Der amerikanische Virus. Wie verhindern wir den nächsten Crash? (Rainer Hank)

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8 Kommentare zu „Der amerikanische Virus. Wie verhindern wir den nächsten Crash? (Rainer Hank)“

  1. Bibi sagt:

    Dieses lesenswerte Buch räumt mit vielen Mythen über die Ursachen der Krise radikal und aufklärerisch auf
    Seit fast zwei Jahrzehnten ist der Wirtschaftsjournalist der FAZ und FAS Rainer Hank nicht nur für seine regelmäßigen unabhängigen und klugen Kommentare zum aktuellen Wirtschaftsgeschehen den Lesern dieser Zeitungen bekannt und vertraut geworden, sondern in dieser Zeit legt er immer wieder interessante und wegweisende Bücher vor, die jeweils weit ihrer Zeit voraus sind. Ich erinnere mich etwa noch gut an das bei Eichborn 1995 erschienene Buch “Arbeit. Die Religion des 20. Jahrhunderts” und das 2004 erschienene Buch “Das Ende der Gleichheit”.

    Rainer Hank, 1953 geboren, ist ein unabhängiger und streitbarer Geist, philosophisch und theologisch gebildet, kritisch gegenüber allen schnellen Utopien aber auch kritisch gegenüber jenen Katastrophenmeldungen und -stimmungen, die da seit Mitte des vergangenen Jahres durch die Medien und auch die Köpfe der Politiker geistern.

    Gegen den übereinstimmenden Konsens aller am Diskurs Beteiligten, dass es die Gier der Investmentbanker und der Hedgefonds war, die die Weltwirtschaft in den Abgrund getrieben hat, formuliert Rainer Hank im vorliegenden Buch eine überfällige Gegenstimme zu jener auf allen Kanälen formulierten Empörungsrhetorik, die immer außer acht lässt, dass es eben auch die sogenannten kleinen Leute waren, die sich mit billigen Krediten gerne verführen ließen, und mit dem Run auf die große Rendite für ihre Spareinlagen zu der Gesamtgier nicht unwesentlich beigetragen haben.

    Hank nutzt die Krise um sich und seinen Lesern einmal Klarheit zu vermitteln über die grundlegenden Mechanismen unseres Wirtschaftssystems. Aus der neuen Wissenschaft der Behavioral Finance” bezieht er Erkenntnisse ein und reflektiert die ganze Geschichte auch philosophisch. Puritanismus u n d Gier, Arbeitsethos

    u n d Spekulationslust, so Hank, waren von Anfang in der US-amerikanischen Version des Kapitalismus vereint. Und auch heute gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Kapitalismussysteme, bis hin zu dem sich im Augenblick abzeichnenden Protektionismus des Barack Obama.

    Hank nennt die Tatsache, dass der Markt ohne spekulative Zyklen nicht zu haben ist, die große Kränkung unserer Tage. Dieses Auf und Ab von “lustvoller Gier und paniktreibender Angst”, an dem sich auch die kleinen Leute beim nächsten Mal wieder beteiligen werden, ist vielen unerträglich.

    Diese Angst fordert moderierendes, regulierendes und kontrollierendes staatliches Handeln heraus, wie wir es in diesen Tagen staunend erleben. Doch so Hank, all das kann bestenfalls die Wiederholung alter Krisen verhindern, denn die möglichen von morgen sind uns noch unbekannt.

    Um sich gegen diese aber zu wappnen, formuliert er in diesem lesenswerten Buch eine Grundsätze, die klar und nachprüfbar sind, und über die sich jedenfalls ernsthaftes Nachdenken lohnt. Ich kann die allsonntäglichen Kommentare des Autors zum ganz aktuellen Geschehen in der FAS nur empfehlen.

  2. Alex sagt:

    Ein Plädoyer für den freien Markt, aber …
    Das Buch gliedert sich in die Kapitel

    1. Die Weltordnung

    2. Das Kapital

    3. Die Gier

    4. Der Kredit

    5. Die Spekulation

    6. Das Vertrauen

    7. Der Staat

    8. Der Crash

    9. 10 populäre Irrtümer und 10 goldene Regeln (als Nachwort)

    Das Buch hat ca. 240 Seiten (und nicht 150, wie angezeigt), wobei der eigentliche Text ca. 210 Seiten umfasst.

    Rainer Hank, Leiter der Wirtschafts- und Finanzredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) bekennt gleich zu Beginn, dass er sich so etwas wie die aktuelle Finanzkrise, die er als erste große Krise des globalen Kapitalismus bezeichnet, unlängst noch nicht habe vorstellen können, was sehr ehrlich ist. Für ihn geht es aktuell nicht nur um Verteilungsfragen (10), “sondern um die Anerkennung einer generellen Instabilität des Systems”.

    Dies ist ohnehin sein eigentliches Credo. Er sieht zwar generell enorme Vorteile in der freien Marktwirtschaft (und in eher deregulierten Märkten), doch der Preis dieser Vorteile ist, dass (11) “der Lauf der Wirtschaft regelmäßig von - zum Teil schweren - Krisen heimgesucht wird”. Insbesondere käme es immer wieder zu sogenannten Spekulationsblasen - die er als systemimmanente Unfälle (68) auffasst -, und vor denen nur totalitäre kommunistische Staaten gefeit wären, da dort die Menschen gegängelt würden (12).

    Mit anderen Worten (195): Wir können den nächsten Crash nicht verhindern, so gern wir dies auch tun würden, sondern uns nur besser darauf vorbereiten. Für ihn sind also gelegentliche/regelmäßige Spekulationsblasen und Crashs die unvermeidliche Nebenwirkung eines ansonsten ganz wunderbar funktionierenden freien Marktes. Mit einer solchen Aussage dürften sich jedoch viele Menschen nicht zufrieden geben. Entsprechend könnte man ja sonst auch sagen: “Wir brauchen Atomkraftwerke, damit wir es schön warm zu Hause haben. Bedauerlicherweise fliegen die gelegentlich in die Luft. Das kann man nicht vermeiden. Das ist der Preis der wohligen Wärme.”

    Sehr interessant seine Ausführungen zur Gier (bzw. auch zur Angst: beide Phänomene sind für ihn anthropologische Triebe, Konstanten der psychologischen Grundausstattung des Menschen), die er geschickt mit dem Begriff der Neugier verbindet (13): “Die Neugier ist auch eine Gier. Diese Gier hat unser aller Leben reicher und vielfältiger werden lassen.” Entsprechend fragt er (71): “Ist ‘das Verlangen zu besitzen’ nicht zugleich die Triebfeder unseres Wohlstands?” Damit widerspricht er keineswegs einer Anne T., die in Die Gier war grenzenlos: Eine deutsche Börsenhändlerin packt aus ebenfalls fragt, ob Gier nicht gleichzeitig auch die Kraft ist, die seit jeher Innovation, Produktivität und Fortschritt in Gang setzt und weitertreibt. Beide AutorInnen (Hank, Anne T.) sind gewissermaßen der Ansicht, dass Gier nicht unbedingt etwas mit Schuld zu tun hat (im Sinne von: “die gierigen Bankenbosse”), sondern eine systemimmanente Begleiterscheinungen und gleichfalls der Antrieb unserer Art des Wirtschaftens ist, die aber gemäß Anne T. quasi grenzenlos werden und damit regelrecht krankhafte Züge annehmen kann. Immerhin fragt Hank ganz entsprechend (73): “Könnte es sein, dass das Gewinnstreben dann in Gier umschlägt, wenn das Risiko, das all diese Strebungen begleitet, geleugnet wird?”

    Was beide hier beschreiben, ist in der Biologie als Red-Queen-Hypothese bekannt: Im Märchen Alice hinter den Spiegeln sagt die Rote Königin zu Alice: “In diesem Land musst du so schnell rennen, wie du kannst, um auf der Stelle stehen zu bleiben.” Entsprechend muss in wettbewerbsorientierten Märkten jeder nach “Mehr” ‘gieren’, um seinen Status zu erhalten. Mersch hat dieses Prinzip in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem zu einer allgemeinen Evolutionstheorie ausgebaut, die auch die Phänomene auf den Finanzmärkten recht gut beschreiben kann. Die Innovation, die Hank als charakteristisch für freie Marktwirtschaften ansieht, erklärt Mersch evolutionstheoretisch: Evolution (und damit Innovation) setzt Variation und den Wettbewerb unter den Varianten voraus.

    Anders als Anne T. plädiert Rainer Hank - als Vertreter des freien Marktes (S. 209-210) - lediglich für eine recht behutsame Regulierung der Märkte, denn mehr Regulierung bedeutet für ihn weniger Innovation und weniger Wachstum (200). Insbesondere sollten Regulierungen nicht einfach nur etwas verbieten, sondern gemäß der von Walter Eucken formulierten Grundregel wirken: “Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen.” Hier geht es also letztlich um die Frage der Haftung, zu deren Grundsatz es gemäß Hank auch gehört, dass Banken untergehen können müssen (207). Auch sollten Banken nicht in der Lage sein, Risiken vollständig weiterzuverkaufen. In diesem Zusammenhang dürften sicherlich auch die von der JP Morgan Mitarbeiterin Blythe Masters erfundenen Credit Default Swaps (CDS), die der US-Milliardär Warren Buffet schon 2002 als Massenvernichtungswaffen der Finanzindustrie bezeichnete, eine wesentliche Rolle spielen.

    Generell sehr interessant fand ich seine Äußerungen zur US-Immobilienkrise. Beispielsweise war mir bislang nicht bekannt, dass die amerikanischen Hausbesitzer - anders als bei uns - bei Zahlungsausfall nur um ihr Haus, nicht aber um ihr restliches Vermögen bangen müssen. Interessant auch die ganz andere Entwicklung des US-Immobilienmarktes (zum Boom) im Vergleich zur BRD: Während dort in den Jahren 2002-2006 die Preise für Wohnimmobilien um durchschnittlich 45 Prozent anstiegen, sanken sie bei uns im gleichen Zeitraum um 10 Prozent. Hank folgert (78): “Wir Deutschen wurden von der Krise überrascht, ohne dass wir je Mitspieler des Booms gewesen wären.”

    Sehr eingehend stellt er dar, dass die USA jahrzehntelang über ihre Verhältnisse (und quasi auf Pump) gelebt haben. Sein Rat (35): “Eine reiche Volkswirtschaft muss lernen, weniger zu konsumieren und mehr zu sparen. (…) Ersparnisse sind in einer Volkswirtschaft nötig, denn sie sind die Voraussetzung von Investitionen, geben doch die Banken das gesparte Geld den Unternehmern, die damit ihre Geschäftsideen finanzieren. Doch zunächst fehlt das gesparte Geld dem Konsum. (…) Ein Teufelskreis!”

    Hier hätte ich mir etwas mehr Erläuterung gewünscht, denn den Teufelskreis kann ich leider nicht erkennen. Aus Sicht der umlaufenden Geldmenge ist es doch egal, ob ich mir mit meinem Geld ein Auto kaufe, oder die Bank mein gespartes Geld für einen Kredit zum Kauf einer Baumaschine verwendet.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass Rainer Hank Wirtschaftskrisen als eine zwangsläufige Begleiterscheinung von freien Marktwirtschaften sieht, mit denen man mehr oder weniger leben muss. Für ihn ist die aktuelle Krise auch nicht eine besondere Krise, sondern eine unter vielen, der weitere folgen werden. Themen wie Klimawandel, Grenzen des Wachstums oder globale Ressourcenverknappung werden erst gar nicht diskutiert. Folglich wird auch kein Zusammenhang zwischen der aktuellen Krise und solchen Entwicklungen hergestellt.

  3. Ageline sagt:

    Interessant-im fazit aber zu allgemein und ungenau
    Amüsantes Kreisen um Kapitalismus und Kapitalisten, die eigentlich keine sind.

    Recht informativ auch die Hintergrundinformationen zu den Marktverhältnissen und Befindlichkeiten in den USA.

    Trotz allem aber wars mir zum Ende hin zu schwach, ohne echtes Fazit.

    Die eigentlich thematisierte Frage, wie es in der jetzigen Krise weitergeht bzw. was zu erwarten ist, wird nicht ausreichend beantwortet.Das Buch gibt keine Hilfestelung für den ratsuchenden Leser, wie die gegenwärtige Krisenlage und die Vermögenssicherung in Einklang zu bringen sind.

  4. Claudia sagt:

    Die freie Marktwirtschaft formt die Gemeinschaft, oder?
    Es wird die freie Marktwirtschaft als Heilsbringer für die Gemeinschaft beschrieben. Es räumt mit allen Dingen auf, die auf den ersten Blick als negativ erscheinen. Es hat kein Problem damit, den Staat im Notfall als letzte Hilfe einzufordern. Auch hat er keine Probleme damit der freien Marktwirtschaft Regeln aufzuerlegen, wenn sie auch vielleicht in die nächste Krise führen. Doch man stellt es erst hinterher fest. Entscheidungen können nur mit vorhandenem Wissen erstellt werden. Auf dieser Basis werden auf den letzten Seiten Notwendigkeiten beschrieben, um die gleiche Krise in der Zukunft nicht wieder zu erleben, wenn es auch eine Krise unter anderen Vorzeichen nicht ausschließt. Allein das geweckte Bewußtsein, das es in der Zukunft immer wieder Krisen geben wird, und dass sie im wesentlichen immer wieder nach dem gleichen Schema ablaufen, sollte uns die Gelassenheit geben sie zu meistern.

    Für jeden der die Ursachen der augenblicklichen Krise verstehen möchte das beste Werk.

    Da es im des letzten Kapitel aus dem erarbeiteten auch Konsequenzen zieht: 5 Sterne

  5. Eljas sagt:

    Interessant-im fazit aber zu allgemein und ungenau
    Amüsantes Kreisen um Kapitalismus und Kapitalisten, die eigentlich keine sind.

    Recht informativ auch die Hintergrundinformationen zu den Marktverhältnissen und Befindlichkeiten in den USA.

    Trotz allem aber wars mir zum Ende hin zu schwach, ohne echtes Fazit.

    Die eigentlich thematisierte Frage, wie es in der jetzigen Krise weitergeht bzw. was zu erwarten ist, wird nicht ausreichend beantwortet.Das Buch gibt keine Hilfestelung für den ratsuchenden Leser, wie die gegenwärtige Krisenlage und die Vermögenssicherung in Einklang zu bringen sind.

  6. Claudine sagt:

    Ein Plädoyer für den freien Markt, aber …
    Das Buch gliedert sich in die Kapitel

    1. Die Weltordnung

    2. Das Kapital

    3. Die Gier

    4. Der Kredit

    5. Die Spekulation

    6. Das Vertrauen

    7. Der Staat

    8. Der Crash

    9. 10 populäre Irrtümer und 10 goldene Regeln (als Nachwort)

    Das Buch hat ca. 240 Seiten (und nicht 150, wie angezeigt), wobei der eigentliche Text ca. 210 Seiten umfasst.

    Rainer Hank, Leiter der Wirtschafts- und Finanzredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) bekennt gleich zu Beginn, dass er sich so etwas wie die aktuelle Finanzkrise, die er als erste große Krise des globalen Kapitalismus bezeichnet, unlängst noch nicht habe vorstellen können, was sehr ehrlich ist. Für ihn geht es aktuell nicht nur um Verteilungsfragen (10), “sondern um die Anerkennung einer generellen Instabilität des Systems”.

    Dies ist ohnehin sein eigentliches Credo. Er sieht zwar generell enorme Vorteile in der freien Marktwirtschaft (und in eher deregulierten Märkten), doch der Preis dieser Vorteile ist, dass (11) “der Lauf der Wirtschaft regelmäßig von - zum Teil schweren - Krisen heimgesucht wird”. Insbesondere käme es immer wieder zu sogenannten Spekulationsblasen - die er als systemimmanente Unfälle (68) auffasst -, und vor denen nur totalitäre kommunistische Staaten gefeit wären, da dort die Menschen gegängelt würden (12).

    Mit anderen Worten (195): Wir können den nächsten Crash nicht verhindern, so gern wir dies auch tun würden, sondern uns nur besser darauf vorbereiten. Für ihn sind also gelegentliche/regelmäßige Spekulationsblasen und Crashs die unvermeidliche Nebenwirkung eines ansonsten ganz wunderbar funktionierenden freien Marktes. Mit einer solchen Aussage dürften sich jedoch viele Menschen nicht zufrieden geben. Entsprechend könnte man ja sonst auch sagen: “Wir brauchen Atomkraftwerke, damit wir es schön warm zu Hause haben. Bedauerlicherweise fliegen die gelegentlich in die Luft. Das kann man nicht vermeiden. Das ist der Preis der wohligen Wärme.”

    Sehr interessant seine Ausführungen zur Gier (bzw. auch zur Angst: beide Phänomene sind für ihn anthropologische Triebe, Konstanten der psychologischen Grundausstattung des Menschen), die er geschickt mit dem Begriff der Neugier verbindet (13): “Die Neugier ist auch eine Gier. Diese Gier hat unser aller Leben reicher und vielfältiger werden lassen.” Entsprechend fragt er (71): “Ist ‘das Verlangen zu besitzen’ nicht zugleich die Triebfeder unseres Wohlstands?” Damit widerspricht er keineswegs einer Anne T., die in Die Gier war grenzenlos: Eine deutsche Börsenhändlerin packt aus ebenfalls fragt, ob Gier nicht gleichzeitig auch die Kraft ist, die seit jeher Innovation, Produktivität und Fortschritt in Gang setzt und weitertreibt. Beide AutorInnen (Hank, Anne T.) sind gewissermaßen der Ansicht, dass Gier nicht unbedingt etwas mit Schuld zu tun hat (im Sinne von: “die gierigen Bankenbosse”), sondern eine systemimmanente Begleiterscheinungen und gleichfalls der Antrieb unserer Art des Wirtschaftens ist, die aber gemäß Anne T. quasi grenzenlos werden und damit regelrecht krankhafte Züge annehmen kann. Immerhin fragt Hank ganz entsprechend (73): “Könnte es sein, dass das Gewinnstreben dann in Gier umschlägt, wenn das Risiko, das all diese Strebungen begleitet, geleugnet wird?”

    Was beide hier beschreiben, ist in der Biologie als Red-Queen-Hypothese bekannt: Im Märchen Alice hinter den Spiegeln sagt die Rote Königin zu Alice: “Hierzulande musst du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst.” Entsprechend muss in wettbewerbsorientierten Märkten jeder nach “mehr” ‘gieren’, um seinen Status zu erhalten. Mersch hat dieses Prinzip in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem zu einer allgemeinen Evolutionstheorie ausgebaut, die auch die Phänomene auf den Finanzmärkten recht gut beschreiben kann. Die Innovation, die Hank als charakteristisch für freie Marktwirtschaften ansieht, erklärt Mersch evolutionstheoretisch: Evolution (und damit Innovation) setzt Variation und den Wettbewerb unter den Varianten voraus.

    Anders als Anne T. plädiert Rainer Hank - als Vertreter des freien Marktes (S. 209-210) - lediglich für eine recht behutsame Regulierung der Märkte, denn mehr Regulierung bedeutet für ihn weniger Innovation und weniger Wachstum (200). Insbesondere sollten Regulierungen nicht einfach nur etwas verbieten, sondern gemäß der von Walter Eucken formulierten Grundregel wirken: “Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen.” Hier geht es also letztlich um die Frage der Haftung, zu deren Grundsatz es gemäß Hank auch gehört, dass Banken untergehen können müssen (207). Auch sollten Banken nicht in der Lage sein, Risiken vollständig weiterzuverkaufen. In diesem Zusammenhang dürften sicherlich auch die von der JP Morgan Mitarbeiterin Blythe Masters erfundenen Credit Default Swaps (CDS), die der US-Milliardär Warren Buffet schon 2002 als Massenvernichtungswaffen der Finanzindustrie bezeichnete, eine wesentliche Rolle spielen.

    Generell sehr interessant fand ich seine Äußerungen zur US-Immobilienkrise. Beispielsweise war mir bislang nicht bekannt, dass die amerikanischen Hausbesitzer - anders als bei uns - bei Zahlungsausfall nur um ihr Haus, nicht aber um ihr restliches Vermögen bangen müssen. Interessant auch die ganz andere Entwicklung des US-Immobilienmarktes (zum Boom) im Vergleich zur BRD: Während dort in den Jahren 2002-2006 die Preise für Wohnimmobilien um durchschnittlich 45 Prozent anstiegen, sanken sie bei uns im gleichen Zeitraum um 10 Prozent. Hank folgert (78): “Wir Deutschen wurden von der Krise überrascht, ohne dass wir je Mitspieler des Booms gewesen wären.”

    Sehr eingehend stellt er dar, dass die USA jahrzehntelang über ihre Verhältnisse (und quasi auf Pump) gelebt haben. Sein Rat (35): “Eine reiche Volkswirtschaft muss lernen, weniger zu konsumieren und mehr zu sparen. (…) Ersparnisse sind in einer Volkswirtschaft nötig, denn sie sind die Voraussetzung von Investitionen, geben doch die Banken das gesparte Geld den Unternehmern, die damit ihre Geschäftsideen finanzieren. Doch zunächst fehlt das gesparte Geld dem Konsum. (…) Ein Teufelskreis!”

    Hier hätte ich mir etwas mehr Erläuterung gewünscht, denn den Teufelskreis kann ich leider nicht erkennen. Aus Sicht der umlaufenden Geldmenge ist es doch egal, ob ich mir mit meinem Geld ein Auto kaufe, oder die Bank mein gespartes Geld für einen Kredit zum Kauf einer Baumaschine verwendet.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass Rainer Hank Wirtschaftskrisen als eine zwangsläufige Begleiterscheinung von freien Marktwirtschaften sieht, mit denen man mehr oder weniger leben muss. Für ihn ist die aktuelle Krise auch nicht eine besondere Krise, sondern eine unter vielen, der weitere folgen werden. Themen wie Klimawandel, Grenzen des Wachstums oder globale Ressourcenverknappung werden erst gar nicht diskutiert. Folglich wird auch kein Zusammenhang zwischen der aktuellen Krise und solchen Entwicklungen hergestellt.

  7. Rouven sagt:

    Dieses lesenswerte Buch räumt mit vielen Mythen über die Ursachen der Krise radikal und aufklärerisch auf
    Seit fast zwei Jahrzehnten ist der Wirtschaftsjournalist der FAZ und FAS Rainer Hank nicht nur für seine regelmäßigen unabhängigen und klugen Kommentare zum aktuellen Wirtschaftsgeschehen den Lesern dieser Zeitungen bekannt und vertraut geworden, sondern in dieser Zeit legt er immer wieder interessante und wegweisende Bücher vor, die jeweils weit ihrer Zeit voraus sind. Ich erinnere mich etwa noch gut an das bei Eichborn 1995 erschienene Buch “Arbeit. Die Religion des 20. Jahrhunderts” und das 2004 erschienene Buch “Das Ende der Gleichheit”.

    Rainer Hank, 1953 geboren, ist ein unabhängiger und streitbarer Geist, philosophisch und theologisch gebildet, kritisch gegenüber allen schnellen Utopien aber auch kritisch gegenüber jenen Katastrophenmeldungen und -stimmungen, die da seit Mitte des vergangenen Jahres durch die Medien und auch die Köpfe der Politiker geistern.

    Gegen den übereinstimmenden Konsens aller am Diskurs Beteiligten, dass es die Gier der Investmentbanker und der Hedgefonds war, die die Weltwirtschaft in den Abgrund getrieben hat, formuliert Rainer Hank im vorliegenden Buch eine überfällige Gegenstimme zu jener auf allen Kanälen formulierten Empörungsrhetorik, die immer außer acht lässt, dass es eben auch die sogenannten kleinen Leute waren, die sich mit billigen Krediten gerne verführen ließen, und mit dem Run auf die große Rendite für ihre Spareinlagen zu der Gesamtgier nicht unwesentlich beigetragen haben.

    Hank nutzt die Krise um sich und seinen Lesern einmal Klarheit zu vermitteln über die grundlegenden Mechanismen unseres Wirtschaftssystems. Aus der neuen Wissenschaft der Behavioral Finance” bezieht er Erkenntnisse ein und reflektiert die ganze Geschichte auch philosophisch. Puritanismus u n d Gier, Arbeitsethos

    u n d Spekulationslust, so Hank, waren von Anfang in der US-amerikanischen Version des Kapitalismus vereint. Und auch heute gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Kapitalismussysteme, bis hin zu dem sich im Augenblick abzeichnenden Protektionismus des Barack Obama.

    Hank nennt die Tatsache, dass der Markt ohne spekulative Zyklen nicht zu haben ist, die große Kränkung unserer Tage. Dieses Auf und Ab von “lustvoller Gier und paniktreibender Angst”, an dem sich auch die kleinen Leute beim nächsten Mal wieder beteiligen werden, ist vielen unerträglich.

    Diese Angst fordert moderierendes, regulierendes und kontrollierendes staatliches Handeln heraus, wie wir es in diesen Tagen staunend erleben. Doch so Hank, all das kann bestenfalls die Wiederholung alter Krisen verhindern, denn die möglichen von morgen sind uns noch unbekannt.

    Um sich gegen diese aber zu wappnen, formuliert er in diesem lesenswerten Buch eine Grundsätze, die klar und nachprüfbar sind, und über die sich jedenfalls ernsthaftes Nachdenken lohnt. Ich kann die allsonntäglichen Kommentare des Autors zum ganz aktuellen Geschehen in der FAS nur empfehlen.

  8. Baptiste sagt:

    Dieses lesenswerte Buch räumt mit vielen Mythen über die Ursachen der Krise radikal und aufklärerisch auf
    Seit fast zwei Jahrzehnten ist der Wirtschaftsjournalist der FAZ und FAS Rainer Hank nicht nur für seine regelmäßigen unabhängigen und klugen Kommentare zum aktuellen Wirtschaftsgeschehen den Lesern dieser Zeitungen bekannt und vertraut geworden, sondern in dieser Zeit legt er immer wieder interessante und wegweisende Bücher vor, die jeweils weit ihrer Zeit voraus sind. Ich erinnere mich etwa noch gut an das bei Eichborn 1995 erschienene Buch “Arbeit. Die Religion des 20. Jahrhunderts” und das 2004 erschienene Buch “Das Ende der Gleichheit”.

    Rainer Hank, 1953 geboren, ist ein unabhängiger und streitbarer Geist, philosophisch und theologisch gebildet, kritisch gegenüber allen schnellen Utopien aber auch kritisch gegenüber jenen Katastrophenmeldungen und -stimmungen, die da seit Mitte des vergangenen Jahres durch die Medien und auch die Köpfe der Politiker geistern.

    Gegen den übereinstimmenden Konsens aller am Diskurs Beteiligten, dass es die Gier der Investmentbanker und der Hedgefonds war, die die Weltwirtschaft in den Abgrund getrieben hat, formuliert Rainer Hank im vorliegenden Buch eine überfällige Gegenstimme zu jener auf allen Kanälen formulierten Empörungsrhetorik, die immer außer acht lässt, dass es eben auch die sogenannten kleinen Leute waren, die sich mit billigen Krediten gerne verführen ließen, und mit dem Run auf die große Rendite für ihre Spareinlagen zu der Gesamtgier nicht unwesentlich beigetragen haben.

    Hank nutzt die Krise um sich und seinen Lesern einmal Klarheit zu vermitteln über die grundlegenden Mechanismen unseres Wirtschaftssystems. Aus der neuen Wissenschaft der Behavioral Finance” bezieht er Erkenntnisse ein und reflektiert die ganze Geschichte auch philosophisch. Puritanismus u n d Gier, Arbeitsethos

    u n d Spekulationslust, so Hank, waren von Anfang in der US-amerikanischen Version des Kapitalismus vereint. Und auch heute gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Kapitalismussysteme, bis hin zu dem sich im Augenblick abzeichnenden Protektionismus des Barack Obama.

    Hank nennt die Tatsache, dass der Markt ohne spekulative Zyklen nicht zu haben ist, die große Kränkung unserer Tage. Dieses Auf und Ab von “lustvoller Gier und paniktreibender Angst”, an dem sich auch die kleinen Leute beim nächsten Mal wieder beteiligen werden, ist vielen unerträglich.

    Diese Angst fordert moderierendes, regulierendes und kontrollierendes staatliches Handeln heraus, wie wir es in diesen Tagen staunend erleben. Doch so Hank, all das kann bestenfalls die Wiederholung alter Krisen verhindern, denn die möglichen von morgen sind uns noch unbekannt.

    Um sich gegen diese aber zu wappnen, formuliert er in diesem lesenswerten Buch eine Grundsätze, die klar und nachprüfbar sind, und über die sich jedenfalls ernsthaftes Nachdenken lohnt. Ich kann die allsonntäglichen Kommentare des Autors zum ganz aktuellen Geschehen in der FAS nur empfehlen.

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