede.
Der Herausgeber der FAZ übt daneben Kritik nicht an den aktiven Kommunikationsmedien, sondern an den modernen Bildungsinstitutionen. Doch schon zu meiner Schulzeit (in der Phase der Babyboomer) war das Lernziel nicht, reines Wissen zu vermitteln, wie Schirrmacher den Schulen des letzten Jahrhunderts unterstellt, sondern Transferleistungen zu erlernen.
Schirrmacher negiert erstaunlicherweise die Kraft des individuellen Willens oder der eigenen Meinung. Überhaupt drängt sich der Eindruck auf, dass Schirrmacher seine eigenen Probleme mit modernen Medien verarbeitet, ohne deren Konzepte, Ideen, Möglichkeiten und Gefahren wirklich unabhängig sehen, erkennen und benennen zu können. So beschreibt er vieles verkürzt oder falsch; seine empirischen Beweise sind interpretierbar, die verwendete Terminologie ist teilweise unpassend. Seine Aussage: »Das Internet erzeugt Intelligenz.« irritiert im Kontext seiner sonstigen Befürchtungen.
Beim Lesen entwickelte sich auch bei mir scheinbar ein ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). Doch es lag eindeutig nicht am Multitasking, sondern am Inhalt des Lesestoffs. Viele Passagen des Buches wirken zusammengestoppelt, wie ein Brotkrumenweg durch die Verlinkungen des http://WWW. Manchmal schreibt Schirrmacher informativ, sogar emotional, doch ohne den leitenden und verbindenden roten Faden. Und wie im Internet üblich sollte man immer im Hinterkopf behalten, woher die vorgeblich objektive Wahrheit stammt. Selbst der Artikel in Wikipedia über Schirrmacher erscheint mir in diesem Kontext ausgesprochen selektiv und damit subjektiv. Die Konsequenz lautet folglich, immer kritisch zu bleiben, egal welches Medium uns angeblich fundierte Informationen zu vermitteln versucht, sei es das Internet oder ein Buch.
14. April 2010 um 21:17 Uhr
Das Beste was Sie zur Zeit kaufen können
Ich habe dieses Buch erst gestern gefunden und (noch) nicht gekauft. Doch ich werde es kaufen müssen ob wohl ich ja sparen wollte. Beim Überfliegen las ich ausschliesslich nur Dinge die ich im Anriss selbst schon fand - von Anderen jedoch immer dafür belächelt wurde. Schirrmacher bringt Alles absolut auf den Punkt und daher beinhaltet dies Buch die Wahrnehmung der Wirklichkeit wie sie in Wahrheit ist. Ohne diese Bewusstwerdung wird die Menschheit Opfer der “Factory-Modelle” nach denen Menschen nur noch be-, ab- und ausgenutzt werden und ihre eigene innere geistige Entwicklung nur zu einem einstiger frommer Wunsch degradiert wird. Was heute “rulez” ist Nutzbarheit, Vorteil, Gewinn um jeden Preis - keine Musse, Komtemplation, Erhebung zu geistigen Höhen oder was immer Sie wirklich wünschen. Doch dies ist keine Entwicklung sondern Ausbeutung - inzwischen icht der Körperkraft sondern der Aufmerksamkeit - der zentralen Kraft des menschlichen Ichs. Eben diese soll unterworfen werden. Und das eben bemerkt Schirrmacher und sagt es auch laut. Selbst die wenigen Menschen denen dies bereits einigermassen bewusst ist werden eine unerschöpfliche Quelle an bereits ernsthaft errungen Einsichten zur Verfügung haben so sie dies Buch kaufen.
Ich gebe Frank NEUN STERNE dafür - er zeigt damit dass er nicht nur “Journalist” sondern ein echter Existenzialphilosoph ist - einer der es mit Anderen ernst und ehrlich meint . Hut ab !
14. April 2010 um 21:17 Uhr
Krafttraining für den Muskel der Selbstkontrolle
Das Buch von Frank Schirrmacher ist in zwei Teile gegliedert. Zuerst beschreibt der Autor, »warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen«, im zweiten, nur halb so langen Teil versucht er aufzuzeigen, »wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen müssen«. Vereinfacht ausgedrückt beschäftigt er sich mit den vielfältigen Auswirkungen des vermeintlichen oder realen ‘Information-Overload’. »Das Buch will zeigen, wie die Informationsexplosion unser Gedächtnis, unsere Aufmerksamkeit und unsere geistigen Fähigkeiten verändert«.
Der Verfasser konzentriert sich bei seinen Betrachtungen auf den Computer, das Internet, die Telekommunikationsmedien. Der Computer verführt uns nach Schirrmacher zu Verhaltensweisen, die wir eigentlich gar nicht wollen. Es geht darum, wie wir die Datenmengen, die uns dank moderner Technologien ständig überfluten, sinnvoll selektieren und verarbeiten. Es ist also an der Zeit, unseren Umgang mit den ‘neuen Medien’ zu überdenken. Der Ausweg lautet: Perspektivwechsel.
Schirrmacher referiert in den ersten Kapiteln seines Buches über empirische Erkenntnisse aus der Hirnforschung, den Sozialwissenschaften und der Psychologie und stellt sie in Beziehung zum omnipräsenten Computer. »Der Computer verändert die Verdrahtungen in unserem Hirn«. Das mag so sein, aber auch das Lesen eines Buches initiiert Veränderungen in der Hirnstruktur. Wobei ich persönlich weniger von Verdrahtungen sondern von Verbindungen sprechen würde. Klassische Medien wie Bücher, Zeitungen, Radio und Fernsehen als Elemente unserer Informationsgesellschaft scheinen dem Autor erstaunlicherweise nicht betrachtenswert.
Dafür pauschalisiert und verallgemeinert Schirrmacher unzulässig. »Jeder weiß, dass E-Mails, auf die man nicht innerhalb von 48 Stunden reagiert hat, niemals beantwortet werden.« Dies mag in seiner Erfahrungs- und Verhaltenswelt zutreffend sein, stimmt aber bei mir und vielen meiner Bekannten nachweisbar nicht.
Bemerkenswerterweise benennt Schirrmacher die Akteure ‘hinter dem Computer’ nicht. Wirtschaftliche Interessen von Google und Co werden nicht explizit dargelegt. Die Machtinteressen von Staat (’totale Überwachung’) und einzelnen Gruppen bleiben unerwähnt. ‘Der Computer’, ‘die Algorithmen’ sind die Schuldigen. Schirrmacher meint wörtlich »Der Computer ist kein Medium. Er ist ein Akteur.« Für mich ist das nur Ausdruck für das Fehlen wirklichen Verständnisses der modernen Kommunikationstechnologien. Insbesondere seit dem Aufkommen des so genannten Web 2.0.
Schirrmacher fordert mehr Engagement der Informatiker. Er zitiert den Computerpionier John von Neumann mit den Worten: ‘Wir müssen die Tatsache wieder und wieder betonen, dass kein existierender Computer zuverlässig auf einem so niedrigen Präzisionsniveau arbeiten kann, wie das menschliche Hirn.’ Ohne zu erwähnen, dass von Neumann bereits seit über 50 Jahren tot ist. Dagegen wird der Informatiker Joseph Weizenbaum, einer der profiliertesten Gesellschaftskritiker und Mahner, nur einmal kurz erwähnt. Von den kenntnisreichen Warnern des CCC (Chaos Computer Club), vom FIFF (Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung, besteht seit 1984) oder den informativen, jährlichen Berichten der Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes ist keine Rede.
Der Herausgeber der FAZ übt daneben Kritik nicht an den aktiven Kommunikationsmedien, sondern an den modernen Bildungsinstitutionen. Doch schon zu meiner Schulzeit (in der Phase der Babyboomer) war das Lernziel nicht, reines Wissen zu vermitteln, wie Schirrmacher den Schulen des letzten Jahrhunderts unterstellt, sondern Transferleistungen zu erlernen.
Schirrmacher negiert erstaunlicherweise die Kraft des individuellen Willens oder der eigenen Meinung. Überhaupt drängt sich der Eindruck auf, dass Schirrmacher seine eigenen Probleme mit modernen Medien verarbeitet, ohne deren Konzepte, Ideen, Möglichkeiten und Gefahren wirklich unabhängig sehen, erkennen und benennen zu können. So beschreibt er vieles verkürzt oder falsch; seine empirischen Beweise sind interpretierbar, die verwendete Terminologie ist teilweise unpassend. Seine Aussage: »Das Internet erzeugt Intelligenz.« irritiert im Kontext seiner sonstigen Befürchtungen.
Beim Lesen entwickelte sich auch bei mir scheinbar ein ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). Doch es lag eindeutig nicht am Multitasking, sondern am Inhalt des Lesestoffs. Viele Passagen des Buches wirken zusammengestoppelt, wie ein Brotkrumenweg durch die Verlinkungen des http://WWW. Manchmal schreibt Schirrmacher informativ, sogar emotional, doch ohne den leitenden und verbindenden roten Faden. Und wie im Internet üblich sollte man immer im Hinterkopf behalten, woher die vorgeblich objektive Wahrheit stammt. Selbst der Artikel in Wikipedia über Schirrmacher erscheint mir in diesem Kontext ausgesprochen selektiv und damit subjektiv. Die Konsequenz lautet folglich, immer kritisch zu bleiben, egal welches Medium uns angeblich fundierte Informationen zu vermitteln versucht, sei es das Internet oder ein Buch.
14. April 2010 um 21:17 Uhr
Das Beste was Sie zur Zeit kaufen können
Ich habe dieses Buch erst gestern gefunden und (noch) nicht gekauft. Doch ich werde es kaufen müssen ob wohl ich ja sparen wollte. Beim Überfliegen las ich ausschliesslich nur Dinge die ich im Anriss selbst schon fand - von Anderen jedoch immer dafür belächelt wurde. Schirrmacher bringt Alles absolut auf den Punkt und daher beinhaltet dies Buch die Wahrnehmung der Wirklichkeit wie sie in Wahrheit ist. Ohne diese Bewusstwerdung wird die Menschheit Opfer der “Factory-Modelle” nach denen Menschen nur noch be-, ab- und ausgenutzt werden und ihre eigene innere geistige Entwicklung nur zu einem einstiger frommer Wunsch degradiert wird. Was heute “rulez” ist Nutzbarheit, Vorteil, Gewinn um jeden Preis - keine Musse, Komtemplation, Erhebung zu geistigen Höhen oder was immer Sie wirklich wünschen. Doch dies ist keine Entwicklung sondern Ausbeutung - inzwischen icht der Körperkraft sondern der Aufmerksamkeit - der zentralen Kraft des menschlichen Ichs. Eben diese soll unterworfen werden. Und das eben bemerkt Schirrmacher und sagt es auch laut. Selbst die wenigen Menschen denen dies bereits einigermassen bewusst ist werden eine unerschöpfliche Quelle an bereits ernsthaft errungen Einsichten zur Verfügung haben so sie dies Buch kaufen.
Ich gebe Frank NEUN STERNE dafür - er zeigt damit dass er nicht nur “Journalist” sondern ein echter Existenzialphilosoph ist - einer der es mit Anderen ernst und ehrlich meint . Hut ab !
6. Mai 2010 um 02:00 Uhr
Kein Ratgeber - aber eine gute Gelegenheit das eigene Denken reflektieren!
Die Bandbreite der abgegebenen Kommentare zeigt schon: Das Buch polarisiert.
Was es NICHT ist:
* wissenschaftlich/journalistisch sauber gemacht
* stringent und frei von Redundanzen
und es liefert keine Ratschläge/Patentrezepte, wie der Leser seine persönliche Situation meistern kann
Was es IST:
* eine Anregung das eigene Denken und Arbeiten BEWUSST daraufhin zu untersuchen, wie stark die Ablenkung
inzwischen geworden ist und sich seine eigenen Abwehrmechanismen zu schaffen.
In meiner Wahrnehmung nach der Lektüre geschärft, mußte ich mit Entsetzen feststellen, daß ich die wenigsten
zu erledigenden Dinge wirklich in einem Stück erledigen konnte. Ausgehend von einem Dokument, für dessen Bearbeitung ich die Information aus einer E-Mail brauchte, die wiederum einen Link enthielt, der dann wieder auf eine andere Webseite führte ….
Kurz: Ich zwinge mich zwischenzeitlich meinen Rechner für eine gewisse Zeit auszuschalten (Was in einem IT-Haus, eher schwierig ist), um der Flut zu entgehen. Um einen Gedanken störungsfrei durchzugehen, nehme ich wieder Bleistift und Papier. Manchmal fehlt mir dann etwas - ein untrügliches Zeichen, daß mich die Maschinen schon konditioniert haben.
Und deswegen lohnt sich dieses Buch, bei allen Schwächen, die es sicher hat. Ein Danke dafür.
17. Mai 2010 um 05:51 Uhr
Nutze Deine Fähigkeiten!
In seinem Buch beschreibt Frank Schirrmacher eindrucksvoll unsere mentale Veränderung durch die immer intensivere Nutzung der Computer. Die Auswirkungen des Multi-Tasking auf unseren Alltag sind längst spürbar und Schirrmacher bringt sie eindrucksvoll auf den Punkt. Er zeigt auf, auf welchen Gebieten wir den Maschinen hoffnungslos unterlegen sind, von ihnen abhängig und auf sie angewiesen. Aber er führt auch klar die Unterschiede zwischen Mensch und Maschine aus - und zeigt uns dabei unsere Chancen.
Wir leben im Informationszeitalter und es macht keinen Sinn, uns dagegen aufzulehnen. Vielmehr sollten wir die Möglichkeiten erkennen und die Chancen nutzen, die sich uns bieten. Schirrmacher gibt interessante Ansätze vor und lässt dem Leser genügend Raum zum eigenen Denken.
Die 240 Seiten von ‘Payback’ lesen sich spannend wie ein Krimi. Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich nicht nur berieseln lassen möchten, sondern die eigenen Fähigkeiten nutzen wollen.
22. Mai 2010 um 20:00 Uhr
Internet verändert unser Leben
Es wäre zu einseitig, aus diesem äußerst lenenswerten Buch lediglich die Veränderungen unseres Lebens durch Internet in seiner heutigen Arbeitsweise herauszustellen, wenngleich Internet - eingebettet in die anderen Kommunikationsmedien - schon jetzt einen wesentlichen Einfluss hat. Können Sie sich eine Welt ohne Google vorstellen, ohne E-Mails und natürlich ohne Amazon.de, die mir regelmäßig Buchneuerscheinungen anbieten, die meine Interessensgebiete treffen? Der Amazon-Computer hat mich also bereits kennen gelernt, wenn auch erst in recht rudimentärer Form. Und was wäre ohne Facebook, dessen Einflussnahme auf unseren Alltag ja eben erst begonnen hat? Sicher, heute entscheide ich noch, was zu tun ist - oder schon nicht mehr so hundertprozentig?
Vieles, was ich bislang in meinem Hirn speichern musste, wenn ich später darauf zurückgreifen möchte, kann ich künftig im Internet speichern - mein zweites Gehirn, das natürlich die Informationen nicht nur als Datei abspeiochert, wie heute mein Laptop, sondern mit der Information arbeitet und daraus Vorschläge generiert, was wir tun oder wie wir uns verhalten sollten. Es liegt ganz bei uns, was wir mit der frei gewordenen Gehirn-Kapazität anfangen: Panem et Circenses, häufigeres Meditieren oder effizienter arbeiten und mehr Geld verdienen. Aber auch dazu wird uns Internet Vorschläge machen. Kaum einem fällt auf, dass sich hier bereits die ersten Verlagerungen des Denkens abspielen. “Auf längere Sicht”, sagt Schirrmacher, “wird das Internet eine so reiche Infrastruktur aufweisen, dass Ideen sich außerhalb des menschlichen Kopfes entwickeln”. Denken kann der Mensch also einstellen. Die Zukunft wird erweisen, ob der Computer auch kreativ sein kann.
Auf der anderen Seite verblöden wir zunehmend, zunächst durch das Fernsehen, und jetzt durch Internet. “Ich spüre”, beschwert sich Schirrmacher, ” dass mein biologisches Endgerät im Kopf nur über eingeschränkte Funktionen verfügt und in seiner Konfusion beginnt, eine Menge falscher Dinge zu lernen. Die Gesellschaft, die die Kontrolle über ihr Denken neuartig zurückghewinnt, ist eine,der in Schulen und Hochschulen Meditation als Teil des Unterrichts angeboten werden. Sie werden - hoffentlich - zu Institutionen, in denen Denken gelehrt wird und nicht Gedanken.
Können Sie noch einen Augenblick zögern, dieses Buch zu bestellen?
22. Mai 2010 um 20:00 Uhr
Begeistert…
…denn endlich sagt jemand, wie wir teilweise auch negativ von Computern beeinflusst werden.
Manchmal übertreibt Schirrmann aber auch sichtlich. Trotzdem gutes Buch, was man gelesen
sollte, wenn man sich wirklich dafür interessiert.
22. Mai 2010 um 20:00 Uhr
Sehr lesenswert
Kurz gesagt: Gedanken, die jeder User täglich hat aber nie zu fassen wagt: präzise Wiedergabe unseres täglichen Dilemmas. Spannend zu lesen und noch spannender zu diskutieren. Ein echter Schirrmacher.
28. Mai 2010 um 13:00 Uhr
Google-hörig, nicht philosophisch
Zeitgeist-Surfer Schirrmacher hat mich durch eine seiner zahllosen Werbetouren in Schwätzrunden des Fernsehens schließlich doch verleitet, einmal ein Buch von ihm zu lesen. Er ist der unkritischste Gesinnungs-Amerikaner, den man sich vorstellen kann: Im ganzen Buch zitiert er zur Sache ausschließlich Amerikaner, auf deren Einschätzungen und jeweils kürzest abgehandelte Studien er gläubig vertraut. Den Aussagen des Daten- und Schnüffel-Konzerns Google zur aus dessen Sicht wünschenswerten Entwicklung der Informationsfindung, -nutzung und -verwaltung ist S. absolut hörig. Google ist für ihn DIE Autorität. Mit keinem Wort erwähnt er auch nur, dass es auch andere Suchmaschinen als die hochgelobte Datenkrake gibt, die wie z.B. ixquick bei Suchanfragen datenschutzfreundlich keine IP speichern. Auch die jedenfalls für Akademiker nicht zitierfähige Seite Wikipedia, in die jeder Ignorant hineinschreiben kann, was er will, und die politisch-korrekt gesteuert wird, hält S. offensichtlich für einen Ort seriöser Informationsgewinnung! Der ganze amerikanische Erzählstil des Buches, atemlos, mit vielen kurzen Sätzen, unter Nennung von ca. 150 amerikanischen Experten, die häufig mit Prädikaten wie “renommiert” angepriesen werden und die in Europa nur Eingeweihte kennen dürften, hat mich nicht angesprochen. Wer nach dem wenig ergiebigen Kreisen ums Thema im ersten Teil, im zweiten tiefergehend Philosophisches erwartet, wird enttäuscht. Die Titelwahl wird nirgends erklärt und erschließt sich mir nicht. Für die Fleißarbeit sind zwei Punkte reichlich.
9. Juni 2010 um 02:00 Uhr
Mehr Schein als Sein
Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass sich Herr Schirrmacher schon bald im Kreis dreht und seine Thesen nicht zu Ende entwickelt, allenfalls einige Denkanstöße liefert: Menschen ticken mehr und mehr wie Computer, passen sich ihnen an; die Rechner und Anwendungen selbst werden immer mächtiger, raffinierter und verstehen uns immer besser. Dadurch dass der Mensch mehr und mehr an die Computer delegiert, hat er einerseits großen Nutzen, liefert sich der Entwicklung aber auch aus… Gestört hat mich insbesondere, dass Schirrmacher immer wieder unzählige Zitate, Links und Aussagen Dritter einstreut, diese oft genug einfach so stehen lässt, als ob dadurch schon irgendetwas bewiesen wäre. Wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückfinden sollen, weiß ich zudem immer noch nicht. Leider habe ich durch das Buch nicht wirklich neue Erkenntnisse gewonnen und mich mehr als einmal gefragt, ob der Autor vom Thema wirklich Ahnung hat oder alles nur zusammengegoogelt hat. Schade, ich bin enttäuscht. Hatte mir mehr erwartet.
2. Juli 2010 um 17:51 Uhr
Treffende Analyse aber zu dünn in der Konsequenz
Ich habe mir das Buch während einer Radtour als “leichte” Urlaubslektüre gekauft, da mich das Thema interessiert und ich auch selbst davon betroffen bin. Ich kannte zu diesem Zeitpunkt weder Herrn Schirrmacher noch die Diskussion um seine Person und seine Veröffentlichungen. Deshalb konnte ich mir meine Meinung uneeinflusst von einigen doch sehr kritischen Beiträgen bilden, die ich mittlerweile gelesen habe. Es wurden bereits sehr viele Kritiken geschrieben, die den Inhalt des Buches zusammenfassen, deshalb beschränke ich mich auf eine subjektive Gesamteinschätzung dieses Werkes.
Aus meiner Sicht ist die Analyse des Status Quo recht gut gelungen. Vieles entspricht meiner eigenen Erfahrung. Die verschiedenen Verweise auf andere Literatur erfordert allerdings eine intensivere Beschäftigung mit den einzelnen Aspekten, was mir während der Radtour aufgrund der Weigerung meiner Frau, das Notebook mitzunehmen, nicht möglich war. Die Liste der Verweise stellt einen guten Einstieg dar. Auffällig ist allerdings, dass die zitierten Artikel und Studien im Wesentlichen aus dem angloamerikanischen Bereich stammen und kaum Beiträge aus deutschen Quellen zu finden sind. Ob das in einer Vorliebe des Autors für die Thesen der zitierten Autoren oder ein Mangel an guten deutschen Quellen ist, kann ich nicht beurteilen.
Die meisten Themen werden nur kursorisch angerissen und natürlich subjektiv vom Autor interpretiert. Dabei sind manche Aspekte sicher überspitzt, regen aber zum nachdenken an. Bei dem Buch handelt es sich zweifelsfrei nicht um eine wissenschaftliche Arbeit im engeren Sinne. Das sollte es wahrscheinlich auch nicht sein. Es steht jedem frei, eine eigene Meinung zu haben und das sollte laut Autor auch so sein.
Die größte Schwäche des Buches ist aus meiner Sicht der nur sehr abstrakte Ansatz, wie man mit den Anfoderungen des Informationszeitalters umgehen soll. Hier verfehlt das Buch den Anspruch des Untertitels “… wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen”. Das ist aber meiner Meinung nach der Knackpunkt der Sache. Wahrscheinlich gibt es keine allgemeingültige Lösung, aber etwas konkreter hätte es schon sein dürfen. So hinterlässt das Buch den Leser am Ende ohne wirkliche Hilfestellung.
Insgesamt ein interessanter Einstieg in die Thematik welche Wirkung das Internet und andere elektronische Medien auf unser Denken und Verhalten haben. Lösungen für typische Probleme kann das Buch allerdings nicht bieten.
8. Juli 2010 um 19:51 Uhr
Gedruckte Infoschwemme macht digitaler Infoschwemme alle Ehre!
Der Titel verführt zum Kauf des Buches und zum Anlesen. Aber spätestens nach einer halben Stunde Lektüre fühlt man sich erschöpft. Man sucht den roten Faden, klammert sich an Infos, die man bereits kennt, um wenigstens ein einigermaßenes Aha-Erlebnis zu haben und für den Rest quält man sich durchs Buch weil es so teuer war. Am Ende fragt man sich, was man da eigentlich gelesen hat. Die Kritik des Autors am Internet, Wichtiges von Unwichtigem nicht mehr trennen zu können, wäre überzeugender, hätte er selber es anders gemacht.
8. Juli 2010 um 19:51 Uhr
Gedruckte Infoschwemme macht digitaler Infoschwemme alle Ehre!
Der Titel verführt zum Kauf des Buches und zum Anlesen. Aber spätestens nach einer halben Stunde Lektüre fühlt man sich erschöpft. Man sucht den roten Faden, klammert sich an Infos, die man bereits kennt, um wenigstens ein einigermaßenes Aha-Erlebnis zu haben und für den Rest quält man sich durchs Buch weil es so teuer war. Am Ende fragt man sich, was man da eigentlich gelesen hat. Die Kritik des Autors am Internet, Wichtiges von Unwichtigem nicht mehr trennen zu können, wäre überzeugender, hätte er selber es anders gemacht.